Der Einfluss wirtschaftlicher Institutionen auf den weltweiten Menschenhandel


Bachelorarbeit, 2016
28 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Verlauf dieser Arbeit

2. Theorie: Menschenhandel und Institutionen
2.1 Menschenhandel
2.1.1 Begriffsdefinition
2.1.2 Ursachen Menschenhandel
2.1.3 Daten und Datenerhebung
2.1.4 Menschenhandel in Deutschland
2.2 Institutionen
2.2.1 Definition des Institutionsbegriffs
2.2.2 Wichtige Institutionen in dieser Analyse
2.3 Maßnahmen: Menschenhandel und Institutionen
2.4 Forschungsstand
2.5 Forschungsfrage und Hypothesen

3. Daten
3.1 Paneldaten
3.1.1 Vorteile eines Paneldatensatzes
3.1.2 Nachteile eines Paneldatensatzes
3.2 Parameter der Panelanalyse
3.3 Variablen
3.3.1 Variablen zum Menschenhandel
3.3.2 Variablen zu Institutionen
3.3.3 Kontrollvariablen

4. Schätzverfahren
4.1 Theorie zum Schätzverfahren
4.2 Schätzverfahren in dieser Analyse

5. Ergebnisse
5.1 Ergebnisse: Opfer des Menschenhandels
5.2 Ergebnisse: Täter des Menschenhandels

6. Diskussion

7. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Regressionstabelle. 17

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Handel ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Bestandteil der Menschen, um notwendige Ressourcen wie Lebensmittel und Kleidung zu erwerben. Durch Globalisierung, technologische Neuerungen, verbesserter Verkehrsinfrastruktur und Kommunikation, ist nicht nur das Handelsvolumen in den Jahren stark angestiegen, sondern auch die Vielfalt von zu handelnden Gütern. Diese Produktvielfalt birgt auch Schattenseiten. Eine davon ist der Menschenhandel.

Menschenhandel bietet viele Facetten, die von sexueller Ausbeutung, über Zwangsarbeit, bis hin zu sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen reicht. Diese Formen der Ausbeutung sind lukrative Geschäfte für die Händler, da sie sowohl mit dem Handel von illegalen Arbeitskräften, als auch mit dem Handel von Prostituierten, einen hohen Profit erzielen. Laut einer Studie des ILO (2014:13) sind jährlich rund 150.2 Milliarden US-Dollar weltweit, als Profit durch Menschenhandel, seitens der Menschenhändler zu verzeichnen. Dabei macht die sexuelle Ausbeutung mit 99 Milliarden US-Dollar, rund zwei Drittel des Gesamtbetrags aus.

1.2 Verlauf dieser Arbeit

In dieser Arbeit wird in 2.1 zunächst der Begriff des Menschenhandels erklärt, samt Ursachen, Datenerhebung und der aktuellen Lage in Deutschland. In 2.2 bis 2.3 widmet sich diese Arbeit den Institutionen, deren Ausprägung in der Analyse und ihr Zusammenhang mit dem Menschenhandel. Davon abgeleitet wird über den Forschungsstand in 2.4 berichtet, bevor in 2.5 die Forschungsfrage und die Hypothesen genannt werden.

In Abschnitt 3 werden Merkmale eines Paneldatensatzes aufgezeigt und die in dieser Arbeit verwendeten Variablen genannt und erklärt.

In Abschnitt 4 wird das Schätzverfahren in dieser Arbeit dargestellt, während in Abschnitt 5 die Ergebnisse genannt werden und diese anschließend in Abschnitt 6 anhand der Hypothesen zu deuten versucht werden.

2. Theorie: Menschenhandel und Institutionen

In diesem Abschnitt werden die theoretischen Grundlagen für die Begriffe Menschenhandel und Institutionen abgehandelt, sowie der Forschungsstand, die Forschungsfrage und die Hypothesen aufgezeigt.

2.1 Menschenhandel

2.1.1 Begriffsdefinition

Für den Menschenhandel gab es lange Zeit keine international einheitliche Definition. Bei einigen Definitionsansätzen war hauptsächlich von sexuellem Handel bzw. Frauenhandel die Rede, da das Opferumfeld größtenteils aus jungen Frauen und Kindern, die sexuell ausgebeutet werden, besteht. Bei anderen Definitionsversuchen kam die Überlegung auf, auch andere Arten von Ausbeutung, wie beispielsweise Arbeitsausbeutung, mit in den Begriff des Menschenhandels einfließen zu lassen.

Es ließen sich dennoch gemeinsame Kernelemente aus den unterschiedlichen Definitionsansätzen herauskristallisieren, welche in die erste international rechtsverbindliche Definition einflossen. Diese wurde im UN-Protokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels am 15. November 2000 (Palermo Protokoll) als Zusatzprotokoll im Rahmen der Konvention gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, verabschiedet (Follmar-Otto/Rabe 2009:16).

Gemäß Artikel 3, Abs. a des Zusatzprotokolls zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, wird der Begriff des Menschenhandels definiert. Laut der UN ist von Menschenhandel die Rede, wenn Personen durch Androhung und Anwendung von Gewalt angeworben, befördert, verbracht oder beherbergt werden. Dies gilt auch für andere Formen von Gewalt wie beispielsweise Nötigung, Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht, Ausnutzung von Hilfslosigkeit und Bestechung, wenn diese zur Erlangung des Einverständnisses einer Person genutzt werden. Der Begriff der Ausbeutung wird als Ausnutzung der Personen zur Prostitution und oder der Ausnutzung in Form von Zwangsarbeit, Zwangsdienstbarkeit oder Sklaverei definiert. Leibeigenschaft und die Entnahme von Organen zählen ebenfalls zu Ausbeutung. Die Einwilligung des Opfers ist unerheblich, wenn eines der oben genannten Mittel eingesetzt wurde (Bundesgesetzblatt III 2005).

In Absatz c und d des Artikels 3, wird die Lage für den Kinderhandel definiert. Dort ist ebenfalls von Menschenhandel die Rede, wenn keines der oben genannten Mittel (Anwendung von Gewalt, Betrug, Entführung), zum Ziele der Ausbeutung eines Kindes angewandt wurde. Als Kind gelten Personen, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben (Bundesgesetzblatt III 2005).

2.1.2 Ursachen Menschenhandel

Menschenhandel hat unterschiedliche Ursachen, die teilweise eng miteinander in Beziehung stehen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Migration, da viele Opfer im deutschen Raum aus anderen Nationen stammen. Diese Migration wird innerhalb der EU durch das Schengen Abkommen verstärkt, welches den Migranten einen legalen Aufenthalt innerhalb der Mitgliedsstaaten genehmigt (Auswärtiges Amt 2013).

Ein verstärkender Faktor für die Migration sind wirtschaftliche Interessen, da oftmals große Ungleichgewichte zwischen Herkunfts- und Zielländern bestehen. Ungleichgewichte im Sinne von wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen, als auch Ungleichgewichte bezüglich sozialer Faktoren, wie Gesundheits- und Bildungseinrichtungen und politischer Stabilität. Bei Migration spricht man von Push- und Pull-Faktoren, welche die Migrationsmotive darstellen (Institut für Menschenrechte 2016) (Han 2000:10-13).

So lassen sich mit illegalen Tätigkeiten (z.B. Menschenhandel) in den Zielländern höhere Gewinne erzielen, während soziale Komponenten gegeben sind (Potrafke 2012:2f).

Eine andere Ursache für den Menschenhandel sind religiöse und kulturelle Faktoren. In Ländern, in denen der Islam weitliegend verbreitet ist, werden Frauen oftmals diskriminiert und besitzen nicht dieselben Rechte wie Männer, was sie zu potentiellen Opfern des Menschenhandels macht (Potrafke 2012:2f).

2.1.3 Daten und Datenerhebung

Aussagen über die weltweite Ausprägung von Menschenhandel sind nur begrenzt möglich. Zum einen, weil es international keine einheitlichen Regelungen bezüglich Datenerhebung und Datenhandhabung gibt und zum anderen wegen der weltweit unterschiedlichen Auffassungen bezüglich des Menschenhandels (Dolinsek 2012).

Auch wenn Daten vollständig und einheitlich erhoben und ausgewertet werden, geben sie nur einen Bruchteil der illegalen Aktivitäten rund um den Menschenhandel an. Die Dunkelziffer der Opferzahlen liegt weitaus höher (Follmar-Otto/Rabe 2009: 20-28).

Statistiken, Lagebilder oder Reporte werden von verschiedenen Organisationen, wie beispielsweise UNODC und Eurostat, in bestimmten Zeitabständen veröffentlicht. Sie dienen der Veranschaulichung und Vergleichbarkeit der Ausmaße des Menschenhandels. Wobei letzteres, aufgrund teilweise fehlender oder nicht übermittelter Daten, von beispielsweise Kriegsländern oder politischen Diktaturen, schwer ist. (Auch Vergleiche zwischen zwei Zeitperioden eines Landes sind mit Bedacht zu interpretieren, da vor allem hier die Gefahr besteht, dass „Ausreißer[1] “ die Ergebnisse verzerren.) Deshalb sollten die Daten immer vor dem Hintergrund, dass sie möglicherweise unterschiedlich erhoben und ausgewertet wurden oder von bestimmten Ereignissen geprägt sind, betrachtet werden.

Ein solcher Bericht über den Menschenhandel wird auch vom BKA erstellt (Bundeslagebild Menschenhandel), der seit 1999 jährlich erscheint.

In dieser Analyse werden Daten über den Menschenhandel ausschließlich vom Bundeskriminalamt (BKA) verwendet, um eine einheitliche Datenerhebung, Datenauswertung und Datenübermittelung zu gewährleisten.

2.1.4 Menschenhandel in Deutschland

Deutschland gilt als eines der großen Zielländer für den Menschenhandel in Bezug auf sexuelle Ausbeutung. Im Jahr 2014 wurden 557 Opfer ermittelt, die zu zwei Drittel aus osteuropäischen Ländern (Rumänien, Bulgarien, Ungarn Polen, etc.) stammen. Allein 88 Opfer sind deutsche Staatsbürger. Unter den Angaben der in Deutschland ermittelten Tatverdächtigen, macht der Anteil der deutschen Täter, mit 120 ca. 25% der Gesamtanzahl (437) aus. Im Verlauf der letzten zehn Jahre weisen sowohl Opfer-, als auch Täterzahlen einen Rückgang auf. 2004 wurden 972 Opfer und 777 Tatverdächtige ermittelt. (Bundeskriminalamt 2004:9-12, 2014:3-5)

Durch die Ermittlungen gegen den Menschenhandel werden auch andere Straftaten verfolgt, die in einem engen Zusammenhang mit dem Menschenhandel stehen. Es handelt sich zum Großteil um Gewaltdelikte, Freiheitsberaubung und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (Bundeskriminalamt 2004:4).

2.2 Institutionen

In diesem Abschnitt wird der Institutionsbegriff erklärt, eingegrenzt und wichtige Institutionen für diese Analyse genannt.

2.2.1 Definition des Institutionsbegriffs

Der Begriff der Institution lässt keine eindeutige Definition aufkommen, daher existieren viele unterschiedliche Definitionsansätze. Die Definitionsansätze richten sich je nach Bezug der Institutionen auf die Frage-/Problemstellung (Rohwer 2002:1).

Allgemein dienen Institutionen als Grundpfeiler der Gesellschaft (Senge/Hellmann 2006:35-47) und vermindern die Unsicherheit im gesellschaftlichen Zusammenleben, indem sie für Ordnung im alltäglichen Leben sorgen. Im weitesten Sinne sind Institutionen „Beschränkung(en) zur Gestaltung menschlicher Interaktionen“ (North 1992:4f), wobei sich die Beschränkungen mit dem Handlungsspielraum der Individuen beschreiben lassen. Institutionen können Verfahren, Regeln, Normen etc. sein. Bei dieser Art von Beschränkungen ist ein Verhalten außerhalb des Rahmens möglich, jedoch nicht erwünscht (Eisenberg 2002:18f). Dabei ist zwischen formellen und informellen Institutionen zu unterscheiden. Formelle Institutionen sind z.B. Gesetze, die von der Regierung erlassen wurden. Als informelle Institutionen können Verhaltensregeln verstanden werden, die sich im Laufe der Menschheit entwickelten und innerhalb der Kulturen unterschiedlich ausfallen können (Gabler Wirtschaftslexikon 2016a).

In dieser Analyse fokussieren wir uns auf die Institutionen aus ökonomischer Sicht, sprich den wirtschaftlichen und politischen Institutionen. Neben diesen gibt es noch die gesellschaftlichen und rechtlichen Institutionen. Wirtschaftliche und politische Institutionen können als öffentlich-rechtliche (formelle) Institutionen, wie beispielsweise der Verfassung, verstanden werden. Sie werden durch den Staat und dessen Organe verabschiedet, durchgesetzt und bei Verstoß sanktioniert (Gruševaja 2005:3). Zu unterscheiden sind Institutionen von Organisationen. Organisationen, wie z.B. Parteien, Kirchen und Vereine, entstehen aus den Grundlagen der Institutionen und entwickeln eigene, interne Institutionen, um ihre eigenen Interessen zu vertreten und deren Mitglieder zu koordinieren (Gabler Wirtschaftslexikon 2016a).

Ein wichtiges Merkmal für die öffentlich-rechtlichen Einrichtungen/Institutionen ist, dass sie den Ordnungsrahmen einer Volkswirtschaft bilden (Gruševaja 2005:3).

Im weiteren Verlauf der Analyse wird der Begriff der Institution stellvertretend für die Maßnahmen des Staates (Strafverfolgung, Prävention und Opferschutz bei Menschenhandel) und der Qualität der Regierung (World Governance Indikatoren) verwendet.

2.2.2 Wichtige Institutionen in dieser Analyse

Eine der wichtigen Institutionen in dieser Analyse ist der 3P-Index. Er wurde von Cho (2015) entwickelt und enthält eine Wertung über Präventivmaßnahmen, zur Vorbeugung von Menschenhandel, eine Wertung über den Schutz der Opfer und eine Wertung zur Strafverfolgung der Täter. Der 3P-Index spiegelt die Maßnahmen des Staates zur Bekämpfung des Menschenhandels wieder und wird daher in dieser Analyse als Institution gehandhabt.

Ebenfalls wichtig in dieser Analyse sind die World Governance Indikatoren. Es sind sechs Indikatoren, von denen die drei folgenden in dieser Analyse verwendet werden: Political Stability and Absence of Violence, Rule of Law und Control of Corruption (Kaufmann et al. 2010).

2.3 Maßnahmen: Menschenhandel und Institutionen

Weltweit ist es das Ziel, Menschenhandel zu bekämpfen. Dabei können Institutionen eine wichtige Rolle spielen.

Menschenhandel und Institutionen stehen in einer engen Verbindung miteinander. Die Institutionen versuchen den Spielraum des Menschenhandels einzuschränken, um so dessen Ausmaße zu verringern. Wichtige Maßnahmen sind hierbei die Vorbeugung des Menschenhandels, also Präventivmaßnahmen zu treffen, damit es nicht zu Menschenhandelsdelikten kommt. Hierzu zählen beispielsweise Vorträge, Kampagnen, um den Menschen das Thema nahe zu bringen, ebenso wie stärkere Kontrollen der exekutiven Gewalt an Menschenhandelsumschlagsplätzen oder in Prostitutions-Ballungsräumen[2]. Wichtig ist es ebenfalls, die Opfer des Menschenhandels zu beschützen und unterstützen. Hierbei werden die Worte Rettung, Rehabilitation und Reintegration genannt (3R’s).

Opfer sollen gerettet, geheilt und wieder in die Gesellschaft integriert werden, sprich wieder in einen Zustand vor dem Menschenhandelsdelikt geführt werden (US Department of State 2012).

Zuletzt ist es wichtig, die Täter strafrechtlich zu verfolgen und zu verurteilen, um für Gerechtigkeit zu sorgen und potentielle Straftäter abzuschrecken.

Diese drei Maßnahmen werden auch die 3P’s genannt (im englischen: prevention, protection, perpetration). Cho (2015b) hat einen Index zu diesen 3 Maßnahmen erstellt, der sich aus verschiedenen Daten zusammensetzt. Der sogenannte 3P-Index wird im Verlauf dieser Arbeit genauer erklärt.

2.4 Forschungsstand

Forschungen zum Thema Menschenhandel sind sowohl empirisch als auch theoretisch betrieben worden. Einige Studien legen den Fokus im Hinblick der Problematik des Menschenhandels auf die Sozialwissenschaften, wie beispielsweise Obokata (2006), indem er den Menschenhandel von der Menschenrechtsperspektive untersucht. Cho (2015a) untersucht verschiedene Determinanten, unter anderem soziale und wirtschaftliche, aber auch Institutionen, um deren Effekte auf den Menschenhandel empirisch zu ermitteln. In dieser Studie kam sie zu dem Ergebnis, dass institutionelle Qualität bei den Herkunftsländern der Opfer und Täter wichtiger sei, als bei den Zielländern (Cho 2015a:11). Cho (2012) publizierte ebenfalls eine Studie, in der der 3P-Index auf Deutschland angewandt wird.

Inhaltlich knüpft diese Analyse an die von Cho (2012) an, da ebenfalls der 3P-Index in Deutschland untersucht wird. Zusätzlich werden andere institutionelle Faktoren, wie die World Governance Indikatoren, verwendet, um Aussagen über die Effekte von Institutionen auf den Menschenhandel in Deutschland zu treffen. Außerdem werden ausschließlich die Top-Herkunftsländer, der in Deutschland ermittelten Opfer in der Untersuchung betrachtet, um somit den Fokus auf Deutschland zu richten.

2.5 Forschungsfrage und Hypothesen

Angesichts des Forschungsstands zu der Thematik des Menschenhandels und die in der Theorie vorhandenen Effekte von Institutionen, ist es das Ziel dieser Arbeit, die Effekte der ausgewählten Institutionen auf den Menschenhandel zu prüfen. Hierbei dienen der 3P-Index und die ausgewählten WGI als Stellvertreter für die institutionelle Qualität.

Dadurch ergibt sich folgende Forschungsfrage:

„Haben Institutionen negative Effekte auf den Menschenhandel?“

Abgeleitet von der Forschungsfrage werden Hypothesen gebildet, die es im Laufe der Analyse als zu beantworten gilt.

Die Hypothese (1.1) besagt, dass mindestens eine der drei Variablen des 3P-Indexes einen negativen Effekt[3], auf die Gesamtzahl der ermittelten Opfer und Täter in Deutschland ausübt, wohingegen Hypothese (1.2) einen negativen Effekt, von mindestens einem der World Governance Indikatoren, auf die Anzahl der in Deutschland ermittelten Opfer und Täter annimmt.

Ausformuliert lauten die Hypothesen wie folgt:

(1.1) H0: Mindestens eine Variable des 3P-Index hat einen signifikant negativen Effekt auf die Anzahl, der in Deutschland ermittelten Opfer und Täter.

(1.2) H0: Mindestens einer der World Governance Indikatoren, hat einen signifikant negativen Effekt auf die Gesamtzahl der in Deutschland ermittelten Opfer und Täter.

3. Daten

3.1 Paneldaten

Verwendet wird in dieser Analyse ein Paneldatensatz, welcher aus einer Querschnittsdaten- und einer Zeitreihendatendimension besteht.

Bei den Querschnittsdaten werden mehrere Individuen, Haushalte, Unternehmen etc. zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet. Die Individuen stellen eine Stichprobe der Grundgesamtheit dar.

Bei den Zeitreihendaten werden eine oder mehrere Variablen eines Individuums, über einen bestimmten Zeitraum beobachtet. Diese Variablen können beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt, Aktienpreise oder verschiedene Indizes sein, die in verschiedenen Frequenzen/Zeitabständen angegeben sind (jährlich, wöchentlich, täglich). Ein Paneldatensatz besitzt sowohl die Querschnittsdatendimension, als auch die Zeitreihendatendimension. Sprich, es werden eine bestimmte Anzahl an Individuen in bestimmten zeitlichen Abständen betrachtet (Gabler Wirtschaftslexikon 2016b).

3.1.1 Vorteile eines Paneldatensatzes

Paneldaten verfügen generell über mehr Informationen als Querschnittsdatensätze (die Informationstiefe ist zumeist dieselbe, ausschlaggebend ist in diesem Fall jedoch die Beobachtung über die Zeit), dadurch entsteht ein großer Vorteil: Sie besitzen die Fähigkeit, Analysen von Verläufen über die Zeit zuzulassen. Würde man eine Analyse über die Erwerbstätigkeit von Frauen in der Stadt A, mittels Querschnittsdaten durchführen, würde man herausfinden, dass ein Anteil von 50% der Frauen von Stadt A erwerbstätig sind. Ob nun jede Frau 50% des Jahres gearbeitet hat und die anderen 50% des Jahres nicht, oder nur die Hälfte aller Frauen gearbeitet haben, während die anderen nicht gearbeitet haben, ist mit Querschnittsdaten nicht zu ermitteln. Würde man diese Beobachtung in periodischen Abständen wiederholen (es würden sich Paneldaten ergeben), ließen sich Informationen zu wechselnder Erwerbstätigkeit der einzelnen Individuen oder über die Länge der Arbeitslosigkeit bestimmen. Dadurch ist eine intensivere Analyse der Daten möglich (Baltagi 2008:8).

Ein weiterer Vorteil ist die von Hsiao (2003:4-10) beschriebene Möglichkeit der Kontrolle für unbeobachtete Heterogenität und die seltener auftretenden Aggregationsprobleme.

[...]


[1] Im Jahr 2001 wurden bei einer vom Bundeskriminalamt durchgeführten Ermittlung allein 114 weißrussische Opfer gemeldet, wodurch eine große Schwankung im Vergleich zu den anderen Jahren auftritt (BKA 2004:3).

[2] Bspw. die Reeperbahn in Hamburg

[3] Ein negativer Effekt der Institutionen ist in dieser Analyse gleichbedeutend, einer negativen Korrelation der Variablen zu den Opfer- und Täterzahlen des Menschenhandels. D.h. negative Effekte der Institutionen senken die Opfer- und Täterzahlen.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss wirtschaftlicher Institutionen auf den weltweiten Menschenhandel
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Empirical Institutional Economics)
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
28
Katalognummer
V381076
ISBN (eBook)
9783668576254
ISBN (Buch)
9783668576261
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, institutionen, menschenhandel
Arbeit zitieren
Peter Zimmermann (Autor), 2016, Der Einfluss wirtschaftlicher Institutionen auf den weltweiten Menschenhandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/381076

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