Die Suche nach dem höchsten Gut. Der gute Wille nach Immanuel Kant und die Glückseligkeit nach Aristoteles


Essay, 2012

8 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Kant: der gute Wille ist das höchste Ziel
2.1 Überblick erster Abschnitt GMS
2.2 Der gute Wille

3. Vergleich des guten Willen mit der Glückseligkeit
3.1 Aristoteles Glückseligkeit
3.2 Vergleich Aristoteles und Kant

4. Schluss

1.Einleitung

„Jedes praktische Können und jede wissenschaftliche Untersuchung, ebenso alles Handeln und Wählen, strebt nach einem Gut, wie allgemein angenommen wird.“

Aristoteles Nikomachische Ethik

Die Suche nach dem höchsten Gut, nach demjenigen dem unbedingter Wert beigelegt wird, nach dem was uns Orientierung gibt und Ziel unsres Lebens ist, ist so alt wie die Philosophie selbst. Schon die alten Griechen versuchten herauszufinden, nach was sie streben sollten. Die populärste dieser Theorien ist wohl die, des Aristoteles, mit der Eudämonie als höchstes Ziel für alle Menschen, das dadurch erreicht werden könne, ein edler und gerechter Mensch zu sein. Ganz anders sah das Epikur, der die Menschen zu ausgelassener Lust aufrief. Seneca sah das höchste Gut in der Erreichung einer Harmonie der Seele mit sich selbst und für Marc Aurel war es die Autarkeia, also die Selbstgenügsamkeit nach der Alles streben sollte. Um die Vielfalt der Theorien zu komplettieren, kommt nicht zuletzt Kant mit seiner Theorie des “guten Willen“ als höchstes Ziel. Angelehnt an die Themen in unserem Seminar, soll in diesem Essay Kants guter Wille, als Handlungsleitfaden genauer herausgearbeitet und zum besseren Verständnis mit Aristoteles Glückseligkeit verglichen werden.

2.Kant: der gute Wille ist das höchste Ziel

2.1. Überblick 1. Abschnitt GMS

In der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (GMS) entwickelt Kant eine praktische Handlungsorientierung nach welcher jeder Mensch leicht überprüfen kann, ob sein Handeln gerade moralisch ist. Den Kategorischen Imperativ, so nennt er jenes Prinzip, leitet er von dem Begriff des guten Willen, und dem der Pflicht ab. In dieser Reihenfolge baut Kant also auch die Gliederung des ersten Abschnittes der GMS auf. Zunächst geht er auf den guten Willen ein, wobei er allerdings noch nicht sagt was jener ist, sondern eher darauf eingeht worin er nicht besteht (GMS397-401). Erst während der Ausarbeitung des Pflichtbegriffs kristallisiert sich auch der des guten Willens heraus. Aus diesen Untersuchungen leitet Kant die erste Formulierung des kategorischen Imperativs ab (GMS402-403).

2.2. Der gute Wille

Um zu verstehen warum nun der gute Wille und nicht die Glückseligkeit für Kant das höchste aller Güter ist, ist es zunächst nötig den guten Willen an sich zu durchleuchten.

Der Aufbau der Passagen zum guten Willen (GMS393-397) ist relativ leicht erkennbar: Kant zeigt zunächst, dass die von der Natur gegebenen Talente und Glücksgaben nur begrenzt wertvoll sind. Dann arbeitet er heraus, dass die Wirkung oder Nützlichkeit dem guten Willen als höchstes Gut keinen Wert abtun. Der gute Wille ist wertvoll „an sich“. Hieraus erarbeitet er auch das Argument warum die Vernunft, von der Natur gegeben, nicht Werkzeug zur Glückseligkeit, (hierfür wäre der Instinkt sehr viel tauglicher ) sondern zur Bildung des guten Willen ist.

Kant behandelt in der GMS 1 zwei Grundfragen: 1. was ist moralisch? Und 2. nach was beurteilen wir ob etwas moralisch ist? Seine Antwort dazu ist, dass die moralische Qualität, also eine “gute Absicht“ des Willens maßgeblich ist. Schon mit dem ersten Satz des ersten Abschnittes stellt er diese These auf: „Es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut könnte gehalten werden, als allein ein guter Wille (GMS393). Damit will er nicht sagen, dass alle anderen Güter wie Talente, Affekte oder Neigungen unbedingt schlecht wären, doch sie sind in ihrem gut sein abhängig von einem guten Willen. Denn würden sie von einem schlechten Charakter gelenkt werden könnten sie zweifellos Böses hervorbringen. Doch viele Handlungen die vordergründig gut scheinen, sind in Kants Augen nicht gänzlich gut (wobei er hier “gut“ gleichsetzt und verwendet wie “moralisch“ ), sondern entpuppen sich bei näherer Untersuchung als Handlung aus Selbstliebe (GMS393) und nicht aus gutem Willen und sind für ihn damit hinfällig egal welche Wirkung sie erzielen.

Von diesem Ausgangspunkt entwickelt Kant den Wert des guten Willen an sich: „ Der gute Wille ist nicht durch das, was er bewirkt oder ausrichtet (…) sondern allein durch das Wollen, d.i. an sich, gut (…).“ (GMS394). Und bildet daraus seine Begründung des guten Willen als höchstes Gut. Denn einzig der gute Wille ist dasjenige, und Talent oder Temperament sind es eben nicht, das „seinen vollen Wert in sich selbst trägt“ (GMS394).

In den folgenden Abschnitten beginnt Kant nun zu argumentieren warum eben nicht Glückseligkeit, sondern der gute Wille, das Ziel der Menschen sein sollte. Zuerst nennt er zwei Beweise warum Glückseligkeit kein Wert an sich selbst hat, was jawohl die absolute Bedingung des höchsten Gutes ist. Erstens: Glückseligkeit bringt nicht zwingend moralisch gute Handlungen hervor, Glückseligkeit fördert zum Beispiel „Mut und hierdurch auch den Übermut“ (GMS393). Zweitens behauptet er, müsste unsere Wertschätzung gegenüber der Glückseligkeit sehr viel höher sein, so ist es aber der Fall, dass „ein unparteiischer Zuschauer sogar am Anblicke eines ununterbrochenen Wohlergehens eines Wesens, das kein Zug eines reinen und guten Willens ziert, nimmer mehr ein Wohlgefallen haben kann (...)“ (GMS393)

Als letzten Überzeugungsversuch startet Kant nun ein teleologisches Argument um zu beweisen, dass Glückseligkeit nicht der „eigentliche Zweck“ (GMS395) der Menschen sein kann. Hierfür geht er in sechs Schritten vor:

1. Die Natur gibt jedem Lebewesen das für seinen Zweck am besten geeignetste Werkzeug zur Hand 2. Wäre der Zweck der Menschen Glückseligkeit wäre Instinkt ihr bestes Werkzeug 3. Menschen werden aber von der Vernunft gelenkt 4. Also ist Glückseligkeit nicht der höchste Zweck der Menschen 5. Vernunft ist dazu da um einen guten Willen zu bilden 6. also ist der gute Wille das „höchste Gut“ (GMS396)

3. Vergleich des guten Willen mit der Glückseligkeit

Wenn schon Kant es so vehement für nötig hält sein höchstes Gut gegen die Glückseligkeit verteidigen zu müssen, so scheint es von großem Interesse, sie etwas näher zu betrachten und die beiden Theorien einmal direkt zu vergleichen. Um allerdings auch dem alten Griechen gerecht zu werden, sollen im Folgenden zunächst Aristoteles Argumente dargestellt werden.

3.1 Arisoteles Glückseligkeit

Die Nikomachische Ethik des Aristoteles ist eine der bedeutendsten Schriften der alten Griechen. Aristoteles versucht hier, wie auch Kant in seiner Grundlegung, einen Leitfaden zu geben, wie die Menschen ein seiner Meinung nach glückliches und gutes Leben führen könnten. Für ihn ist dabei das Handeln zentral. Jedes Handeln, so sagt er, strebt nach einem Gut. Dieses Gut kann einerseits dazu da sein ein anderes Gut zu erreichen, oder es wird um seiner selbst willen erstrebt, oder aber es ist als höchstes Gut das absolute Ziel alles Handelns: „Wenn wir also nicht alles um eines anderen willen erstreben, dann ist es klar, dass jenes das Gute und das höchste Gut sein muss.“ (NE1.1) Dieses höchste Gut ist für Aristoteles ganz eindeutig die Eudaimonía, die Glückseligkeit; sie ist für ihn das einzige, das um seiner selbst willen erstrebenswert ist, alles Handeln strebt ihr zu und nur sie ist der Weg zu einem guten Leben. Wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass für ihn, durch seinen Perfektionismus, ein gutes Leben nur in der Gemeinschaft gelebt werden kann. Nur wer in der Polis aktiv mitwirkt und für sie eine Bereicherung ist, kann wahrhaft glückselig sein. So ist das Glück des einzelnen auch immer ein Teil des Glückes Aller, wodurch Aristotele's Glückseligkeit nicht den Charakter der heute modernen Glückseligkeit durch persönliche Selbstverwirklichung hat, sondern eine sehr soziale Komponente in sich trägt. Das Streben nach Lust als Lebensziel schließt er ebenfalls aus und tut es als tierisch ab.

Zum Beweis der Glückseligkeit als höchstes Ziel setzt Aristoteles das sogenannte Ergon-Argument ein: Zunächst stellt er die Behauptung auf (wie Kant) jedes Wesen hätte eine ihm spezielle Fähigkeit das es auszeichnet und die ihm ermöglicht, seine Handlungen und Aktivitäten, in der ihm speziellen Weise, auszuführen. Lebt es in dieser ihm gegebenen Weise lebt es in Eudaimonia. Die dem Menschen eigentümliche Fähigkeit ist eben der Gebrauch des Verstandes. Ein Leben, das sich auf den Einsatz dieser Fähigkeit spezialisiert, ist in Eudainonia. Nach Aristoteles ist Glückseligkeit also die möglichst ständige Ausübung der speziell menschlichen Fähigkeiten (Vgl.Schmidt S.9-11)

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Die Suche nach dem höchsten Gut. Der gute Wille nach Immanuel Kant und die Glückseligkeit nach Aristoteles
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Philosophie)
Veranstaltung
Autoren der Philosophie: Imanuel Kant
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
8
Katalognummer
V379166
ISBN (eBook)
9783668568549
ISBN (Buch)
9783668568556
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kant, Aristoteles, Guter Wille, Höchstes Gut, Glückseligkeit
Arbeit zitieren
Johanna Bialek (Autor:in), 2012, Die Suche nach dem höchsten Gut. Der gute Wille nach Immanuel Kant und die Glückseligkeit nach Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379166

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