Gender Studies und Literatur. Das Konzept von "Masculinity" in Nick Hornbys "High Fidelity" und Ian McEwans "Saturday"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
14 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Annäherung an das Thema Masculinity
2.1 Beziehungen zwischen Masculinities
2.2 Typisch Mann

3. Masculinity in Nick Hornbys High Fidelity
3.1 Rob Fleming als New Lad
3.2 Robs Beziehungen
3.2.1 Robs Beziehungen zu Frauen
3.2.2 Robs Beziehungen zu Männern

4. Masculinity in Saturday
4.1 Henry Perowne als New Man
4.2 Henrys Beziehungen
4.2.1 Henrys Beziehung zu Antagonist Baxter
4.2.2 Henrys Beziehung zu Daisy und Literatur

5. Rob und Henry als Sinnbild von maskuliner Pluralität

6. Schlusswort

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können ist zum Bestseller geworden. Die Geschlechterforschung ist populärer denn je, um das Interesse zu bedienen, das jeweils andere Geschlecht besser zu verstehen. Der Name des angesprochenen Werkes an sich impliziert bereits diverse geschlechtsspezifische Charakteristika. Doch wie verhält es sich in der fiktiven Literatur, beispielsweise bei den beiden männlichen Protagonisten Rob Fleming und Henry Perowne aus Nick Hornbys High Fidelity, beziehungsweise Ian McEwans Saturday – sind beide schlechte Zuhörer und können auf der anderen Seite gut Autofahren? Die Analyse ihrer masculinity in den beiden Werken soll im Folgenden erörtert werden.

Um dies zu bewerkstelligen ist es wenig ertragreich, die Romane zu durchforsten und nach männlichen oder unmännlichen Verhaltensweisen zu suchen. Es bedarf eines theoretischen Konstrukts anhand welchem masculinity in den Werken untersucht wird. Diese theoretische Annäherung zeigt nicht nur die Eigenschaften von masculinity, ihm liegt auch Connells viergliedriges Modell zu Grunde. Zwar soll in dieser Ausarbeitung auf Pauschalisierungen weitestgehend verzichtet werden, dennoch wird im Abschnitt Typisch Mann, der Versuch gestartet, Männern einige charakteristische Eigenschaften, allen voran der Sprache, zuzuordnen.

Das Hauptaugenmerk dieser Ausarbeitung liegt darin, dieses theoretische Konstrukt auf die beiden Werke anzuwenden. Es wird bei der Untersuchung der masculinity in den Romanen daher immer wieder auf den Theorieteil Bezug genommen, um herauszustellen, inwiefern Rob und Henry sich einordnen lassen. Nachdem zunächst die Erzählsituation kurz erörtert wird, werden die Werke anschließend analysiert mit Hinblick auf die individuelle Darstellung von masculinity der Protagonisten. Im Anschluss werden ihre wichtigsten Beziehungen unter selbigem Aspekt näher beleuchtet.

Abschließend werden die beiden Hauptdarsteller zusammengeführt, um ihre Form von masculinity miteinander zu vergleichen. Dies geschieht ebenfalls im Rahmen Connells‘ Modell, wo sie im Verhältnis zueinander eingegliedert werden.

2. Theoretische Annäherung an das Thema Masculinity

Der alleinstehende Begriff masculinity ist zunächst sehr vage. Um mit ihm ansprechend weiterarbeiten zu können, im Hinblick auf die Untersuchung Besagter in den ausgewählten Romanen, bedarf es einer genaueren Bestimmung. Nun möchte man an dieser Stelle möglicherweise eine Definition von masculinity erwarten. Dies ist jedoch kaum möglich, da es die masculinity als solche nicht gibt und vielmehr ein latentes Konstrukt ist. Es gibt sicherlich männliche „Helden“, die als Prototypen gelten können und verschiedene Merkmale aufweisen, die als männlich bezeichnet werden können. Die Unterschiedlichkeit von Männern ist jedoch bereits eines dieser Merkmale, was nicht zuletzt die beiden Protagonisten der behandelten Romane Rob und Henry zum Ausdruck bringen. Es wird daher in der gängigen Literatur oft von masculinities gesprochen, um die Variabilität zu verdeutlichen (Kiesow 6).

Oftmals geht die Pluralität soweit, dass die charakterliche Differenz zwischen einem Mann zu einem anderen größer ist, als die zu einer Frau (Connell 2004: 503). Dies ist darauf zurückzuführen, dass die charakterliche Merkmalsausprägung weniger biologisch bedingt ist, sondern mit sozialen Einflüssen zu begründen ist. Geschlechtstypische Merkmale, ausgenommen der körperlichen Erscheinung, äußern sich daher ausschließlich via Verhaltensweisen. Es wird daher auch von „doing gender gesprochen (Connell 1995: 68).

Connell kategorisiert die Unterschiedlichkeit von masculinity anhand vier verschiedener Dimensionen: Erstens ist masculinity in verschiedenen Kulturen anders definiert. Der oben angesprochene Prototyp stellt sich beispielsweise in China anders dar als in Mitteleuropa, da unter anderem Normen, Werte und das Anforderungsprofil an einen Mann zwischen verschiedenen Kulturen variieren. Daraus lässt sich nun allerdings nicht folgern, dass es den männlichen Chinesen an sich gibt; auch innerhalb sozialer Verbände besteht das Prinzip der Variabilität.

Darüber hinaus verändern sich die Vorstellungen von masculinity im Laufe der Zeit. Männer des Mittelalters definierten sich, oder wurden anders definiert, als Männer heutzutage. Auch innerhalb einer Person ist masculinity zeitlich bedingt. Durch doing gender verändert ein Mann im Laufe verschiedener Lebensabschnitte seine Identität (vgl. Connell 2004: 503-06).

Masculinity ist allerdings nicht nur plural, sondern auch relational und situationsabhängig (vgl. Connel 2004: 504). Mit relational ist gemeint, dass der Grad der masculinity immer in Bezug zu anderen beurteilt wird. Männer messen sich weiteren Vertretern ihres Geschlechts und die einzig universelle Charakteristik von masculinity ist Antifeminität- je weniger ein Mann dem Bild der Frau entspricht, desto männlicher gilt er in den westlichen Kulturen. Connell begründet damit erst die Existenz von masculinity:

A culture which does not treat woman and men as bearers of polarized character types, at least in principle, does not have a concept of masculinity in the sense of modern European/American culture. (Connell 1995: 68)

Geschlechtsspezifisches Verhalten einer Person ist nicht in jedem Umstand gleich. Es ist vielmehr situativ bedingt und passt sich dementsprechend an. Folglich verhält sich beispielsweise ein Mann, einer Frau gegenüber anders, als seinem männlichen Vorgesetzten. Das situationsspezifische Verhalten beschränkt sich aber nicht alleine auf Beziehungen, es ist ebenso institutionsabhängig. Es gibt durchaus Umgebungen, die geschlechtsspezifisches Verhalten fördern. So wird eine Frau in einer von Männern besuchten Fußballkneipe ihr Verhalten und ihren Sprachgebrauch möglicherweise assimilieren, um ein vereinfachtes Beispiel zu nennen. Auch können unterschiedliche Situationen und soziale Erwartungen den Unterschied zwischen Geschlechtern erst formen. Connell zitiert Chafetz zu diesem Aspekt: „Different structured experiences produce the gender differences that we often attribute to people.“ (Connell 2004 zit. nach Chafetz: 505) Sind diese unterschiedlichen Erfahrungen nicht vorhanden, heißt das im Umkehrschluss, dass auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede geringer ausfallen.

2.1 Beziehungen zwischen Masculinities

Für die Strukturierung von Beziehungen zwischen masculinities entwarf Connell ein viergliedriges Modell. Laut Connell interagieren diese Beziehungen mit den Prinzipien: Hegemony, Subordination, Complicity, Marginalization (Connell 1995: 76).

Das Konzept der hegemony untersucht die Hierarchie zwischen Männern verschiedener Klassen sowie zwischen Männern und Frauen. Wenn man von hegemonischer Maskulinität spricht, so sind damit Männer gemeint, die zum einen anderen Männern mit niedrigerem gesellschaftlichen Status als auch Frauen übergeordnet sind, im Sinne von Macht. Hegemonische masculinity ist nicht die am weitesten verbreitete Form von masculinity, da es nur wenige Männer erreichen. Sie stellt mehr ein Modell dar, dem Männer nachstreben (vgl. Gill 30).

Während sich hegemony sich auf gesamtgesellschaftliche Strukturen bezieht, ist das Prinzip der subordination auf die Beziehungen zwischen speziellen männlichen Gruppen beschränkt, analysiert jedoch auch hierarchische Ordnungen. Der Hauptaspekt der Connell zu Folge der subordination entspricht, ist die Dominanz männlicher Heterosexualität über Homosexualität.

Das dritte Konzept, welches als marginalization verstanden wird, setzt sich mit Klassenherkunft und ethnischer Zugehörigkeit auseinander. Eine der am häufigsten marginalisierten Gruppen ist laut Kiesow die working-class (14) . Diese wird häufig mit Problemen in der Arbeitswelt assoziiert, welche sich auf den außerberuflichen Bereich übertragen können: „Living on the edge of the labour market often results in aggressive behaviour within and between different peer groups.“ (Kiesow 15)

Ein weiteres Merkmal maskuliner Beziehungen ist das der complicity, wird aber nur der Vollständigkeit halber erwähnt, da es in den Romanen nicht untersucht wird.

Connells Konzept kann nur schwer sämtliche Aspekte aller masculinities abdecken, es bietet allerdings einen Ansatzpunkt, ein „framework“ (Connell 1995: 81), auf dessen Basis männliche Charaktere untersucht werden können. Dies wird im folgenden mit den beiden Protagonisten Rob und Henry durchgeführt werden, deren Beziehungen zu den anderen Figuren mit Hilfe dieses Modells näher beleuchtet werden. Doch bevor wir dazu kommen, werden dem Mann einige Merkmale zugeordnet, welche sich in diversen masculinities wiederzufinden scheinen.

2.2 Typisch Mann

Trotz aller Bemühungen die geschlechtlichen Unterschiede differenziert zu betrachten, jenseits jeglicher Klischees, gibt es scheinbar dennoch Eigenschaften, die geschlechtsspezifisch sind. Nicht nur dem Volksmund zu Folge, auch hinsichtlich der patriarchischen Ideologie sind Männer tendenziell rational, das Handeln der Frau hingegen ist eher emotional dominiert (Connell 1995: 164). Die Rationalität von Männern soll auch bei der Behandlung der Romane noch häufiger thematisiert werden.

Außerdem unterscheidet sich wissenschaftlichen Untersuchungen zu Folge der Sprachgebrauch der Männer, von dem der Frauen. Hier wird der angesprochene relationale Charakter der Geschlechterforschung sehr deutlich. Sämtliche Merkmale maskuliner Sprache stehen im Gegensatz zu femininer Sprachanwendung.

Männer vermeiden in der Konversation in der Regel Überschneidungen und behaupten das Sprachrecht für einen längeren Zeitraum. Es wird angenommen, dass dies daher geschieht, da Männer die Rolle des „experts“ (Kiesow 17) genießen. Sie unterhalten sich lieber über unpersönliche Themen wie beispielsweise Aktuelles, Reisen oder Sport. Maskuline Konversation weisen weniger zustimmende Gesten oder Kommentare auf; stattdessen wird häufiger widersprochen. Grundsätzlich wird die Kommunikation aggressiver, wettbewerbsorientierter und streitlustiger geführt. Hinzu kommt, dass ordinäre Ausdrücke häufiger verwendet werden und während der Adoleszenz als ein Zeichen von Selbstvertrauen und Durchsetzungsfähigkeit verstanden werden. Ab einem gewissen materiellen und bildungstechnischen Status werden diese Ausdrucksformen wieder aufgegeben, da das Selbstvertrauen sich mit dem Status erhöht hat (Kiesow 17-18).

[...]

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Details

Titel
Gender Studies und Literatur. Das Konzept von "Masculinity" in Nick Hornbys "High Fidelity" und Ian McEwans "Saturday"
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V378208
ISBN (eBook)
9783668555525
ISBN (Buch)
9783668555532
Dateigröße
1010 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gender masculinity hornby high fidelity mcewan saturday
Arbeit zitieren
Mario Franz (Autor), 2009, Gender Studies und Literatur. Das Konzept von "Masculinity" in Nick Hornbys "High Fidelity" und Ian McEwans "Saturday", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378208

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