Neuinterpretationen des Minnesangs in der modernen Rockmusik


Hausarbeit, 2014
11 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Minnesang
2.1 Instrumente und Motive im Minnesang
2.2 Walther von der Vogelweide

3. Mittelalterliche Neuinterpretationen des Minnesangs
3.1 Ougenweide als Beispiel mittelalterlicher Rockmusik

4. Minnesang vs. Rockmusik die Analyse.
4.1 „Wol mich der Stunde“
4.2 Die Toten Hosen als Beispiel deutscher Rockmusik
4.3 „Wol mich der Stunde“ vs. „Alles aus Liebe“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang
7.1 „Wol mich der Stunde“ Originaltext und Übersetzung
7.2 „Alles aus Liebe“.

1. Einleitung

In der vorliegenden Seminararbeit soll dargelegt werden, inwiefern es Gemeinsamkeiten zwischen mittelalterlichen Minnesang und gegenwärtiger Rockmusik gibt. Die Arbeit verfolgt drei Ziele: Was ist Minnesang, welche Motive lassen sich entdecken und mit welchen Instrumenten werden Minnelieder begleitet. Ein weiterer Punkt stellt Walther von der Vogelweide dar und mittelalterliche Neuinterpretationen des Minnesangs. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, Berührungspunkte wie Textinhalte und Motive der ausgewählten Lieder von Walther und der „Die Toten Hosen“ zu vergleichen und zu analysieren.

Es handelt sich auf der einen Seite um eine literaturgestützte Arbeit, auf der anderen Seite wurden Forschungen angestellt die nicht auf wissenschaftlicher Literatur basieren, sondern meiner eigenen Interpretation und Nachforschung unterliegen.

Im ersten Teil der Arbeit wird der Minnesang im Mittelalter und Walther von der Vogelweide angeführt. Darauf aufbauend wird im zweiten Teil der Arbeit auf mittelalterliche Neuinterpretationen eingegangen und der Fokus auf die Mittelalter-Rockband Ougenweide gelegt. Das Hauptaugenmerk wird jedoch auf das dritte Kapitel gesetzt. Hier werde ich das Lied Walthers „wol mich der stunde“, interpretiert von der Mittelalter-Rockband „Ougenweide“, mit dem Lied „Alles aus Liebe“ von der Band „Die Toten Hosen“ vergleichen und etwaige Gemeinsamkeiten in Bezug auf Motive, Instrumente und Bühnenauftritt analysieren. Für diese Analyse wählte ich jeweils eine Aufnahme eines Auftritts der jeweiligen Musikband aus. Dieser Teil der Seminararbeit stütz sich Großteils auf meine eigene Interpretation und Auslegung.

Im Anschluss wird die Arbeit zusammengefasst und ein Fazit gezogen. Im Anhang befinden sich das Originallied sowie die Übersetzung des Liedes „wol mich der stunde“ und der Text des Liedes „Alles aus Liebe“.

2. Minnesang

Die Minnelyrik tritt um 1160 unvermittelt in die deutsche Literatur. Erste Minnelyrik findet sich Ende des 12. Jahrhunderts in der Provence, gesungen von den Trouveres, und im nördlichen Frankreich, wo die Troubadours ihre Poesie vortrugen.[1]

Als mittelalterlicher Minnesang wird die Form von gesungener Lyrik und Poesie verstanden, die an den adeligen Höfen von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts aufgeführt wurde.[2] Der Ausdruck Minne kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Liebe, welche im frühen und hohen Mittelalter die Verehrung einer hochgestellten Hofdame meint.

Die mittelhochdeutsche Liebesdichtung ist charakteristisch sehr breit gefächert und verfolgt als zentrales Ziel die Umwerbung, durch Verehrung und Zuneigung, einer hochgestellten Frau. Minnesang wurde im öffentlichen Raum vor Publikum am Adelshofs aufgeführt, der von angestellten Dichtern oder Adeligen, gegen Bezahlung oder Vergütung zelebriert wurde. Auch von adeligen Rittern wurde der Minnesang betrieben um Kultur und Ritterlichkeit zu beweisen.[3]

2.1 Instrumente und Motive im Minnesang

Die Themen und Motive der Lieder im Minnesang wiederholen sich und tauchen immer wieder auf, Abweisung durch eine Frau und die Unerreichbarkeit der Angebeteten werden thematisiert. Weiteres werden neben dem Leid und der Qual durch die unerfüllte Liebe, die Schönheit und Tugend der zu umwerbenden Frau aufgegriffen.[4]

Neben den Minneliedern gibt es zwei weitere, nicht außer Acht zulassende musikalische Kategorien: Die Spruchdichtung und der Leich. Diese Kategorien lassen sich kaum deutlich voneinander trennen, doch durch Analysen der Textinhalte ergeben sich folgende Formen: Minnelied, Frauenstrophe, Wechsel, das Tagelied, Pastourelle, Tanzlied und Kreuzlied.[5]

Im Hohen Mittelalter dienten die Instrumente in der Regel zur Begleitung und Umspielung von Melodien, die von einem Sänger vorgetragen werden.

Es sind nur wenige der mittelalterlichen Instrumente erhalten geblieben, da diese für die Minnesänger Gebrauchsgegenstände waren und es kaum Sammler im europäischen Mittelalter gab. Die Melodik der Minnelieder lässt sich aufgrund schlechter Quellenlage kaum entziffern und lässt sich nur schwer in moderne Noten übertragen. Die Übertragung von Rhythmus, Tonlage und Silbenzuordnung aus älteren Quellen ist kaum beziehungsweise nicht möglich. Zu den höfischen Instrumenten zählen die sogenannten „cordata“, „pneiumatica“ und „pulsatilla“. Das typische Instrument der Minnesänger war die Harfe, die Lang- und Kurzhalslaute, das Rebec und auch die Drehleier.[6]

2.2 Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide hatte in Österreich seine ersten dichterischen Erfolge errungen und kehrte nach mindestens zweijähriger Abwesenheit wieder nach Österreich zurück. Eines seiner Lieder, das sogenannte Preislied, macht auf viele Leser den Eindruck, es sei für den Anlass als Begrüßungslied entstanden. Im Lied hat er ein künstlerisches Programm formuliert. Das Preislied ist nicht allgemeines Bedauern über den romanischen Kultureinfluss, sondern Programm des Neuerers Walther von der Vogelweide im Wettstreit mit seinen Konkurrenten um den Ruhm des größten Dichters in deutscher Sprache. Das Identitätsbewusstsein von Sprach- und Kulturgemeinschaften wurde auch im Mittelalter zum Wettkampf benutzt. Dies geschah jedoch im soziokulturellen und nicht im territorialen Denken. Neben dem Verhältnis persönlicher Gefolgschaft und Treue zu den persönlichen Dienstherren trat allerdings schon bald nach der Zeit Walthers von der Vogelweide ein landesherrschaftliches Denken ein. Sein Selbstbewusstsein, das uns in seinen Werken entgegentritt, erweckt den Eindruck, dass er sich mit den Grundzielen, die er als Propagandist vertrat, auch identifizieren konnte.[7] Daher ist die nächstliegende Annahme die, dass er Engagements bei Herren suchte, deren politische Interessen für ihn, Walther von der Vogelweide, akzeptabel schienen.[8]

3. Mittelalterliche Neuinterpretation des Minnesangs

Eine etwas andere Art Rockmusik zu interpretieren und aufzufassen zeigt das Genre des Mittelalter- Rocks. Auch im 21. Jahrhundert spielt das Mittelalter in wahren Sinn des Wortes noch groß auf. Neben den modernen Rock Instrumenten spielen historische Tonwerkzeuge, wie Blockflöte, Harfe oder die Schalmei eine wichtige Rolle. Doch auch das Wesen des Mittelalter- Rock gliedert sich in unterschiedlichste Gruppen und Musikstilrichtungen, denn die vielfältigen Philosophien und Ansätze lassen es nicht zu das Genre als homogen anzusehen.

Auf der einen Seite driftet der Mittelalter-Rock in die Folkszene ab, die aber wiederum der Hard-Rock und Metal-Szene im Allgemeinen gegenübersteht. Das Genre hat seine Ursprünge in Ostdeutschland und ist bis heute im Wesentlichen ein deutsches Phänomen geblieben. Die Texte des Mittelalter-Rocks sind auf Neuhochdeutsch oder Mittelhochdeutsch vertont, wobei auch Auftritt und Kleidung wesentliche Rollen in der Gesamtperformance darstellen. Historische Figuren sind in der Mittelalter-Szene von zentraler Bedeutung so werden Kleidung und Instrumente Bestandteil des außermusikalischen Gesamtkonzeptes. Die Musik- Szene hat es schon weit über die mittelalterlichen Märkte hinaus geschafft und sind selbst mittlerweile in den CD-Verkaufscharts angekommen. Auch auf den legendären Rockfestivals wie Wacken-Open-Air oder M’era Lunda ist die Mittelalter-Rock-Szene nicht mehr wegzudenken.

3.1 Ougenweide als Beispiel mittelalterlicher Rockmusik

Eine interessante Band namens „Ougenweide“ hat sich zum Ziel gemacht mittelalterliche Lieder und Texte neu beziehungsweise überhaupt zu vertonen. Ougenweide zählt zu den Vorreitern des Mittelalter-Rock und widmen sich seit 1970 dem Mittelalter-Folk. Der Bandname stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet übersetzt Augenweide, ein schöner Anblick. Ougenweide gilt als Wegbereiter der Szene, jedoch schöpfen die Musiker und Musikerinnen die mittelalterlichen Bezüge eher aus der Sprache als aus der Musik und Performance. Seit über 40 Jahren besteht diese außergewöhnliche Band und veröffentlichte insgesamt 10 Studioalben und drei Konzertalben.[9]

Die aktuelle Besetzung besteht aus 6 Mitgliedern, die sich mit der Bearbeitung der mittelhochdeutschen Lieder und Texte auseinandersetzt und vertont. Neben Eulenspiegel-Inszenierungen stellt Walter von der Vogelweide einen wichtigen Vertreter der mittelhochdeutschen Lyrik dar. Walter von der Vogelweide gilt als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker des Mittelalters. Aus dem Repertoire von 90 Liedern und 150 Sangsprüchen von Walter von der Vogelweide, sind der musikalischen Interpretationen kaum Grenzen gesetzt.

Das vierte, 1976 veröffentlichte Studioalbum namens „Eulenspiegel“ enthält einerseits Eulenspiegel-Inszenierungen andererseits die Vertonung und Bearbeitung des mittelhochdeutschen Textes „wol mich der stunde“ von Walter von der Vogelweide.[10]

4. Minnesang vs. Rockmusik die Analyse

Im folgenden Kapitel werden zwei konkrete Beispiele angeführt um mögliche Gemeinsamkeiten der beiden Genre zu erforschen und zu analysieren. Ich entschied mich für das Lied „Wol mich der Stunde“, interpretiert von der Band „Ougenweide“, mit „Alles aus Liebe“ von den „Die Toten Hosen“ zu vergleichen und Berührungspunkte zu erforschen. Auf der einen Seite werden Instrumente und Textinhalt gegenübergestellt, auf der anderen Seite möchte ich den Bühnenauftritt vergleichen und analysieren. Um diesen Vergleich anstellen zu können, wurde jeweils ein Video eines Auftrittes analysiert. Die Hyperlinks zu den Videos sind im Anhang angeführt.

[...]


[1] Schweikle: Minnesang, S.13.

[2] Schweikle: Minnesang, S.9.

[3] Weil: Der deutsche Minnesang, S. 5.

[4] Weil: Der deutsche Minnesang, S. 7.

[5] Diehr: Literatur und Musik im Mittelalter, S. 37.

[6] Diehr: Literatur und Musik im Mittelalter, S. 35-37.

[7] Reichert Hermann (Hg.): Walther von der Vogelweide für Anfänger. Wien: Facultas Verlag³ 2009. S.13-34

[8] Reichert Hermann (Hg.): Walther von der Vogelweide für Anfänger, S.11-34.

[9] http://www.ougenweide.eu/

[10] http://www.ougenweide.eu/

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Neuinterpretationen des Minnesangs in der modernen Rockmusik
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V378209
ISBN (eBook)
9783668556386
ISBN (Buch)
9783668556393
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neuinterpretationen, minnesangs, rockmusik
Arbeit zitieren
Flora Köck (Autor), 2014, Neuinterpretationen des Minnesangs in der modernen Rockmusik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378209

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