Die Kraft der Frauen in "Eine Frau in Berlin" und "Deutschland, bleiche Mutter"


Hausarbeit, 2016

37 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Kontext
2.1.Nazismus
2.2.Krieg und Okkupationszeit

3. Krieg aus der Perspektive der Frauen
3.1. Anonyme Frau von Eine Frau in Berlin
3.1.1. Die Erzählerin als Zeugin
3.1.2. Persönliche Entwicklung der Protagonistin als Opfer
3.2. Helene und ihre Tochter in Deutschland, bleiche Mutter von Helma Sanders-Brahms
3.2.1. Die Perspektive der Zeuginnen
3.2.2. Die Perspektive des Opfers

4. Deutsche Frauen als das stärkere Geschlecht

5. Schlussfolgerungen

6. Bibliographie

ZUSAMMENFASSUNG

Die folgende Arbeit ist das Ergebnis einer Forschung über die Realität der Frauen während des Zweiten Weltkriegs und der Okkupationszeit, die in der Literatur reflektiert wird, da die Geschichte immer aus der Perspektive der Männer geschildert wurde. Deshalb ist das Elend der Frauen verschwiegen und bis die 1990er Jahre tabuisiert. Hier werden zwei Erzählungen als Beweise dieser Wirklichkeit analysiert. Aufgezeigt werden soll, dass Frauen nicht nur Opfer und Zeuginnen der Brutalität des Zweiten Weltkriegs sind, sondern auch eine aktive und positive Rolle im Wiederaufbau der Gesellschaft nehmen, und so benehmen sie sich als ein starkes Kollektiv.

Einerseits ist Eine Frau in Berlin, ein autobiographischer Beweis, die die intimen Erfahrungen einer Frau in der Okkupationszeit und ihre in Zusammenhang mit der von anderen Menschen in ihrer Umwelt stehenden Erlebnisse erzählt. Andererseits werden in Deutschland, bleiche Mutter die rhetorischen Mittel beschrieben, mit denen die Autorin die Geschichte der Frauen sichtbar machte.

Beide Werke konfrontieren die Leser/ Zuschauer mit den bitteren Wahrheiten des Kriegs und unterstreichen die aktive Rolle der Frauen im Gegensatz zu die Passivität und Ohnmacht der Männer. Außerdem, vertieft man mit der Analyse von Eine Frau in Berlin und Deutschland, bleiche Mutter und die da besprochene Themen, in der Realität der Frauen in der Besatzungszeit und kennt man aus erster Hand ihre Gefühle und Überlegung darüber.

SCHLÜSSELWÖRTER:

Frauen, Vergewaltigung, Opfer, Zeugin, Okkupationszeit, Nazismus, Krieg.

Der Autor dieser Arbeit ist kein Deutsch-Muttersprachler. Bitte haben Sie Verständnis für grammatikalische Fehler und Uneinheitlichkeiten im Ausdruck.

1. Einleitung

Das Thema über die Gesellschaft in der Nachkriegszeit wird traditionell aus der männlichen Perspektive erzählt. Darum ist die Situation der Frauen, die als sexuelle Beute behandelt werden, bis zu den 1990er Jahren meistens tabuisiert aber danach hebt die zweite Welle der Frauenbewegung die Schwierigkeiten hervor, die die Frauen erleiden mussten und so werden mehr Zeitschriftartikeln und Bücher darüber veröffentlicht. Es ist der Fall, u.a. von den anstehenden analysierten Texten, Eine Frau in Berlin und Deutschland, bleiche Mutter.

In dieser Hinsicht fokussiert die Arbeit auf die Perspektive der Frauen in der zitierten Epoche, um ein bis 1990er Jahren kaum besprochenes Thema offenkundig zu machen: die Vergewaltigungen und der Missbrauch der Frauen von den besiegten Soldaten. Daher werden die zwei oben genannten Texte - Eine Frau in Berlin und Deutschland, bleiche Mutter von Helma Sanders-Brahms - ausgewählt, die die deutsche Geschichte des Nazismus, des Kriegs und der Okkupationszeit aus den privaten Erlebnissen und der weiblichen Perspektive darstellen.

Die Arbeit teilt sich in vier Hauptkapiteln. Das erste Kapitel handelt von dem Kontext, in dem die Rolle der Frauen in der Gesellschaft und ihre Entwicklung durch die verschiedenen Epochen dargestellt wird. Deshalb unterteilt sich das Hauptkapitel über den historischer Kontext in zwei Punkte: Nazismus, wo die Ausbildung der Frauen und ihre Rolle in dieser Gesellschaft erklärt werden, und Krieg und Okkupationszeit als die Zeit, in der die Rolle der Frauen wechselt, um die Verantwortung zu übernehmen und das deutsche Volk zu unterstützen.

In dem folgenden Kapitel wird die Zeugenschaft der Frauen in den Texten analysiert. Es zeigt die Zerstörung der Gesellschaft und die Brutalität. Dabei kann der Leser nicht nur durch den Blickpunkt und die Augen der Protagonistinnen die historische Wirklichkeit wahrnehmen, sondern die Analyse der dargestellten Zeugnisse dieser Arbeit macht auch die Realität des Leidens der Frauen in der deutschen Gesellschaft sichtbar, die lange Zeit tabuisiert war.

Dieses Phänomen steht in Zusammenhang mit der Analyse der Perspektive der Frau als Opfer. Hier fokussiert man auf das Leiden der Frauen wegen dem Elend des Kriegs - Tod, Hunger, Heimatverlust - und vor allem die Objektivierung ihres Körpers als Beute von den Siegersoldaten. Die Texte zeigen eine Empathie und Wertbestimmung des verschwiegenen Leidens durch die Beschreibung des Traumas und den Anspruch auf die Würde der Opferbedingung der Frauen, die trotz des Elends eine aktive Rolle in dem Wiederaufbau der Gesellschaft nahmen.

In dem letzten Kapitel der Entwicklung von der Arbeit fokussiert man auf die implizite oder ausdrückliche Feststellung der Frauen als das stärkere Geschlecht der Gesellschaft. Die Texte zeigen, dass die Männer in den Erzählungen deplatziert werden und die Frauen nehmen die wichtigste Rolle ein, nicht nur in den Werken sondern auch in der historischen Realität, auf die sich beide Texte beziehen.

2. Historischer Kontext

Die Texte, die in dieser Arbeit behandelt werden, situieren die erzählte Zeit am Ende des Zweiten Weltkriegs und während der Okkupationszeit. Eine Frau in Berlin spielt vom 20. April bis 22. Juni 1945 und Deutschland, bleiche Mutter umfasst einen Teil der Vorkriegszeit, die Kriegszeit und die ersten Jahren der Nachkriegszeit. Dabei muss man den konkreten Kontext der deutschen Geschichte erklären, in dem die Erzählungen spielen und dafür ist dieses Kapitel in Nazismus, Krieg und Okkupationszeit geteilt.

2.1 Nazismus

Die Rolle der Frauen in der deutschen Gesellschaft ist ein fundamentaler Aspekt in dieser Arbeit. Ihre Ausbildung und auch ihre Stellung in der Gesellschaft und Familie stehen in Zusammenhang mit der Beschreibung der Umstände in den Texten, die eine weibliche Perspektive einnehmen und die Realität der Frauen in diesen Zeiten aus dieser Perspektive zeigen.

Die Frauen mussten im Dritten Reich in der privaten Sphäre bleiben, bzw. für die sogenannten drei großen K - Kinder, Küche und Kirche - werben. Der Mann wurde als „der Hüter seiner Frau“ bezeichnet - mit Hitlers Worten - und sollte die öffentlichen Aktivitäten und Arbeit für sich selbst monopolisieren. Wie Carolin Bendel nachweist, war diese Rolle juristisch festgelegt: Es „wurde die Frau indirekt dazu aufgefordert, als Ehefrau keine Arbeit zu haben, sondern sich um die Familie zu kümmern.“ (Bendel, 2007)

Der NS-Staat suchte mit dieser Politik die Unterordnung der Frauen, die nur in bestimmter Berufung wie religiösen Institutionen, Gesundheitswesen oder Ausbildung arbeiten sollten, während die Männer sich um den Machtapparat und Kriegsdienst kümmerten.

Die bekannteste Rolle und der Frauen war der Mutterdienst. Für den NS-Staat war sehr bestimmt die Mutterschaft bestimmend, denn die Frauen hatten die Verantwortung die neuen arischen Kinder zu gebären. Bendel beschreibt diese These folgendermaßen:

Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus wurde auf die Mutterschaft reduziert, die fortdauernd als ideologisches Idealbild verherrlicht wurde. In der Propaganda des Dritten Reiches erschien der einzige Existenzgrund der Frau der zu sein, als sorgende und liebevolle Mutter die zukünftige Generation der deutschen, „arischen“ Rasse zu gebären. (Bendel, 2007) Dennoch, als der Krieg anfängt, verändert sich die Rolle der Frauen und wird aktiver. Die Männer sind an der Front des Krieges und die Frauen haben eine Verantwortung für die Gemeinschaft. Sie arbeiten in Werken und passten auch auf die Familie auf. Darüber schreibt Carolin Bendel, wie Frauen zunehmend ihren Dienst und Verantwortung zu arbeiten übernahmen:

1942 wurden alle Frauen zur Arbeit in Rüstungsbetrieben verpflichtet, wovon sich viele Frauen durch Mutterschaft oder Kontakte zur Regierung befreien konnten. Frauen wurden auch als Wehrmachtshelferinnen verpflichtet und arbeiteten sowohl in sicheren Berufen wie Telefonistinnen, Funkerinnen und Fernschreiberinnen, aber auch in Kriegsschauplätzen als Krankenschwestern. (Bendel, 2007)

Ihre Einbindung in die Arbeitswelt befreite sich nicht von ihrem Dienst mit den Kindern, und darum war alles komplizierter als früher. Sie hatten die doppelte Funktion der Unterstützung des Landes aber auch ihrer Kinder, wie Bendel sichtbar macht: „Auch das Alltagsleben gestaltete sich schwierig für die Frau, die ihre Kinder allein großziehen musste, während der Mann eingezogen worden war.“ (Bendel, 2007)

1.1. Krieg und Okkupationszeit

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, während Deutschland den Krieg progressiv verliert, kamen die alliierten Soldaten nach Deutschland und besetzten die Städte. Die alliierten Truppen waren besonders streng zu der deutschen Gesellschaft, da sie die Macht und die Möglichkeit hatten, um die Besiegten zu unterjochen. Darum gab es nicht nur Vergewaltigungen, sondern auch Plünderungen und überall Zerstörung, die die Soldaten machten, um ihre Macht über die besetzte Bevölkerung zu zeigen.

Bruhns vertritt in seinem Artikel die folgende These: “Niemals seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden in einem Waffengang so viele Frauen und Mädchen vergewaltigt wie im Zweiten Weltkrieg.” (Bruhns, 2005: 84). Deshalb ist fraglos, dass es nicht ein konkretes Phänomen war, sondern etwas, das allerseits passierte. Und auch Satjukow und Gries erklären, „[i]m zweiten Weltkrieg aber erreichte die sexuelle Gewalt ungekannte Dimensionen“ (Satjukow und Gries 2015:1)

Mit der Okkupation Berlins betrugen die Truppen sich als Sieger und vergewaltigten Frauen und Mädchen in Massen. Satjukow und Gries legen die große Zahl der Vergewaltigungen, nur in Berlin begangen, dar: „Schätzungen zufolge wurden allein in Berlin zwischen Frühsommer und Herbst 1945 mindestens 110000 Mädchen und Frauen vergewaltigt“ (Satjukow und Gries, 2015:1), da nicht nur die rote Armee die deutschen Frauen missbrauchte, sondern alle Truppen. Darum sprechen im oben genannten Artikel über die Register der Polizei, die es beweisen: „So registrierte die Polizei beispielweise allein im Großraum Stuttgart, der bis Juli französisch und erst danach amerikanisch besetzt war, im April 1945 fast 1200 Vergewaltigungen.“ (Satjukow und Gries 2015: 2)

Dennoch wird die Arbeit auf Deutschland und die Rote Armee fokussieren, da die Texte ihre Zeugnisse in Deutschland, und hauptsächlich in der Russen fokussieren. Außerdem waren die Soldaten aus dem Westen nicht so gefürchtet wie die russischen, auch wenn sie viele Frauen in ihrer Besatzungszone vergewaltigten. Sie nutzten die Frauen aus durch das Angebot von benötigten Sachen im Tausch gegen Sex, d.h. Zwangsprostitution. Wie Bruhns in ihrer Untersuchung nachweist: „Allein Soldaten der Roten Armee missbrauchten schätzungsweise zwei Millionen deutsche Frauen“ (Bruhns, 2005: 84). Auch Otto Lagels verdeutlicht die Brutalität der russischen Soldaten: „Die Opfer wurden mit Waffen bedroht, geschlagen, getreten.“ (Lagels, 2015) Die Propaganda war ein sehr wichtiges Element an beiden Fronten des Kriegs, um den Missbrauch und die Unterwerfung der Besiegten zu verstehen. Einerseits beeinflusste die NS Propaganda über die Brutalität der roten Armee die deutsche Gesellschaft und darum hatten sie Angst vor der Besatzung. Folglich flohen viele Menschen aus Preußen nach Berlin gleichzeitig als die russischen Truppen nach Berlin vorrückten, wie Julian Rohrer aufzeigt:

Nach den Niederlagen der Wehrmacht im Osten und im Westen stieg die Angst der Deutschen vor allem in den Ostgebieten vor der Vergeltung durch sowjetische Truppen. Einen großen Teil dazu trug die Propaganda der NS Führung bei, die nicht müde wurde, vor den „animalischen“ Soldaten aus der Sowjetunion zu warnen. Und tatsächlich: Vielfach kam es zu Vergewaltigungen, zu Missbrauch und zu Morden. (Rohrer, 2015: 1)

Andererseits fängt die Kriegspropaganda der russischen Armee mit einem Aufruf an, der die Massenvergewaltigungen in Racheakte verwandelte. Diese ermutigte ausdrücklich die Soldaten die Frauen zu vergewaltigen:

Eine gnadenlose Kriegspropaganda lieferte dabei die Legitimation für Massenvergewaltigungen […] So hieß es bereits in einem sowjetischen Flugblatt aus dem Jahr 1942: „Tötet! Tötet! Es gibt nichts, was an den Deutschen unschuldig ist, die Lebenden nicht und die Ungeborenen nicht! Folgt der Weisung des Genossen Stalin uns zerstampft für immer das faschistische Tier in seiner Höhle. Brecht mit Gewalt den Rassenhochmut der germanistischen Frauen! Nehmt sie als rechtmäßige Beute. (Satjukow und Gries, 2015: 2)

Schließlich ist das Tabu der Vergewaltigungen ein wichtiger Begriff in diesem Kontext. Einerseits war es sehr kompliziert für die vergewaltigten Frauen eine Anzeige durchzuführen, wegen der psychologischen Zermürbung des Opfers, wie Satjukow und Gries erklären: „Frauen mussten sich in solche Untersuchungen peinliche Fragen stellen lassen. Sie mussten das Verbrechen überzeugend schildern können.“ (Satjukow und Gries, 2015: 6) Der ganze Prozess der Anzeige war sehr schmerzhaft und demütigend für das Opfer.

Andererseits riskierte das Opfer seine Zukunft, da „nicht selten verließen Männer ihre missbrauchten Frauen, Väter töteten ihre Töchter“ (Bruhns, 2005: 85). Die patriarchalische Gesellschaft machte die Opfer verantwortlich für die Schändungen und sie galten als „geschändet und entehrt“ (Bruhns, 2005: 85).

Aus diesen Gründen hat man nicht so viel darüber geschrieben und jetzt, im 21. Jahrhundert, werden manche Werke erfolgreich wieder aufgelegt. Das ist der Fall der Texte, die in dieser Arbeit analysiert werden.

So erscheint Eine Frau in Berlin zuerst in 1954 auf Englisch in New York aber die deutsche Version wird erst 1959 in Deutschland veröffentlicht. Die Rezeption des Tagebuchs dann war sehr spärlich und nur in der Neuerscheinung in 2003 wurde es ein Best-Seller. Die Autorin wollte, dass ihr Name ungenannt bleibt und darauf gab es viele Spekulationen über ihre Identität.

Deutschland, bleiche Mutter ist eine Film-Erzählung, die die Helma Sanders-Brahms schriftlich niederlegt. Sie handelt von der Geschichte ihrer Mutter und ihrer eigenen Geschichte. Aber es ist auch der Geschichte vieler Frauen, mit denen sie gesprochen hatte. Der Film wurde zwar in der Berlinale 1980 uraufgeführt, aber erst das Frauenfilmfestival in Frankreich des gleichen Jahres bringt den Erfolg.

3. Krieg aus der Perspektive der Frauen

In diesem Teil werden die Protagonistinnen als Opfer und Zeuginnen im Text analysiert, da beide Erzählungen die Geschichte und ihre Umgebungen durch die weibliche Perspektive porträtieren.

Eine Frau in Berlin ist ein Tagebuch, das eine deutsche Journalistin schreibt, während der Aufeinanderfolge ihrer Erfahrungen. Sie beschreibt die Bedingungen, mit denen sie und ihr „Kellervolk“ leben müssen. Tod, Hunger und Zerstörung sind die Protagonisten ihres Erlebens aber das Schlimmste kommt mit der Ankunft der alliierten Truppen: Die Verfasserin beschreibt haarklein in der ersten Person die Vergewaltigungen, Missbrauch, Zwangsprostitution, die sie und ihre Umgebung erleiden müssen, um zu überleben.

Sie schildert ihre Alltäglichkeit mit den Leuten ihrer Umwelt: Die Witwe, Herr Pauli, Gisela, der Doktor, der Ungar und viele andere Figuren, die in dem Tagebuch erscheinen. Sie erzählt auch wie sie von den Soldaten vergewaltigt wird und ihre Strategien, um die Massenvergewaltigungen zu vermeiden. Nach der Abfahrt den Truppen muss sie ohne die Unterstützung der Russen weiterleben und nach allem kommt die Hoffnung wieder zurück mit ihrer Teilnahme an dem Verlagsprojekt und ihrer Arbeit als Trümmerfrau. Das Tagebuch schließt mit der Rückkehr von Gerd, ihrem Freund, ab. Es ist ein Wendepunkt für die Verfasserin, um ohne ihn weiter zu leben, weil ihre Perspektive des Lebens in dem Moment ganz anders ist.

Deutschland, bleiche Mutter andererseits ist eine Film-Erzählung, in der die Autorin das Leben ihrer Eltern und ihr eigenes Leben schildert. Die Erzählung fängt mit dem Treffen ihrer Eltern, Helene und Hans, an. Sie stellt ihre Hochzeit und ihre glückliche Momente bis zu der Abfahrt von Hans in dem Krieg dar. Die Film-Erzählung zeigt Helenes Leben während ihrer Schwangerschaft und ihr Überleben in Berlin trotz der Luftangriffe.

Schließlich fliehen Helene und ihre Tochter - die Erzählerin - aufs Land und hier fokussiert die Erzählung in der Verstärkung der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Dafür nimmt die Verfasserin als wichtigste Elemente die Schilderung der Umwelt und die als ein Abenteuer begriffene Reise. Das Kind lebt abhängig von seiner Mutter und beide teilen ihre Erfahrungen bis zu dem Punkt, dass die Tochter anwesend war, während einige amerikanische Soldaten Helene vergewaltigten. Mit der Rückkehr von Hans, der von der Kriegsfront kam, legt die Erzählung die progressive Trennung der Familie offen: Hans findet nicht seinen Platz wegen der Beziehung von Helene mit ihrer Tochter, Helene leidet an einer Krankheit und verliert alle Zähne und daher versucht sie Selbstmord zu begehen, aber das Kind verhindert es. In Eine Frau in Berlin ist die Erzählung in der ersten Person geschrieben und daher ist die Perspektive anders als in Deutschland, bleiche Mutter. In letzterem Werk werden die Ereignisse in der dritten Person sowie von den Erinnerungen der Tochter und anderen Frauen beschrieben. Die Verfasserin sammelt die Erinnerungen ihrer Mutter, ihre eigene Erlebnisse aber auch das Zeugnis anderer Frauen, mit denen sie gesprochen hatte. Daher ist die Perspektive der Erzählung entfernter und aus dem Blickpunkt der zeitlichen Distanz. Die Tochter, als Mitglied der im Krieg geborenen Generation, schildert die Tatsachen aus die Erinnerungsperspektive im Unterschied zu Anonyma, die gleichzeitig die Ereignisse der Handlung erzählt.

Im Folgenden werde ich die Protagonistinnen in jedem Text aus zwei Perspektive analysieren: Als Zeugin, als die sie die Gesellschaft und Umgebung charakterisieren, und als Opfer, die ihr eigenes Schicksal darstellen. Die weiblichen Protagonisten beider Texte sind Zeuginnen aber auch Opfer des Niedergangs einer Gesellschaft. Das verändert sie und konditioniert auch ihre Perspektiven. Der Krieg verwandelte die Lebensbedingungen der Deutschen in den Erzählungen. Dabei wird die Analyse das Wesen der Rolle der Frauen im Krieg und während der Besatzungszeit als stärkeres Geschlecht festlegen. Analysiert werden dabei, die Begriffe, die im Zusammenhang mit der Stellung in der Gesellschaft stehen und den Leser dazu führen zu denken, dass die Frauen eine Hauptrolle spielen und folglich ihre Stärke zeigen.

3.1. Eine Frau in Berlin von Anonyma

In diesem Text charakterisiert die Verfasserin sich durch die Schilderung ihrer eigenen Erfahrungen und Erlebnisse aber auch die Gemeinschaft durch einen distanzierten Blickpunkt. Darüber erklärt Garraio, dass der Text „aus der Perspektive einer weiblichen Stimme“ (Garraio, 2011: 212) geschrieben ist. Dieser Aspekt ist bedeutend, wenn man den Text als eine Sammlung nicht nur der Gefühle sondern auch der Erlebnisse von einer Zeugin in einem relevanten historischen Moment für Deutschland interpretiert. Es ist nicht eine konventionelles Sammlung, weil hier die Erfahrungen der deutschen Frauen aus dem Blickpunkt einer Frau erzählt werden.

3.1.1. Die Protagonistin als Zeugin

Erstens schildert Anonyma die Atmosphäre des Kriegs und die progressive Zerstörung der Berliner Gesellschaft durch eine kritische Sicht. Es ist möglich, da sie in dem Tagebuch schreibt, alles, was sie sieht, hört und erlebt. Darum kann man ein detailliertes Bild der Umgebung wahrnehmen:

Handle es sich um ein Werk, das weit über private Notizen hinausgehe, das ohne Selbstmitleid, ja mit schockierender Offenheit und Ironie der Berliner Alltag der letzten Kriegstage schildere. (Jaiser, 2003: 1)

Hier ist es wichtig, dass Anonyma die Arbeitsweise einer zerstörten Gemeinschaft mit der offenen Sicht einer Frau erzählt, die vor dem Krieg als Journalistin viel gereist ist und einen kritischen Blickpunkt über den Nazismus und der patriarchalischen Gesellschaft vom Nazismus gebildet wird.

Durch die Beschreibung mancher Figuren, wie „Siegismund“ (Anonyma, 2003: 19), ein alter Mann von der Nachbarschaft, der wegen seines Glaubens an den Sieg des Nationalsozialismus als verrückt bezeichnet wird, baut Anonyma eine fremde und konkrete Beschreibung der Berliner Gesellschaft. Dabei benutzt sie der Keller als den Treffpunkt verschiedener Charaktere. Sie bezieht sich auf jede Person durch ihren Beruf oder gesellschaftliche Stellung aber erklärt auch, wie sich alle im Keller während des Luftangriffs benehmen.

Die Bäckersfrau voran, zwei feiste rote Bäckchen unterm Lammfellkragen. Die Apothekerwitwe, die einen Samariterkurs absolviert hat […] Frau Lehmann, Gatte im Osten vermißt, die Kissentüte mit dem schlafenden Baby im Arm und den schlafenden vierjähriger Lutz […] Der junge Mann in grauen Hosen, mit Hornbrille, der sich bei näherem Zusehen als junges Mädchen entpuppt. Drei ältliche Schwestern, Schneiderinnen[…] (Anonyma, 2003: 16)

Mittels der Aufzählung der im Keller anwesenden Personen zeigt die Erzählerin uns eine Diversität, die im Gegensatz zu der Zerstörung von außen steht, d.h., es gibt eine deutliche Trennung der beschriebenen Umwelt zwischen dem Keller und der Welt draußen. Dabei fängt Anonyma mit dem ersten Teil des Tagebuchs im Kellervolk an und wechselt die Perspektive nach draußen mit der Ankunft der alliierten Truppen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Die Kraft der Frauen in "Eine Frau in Berlin" und "Deutschland, bleiche Mutter"
Hochschule
Universitat de València
Autor
Jahr
2016
Seiten
37
Katalognummer
V379449
ISBN (eBook)
9783668562400
ISBN (Buch)
9783668562417
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
missbrauch, frauen, zweiten, weltkrieg, literarische, analyse, eine, frau, berlin, deutschland, mutter
Arbeit zitieren
Gemma Hervás Soutto (Autor), 2016, Die Kraft der Frauen in "Eine Frau in Berlin" und "Deutschland, bleiche Mutter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379449

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