Wie kann es gelingen, Menschen dazu zu bewegen, ihren Lebensstil so zu verändern, dass die Klimaziele begünstigt werden?


Hausarbeit, 2017

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hindernisse bei der Umsetzung der Klimaziele

3 Aktuelle Ansätze für eine Änderung des Konsumverhaltens
3.1 Mobile Applikation „Ökobeichtstuhl“
3.2 Website „myclimate“
3.3 Umweltprämie (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle)

4 Diskussion der Ansätze

5 Zusammenfassung (Fazit)

Literaturverzeichnis

Abstract

Bei der Weltklimakonferenz 2015 in Paris haben sich 195 Länder dieser Erde auf ein neues Klimaabkommen (Paris Agreement) geeinigt. Das Paris Agreement besagt unter anderem, dass die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten schrumpfen soll. Um dies zu erreichen, müssen allerdings die Menschen in den Industrienationen ihr Konsumverhalten verändern.

Wie kann es gelingen, Menschen dazu zu bewegen, ihren Lebensstil so zu verändern, dass die Klimaziele begünstigt werden?

Diese Arbeit untersucht anhand von drei konkreten Beispielen aus dem europäischen Raum, der Mobilen Applikation „Ökobeichtstuhl“, der Website „myclimate“ und der Umweltprämie der Regierung der Bundesrepublik Deutschland, Ansätze, die eine Antwort auf die Leitfrage versuchen. Anhand erster Ergebnisse zum Erfolg dieser Beispiele wird eine vorsichtige Evaluation im Hinblick darauf, ob sie wirklich bewirken, dass Menschen ihren Lebensstil verändern, vorgenommen.

1 Einleitung

„Bio predigen und Business fliegen“ (Jeitzinger, 2016, o.S.) titelt die Überschrift zu einem Artikel über Inkonsequenz bezüglich des Klimaschutzes. Menschen kaufen Bio-Eier, fliegen aber in den Ferien auf die Malediven; sie haben Solarzellen auf dem Dach, aber pendeln jeden Morgen mit ihrem SUV zur Arbeit. Damit zeigt ein Individuum gleichzeitig ein klimafreundliches und ein klimaschädliches Verhalten. Diese Widersprüchlichkeit lässt nach der Ernsthaftigkeit des Bemühens um den Klimaschutz fragen. Es gibt Anzeichen für eine Spannung zwischen dem Bedürfnis nach einem guten ökologischen Gewissen und der Bereitschaft, sich wirklich für eine Verbesserung des Klimas einzuschränken.

In den letzten Jahrzehnten hat die Diskussion um den Klimawandel gesellschaftlich einen starken Aufschwung erfahren. Es gibt einen breiten wissenschaftlichen Konsens, dass ein Klimawandel real existiert, der weitreichende Gefahren für die uns nachfolgenden Generationen bedeutet. 2015 hat die Weltklimakonferenz in Paris Ziele verabschiedet, um die Erwärmung des Klimas zu stoppen. Zur Unterstützung dieser Ziele haben sich Projekte und Organisationen formiert, die den Menschen bewusst machen wollen, dass sie direkt vom Klimawandel betroffen sind und aufgerufen ihr Verhalten zu ändern. Drei Beispiele werden in dieser Arbeit vorgestellt. Kriterien für die Auswahl waren Aktualität, Seriosität und Massentauglichkeit, dabei war der digitale Zugang Bedingung. Als Initiatoren wurde ein staatliches Angebot (Umweltprämie), ein Angebot aus dem wissenschaftlichen Bereich (Ökobeichtstuhl) und ein Ansatz aus dem Stiftungswesen (myclimate) berücksichtigt.

Eine finale, statistisch breit basierte Auswertung, ob die drei gewählten Beispiele zu mehr Klimabewusstsein im Sinne der Pariser Klimaziele beitragen, lässt sich im Rahmen dieser Arbeit nicht leisten. Nach der Darstellung der Ansätze wird dennoch auf der Basis bereits verfügbarer Daten versucht, eine entsprechende Tendenz festzustellen. Anschliessend wird untersucht, ob die drei gewählten Beispiele zukunftsweisende Modelle zur Stärkung von Klimabewusstsein sein können und ob sie das Potenzial haben, eine Verhaltensveränderung im Sinne einer Förderung der Pariser Klimaziele zu bewirken.

Der Arbeit wurden die Dokumente des Paris Agreements zu Grunde gelegt. Sie zeigen die breite Akzeptanz der Realität des Klimawandels und Einigkeit darüber, dass ein Engagement der Weltbevölkerung nötig ist um die Klimaziele zu erreichen. Literatur aus den letzten Jahren zeigt einerseits ein wachsendes Bewusstsein (Wenzel, Kirig, & Rauch, 2008), andererseits aber Hindernisse (Armbruster, 2016) für das Ziel Konsumentenverhalten zu ändern. Für Einzelfragen wurden Untersuchungen, die sich mit speziellen Bereichen der angestrebten Konsumveränderung befassen, wie zum Beispiel der Elektromobilität anstelle von Verbrennungsmotoren herangezogen. (Woyczechowski, 2014 & Karle, 2016).

2 Hindernisse bei der Umsetzung der Klimaziele

Aus den Klimazielen lässt sich ableiten, dass gerade Menschen in den Industrieländern ihr Konsumverhalten überdenken und den Konsum im bestimmten Bereichen einschränken müssen. Im letzten einführenden Satz des Pariser Klimaabkommens „in der Erkenntnis, dass nachhaltige Lebensweisen und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster, hinsichtlich derer die Vertragsparteien, die entwickelte Länder sind, die Führung übernehmen, eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Klimaänderungen spielen“ (Paris Agreement, 2015, S.3) wird entsprechend darauf hingewiesen (vgl. auch Paris Agreement Art. 2, Abs. b). Aktuelle Untersuchungen unterstreichen, dass der Klimawandel real ist und gehandelt werden muss (z.B. „Climate Science Special Report“ vom U.S. Global Change Research Program, 2017).

Bei der Umsetzung der international vereinbarten Standards auf nationaler Ebene gibt es Hindernisse. Wie schon der Titel der Bachelorarbeit „Nachhaltige Klimapolitik: Hindernisse einer effektiven Klimapolitik in einem demokratischen System“ (Armbruster, 2016) beschreibt, kann man einer demokratischen Gesellschaft nichts einfach „vorschreiben“. Die Bürger eines demokratischen Staates müssen sich für Veränderungen persönlich entscheiden und sie sich zu Eigen machen. In diesem Zusammenhang sorgt die Aufforderung sich einschränken zu müssen für Schwierigkeiten „Kallbekken und Sælen (2010) führten auf der Grundlage ihrer repräsentativen Umfrage zur Mineralölsteuer in Norwegen empirische Tests durch und fanden heraus, dass die Unterstützung für umweltpolitische Massnahmen aus der Bevölkerung am besten erreicht werden kann, wenn wenn der Glauben an die negativen Folgen der Umweltverschmutzung besteht, gefolgt vom Glauben an die positiven Konsequenzen welche aus solch einer Massnahme resultieren können.“ (Armbruster, 2016, S. 46)

Der grundlegende fundamentale Prozess, Änderung im Verhalten herbei zu führen baut nach Paehlke (1996) und Stern (2007) auf der öffentlichen Bildung beziehungsweise der optimalen Bereitstellung von Informationen auf. Ihnen zu Folge kann sich nur eine informierte Bevölkerung auf die Herausforderung des Klimawandels vorbereiten und entsprechend anpassen (Paehlke, 1996 & Stern, 2007). Unzureichende Information behindert entsprechend Veränderungsprozesse im Blick auf das Konsumverhalten. (Heidbrink & Schmidt, 2009) Um Verhalten zu verändern müssen also gute Informationsmöglichkeiten, die das Potenzial für eine Bewusstseins- und Verhaltensänderung haben, für die Bevölkerung bereit gestellt werden. Wenn dann das Bewusstsein für die Veränderung der Umwelt auf Grunde des Verhaltens der Bevölkerung geschärft ist, dann ist es gut möglich, dass positive Konsequenzen gezogen werden und die Verhaltensweisen sich zum Schutz vor den Auswirkungen des Klimawandels ändern. Im folgenden werden drei Ansätze vorgestellt, die versuchen, über Informationen zu den Auswirkungen persönlichen Konsumverhaltens im Blick auf den Klimawandel eine Veränderung im Bewusstsein und im Konsumverhalten zu bewirken.

3 Aktuelle Ansätze, um Konsumverhalten bewusst zu machen und zu ändern

Es gibt unterschiedliche aktuelle Ansätze um das Konsumverhalten der Bevölkerung in Richtung einer Unterstützung der Klimaziele zu verändern. Im folgenden werden drei Ansätze als Beispiele beschrieben.

3.1 Mobile Applikation „Ökobeichtstuhl“

Die Mobile Applikation „Ökobeichtstuhl“ hatte ihren ersten Einsatz im März 2016. Sie wurde entwickelt von dem Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und mithilfe von externen Partnern (Gebert Rüf Stiftung und Stiftung Mercator Schweiz). Der Ökobeichtstuhl wurde als interdisziplinäres Projekt entwickelt um die Sensibilisierung für die Bevölkerung bezüglich des Klimawandels und der Umwelt zu stärken. Es sollten die wirklich ökorelevanten Sünden pointiert dargestellt und entsprechende Gegenmassnahmen vorgestellt werden. Der Ökobeichtstuhl wurde als App entwickelt, die man sich auf seinem Smartphone herunterladen kann. Es wurde jedoch auch ein Exemplar in Form einer begehbaren Box geschaffen, dass als Objekt für Events dienen soll. In der auffälligen, begehbaren Box werden die Besuchenden von einer Stimme herzlich Willkommen geheissen. Im Dialog wird auf einem interaktiven Touchscreen zwischen diversen umweltschädigenden Taten eine passende ausgewählt, worauf verschiedene Möglichkeiten zur Wiedergutmachung angeboten werden. (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaftler, 2016) Die Box ging für ein Jahr auf Tournee und war bei vielen verschiedenen Events zugänglich. Seit März 2017 steht sie nun in der Umweltarena in Spreitenbach. Sie kann jedoch immer noch ausgeliehen werden. Der Ökobeichtstuhl wurde vom Nachhaltigkeitsrat der deutschen Bundesregierung mit dem Gütesiegel Werkstatt N als eines der 100 innovativsten nachhaltigen Projekte ausgezeichnet. (Stiftung Mercator Schweiz, 2016) Die App des Ökobeichtstuhls wurde mittlerweile (Stand 23. Oktober 2017) rund 4000 mal heruntergeladen.

Der Ökobeichtstuhl ist keine Methode die den Menschen belohnt, sie macht ihm bewusst, was er mit seinem Verhalten verursacht. Das Prinzip des Ökobeichtstuhls setzt aktive Annäherung und Auseinandersetzung voraus, entweder im Herunterladen der App oder durch das Hineingehen in die Box. Das birgt natürlich das Risiko, dass viele Menschen den Ökobeichtstuhl übersehen, da es ihnen schlicht zu viel Aufwand ist. Auf der anderen Seite weckt der Ökobeichtstuhl die persönliche Neugierde. Neugierde ist ein starker Motor für das Handeln von Menschen, die sich in einer Multioptionsgesellschaft etablieren (wollen). (Rütschi, 2008, S. 26)

3.2 Website „Myclimate“

Myclimate ist eine Schweizer Stiftung, die im Jahr 2002 gegründet wurde. Sie soll gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft sowie Privatpersonen durch Beratungs- und Bildungsangebote sowie eigene Projekte die Zukunft der Welt gestalten. Ihr Ziel soll die gemeinnützige Stiftung marktorientiert und kundenfokussiert verfolgen. Die Stiftung betreut zur Zeit 70 Klimaprojekte in 30 Ländern. (Myclimate, o.D.) Myclimate hat Partner in verschiedenen Branchen. Wenn man zum Beispiel einen Flug mit Lufthansa bucht, hat man die Möglichkeit seine CO2 Bilanz durch eine Zahlung, die von myclimate errechnet wird, auszugleichen. Auf einem Hin- und Rückflug von Frankfurt nach New York „verursacht“ ein Mensch in der Economy Klasse den Ausstoss von ca. einer Tonne CO2. Um diese Tonne Emission auszugleichen, kann man entweder direkt auf der Lufthansaseite oder auf der myclimate Seite einen Betrag zahlen. Die Ausgleichszahlung wird an Klimaschutzprojekte weitergeleitet. Der Nutzer wird bei seiner Buchung direkt angesprochen. Durch die Größe der Organisation werden in einem jährlich veröffentlichten Jahresbericht sämtliche Finanzen offengelegt. Der Schweizer Staat hat recht grossen Einfluss, erst recht durch die prominenten Unterstützer aus der Politik, die wichtige Patronatsposten innerhalb der Stiftung inne haben.

Myclimate wurde für seine Aktionen weltweit mehrfach ausgezeichnet (u.a. UNESCO und United Nations). Durch die Einfachheit der Spende ist das Projekt myclimate einzigartig und für die Nutzung durch die breite Masse angelegt. Der Ansatz, die Ökobilanz durch Spende zu verbessern ist ein viel diskutiertes Thema. Wie die provozierende Überschrift „Take My Emissions, Please“ (T Lacapra, 2007) schon anmuten lässt wird auch der „Moderne Ablasshandel“ (Wenzel, Kirig & Rauch, 2008) immer wieder gerne von Kritikern angesprochen. Unbestritten ist jedoch, dass myclimate mit den Spenden umweltbetreffende Projekte neu initiiert und voran getrieben hat. Ausserdem kann myclimate ein beeindruckendes Wachstum vorweisen (Mutschler, 2012, S. 48), was eine stetige Steigerung der Spenderbereitschaft beweist.

3.3 Umweltprämie des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)

Seit Juli 2016 gibt es eine Umweltprämie für das Erwerben von Elektro- und Hybridwagen. Ausgelobt wurde diese Prämie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Es stehen insgesamt 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung, 600 Millionen vom Staat und 600 Millionen von den Herstellern. (M Schwarzer & Breitinger, 2016) Pro Automobil lässt sich ein Umweltbonus von bis zu 4000€ erreichen, vorausgesetzt, man kauft ein reines Elektroauto. Bei einem Plug-In Hybrid mit weniger als 50g CO2 Emission pro Kilometer erhält man immerhin noch bis zu 3000€. Das neu erworbene Automobil darf allerdings einen Listenpreis von 60.000€ nicht überschreiten. (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, 2016) Bei allen Varianten teilen sich Staat und Hersteller die Prämie auf. Sobald der gesamte Topf von 1,2 Milliarden Euro verbraucht ist, wird die Prämie nicht mehr ausgezahlt.

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Details

Titel
Wie kann es gelingen, Menschen dazu zu bewegen, ihren Lebensstil so zu verändern, dass die Klimaziele begünstigt werden?
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V383464
ISBN (eBook)
9783668662667
ISBN (Buch)
9783668662674
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
menschen, lebensstil, klimaziele
Arbeit zitieren
Moritz Helpap (Autor), 2017, Wie kann es gelingen, Menschen dazu zu bewegen, ihren Lebensstil so zu verändern, dass die Klimaziele begünstigt werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383464

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