Advance Organizer. Schüleraktive Lernprozesse gestalten mit den Erfahrungen aus dem "Markdorfer Modell" (Erdkunde 5. Klasse)


Seminararbeit, 2016
8 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Themenbegründung für den Advance Organizer

2. Einführung in das Thema Advance Organizer

3. Ein Beispiel des Advance Organizer zum Thema: Die Erde

4. Die Entwicklung eines Advance Organizers

5. Die Präsentation eines Advance Organizers

6. Literaturverzeichnis

1. Themenbegründung für den Advance Organizer

Als angehende Pädagogin wird man vermeintlich, vor allem unter Berücksichtigung der PISA –Studien, zunehmend mit Kindern konfrontiert, die nicht nur in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung erhebliche Defizite aufweisen, sondern auch oft von Störungen hinsichtlich ihrer Kompetenzentwicklung betroffen sind. Vielen wird ADS/ADHS diagnostiziert und Lernschwäche unterstellt. Dass wir als Lehrkräfte jedoch unser Übriges zu dieser Diagnose beitragen, hinterfragen wir nur sehr selten. So sollten wir nicht nur den Lernern die Schuld für ihre motorische Unruhe und deren vermeintliche Konzentrationsstörungen geben, sondern in erster Linie die Lernpsychologie betrachten, und bei uns, und unserem (fade) gestalteten Unterricht, ansetzen. Als Experten mit Professionsstatus sollten wir dazu in der Lage sein, das Erlernte über das menschliche Gehirn zu verstehen und unseren Unterricht auf Grundlage dessen, der Zielgruppe entsprechend, anzupassen. Der Advance Organizer bietet dabei einen wunderbaren Einstieg durch die Visualisierung und gleichzeitiges Fundament für eine Unterrichtseinheit, die nachhaltiges Wissen unter Berücksichtigung der oben genannten Punkte bei den Schülerinnen und Schülern produziert. Es ist ein erster Schritt in Richtung eines nachfolgenden schüleraktiven Unterrichts, in dem der Wissensstoff human und kindgerecht vermittelt wird und kein unmittelbares Feindbild mehr darstellt.

2. Einführung in das Thema Advance Organizer

Ein Advance Organizer ist eine Lehr- und Lernstrategie, die von dem Amerikaner David Ausubel in den 1960er Jahren entwickelt wurde. Diese Strategie soll den Lernprozess der Schülerinnen und Schülern unterstützen, indem an Vorwissen angeknüpft wird. Als Advance Organizer beschreibt man eine vorausgehende Strukturierung, und ist nicht zu verwechseln mit dem Advanced Organizer, der eine fortgeschrittene Ordnung bzw. Strukturierung bedeutet.[1]

Eine solche vorherige (advance) Organisation (organizer) und Strukturierung fungiert als effektive Lernhilfe, in dem sie an bereits vorhandenes Wissen anknüpft und so die strukturelle Einbettung in das neue Wissenskonstrukt unterstützt. Aufgrund einer vorausgegangen verbalen mündlichen Präsentation der kommenden Unterrichtseinheit, wird der neue Fachinhalt mit Hilfe der vorgegebenen Organisation schnell und zielführend integriert. Bei dieser Methode werden Begriffe in einen Kontext gesetzt und fachliche Zusammenhänge aufgezeigt. Der Advance Organizer erzeugt sowohl verbal, als auch visuell ein Bild.[2]

Das von Lehrkräften entwickelte und vorgetragene Bild nützt zu Beginn der Unterrichtseinheit nicht nur als kurzer Einstieg, sondern auch als hilfreiche Übersicht auf folgende Themengebiete. Die Lernpsychologie zeigt, dass Schülerinnen und Schüler besser neues Wissen erwerben, wenn sie im Voraus in Kenntnis gesetzt werden, was behandelt wird. Der Advance Organizer kann immer wieder während der Unterrichtseinheit herangezogen werden, um dem Verlauf des eigenen Wissenserwerbes innerhalb dieser besser folgen zu können. Am besten wird der Advance Organizer daher gut sichtbar für alle Klassenmitglieder im Raum aufgehängt. Dadurch können alle Schülerinnen und Schüler selber nachverfolgen bei welchem Themengebiet sie gerade sind, schon waren und was noch auf sie zukommt. Somit haben sie immer einen „roten Faden“ an dem sie sich orientieren können. Nach Wahl, der sich auf mehrere Studien zum Thema „Advance Organizer“ stützt, würden sich die Lernenden als selbstwirksam erleben. Außerdem sei das Interesse geweckt und die Motivation, durch die Arbeit mit einem Advance Organizer, gesteigert worden. „‘Advance Organizer‘ bewirken besseren sofortigen Lernerfolg, besseres langfristiges Behalten und insbesondere bessere Transferleistungen“[3], schreibt Wahl. Vor allem bei Schülerinnen und Schüler die wenig Vorwissen mitbringen und schwache Lernkompetenzen aufweisen, kann ein Advance Organizer sehr hilfreich sein. Durch die vorausgehende Präsentation werden schon vorab viele grundlegend wichtige Fragen geklärt und wichtige Lernprozesse in Gang gesetzt. Alle diese positiven Wirkungen können durch diese vorangegangene begriffliche und inhaltliche Verknüpfung auftreten.1,2

Ferner könnte der Advance Organizer auch als Übersichtsstruktur bei anstehenden Klassenarbeiten verwendet werden und so eine Kontroll- und Übungsfunktion bieten, indem sie sich auch als Wiederholung gegenseitig Begriffe erklären und/oder abfragen.

3. Ein Beispiel des Advance Organizer zum Thema: Die Erde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4. Die Entwicklung eines Advance Organizers

Ein Advance Organizer bedeutet natürlich auch einen Mehraufwand, gegenüber einer Agenda oder Mind-Map, allerdings sprechen die positiven Effekte für diese Investition. Um einen Advance Organizer zu erstellen, muss die Lehrkraft sich im ersten Schritt selbst einen Überblick über die verschiedenen Themengebiete verschaffen. Dabei erstellt sie eine Stoffsammlung aus verschiedenen Materialien, anhand derer sie bedeutungstragende, exemplarische Inhalte auswählt. Fachwissenschaftliche Literatur stellt die Grundlage dabei dar und kann durch Recherche in verschiedenen Schulbüchern erweitert bzw. ergänzt werden. Die Anforderungen des Bildungsplanes werden dabei stets abgeglichen, da sie bei der Planung der Einheit eine ebenso wichtige Rolle spielen.

Der vorliegende Advance Organizer wurde für eine fünfte Klasse an einer Realschule in Baden- Württemberg unter Zuhilfenahme des Bildungsplanes 2016 erstellt. Die Unterrichtseinheit umfasst ca. fünf bis sechs Wochen, in der sich die Schülerinnen und Schüler aktiv rund um das Thema beschäftigen sollen. Der neue Bildungsplan setzt auf Seite 7 genaue Standards zu den geographischen Grundkenntnissen der Klassenstufen 5 und 6, die nachfolgend zitiert werden:

„Durch die aktive Auseinandersetzung mit der Erde in verschiedenen Darstellungsformen besitzen die Schülerinnen und Schüler die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für eine weltweite Orientierung. Die Schülerinnen und Schüler können

- strukturelle Kenntnisse des Schulorts, des Nahraums, der europäischen Region Baden-Württemberg, Deutschlands und der Erde wiedergeben; [...] und sie sind imstande, die Vielfalt der Erde als bewahrenswerte Schöpfung zu verstehen; [...]
- bei einer ausgewählten Geländearbeit handlungsorientiert geeignete Methoden (zum Beispiel Kartierung) anwenden.“

Darüberhinaus erwerben die Schülerinnen und Schüler „grundlegende methodische Kompetenzen“. „Sie können

- sich insbesondere mit dem Atlas selbstständig orientieren;
- mit Lagebeschreibungen und verschiedenen Kartentypen umgehen, wobei sie den systematischen Aufbau von Orientierungsrastern verstehen und imstande sind, Lageskizzen anzufertigen;
- einfache Diagramme und Tabellen auswerten und Fotos, insbesondere Schrägluftbilder beschreiben und interpretieren.“[4]

Die Lehrkraft trifft bei der exemplarischen Auswahl die Entscheidung, welche Inhalte und Begriffe für die Einheit essentiell sind und welche eventuell weggelassen und/oder vereinfacht werden können. Dies geschieht im Sinne der didaktischen Reduktion. Die Lehrkraft konzentriert sich nun auf ihre Auswahl aus der Stofffülle und wählt daraus die 20-40 wichtigsten und elementarsten Begriffe aus. Idealerweise ist die Anzahl dieser niedriger, da die Lernenden bei einem zu großen Input leichter überfordert und gelangweilt werden.[5]

[...]


[1] Vgl. Wahl, Dietheln: Der Advance Organizer: Einstieg in eine Lernumgebung. URL: http://www.prof-diethelm-wahl.de/pdf/Perspektive.pdf. (zuletzt aufgerufen am: 10.Juni 2016)

[2] Vgl. Hepting, Roland: Zeitgemäße Methodenkompetenz im Unterricht. Eine praxisnahe Einführung in neue Formen des Lehrens und Lernens. Verlag Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn/ OBB. 2004. S.50-53

[3] Wahl, Diethelm: Der Advance Organizer: Einstieg in eine Lernumgebung. A.a.O. S.8

[4] Vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Stuttgart. 2016. URL: http://www.bildung-staerkt-menschen.de/service/downloads/Bildungsstandards/Rs/Rs_EWG_bs.pdf. (zuletzt aufgerufen am 10. Juni 2016.)

[5] Vgl. Wahl, Diethelm: Der Advance Organizer: Einstieg in eine Lernumgebung. 2011. S.3-9

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Advance Organizer. Schüleraktive Lernprozesse gestalten mit den Erfahrungen aus dem "Markdorfer Modell" (Erdkunde 5. Klasse)
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
8
Katalognummer
V383094
ISBN (eBook)
9783668585843
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Advance Organizer Die Erde, Die Erde, Advance Organizer Psychologie, Psychologie, Advance Organizer
Arbeit zitieren
Denise Reisch (Autor), 2016, Advance Organizer. Schüleraktive Lernprozesse gestalten mit den Erfahrungen aus dem "Markdorfer Modell" (Erdkunde 5. Klasse), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383094

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