Unternehmen zwischen Corporate Social Responsibility und Auslandsproduktion in Billiglohnländern


Seminararbeit, 2015

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Corporate Social Responsibility
2.2 Auslandsproduktion in Billiglohnländern

3. Umsetzungsprobleme bei der Produktion in Billiglohnländern
3.1 Fremdbezug
3.2 Eigenfertigung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Hohe Aktivität in den zentralen Handlungsfeldern

1. Einleitung

Die gesellschaftliche Verantwortung multinationaler Unternehmen gewinnt durch ansteigende globale Aktivitäten zunehmend an Relevanz. In der betriebswirtschaftlichen Diskussion ist das Konzept von Corporate Social Responsibility kein neues Thema, dennoch hat es in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. In naher Zukunft kann das CSR-Konzept eine wichtige Rolle einnehmen und für Unternehmen zum langfristigen Wettbewerbsvorteil werden. Große Markenunternehmen stehen wegen Umweltverschmutzung, schlechten Arbeitsbedingungen und geringen Löhnen in der Öffentlichkeit. Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern sind soziale und ökologische Standards aufgrund mangelnder Durchsetzbarkeit nicht gegeben. Bis zu den 90er Jahren spielte CSR in der Praxis keine relevante Rolle, zwar wurde die Diskussion um die gesellschaftliche Verantwortung von Wirtschaftsethikern geprägt, jedoch hatte die Ignoranz sozialer und ökologischer Aspekte keine Konsequenzen für die Unternehmen. Erst seit Beginn der 90er Jahre wird von Seiten der Stakeholder von den Unternehmen zunehmend ein Umgang mit CSR über das ökonomische Handeln hinaus verlangt.1 Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen sie ihre wirtschaftlichen Vorgaben erreichen und das Vertrauen ihrer Interessengruppen gewinnen. Das Streben nach wirtschaftlichem, sozialem und ökologischem Erfolg ist heute viel stärker miteinander verbunden.2

Ziel dieser Arbeit ist es, die Fragestellung zu beantworten, ob bei Unternehmen mit Auslandproduktion in sogenannten Billiglohnländern Probleme bei der Umsetzung von CSR auftreten und wenn ja, welche. Dazu bedarf es vorab einer separaten Darstellung der Themengebiete CSR und Auslandsproduktion in Billiglohnländern. Daraufhin werden im Hauptteil beide Begriffe in einen gemeinsamen Kontext gesetzt, um das Thema in Bezug auf die Problemstellung zu analysieren. Dazu wird die Problematik bei der Umsetzung von CSR aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zum einen hinsichtlich Fremdbezugs multinationaler Unternehmen in Kooperation mit ausländischen Lieferanten und zum anderen aus Sicht der Eigenfertigung in eigenen Produktionsstätten im Ausland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Aufbau der Arbeit

2. Grundlagen

2.1 Corporate Social Responsibility

Corporate Social Responsibility bezeichnet den Beitrag eines Unternehmens zur Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung. Laut der neuesten Definition der EU- Kommission wird CSR als Verantwortung von Unternehmen für ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft bezeichnet.3 CSR befasst sich mit freiwilligen Beiträgen von Unternehmen zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, die über das Gesetz und über das klassisch definierte Eigeninteresse des Unternehmens, der Gewinnmaximierung, hinausgehen.4 Die Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich nicht nur auf imagewirksame Aktivitäten wie Sponsoring, sondern betrifft das Kerngeschäft eines Unternehmens sowie die gesamte Lieferkette5 und soll in die Beziehung zu den Stakeholdern integriert werden. Innerhalb Europas werden viele Aspekte gesellschaftlich verantwortungsvollen Handelns bereits durch den rechtlichen und institutionellen Rahmen abgedeckt, wie beispielsweise durch den starken Einfluss der Regierungen auf das Gesundheits- und Bildungssystem, sodass die gesellschaftliche Verantwortung von europäischen Unternehmen weniger individuell gestaltbar ist.6 Die Bedeutung von CSR ist abhängig von den unterschiedlichen Entwicklungsphasen, in denen sich die verschiedenen Gesellschaften befinden.7 Das Konzept basiert auf drei gleichwertigen Bereichen: Ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung. Diese Eckpunkte der sogenannten Triple Bottom Line8 sind aufgrund von Synergieeffekten in Unternehmen voneinander abhängig zu betrachten. Das im CSR- Begriff enthaltene Wort social ist in diesem Kontext nicht mit sozial, sondern mit gesellschaftlich zu übersetzen, da nicht nur soziale, sondern auch gleichermaßen ökologische und ökonomische Verantwortung gemeint ist.9

Abb2.: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: in Anlehnung an Mayerhofer/Grusch/Mertzbach (2008), S. 8 Die soziale Säule des Drei-Säulen-Modells strebt vor allem den Schutz der Arbeitsnehmer an und beinhaltet z. B. die Beachtung der Menschenrechte, Entlohnungssysteme, Kündigungsschutz und die Beseitigung von Kinderarbeit und Diskriminierung. CSR-Aktivitäten im Hinblick auf den Umweltschutz, wie umweltschonende Produktionsverfahren, Energiemanagement und Klimaschutz, finden in der ökologischen Säule Beachtung. Die ökonomische Dimension zielt auf langfristige Erträge, finanziellen Profit und Wirtschaftswachstum ab. Im Wesentlichen müssen Unternehmen den Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und unternehmerischer Leistung nutzen, denn nur wenn ein Unternehmen rentabel wirtschaftet, kann es auch Verantwortung übernehmen.10

2.2 Auslandsproduktion in Billiglohnländern

Immer mehr Unternehmen fertigen zu Zeiten der Globalisierung ihre Produkte in sogenannten Billiglohnländern, wie etwa China oder Bangladesch. Vorwiegend handelt es sich dabei um arbeitsintensive Unternehmen, in denen Löhne aufgrund des hohen Kostenanteils eine größere Rolle spielen. Beim Vergleich strategischer Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Auslandsproduktion besteht die Möglichkeit des Fremdbezugs sowie der Eigenfertigung der Güter im Billiglohnland. Beim Fremdbezug werden die benötigten Güter von einem unternehmensexternen Lieferanten zur Verfügung gestellt. Die Interaktion eines Unternehmens mit seinen Lieferanten wird als Supply Chain bzw. Lieferkette bezeichnet. Bei der Eigenfertigung werden die unternehmensinternen Ressourcen genutzt und die Produkte werden in eigenen Produktionsstätten im Ausland hergestellt.12 Mit zunehmender Globalisierung und die damit verbundene Verkürzung von Innovationszyklen, Produktionssteigerung und Sicherstellung hoher Qualität hat sich der Druck auf das produzierende Gewerbe kontinuierlich erhöht. Diesen Druck versuchen die Unternehmen durch Produktion in Billiglohnländern zu kompensieren.13 Ein Billig- oder Niedriglohnland ist ein Land, in dem schlecht bezahlte Arbeitskräfte einen Großteil des Bruttosozialproduktes erwirtschaften. Dazu zählen u. a. China, Indien, Bangladesch, viele lateinamerikanische und afrikanische Länder sowie einige Länder Osteuropas. Jedoch ist der Begriff Billiglohnländer teilweise irreführend, da sowohl in Industriestaaten wie Deutschland und den USA Niedriglöhne existieren, als auch in Billiglohnländern besser bezahlte Arbeitskräfte.14 Die Verlagerung der eigenen Produktionsstätten ins Ausland führte in den 90er Jahren zu einer ersten großen Verlagerungswelle. Standorte bleiben solange attraktiv bis ein noch günstigerer Produktionsstandort gefunden wird, der vergleichbare Rahmenbedingungen zu geringeren Kosten bietet.15 Letztendlich beinhaltet die strategische Entscheidung über Auslandsproduktion die Abwägung der Kostenvorteile in Bezug auf Personal, Material, Energie, Steuern sowie Grund und Boden.16

3. Umsetzungsprobleme in Billiglohnländern

3.1 Fremdbezug

Ob Apple in China oder H&M in Bangladesch, alle wollen Ihre Produkte noch kostengünstiger herstellen. Dabei verlieren die Unternehmen häufig die Kontrolle über ihre Zulieferer, riskieren ihr Image und verhindern eine positive Umsetzung von CSR im Kerngeschäft. Besonders die Implementierung und Durchsetzung von gesellschaftlicher Verantwortung in der Lieferkette stellen für viele Unternehmen eine Herausforderung dar.18 Unternehmen, die in Niedriglohnländern produzieren lassen, stehen immer wieder wegen Kinderarbeit, schlechten Arbeitsbedingungen, zu geringen Löhnen und Diskriminierung in Kritik. Die Folge sind Imageschädigung, Kundenboykotte und Umsatzeinbußen.19 Häufig treten Umsetzungsprobleme auf internationaler Ebene durch Grenzen nationaler Regierungen und fehlender internationaler Standards auf, vor allem in Billiglohnländern besteht ein großer Handlungsspielraum aufgrund fehlender Rahmenbedingungen. NGOs und Gewerkschaften fordern zunehmend multinationale Unternehmen auf, Verantwortung in ihrer Lieferkette zu übernehmen, da es gerade dort an einer Umsetzung von CSR mangelt. Selbst wenn das Markenunternehmen CSR im Kerngeschäft erfolgreich umsetzt, bedeutet dies nicht, dass sich auch die Lieferanten im Zuge des Fremdbezugs an die Richtlinien des Unternehmens halten. Es ist erforderlich, die gesamte Lieferkette auf ihr ökonomisches, ökologisches und soziales Potenzial hin zu untersuchen. Nach einer Studie des Center for Research on Multinational Corporations zählen zu den größten Problembereichen in Bezug auf soziale Verantwortung Kinderarbeit, mangelnde Versammlungs- und Tariffreiheit, unangemessener Lebensstandard sowie unfaire Preisniveaus und daraus resultierende Löhne.21 Die Produkte des Consumer Electronics-Herstellers Apple werden vorwiegend in chinesischen Produktionsstätten bei Foxconn produziert. Der taiwanische Konzern Foxconn steht aufgrund von Suiziden bei Arbeitnehmern als Folge der Arbeitsbedingungen, Niedriglöhnen, Kinderarbeit und Verwendung von gesundheitsschädigenden Substanzen immer wieder in der Öffentlichkeit.22 Apple-Produkte, wie das iPhone, werden von Greenpeace aufgrund der kurzen Lebensdauer, der schlechten Recycelbarkeit und der Nichttrennbarkeit von Akku und Gerät kritisiert und das, obwohl Apple für sein ökologisch nachhaltiges Handeln wirbt.23 Die Verwendung von 100 Prozent erneuerbarer Energien wurde in den USA bereits erreicht.24 Jedoch möchte Apple die ökologische CSR-Strategie auch in seiner Lieferkette umsetzen, indem das Unternehmen u. a. Zulieferern hilft, den Wasser- und Energieverbrauch der Anlagen zu senken und erneuerbare Energien zu verwenden.25 Apple berichtet, dass sich das Unternehmen zu den höchsten Standards gesellschaftlicher Verantwortung in seiner Lieferkette verpflichtet.26 Dies widerspricht hingegen dem Report des IPE, basierend auf mehreren Überprüfungen vor Ort, der die gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen wie auch die umweltschädigenden Arbeitsweisen bei chinesischen Zulieferern offenlegt. Damit sinkt die Glaubwürdigkeit des Unternehmens in der Öffentlichkeit. Positive CSR-Informationen aus unternehmensexterner Quelle führen zu einer besseren CSR-Beurteilung, bei dem Beispiel Apple werden die positiven Meldungen jedoch hauptsächlich intern kommuniziert.28 Trotz Ökokampagnen und der angeblichen Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung in der gesamten Supply Chain belegt Apple im Ranking der nachhaltigsten Marken den viertletzten Platz von 104 Unternehmen. Dies ist die Folge der schlechten Arbeitsbedingungen bei seinen Lieferanten.29 Im Supplier Code of Conduct konkretisiert Apple die Arbeitsbedingungen und Standards, an die sich die Zulieferbetriebe halten sollen. Obwohl der Verhaltenskodex schon länger besteht, wurde 2006 bekannt, dass u. a. bei einem chinesischen Lieferanten diese Standards nicht eingehalten werden.30 Die Einhaltung der Verhaltenskodizes ist eine Voraussetzung für eine glaubwürdige Auseinandersetzung mit CSR.31 Seit 2006 hat Apple die Zahl seiner Audits zur Lieferantenüberprüfung deutlich erhöht. 2014 wurden 633 Audits in 19 Ländern durchgeführt.32 Doch auch 2014 wurden Verstöße bei Zulieferern aufgedeckt, die von Apple nach und nach behoben wurden. Die Schwächen der Verhaltenskodizes liegen in der mangelnden Klarheit, der fehlenden unabhängigen Überprüfung, der Freiwilligkeit und Unverbindlichkeit sowie im Fehlen von Sanktionsmöglichkeiten.33 Häufig stehen Unternehmen vor dem Problem, dass ihre Zulieferer gleich groß oder sogar größer sind und dies eine Einflussnahme über Verhaltenskodizes und Audits erschwert.34

Auch in Zukunft werden multinationale Unternehmen damit beschäftigt sein, immer wieder ihre Lieferkette zu kontrollieren, denn anders kann eine Umsetzung von CSR im gesamten Unternehmen nicht gewährleistet werden. Bei sozialem oder ökologischem Engagement eines Unternehmens muss eine solche Maßnahme ebenso widerspruchsfrei mit dem Fremdbezug im Ausland übereinstimmen, um so das Markenbild in den Köpfen der Anspruchsgruppen zu verstärken.35 Eine vollkommene, transparente Überwachung innerhalb der Supply Chain ist meist nicht zu annehmbaren Kosten realisierbar. Vor allem bei Aufträgen mit geringen Losgrößen kann die Durchführung eines CSR-Audits aufgrund fehlenden kritischen Volumens zu Ineffizienz führen.36

[...]


1 Vgl. Mildenberger et al. (2008), S. 107.

2 Vgl. Heintze (2008), Web.

3 Vgl. Europäische Kommission (2011), S. 7.

4 Vgl. Podszun (2014), S. 55.

5 Vgl. Wollert (2013), S. 175.

6 Vgl. Schmidpeter/ Palz (2008), S. 493.

7 Vgl. Rommelspacher (2012), S. V.

8 Drei-Säulen-Modell

9 Vgl. Loew et al. (2004), S. 26.

10 Vgl. Loew (2004), S. 83, zitiert nach: Lukatsch (2010), S. 26.

11 Vgl. Paul (2015), S. 26.

12 Vgl. Büter (2010), S. 133; Busch/Dangelmaier (2002), S. 4.

13 Vgl. Thiel et al. (2008), S. 1.

14 Vgl. Tiefenbacher (2011), S. 166.

15 Vgl. Wildemann (2007), S. 35.

16 Vgl. Heß (2006), S. 244, zitiert nach: Specht/Lutz (2007), S. 48.

17 Vgl. Steuer/Kontino (2012), Web.

18 Vgl. Drescher (2010), S. 1.

19 Vgl. Eggert (2015), S. 139.

20 Vgl. Vogel (2008), S. 266, zitiert nach: Drescher (2010), S. 7.

21 Vgl. Neßler/Bartelt (2013), S. 15 ff.

22 Vgl. Kremp (2012), Web.

23 Vgl. Hackl (2015), S. 101.

24 Vgl. Apple (2015b), Web.

25 Vgl. Apple (2015c), Web.

26 Vgl. Apple (2015a), S. 6.

27 Vgl. Barboza (2011), Web.

28 Vgl. Rommelspacher (2012), S. 94.

29 Vgl. Kistler (2015), Web.

30 Vgl. Towara (2015), S. 21.

31 Vgl. Wollert (2013), S. 180.

32 Vgl. Apple (2015a), S. 8.

33 Vgl. Weinz (2000), S. 96.

34 Vgl. Loew (2005), S. 45.

35 Vgl. Brunner/Esch (2013), S. 30.

36 Vgl. Hackl (2015), S. 100 f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Unternehmen zwischen Corporate Social Responsibility und Auslandsproduktion in Billiglohnländern
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V378379
ISBN (eBook)
9783668554894
ISBN (Buch)
9783668554900
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CSR, Outsourcing, Auslandsproduktion, Billiglohn, Fremdbezug, Eigenfertigung, Produktion
Arbeit zitieren
Franziska Masanneck (Autor), 2015, Unternehmen zwischen Corporate Social Responsibility und Auslandsproduktion in Billiglohnländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378379

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