Bildungsbenachteiligung in Deutschland. Die besondere Situation von Kindern mit Migrationshintergrund


Bachelorarbeit, 2017

61 Seiten, Note: 1,7

Aylin Grüneberg (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zusammenhang von Migration und Bildung
2.1 Definition: Migration
2.2 Definition: Bildung

3. Aspekte der Migration in Deutschland
3.1 Entwicklung und Rückblick
3.2 Gegenwertige Situation
3.2.1 Migranten aus der Türkei
3.3 Deutsche Medien und Migranten

4. Aspekte der Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund
4.1 Bildungs- und Berufschancen der Migrantenkinder
4.2 Häufig genannte Gründe für die Benachteiligung der Migrantenkinder
4.2.1 Parallelgesellschaft und räumliche Segregation

5. Angewandte empirische Methode der vorliegenden Arbeit
5.1 Methodenwahl und Vorgehensweise
5.2 Analyse und Reflexion der Forschungsmethode

6. Bildungsbenachteiligung anhand von familiären Bedingungen
6.1 Analytische Auswertung der Forschungsmethode/Interviews
6.1.1 Stellenwert von Familie bezüglich Migration und Bildung
6.1.2 Sprache und Familie
6.3 Sozioökonomischer Status von Familien mit Migrationshintergrund

7. Erklärungsansätze
7.1 Heutige Sichtweise von Eltern

8. Fazit und Lösungsansätze

9. Literaturverzeichnis

10. Quellenverzeichnis

Anhang: Leitfragen Interviews

l. Einleitung

Das Thema Migration ist auch heute noch eines der aktuellsten aber auch umstrittensten globalen Aspekte des 21. Jahrhunderts. Gerade die Flüchtlingswelle von letztem und diesem Jahr machen das Ausmaß dieses Themas noch wichtiger und zwangen die Menschen dazu sich mit diesem auseinanderzusetzen.

Migration steht in einer Beziehung zu Bildung und auch das deutsche Bildungssystem steht seit einiger Zeit wieder im Mittelpunkt von öffentlichen Diskussionen.

Doch was bedeutet Migration überhaupt? Und welches Verhältnis zu Bildung besteht?

Seit knapp vierzig Jahren hat sich Deutschland zu einem Einwanderungsland entwickelt. Besonders türkische Migranten bilden die größte Minderheit in der Bundesrepublik. Das Bildungssystem stößt jedoch auf eine Herausforderung, wenn es darum geht, diese Migranten optimal zu integrieren und sie bezüglich der Bildung nicht zu benachteiligen. Bis heute stellt dieser Aspekt ein Problem dar und konnte nicht bewältigt werden. Aus vielen Studien geht ebenso hervor, dass Kinder und Jugendliche mit einem Migrationshintergrund (selbst wenn sie hier geboren wurden) es wesentlich schwerer haben sich im deutschen Bildungssystem zurecht zu finden und erfolgreiche Abschlüsse zu absolvieren - es besteht eine Bildungsbenachteiligung. Weitere Studien haben belegt, dass die Integrationspolitik und die Bildungspolitik diese Probleme nicht ausreichend und nachhaltig behandelt haben. Aber gerade in einem Land wie Deutschland, welches sich gegenüber Einwanderern tolerant gibt, ist eine erfolgreiche Integration notwendig, um einen gesellschaftlichen Zusammenhalt gewährleisten zu können.

Der Beweggrund für diesen Untersuchungsgegenstand war die Tatsache, dass ich selber einen türkischen Migrationshintergrund besitze und mich viel intensiver mit diesem Thema beschäftigen wollte. Daher werde ich mich im Laufe dieser Arbeit hauptsächlich auf türkische Migranten beziehen, um eine klarere Eingrenzung und Struktur zu schaffen. Oftmals habe ich das Gefühl, dass man als Mensch mit einem (türkischen) Migrationshintergrund von der Gesellschaft „in einen Topf geworfen wird“. Ich wollte diese Entwicklung näher untersuchen und herausfinden, wie es zu solchen Ansichten kommt. Im Vordergrund steht natürlich immer der Aspekt der Bildungsbenachteiligung, bei der es wichtig ist, kenntlich zu machen ob diese anhand von familiären Bedingungen ausgelöst wird und weiterhin vorherrscht.

Ich kann mich in vielerlei Hinsicht mit der Forschungsfrage identifizieren und habe parallel dazu den Vorteil, vieles auch aus eigener Erfahrung berichten zu können. Durch den ständigen Kontakt mit Ausländern und Deutschen haben sich im Laufe meiner schulischen Laufbahn klare Unterschiede ergeben auf die ich immer öfter und mit einer anderen Weitsicht zurückblicke.

Aus diesen ganzen Teilaspekten und Erfahrungen ergab sich für mich eine Forschungsfrage, die ich näher untersuchen wollte. Nämlich, ob der Bildungserfolg von Kindern vom türkischen Migrationshintergrund der Eltern beeinflusst wird.

Ziel war es also, herauszustellen, ob familiäre Bedingungen die Kinder daran hindern, den Schulbeginn und ihre weitere schulische sowie berufliche Laufbahn angemessen zu bewältigen.

Bei der vorliegenden Arbeit ist es zunächst wichtig den Zusammenhang von Migration und Bildung näher zu erläutern, damit an dieser Stelle ein allgemeines Verständnis gegeben ist. So werden die Begriffe Migration und Bildung definiert und anschließend das Verhältnis zueinander dargestellt.

Im zweiten Kapitel geht es um die Aspekte der Migration in Deutschland. Hierbei werden im wesentlichen Entwicklung und Rückblicke untersucht. Wann begann Migration in Deutschland? Wie hat diese sich im Laufe der letzten vierzig Jahre verändert?

Auch die gegenwärtige Situation wird Gegenstand dieses Kapitels sein, um klar zu machen, wie die Sachlage in der Bundesrepublik heute aussieht. In dem darauffolgenden Unterkapitel wird dann speziell Bezug auf türkische Migranten genommen, die auch die „Hauptmigrantengruppe“ in dieser Arbeit ausmachen. Welche Beweggründe führten zu einem dauerhaften Aufenthalt in Deutschland? Wie begann die Migration von türkischen Migranten? Alle diese Fragen werden in diesem Kapitel herangezogen und beantwortet. Das vierte Kapitel setzt sich mit der Bildungssituation von Migrantenkindern auseinander und behandelt Aspekte wie die Bildungs- und Berufschancen dieser Kinder und nennt Gründe für die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund. Welche Chancen sind gegeben und gibt es diesbezüglich positive Entwicklungen zu verzeichnen? Wieso werden gerade Kinder mit Migrationshintergrund benachteiligt? Was sind die Ursachen für dieses weitläufige Problem?

Im darauffolgenden Kapitel geht es um die Untersuchung der eigentlichen Forschungsfrage, für die qualitative Interviews mit vier Schülern und einer Lehrerin geführt wurden. Es werden die Methodenauswahl und die Vorgehensweise erläutert und eine Analyse der Forschungsmethode herangezogen. Dies gibt Aufschluss darüber, unter welchen Aspekten die Forschungsfrage untersucht und bearbeitet wurde.

Das vorletzte Kapitel bezieht sich schlussendlich auf die Bildungsbenachteiligung anhand von familiären Aspekten. Welchen Stellenwert hat Familie in Bezug auf Bildung und Migration? Welche Strukturen herrschen bei einer „typisch“ türkischen Migrantenfamilie? Welchen Einfluss hat die Sprache bei der Bildungsbenachteiligung?

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird Bezug auf den soziökonomischen Status dieser Familien genommen. Hierbei gibt es einen Einblick in das Modell der „sozialen Herkunft“, welches ein Gesamtverständnis dieses Kapitels gewährleistet. Auch die räumliche Segregation wird hier thematisiert. Wie kommt es zu einer Parallelgesellschaft? Wie verhindert man eine sich weiterentwickelnde Segregation?

Letztlich werden Erklärungsansätze geschildert und Vermutungen angestellt, die sich mit der Entwicklung von Bildung früher und heute beschäftigen und die heutige Sichtweise der Eltern miteinbeziehen.

Das Fazit gibt dann Auskunft über die gesammelten Ergebnisse und fasst diese noch einmal kurz zusammen. Eine Prognose im Anschluss erläutert die Entwicklung in den kommenden Jahren. Wird die Benachteiligung schlimmer oder ist es möglich diese herabzusetzen und die Disparitäten zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund mehr und mehr zu verkleinern?

2. Zusammenhang von Migration und Bildung

2.1 Definition: Migration

Der Begriff „Migration“ stammt etymologisch aus dem lateinischen Wort migratio und bedeutet übersetzt Wanderung. Die Migration ist ein dauerhaft werdender Wechsel in eine andere Gesellschaft beziehungsweise in eine andere Region von einem Menschen oder mehreren Menschen (vgl. Ceri 2005). Außerdem kann man darunter das Verlassen - sei es gezwungen oder auch freiwillig - des Heimatlandes aus politischen, religiösen und wirtschaftlichen Gründen verstehen.

Wichtig ist es jedoch vorab die Differenzierung des Migrationshintergrundes zu klären beziehungsweise die Einordnung näher zu erläutern. Wenn man sich auf die Gruppierung bezieht, so lassen sich vier Migrationsgruppen festmachen. Die Arbeitsmigranten aus den süd- und südeuropäischen ehemaligen Anwerbeländern oder deutschstämmige Aussiedler aus Polen, Rumänien beziehungsweise Ländern aus der ehemaligen Sowjetunion. Auch

Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber und Zuwanderer aus Ländern der EU gehören dazu.

Wenn man mm jedoch den Begriff Migration als solchen noch mehr verallgemeinern mœM^ so gibt es wesentlich mehr Formen in der Geschichte und auch der Gegenwart. Folgende Tabelle veranschaulicht dies:

Tab. 1· Migrationsformen in Geschichte und Gegenwart

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Migrationsformen in Geschichte und Gegenwart (Quelle: Weber 2013, S.31.)

Diese Tabelle zeigt, in wie viele Facetten sich der Begriff letztlich einordnen lässt. Die Abbildung erläutert zunächst um welche Form der Migration es sich handeln kann und stellt im Anschluss die Merkmale, Teilphänomene und die Beispiele dar. Bis zum Begriff der Siedlungswanderung handelt es sich um Formen der Migration, bei der sich Individuen, Gruppen oder auch Familien darum bemühen, durch Bewegungen innerhalb von geographischen und sozialen Räumen , ihre eigenen Bildungs-, Ausbildungs-, Erwerbs-, oder auch Heiratschancen zu verbessern (vgl. Weber 2013). Ausgenommen sind die hier der Sklaven- und Menschenhandel und die Zwangszuwanderung als eine Form der Migration, bei denen es sich nicht um freiwillige und selbstbestimmende „Wanderungen“ handelt. Darauf wird im weiteren Verlauf noch einmal näher eingegangen.

Generell lässt sich sagen, dass Migration ein Element der Lebensplanung ist, welcher des Öfteren mit Grundsatzentscheidungen, wie Berufswahl, Arbeitsplatz oder Heirat zusammenhängt. Viele dieser Migranten, die aus solchen Beweggründen ihre Heimat verlassen, sind relativ jung, sodass die meisten Entscheidungen auch auf die Familien zurückzuführen sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der folgenden Tabelle werden damit die Hintergründe und die raum-zeitlichen Dimensionen ersichtlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Hintergründe und raum-zeitliche Dimensionen von Migration

(Quelle: Weber 2013, S.32.)

Anhand dieser Tabelle werden die Hintergründe, Räume sowie Richtung und Dauer der Aufenthalte näher geschildert. Interessant ist es nämlich nicht nur welche Formen der Migration auftauchen, sondern auch deren Beweggründe und auch der Verlauf solcher Aufenthalte.

Hintergründe lassen sich natürlich viele verschiedene nennen. So gehören die zuvor genannten Punkte, wie die Chancenwahrnehmung und Zwang mittlerweile und auch aktuell zu den gängigsten Hintergründen. Räumlich betrachtet kann dies die unterschiedlichsten Ausmaße haben. So kann die Migration intraregional aber auch interkontinental stattfinden.

Auch die Richtung verdeutlicht wie eine Wanderung vollzogen wird. Ob unidirektional, etappenweise oder zirkulär. Die einen Verfahren nehmen mehr oder weniger Zeit und Geld in Anspruch. Auch die Dauer des Aufenthaltes spielt bei der Migration eine bedeutsame Rolle. Bezieht man sich an dieser Stelle auf die Gastarbeiter, die in den 60er Jahren nach Deutschland kamen, so ist es fast schon verheißungsvoll, dass diese Menschen sich eigentlich nur aufgrund ihres Arbeitslebens in Deutschland aufhielten. Genauer gesagt, kehrten diese Gastarbeiter nach einigen Monaten oder auch Jahren wieder zurück in ihre Heimat, bis sie sich irgendwann dazu entschlossen für immer, also auf Lebenszeit und intergenerationell in Deutschland zu bleiben und parallel dazu ihre Familien einreisen ließen, um sich ein gemeinsames Leben aufbauen zu können. Die

Familienzusammenführung ist hier also ein entscheidender Aspekt der Migration Die Entscheidung zur Migration unterliegt normalerweise vielfältigen Beweggründen. Wie schon zuvor erwähnt, besteht diese aus freiwilligen Anlässen. Eine gegensätzliche Form der Migration bestimmt jedoch die der Zwangswanderung. Hierbei geht es um eine Art Nötigung, die vollzogen wird und erst zur Abwanderung führt. Dabei kann es sich um Vertreibung oder auch Flucht vor Gewalt handeln (vgl. Weber 2013). Folgende Tabelle veranschaulicht die einzelnen Formen der Zwangswanderung und wie diese sich kennzeichnen lassen:

[...]


[1] Quelle: https://www.aphorismen.de/zitat/13967

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Bildungsbenachteiligung in Deutschland. Die besondere Situation von Kindern mit Migrationshintergrund
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
61
Katalognummer
V383117
ISBN (eBook)
9783668597563
ISBN (Buch)
9783668597570
Dateigröße
46913 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungssystem, Deutschland
Arbeit zitieren
Aylin Grüneberg (Autor), 2017, Bildungsbenachteiligung in Deutschland. Die besondere Situation von Kindern mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383117

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