Auswirkungen der Finanzkrise 2007 und des Russlandembargos 2014 auf ausgewählte Unternehmen aus Deutschland


Bachelorarbeit, 2016
106 Seiten, Note: 2,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung - Ziel der Arbeit

2. Vorgehensweise

3. Begriffserläuterung
3.1 ABS
3.2 CDO
3.3 Ratingagenturen
3.4 SPV
3.5 CDS

4. Die Finanzkrise
4.1 Ursprung und Verlauf der Finanzkrise
4.2 Folgen der Finanzkrise
4.3 Eindämmung der Finanzkrise
4.3.1 Die EZB
4.3.2 Die FED
4.4 Was lernte man aus der Finanzkrise?

5. Russlandembargo
5.1 Europäische Union
5.2 Die Ukraine-Krise
5.3 Folgen für die Ukraine
5.4 Folgen für Russland
5.5 Auswirkung auf Deutschland

6. Unternehmensanalyse
6.1 Deutsche Bank AG
6.1.1 Auswirkung der Finanzkrise auf die Deutsche Bank AG
6.1.2 Auswirkung der Russland-, Ukrainekrise auf die Deutsche Bank AG.
6.1.3 Aktienentwicklung der Deutschen Bank AG
6.2 Fraport AG
6.2.1 Auswirkung der Finanzkrise auf die Fraport AG
6.2.2 Auswirkung der Russland-, Ukrainekrise auf die Fraport AG
6.2.3 Aktienentwicklung der Fraport AG
6.3 Daimler AG
6.3.1 Auswirkung der Finanzkrise auf die Daimler AG
6.3.2 Auswirkung der Russland-, Ukrainekrise auf die Daimler AG
6.3.3 Aktienentwicklung der Daimler AG
6.4 BASF SE
6.4.1 Auswirkung der Finanzkrise auf die BASF SE
6.4.2 Auswirkung der Russland-, Ukrainekrise auf die BASF SE
6.4.3 Aktienentwicklung der BASF SE
6.5 John Deere Corporation
6.5.1 Auswirkung der Finanzkrise auf die John Deere Corporation
6.5.2 Auswirkung der Russland-, Ukrainekrise auf die John Deere Co
6.5.1 Aktienentwicklung der John Deere Corporation

Ergebnis

Internetquellen

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: ABS - Grundstruktur

Abbildung 2: Verbriefung von CDO

Abbildung 3: Bewertung der Tranchen

Abbildung 4: Bewertungsskalen der Ratingagenturen

Abbildung 5: Krisen in der Vergangenheit

Abbildung 6: Leitzinsentwicklung USA und Europa bis 2015

Abbildung 7: Sparquote und Eigenheimpreise

Abbildung 8: Hypothekenschulden in den USA

Abbildung 9: Neugeschäfte mit Subprime-Krediten

Abbildung 10: Wachstum des Welthandels

Abbildung 11: Aufteilung der Subprime-Kredite

Abbildung 12: Abschreibungshöhen der Banken

Abbildung 13: Kampfgebiet der Separatisten

Abbildung 14: Ausländische Direktinvestitionen in die Ukraine

Abbildung 15: Entwicklung des BIPs in der Ukraine

Abbildung 16: Entwicklung der Inflationsrate - Ukraine und Deutschland

Abbildung 17: Entwicklung des BIPs in Russland

Abbildung 18: Entwicklung der Inflationsrate in Russland

Abbildung 19: Entwicklung des Deutschen Import - Exports mit Russland...

Abbildung 20: 10-Jahres verlauf der Deutschen Bank AG

Abbildung 21: 10-Jahresverlauf der Deutschen Bank AG

Abbildung 22: Aktienentwicklung der Deutschen Bank AG

Abbildung 23: 10-Jahresverlauf der Fraport AG

Abbildung 24: 10-Jahresverlauf der Fraport AG

Abbildung 25: Aktienentwicklung der Fraport AG

Abbildung 26: 10-Jahresverlauf der Daimler AG

Abbildung 27: 10-Jahresverlauf der Daimler AG

Abbildung 28: Aktienentwicklung der Daimler AG

Abbildung 29: 10-Jahresverlauf der BASF SE

Abbildung 30: 10-Jahresverlauf der BASF SE

Abbildung 31: Aktienentwicklung der BASF SE

Abbildung 32: 10-Jahresverlauf der John Deere Corporation

Abbildung 33: 10-Jahresverlauf der John Deere Corporation

Abbildung 34: Aktienentwicklung der John Deere Corporation

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Dollar - Reserven von Japan und China

Tabelle 2: Währungskursentwicklung Euro - Rubel

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung - Ziel der Arbeit

Im Jahre 2008 wurde der Begriff „Finanzkrise“ zum Wort des Jahres gekürt.1 Zu diesem Zeitpunkt ahnten viele noch nicht, wie stark sich die Finanzkrise langfristig auf die Fi- nanz- und Realwirtschaft auswirken würde. Der Ausbruch dieser Finanzkrise im Jahre 2007 war die schwerste Finanzkrise seit den 1930er Jahren.2 Begonnen hat die Fi- nanzkrise in den USA mit einer Immobilienkrise, welche sich letztlich zu einer interna- tionalen Finanzkrise entwickelte. Anhand der Finanzkrise wurde verdeutlich, wie eng verzahnt die weltweiten Finanzmärkte sind. Ein globaler Zusammenbruch der Finanz- systeme wurde durch massives Eingreifen der Zentralbanken und Regierungen ver- hindert, welches schließlich die Finanzkrise eindämmte. Ein Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, ein möglichst umfassendes Bild darüber zu geben, wie genau es zur weltweiten Finanzkrise kommen konnte. Des Weiteren wird im Verlauf nochmals verdeutlicht, dass es keinen direkten Verursacher für die Finanzkrise gibt, sondern die Krise erst durch die Konstellation und Verstrickung verschiedener Akteure entstanden ist.

Neben der Finanzkrise 2007 wird sich diese Arbeit näher mit der aktuellen geopoliti- schen Krise zwischen der Ukraine und Russland beschäftigen. Ende 2013 brach die Ukrainekrise aus, weshalb es in den darauffolgenden Monaten zu Massenprotesten und zum Krieg in der Ostukraine zwischen russischen und ukrainischen Rebellen kam. Die Folgen waren für die Ukraine, aber auch für Russland, verheerend. So wurden beispielsweis sehr viele Sanktionen gegenüber Russland und den russischen Bürgern verhängt, welche sich auf die russisch-europäische, aber auch auf die russisch-deut- sche Wirtschaft auswirkte. Somit ist ein weiteres Ziel dieser Bachelorarbeit, den Ur- sprung und den Verlauf der geopolitischen Krise von Russland und der Ukraine sowie die Hauptakteure zu untersuchen.

Das dritte Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Finanzkennzahlen der fünf ausgewähl- ten Unternehmen aus Deutschland zu analysieren, um herauszufinden, inwieweit sich diese beiden Krisen auf die Unternehmen und ihre Finanzkennzahlen ausgewirkt ha- ben. Dabei wird der folgenden zentralen Fragestellung nachgegangen: Unterscheiden sich die beiden ausgewählten Krisen hinsichtlich der Auswirkung auf die Unternehmen

- Branchen - und den Finanzkennzahlen oder nicht?

2 Vorgehensweise

Dadurch, dass die Ursache der Finanzkrise sehr komplex ist, werden im ersten Teil dieser Bachelorarbeit wichtige Finanzinstrumente sowie Akteure in ihrer Funktion nä- her beleuchtet, um die Finanzkrise verstehen zu können. Im zweiten Kapitel - Hauptteil der Finanzkrise - wird schließlich der Ursprung und Verlauf der Finanzkrise näher er- läutert. Ein weiterer Teil dieses Kapitels ist die Beschreibung der „EZB“ und „FED“ hinsichtlich ihrer Rolle in der Finanzkrise und zum Schluss folgt eine kurze Ergebnis- darstellung, welche Schlüsse die Beteiligten aus der Finanzkrise zogen. Im Anschluss an die Analyse der Finanzkrise wird im Anhang unter Punkt eins „Zusammenfassung der Finanzkrise“ eine kurze Zusammenfassung der Finanzkrise anhand von fünf Ab- bildungen angehängt. Wichtig zu erwähnen dabei ist, dass aufgrund der Analyse von zwei Krisen, beide Krisen nur oberflächlich anhand der wichtigsten Informationen be- schrieben werden.

Nachdem die Finanzkrise analysiert wurde, folgt schließlich im dritten Kapitel die Analyse des „Russlandembargos“. Dabei wird zunächst die Europäische Union und ihre Funktion während der Krise beschrieben. Im zweiten Schritt wird der Ursprung und Verlauf der Ukrainekrise beschrieben. Nachdem nun die Ukrainekrise beschrieben wurde, werden anschließend die Folgen für die Ukraine und Russland dargestellt, aber auch die Auswirkung auf Deutschland wird näher erläutert.

Im Anschluss an die theoretische Analyse beider Krisen folgt im vierten Teil der praktische Teil - die Unternehmensanalyse -. Für die Unternehmensanalyse wurden fünf deutsche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen ausgewählt. Diese fünf Unternehmen sind die Folgenden;

(1) Deutsche Bank AG - Bankenbranche
(2) Fraport AG - Flughafenbetreiber
(3) Daimler AG - Automobilbranche
(4) BASF SE - Chemiebranche
(5) John Deere Corporation - Landmaschinenbaubranche

Zunächst wird analysiert, wie sich die ausgewählten Finanzkennzahlen der Unterneh- men aufgrund der Finanzkrise verändert haben. Im darauffolgenden Schritt folgt die Analyse, inwiefern sich das Russlandembargo auf die ausgewählten Unternehmen und die Finanzkennzahlen ausgewirkt hat. Im dritten und letzten Schritt werden die

Aktienkurse der Unternehmen sowie die Veränderungen vor und nach den Krisen näher begutachtet.

Im fünften und letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Bachelorarbeit nochmals zusammengefasst. Zudem wird auf die zu Beginn gestellte Forschungsfrage eingegangen und anhand von Belegen beantwortet.

3.Begriffserläuterung

3.1 ABS

„Unter ABS sind Vermögenswerte zu verstehen, die durch einen Pool gleichartiger Vermögenswerte gedeckt sind“.3 Für ABS wurde in den USA auch als Synonym MBS oder MBCP verwendet.4 Dabei handelt es sich bei den Vermögenswerten um Kredite unterschiedlicher Art, wie zum Beispiel Hypothekenkredite, Kreditkartenschulden, hochriskante Anleihen, aber auch KFZ-Kredite(Leasingverträge).5 ABS ist ein sehr gu- tes Beispiel dafür, wie nichtmarktgängige Vermögenswerte durch die Verbriefung - auch Securitization genannt - in attraktive Anlageprodukte transformiert werden kön- nen.6 Die Folge durch die Übertragung der True-Sale-Verbriefung auf die Zweckge- sellschaft - siehe Abbildung 1 - ist, dass die Kredite auf die Investoren übergehen und somit neue Kreditlinien bei den Banken frei werden.7 Die Laufzeit der ABS-Vermögens- werte ist auf zwei bis zehn Jahre beschränkt.3 Anhand der nachfolgenden Grafik wird die Grundstruktur der ABS und die Verbriefungstechnik näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: ABS - Grundstruktur8

Im ersten Schritt besteht zwischen dem Orginator und dem Schuldner ein Forderungsverhältnis, was in der Finanzkrise 2007 auf Hypothekenkrediten basierte.9

Um die Forderungen aus der Bilanz vom Orginator zur übertragen, wurden die sogenannten Zweckgesellschaften gegründet, die nach dem Kauf nun die Forderungen in den eigenen Büchern führten.9

Im Anschluss an die Übertragung an die Zweckgesellschaft wurden die Forderungen an Investoren weltweit verkauft.9

Die Tätigkeit des Service Agent wird entweder durch eine eigene Gesellschaft oder durch den Orginator selbst ausgeführt, wobei der Service Agent für folgende Aufgabenbereiche verantwortlich ist:

- die Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung
- das Mahnwesen und das Einziehen von Forderungen
- die Verwertung von Sicherheiten
- das Reporting.9

Als Vergütung erhielt der Service Agent von der Zweckgesellschaft eine Service-Ge- bühr.9

In Gegensatz zu dem Service Agent, war die Hauptaufgabe der Treuhänder die Interessensvertretung der Investoren, zusätzlich waren sie verantwortlich für die Verwahrung der übertragenen Sicherheit, aber auch als Kontrollorgan für die Kontrolle der Service Agent und den Zweckgesellschaften zuständig.9

Um die handelbaren ABS-Wertpapiere am Kapitalmarkt attraktiv verkaufen zu können, wurden mehrere Ratingagenturen beauftragt, die ABS-Papiere zu raten.9 Damit eine positive Bewertung garantiert werden konnte, wurden oft noch Sicherungsgeber oder auch Sponsoren hinzugezogen, wie zum Beispiel der Staat.9 Neben den Sicherungs- gebern wurden noch Ausfallgarantien abgeschlossen, um die erfolgreiche Transfor- mation und den zuverlässigen Handel der Wertpapiere zu gewährleisten.10 Nach dem erfolgreichen positiven Rating wurden die ABS-Wertpapiere am Kapitalmarkt gehan- delt.9

3.2 CDO

Collateralized Debt Obligations, CDOs, sind eine Unterkategorie der Asset Backed Securities.11 Bei den CDOs werden mehrere Kredite in einem Pool zusammengefasst, um schließlich aus Krediten mit schlechter Qualität, Anleihen mit einem AAA-Rating zu transformieren.11 Nun zum Transformationsprozess, der anhand der folgenden Abbildung erklärt wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verbriefung von CDO12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bewertung der Tranchen13

Die verbrieften Kredite wurden in drei Kategorien tranchiert - siehe Abbildung 2 -.14 Die Equity Tranche - welche auch first-loss-piece genannt wurde15 - hatte das höchste Aus- fallrisiko, trug die ersten Verluste und hatte somit die höchste Rendite - siehe Abbil- dung 3 -.14 Im Vergleich zur Equity Tranche trug die Senior Tranche die letzten Ver- luste.14 Eine weitere Möglichkeit, um so wenig Equity Anleihen wie möglich zu „produ- zieren“, bestand darin die Anleihen in einen weiteren CDO-Pool einzubringen, denn so entstanden CDOs² - siehe Abbildung 2 - und dies konnte beliebig oft weitergeführt werden.14

Die Folgen dieser Vorgehensweise hinsichtlich der Finanzkrise 2007 waren, dass nur circa zwei Prozent der gesamten Anleihen als hochriskante Equity-Anleihen eingestuft und angeboten wurden.16

3.3 Ratingagenturen

Die Ratingagenturen stammen aus den USA und beschäftigen sich hauptsächlich mit der Bonitätsbewertung von Kapitalmarktanleihen, die schließlich an Investoren ver- kauft wurden.17 Die Bonitätseinstufung an Privatpersonen wird durch die Banken auf Basis von Basel II vorgenommen.18 Dabei sagt das Bonitätsrisiko über eine Privatper- son aus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Schuldner in der Zukunft seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.18 Bei der Bonität der Anleihen geht es darum, wie hoch das Risiko ist, dass der Emittent seinen Zahlungsverpflich- tungen von Zins- und Tilgungen nicht nachkommen kann.17 Um eine ordnungsgemäße Bewertung durchführen zu können, müssen die Ratingagenturen wichtige Informatio- nen sammeln.19 Beispiel dafür, sind Marktumfeld, die wirtschaftliche Situation oder auch die Analyse der künftig zu erwartenden Cashflows.19 Weltweit dominieren Moody´s, Standard & Poor´s und Fitch den Markt für Ratingagenturen mit etwa 92 Prozent.17 Der nachfolgenden Grafik kann man die unterschiedlichen Ratingsymbole sowie ihre Aussagen entnehmen. Im Zusammenhang mit der Finanzkrise 2007 spielte die Einstufung in AAA - auch Triple A genannt - eine bedeutende Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Bewertungsskalen der Ratingagenturen20

3.4 SPV

Special Purpose Vehicle sind Zweckgesellschaften - auch Conduit oder Strukturiertes Investmentvehikel genannt - die in der Finanzkrise 2007 eine große Rolle spielten.21 Bei diesen Zweckgesellschaften handelt es sich um „Bad Banks“, die von Banken ge- gründet wurden, aber keine Bankerlaubnis benötigten, da sie keine Bankgeschäfte be- trieben.22 Der Hintergrund dieser Vorgehensweise lag darin, dass gemäß Basel I, die Banken immer acht Prozent Eigenkapital vom Kreditbetrag hinterlegen mussten.23 Auf- grund dessen wurden die Kreditforderungen an die dafür gegründete Zweckgesell- schaft verkauft - siehe Abbildung 1 -, was letztlich dann für die Banken bedeutete, dass die Kredite nicht mehr in den Bilanzen der Banken standen und sie damit gemäß Basel I kein Eigenkapital hinterlegen mussten.24 Doch entscheidend war, dass die Zweckgesellschaften der Eigenkapitalunterlegungsregel nach Basel I nicht unterlagen, da sie nicht als Finanzinstitute gelten.25 Somit waren die Forderungen in den Bilanzen der Zweckgesellschaften ersichtlich, jedoch folgte keine Hinterlegung der acht Pro- zent.25 Dies führte letztlich dazu, dass die Banken unbegrenzt viele Kredite in unbe- grenzter Höhe vergeben konnten, ohne dass sie Eigenkapital hinterlegen mussten.24 So wurden in der Finanzkrise ungefähr 30 Prozent der Subprime-Kredite von den SPVs und ungefähr 50 Prozent wurden von unabhängigen Hypothekengesellschaften vergeben.26

3.5 CDS

Credit Default Swaps ist eine Art Kreditversicherung.27 Es unterliegt folgendem Prinzip: Die Bank erklärt sich dazu bereit, dass Risiko für einen Ausfall des Kredites einzugehen und bei nicht Rückzahlung der Kredite zu haften.27 Im optimalen Fall jedoch, macht sie durch eine Prämienzahlung Gewinne, wenn der Kreditbetrag vollständig zurück bezahlt wurde.27 Hinsichtlich der Finanzkrise 2007 haben die Banken zum Teil mit ihren SPVs diese CDS abgeschlossen, um ihre Vermögenswerte für das Rating, aber auch für die Investoren als sichere Anlage darzustellen.27

4. Die Finanzkrise

„Der Ausbruch der aktuellen Finanzkrise lässt sich ziemlich genau datieren: Im August 2007 mussten die Zentralbanken intervenieren, um das Bankensystem mit Liquidität zu versorgen“.28 Die grundlegende Ursache für die Finanzkrise war der Hypotheken- darlehensmarkt, der durch sogenannte Subprime-Kredite angetrieben wurde.29 Sub- prime-Kredite waren zum größten Teil Hypothekenkredite, die in den USA an Kredit- nehmer mit schlechter Bonität vergeben wurden und damit die schwerste Finanzmarkt- krise ausgelöst hatte.30 Die Subprime-Kredite dienten untere anderem auch als Finan- zierungskredite für sonstige Anschaffungen.31 Schließlich ist im Sommer 2007 die 57- Billionen-Dollar-Immobilienblase der Subprime-Kredite geplatzt.32

Damit ist die Finanzmarktkrise 2007 die größte Krise in der Geschichte seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren.33 Anhand des nachfolgenden Zeitstrahles werden einige Krisen der Vergangenheit bildlich in ihrer Reihenfolge dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Krisen in der Vergangenheit34

4.1 Ursprung und Verlauf der Finanzkrise

Der Ursprung der Finanzmarktkrise begann schleichend bereits am Anfang des Jahres 2000, nachdem das Internetaktienhaus „Dotcom“ zusammenstürzte.35 Zusätzlich verstärkte sich dieser Verlauf aufgrund des Terrorangriffes am 11. September 2001.35 In beiden Fällen reagierte die amerikanische Notenbank „FED“ mit einer Senkung des Leitzinses.37 Somit sank dieser im ersten Schritt von 6,5 auf 3,5 Prozent und nach dem Terroranschlag schließlich auf einen Prozent - siehe Abbildung 6 -.37 Gründe dafür waren die Angst um eine folgende Deflation.37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Leitzinsentwicklung USA und Europa bis 201536

Die Senkung des Leitzinses wirkte sich daraufhin wie eine Kettenreaktion auf den Im- mobilienmarkt aus.37 Demnach konnten die Eigenheimbesitzer in den USA ihre Fest- zins-Hypotheken jederzeit ohne Strafzinszahlungen kündigen, was letztlich zur Folge hatte, dass Millionen Haushalte die Initiative ergriffen und ihre alten Hypotheken kün- digten, um eine Refinanzierung zu niedrigen Zinsen möglich zu machen .38 Dadurch, dass nun die Zinsen für langfristige Hypotheken sanken, kündigten Millionen Haus- halte ihre alten Hypotheken und refinanzierten sie zu niedrigeren Zinsen.38

Die Millionen Kündigungen führten dazu, dass den jeweiligen Haushalten mehr Geld für den Konsum zur Verfügung stand.39 Einige nutzten diese Möglichkeit, um ihre Hy- potheken zu erhöhen und mit dem zusätzlichen Geld neue Autos und Küchen zu kau- fen, aber auch beispielweise ihr Eigenheim mit einem Anbau zu erweitern.39 Durch die genannten Folgen stieg die Nachfrage nach Immobilien so stark, dass die Preise für die Immobilien - siehe Abbildung 7 - Jahr für Jahr zweistellig stiegen.39 Zusätzlich führ- ten die Banken „Home Equity Loans“, sogenannte zweitrangige Hypothekenkredite ein, die den Haushalten ermöglichten, den gestiegenen Wert ihrer Immobilien in Bar- geld umzutauschen.39 Auch diese Vorgehensweise stellte den Haushalten mehr Geld zu Verfügung.39

Die nun folgende Grafik veranschaulicht die Auswirkungen des Leitzinses auf die Sparquote und die der Eigenheimpreise.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Sparquote und Eigenheimpreise40

Der Abbildung kann man besonders gut entnehmen, dass sich die Sparquote - rechte Achse - in den Jahren vor 2000 negativ entwickelte und die Eigenheimpreise - linke Achse - positiv. Der Schnittpunkt beider Verläufe liegt im Jahre 2000. Die Entwicklung ab dem Jahr 2000 ist auf die Senkung des Leitzinses zurückzuführen. Der entscheidende Punkt war die Reaktion auf den gesunkenen Leitzins - auf ein Prozent -, denn dieser lag unter der Inflationsrate, weshalb die Haushalte in Amerika die Initiative ergriffen und in Immobilien investierten anstatt das Geld anzulegen.41

Infolgedessen ergaben sich die steigenden Preise für die Eigenheime - siehe Abbildung 7 -, abgesehen davon wurden seit der Jahrtausendwende jedes Jahr ca. 1,5 Millionen neue Privathäuser gebaut und allein im Jahre 1999 war der Preis im Durchschnitt um acht Prozent gestiegen.42 Im Jahr 2003 wurden im Vergleich zu 1999 1,7 Millionen neue Häuser gebaut und damit betrug der Preisanstieg 12 Prozent.42 Somit stieg der Anteil der Hauseigentümer von 65 Prozent auf 69 Prozent.43

Letztlich führte dann die Inanspruchnahme von Immobilienkrediten in diesem Ausmaß zu überhöhten Hypothekenschulden. Dies kann man nun der Abbildung 8 entnehmen, welche den Verlauf der Hypothekenschuld bildlich darstellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Hypothekenschulden in den USA44

Der Abbildung ist zu entnehmen, dass seit 1952 die Hypothekenschulden in kleinen Schritten angestiegen sind. Dies ändert sich jedoch ab dem Jahr 1984. Demnach sind zwischen 1952 und 2001 bis zu 5,52 Milliarden Dollar Hypothekenschuld entstanden und zwischen den Jahren 2001 und 2007 5,52 Milliarden Dollar.45 An dieser Stelle ist das Zitat von Soros erwähnenswert. „Die amerikanischen Haushalte haben in den letz- ten sechs Jahren für mehr Hypothekenschulden gesorgt als jemals zuvor seit der Existenz des Hypothekenmarktes“.46 Von den gesamten aufgenommen Hypothekenschulden in den 90er Jahren waren davon circa ein Prozent Subprime-Kredite, die 2004 bereits bei 20 Prozent lagen.47 Der Anstieg der Neugeschäfte mit den Subprime-Kre- diten wird anhand der Abbildung neun verdeutlicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Neugeschäfte mit Subprime-Krediten48

Nachdem sich nun in der Jahreshälfte von 2004 die Konjunktur stabilisierte, begann die FED den Leitzins anzuheben - siehe Abbildung 6 - jedoch stiegen die langfristigen Zinsen nicht wie erwartet und die Immobilienhausse setzte sich fort.49 Hauptsächlich lag dies an der Wirtschaft der asiatischen Länder.39 Nach der Krise im Jahre 1997/98 wollten die großen asiatischen Länder ihren Export am Laufen halten und um dies möglich zu machen, bewerteten sie ihre Währung künstlich niedrig.39 Sie gingen dabei strategisch vor und kauften US-Dollar im großen Stil, denn mit dem Eingriff in den Devisenmarkt verhinderten sie, dass die globalen Waren- und Kapitalströme ins Gleichgewicht kamen.50 Dabei ist zu erwähnen, dass die Konsumenten im Ausland wie die Weltmeister einkauften und das Leistungsbilanzdefizit der Amerikaner dadurch auf sechs Prozent gestiegen war.50

[...]


1 Vgl. Die Welt, https://www.welt.de/kultur/article2862445/Das-Wort-des-Jahres-2008-ist-ge- waehlt.html, zuletzt aufgerufen am 05.10.2016

2 Vgl. Soros, 2008, S. 93.

3 Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 72.

4 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009, S. 45.

5 Vgl. Braunberger/Fehr HG., 2008, S. 201.

6 Vgl. Wöhe/Döring, 2013, S. 565.

7 Vgl. Sommer, 2008, S. 212; Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 72.

8 Eigene Darstellung in Anlehnung an http://www.tec7-factoring.de/produkte/abs.html, aufgerufen am 21.07.2016.

9 Vgl. Tec7, http://www.tec7-factoring.de/produkte/abs.html, aufgerufen am 21.07.2016.

10 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 12.

11 Vgl. Sommer, 2008. S.45.

12 Eigene Darstellung in Anlehnung an Schünemann, 2010, S.17.

13 Eigene Darstellung in Anlehnung an Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 70.

14 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 11.

15 Vgl. Ulrich, 2015, S. 12.

16 Vgl. Ulrich, 2015, S. 12, zitiert nach Heun - Der Staat und die Finanzkrise, JZ 2010, 53 (56).

17 Vgl. Rosenbaum, 2009, S.18.

18 Vgl. Wöhe/Döring, 2013, S. 620/621.

19 Vgl. Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 88.

20 Eigene Darstellung in Anlehnung an Wöhe/Döring, 2013, S. 565; Otte, 2008, S.225; Rosenbaum, 2009. S. 224.

21 Vgl. Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 109.

22 Vgl. Hornschuh, 2010, S.40.

23 Vgl. Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 53.

24 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 9.

25 Vgl. Ulrich, 2015, S. 16.

26 Vgl. Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 45.

27 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 44.

28 Soros, 2008, S. 11.

29 Vgl. Ulrich, 2015, S. 5.

30 Vgl. Sommer, 2008. S. 1.

31 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 6.

32 Vgl. Ulrich, 2015, S. 7; Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 41.

33 Vgl. Soros, 2008, S. 93.

34 Eigene Darstellung in Anlehnung an Soros, 2008, S. 93.

35 Vgl. Soros, 2008, S. 12.

36 http://wirtschaftsblatt.at/home/boerse/international/4888760/Historischer-Moment_USNotenbank- Fed-erhoht-Leitzins-erstmals-seit, zitiert nach APA, aufgerufen am 26.07.2016.

37 Vgl. Braunberger/Fehr HG., 2008, S. 125.

38 Vgl. Sommer, 2008. S.5; Braunberger/Fehr HG., 2008, S. 125. Die Finanzkrise

39 Vgl. Braunberger/Fehr HG., 2008, S. 126.

40 Soros, 2008, S. 96, zitiert nach Bureau of Econmic Analysis, Bureau of Labor statistics, Standard and Poors, Macro Markets, Haver Analytics, Our Calculations. Die Finanzkrise

41 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009 S. 43.

42 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 41.

43 Vgl. Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 16, zitiert nach Buchter, 2007.

44 Soros, 2008, S. 97; Otte, 2008,S.89, zitiert nach www.federalreserve.gov/releases/z1/Cur- rent/Coded/coded-2.pdf.

45 Vgl. Soros, 2008, S. 97.

46 Soros, 2008, S. 95.

47 Vgl. Grundmann/Hofmann/Möslein, 2009. S. 5.

48 Eigene Darstellung, in Anlehnung an Bloss/Ernst/Häcker/Eil, 2008, S. 20, zitiert nach Sabry F; Schopflocher, T, 2007.

49 Vgl. Ulrich, 2015, S. 7; Soros, 2008, S. 12.

50 Vgl. Braunberger/Fehr HG., 2008, S. 127.

Ende der Leseprobe aus 106 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen der Finanzkrise 2007 und des Russlandembargos 2014 auf ausgewählte Unternehmen aus Deutschland
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
2,2
Autor
Jahr
2016
Seiten
106
Katalognummer
V377886
ISBN (eBook)
9783668561496
ISBN (Buch)
9783668561502
Dateigröße
2111 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, finanzkrise, russlandembargos, unternehmen, deutschland
Arbeit zitieren
Gökhan Elceoglu (Autor), 2016, Auswirkungen der Finanzkrise 2007 und des Russlandembargos 2014 auf ausgewählte Unternehmen aus Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/377886

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