Bestimmung des Kapitalkostensatzes im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswertes gemäß IAS 36 in der Literaturkommentierung

Darstellung, Vergleich und Würdigung


Bachelorarbeit, 2017

50 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen und Problemkreise

2.1 Grundlagen

2.2 Problemkreis Eigenkapitalkostensatz

2.3 Problemkreis Fremdkapitalkostensatz

2.4 Problemkreis Gewichtung und Adjustierung

2.5 Problemkreis Vorsteuerzinssatz

3 Methodik

3.1 Auswahl der Literaturkommentierungen

3.2 Bestimmung der Beurteilungskriterien

3.2.1 Formale Kriterien

3.2.2 Materielle Kriterien

4 Einzeldarstellung und Vergleich der Kommentierungen

4.1 Formale Kriterien

4.1.1 Aufbau

4.1.2 Umfang der Ausführungen

4.1.3 Anschauungsmaterialien

4.2 Materielle Kriterien

4.2.1 Behandlung der Problemkreise

4.2.2 Argumentation

5 Kritische Würdigung

Literaturverzeichnis


1 Einführung

 

„Erfinden Dax-Konzerne ihre ‚Kapitalkosten‘?“,[1] hinterfragt ein kritischer Artikel des Handelsblatts aus dem Jahr 2012. Der Autor kritisiert darin u. a. die Ermessensspielräume, die sich  auch im Hinblick auf den Kapitalkostensatz  ergeben. Doch was ist der Kapitalkostensatz?

 

Gewisse in der Bilanz angesetzte Vermögenswerte können in ihrem Wert gemindert sein, weshalb regelmäßig Wertminderungstests durchzuführen sind. Der einschlägige internationale Bilanzierungsstandard hierzu ist IAS 36, der Wertminderungen des Anlagevermögens regelt. Alsbald ein solcher Test durchgeführt werden muss, ist auch ein sog. Nutzungswert zu berechnen. Der Nutzungswert als geschätzte zukünftige Cashflows aus der Nutzung eines Vermögenswertes ist ein Barwert. Dies hat zur Folge, dass die Cashflows zu diskontieren sind, um den Zeitwert des Geldes zu berücksichtigen. Die Ermittlung dieses Kapitalkostensatzes ist die übergeordnete Thematik dieser Arbeit. Das Konsultieren von Kommentierungen kann dazu beitragen, die von Häring beanstandete Willkür bei der Ermittlung zu verringern.

 

Auf den ersten Blick erscheint der Regelungsumfang von IAS 36 detailliert, doch die Ausführungen zum zu verwendenden Kapitalkostensatz sind knapp und auslegungsbedürftig. Dass die Frage nach einem adäquaten Kapitalkostensatz nicht trivial ist und Raum für Bilanzpolitik oder gar Manipulation bietet, zeigt auch die Tatsache, dass die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die Ableitung des Kapitalkostensatzes für das Jahr 2014 als Prüfungsschwerpunkt aufgenommen hat.[2] Außerdem wurden in der Vergangenheit mehrere Verstöße hinsichtlich des Diskontierungszinssatzes festgestellt und nach § 37q Absatz 2 Satz 1 Wertpapierhandelsgesetz veröffentlicht.[3]

 

Ein IFRS-Bilanzierer, der beispielweise seine selbstgenutzte und eigenentwickelte Software einem Wertminderungstest unterzieht, ist vor das Problem gestellt, im Rahmen der Nutzungswertermittlung einen angemessenen Zinssatz zu bestimmen. Wird dieser zu gering bemessen, so wird u. U. kein Wertminderungsbedarf ausgelöst, bei einem zu hohen Zinssatz besteht die Gefahr einer Unterbewertung. Da Wertminderungstests geringstenfalls jährlich durchzuführen sind und sich der Kapitalkostensatz im Zeitablauf ändert, wiederholen sich die dabei auftretenden Schwierigkeiten.

 

Eine Auseinandersetzung mit dem Thema lohnt sich, da mit einem adäquaten und stringent ermittelten Kapitalkostensatz ein weiterer Grundstein für den passenden Wertminderungsbedarf und damit für eine zuverlässige Berichterstattung gelegt wird. Aufgrund der knappen Ausführungen im Standard ist in praxi eine Kommentierung zu konsultieren. Eine Analyse von Kommentierungen ist daher hilfreich, um zu erkennen, welches Werk insgesamt oder zu einem bestimmten Problembereich am besten geeignet ist. Das Hauptziel dieser Arbeit ist, dem Leser einen Einblick in die unterschiedlichen Kommentierungen zu ermöglichen und für bestimmte Kriterien die geeignetsten Werke zu identifizieren.

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst die Grundlagen des Themas erläutert und mögliche Problemfelder herausgearbeitet. Darauf aufbauend wird die Methodik erklärt, wonach die einzelnen Kommentierungen ausgewählt und bewertet werden. Danach werden die verschiedenen Kommentarmeinungen anhand der vorher bestimmten Kriterien analysiert und miteinander verglichen. Eine kritische Würdigung rundet die Arbeit ab.

 

Diese Abschlussarbeit konzentriert sich auf den Zinssatz, mit dem der Nutzungswert zu diskontieren ist. Die Thematik im Zusammenhang mit dem eng verwandten Nettoveräußerungspreis bleibt unberücksichtigt.

 

2 Grundlagen und Problemkreise

 

In dem vorliegenden Abschnitt sollen die Grundlagen der Bestimmung des Kapitalkostensatzes nach IAS 36 vorgestellt, sowie damit verbundene sog. Problemkreise erläutert werden. Unter Problemkreise werden hier thematisch eng verwandte Erschwernisse, die bei der Kapitalkostensatzermittlung aufkommen können, gefasst. Die Problemkreise werden später bei der materiellen Einzeldarstellung und dem Vergleich der Kommentierungen (Abschnitt 3.2.2) wieder aufgegriffen.

 

2.1 Grundlagen

 

Der Anwendungsbereich von IAS 36 (Wertminderung von Vermögenswerten) wird durch eine Negativabgrenzung definiert (IAS 36.2) und erstreckt sich dadurch im Wesentlichen auf das Sachanlagevermögen, immaterielle Vermögenswerte des Anlagevermögens und den derivativen Geschäfts- oder Firmenwert. IAS 36 regelt die Konzeption, wodurch jeder Vermögenswert am Abschlussstichtag mithilfe eines Wertminderungstests (sog. „impairment test“) auf Werthaltigkeit zu überprüfen ist, sofern ein Anhaltspunkt für eine Wertminderung vorliegt.[4] Der Vermögenswert ist dann in seinem Wert gemindert, wenn dessen Buchwert den erzielbaren Betrag übersteigt (IAS 36.59).

 

Der erzielbare Betrag ist der größere Betrag aus Nettoveräußerungspreis[5] und Nutzungswert. Das Kalkül dahinter ist, dass ein rational handelnder Unternehmer bei einem größeren Nettoveräußerungspreis den Vermögenswert verkaufen würde, während er ihn im Unternehmen behielte und weiter nutzte, sofern der Nutzungswert höher ist.[6]

 

Wie berechnen sich nun jeweils der Nettoveräußerungspreis und der Nutzungswert? Der Nettoveräußerungspreis ist der Betrag, zu dem ein Vermögenswert zwischen sachverständigen Dritten getauscht werden kann (beizulegender Zeitwert) abzüglich Veräußerungskosten (IAS 36.6). Der Nutzungswert ist der Barwert der geschätzten künftigen Cashflows, die aus der Nutzung und seinem Abgang am Ende der Nutzungsdauer eines Vermögenswertes erwartet werden (IAS 36.6).

 

Die Bestimmung des Nutzungswertes umfasst gem. IAS 36.31 zunächst die Schätzung der zukünftigen Cashflows aus der Nutzung des Vermögenswertes und „die Anwendung eines angemessenen Abzinsungssatzes für jene künftigen Cashflows“ (IAS 36.31 lit. b). Das IASB stellt mit IAS 36.55 bestimmte Anforderungen bei dessen Ermittlung. Zum einen wird ein Vorsteuerzinssatz verlangt, zum anderen soll er sowohl den Zinseffekt, als auch alle speziellen Risiken, die bei der Schätzung der Cashflows nicht berücksichtigt wurden, widerspiegeln. Somit wäre der Diskontierungszinssatz diejenige Rendite, die ein Investor für eine vergleichbare Investition verlangen würde (IAS 36.56). Überdies muss der Abzinsungssatz berücksichtigen, welche Annahmen bei der Schätzung der Cashflows getroffen wurden. Andernfalls würden Annahmen ggf. doppelt in die Berechnung einfließen (IAS 36.56). Der Zinssatz ist grundsätzlich abzuleiten auf Basis von Zinssätzen vergleichbarer Markttransaktionen, gewichteten Kapitalkosten eines börsennotierten Unternehmens, das einen vergleichbaren Vermögenswert besitzt, oder anderen marktorientierten Fremdkapitalzinsen (IAS 36.A17). Das IDW hält das Konzept der gewichteten Kapitalkosten für geeignet (IDW RS HFA 40.17), das gem. IAS 36.A17 Anwendung finden kann.

 

Bei der Bestimmung des Kapitalkostensatzes kommt es zu bestimmten Problemkreisen bezüglich des Eigen- und des Fremdkapitalkostensatzes, der Gewichtung dieser sowie der Bestimmung eines adäquaten Vorsteuerzinssatzes. Diese Problemkreise werden nachfolgend dargestellt. Von den Kommentierungen wird später erwartet, dass sie diese Erschwernisse thematisieren und argumentativ Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

 

2.2 Problemkreis Eigenkapitalkostensatz

 

Da der Eigenkapitalkostensatz für einzelne Vermögenswerte i. d. R. nicht am Kapitalmarkt ablesbar ist (IAS 36.BCZ55), muss eine alternative Ermittlungsmöglichkeit bestehen. In IAS 36.A17a nennt das IASB diesbezüglich ausdrücklich das Capital Asset Pricing Model (CAPM), bei dem gilt[7]:

 

 

 rEK: Eigenkapitalkostensatz

 i: risikoloser Zinssatz

 b: systematisches wertpapierspezifisches Risiko

 rm: erwartete riskante Rendite des Marktportfolios

 

Demnach wird der Eigenkapitalkostensatz durch Addition eines risikolosen Zinssatzes (das entspricht der Anforderung aus IAS 36.55a) und einer Risikoprämie (IAS 36.55b) ermittelt.[8]

 

Als eher unproblematisch in der Ermittlung stellt sich der risikolose Zinssatz heraus. Er repräsentiert den Zeitwert des Geldes[9] und kann durch Renditen deutscher Staatsanleihen sowie das Heranziehen der Zinsstrukturkurve berechnet werden.[10]

 

Weitaus schwieriger zu ermitteln ist die sog. Risikoprämie als Produkt aus einer durchschnittlichen Marktrisikoprämie und einem Beta-Faktor.[11] Dabei handelt es sich bei der durchschnittlichen Marktrisikoprämie um die Differenz aus Marktrendite für riskante Anlage und dem risikolosen Zinssatz[12] (und damit um die Prämie, die ein Investor für das zusätzliche Risiko verlangt). Der Beta-Faktor ist das wertpapierspezifische Risiko und resultiert aus den ex post beobachteten Renditeschwankungen des Wertpapiers.[13]

 

Da der zu betrachtende Vermögenswert zumeist nicht an der Börse gehandelt wird, gestaltet sich die Ermittlung eines geeigneten Beta-Faktors als schwierig. In diesem Fall sind adäquate Vergleichsbetas zu ermitteln.[14] Für nicht börsennotierte Vermögenswerte (und damit fehlenden Marktdaten) kann der Beta-Faktor mithilfe von Analogie- oder Analyseverfahren ermittelt werden.[15] Durch Analogieverfahren greift man auf Beta-Faktoren anderer Unternehmen zurück und findet solche in der gleichen Branche, die ähnliche Produkte anbieten (pure player beta), nur branchenähnliche Unternehmen (industry beta) oder eine Vielzahl von Referenzunternehmen (peer group beta).[16] Bei den Analyseverfahren kommt es zur Untersuchung von Faktoren, die den Beta-Faktor beeinflussen.[17] Das können die Gewinngröße (earning beta), mehrere Jahresabschlussdaten (accounting beta) oder eine Kombination aus Jahresabschlussdaten, Branchendaten und weiteren Daten sein (fundamental beta).[18]

 

Eine weitere Thematik in Bezug auf den Beta-Faktor erweist sich als problematisch: Die bekanntgemachten Beta-Faktoren beziehen sich auf fremdfinanzierte Unternehmen und beinhalten damit auch das zusätzliche Risiko, das durch die Verschuldung resultiert. Gem. IAS 36.A19 soll sich das Kapitalstrukturrisiko jedoch nicht in den Kapitalkosten niederschlagen, daher ist aus dem veröffentlichten Beta-Faktor das Kapitalstrukturrisiko zu eliminieren.[19]

 

2.3 Problemkreis Fremdkapitalkostensatz

 

Der für den WACC benötigte Fremdkapitalkostensatz entspricht dem marktüblichen Zinssatz für die Aufnahme von Fremdkapital, wobei das Risiko vergleichbar sein muss.[20] Das IASB verweist dabei auf die Verzinsung von Neukrediten des Unternehmens (IAS 36.A17 lit. b). Da der Abschluss von Fremdfinanzierungsverträgen für einzelne Vermögenswerte am Kapitalmarkt regelmäßig nicht erfolgt, erscheint u. U. die Ermittlung der Fremdkapitalkosten auf Gesamtunternehmensebene folgerichtig.[21] Alternativ könnte auch ein credit spread herangezogen werden, der dem risikolosen Zinssatz zugeschlagen wird.[22] Die Schätzung dieses Kreditaufschlags ist aufgrund der hohen Volatilität der Marktdaten regelmäßig problematisch.[23]

 

2.4 Problemkreis Gewichtung und Adjustierung

 

Eigen- und Fremdkapitalkosten können durch das Konzept der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (weighted average cost of capital, kurz WACC) bestimmt werden. (IAS 36.A17). Dieser berechnet sich wie folgt

 

 

 kWACC: gewogene durchschnittliche Kapitalkosten (WACC)

 rEK: Renditeforderung der Eigenkapitalgeber

 rFK: Renditeforderung der Fremdkapitalgeber

 EKMW: Eigenkapital zu Marktwerten

 FKMW: Fremdkapital zu Marktwerten

 GKMW: Gesamtkapital zu Marktwerten

 s: Ertragsteuersatz

 

Nach IAS 36.A19 ist diese Berechnung unabhängig von der effektiven Kapitalstruktur des Unternehmens vorzunehmen, weshalb auf branchentypische Kapitalstrukturen zurückzugreifen ist.[24] Bei nicht zu großer Abweichung zur Kapitalstruktur typischer Marktteilnehmer, ist aber eine Ausrichtung an der Kapitalstruktur des Unternehmens dennoch denkbar.[25] Obwohl die Gewichtung zu Marktwerten zu erfolgen hat, werden in praxi häufig Buchwerte herangezogen[26], was erhebliche Verzerrungen des Kapitalkostensatzes zur Folge haben kann.[27]

 

Wurde der WACC schließlich bestimmt, so ist dieser dann ggf. noch nach IAS 36.A18 durch Zu- oder Abschläge an das spezifische Risikoprofil des Bewertungsobjektes, an Länderrisiken sowie an Währungsrisiken anzupassen. Der Standard lässt offen, wie diese Adjustierungen zu erfolgen haben, weshalb eine Problematik resultiert.

 

2.5 Problemkreis Vorsteuerzinssatz

 

IAS 36.55 fordert ausdrücklich einen Diskontierungszinssatz vor Steuern. Die am Kapitalmarkt beobachtbaren Renditen enthalten jedoch zumeist Steuereffekte, die daher bereinigt werden müssen (IDW RS HFA 40.53) und auch der Anhang IAS 36.A17 verlangt die Umrechnung eines Nachsteuerzinssatzes in einen Vorsteuerzinssatz. Zwei typische Verfahren stehen theoretisch zur Disposition: Zum einen das „Hochschleusen“ des Nachsteuerzinssatzes und zum anderen die iterative Berechnung des Vorsteuerzinssatzes (IAS 36.BCZ85).

 

Bei der Vorgehensweise des „Hochschleusens“ handelt es sich um eine einfache Proportionalitätsrechnung. Unter Annahme von Linearität gilt[28]:

 

 

Beispielsweise beträgt bei einem Nachsteuerzinssatz cnach Steuern von 10 % und einem Steuersatz s von 20 % der Vorsteuerzinssatz 12,5 %.

 

Die iterative Berechnung des Vorsteuerzinssatzes beruht auf der Annahme, dass eine Diskontierung von Cashflows nach Steuern mit einem Nachsteuerzinssatz zu dem gleichen Ergebnis führt wie eine Diskontierung von Cashflows vor Steuern mit einem Vorsteuerzinssatz (IAS 36.BCZ85). Demgemäß wird zuerst der Nutzungswert nach Steuern berechnet und dann mithilfe der Cashflows vor Steuern der Zinssatz bestimmt, der zum Nutzungswert nach Steuern führt.[29]

 

Beide Verfahren sind in der Theorie denkbar und können unter bestimmten Umständen zum selben Zinssatz führen. Das „Hochschleusen“ ist indes nur bei gleichbleibenden Cashflows annehmbar, stark ansteigende Cashflows verzerren das Ergebnis[30]. Die Beispiele in IAS.36.BCZ85 verdeutlichen diesen Umstand. Daher wird diese Vorgehensweise größtenteils abgelehnt (IAS 36.BCZ85, IDW RS HFA 40.53). Auch das Gros der Unternehmen orientiert sich an der iterativen Vorgehensweise.[31]

 

3 Methodik

 

In diesem Kapitel werden sowohl die Auswahl der Kommentierungen erläutert, als auch die Kriterien, nach denen die Kommentierungen beurteilt werden sollen, bestimmt.

 

3.1 Auswahl der Literaturkommentierungen

 

Aufgrund der hohen Anzahl an Kommentierungen zu den IFRS kann in dieser Arbeit nur eine Auswahl getroffen werden. Diese Auswahl erfolgt in mehreren Schritten und anhand dieser Kriterien:

 

 Grundsätzlich soll es sich um einen IFRS-Kommentar handeln und nicht bloß um einen handelsrechtlichen Kommentar mit kurzen IFRS-Vergleichen. Das Grundwerk muss sich zumindest zur Hälfte mit IFRS beschäftigen, schließlich geht es um die Kapitalkostensatzbestimmung nach IAS 36.

 

 Sowohl ältere, etablierte Werke als auch neue und in der Erstauflage erschienene Kommentierungen werden ausgewählt. Für die etablierten Werke sprechen eine hohe Akzeptanz und ein großer Stellenwert, für die Jüngeren neue Sicht- und Vorgehensweisen.

 

 Es werden dabei nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch juristische und praxisnahe Werke einbezogen, um ein möglichst breites Spektrum an Kommentarmeinungen zu analysieren.

 

Auf Basis dieses Auswahlverfahrens wurden die nachstehenden Kommentierungen ausgewählt. Ersatzweise wird an einigen Stellen der Arbeit aus Lesbarkeitsgründen die jeweils in Klammern angegebene Kurzform anstelle des Titels der Kommentierung verwandt.

 

Als meistverwendeter[32] Kommentar zu den internationalen Bilanzierungsrichtlinien wird das Werk Haufe IFRS-Kommentar (Haufe) ausgewählt, da durch den hohen Bekanntheitsgrad eine Akzeptanz der enthaltenen Meinungen zu vermuten ist. Diese werden dann auch entsprechend häufig Einzug in die gängige Rechnungslegungspraxis erhalten haben. Das gebundene Werk wird bereits auf dem Buchcover als „[d]as Standardwerk“ bezeichnet, was eine nähere Betrachtung unausweichlich werden lässt. Die einzigen drei Autoren Lüdenbach, Hoffmann und Freiberg (alle Wirtschaftsprüfer) geben das Werk, das 2003 erstmals erschien, nun bereits in der 15. Auflage (2017) heraus. Damit ist es das älteste Grundwerk der in dieser Arbeit ausgewählten Kommentierungen. Es handelt sich um eine klassische betriebswirtschaftliche Kommentierung.

 

Mit der Kommentierung Rechnungslegung nach HGB und IFRS (ReLe) von den Herausgebern Merkt, Probst und Fink wird ein erst seit Februar 2017 erschienenes und damit komplett neues Werk mit in den Vergleich einbezogen. Es handelt sich um ein neuartiges Konzept, da HGB und IFRS unmittelbar gegenübergestellt werden. Die Auswahl dieser Kommentierung erscheint angebracht und zweckmäßig, da sie sich als Ergänzung zu den bestehenden Kommentierungen sieht[33]. Dies impliziert die Absicht der Herausgeber, einer Vervollständigung fehlender Inhalte anderer Kommentierungen. 13 der insgesamt 31 Autoren sind Wirtschaftsprüfer, sieben sind Professoren, vier Rechtsanwälte. Auch hier handelt es sich um eine gebundene betriebswirtschaftliche Kommentierung.

 

Hinsichtlich der handelsrechtlichen Kommentarmeinung ist der Beck’sche Bilanzkommentar als Standardwerk unverzichtbar. Das Beck’sche IFRS-Handbuch (Beck) als Pendant für die internationalen Bilanzierungsvorschriften ist aus diesen Gründen ebenfalls in die Betrachtung eingegangen. Von den insgesamt 38 Autoren des Werkes sind 30 Wirtschaftsprüfer, vier Rechtsanwälte und einer Professor. Das Werk wurde in der Vergangenheit alle zwei bis drei Jahre aktualisiert. Mit der Erstauflage im Jahr 2004 und der nun vollständig überarbeiteten fünften Auflage (2016) handelt es sich um eine eher ältere, klassische betriebswirtschaftliche Kommentierung in gebundener Form.

 

Aus einer anderen Fachrichtung bewegt sich das Werk Internationales Bilanzrecht (IntBilR) von den Herausgebern Thiele, von Keitz und Brücks. Der Verlag Stollfuß Medien GmbH & Co. KG publizierte früher vor allem steuerliche Fachliteratur sowie Steuerberatungssoftware[34], daher wird der Kommentierung ein steuerlicher Hintergrund zugesprochen  gleichwohl handelt es sich ausdrücklich nicht um eine steuerliche Kommentierung. Das Konzept folgt hier einer einheitlichen Struktur, vor jedem Standard erfolgt stets eine Einführung. Die Loseblattsammlung wurde bereits 31 Mal aktualisiert, zuletzt im August 2017, wobei die Erstauflage im Jahr 2008 erschien. Von den 56 Autoren sind 14 Professoren und zehn Wirtschaftsprüfer. Das Werk teilt sich in zwei Bände auf und mit rund 3.200 Seiten handelt es sich in dieser Arbeit um die insgesamt umfangreichste betriebswirtschaftliche Kommentierung, noch vor dem Haufe IFRS-Kommentar (2.544 Seiten) und dem Beck’schen IFRS-Handbuch (2.216 Seiten).

 

Da auch der juristische Bereich die IFRS nachhaltig beeinflusst, wird mit dem Münchener Kommentar zum Bilanzrecht (MüKoBilR) eine juristische Kommentarmeinung in die Auswahl aufgenommen. Er ergänzt nach eigener Aussage die Kommentare zum Gesellschaftsrecht,[35] wodurch ein juristischer Hintergrund zu konstatieren ist. Die Reihe der Münchener Kommentare beinhaltet unter anderem auch die Kommentare zum Bürgerlichen Gesetzbuch, zum Handelsrecht, zum Strafgesetzbuch und weitere. Hier fügt sich der Kommentar zum Bilanzrecht ein. Er erschien in zwei Bänden, die die handelsrechtlichen und die internationalen Bilanzierungsvorschriften physisch voneinander trennen. Das rund 1.800 Seiten umfassende Faszikelwerk wurde seit der Erstauflage im Jahr 2009 bereits fünf Mal aktualisiert, zuletzt im September 2014. Von den 52 Autoren sind 20 Professoren und 14 Wirtschaftsprüfer.

 

Mit dem Manual of Accounting (MoAcc) von PricewaterhouseCoopers und iGAAP von Deloitte wurden zwei Praxiskommentierungen der führenden[36] Wirtschaftsprüfungsgesellschaften ausgewählt. Als Leitfaden mit dem Schwerpunkt auf die Fragen der praktischen Umsetzung richten sich diese vornehmlich an die Praxisanwender und Prüfer von internationaler Rechnungslegung. Da sie ausschließlich von Praktikern geschrieben wurden, eröffnen sich hierdurch neue Sichtweisen, insbesondere auf praxisrelevante Problembereiche. Kontrastierend zu den anderen ausgewählten Kommentierungen verfolgen die Ausführungen von PwC ein gänzlich anderes, mehr praxisorientierteres Konzept: Im vorangehenden erklärenden Teil („explanatory text“) werden Fragen aufgeworfen, die dann in einem sich anschließenden veranschaulichenden FAQ-Teil („illustrative text“) beantwortet werden. Das Manual of Accounting von PwC erscheint seit 2006 jedes Jahr neu.

 

iGAAP von Deloitte verfolgt ein ähnliches Ziel wie das MoAcc von PwC, lediglich der Aufbau erfolgt rein erklärend, ohne FAQ-Teil. Es beinhaltet knapp 1.400 Seiten und erscheint seit 2005 jedes Jahr als gebundene Ausgabe neu.

 

Eine weitere Kommentierung aus der Praxis stellt der englischsprachige Kommentar Interpretations and Application of IFRS Standards (Wiley) von Wiley dar, dessen zehn Autoren weitestgehend von der PKF International Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stammen. Es stellt eine vollständige Erklärung der IFRS mit Anwendungsbeispielen dar. In Abgrenzung zu den Kommentierungen der Big4 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (MoAcc und iGAAP) handelt es sich um ein weltweites Netzwerk rechtlich unabhängiger Unternehmen und somit nicht um eine sog. klassische „Big4-Kommentierung“. Hierdurch soll eine breitere Perspektive aus Praxiskommentierungen erreicht werden, die nicht ggf. durch den Einfluss der Big4 verzerrt wird. Es erscheint seit 1998 (damals noch Wiley IAS) jedes Jahr neu, die neueste Ausgabe umfasst rund 1.000 Seiten.

 

Tabelle 1 fasst die Auswahl zusammen.

 

 

Tabelle 1: Auswahl der Kommentierungen

 

3.2 Bestimmung der Beurteilungskriterien

 

Um die ausgewählten Kommentierungen äußerlich und gegenständlich beurteilen zu können, werden formale und materielle Beurteilungskriterien entwickelt. Bei den formalen Kriterien (Abschnitt 3.2.1) wird die äußere Form, wie z. B. der Aufbau und der Umfang der Kommentierungen untersucht. Der inhaltliche Vergleich erfolgt anhand materieller Kriterien (Abschnitt 3.2.2).

 

Dabei wird stets die folgende Bewertungsskala zugrunde gelegt, da sie den besten Kompromiss aus Handhabbarkeit und Differenziertheit darstellt.

 

 

Tabelle 2: Bewertungsskala

 

3.2.1 Formale Kriterien

 

Zunächst werden der Aufbau und die Struktur der Kommentierungen analysiert, insbesondere der allgemeine Aufbau, die Gliederung und in welchem Abschnitt sich die Ausführungen zur Bestimmung des Kapitalkostensatzes gem. IAS 36 befinden. Ausgehend von der schlechtesten Bewertung werden Aufwertungen auf die nächstbesseren Stufen für die folgenden Eigenschaften vorgenommen:

 

 Es ist ein Register vorhanden, das den IAS/IFRS den entsprechenden Abschnitt in der Kommentierung zuordnet: Aufwertung um eine Stufe.

 

 Die Ausführungen zum Kapitalkostensatz sind an sich nochmals untergliedert: Aufwertung um eine Stufe.

 

 Ein Stichwortverzeichnis ist vorhanden und die Stichwörter Kapitalkostensatz bzw. discount rate oder synonyme Begriffe führen direkt zu den Ausführungen: Aufwertung um zwei Stufen.

 

Das Kalkül hinter dieser Vorgehensweise gestaltet sich wie folgt: Das Vorhandensein eines Stichwortverzeichnisses und das hierdurch schnelle Auffinden der Ausführungen über die Bestimmung des Kapitalkostensatzes ist essentiell, da es sich bei den Kommentierungen um Nachschlagewerke handelt. Außerdem erscheint es zweckmäßig, nach IAS 36 zu suchen, daher ist auch ein entsprechendes Register unerlässlich (sofern das Werk nicht bereits normenstrukturiert ist). Die Untergliederung der Ausführungen zur Bestimmung des Kapitalkostensatzes verbessern die Lesbarkeit und führen zu einem rascheren Auffinden des entsprechenden Problemkreises.

 

Mithilfe des Umfangs der Ausführungen kann gemessen werden, wie hoch der Informationsgehalt zunächst ausfällt. Da es sich bei den zu untersuchenden Kommentierungen um Fachliteratur handelt, wird eine Linearität zwischen Umfang und Informationsgehalt angenommen: Mit steigendem Umfang nimmt auch der Informationsgehalt zu. Die Messung wird nicht anhand der Seitenanzahl, sondern anhand der Wortanzahl vorgenommen, um so Unterschiede in Layout und Seitengröße zu berücksichtigen. Ferner werden Überschriften und wörtliche IAS-Zitate nicht mitgerechnet. Zahlen gelten als Wörter. Vorgreifend ergibt sich für die Kommentierung mit der längsten Ausführung (4.200 Wörter) die beste Bewertung (++), während aus der kürzesten Darstellung (672 Wörter) die schlechteste Bewertung (– –) resultiert. Durch das Kalkül  errechnet sich ein Abstand von 882 Wörtern für die einzelnen Bewertungsstufen. Es resultiert das nachfolgende Bewertungsraster.

 

 

Tabelle 3: Bewertungsraster zum Umfang

 

Als abschließendes Beurteilungskriterium dienen Anschauungsmaterialien wie Beispiele, Tabellen oder Abbildungen zur Berechnung des Kapitalkostensatzes. Da sich hierdurch anschaulich darlegen lässt, wie beispielsweise der Vorsteuerzinssatz zu berechnen ist, betonen solche Materialien eine leserfreundliche Kommentierung. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass sich etwaige Beispiele von IAS 36.BCZ85 unterscheiden, andernfalls wäre ein Informationsmehrwert nicht vorhanden.[37]

 

Es erscheint angemessen, dem Leser pro Problemkreis ein Anschauungsmaterial zu bieten. Somit ergibt sich bei vier Materialien die beste Bewertung. Dies betrifft nur die Anzahl insgesamt, es können theoretisch auch vier Materialien für einen Problemkreis und keine für die anderen dargelegt werden. Daraus ergibt sich:

 

 

 

Tabelle 4: Bewertungsraster zu Anschauungsmaterialien

 

Überdies wird für besonders gelungene und hilfreiche Anschauungsmaterialien eine Aufwertung vorgenommen, sofern dies sinnvoll erscheint.

 

3.2.2 Materielle Kriterien

 

Hinsichtlich der materiellen Kriterien soll zunächst untersucht werden, ob und inwieweit die in Abschnitt 2 dargestellten Problemkreise in den verschiedenen Kommentierungen thematisiert und problematisiert werden. Für jeden zumindest grob behandelten Problemkreis kann ein Punkt erreicht werden. Für eine besondere Güte der Ausführungen kann für jeden Problemkreis ein weiterer Punkt erlangt werden, womit insgesamt acht Punkte zu erreichen sind. Für die eingehende Behandlung weiterer Thematiken, die nicht unter die zentralen Problemkreise gemäß Abschnitt 2 gefasst wurden, kann ein Zusatzpunkt erreicht werden, soweit die Ausführungen zur Problemlösung beitragen.

 

Tabelle 5: Bewertungsraster zu Problemkreisen

 

Von Relevanz ist auch, ob und inwieweit Argumentationen für die angegebene Meinung dargelegt werden. Für jedes überzeugende Argument kann ausgehend von der schlechtesten Bewertung eine Aufwertung um eine Stufe, oder für besonders überzeugende Argumente um zwei Stufen erlangt werden. Gleichwohl können aus Wesentlichkeitsgründen nur die prägendsten Argumente berücksichtigt werden. Auch aufgeführte Mindermeinungen sind in diesem Bereich bedeutsam, da sie Argumente liefern können und sich überdies im Laufe der Zeit ggf. durchsetzen und somit zur herrschenden Meinung werden könnten.[38] Mindermeinungen müssen in den Kommentierungen stets als solche erkennbar sein. Auch in diesem Fall wird eine Aufwertung um eine Bewertungsstufe vorgenommen, sofern sich der Kommentar mit der Mindermeinung zumindest in den Grundzügen auseinandersetzt.

 

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Bestimmung des Kapitalkostensatzes im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswertes gemäß IAS 36 in der Literaturkommentierung
Untertitel
Darstellung, Vergleich und Würdigung
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
50
Katalognummer
V379715
ISBN (eBook)
9783668617414
ISBN (Buch)
9783668617421
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kapitalkostensatz, Nutzungswert, IAS 36, Zinssatz, Diskontierung, Diskontierungszinssatz, discount rate
Arbeit zitieren
Timo Grass (Autor), 2017, Bestimmung des Kapitalkostensatzes im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswertes gemäß IAS 36 in der Literaturkommentierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379715

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