Die Unterscheidung der Urteile und die Frage nach den synthetischen Urteilen apriori in Kants "Prolegomena"


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Unterscheidung der Urteile

3.Immanuel Kants Prolegomena
3.1. Die reine Mathematik
3.2. Die reine Naturwissenschaft
3.3. Die reine Metaphysik

4. Die Frage der Prolegomena: Wie sind synthetische Urteile a priori moglich?

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Vorrede zur zweiten Auflage der Kritik der reinen Vernunft heiBt es:

„Dogmatismus ist also das dogmatische Verfahren der reinen Vernunft ohne vo- rangehende Kritik ihres eigenen Vermogens. [...] Vielmehr ist die Kritik die not- wendige vorlaufige Veranstaltung zur Beforderung einer grundlichen Metaphysik als Wissenschaft [...]“[1] (B XXXV)

Dieses Zitat Kants zeigt die Motivation, die hinter seinen Werken steckt. So gehort zu dieser Reihe an Werken auch seine Prolegomena zu einer jeden kunftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wirdauftreten konnen, welche das Einfuhrungswerk zu seinem Werk Kritik der reinen Vernunft ist. Die Kritik der reinen Vernunft erschien 1781, die Prolegomena wurde 1783 veroffentlicht und die zweite Auflage der Kritik der reinen Vernunft erschien im Jahr 1787, was die Weiterentwicklung Kants verdeutlicht. Die Prolegomena sind analytisch verfasst, wahrend die Kritik der reinen Vernunft synthetisch geschrieben ist.[2]

Inspiriert war Kant durch die vorherrschenden Diskussionen zur Erkenntnistheorie. Empirismus und Rationalismus vertreten unterschiedliche Positionen im Streit zum Ursprung der Erkenntnis. Die Empiristen nennen als Erkenntnisquelle die Erfahrung, da der Mensch mit einer Tabula rasa geboren wird, einer leeren Tafel, die mit einstromenden Sinneseindrucken gefullt wird, mit denen der Mensch seine Ideen bildet. Die Rationalisten gehen davon aus, dass Ideen angeboren sind und diese nicht auf Erfahrung beruhen konnen, da diese Sinneseindrucke falsch sein konnen. Kant ist der Meinung, dass die These der Empiristen wie David Hume, die davon ausgehen, dass Erkenntnis durch sinnliche Erfahrung erlangt werden kann, nicht plausibel ist. Es sei etwas notwendig, das nicht erst durch Erfahrung entsteht, sondern schon vorher vorhanden ist. Die Voraussetzung hierfur sind Begriffe die unabhangig von Erfahrung bestehen. Hume hingegen ist der Meinung, dass alle Begriffe aus Erfahrung stammen.

Hume stutze seine Nachforschungen der Metaphysik auf die Verknupfung von Ursache und Wirkung, die Verkettung einer Sache, aus der wenn sie gesetzt sei, aus ihr notwendigerweise etwas folge. So hatte Hume bewiesen, dass es der Vernunft unmoglich sei, a priori und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken. Er habe daraus geschlossen, dass die a priori Erkenntnisse der Vernunft, begrundet aus Erfahrung, falsch seien. Worauf Hume zu dem Schluss gekommen ware, es gabe keine Metaphysik. Diese Uberlegung Humes hatten Kant aus seinem dogmatischen Schlummer geweckt. Kants geanderter Ansatz des Problems war es, die Begriffe seien nicht von der Erfahrung abgeleitet, sondern bestunden ganz aus dem reinen Verstand.[3] Kant vereint mit seinem neuen Ansatz die Positionen von Empirismus und Rationalismus. Er verfasst eine Kritik an der Vernunft durch die Vernunft, also einen Kritizismus und keinen Skeptizismus oder Dogmatismus, was eine neue Perspektive bzw. Losung darstellte.

Transzendental-Philosophie nenne Kant sein System, das er auf der Metaphysik als Vernunftwissenschaft grundet.[4] Dazu orientiert Kant sich an der Mathematik und Naturwissenschaft. Es ginge ihm dabei einzig um die Beantwortung der Frage, da die Metaphysik aus synthetischen Satzen a priori bestehe, wie diese moglich seien. Davon hinge also ab, ob die Metaphysik als Wissenschaft moglich sei oder nicht.[5]

Kant nutzt in seinen Werken verschiedene Begriffe, die der Erlauterung bedurfen. Transzendent sei das, was unsere Erfahrung uberschreite. Die transzendente Erkenntnis erfasse das Wesen der Dinge, als die Dinge an sich, auf metaphysischer Ebene, Dinge die unsere sinnliche Erfahrung uberschreiten wurden.[6] Transzendental sei alle Erkenntnis a priori, die sich nicht mit den Dingen selbst, sondern mit der Erkenntnis derselben beschaftigen wurden. Was der Erkenntnis zugrunde liege, was die Bedingungen der Moglichkeit aller Erkenntnis seien.[7] Kant beschaftigt sich mit weiteren Dualismen: synthetisch / analytisch, a posteriori / a priori, Verstand / Sinnlichkeit und Begriff / Anschauung.

2. Die Unterscheidung der Urteile

Kant stellt in seinen Vorerinnerungen fest, dass die Quelle der metaphysischen Erkenntnis nicht empirisch sein konne, denn sie solle jenseits der Erfahrung liegende Erkenntnis sein. So sei sie Erkenntnis a priori, aus reinem Verstand und reiner Vernunft. Da synthetische Urteile, im Gegensatz zu analytischen, die Erkenntnis erweitern wurden, da sie eine Information zum Begriff hinzutun, musse ein Urteil synthetisch sein.[8]

Alle analytischen Urteile wurden auf dem Satz des Widerspruchs gegrundet und seien Erkenntnisse a priori, egal ob ihre Begriffe empirisch waren oder nicht. Da das Pradikat eines bejahenden analytischen Urteils schon vorher im Begriff vorhanden sei, konne es nicht verneint werden, denn dies ergabe einen Widerspruch. Urteile seien auch a priori wenn ihre Begriffe empirisch waren, weil es meiner Kenntnis keiner weiteren Erfahrung bedurfe. Deshalb wurden sie keinen Erkenntnisgewinn liefern.

Synthetische Urteile hingegen konnten a posteriori und a priori sein. Synthetische Urteile konnten in Erfahrungsurteile und mathematische Urteile unterteilt werden. Erfahrungsurteile seien synthetisch, da es laut Kant nicht richtig ware, ein analytisches Urteil auf Erfahrung zu grunden, weil keine Erfahrung notig sei. Mathematische Urteile seien Urteile a priori und nicht empirisch. Zumindest in der reinen Mathematik, die bloB reine Erkenntnis a priori enthalten konne. Der Unterschied zwischen der reinen mathematischen Erkenntnis zu aller anderen Erkenntnis a priori sei, dass sie nicht aus Begriffen, sondern aus der Konstruktion der Begriffe durch Darstellung des Gegenstandes in einer Anschauung a priori ihre Erkenntnis grunden wurde. Daher konnten sie nicht aus der Zergliederung der Begriffe entstehen und seien synthetisch.

Metaphysische Urteile seien synthetisch. Metaphysikgehorige wurden zwar auf analytischen Urteilen grunden, diese seien aber nur Mittel zum Zweck, namlich metaphysische Urteile. Begriffe a priori wurden zwar durch analytische Zergliederung gesammelt aber gesondert betrachtet, jedoch sei die Absicht synthetische Satze. Dies sei ein Verfahren wie bei jeder anderen Erkenntnisart. Kant komme zu dem Schluss, dass Metaphysik nur mit synthetischen Satzen a priori zu tun habe und dies in der philosophischen Erkenntnis den Inhalt der Metaphysik ausmache.[9]

Kant schlieBt seine Vorerinnerungen ab, indem er sagt, dass die Metaphysik ihren vornehmsten Zweck der Wissenschaft in der Erkenntnis eines hochsten Wesens und einer kunftigen Welt fande, bewiesen aus Prinzipien der reinen Vernunft.[10]

3. Immanuel Kants Prolegomena

In den Prolegomena beschaftigt sich Kant mit der Frage, wie synthetische Urteile a priori moglich seien. Er teilt die Hauptfrage, wie Erkenntnis aus reiner Vernunft moglich sei, in Prolegomena in drei Teilfragen auf: „Wie ist reine Mathematik moglich?“, „Wie ist reine Naturwissenschaft moglich?“ und „Wie ist Metaphysik uberhaupt moglich?“. Das Kapitel der reinen Mathematik entspricht dem Kapitel aus der Kritik der reinen Vernunft „Transzendentale Asthetik“ und beschreibt die Theorie der Anschauung. Zu der Transzendentalen Logik, die die Theorie des Denkens behandelt, gehort die Transzendentale Analytik und die Transzendentale Dialektik. Die Transzendentale Analytik kann man dem Kapitel der Reinen Naturwissenschaft zuordnen und enthalt die Theorie der Begriffe und Grundsatze, dem Urteilsvermogen. Die Transzendentale Dialektik entspricht dem Kapitel der Metaphysik und beschreibt das Thema der Logik des Scheins und des Schlussvermogens.

3.1. Die reine Mathematik

Kant benutzt in seinen Kapiteln den Begriff „rein“, der sich auf den Begriff der Vernunft, also den a priori, bezieht. Kant fragt also nach der apriorischen Wissenschaft, die dennoch unser Wissen erweitert. Zuerst sucht er in der Mathematik nach der Antwort auf die Frage, wie die Vernunft synthetischen Urteilen a priori erlangen kann.

Der erste Schritt der Erkenntnis ist die transzendentale Asthetik also die Sinneswahrnehmung. Es geht Kant hier um die Bedingung der Moglichkeit von Wahrnehmung. Die Moglichkeitsbedingungen sinnlicher Erfahrung sind Sinnlichkeit und der Verstand. Kant spricht auch von dem doppelten Erkenntnisvermogen, das heiBt dass der Mensch Erkenntnis erlangen konne durch Sinnlichkeit und Verstand. Der Verstand sei auf die Sinnlichkeit angewiesen und die Sinnlichkeit bringe ohne den Verstand keine Erkenntnis zustande. Denn Gedanken ohne Inhalt seien leer und Anschauungen ohne Begriffe seien blind.[11] Begriff und Anschauung nenne Kant empirische Anschauung oder auch Empfindung. Der Gegenstand einer Anschauung ist die Erscheinung.[12] Andersherum ist der Begriff ohne Anschauung ebenso leer, da er durch Erfahrung in Verbindung gesetzt werden muss. Anschauung muss also empirisch gewonnen werden und stellt ein Problem dar in Bezug auf die synthetischen Urteile a priori. Das wirft die Frage auf, wie Anschauung a priori moglich sei. Die Antwort finde Kant im gegensatzlichen zum Empirischen, dem Transzendenten. „Dinge an sich“ zu erkennen kann nicht durch Anschauung erfolgen. Sie seien also nicht zuganglich durch sinnliche Erkenntnis, denn die Form der Anschauung sei im Subjekt. So sei Anschauung a priori moglich.[13] Reine Mathematik sei also synthetische Erkenntnis a priori.[14]

Die Materie der Erscheinung sei nur empirisch zu erfassen, die Form sei jedoch im Erkenntnissubjekt, namlich in Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Bedingungen sinnlicher Erfahrung. Denn die Form der Erscheinung, also die reine Anschauung, konne aus uns selbst, also a priori, vorgestellt werden.[15] Kant argumentiere dafur, dass Raum und Zeit keine empirischen, sondern reine oder apriorische Anschauungen seien. Sie waren Voraussetzung fur jegliche Vorstellung raumlicher und zeitlicher Beziehung. Das Subjekt verfuge schon uber die Vorstellung von Raum und Zeit.[16] So seien Dinge an sich weder raumlich noch zeitlich. Der Mathematik lage so wirklich reine Anschauung a priori zugrunde.[17] Kant schreibt weiterhin, dass die transzendentale Deduktion der Begriffe von Raum und Zeit die Bedingung fur eine reine Mathematik sei.[18]

Die transzendentale Logik ist der zweite Schritt der Erkenntnis. Die Theorie des Denkens und die transzendentale Asthetik, der Theorie der Anschauung gehoren zusammen, da Denken und Anschauung nur zusammen zur Erkenntnis fuhren konnen. Zusammen sind sie die transzendentale Elementarlehre, der erste Hauptteil der Kritik der reinen Vernunft. In dem Kapitel geht es um die Suche nach den Bedingungen, die das Denken ermoglichen. Es geht Kant um die Bedingungen, unter denen Begriffe unabhangig von Erfahrung gebildet werden.[19]

Zu der transzendentalen Logik gehoren die transzendentale Analytik und die transzendentale Dialektik.

Die reine Naturwissenschaft Nach der Frage nach der Moglichkeit der reinen Mathematik folgt bei Kant die Frage, wie die reine Naturwissenschaft moglich sei. Dieses Kapitel entspricht dem der Transzendentalen Analytik in der Kritik der reinen Vernunft, die die Theorie der Begriffe und Grundsatze und dem Urteilsvermogen umfasst.

Kant mochte zeigen, dass es synthetische Urteile a priori in der Mathematik und Naturwissenschaft gibt. In der Naturwissenschaft sei diejenige Propadeutik der Naturlehre, die unter dem Titel der allgemeinen Naturwissenschaft vor aller Physik, welche auf empirischen Prinzipien gegrundet sei, hervorgehe. Einerseits wurde Kant sie als nicht ganz rein bezeichnen. Es gabe manches, das nicht ganz rein und erfahrungsunabhangig sei, wie die Begriffe Bewegung, Undurchdringlichkeit und Tragheit zeigen.[20] Die Natur sei der Inbegriff aller Gegenstande der Erfahrung. Es gabe laut Kant aber auch wirklich allgemeine Naturgesetze, die vollig a priori bestehen wurden. Namlich die der allgemeinen Physik, „die wirklich Allgemeinheit haben, die wir verlangen, als der Satz: daB die Substanz bleibt und beharrt, daB alles, was geschieht, jederzeit durch eine Ursache nach bestandigen Gesetzen vorher bestimmt sei.“ So gabe es eine reine Naturwissenschaft.[21]

Kant fragt in den Prolegomena, wie die Bedingungen a priori von der Moglichkeit der Erfahrung zugleich die Quellen seien, aus denen alle allgemeinen Naturgesetze hergeleitet werden.[22] Neben den empirischen Urteilen muss es noch Begriffe geben, die ursprunglich a priori seien.[23]

„Empirische Urteile, sofern sie objektive Gultigkeit haben, sind Erfahrungsurteile; die aber nur subjektiv gultig sind, nenne ich bloBe Wahrnehmungsurteile. Die letzteren bedurfen keines reinen Verstandesbegriffs, sondern nur der logischen Verknupfung der Wahrnehmung in einem denkenden Subjekt. Die ersteren aber erfordern jederzeit uber die Vorstellungen der sinnlichen Anschauung noch besondere, im Verstande ursprunglich erzeugte Begriffe, welche es eben machen, dass das Erfahrungsurteil objektiv gultig ist.“[24]

[...]


[1] Schmidt, Raymund (Hrsg.): Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft. Nach der ersten und zweiten Original-Ausgabe. Hamburg: Verlag Felix Meiner, 1956., S.31, BXXXV.

[2] Vgl. Prolegomena, S.24, §4, 274.

[3] Vgl. Prolegomena, S.3-7, 257-260.

[4] Schmidt: Immanuel Kant. Kritik der reinen Vernunft, Einleitung (nach Ausgabe A, A1-A3: 10, Idee der Transzendental-Philosophie), S.37-42.

[5] Vgl. Prolegomena, XXIV.

[6] Ludwig, S.50.

[7] Ludwig, S.50.

[8] Vgl. Prolegomena, §1,2, 265-267.

[9] Vgl. Prolegomena, S.11-21, §1,2, 265-274.

[10] Vgl. Prolegomena, S.22f, §4, 271.

[11] Kritik der reinen Vernunft, A 51/B 75.

[12] Ludwig, Ralf (Hrsg.): Kant fur Anfanger. Die Kritik der reinen Vernunft, 13. Auflage, Munchen: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2008, S.57f.

[13] Vgl. Prolegomena, S.34.

[14] Vgl. Prolegomena, §11, S.35.

[15] Vgl. Prolegomena, S.36.

[16] Vgl. Prolegomena, §12, S.37.

[17] Gotz, Walter: Kants „Kritik der reinen Vernunft“ im Klartext. Tubingen: Mohr Siebeck, 2006, S.26.

[18] Vgl. Prolegomena, S.37.

[19] Golz, S.29ff

[20] Kant- Lexikon, S.394, Sp.22-52.

[21] Vgl. Prolegomena, §14,15, S.49ff, 295.

[22] Vgl. Prolegomena, §17, S.53, 297.

[23] Vgl. Prolegomena, §18, S.53, 298.

[24] Vgl. Prolegomena, §18, S.53, 298.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Unterscheidung der Urteile und die Frage nach den synthetischen Urteilen apriori in Kants "Prolegomena"
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V382036
ISBN (eBook)
9783668579774
ISBN (Buch)
9783668579781
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unterscheidung, urteile, frage, urteilen, kants, prolegomena
Arbeit zitieren
Denise Graupner (Autor:in), 2017, Die Unterscheidung der Urteile und die Frage nach den synthetischen Urteilen apriori in Kants "Prolegomena", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/382036

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