Eine Nachrichtensendung als geeignetes Medium für den Geschichtsunterricht?


Ausarbeitung, 2016
11 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Warum eine Nachrichtensendung als Medium für den Geschichtsunterricht?

2. Haben Medien einen Einfluss auf unsere Erinnerungskultur?

3. Wie können Nachrichtensendungen im Geschichtsunterricht eingesetzt werden?

4. Welche Lernziele stehen für den geplanten Unterricht im Mittelpunkt?

5. Nachrichtensendungen im Geschichtsunterricht - Ein Praxisbeispiel
5.1 Der geplante Unterrichtsverlauf.
5.2 DerUnterrichtsversuch im Seminar
5.3 Die Rückmeldung der Seminarteilnehmer bezüglich meines Unterrichtsversuches

6. Literaturverzeichnis

1. Warum eine Nachrichtensendung als Medium für den Geschichtsunterricht?

Das von mir formulierte Ziel für das Referat bestand in der Auswahl eines Mediums, das im Geschichtsunterricht gewinnbringend einzusetzen ist und mit dem Seminarthema „Das Supergedenkjahr 2014 - 25 Jahre Mauerfall“ in Verbindung steht. Im Zuge meiner Überlegungen wurde ich auf die „Tagesschau“ aufmerksam, eine der bekanntesten Nachrichtensendungen des deutschen Fernsehens. Während meiner Recherchearbeiten stieß ich auf die Internetseite der „Tagesschau“, die ein Archiv mit vergangenen Tagesschauausgaben eingerichtet und zur Verfügung gestellt hat. Basierend auf dieser Kenntnis entstand die Idee eines Vergleiches zweier Tagesschauausstrahlungen. Ausgewählt wurden die Tagesschauausgaben vom 9. November 1994 und vom 9. November 2009. Die zeitliche Entfernung zum Mauerfall beträgt fünf bzw. zwanzig Jahre und die analysierten Ausstrahlungen verzeichnen einen zeitlichen Unterschied von fünfzehn Jahren. Auf diese Weise wurde eine zeithistorische Ebene geschaffen. Durch den Vergleich und die Analyse der genannten Filmausschnitte sollen die Schülerinnen und Schüler (im Folgenden abgekürzt: SuS) durch selbstständige Erarbeitung der Unterrichtsinhalte die Unterschiede sowie die Entwicklung des Gedenkens an den Mauerfall skizzieren und in einer Diskussion kritisch hinterfragen. Mithilfe des Mediums „Tagesschau“ haben die Schülerinnen und Schüler außerdem die Aufgabe, den Einfluss der Medien auf unsere Erinnerungskulturen zu debattieren.

2. Haben Medien einen Einfluss auf unsere Erinnerungskultur?

Der thematische Schwerpunkt der Lerneinheit beinhaltet die Frage, inwiefern Medien die Entwicklung oder Aufrechterhaltung einer Erinnerungskultur beeinflussen. Erik Meyer gelangt zu der Auffassung, dass in modernen Gesellschaften die erinnerungskulturelle Verbreitung von audiovisuellen Massenmedien übernommen wurde.1 Trotz der traditionellen geschichtskulturellen Angebote wie Denkmäler, Gedenkstätten oder Museen, die zum Teil wachsende Besucherzahlen vermelden könnten, erreichten insbesondere technisch reproduzierte Bildmedien mit zeithistorischen Themen ein noch größeres Publikum.2 Grund dafür seien Faktoren wie Ereignischarakter und Provokationspotenzial, aber auch die Vermischung von fiktionalen und nicht-fiktionalen Elementen.3 Diese Entwicklung kritisiert Meyer, da diese Inszenierungen zu einer Unterhaltungsorientierung und einem Kampf um die Gunst der Zuschauer führen.4 Auf diese Weise mutiere die Geschichte zum Spielball eines Erlebnismarktes, der von Konkurrenz um Geld, Zeit und Aufmerksamkeit des Publikums geprägt sei.5

Michael Braun sieht im Kontrast dazu das Zusammenspiel von Fakten und Fiktionen „als Kernmerkmal des Erinnerungsfilms und der Erinnerungsliteratur seit den 1990er Jahren“, die nicht automatisch mit „Unwahrheit, Verfälschung, Willkür oder gar arglistiger Täuschung“ in Verbindung gebracht werden dürfen.6 Die Fiktion sei eine Erfindung des Dichters, die ihren eigenen Gesetzen folge und unabhängig von den geschichtlichen Ereignissen erzähle, was hätte geschehen können.7 Resümierend ist Braun der Meinung, dass sowohl die Verdichtung als auch die Umwandlung des Erlebnismaterials essentiell für die Fiktionalisierung der Fakten seien.8

Die zwei vorgestellten Positionen verdeutlichen die Kontroversität des Themas innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses. Ziel der Unterrichtseinheit ist es, den SuS diese Kontroversität im Laufe der Lerneinheit anschaulich zu präsentieren.

3. Wie können Nachrichtensendungen im Geschichtsunterricht eingesetzt werden?

Der Einsatz des Mediums Fernsehen im Geschichtsunterricht ist aus vielen Gründen sinnvoll. Die JIM-Studie 2014, eine Basisstudie zum Medienumgang 12-bis 19-Jähriger in Deutschland, untersuchte unter anderem die Geräteausstattung in deutschen Haushalten.9 Ein Fernseher sei in 98% der Familien vorhanden und damit in nahezu allen Haushalten vertreten.10 Auch im Bereich der Mediennutzung spiele das Fernsehen unter den Jugendlichen eine gewichtige Rolle. 57% der Befragten gaben an, den Fernseher täglich einzuschalten und 27% der Teilnehmenden erklärten, das Medium mehrmals in der Woche zu nutzen.11 Die Ergebnisse der Jim-Studie bestätigen, dass das Medium Fernsehen fest im Alltag der Jugendlichen verankert ist und durch den Einsatz des Mediums im Unterricht ein Lebensweltbezug sowie Lebensnähe und Authentizität schulischen Lernens ermöglicht werden kann.

Bezüglich des Fernseheinsatzes im Unterricht wurden unterschiedliche Vorgehensweisen entwickelt und vorgestellt. Jost Funke rückte 1974 den in der heutigen Wissenschaft weiterhin anerkannten Terminus des „Fernsehunterrichts“12 in den Mittelpunkt der Diskussion. Bei der Betrachtung des Mediums Fernsehen sind laut Funke drei Phasen durchzuführen.13 Der präparierende Unterricht sei vor der Fernsehsendung zu bewerkstelligen und beinhalte eine Zusammenfassung der theoretischen Fernsehkenntnisse, eine Sammlung der Informationen bezüglich der erwarteten Sendung und die Erarbeitung eines Fragenkomplexes.14 Darauf folge der simultane Unterricht, der durch das Formulieren von Fragen, Kommentaren und Notizen gekennzeichnet sei.15 Der retrospektive Unterricht stellt nach Jost den Abschluss der in drei Phasen gegliederten Femsehanalyse und die wichtigste Analyseebene dar.16 Diese Form der Nachbereitung fasse die wichtigsten Ergebnisse der vorangegangen zwei Phasen zusammen und sei Voraussetzung für die Erarbeitung der geplanten Ziele.17

Mit den Vorzügen bezüglich des Film- und Femseheinsatzes im Geschichtsunterricht hat sich Gerhard Schneider auseinandergesetzt. Schneider stellt unter anderem Charakteristika wie Ausdrucksstärke, Suggestivität oder Erlebnisqualität in den Mittelpunkt, die das Medium Film von anderen Medien unterscheidet.18 Zudem sei das Medium von einer enormen Glaubwürdigkeit seitens der Zuschauer geprägt und führe zu Phantasietätigkeit, Identifikation und Parteinahme.19 Günther Anders kritisiert hingegen, dass diese Zuschauerinvolvierung den Rezipienten zu einem bloßen Reizempfänger herabwürdigt, dem das Sprechen abgenommen werde und zu einem Unmündigen verwandele.20 Zöchbauer sieht darüber hinaus die Gefahr des Missbrauches und der Manipulation des Zuschauers durch das Medium Fernsehen, wenn es unter Kontrolle eines Staates oder einer politischen Partei gerate.21

Resümierend ist jedoch festzustellen, dass das Medium Fernsehen aufgrund seiner Popularität unter den Jugendlichen und der genannten Vorzüge zu einem interessanten und abwechslungsreichen Geschichtsunterricht beitragen kann.

4. Welche Lernziele stehen für den geplanten Unterricht im Mittelpunkt?

Die Entwicklung von Lernzielen ist für die Unterrichtsplanung von immenser Bedeutung. Hilbert Meyer definiert Lemziele folgendermaßen: „Ein Lemziel ist die sprachlich artikulierte Vorstellung über ein gewünschtes Lernergebnis.“22 Nach Ansicht Meyers wird durch die Formulierung von Lemzielen festgelegt, was die Schüler am Ende der Stunde können sollten.23 Die Ziele einer Unterrichtsstunde werden im Stundenentwurf begründet, wobei drei Begründungsdimensionen - fachlich, curricular oder methodisch-sozial - einbezogen werden können.24 Ein weiterer grundlegender Begriff stellt nach Meyer die Zieldifferenzierung dar, da eine Vielzahl der Klassen durch heterogene Zusammensetzungen charakterisiert und individuelle Zielsetzungen zu formulieren seien.25

Bei der Aufstellung der Lemziele fungierten die Lemzielebenen nach Möller als nützliche Orientierung. Möller unterscheidet zwischen einem Richtziel, einem Grobziel und einem Feinziel, die nach ihrem Abstraktionsniveau unterschieden werden.26

Folgende Richtziele, die durch ihre fächerübergreifende Gültigkeit und Akzeptanz charakterisiert seien, stehen für die zu präsentierende Lerneinheit im Vordergrund.27

Die SuS werden überWerte unserer freiheitlich-demokratischen Werteordnung informiert.

Die SuS werden über ihre politische und soziale Verantwortung innerhalb der Gesellschaft aufgeklärt.

Die SuS werden zur Wahrnehmung von Rechten und Pflichten in der Gesellschaft befähigt. Die SuS werden zur Toleranz, Achtung von der Würde des anderen Menschen und Respekt vor anderen Überzeugungen erzogen.

Die Grobziele seien im Kontrast zu den Richtzielen von einer inhaltlich-thematischen Eingrenzung geprägt, sodass eine Anpassung der Lernziele an das Thema der Unterrichtsstunde vorzunehmen sei.28

Die SuS lernen Eigenschaften und Charakteristika von Gedenktagen kennen.

Die SuS erlangen eine Einsicht in die Reaktionen der westdeutschen Gesellschaft auf den

[...]


1 Vgl. Meyer, Erik: Erinnerungskultur 2.0? Zur Transformation kommemorativer Kommunikation in digitalen, interaktiven Medien. In: Meyer, Erik (Hg.): Erinnerungskultur 2.0. Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien (=Schriftenreihe des Zentrums für Medien und Interaktivität; Bd.6). Frankfurt/Main 2009, S.175.

2 Vgl. Ebd.S.176.

3 Vgl. Ebd.S.176f.

4 Vgl. Meyer, S.177.

5 Vgl. Ebd.S.178.

6 Braun, Michael: Wemgehörtdie Geschichte? ErinnerungskulturinLiteraturundFilm. Münster220 13, S.llf.

7 Vgl. Ebd.S.ll.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. Rathgeb, Thomas: JIM-Studie 2014. Jugend, Information, (Multi-) Media. Basisstudie zum Medienumgang 12-bis 19-JährigerinDeutschland. Stuttgart2014, S.6.

10 Vgl. Ebd.

11 Vgl. Ebd. S.ll.

12 „Femsehunterricht bezeichnet bereits die Vermittlung von Sachwissen aus den technischen, künstlerischen und medienspezifischen Bereichen des Fernsehens“; Funke, Jost: Fernsehen im Unterricht. Zur Didaktik und MethodikdervisuellenErziehung. Stuttgart21974, S.78.

13 Vgl. Funke, S.92.

14 Vgl. Ebd.

15 Vgl. Ebd. S.95.

16 Vgl. Ebd. S.97.

17 Vgl. Ebd.

18 Vgl. Schneider, Gerhard: Filme. In: Pandel, Hans-Jürgen/ Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Medienim Geschichtsunterricht. Schwalbach/Ts. 1999, S.370.

19 Vgl. Ebd. S.371.

20 Vgl. Zöchbauer, Franz: Film und Fernsehen. In: Steiner, Adolf A.: Massenmedien in Unterricht und Erziehung. Grundlagen und Unterrichtsbeispiele zu Presse - Film - Funk - Fernsehen. Wiesbaden 1969, S.107.

21 Vgl. Ebd. S.110.

22 Meyer, Hilbert: LeitfadenUnterrichtsvorbereitung. Berlin32007, S.193.

23 Vgl. Ebd.

24 Vgl. Ebd. S.194.

25 Vgl. Ebd.

26 Vgl. Gonschorek, Gemot/ Schneider, Susanne: Einführung in die Schulpädagogik und die Unterrichtsplanung (=Reihe Schule undUnterricht). Donauwörth2000, S.123.

27 Vgl. Ebd.

28 Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Eine Nachrichtensendung als geeignetes Medium für den Geschichtsunterricht?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,6
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V379474
ISBN (eBook)
9783668579101
ISBN (Buch)
9783668579118
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, nachrichtensendung, medium, geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Dominik Gros (Autor), 2016, Eine Nachrichtensendung als geeignetes Medium für den Geschichtsunterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379474

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