Mit welchen Mittel kann die Realitätsabbildung im modernen Film gesteigert werden? Realität vs. Filmisches Prinzip


Bachelorarbeit, 2017

68 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Bearbeitung des Themas
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Hypothese

2. Realismus
2.1 "Realismus" / "Realität" Definition aus Lexika
2.2 Definition von Realismus im Bezug auf Film

3. Entwicklung des Realismus im europäischen Spielfilm
3.1 Italienischer Neorealismus
3.1.1 Vittorio de Sica - Fahrraddiebe
3.2 Nouvelle Vague
3.2.1 Jean Luc Godard - Außer Atem
3.3 Dogma 95
3.3.1 Lars von Trier - Idioten
3.4 Berliner Schule
3.4.1 Thomas Arslan - Geschwister
3.5 Verschärfung der Hypothese

4. Filmanalyse und Bewertung der aufgestellten Begriffe anhand eines Filmbeispiels
4.1 Nicolas Winding Refn - Pusher
4.1.1 Rollenbesetzung
4.1.2 Inhaltsangabe und Sequenzprotokoll
4.1.3 Analyse und Interpretation

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

6. Anhang
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Onlineverzeichnis
6.3 Filmverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Bearbeitung des Themas

Ein Arzt diagnostiziert seinem Patienten einen bösartigen und tödlichen Tumor, der ihm nur noch wenige Wochen zu leben gibt. Sie sitzen sich gegenüber im Behandlungszimmer des Arztes, neben dem Patienten sitzt seine Frau, ihre Kinder warten zuhause. Das Praxisgespräch scheint so echt, dass wir uns beinahe selbst auf dem Behandlungsstuhl sitzen sehen können und dem Arzt zuhören. Als ich die Eingangsszene von Andreas Dresens[1] 2011 erschienenen Films Halt auf freier Strecke[2] sah, spürte ich seit langem wieder einmal den Sog, den ein Film auf mich ausüben kann. Den Sog, den man empfindet, wenn man aufgrund der Realitätsnähe in eine Geschichte hineingezogen wird. Dresen engagierte für den Dreh einen tatsächlich professionellen Chefarzt, der etliche solcher Gespräche bereits im echten Leben geführt hat, aus eben jener Klinik, in der die Szene spielt. Er ließ ihn und die zwei ihm gegenübersitzenden Schauspieler erst am Set aufeinandertreffen und auf die Diagnose improvisierend reagieren.[3] Als ich diese beinahe halbdokumentarische Szene sah, fragte ich mich, wie ein Film mich so in seinen Bann ziehen kann.

Durch mein jahrelanges Interesse an Film und meinem Screen Based Media Studium habe ich eine Vorliebe für ebensolche Filme entwickelt, die auf mich einen authentischen Eindruck machen. Es sind Momente eines Filmes, in die ich mich selbst hineinversetzen kann, die ich fühle und nachvollziehen kann.

Aus der Vergangenheit gibt es viele Beispiele für Filmströmungen, die immer wieder versucht haben, gegen die oft festgefahrene und profitorientierte Filmindustrie anzukämpfen und durch avantgardistische Werke die Kunstform Film weiterzuentwickeln. Sei es der italienische Neorealismus, die französische Nouvelle Vague oder die Dogma95 Bruderschaft[4] aus Dänemark - die meisten dieser Filme schaffen genau das: eine neue Herangehensweise, einen Kontrast zum Mainstreamkino[5] und einen besonders hohen Realitätseindruck beim Zuschauer. Diese Filmströmungen möchte ich im weiteren Verlauf der Arbeit genauer untersuchen.

Natürlich werden wir mit dem Medium Film der Realität zwar näher kommen, sie aber nie erreichen können. Es wird immer eine asymptotische Annäherung an das bleiben, was wir als Realität wahrnehmen. Das heißt, wir können uns noch so sehr der Wirklichkeit annähern, die Realität kann mit dem Medium aber nie erreicht werden.

Eigentlich liegt meine Arbeit und mein Interesse mehr im Dokumentarfilm- als im Spielfilmbereich. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum ich Spielfilme, die dokumentarische Elemente in sich haben, als realistischer empfinde. Oft sind es nämlich Filme, die, anders als das Mainstreamkino, mit wenig Action, wenig Musik und wenig Spezialeffekten auskommen. Werke, die sich auf Inhaltliches konzentrieren und deren Form es zulässt, dass beim Zuschauer ein Realitätseindruck erweckt wird. Welche Techniken und Möglichkeiten das Medium Film hat, um einen solchen Effekt zu erzielen, möchte ich in der folgenden Arbeit erörtern.

1.2 Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit möchte ich herausfinden, mit welchen Mitteln der Realitätseindruck auf den Zuschauer im europäischen Spielfilm gesteigert werden kann. Nachdem ich eine Vermutung dazu aufgestellt habe, möchte ich mir zuerst die Begriffe Realität und Realismus genauer ansehen und herausfinden, inwiefern sie auf das Medium Film angewandt werden können. Anschließend werde ich einen filmhistorischen Exkurs durch die europäische Kinolandschaft unternehmen, indem ich die für mich wichtigsten filmischen Strömungen heranziehe und die Techniken, die in den jeweiligen Filmbeispielen angewandt werden, herauszufiltern versuche. Nachdem ich die für mich am wichtigsten erscheinenden Techniken aus der Filmgeschichte identifiziert habe, möchte ich den Film Pusher auf ebendiese Werkzeuge untersuchen. In einer Filmanalyse werde ich dann vor allem auf die Aspekte eingehen, die ich aus meinem Exkurs der Filmhistorie gezogen habe.

1.3 Hypothese

Durch meine Vorliebe für dokumentarische Arbeiten und mein Filmstudium habe ich eine Vorstellung davon, welche Mittel möglicherweise für einen gesteigerten Realismus im Film eingesetzt werden können. Deswegen möchte ich auf meinen Seherfahrungen basierend folgende Hypothese aufstellen: im europäischen Avantgardefilm wird durch filmtechnische Mittel wie die Verwendung einer Handkamera, der Einsatz von Laienschauspielern und das Drehen an Originalschauplätzen der Realitätseindruck auf den Zuschauer verstärkt.

2. Realismus

2.1 "Realismus" / "Realität" Definition aus Lexika

Die Realität wird als Wirklichkeit, reale Sehensweise, tatsächliche Gegebenheit, Tatsache durch den DUDEN definiert.[6] Dies entspricht nicht der Sehensweise, den Wünschen und Überzeugungen eines Einzelnen, sondern wird objektiv als real bezeichnet. In der Theorie ist dies vorstellbar, aber praktisch doch wahrscheinlich unmöglich. Dennoch wollen wir versuchen, uns dem Begriff anzunähern. Wer kann Realität, wie oben definiert, beschreiben oder sogar darstellen? In der Kunst, der Philosophie und der Wissenschaft wird der Begriff Realismus als Annäherung an die Realität benutzt.

Im deutschen Duden wird der Begriff Realismus zum einen als "Wirklichkeitssinn" und zum anderen als die ungeschminkte Wirklichkeit erklärt. Im Bezug auf künstlerischer Darstellungsweise in Literatur und bildender Kunst soll der Begriff eine möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung beschreiben.[7] Der Begriff "res", auf dem das Wort Realismus basiert, wird aus dem Lateinischen mit "Ding", "Sache" also etwas Bestehendem, Vorhandenem, in weiterer Ausführung auch als "Wirklichkeit" übersetzt.[8]

Wie der deutsche Sprachwissenschaftler Wolfgang Klein 2003 schrieb, kann das Reden über Realismus seit längerem keine Ende finden.[9] Wir stehen nämlich vor der Schwierigkeit, einen Begriff zu erklären, dem wir wahrscheinlich in der Philosophie noch am nächsten kommen können und selbst dort wird es immer bei einer Annäherung bleiben. Der philosophische Realismusbegriff taucht bereits im 12. Jahrhundert auf, wobei der Realismus im ästhetischen Sinne erst seit dem 18. Jahrhundert verwendet wird und auf dem modernen Wirklichkeitsverständnis der Aufklärung basiert.[10] 1781 wird der Begriff von dem deutschen Dichter Johann Karl Wezel[11] das erste mal benutzt und stellt den "Realisten" dem "Idealisten" gegenüber.[12] In der Philosophie würde der Idealist seinen Idealen nach handeln, also durch seine Ideale oder Ideen der Wirklichkeit am nächsten kommen. Diese Wirklichkeit würde also auf unserem Denken basieren. Der Realist hingegen würde sich an Fakten orientieren und in dadurch aus seiner Sicht der Realität näher kommen. Doch ich möchte nicht zu tief auf die philosophische Bedeutung des Begriffes eingehen, sondern vielmehr über den Begriff in der Kunst bis hin zum Film reflektieren.

Beim Realismus kann grundsätzlich eine produktions- und eine rezeptionsseitige Perspektive unterschieden werden. Während der Künstler nach einem Streben handelt, ein wahrheitsgetreues Bild zu erschaffen, kann beim Rezipienten unter Umständen ein anderer Eindruck entstehen.[13] Das kann einfach auf das Kino übertragen werden - ich werde nicht unbedingt den gleichen Realitätseindruck haben, wie ihn sich der Filmemacher bei der Produktion des Filmes vorgenommen hatte.

Dementsprechend ist in der Kunst eine möglichst wirklichkeitsgetreue Darstellung natürlich von den Seh- und Darstellungsgewohnheiten des jeweiligen Künstlers, des Rezipienten und der jeweiligen Epoche abhängig. So wurde der Realismus ganz allgemein gefasst zuerst als eine möglichst naturgetreue Darstellung in der Malerei von Landschaften, Licht und Proportionen von Körpern gesehen. Nicht zu verwechseln ist der Realismus mit dem Begriff des Naturalismus, der sich auf illusionistische Art und Weise der naturgetreuen Abbildung von Objekten und Körpern annähert, etwa der fotorealistischen Zeichnung. In der Literatur sollte der Realismus nicht nur eine Reproduktion der Realität sein, sondern mit literarischen Mitteln die Realität verarbeiten. Stilmittel wie Humor, Ironie, eine subjektive Erzählweise oder auch Einfachheit der stilistische Ausarbeitung eines Textes wurden benutzt, um dem Leser eine Anteilnahme zu ermöglichen und eine Realität darzustellen. Man wollte der Entfernung von Alltagssprache und Lyrik entgegenwirken.[14] So lässt sich schon hier eine rebellische Grundtendenz der Künstler erkennen, die auf gesellschaftliche Probleme hinweisen und dabei Menschen erreichen wollten, die nicht die höchsten Bildungsmöglichkeiten besaßen.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff politisiert, so entstand der Realismus als Gegenpol zur Romantik und zum Idealismus, aus dem sich später der sozialistische Realismus entwickelt. Realismus als Epochenbegriff in der Kunst wurde zu einer sozialen Vorstellung.[15] Die romantische Abbildung wurde ersetzt durch die Darstellung des echten Lebens, Künstler versuchten, Missstände und Ungleichheiten in der Gesellschaft in ihrer Kunst zum Ausdruck zu bringen. So tritt während der Industrialisierung im europäischen Raum der Realismus in der Malerei als Abbildung der technischen Revolution auf, aber auch der besonders harten Arbeitsbedingungen der Menschen in dieser Zeit. Geprägt ist diese Zeit durch die Industrialisierung, die Urbanisierung und die Entstehung von Fabriken, die Erfindung der Dampfmaschine und Eisenbahn und die daraus entstehende Klassengesellschaft als Folge der Strukturierung des Kapitalismus. Soziale Konflikte werden unausweichlich. Die Maler provozieren das konservative Kunstpublikum durch Abbildungen, die nicht mehr nur schön anzusehen sind, sondern "wahr" im Sinne von real, echt, wirklich erscheinen sollen. Die Welt wird von der Kunst also nicht mehr idealisiert, sondern auch das Hässliche im Alltag des Menschen soll zum bildwürdigen Thema werden. Die Mittel der Maler sind die traditionell entwickelten Techniken, allerdings benutzen die Künstler im Gegensatz zu den Traditionalisten diese Techniken, um Bilder aus dem Leben zu zeigen.[16]

Ähnliche Bewegungen können wir auch in der europäischen Filmgeschichte feststellen, auf die ich in Kapitel 3 eingehen möchte.

2.2 Definition von Realismus im Bezug auf Film

Schon in den Anfängen des Kinos beschäftigt das Publikum der Begriff des Realismus. In Paris beschrieb ein Zuschauer nach dem Besuch des Kinematographen der Brüder Lumière[17] das Filmerlebnis als Szenen von erstaunlichem Realismus.[18] Auch der mexikanische Dichter Luiz Gonzaga Urbina[19] spricht wenige Jahre später über ein Werk der Gebrüder Lumière von dem Gefühl der Realität, welches vom Zuschauer Besitz ergreift, obgleich man die Charaktere lachen oder weinen hört.[20] Ein ebenfalls populärer Fall der Filmgeschichte ist die Projektion eines Zuges, der auf der Leinwand in Richtung des Publikums rast. 1896 veranlasste dies die Zuschauer beinahe den Projektionssaal zu verlassen, da die Einfahrt des Zuges als so realistisch erschien.[21] Diese technische Neuerfindung konnte natürlich erklärt werden, auch wenn es eine Weile dauerte, bis dies in der breiten Masse ankam. Dennoch bleibt ein Rest, der uns fasziniert, was die Diskussion um die Wahrheit der Bilder immer wieder aufkommen lässt.

Grundsätzlich gilt es, zwischen dem Realismus des Films und dem Realismus im Film zu unterscheiden. So galt das Medium des Films als technische Neuerung schon an sich als eine Möglichkeit, die Wahrheit als ungewohnt realistisch darzustellen. Im Gegensatz zur Malerei oder Lyrik etwa gelang es, Abbildungen (über-)lebensgroß und sich bewegend zu zeigen. Somit war der Realismus des Films grundsätzlich gegeben. Allerdings wurde die Debatte größer um den Realismus im Film, also seine Erzählweise, die Stilistik und die spezifische Ästhetik.[22]

Durch die digitale Technik erweitert sich heutzutage das Spektrum der Diskussion über filmischen Realismus erheblich. Was wir auf der Leinwand sehen, muss nicht vor der Kamera gestanden haben. Die Annahme, dass die Darstellung also nicht einmal beim Zeitpunkt der Aufnahme "wahr" gewesen sein muss, erübrigt sich also. Dies geht soweit, dass wir von einem Hyperrealismus[23] sprechen. Es tun sich neue Blickwinkel auf, wie etwa Perspektiven in einer dreidimensionalen Animation, die mit den klassischen Methoden des analogen Filmes nicht möglich waren.[24] Sicherlich ist dies auch gerade in Bezug auf die Realismus-Vokabel eine spannende Entwicklung, die ich aber im Rahmen dieser Arbeit aufgrund ihrer Tiefe nicht erörtern kann. Deswegen möchte ich mich mit der traditionellen Form des Kinos und Analogfilms auseinandersetzen.

"Der Realismus zeichnet sich durch die Intention aus, den fiktiven Charakter der Fiktion möglichst vergessen zu machen."[25]

Grundsätzlich gibt es verschiedenste filmtheoretische Ansätze, was Realismus im Film sein kann. Probleme treten da auf, wo unterschiedlichste Formen von Realismus in der Filmwissenschaft besprochen werden und der Begriff Realismus selbst schwierig zu definieren ist. So können russische Filme der 20er Jahre zwar dem Realismus per Definition durch ihre Außenaufnahmen und Darstellung des proletarischen, "echten" Lebens nahe stehen, wie es bereits in der Malerei der Fall war. Hollywoodfilme der 40er Jahre mögen dagegen mit langsamen Bildern und Tiefenschärfe,[26] bei denen auf schnelle Montage verzichtet wird, weitaus realistischer wirken. Diese realistischen Abweichungen können also auf verschiedene Aspekte bezogen und so unterschiedlich gedeutet werden.[27] Wenn wir von Realismus im Bezug auf Film sprechen, können wir wahrscheinlich auch nur selbst bewerten, welches Werk wir realistischer als das andere finden. Wenn mich der schnelle Schnitt aus der Bahn wirft, und ich nicht an das auf die Leinwand projezierte Bild glaube, dann werde ich meinen Realismus wohl eher in den Langzeitaufnahmen mit Tiefenschärfe finden, die mich an mein alltägliches Seherlebnis erinnern. Bedeutet für mich Realismus die Abbildung der echten Welt um mich herum, dann werde ich wohl eher bei Vertovs[28] Prinzip hängen bleiben, das Leben so zu zeigen, wie es ist.[29] Was natürlich ein Streitpunkt ist, da durch die intensive Montagearbeit in Vertovs Filmen wenig von üblichen Sehgewohnheiten übrig bleibt.

Realismus im Film basiert auf den Bildern, die gezeigt werden und nicht auf den vom Publikum akzeptierten Konventionen wie etwa im Theater.[30] Alles was über die Leinwand leuchtet, wird von uns im Rahmen der vom Film vorgegebenen Regeln als real betrachtet. Scheinbar wird von den Zuschauern ein lebhafter Eindruck von Realität durch filmische Projektionen entwickelt, der auch weiter geht, als je eine andere Kunstform dazu in der Lage sein wird.[31] Dies kann gelingen oder nicht gelingen. Murnaus Nosferatu [32] beispielsweise wird dem Expressionismus zugeschrieben, kann allerdings durch seine realen Schauplätze weitaus mehr Realitätseindruck bei uns wecken als etwa Das Cabinet des Dr. Caligari [33], das durch künstliche Art und Weise versucht uns eine gemachte Natur oder Traumwelt vorzugaukeln.[34] So widersprechen märchenhafte oder fabelhafte Filme keineswegs dem Prinzip von filmischer Realität, sondern können ebenfalls dem Zuschauer eine Welt suggerieren, die zwar ihre eigenen Regeln besitzt, die Regeln aber nicht am "Glauben" des Zuschauers rütteln, da sie stringent und konsequent erzählt sind. So würde niemand im Kino aufstehen, um einem der Protagonisten im Film zu helfen, da dem Zuschauer klar ist, dass es sich um eine Projektion handelt.[35] Wie schnell das "Glauben" an ein Bild zunichte gemacht werden kann, erlebt man beispielsweise beim Pausieren eines Films. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Bewegung, das die Objekte auf der Kinoleinwand für uns zu Objekten werden lassen, die sich vom Hintergrund abtrennen, verliert für uns seine Realität und weicht einem flachen perspektivischen Einzelbild.[36] Die Trennung des Raumes im Kino zwischen Zuschauerraum und Leinwand, auf der das Bild wie durch ein Fenster abgetrennt dargestellt wird, stellt eine weitere Hürde dar, das Bild als real wahrzunehmen und schafft eine Distanz zwischen Zuschauern und Gezeigtem. So kann man behaupten, dass wir im Kino reale Wesen und Ereignisse in unserer Gegenwart wahrnehmen, dass es sich allerdings um eine deformierte Realität handelt, die

"unserer Welt angehört, die - psychologisch gesprochen - nicht ganz die unsere ist, und von der wir uns trotz allem ein wenig distanziert fühlen. Darin liegt zweifellos einer der wichtigsten Gründe, weshalb wir uns in der Gegenwart eines Filmes anders verhalten als im richtigen Leben."[37]

Nichtsdestotrotz sprechen wir von einem Realitätseindruck. Diesen Eindruck kann man sicherlich nicht nur im Medium Film erzeugen, sondern auch in anderen Darstellungsformen. Allerdings kommen wir durch das Bewegtbild der Abbildung von Realität näher als mit anderen Kunstformen. Die Bewegung der Lichter auf der Leinwand scheint der Grundstein für diesen Realitätseindruck zu sein.

Eine interessante Beobachtung können wir auch machen, wenn der Gesellschaft die künstlerische Abbildung der Realität zu nahe kommt. So titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 01. Januar 2017 "Wenn der 'Tatort' der Realität zu nahe kommt". Hierbei nahm die ARD Rücksicht auf die Angehörigen des Terroranschlags in Berlin am 19.12.2016 und den Tatort "Sturm" aus dem Programm, bei dem ein "Kleintransporter auf eine Gruppe von Polizisten und Zivilisten zurast".[38] Ob das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm sich von Terrorakten wie diesen zensieren lassen möchte, und es hilft, den entsprechenden Film einfach einen Monat später zu senden, bleibt fraglich. Dennoch zeigt dies einen Aspekt auf, der den Realitätseindruck vielleicht beweisen kann. Und zwar die emotionale Auswirkung eines Films auf dessen Betrachter, dessen Reaktionen unweigerlicher Realitätscharakter innewohnt. Trauer, Angst, Vergnügen, Lust, Ekel, Sympathie und Antipathie sind nur einige Beispiele für Gefühle, die wir dem Gezeigten gegenüber entwickeln können und die tatsächlich real sind. Tränen, die im Kinosaal über verstorbene Protagonisten vergossen werden, sind echt, im Gegensatz zum Tod dieser Figur. Die Empathie, die uns unweigerlich mit einer Figur eines Werks auf der Leinwand verknüpft, kann wohl am ehesten bei einem Werk hervorgerufen werden, dem wir entsprechenden Wahrheitsgehalt beimessen. Ohne diesen Realitätseindruck können wir nicht an die Figur glauben und somit auch nicht mit ihr fühlen. Unsere Emotionen sind aufs innigste mit dem visuellen Spektakel und seiner scheinbaren Realität verknüpft.[39] Natürlich sind die Empathiefähigkeiten und auch Realitätswahrnehmungen der Menschen unterschiedlich, und so werden wir kein einheitliches Maß an Realitätseindruck für Filme festlegen können. Jeder Mensch schöpft aus seinen Erfahrungen, wenn er gezeigten Dingen Realitätsgehalt beimisst. Nicht Bildung oder Wissen sind hier gemeint, sondern vielmehr die Ansammlung an individuellen Kenntnissen und Erfahrungen, die wir nur im Unterbewusstsein mit uns tragen. Diese bestimmen, wie wir auf Ungewöhnliches reagieren. Die Differenz des für mich Ungewohnten, Gezeigten und meines Erfahrungskapitals, aus dem ich schöpfe, bestimmt meine Überraschungsreaktion und somit auch den Wahrheitsgehalt, den ich dem Film beimesse.

Wie schon am Anfang dieses Kapitels erleutert, ist die Diskussion um den Realismus in der Kunst eine bereits lang geführte, welche nie ein Ende findet. Deswegen möchte ich mich auf eine spezifische Fragestellung beschränken. Nun habe ich die Begriffe Realismus und Realität versucht zu erklären und relativ schnell wurde mir klar, dass es einer ausführlicheren Arbeit benötigen würde um diese Begrifflichkeiten zu definieren. Deswegen möchte ich mich auf den Begriff "Realitätseindruck" beschränken.

Dazu möchte ich mir die europäische Filmgeschichte auszugsweise genauer ansehen. Die gewählten Epochen und Filme stehen bestimmt nicht allgemeingültig für den Realitätseindruck im Medium Film, stellen für mich aber passende Beispiele dar, da sie entweder in diesem Aspekt einen Grundstein für spätere europäische Filmströmungen gelegt haben oder gute Beispiele liefern, wie Filmtechniken den Realitätseindruck verstärken können.

3. Entwicklung des Realismus im europäischen Spielfilm

3.1 Italienischer Neorealismus

Beginnen möchte ich meinen filmgeschichtlichen Exkurs beim italienischen Neorealismus.[40] Während meines Studiums kam mir der Neorealismus als die erste filmische Strömung vor, die versuchte, die Probleme der Menschen im Alltag auf die Leinwand zu bringen. Viele der epochalen Geschichtsfilme oder Unterhaltungsfilme der Zeit vor und während des zweiten Weltkriegs in Europa zeigten Figuren und Helden, die nicht aus dem Leben des einfachen Arbeiters stammten. Während der Unterjochung Italiens durch den Faschismus führen die Filmschaffenden des Landes im Umkreis der Zeitschriften "Bianco e nero" oder "Cinema"[41] (Inhaber ist widersprüchlicher Weise Sohn des Duce Vittorio Mussolini[42] ) den Diskurs über den neuen italienischen Film, geprägt von Filmsichtungen russischer Revolutions- und Avantgardefilme[43]. In Anlehnung an den Realismus der Literatur und als Gegenpol zur faschistischen Filmproduktion soll auf erfundene Geschichten und Fabeln verzichtet werden, dafür der Alltagswirklichkeit mehr Wichtigkeit beigemessen werden und über das Leben und die Erfahrungen der einfachen Menschen berichtet werden. Methodische Ansätze waren hier, bereits einen dokumentarischen Stil im Spielfilm zu benutzen, etwa das Einsetzen von Laiendarstellern, die sich selbst spielten oder das Drehen an Originalschauplätzen und nicht vor pompösen Kulissen. Es war den Filmschaffenden wichtig, die Echtheit sozialer Milieus, ihren Wortlaut, Dialekt und ihre typischen Handlungsweisen aufzuzeigen.[44] Dadurch ist der italienische Neorealismus der Grundpfeiler für viele weitere relevante Strömungen im Film.

3.1.1 Vittorio de Sica - Fahrraddiebe

Der Film Fahrraddiebe von Vittorio de Sica[45] erscheint mir als ein geeigneter Repräsentant dieser Epoche. Die Alltagskriminalität, die eine Rolle spielt, ist nicht die zentrale Thematik des Films und nur eine Folge der Armut der Nachkriegsjahre. Dennoch werde ich später in meinen Filmbeispielen auch wieder auf diesen Aspekt stoßen. Fahrraddiebe gilt als einer der wichtigsten Filme des italienischen Neorealismus.

Der Film aus dem Jahr 1948 handelt von einem Arbeiter in Rom, der den ganzen Tag damit verbringt, sein gestohlenes Fahrrad wiederzufinden, das er braucht, um zur Arbeit zu kommen. Ihm ist klar, dass er kurzerhand wieder ohne Arbeitsstelle dasteht, wenn er dieses Fahrrad nicht findet. Am Ende des Tages stiehlt er selbst ein Fahrrad, um dem Schicksal zu entkommen, doch wird dabei von der Polizei gefasst. Nun muss er nicht nur ohne Arbeit und Fahrrad, sondern auch mit der Scham leben, als Verbrecher wahrgenommen zu werden, am untersten Ende der Gesellschaft.

Der Film zeigt keine außerordentlichen Ereignisse oder großen Kriminalfälle, sondern lediglich den Zwischenfall im täglichen Leben eines Arbeiters. Die Tragödie ist hier keineswegs der Verlust des Fahrrads oder der Akt des Stehlens, sondern erhält nur Sinn und Fallhöhe im Bezug auf die soziale Situation des Protagonisten.[46]

Geschickt eingesetzt ist auch die Figur des Sohnes, der dem Vater auf Schritt und Tritt folgt und dem Geschehen seine ethische Dimension gibt. Die Bewunderung, die der Sohn für seinen Vater hat und die diesem bewusst ist, verleiht dem Film seine tragische Größe.[47] Die Schande, die über den Fahrraddieb einhergeht, scheint dadurch eine noch viel größere zu werden.

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Abbildung 1: Sohn Bruno[48] Abbildung 2: Vater und Sohn nach vergeblicher Suche[49]

Die Abkehr des klassischen Helden hin zu einer Figur, die aus dem echten Leben stammt, war ein neuer Aspekt im Film. Er stellte in Italien auch einen klaren Gegenpol zu den faschistischen Filmen der Mussolini Ära dar. Die großen Tragödien, die einst Helden vorenthalten waren, wurden ins Proletariermilieu verschoben, in dem die Arbeitslosigkeit nach Ende des Krieges in Italien ein immer größer werdendes Problem zu sein schien. Die Geschichte basiert auf einer sozialen oder auch politischen Grundhaltung des Filmschaffenden und macht die Lebensrealität der Unter- und Mittelschicht zum tragenden Erzählelement im Film. Die Tragik scheint sich zu vertiefen, wenn klar wird, dass die Armen sich gegenseitig bestehlen müssen, um zu überleben.

Interessant ist auch, dass der Zufall eine große Rolle spielt. So müssen sich Vater und Sohn unterstellen, als plötzlich ein Platzregen die Szenerie überfällt. Während einer Verfolgung muss der Sohn pinkeln, also geht er pinkeln. Die Szenen scheinen sich nicht nach einer dramaturgischen Ordnung zu ergeben, sondern wirken austauschbar. Auch die Szene im Viertel der Räuber, in das der vermeintliche Fahrraddieb verfolgt wird, führt zu keiner dramaturgischen Erkenntnis. Vielmehr verleiht sie dem Geschehen eine tiefere tragische Ebene, uns wird bewusst, dass der Vater sein Fahrrad wahrscheinlich gar nicht finden kann. Diese Form der Erzählung, fast ohne Handlung und dramatische Strukturen, zwingt uns dennoch in den Kinosessel, da die Tragik durch andere Elemente getragen wird.

"Der Film läuft auf der Ebene des rein Zufälligen: der Regen, die Seminaristen, die katholischen Quäker, das Restaurant...All diese Ereignisse sind anscheinend austauschbar, kein Wille scheint sie nach einem dramatischen Spektrum zu ordnen".[50]

Wenn wir uns neben dem Drehbuch ansehen, welche Aspekte den Film realitätsnah erscheinen lassen, werden wir feststellen, dass keine der Szenen im Studio, sondern alle Bilder an Originalschauplätzen gedreht wurden. Zuschauer werden Orte wiedererkennen, Protagonisten wissen sich an diesen Orten entsprechend zu verhalten. Dies sind Merkmale, die den Film über Erfahrungswerte in die Welt des Zuschauers holen können.

Der Protagonist ist tatsächlich Arbeiter aus einer Fabrik, sein Sohn im Film wurde auf der Straße unter Schaulustigen entdeckt.[51] Keine der dargestellten Personen war jemals Schauspieler noch besaß sie jedwede Bühnenerfahrung. De Sica soll zwar sehr lange nach den geeigneten Darstellern gesucht haben, Probeaufnahmen gemacht haben, zwischen diesem und jenem Schauspieler schwankend, doch sich nach wenigen Sekunden intuitiv an einer Straßenecke für einen vorbeigehenden Passanten entschieden haben. Der Einsatz von Laiendarstellern war ein ungewöhnlicher Schritt hin zu einem höheren Realitätseindruck. Auch dieser musste allerdings von der Regie gewusst eingesetzt werden. So konnten andere italienische Filme diesem Konzept nicht folgen, da den Figuren zuviel Text oder Aufgaben aufgetragen wurden, was tatsächliches Schauspielkönnen voraussetzt. Die Darsteller konnten die Textpassagen nicht wie gewünscht aufsagen oder zu lange Nahaufnahmen ihrer Gesichter zeigten laienhaftes, und in dem Fall unzureichendes Schauspiel. Hier kann diese Vorgehensweise also auch misslingen. In Fahrraddiebe allerdings scheint die Frage, ob es sich um Schauspiel handelt, zu erübrigen. Der Darsteller scheint die Rolle selbst zu sein. Es stellt sich nicht die Frage, ob er gut oder schlecht spielt, vielmehr scheint es ein Film ohne Schauspieler zu sein, so sehr wird der Mensch mit seiner Rolle identifiziert. Auf der Suche nach einem Produzenten wurde De Sica eine Zusage unter der Vorraussetzung gemacht, Cary Grant[52] die Rolle des Protagonisten zu geben. Natürlich mag dieser ein guter Schauspieler sein, der wahrscheinlich diese Rolle hätte verkörpern können. Doch ging es De Sica nicht darum, eine Rolle zu spielen, sondern den Rollenbegriff an sich aufzuheben.[53]

"Wenn das Geschehen sich selbst genügt, ohne dass der Regisseur es durch bestimmte Blickwinkel oder Kamerakonzepte zu erhellen braucht, dann hat es eben jenes vollkommene Leuchten erlangt, das es der Kunst erlaubt, eine Natur zu enthüllen, die ihr am Ende ähnelt. Und daran liegt es, dass Fahrraddiebe bei uns immer wieder den Eindruck von Wahrheit hinterlässt."[54]

Keine Schauspieler und keine Geschichte. Man kann behaupten, dass De Sica es in seiner Filmsprache als einer von wenigen geschafft hat, die Grenzen zwischen theatralischem Handeln und bloßem Ereignis zu überwinden. Fahrraddiebe ist reinstes Kino und hinterlässt bei uns höchsten Realitätseindruck.

3.2 Nouvelle Vague

Die wahrscheinlich filmhistorisch betrachtet wichtigste neue Welle an Filmen kam jedoch aus Frankreich. Die Väter der Nouvelle Vague[55] hatten zwei Dinge gemeinsam, sie waren alle Filmkritiker der Zeitschrift "Cahiers du Cinéma"[56] und vertraten die Meinung, dass sich am französischen Kino etwas zu ändern hatte. Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Claude Chabrol und Jaques Rivette waren anfangs alle Theoretiker und keine Filmemacher. Zuerst versuchten die für diese Zeit sehr polarisierenden Kritiker die Meinung der Kinozuschauer durch ihre Texte für ihre Ideologie zu gewinnen.[57] Als Godard 1952 anfing, für "Cahiers du Cinèma" zu schreiben, hatte er noch keinen Film gedreht, konnte sich aber bis zu seinem ersten Kurzfilm Tous les garcons s'appellent Patrick 1957 ein gigantisches Filmwissen aneignen, was sich vor allem in späteren Werken in etlichen Zitaten und Querverweisen bemerkbar machte. Traditionelle Mittel der Filmgestaltung und Symboliken wurden in neuen Kontexten auf innovative Art und Weise eingesetzt.[58] Abgesehen hatten Sie es vor allem auf Filmemacher, die aus ihrer Sicht vorhersehbare, realitätsferne Massenprodukte ohne jegliche Tiefe auf den Markt brachten und sich französisches Qualitätskino nannten.[59]

[...]


[1] Andreas Dresen (1963 - heute) ist ein deutscher Filmregisseur, der für den Realismus in seinen Spielfilmen bekannt ist. Er setzt auf Elemente wie die Handkamera und die Improvisation des Schauspiels am Set.

[2] Halt auf freier Strecke ist ein Spielfilmdrama von Andreas Dresen aus dem Jahr 2011 über einen Familienvater, der an einem Hirntumor verstirbt.

[3] vgl. Knoben, 2011, Zugriff: 04.04.17

[4] Alle drei Filmbewegungen beschreibe ich im Kapitel "Entwicklung des Realismus im europäischen Spielfilm"

[5] Das Mainstreamkino beschreibt die Produktions- und Rezeptionsbedingungen eines gewinnorientierten Unterhaltungsgeschäfts, dessen Filme auf bestmöglichen Vertriebswegen angeboten werden. Die Produktion zeichnet sich durch eine industrielle Arbeitsteilung mit hierarchisch organisierten Fachkräften und die äußerliche Platzierung von Stars aus. (vgl. Zavodnik, o.J. Zugriff: 03.04.17)

[6] vgl. Dudenredaktion, o. J., Zugriff: 06.03.2017

[7] vgl. Dudenredaktion, o. J., Zugriff: 06.03.2016

[8] vgl. Navigiumredaktion, o.J., Zugriff: 07.03.2016

[9] vgl. Klein, 2010, S.149-197

[10] vgl. Kirsten, 2013, S. 16

[11] Johann Karl Wezel (1747 - 1819) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Pädagoge der späten Aufklärung

[12] vgl. Klein 2010, S. 159

[13] vgl. Jakobson, 1979, S. 130

[14] vgl. Mende, 2012, Zugriff: 07.03.2017

[15] vgl. Wissen Digital, o.J., Zugriff: 06.03.2016

[16] vgl. Arbeitskreis Neue Lern- und Aufgabenformen im Fach Kunsterziehung an Realschulen, o.J., Zugriff: 06.03.2016

[17] Die Brüder Auguste und Louis Lumière gelten als die Erfinder des Bewegtbildes. 1895 spielten sie in Paris 10 Filme in der Länge von jeweils etwa 50 Sekunden einem kleinen Publikum vor.

[18] vgl. Morin 1958, S. 132

[19] Luiz Gonzaga Urbina (1864-1934) war ein Dichter und Autor aus Mexiko Stadt

[20] vgl. Kirsten, 2013, S. 13

[21] vgl. Kirsten, 2013, S.13

[22] vgl. Kirsten, 2013, S.14

[23] Der Hyperrealismus ist eine Weiterentwicklung des Realismus. In der bildenden Kunst wird der Begriff benutzt, um eine überscharfe Realität darzustellen. Im filmischen Kontext wird hier der Einsatz von virtuellen Effekten und CGI (Computer Generated Imagery), also dreidimensionelle Computeranimation zur Übersteigerung der Realitätsdarstellung genutzt

[24] vgl. "debug", 2009, Zugriff: 06.03.17

[25] Noguez, 1987, S. 73

[26] Der Entfernungsbereich, in dem ein Objekt vor einer Kamera scharf abgebildet wird. Ein kleiner Schärfebereich und eine somit große Unschärfe im Hintergrund werden häufig als "Filmlook" bezeichnet, da das für analoge Kino übliche Format 35mm einen kleinen Schärfebereich ermöglicht und wir somit diese Stilistik mit vielen klassischen Kinofilmen verbinden.

[27] vgl. Kirsten, 2013, S. 23

[28] Dziga Vertov (1896 - 1954) war ein russischer Filmemacher, der wegen seines frühen Schaffens und seinem Film "Der Mann mit der Kamera" zu einem der einflussreichsten frühen Regisseure der Filmgeschichte gilt.

[29] vgl. Buhre, 2003, Zugriff: 07.03.17

[30] vgl. Bazin, 2009, S. 195

[31] vgl. Michotte, S. 110

[32] Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahre 1922 von Friedrich Murnau. Die Draculaadaption gilt als einer der ersten Horrorfilme und ist ein Meilenstein des deutschen expressionistischen Films aus der Weimarer Republik.

[33] Das Cabinet des Dr. Caligari ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahre 1920 von Robert Wiene. Der Film gilt durch seine Kulisse und Lichtgestaltung als einer der wichtigsten Filme des deutschen Expressionismus.

[34] vgl. Bazin, 2009, S. 194-195

[35] vgl. Kirsten, 2013, S. 63

[36] vgl. Michotte van den Berck, 2003, S 121-122

[37] Michotte van den Berck, 2003, S.125

[38] vgl. Weidemann, 2017, Zugriff: 06.03.17

[39] vgl. Michotte van den Berck, 2003, S.123

[40] Stilrichtung des italienischen Films in den 1940ern, die sich durch betont kunstlose, quasidokumentarische Abbildung von sozialer Realität auszeichnete (Monaco/Bock, 2011, S.171)

[41] Sowohl "Bianco e nero" als auch "Cinema" waren Filmzeitschriften in Italien, dessen Autoren sich intensiv mit Film und seinen Möglichkeiten auseinandersetzten

[42] Vittorio Mussolini (1916 - 1997) war selbst Filmproduzent und Sohn des faschistischen Diktators Italiens Benito Mussolini

[43] Der sowjetische Film in der Zeit von 1918 bis Mitte der 1930er, der meistens den Bürgerkrieg thematisierte und sich selbst als Teil der Revolution sah. Bekannte Regisseure sind z.B. Eisenstein, Pudovkin oder Vertov

[44] vgl. Schenk, 2013, Zugriff: 10.03.2017

[45] Vittorio de Sica (1901 - 1974) war italienischer Regisseur, Schauspieler und Mitbegründer des Neorealismo

[46] vgl. Bazin, 2009, S. 338

[47] vgl. Bazin, 2009, S.343

[48] De Sica, 2017, TC: 01:23:46

[49] De Sica, 2017, TC: 01:18:51

[50] Bazin, 2009, S. 351

[51] vgl. Bazin, 2009, S. 339

[52] Cary Grant (1904 - 1986) war ein britischer Schauspieler und zählte 30 Jahre lang zu den populärsten Figuren Hollywoods

[53] vgl. Bazin, 2009, S. 346

[54] Bazin, 2009, S. 348-349

[55] Übersetzt "Neue Welle", war eine Stilrichtung des französischen Kinos, die ihre bedeutendsten Werke Ende der 1950er Jahre hervorbrachte

[56] "Cahiers du Cinèma" war eine Filmzeitschrift, die ua. vom berühmten Filmkritiker André Bazin 1951 in Paris gegründet wurde. Im Umfeld der Autoren lernten sich viele der zukünftigen Regisseure der Nouvelle Vague kennen, wie etwa Truffaut, Godard, Rivette, Moullet, Rohmer oder Chabrol.

[57] vgl. Vogelmann, 2016, Zugriff: 30.03.2017

[58] vgl. Agbeyegbe, 2016, Zugriff: 30.03.2017

[59] vgl. Cohn-Bendit, 2010, Zugriff: 31.03.2017

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Mit welchen Mittel kann die Realitätsabbildung im modernen Film gesteigert werden? Realität vs. Filmisches Prinzip
Hochschule
Beuth Hochschule für Technik Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
68
Katalognummer
V379237
ISBN (eBook)
9783668596511
ISBN (Buch)
9783668596528
Dateigröße
2245 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pusher, Winding-Refn, Realität im Film, Realitätseindruck, Realitätsabbildung, Thomas Arslan, Dogma95, Italienischer Neorealismus, Nouvelle Vague, Berliner Schule, Mads Mikkelsen, Kim Bodnia, Filmischer Realismus, Wahrheit des Sehens, Realismus
Arbeit zitieren
Georg Lewark (Autor), 2017, Mit welchen Mittel kann die Realitätsabbildung im modernen Film gesteigert werden? Realität vs. Filmisches Prinzip, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379237

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