Die arabische Sprechergruppe in Frankreich. Deren Wahrnehmung durch die französische Mehrheit und aktuelle Einflussfaktoren


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 3
2.Theoretischer Hintergrund ... 4
2.1 Die Arabische Sprache ... 4
2.2 Einwanderungsgeschichte der arabischen Sprechergruppe ... 5
2.3 Soziologische und sprachpolitische Bedingen der arabischen Sprache in
Frankreich ... 6
2.4 Islamische Prägung und islamische Praxis ... 7
2.5 Rassistischer Diskurs der extremen Rechten ... 8
3. Umfrage ... 9
3.1 Beschreibung der Umfrageteilnehmer ... 9
3.2 Inhalt ... 10
3.3 Selbstkritik ... 10
4. Analyse ... 11
5. Diskussion ... 14
6. Fazit ... 16
7. Literaturverzeichnis ... 17

3
1. Einleitung
Die Kolonialgeschichte früherer Jahrhunderte sowie eine lange Tradition der Anwerbung
ausländischer Arbeitnehmer prägen die Einwanderungssituation in Frankreich bis heute.
Während das Ausmaß der Zuwanderung kontinuierlich wächst, wird diese zunehmend
als Ursache sozialer Probleme wahrgenommen, obgleich die Einwanderung zumindest
aus wirtschaftlicher Perspektive lange als Erfolgsgeschichte galt. Nicht nur der große
Zulauf rechtsextremer Parteien, wie etwa des Front National, sondern auch häufige Un-
ruhen in den Vororten französischer Metropolen verdeutlichen die allgemeine Unzufrie-
denheit in Frankreich.
Anfang 2013 leben 5,8 Millionen Immigranten in Frankreich, das entspricht 8,8% der
französischen Gesamtpopulation. Einwanderer aus Afrika stellen dabei mit Abstand den
größten Anteil der immigrierten Population dar. 43,2% stammen aus Algerien, Marokko,
Tunesien und anderen Ländern Afrikas. Sie gehören größtenteils der arabischen Spre-
chergruppe an.
Afrique
43,2
2 470
100
Algérie
13,1
748 034
Maroc
12,1
692 923
Tunisie
4,4
251 220
Autres pays d' Afrique
13,6
777 922
Tabelle 1: Verteilung der afrikanischen Migranten in Frankreich 2013
1
Die französische Migrationspolitik legt den Fokus auf die Verbesserung der Integration
der arabischen Sprechergruppe in die französische Gesellschaft. Außerdem stellt die
Verbesserung Verhältnisses des französischen Staates zum Islam einen deutlichen
Schwerpunkt dar.
2
Vor diesem Hintergrund werde ich in der vorliegenden Arbeit die Wahrnehmung der
arabischen Sprechergruppe durch die französische Mehrheit mittels einer Umfrage un-
tersuchen. Mein Ziel besteht dabei vor allem darin, aktuelle Einflussfaktoren zu identifi-
zieren und zu versuchen Rückschlüsse bezüglich deren Auswirkung auf die Wahrneh-
mung der arabischen Sprechergruppe zu ziehen. In diesem Zusammenhang erscheint
1
INSEE 2012.
2
Engler 2012.

4
es mir besonders interessant den Einfluss rechtspopulistischer Propaganda durch den
Front National zu untersuchen.
Zunächst werde ich auf die Entwicklung der arabischen Sprache und deren Charakteris-
tika eingehen, um in einem nächsten Schritt die Einwanderungsgeschichte der Araber
grob zu erläutern. Darüber hinaus erscheint es mir wichtig die soziologischen und
sprachpolitischen Bedingungen der arabischen Sprache in Frankreich zu präsentieren.
Außerdem werde ich die Grundzüge der islamischen Prägung der Sprechergruppe er-
läutern sowie auf den rassistischen Diskurs der extremen Rechten in Frankreich einge-
hen. Nach Abschluss der Schaffung einer theoretischen Basis werde ich den Aufbau
meiner Umfrage präsentieren, die Ergebnisse analysieren und interpretieren.
2.Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Arabische Sprache
Das Arabische, wie es heute existiert, basiert auf nord-arabischen Idiomen, die seit dem
4. Jahrhundert belegt sind, sowie der Sprache der vorislamischen Poesie und des Ko-
ran. Als Sprache des Kultus, der religiösen Gelehrsamkeit, der Wissenschaft, Literatur
und Verwaltung beeinflusste es auch die Sprachen anderer islamisierter Völker, insbe-
sondere das Persische und Türkische. Es zählt heute aufgrund seiner weiten Verbrei-
tung und globalen Bedeutung zu den großen Weltsprachen.
Anders als das Französische, wird das Arabische von rechts nach links geschrieben.
Charakteristisch für den Klang der arabischen Sprache sind eine Reihe von Kehllauten
(h, kh, gh, q) sowie die dumpfen Konsonanten (d, s, t, z). Es existiert eine high variety
des Arabischen, die in der Schule gelehrt wird. Die high variety wird hauptsächlich im
religiösen Kultus, im formellen Rahmen und zwecks innerarabischer Verständigung ge-
sprochen, falls eine Kommunikation aufgrund zu stark divergierender Idiome sonst aus-
geschlossen wäre. Das Hoch-Arabische gewinnt vor allem im Maghreb zunehmend an
Bedeutung, der lange weitgehend von der französischen Sprache geprägt war.
3
Das
Arabische ist unter anderem offizielle Amtssprache in: Algerien, Marokko, Tunesien,
Ägypten, Irak, Israel und Syrien.
3
Elger, 2001, 40 f.

5
2.2 Einwanderungsgeschichte der arabischen Sprechergruppe
Die ersten arabischen Immigranten zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren algerische
Männer aus der ärmsten Region des Landes, der Kabylie, die in Frankreich Arbeit such-
ten. Nach dem ersten Weltkrieg hat Frankreich dann vermehrt ausländische Arbeitskräf-
te angeworben. Die Immigration ganzer Familien setzte unmittelbar nach dem zweiten
Weltkrieg und während des Wirtschaftsaufschwunges der 50er und 60er Jahre ein und
führte bis zu Beginn der 80er Jahre zu einem kontinuierlichen Anstieg der Zahl der alge-
rischen Einwanderer. Infolge des Prozesses der Dekolonialisierung und im Zusammen-
hang mit dem Algerienkrieg (1954 ­ 1962) und der darauffolgenden Unabhängigkeit Al-
geriens im Jahr 1962 kam es zu einer umfangreichen Zuwanderung nach Frankreich.
Nach Beendigung des Algerienkrieges verloren die Algerier ihre Freizügigkeit und die
Migrationsbewegung wurde durch Einwanderquoten einer Kontrolle unterworfen. In der
soziologischen Migrationsforschung werden für die Differenzierung der Migrationsgrün-
de die Begriffe Pull-Faktor und Push-Faktor verwendet.
4
Der Bedarf an Arbeitskräften in
Frankreich ist demnach als der wichtigste Pull-Faktor zu werten, wohingegen der Algeri-
enkrieg als wichtigster Push-Faktor gilt. Mit Frankreichs Erlass eines allgemeinen An-
werbestopps für ausländische Arbeitnehmer während der Wirtschaftskrise der frühen
70er Jahre, wurden die Einwanderquoten drastisch verringert, was zu einer deutlichen
Zunahme der illegalen Immigration beigetragen hat. Im Gegensatz zu der algerischen
Einwanderung vollzog sich die Immigration aus Marokko und Tunesien unter völlig an-
deren Voraussetzungen. Im Jahre 1963 führten Anwerbeverträge von Arbeitskräften
dazu, dass die Zahl der Marokkaner und Tunesier in Frankreich sprunghaft in die Höhe
schnellte.
5
Eine Diglossiesituation herrscht heute nur noch in den Maghreb-Staaten Tu-
nesien, Marokko und Algerien. Dort bestehen das Arabische und das Französische ne-
beneinander.
Dieses Fortbestehen der französischen Sprache ist auf die lange Fremd-
herrschaft Frankreichs zurückzuführen. Während dieser Zeit war die Kultur- und Bil-
dungspolitik in diesen Ländern zum Teil auf eine vollständige Französisierung einiger
Gebiete ausgerichtet, sodass die Bemühungen der Maghreb-Staaten um Arabisierung
auch heute noch dem nachhaltigen Einfluss des Französischen gegenüberstehen.
4
Lee 1972,117-129.
5
Bade 2007, 125-140.

6
2.3 Soziologische und sprachpolitische Bedingen der arabischen Sprache in
Frankreich
Das Arabische stellt keine offizielle Sprache in Frankreich dar. Laut Verfassung ist das
Französische die offizielle Sprache Frankreichs und damit auch die Sprache des Bil-
dungswesens. Das französische Schulwesen folgt dem Grundprinzip der égalité aller
Schüler im Sinne einer systematischen Nicht-Berücksichtigung von Besonderheiten aller
Art, insbesondere religiöser und kultureller Differenzen. Dabei haben die Immigranten
mit ihren offensichtlichen sozialen und kulturellen Unterschieden in der Schule mit er-
heblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie etwa ihrer Zugehörigkeit zur untersten sozia-
len Schicht, dem geringen Bildungsstand ihrer Eltern und einem von der französischen
Norm abweichenden Bildungsverständnis.
6
Die arabische Sprache ist als Lehrsprache in Frankreichs Schulen nicht weit verbreitet.
Lediglich 7600 Jugendliche lernen Arabisch in einer Staatsschule, obgleich Frankreich
Millionen von Arabern zählt. Dies ist außerdem als eine erstaunlich niedrige Zahl zu
werten, wenn man sich Frankreichs koloniale Vergangenheit im Maghreb vergegenwär-
tigt. Viele Vertreter der zweiten maghrebinischen Einwanderergeneration sind von Ge-
burt an französische Staatsbürger, sozial integriert und beruflich erfolgreich. Sie reprä-
sentieren die ,,Beurgeoisie" ­ den bürgerlichen Mittelstand mit Wurzeln im Maghreb. In
der Mehrzahl haben sie nicht gelernt Arabisch zu sprechen und das liegt unter anderem
auch an einem mangelnden Schulangebot. Beispielhaft lässt sich das an der Tatsache
darstellen, dass in 64 der 101 französischen Départements keine Mittelschule Arabisch
unterrichtet. Der Mangel an Arabischlehrern in den Staatsschulen wird seitens des Er-
ziehungsministeriums mit der geringen Nachfrage begründet, ungeachtet der Tatsache,
dass Nachfrage auch durch Angebote geschaffen werden kann. Die Bestrebungen, das
staatliche Unterrichtsangebot auszubauen, scheitern unter anderem an der politischen
Situation in Frankreich, da jeder dritte Wähler für eine Partei stimmt, welche ,,die Araber"
vertreiben möchte.
7
Angesichts der Tatsache, dass das Arabische immer weiter an Wert verliert und die
Übertragung fast ausschließlich durch die Verwendung der Sprache in den Familien er-
folgt, kann man durchaus vermehrt von einer Konkurrenz des Französischen und des
6
Schumann 2002, 44.
7
Zitzmann 2015.
Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die arabische Sprechergruppe in Frankreich. Deren Wahrnehmung durch die französische Mehrheit und aktuelle Einflussfaktoren
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Veranstaltung
La situation des langues de l'immigration en France
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V375725
ISBN (eBook)
9783668530058
ISBN (Buch)
9783668530065
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreich, Arabisch, Französisch, Sprachwissenschaft, Einwanderung, Immigration, Sprache, Sprachen der Immigration, Empirische Umfrage, Wahrnehmung, Sprechergruppen, Politik, Sprachpolitik
Arbeit zitieren
Isabell Koschnitzke (Autor), 2015, Die arabische Sprechergruppe in Frankreich. Deren Wahrnehmung durch die französische Mehrheit und aktuelle Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/375725

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die arabische Sprechergruppe in Frankreich. Deren Wahrnehmung durch die französische Mehrheit und aktuelle Einflussfaktoren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden