Nachhaltigkeit im Tourismus in Österreich. Der Begriff "Nachhaltigkeit" und die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in österreichischen Destinationen am Beispiel der Region Pielachtal


Bachelorarbeit, 2017
59 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Abstract
II
Abstract
In der vorliegenden Arbeit wird der Begriff ,,Nachhaltigkeit" mit Hilfe von facheinschlägiger
Literatur analysiert. Es wird aufgezeigt, woher der Begriff stammt, wie er sich entwickelt hat
und wie er im wissenschaftlichen Kontext diskutiert wird. Die Arbeit schafft dann die
Verbindung zum Tourismus, erläutert verschiedene Definitionen der Materie und beschäftigt
sich mit der Frage, inwiefern Tourismus nachhaltig sein kann und welche Auswirkungen er auf
unsere Umwelt, Wirtschaft und unser soziales Gefüge hat. Abschließend wird auf
Nachhaltigkeitsstrategien allgemein und in Bezug auf Österreich eingegangen. Anhand eines
österreichischen Best-Practice-Beispiels, wird die Umsetzung einer Strategie bezogen auf
,,Nachhaltigkeit" beleuchtet.

Inhaltsverzeichnis
III
Inhaltsverzeichnis
Abstract ... II
Inhaltsverzeichnis ... III
Abbildungsverzeichnis ... V
Abkürzungsverzeichnis ... VI
1.
Einleitung ... 1
1.1.
Problemstellung ... 1
1.2.
Zielsetzung ... 1
1.3.
Gang der Argumentation ... 2
2.
Nachhaltigkeit ... 3
2.1.
Definition des Begriffs Nachhaltigkeit ... 4
2.2.
Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit ... 5
2.3.
Meilensteine der nachhaltigen Entwicklung ... 5
2.3.1.
Die Grenzen des Wachstums ... 6
2.3.2.
Unsere gemeinsame Zukunft ... 8
2.3.3.
Der Rio-Prozess 1992 ... 9
2.3.4.
Die Agenda 21 ... 10
2.3.5.
Die Weltklimakonferenz Paris 2015 ... 10
2.4.
Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ... 11
2.4.1.
Ökologische Nachhaltigkeit ... 12
2.4.2.
Ökonomische Nachhaltigkeit ... 12
2.4.3.
Soziale Nachhaltigkeit ... 13
2.5.
Modelle der Nachhaltigkeit ... 13
2.5.1.
Das Drei-Säulen-Modell ... 13
2.5.2.
Das Nachhaltigkeitsdreieck ... 14
2.5.3.
Das Schnittmengen-Modell ... 15
3.
Kritische Analyse des Begriffs Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung ... 16
3.1.
Die Verwendung des Begriffs in Gesellschaft und Wissenschaft ... 16
3.2.
Kritik an den Modellen der Nachhaltigkeit ... 19
3.3.
Kritik an nationalen Nachhaltigkeitsstrategien ... 21
4.
Nachhaltigkeit und Tourismus ... 24

Inhaltsverzeichnis
IV
4.1.
Definition des Begriffs Tourismus ... 24
4.2.
Auswirkungen des Tourismus ... 26
4.2.1.
Auswirkungen des Tourismus auf die Umwelt ... 26
4.2.2.
Auswirkungen des Tourismus auf die Wirtschaft ... 28
4.2.3.
Auswirkungen des Tourismus auf die Gesellschaft ... 29
4.3.
Herausforderungen des Tourismus in Bezug auf Nachhaltigkeit ... 30
5.
Nachhaltigkeitsstrategien ­ Die Region Mostviertel-Mitte und das Pielachtal ... 33
5.1.
Die Nachhaltigkeitsstrategie ... 33
5.2.
Die Region Mostviertel-Mitte und das Pielachtal ... 35
5.3.
Strategie und Umsetzung ... 37
5.4.
Kritisches Resümee der Implementierung der Nachhaltigkeitsstrategie ... 41
5.5.
Ausblick in die Zukunft ­ Mostviertel-Mitte und das Pielachtal 2020 ... 42
6.
Zusammenfassung ... 44
7.
Ausblick ... 46
Literaturverzeichnis ... 47

Abbildungsverzeichnis
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit ... 14
Abbildung 2: Das Nachhaltigkeitsdreieck ... 14
Abbildung 3: Das Schnittmengen-Modell ... 15
Abbildung 4: Handlungsregeln für eine nachhaltige Entwicklung ... 17
Abbildung 5: Integriertes Nachhaltigkeitsdreieck ... 20
Abbildung 6: Magische Fünfeck-Pyramide einer nachhaltigen touristischen Entwicklung ... 26
Abbildung 7: Zentrale Ziele für nachhaltigen Tourismus im Massenmarkt ... 31
Abbildung 8: Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsstrategien zwischen 2003 und 2010 ... 34
Abbildung 9: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess einer Nachhaltigkeitsstrategie ... 35
Abbildung 10: Die Region Mostviertel-Mitte ... 36
Abbildung 11: Nachhaltiger Tourismus im Pielachtal ... 40

Abkürzungsverzeichnis
VI
Abkürzungsverzeichnis
BIP
Bruttoinlandsprodukt
bzw
beziehungsweise
ca
zirka
CO-2
Kohlendioxid
CSD
Commission on Sustainable Development
EDEN
European Destinations of Excellence
et al
et aliae
EU
Europäische Union
LAG
Lokale Aktionsgruppe
MDG
Millennium Development Goals
NGO
Non-Governmental Organizations
SDG
Sustainable Development Goals
TSA
Tourismus-Satellitenkonto
UNCED
United Nations Conference on Environment and Development
UNO
United Nations Organization
UNWTO
United Nations World Tourism Organization
US
United States
USA
United States of America
usw
und so weiter
WCED
World Commission on Environment and Development
WKO
Wirtschaftskammer Österreich
WTCC
World Travel and Tourism Council

Einleitung
1
1.
Einleitung
Der Begriff ,,Nachhaltigkeit" befindet sich in aller Munde. Egal ob in Politik, Wirtschaft oder
Gesellschaft ­ er wird universell gebraucht und seine tiefere Bedeutung ist weitgehend
unbekannt. Das Konzept der ,,Nachhaltigkeit" basiert auf einem ökologischen, ökonomischen
und sozialen Fundament.
Die vorliegende Arbeit soll den Begriff ,,Nachhaltigkeit", seine Bedeutung, Verwendung und
seinen Ursprung analysieren und einen Bezug zum Tourismus schaffen. Weiters wird auf
nationale Nachhaltigkeitsstrategien eingegangen und ein österreichisches Best-Practice-
Beispiel vorgestellt.
1.1.
Problemstellung
Da die wahre Bedeutung des Begriffs ,,Nachhaltigkeit" in der Gesellschaft offenbar nicht genau
bekannt ist, besteht die Gefahr, dass der Terminus seine Wichtigkeit verliert und sein
Hintergrund in Vergessenheit gerät.
Der Tourismus ist ein bedeutender und einflussreicher globaler Wirtschaftszweig. Er ist
mitverantwortlich dafür, dass soziale Unruhen durch eine ungerechte Verteilung sowie die
Verschlechterung des Klimas voranschreiten. Vor allem im Tourismus ist es wichtig, dass
zukunftsfähige Konzepte entwickelt werden, um den Erhalt der Umwelt für folgende
Generationen zu gewährleisten. Deshalb wird in dieser Arbeit ein Blick auf nationale
Nachhaltigkeitsstrategien geworfen und im Speziellen ein Best-Practice-Beispiel in Österreich
durchleuchtet. Aufgrund der Komplexität und Weitläufigkeit der Thematik kann diese Arbeit
nur einen Auszug bearbeiten und vorstellen.
Folgende Frage soll im Zuge der Arbeit beantwortet werden:
Inwiefern gelang die Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie für die Region
Pielachtal hinsichtlich Planung und Umsetzung bis zum Jahre 2015 und welche Pläne
gibt es bis 2020?
1.2.
Zielsetzung
Ziel der Arbeit ist es, den Begriff ,,Nachhaltigkeit" genauestens zu analysieren und seine
tatsächliche Bedeutung darzulegen. Anhand einer umfassenden Literaturrecherche soll
dem/der LeserIn ein breiter Überblick über das Thema ,,Nachhaltigkeit" geschaffen werden.
Der Begriff wird mit Zuhilfenahme einschlägiger Fachliteratur analysiert, sein Ursprung
aufgedeckt und seine Entwicklung beschrieben. Weiters wird ein Überblick über den
Tourismus geschaffen und der Bezug zur ,,Nachhaltigkeit" hergestellt. Abschließend soll auf
Nachhaltigkeitsstrategien eingegangen und dies anhand eines österreichischen Beispiels
erläutert werden.

Einleitung
2
Ziel soll es sein, dass der/die LeserIn zum Schluss einen breiten Überblick über den Begriff
,,Nachhaltigkeit" sowie über Nachhaltigkeitsstrategien, vor allem aber das Pielachtal, hat.
1.3.
Gang der Argumentation
Anhand einschlägiger Fachquellen wird zu Beginn der Begriff ,,Nachhaltigkeit" analysiert,
Definitionen vorgestellt und sein Ursprung aufgezeigt. In weiterer Folge werden Meilensteine
in der Entwicklung des Begriffs erläutert sowie seine Dimensionen und Modelle erklärt.
Die Arbeit setzt dann mit einer kritischen Analyse des Begriffs fort und geht auf seine
Verwendung in Gesellschaft und Wissenschaft sowie auf Modelle und Strategien ein.
Im vierten Kapitel wird die Verbindung zum Tourismus geschaffen. Es werden Definitionen der
Materie Tourismus vorgestellt und Auswirkungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft
erklärt. Es soll herausgefunden werden, inwiefern Tourismus nachhaltig sein kann und
Herausforderungen des Wirtschaftszweigs in Bezug auf ,,Nachhaltigkeit" diskutiert werden.
Abschließend richtet sich der Fokus auf Nachhaltigkeitsstrategien im Allgemeinen, um dann
die Implementierung einer Strategie in einer österreichischen Vorzeigedestination zu
beleuchten. In diesem Teil wird die Frage aus Kapitel 1.1. beantwortet und ein Ausblick in die
Zukunft formuliert.

Nachhaltigkeit
3
2.
Nachhaltigkeit
Der Begriff ,,Nachhaltigkeit" polarisiert wie kaum ein anderer in den letzten Jahren.
Verschiedenste Definitionen werden von Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft
diskutiert und gestaltet. Es herrscht jedoch keine weitreichende, allgemeingültige Definition
des Terminus, obwohl er sich größter Beliebtheit erfreut (vgl. Spindler 2013, S.9;
www.nachhaltigkeit.info 2015a). Einleitend wird in diesem Kapitel erklärt, woher der Begriff
,,Nachhaltigkeit" stammt bzw. wo er seinen Ursprung hat, um in weiterer Folge auf einige
bekannte und anerkannte Definitionen des Begriffs eingehen zu können. In der
facheinschlägigen Literatur gibt es in etwa 70 verschiedene Definitionen der Bezeichnung
,,Nachhaltigkeit" (vgl. Baumgartner/Röhrer 1998, S.17). Dies zeigt, dass dieser Ausdruck häufig
verwendet und durch die allgemeine Uneinigkeit in der Beschreibung oft sehr differenziert
ausgelegt wird.
Das Leitbild ,,nachhaltige Entwicklung" wurde durch die Konferenz in Rio de Janeiro 1992
international sehr populär (von Hauff/ Kleine 2009, S.1). Die Konferenz gilt als Meilenstein in
der ,,nachhaltigen Entwicklung" und neben ihr werden auch noch andere wichtige und
einflussreiche Meilensteine in diesem Kapitel vorgestellt, wie z.B. die Veröffentlichung des
Buches ,,The Limits to Growth" oder der Brundtland-Bericht im Jahre 1987. Es soll
herausgefunden werden, inwiefern diese Ereignisse Einfluss auf eine ,,nachhaltige
Entwicklung" hatten bzw. haben.
,,Nachhaltigkeit" ist ein sehr komplexer Begriff. Um das Konzept der ,,Nachhaltigkeit" für eine
breite Masse zu veranschaulichen, gibt es verschiedene Modelle zur vereinfachten Erklärung
des komplexen Begriffes (vgl. Pufé 2014a, S.118). Da es den Rahmen der Arbeit sprengen
würde, alle Modelle vorzustellen, werden in diesem Kapitel drei ausgewählt und auf diese
näher eingegangen. Jene drei Modelle werden in der Literatur am häufigsten erwähnt und
verwendet und finden somit hier Platz, um näher erläutert zu werden.
Grundsätzlich wird ,,Nachhaltigkeit" in drei Dimensionen aufgeteilt. Seit Mitte der 1990er
Jahre gelten die Begriffe ökologisch, ökonomisch sowie sozial als die drei Grundpfeiler der
,,Nachhaltigkeit" (vgl. von Hauff/Kleine 2009 S.17). Diese drei Dimensionen werden im
Folgenden erklärt, deren Bezug zur ,,Nachhaltigkeit" verdeutlicht und ihre Beziehung
zueinander aufgezeigt.

Nachhaltigkeit
4
2.1.
Definition des Begriffs Nachhaltigkeit
Wie schon Eingangs in diesem Kapitel erwähnt, gibt es etliche verschiedene Definitionen des
Begriffs ,,Nachhaltigkeit". Es herrscht weitreichende Uneinigkeit ­ wahrscheinlich aufgrund
der breiten Auslegung und der Komplexität des Begriffes (vgl. Spindler 2013, S.10). Die wohl
bekannteste und am häufigsten verwendete bzw. genannte Definition stammt aus dem
Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen von 1987:
,,Humanity has the ability to make development sustainable ­ to
ensure that it meets the needs of the present without compromising
the ability of future generations to meet their own needs." (WCED
1987, S.41)
Übersetzt bedeutet dies: ,,Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass
künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als
gegenwärtig lebende" (Hauff 1987, S.46). Vereinfacht bedeutet es, dass jede Generation mit
den natürlichen Ressourcen so umgehen soll, dass für zukünftige Generationen keine
Verschlechterung der Lebensbedingungen vorherrscht. Diese Definition bezieht sich
hauptsächlich auf das ökologische Gleichgewicht der Erde.
Die wohl älteste Definition der ,,Nachhaltigkeit" stammt von Hannß Carl von Carlowitz, einem
Oberberghauptmann aus Freiberg. Er formulierte ,,Nachhaltigkeit" in Bezug auf die
Forstwirtschaft. Der Kern seiner Aussage war, dass in einem Jahr nur so viel Holz abgeholzt
werden darf wie auch in einem Jahr wieder nachwachsen kann (vgl. von Hauff/Kleine 2009,
S.2 f.; Clement et al 2014, S.21; Pufé 2014a, S.34 f.). Hier ist ganz klar die ökologische
Komponente im Vordergrund. Carlowitz zeigt mit seiner Definition einen steigenden
Ressourcenverbrauch in seiner Zeit auf. In diesem Kapitel wird später noch näher auf
Oberberghauptmann Carlowitz und die damalige Zeit eingegangen werden.
Auch wirtschaftliche Auslegungen der ,,Nachhaltigkeit" finden in der Literatur Platz. Iris Pufé
definiert den Begriff ,,Nachhaltigkeit" wie folgt:
,,Nachhaltigkeit bedeutet, nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in
Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt-
und sozialverträglich zu erwirtschaften." (2014b, S.16)
Dies bedeutet vereinfacht, dass schon bevor überhaupt verkauft, gebaut, gearbeitet,
abgeholzt, usw. wird, die Umwelt und die Gesellschaft bedacht und eingeplant werden soll,
um nicht im Nachhinein Fehler korrigieren zu müssen.
Diese unübersichtliche Menge an verschiedensten Definitionen lässt zwar keine einheitliche
und für jedermann gebräuchliche Verwendung zu, es scheint jedoch klar durch alle
Auslegungen hindurch, dass ,,Nachhaltigkeit" im Prinzip Gleichgewicht bedeutet:
Gleichgewicht zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialer Verantwortung im Kern.
,,Nachhaltigkeit" zielt auf eine Gleichverteilung ab: eine Gleichverteilung der Gesellschaft im

Nachhaltigkeit
5
globalen Maßstab (vgl. Pufé 2014b, S.16; Clement et al 2014, S.21 f.; Baumgartner/Röhrer
1998, S.17 ff.).
2.2.
Ursprung des Begriffs Nachhaltigkeit
Der Begriff ,,Nachhaltigkeit" hat seinen Ursprung in der Wald- und Forstwirtschaft und wurde
im 18. Jahrhundert entwickelt (vgl. Müller 2007, S.26). Formuliert wurde der Begriff erstmals
im Jahre 1713 vom Freiberger Oberberghauptmann Hannß Carl von Carlowitz. Er schrieb in
seinem Buch ,,Sylvicultura Oeconomica" von einer nachhaltigen Bewirtschaftungsweise der
Wälder (vgl. Clement et al 2014, S.21), um einen stabilen Bestand der Wälder für die folgenden
Jahre und Generationen zu gewährleisten (vgl. von Hauff/Kleine 2009, S.2 f.; Freericks et al
2010, S.241; Clement et al 2014, S21 f.). Das Konzept bzw. Prinzip der ,,Nachhaltigkeit" ist also
sehr alt und keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert
wurde eine regelrechte Ausbeutung der Forste vorgenommen. Aufgrund der ansteigenden
Bevölkerungszahlen wurde die Ressource Holz für Bereiche wie z.B. den Bau von Siedlungen,
Schiffen oder die Verwendung als Brennholz im Übermaß benötigt. Dies verursachte eine
Abholzung vieler Flächen im Schwarzwald, dem Erzgebirge und vielen weiteren Regionen
Europas (vgl. Freericks et al 2010, S.242 f.; Pufé 2014a, S. 34 f.). Von Carlowitz stellte fest, dass
eine kommerzielle Nutzung der Wälder immer im Einklang mit der Natur stehen muss. Er
formulierte ein noch heute anerkanntes ökonomisches Prinzip (vgl. Spindler 2013, S.11; von
Hauff/Kleine 2009, S.3).
Mitte des 19. Jahrhunderts stießen die ökologische und die ökonomische Sichtweise
aneinander. Der Kapitalismus schien Überhand zu bekommen und ökologische Grundprinzipe
traten hinter die Interessen der Gewinnmaximierung. Dieser Zustand hielt bis zu den 1970er
Jahren an (vgl. Grober 2010, S.177; Pufé 2014a, S.37).
Dem Begriff ,,Nachhaltigkeit" wurde lange Zeit in Politik und Gesellschaft keine Beachtung
geschenkt. Dies änderte sich im Jahre 1972 mit der Veröffentlichung des Berichts ,,Die Grenzen
des Wachstums" des Club of Rome. Der Bericht sagte einen Untergang der Wirtschaft und
Gesellschaft durch den stetigen, unbedachten Raubbau an Ressourcen des Planeten voraus
(vgl. Freericks et al 2010, S.243; Clement et al 2014, S.21; Baumgartner/Röhrer 1998, S.17 f.;
Spindler 2013, S.13 f.). Im folgenden Unterpunkt wird näher auf diesen Bericht eingegangen.
2.3.
Meilensteine der nachhaltigen Entwicklung
In diesem Unterkapitel werden wichtige Meilensteine der ,,nachhaltigen Entwicklung"
vorgestellt. Diese Meilensteine haben das Nachhaltigkeitsdenken aus heutiger Sicht
maßgeblich beeinflusst und sind daher sehr relevant für diese Arbeit.
Das Fundament für eine ,,nachhaltige Entwicklung" legte der Oberberghauptmann Hannß Carl
von Carlowitz im Jahre 1713 mit seinem Buch ,,Sylvicultura Oeconomica". Er formulierte das
Prinzip der ,,Nachhaltigkeit" erstmals. Unter ForstwirtInnen war der Begriff ,,Nachhaltigkeit"
weit verbreitet und wurde als ein ,,... rein wirtschaftliches Prinzip zur dauerhaften Sicherung

Nachhaltigkeit
6
kontinuierlicher Holzlieferungen" (Freericks et al 2010, S.243) angesehen. Dieses Prinzip hielt
bis ins 18. und 19. Jahrhundert. Ab dieser Zeit wurde der Raubbau an den Wäldern größer bis
hin zum 20. Jahrhundert. In dieser Zeit wuchsen die Ausmaße der Ausbeutung an der Natur
durch den technischen Fortschritt und die Globalisierung exponentiell an (vgl. Freericks et al
2010, S.243 f.; Clement et al 2014, S.21 ff.; von Hauff/Kleine 2009, S.3 ff.).
Im Jahre 1972 wurde der Bericht ,,Die Grenzen des Wachstums" von Donella und Dennis
Meadows sowie weiteren Wissenschaftlern veröffentlicht. Der Bericht zeigte auf, welchen
Belastungen der Planet Erde unter den damaligen Konsum- und Wirtschaftsweisen
standhalten musste und sagte einen Untergang der Wirtschaft und Gesellschaft voraus, sofern
die Weltbevölkerung ihr Verhalten nicht ändern würde (vgl. Baumgartner/Röhrer 1998, S.16;
Pufé 2014a, S.37 f.). Der Bericht sorgte weltweit in Politik und Gesellschaft für Aufregung und
gilt als Beginn einer Diskussion über ,,nachhaltige Entwicklung". Da sich die globale Lage in
Bezug auf Ressourcenverschwendung nicht verbesserte, gründeten die Vereinten Nationen
im Jahre 1983 eine unabhängige Sachverständigenkommission namens WCED (World
Commission on Environment and Development). Im Jahre 1987, also vier Jahre nach Gründung
der Kommission, erschien ein Bericht über die Zukunft des Planeten und der Gesellschaft (vgl.
Pufé 2014a, S.41 f.; Spindler 2013, S.14 f.). Dieses Papier wies auf einen nötigen globalen
Handlungsbedarf hin.
Im Jahre 1992 hielten die Vereinten Nationen eine Konferenz zum Thema Umwelt und
Entwicklung ab. Die Konferenz fand in Rio de Janeiro statt und gilt als Meilenstein in der
,,nachhaltigen Entwicklung". Als Folge des Rio-Gipfels entstand die sogenannte Agenda 21. Die
Agenda 21 ist ein Handlungspapier, welches verbindlich für alle teilnehmenden Staaten gilt.
Ziel der Agenda ist es, Maßnahmen in einem bestimmten Zeitraum umzusetzen und somit an
einer Verbesserung der Lebensbedingungen national, aber auch international beizutragen
(vgl. Baumgartner/Röhrer 1998, S.17; Clement et al 2014, S.23 f.; von Hauff/Kleine 2009, S.8).
In den Jahren von 1992 bis 2015 tagten etliche Kongresse, die sich mit dem Thema
,,Nachhaltigkeit" auseinandersetzten, wie z.B. der Weltgipfel für ,,nachhaltige Entwicklung"
Rio+10 in Johannesburg im Jahre 2002 oder den Klimagipfel Rio+20, der im Jahre 2012 wieder
in Rio de Janeiro stattfand. Erwähnenswert sind auch die sogenannten ,,Millenium
Development Goals", die von der UNO, der Weltbank sowie der OECD im Jahre 2000 definiert
worden sind. Hierbei handelt es sich um acht Entwicklungsziele, die bis zum Jahre 2015
verwirklicht werden sollten (vgl. Pufé 2014a, S.56; von Hauff/Kleine 2009, S.8; Freericks et el
2010, S.248). Im Jahre 2015 fand der Weltklimagipfel in Paris statt. Auf diese Konferenz wird
in den nächsten Unterpunkten noch genauer eingegangen.
2.3.1.
Die Grenzen des Wachstums
Im Jahre 1972 veröffentlichte der sogenannte ,,Club of Rome" das Buch ,,Die Grenzen des
Wachstums". Unter der Leitung von Dennis L. Meadows verfassten 17 Wissenschaftler/Innen,
Ökonomen/Innen und Politiker/Innen dieses Werk, um über die ökonomischen und
ökologischen Zustände der Erde hinzuweisen. Das Team des ,,Club of Rome" prognostizierte

Nachhaltigkeit
7
mit Hilfe von Computersimulationen die Zukunft unseres Planeten unter der fortschreitenden
Ressourcenverschwendung (vgl. Baumgartner/Röhrer 1998, S.16; Pufé 2014a, S.37 ff.; Lohner
et al 2013, S.22). Die Wissenschaftler/Innen warnten, dass bei einer steigenden Zunahme der
Weltbevölkerung, der Globalisierung, der Verschmutzung der Umwelt, der Produktion von
Nahrungsmitteln und dem ungebremsten Abbau von Rohstoffen die Grenzen des Wachstums
unseres Planeten im Zuge der nächsten 100 Jahre erschöpft sein könnten (vgl. Pufé 2014a,
S.38; Meadows et al 1972, S.17 f.).
Heute gilt diese Veröffentlichung als Art Ur-Studie der ,,nachhaltigen Entwicklung" (vgl.
Freericks et al 2010, S.243). Die Kernaussage des Berichts ist, dass bei exponentiellem
Wachstum die Grenzen der Natur überschritten werden und eine Verknappung der
regenerativen natürlichen Ressourcen auftreten wird (vgl. von Hauff/Kleine 2009, S.5). Die
,,Grenzen des Wachstums" war faktisch kein anerkanntes wissenschaftliches Dokument,
sondern eher eine Studie und Vorhersage über die Entwicklung des Planeten bei
fortschreitendem
Verbrauch
und
ansteigendem
Bevölkerungswachstum
(vgl.
www.nachhaltigkeit.info 2015b). Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Untermauerung der
Daten und Fakten wurde der Bericht von Wissenschaftlern/Innen nie anerkannt und teilweise
mit einem Auge belächelt. Ziel des Clubs war es, ,,Hinweise auf die im Weltsystem
charakteristischen Verhaltensweisen" (Pufé 2014a, S.38) aufzuzeigen und keine feststehenden
Voraussagen zu definieren.
Meadows und seinem Team gelang es, realistische Szenarien in der Zukunft zu skizzieren und
daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Erstmals im 20. Jahrhundert wurde der Begriff
,,Nachhaltigkeit" bzw. ,,nachhaltige Entwicklung" publik gemacht. Durch den Bericht wurde
die Gefährdung des Planeten durch den unermesslichen Verbrauch von Rohstoffen, die
übermäßige und kommerzielle Abordnung der Wälder, den enormen Ausstoß an CO-2-
Emissionen sowie die ständig wachsende Wirtschaft öffentlich beleuchtet. ,,Die Grenzen des
Wachstums" zeigte auf, dass sich das Verhalten der Gesellschaft schlagend ändern musste,
allen voran das Verhalten der westlichen Welt. Die Schere zwischen Arm und Reich oder Nord
und Süd klaffte immer weiter auseinander und somit stieg auch das Ungleichgewicht der
Gesellschaft (vgl. Lohner et al 2013, S.22 f.; Clement et al 2014, S.21 f.; www.nachhaltikeit.info
2015b).
Laut Meadows und dem ,,Club of Rome" braucht es grundsätzlich zwei Kategorien oder
Zutaten, wie im Buch festgehalten, um das Leben auf der Erde weiter fortzuführen: Zum einen
braucht es eine physische und zum anderen eine soziale Zutat (vgl. Meadows et al 1972, S.45
ff.). Unter der physischen Zutat werden natürliche Ressourcen wie Wasser, Land, Edelmetalle,
etc. verstanden. Zu den sozialen Zutaten zählen Bildung, Gesundheit, Arbeit, etc. Die Aussage,
die sich dahinter verbirgt ist, dass nicht beliebig viele Menschen auf der Erde leben können.
Es gibt nur begrenzten Platz und begrenzte Ressourcen. Bei weiterem exponentiellem Anstieg
der Weltbevölkerung würde der Planet in einer bestimmten Zeit kollabieren. Es musste also
eine globale Strategie entwickelt werden, um das Überleben der folgenden Generationen zu
sichern (vgl. Meadows et al 1972, S.45 ff.; Grunwald/Kopfmüller 2012, S.21; Pufé 2014a, S.38
ff.)
Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeit im Tourismus in Österreich. Der Begriff "Nachhaltigkeit" und die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in österreichischen Destinationen am Beispiel der Region Pielachtal
Hochschule
FHWien der WKW  (Tourismus)
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
59
Katalognummer
V376054
ISBN (eBook)
9783668533349
ISBN (Buch)
9783668533356
Dateigröße
1716 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, nachhaltige Entwicklung, Tourismus, Nachhaltigkeit im Tourismus, Tourismusdestinationen, Nachhaltigkeit in Destinationen, Nachhaltigkeitsstrategien, Implementierung von Strategien
Arbeit zitieren
Gregor Huter (Autor), 2017, Nachhaltigkeit im Tourismus in Österreich. Der Begriff "Nachhaltigkeit" und die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien in österreichischen Destinationen am Beispiel der Region Pielachtal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/376054

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