Quellenkommentar zu den öffentlichen Spielen unter Augustus


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2015
10 Seiten, Note: 2,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenkritik
2.1 Bestimmung der Quellenart und -gruppe
2.2 Überlieferungsgeschichte
2.3 Frage der Echtheit
2.4 Art der Überlieferung
2.5 Verfasser
2.5.1 Biographie
2.5.2 Gesamtwerk und seine Bedeutung
2.6 Entstehungszeit und -ort
2.7 Traditionsbildung
2.8 Adressat und Intention

3. Inhaltliche Analyse
3.1 Der Ausschnitt im Kontext innerhalb des Werkes
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Einzelerläuterung
3.3.1 Erläuterung von Begriffen und Sachinformationen
3.3.2 Parallelinformationen

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der vorliegende Quellenkommentar bezieht sich auf einen Ausschnitt aus der Res gestae divi Augusti. Die Res gestae divi Augusti ist ein Tatenbericht, der vom römischen Kaiser Gaius Octavius, später Augustus genannt, verfasst wurde. Gaius Octavius erlangte 43 v. Chr. als erster römischer Herrscher die Position des Kaisers und starb im Jahr 14 n. Chr. Während seiner 57-jährigen Amtszeit errichtete Augustus eine neue Herrschaftsform, die als Prinzipat bezeichnet wird. Der vorliegende Kommentar thematisiert die von Augustus veranstalteten Spiele, deren Funktion und Charakteristik hinterfragt werden soll. Außerdem soll geklärt werden, wie sich die öffentlichen Spiele auf die Beziehung zwischen dem Kaiser und seinem Volk auswirkte. Der Kommentar behandelt die Kapitel 22 und 23 der Res Gestae divi Augusti. Diese zwei Kapitel aus dem Tatenbericht Augustus beinhalten eine Reihe von unterschiedlichen öffentlichen Spielen und sind zeitlich verknüpft, sodass Zusammenhänge zwischen den beiden Abschnitten hergestellt und untersucht werden werden können. Des Weiteren gewährt der Ausschnitt einen Einblick in die Hintergründe und .die Anziehungskraft eines öffentlichen Spiels.

2. Quellenkritik

2.1 Bestimmung der Quellenart und -gruppe

Die vorliegende Quelle ist eine Inschrift, die übergeordnet der Grundwissenschaft Epigraphik zugeordnet werden kann. Zu dem Untersuchungsbereich der Epigraphik zählen hauptsächlich Inschriften, die auf einem Material wie Holz, Stein oder Metall vorzufinden sind.[1] Bei der Res gestae divi Augusti handelt es sich um eine römische Inschrift, die als Tatenbericht die politischen Entscheidungen und Reformen des Kaisers Augustus dokumentiert.

2.2 Überlieferungsgeschichte

Eine Abschrift der Res gestae divi Augusti wurde erstmals im Jahr 1555 von einer Gesandtschaft des späteren römischen Kaisers Ferdinand I. in Form einer umfangreichen lateinischen und griechischen Inschrift entdeckt.[2] Diese erste Abschrift der Res gestae divi Augusti wird als das Monumentum Ancyranum bezeichnet, die an vielen Stellen Beschädigungen und aus diesem Grund zahlreiche, umfangreiche Lücken aufweist.[3] Die Originalabschrift wurde 28 v. Chr. auf zwei Pfeilern des sich auf dem Marsfeld in Rom befindlichen Mausoleums eingraviert.[4]

Weitere Bruchstücke der Abschrift wurden zunächst 1821 in Apollonia in Pisidien bekannt, der nächste Schritt erfolgte im Jahr 1930 durch den Fund umfangreicher Kalksteinblöcke.[5] Die Inschrift der Kalksteinblöcke war auf griechisch verfasst und enthielt die Kapitel 16 bis 25 der Res gestae divi Augusti.[6] Mit diesem Fund, der als Monumentum Apolloniense bezeichnet wird, war der griechische Text im Mittelteil fast vollständig überliefert.[7]

Die dritte und letzte Kopie, das Monumentum Antiochenum, wurde bei Grabungen zwischen 1914 und 1924 in Antiochia bei Pisidien entdeckt und enthielt etwa 270 Splitter, die ausschließlich auf lateinische Sprache verfasst waren.[8]

2.3 Frage der Echtheit

Festzuhalten ist, dass diese drei gefunden Kopien den Kern der Überlieferung bilden. Die Originalinschrift der Res gestae divi Augusti konnte trotz der zahlreichen archäologischen Bemühungen nicht sichergestellt werden. Ekkehard Weber, auf dessen Werk ich mich im Folgenden beziehen möchte, sieht den Text der Res gestae divi Augusti trotz der Schwierigkeiten im Überlieferungsprozess als gesichert an.[9]

2.4 Art der Überlieferung

Die Res gestae divi Augusti ist eine traditionelle Quelle, die von einem Überrest zu unterscheiden ist. Eine Tradition ist eine für die Nachwelt bewusst erzeugte und überlieferte Quelle, die sich von zufällig gefundenem und damit unabsichtlichem erhaltenem Material, dem Überrest, abgrenzt.[10]

2.5 Verfasser

In diesem Abschnitt des Quellenkommentares wird zunächst das Leben und der politische Werdegang von Augustus thematisiert, um anschließend die Res gestae divi Augusti und ihre Bedeutung zu klären.

2.5.1 Biographie

Kaiser Augustus wurde am 23. September 63 v. Chr. als Gaius Octavius in Rom geboren und wuchs in der sich selbst verwaltenden, dem römischen Bürgerverband zugehörigen Gemeinde Velitrae auf.[11] Als Augustus Großonkel Gaius Iulius Caesar bei den Ideen des März 44 v. Chr. den Tod fand, erfuhr Augustus, dass sein Großonkel ihn als Sohn adoptiert und damit zum Haupterben eingesetzt hatte.[12] Augustus errichtete Ende Oktober 43. v. Chr. mit M. Antonius und M. Aemilius Lepidus das zweite Triumvirat.[13] Die Verabredung hielt jedoch nicht lange stand, da es zu einer Auseinandersetzung zwischen M. Antonius und Augustus kommen sollte. Diese entschied Augustus in der Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr., die zum Zusammenbruch der Herrschaft Antonius im Osten und zu dessen Selbstmord führte.[14] Augustus begann mit der Errichtung des Prinzipats oder auch Kaiserzeit genannt, indem er sich mehrere Amtsgewalten, darunter die tribunicia potestas und das imperium proconsulare maius 23 v. Chr. sowie das consulare imperium 19 v. Chr.[15], übertragen ließ. Kaiser Augustus starb am 19.8.14 in Nola und wurde nach seinem Tod zum Staatsgott erhoben.[16]

2.5.2 Gesamtwerk und seine Bedeutung

Die Res gestae divi Augusti ist das einzige von Augustus verfasste literarische Werk, das für die Nachwelt erhalten geblieben ist.[17] Aus diesem Grund stellt Augustus Tatenbericht ein wichtiges Exemplar in der Geschichtsforschung dar. Für Augustus selbst hatte sein politisches Vermächtnis ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, da er den auf Papyrusrollen geschrieben Text versiegeln und mit seinem Testament dem Senat übergeben ließ.[18]

2.6 Entstehungszeit und -ort

Augustus schrieb sein politisches Vermächtnis in seinem letzten Lebensjahr, das auf das Jahr 14 n. Chr. datiert wird. Da Augustus in Nola in den Armen seiner Frau verstarb, wird vermutet, dass er sein Tatenbericht auch in Nola verfasst hat.[19]

2.7 Traditionsbildung

Das Leben des Kaisers Augustus als auch seine politischen Entscheidungen und Reformen wurden von einigen römischen Schreibern aufgegriffen und thematisiert.

Sueton schreibt in seinem Werk Leben der Caesaren, dass Augustus die öffentlich veranstalteten Spiele unter anderem dazu nutzte, die Gesellschaft zu strukturieren bzw. zu hierarchisieren.[20]

Außerdem forderte Augustus während der Athleten- und Gladiatorenkämpfe größte Disziplin und bestrafte jegliche Verstöße gegen die vorherrschenden Regeln und Verhaltensweisen.[21]

Auch Cassius Dio beschäftigt sich in seiner römischen Geschichte mit den Veranstaltungen unter der Leitung von Kaiser Augustus. Cassius Dio berichtet von bemerkenswerten Schauspielen, Land-und Seeschlachten sowie Wagenrennen, Gladiatorenkämpfen und Tierhatzen, die Augustus während seiner Amtszeit veranstalten ließ.[22]

2.8 Adressat und Intention

Zum einen adressiert Augustus seine Amtsnachfolger, die von seinen Taten Kenntnis nehmen sowie die Einzigartigkeit der von Augustus vollbrachten Leistungen schätzen lernen sollen. Augustus verfolgt zudem das Ziel, sich aufgrund seines Tatenberichts auch in der Nachwelt Respekt und Anerkennung zu verschaffen. Außerdem spricht Augustus mit seinem Tatenbericht das römische Volk an, dem er mit seinen Aufwendungen, darunter das Veranstalten von öffentlichen Spielen und das Errichten zahlreicher Bauwerke, treue Dienste geleistet hat und dies in Erinnerung rufen möchte.

3. Inhaltliche Analyse

3.1 Der Ausschnitt im Kontext innerhalb des Werkes

Der zu behandelnde Quellenausschnitt befindet sich in Kapitel 22 und 23 der Res gestae divi Augusti. Im vorherigen Kapitel thematisiert Augustus die Errichtung einiger Bauwerke, darunter den Bau des Mars-Ultor-Tempels und eines Theaters nahe des Apollotempels.[23] Des Weiteren unterstreicht Augustus seine Freizügigkeit gegenüber dem römischen Volk, indem er Weihgeschenke im Wert von hundert Millionen Sesterzen an die römischen Bürger verteilt.[24]

In Kapitel 24 erklärt Augustus, dass er den eroberten Gebieten Asiens alle Kostbarkeiten, die den Völkern genommen wurde und in Privatbesitz übergingen, zurückgegeben habe.[25] Auch in diesem Abschnitt demonstriert Augustus seine Großzügigkeit gegenüber dem römischen Bürgertum.

3.2 Inhaltsangabe

In dem zu analysierenden Quellenabschnitt beginnt Augustus in Kapitel 22 mit einer Aufzählung der von ihm veranstalteten öffentlichen Spiele. Diese beinhalteten acht Gladiatorenspiele und drei Athletenspiele, die er entweder in seinem Namen oder im Namen seiner Enkel und Söhne veranstalten ließ. Außerdem verweist Augustus auf die von ihm und seinem Amtskollegen M.Agrippa organisierte Säkularfeier, die er zu Ehren des Kollegiums der Quindedemviri abhalten ließ. Des Weiteren habe er die Spiele des Mars 2 v. Chr. ausgerichtet, die später von den Konsuln veranstaltet wurden. Schließlich habe er auch Tierhetzen durchführen lassen, bei denen 3500 Tiere ihren Tod gefunden hätten.

In Kapitel 23 führt Augustus mit dem Schauspiel einer Seeschlacht fort, die er für das Volk jenseits des Tiber organisiert habe. Er erklärt, dass aufgrund der Seeschlacht aufwendige Baumaßnahmen erforderlich waren, die sich hauptsächlich auf Bodenausschachtungen konzentrierten. An den Seeschlachten hätten eine große Anzahl von Schiffen und deren Besatzungen gegeneinander gekämpft und um den Sieg gerungen.

[...]


[1] Vgl. Hartmut Leppin, Einführung in die alte Geschichte, München 2005, S.24.

[2] Vgl. Ekkehard Weber, Augustus. Meine Taten, Düsseldorf/Zürich6 1999, S.6.

[3] Vgl. Ekkehard Weber, Augustus, S.6.

[4] Vgl. Hans Volkmann, Res gestae divi Augusti. Das Monumentum Acyranum, Berlin 1957, S.4.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. ebd. S.5.

[7] Vgl. Ekkehard Weber, Augustus, S.7

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. ebd.

[10] Vgl. Hartmut Blum/ Reinhard Wolters, Alte Geschichte studieren, Konstanz² 2011, S.41.

[11] Vgl. Klaus Bringmann, Augustus, Darmstadt² 2012, S.17.

[12] Vgl. Klaus Bringmann/ Thomas Schäfer, Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums , Berlin 2002, S.25-26.

[13] Vgl. ebd. S.30.

[14] Vgl. Klaus Bringmann/ Thomas Schäfer, Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, S.42.

[15] Vgl. ebd. S.246-247.

[16] Vgl. ebd. S.248.

[17] Gabelmann, Ralf, Augustus. Zum Zitieren geeignet >http://www.romanum.de/main.php?show=biographien/augustus.html< (09.09.2014),

[18] Vgl. Werner Dahlheim, Augustus. Anführer-Herrscher-Heiland, München 2010, S.355.

[19] Vgl. Ekkehard Weber, Augustus, S.51.

[20] Vgl. Sueton, Augustus, 44, Leben der Caesaren.

[21] Vgl. Ebd.

[22] Vgl. Cassius Dio, Römisch Geschichte, 66,25,1.

[23] Vgl. Ekkehard Weber, Augustus, S.29.

[24] Vgl. ebd.

[25] Vgl. ebd. S.33.

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Details

Titel
Quellenkommentar zu den öffentlichen Spielen unter Augustus
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,4
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V379469
ISBN (eBook)
9783668565180
ISBN (Buch)
9783668565197
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quellenkommentar, spielen, augustus
Arbeit zitieren
Dominik Gros (Autor), 2015, Quellenkommentar zu den öffentlichen Spielen unter Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379469

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