Musik für alle? Politische Implikationen von der Jugendmusikbewegung bis heute


Examensarbeit, 2008
85 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Jugendmusikbewegung
1.1 Gesellschaftlicher Hintergrund
1.2 Ideologie
1.2.1 Jugendbewegung
1.2.2 Jugendmusikbewegung
1.3 Bildungsziele
1.3.1 Ziele der Jugendmusikbewegung
1.3.2 Wege der Umsetzung
Zwischenbetrachtung

2. „Gemeinschaftsmusikkultur“ im Dritten Reich
2.1 Gesellschaftlicher Hintergrund
2.2 Ideologie
2.3 Bildungsziele
2.3.1 Ziele
2.3.2 Wege der Umsetzung
Zwischenbetrachtung

3. Musik und die „Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit“ in der DDR
3.1 Gesellschaftlicher Hintergrund
3.2 Ideologie
3.3 Bildungsziele
3.3.1 Ziele
3.3.2 Wege der Umsetzung
Zwischenbetrachtung

4. Adornos „Kritik des Musikanten“
4.1 Gesellschaftlicher Hintergrund
4.2 Ideologie
4.3 Bildungsziele
Zwischenbetrachtung

5. Aktuelle Musikförderung am Bespiel von Jedem Kind ein Instrument (JeKI)
5.1 Gesellschaftlicher Hintergrund
5.2 Ideologie
5.2.1 Musikpädagogische Forschung
5.2.2 Neurowissenschaftliche Forschung
5.3 Jedem Kind ein Instrument
5.3.1 Geschichte
5.3.2 Konzept
5.3.3 Evaluation
5.4 Bildungsziele

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Eine besondere Faszination übt für mich das Ziel der Jugendmusikbewegung aus, allen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, politischen Orientierung oder ihrem Kapitalbesitz eine musikalische Aktivität zu ermöglichen.

Interessant scheint mir dabei, die Entwicklung dieser Zielsetzung über die Zeit der von Jugendmusikbewegung (1917) bis heute unter verschiedensten politischen Systemen zu untersuchen. Darüber hinaus besteht für mich aufgrund meines verwandtschaftlichen Verhältnisses zu Fritz Jöde (Enkel - Großvater), einem Vertreter der Jugendmusikbewegung, ein Interesse daran, mich mit einer Thematik zu beschäftigen, in der Teile seiner Tätigkeit von Bedeutung sind. Die Arbeit meines Großvaters wurde in meinem Elternhaus nur gelegentlich thematisiert, und es stand dabei stets eine gewisse „ehrfurchtsvolle Distanz“ im Raum. Ich hoffe, durch die differenzierte Betrachtung die Arbeit Fritz Jödes als eines exponierten Vertreters der Jugendmusikbewegung und noch immer gelegentlich zitierten Musik-pädagogen und die Relevanz einiger seiner Ideen für die heutige Praxis der Musikförderung kritisch zu würdigen.

Die vorliegende Arbeit geht zum einen der Frage nach, inwiefern sich die politischen Implikationen, bezogen auf das praktische Musizieren, seit der Jugendmusikbewegung verändert haben und zum anderen, inwiefern sich das Ziel der Jugendmusikbewegung - ein allgemein zugängliches Musizieren - realisiert hat. Dabei gehe ich davon aus, dass politische Implikationen die Bildungsziele des schulischen und außerschulischen Musizierens und Musikunterrichts bestimmen und somit auch deren Förderung. Die Bildungsziele sollen also nicht bis auf die konkrete Unterrichtsgestaltung hin diskutiert werden, sondern vielmehr auf der übergeordneten, das Musizieren begründenden Ebene.

Die als „politisch“ bezeichneten Implikationen beruhen dabei auf einem über den staatlichen Bereich hinausgehenden Politik-Begriff. Nach dem Soziologen Max Weber (1864–1920) umfasst der Begriff Politik zunächst einmal „jede Art selbständig leitender Tätigkeit“.[1] Ausgehend von dieser weit gefassten Definition von Politik orientiere ich mich an einer konkreteren Begriffsdefinition:

„Politik bezeichnet jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen.“[2]

Dies soll als allgemeine Definition von Politik für diese Arbeit gelten. Sie erfasst sowohl die politische Dimension der von staatlicher Seite, beispielsweise während des NS-Regimes oder in der Deutschen Demokratischen Republik verfolgten Bildungsziele, als auch die politische Dimension der von den Vertretern der Jugendmusikbewegung verfolgten Bildungsziele und Tätigkeiten.

Es lässt sich beobachten, dass die Bildungsziele, die dem schulischen und außerschulischen Musizieren zugrunde lagen, im Laufe der letzten hundert Jahre deutliche Akzentverschiebungen erfahren haben. Interessant erscheint dabei, dass vordergründig eine Kontinuität insofern besteht, als musikalische Förderung jedem Kind unabhängig von der sozialen Herkunft zugänglich gemacht werden sollte. Allerdings bestehen deutliche Differenzen in der dahinter stehenden Absicht. Ging es in der Zeit der Jugendmusikbewegung einerseits darum, den elitären bildungsbürgerlichen Alleinvertretungs-anspruch des Musizierens zu überwinden, so war andererseits der Gedanke zentral, dass sich das Kind durch das praktische Musizieren erst ganzheitlich erleben könne. In den letzten Jahren scheint sich die frühere Utopie der Jugendmusikbewegung realisiert zu haben, weil die Akzeptanz der Programme wie zum Beispiel Jedem Kind ein Instrument (JeKI) als gesellschaftlicher Konsens gelten können. Bezüglich der impliziten Bildungsabsichten, die sowohl dem außerschulischen als auch dem schulischen Musizieren zugrunde liegen, hat sich jedoch ein deutlicher Wandel vollzogen. Stand in der Jugendmusikbewegung das „ganzheitliche Erleben“ im Vordergrund musikalischer Bildung, so kann heute gelten, dass Musikunterricht und musikalische Programme im pädagogischen Kontext daraufhin zielen, Kinder für die Leistungsgesellschaft „optimal“ vorzubereiten, indem Intelligenzleistung sowie soziale Kompetenz durch das Musizieren gesteigert werden sollen. Dies wird inzwischen zumindest vom schulischen Musikunterricht erwartet, der sich nur schwer neben den so genannten Kernfächern behaupten kann. Das Musizieren hat seinen Status als Selbstzweck eingebüßt.

Im Folgenden spanne ich den Bogen der Betrachtung von der Jugendmusikbewegung bis heute und unterteile diesen in fünf Kapitel:

- Das erste Kapitel befasst sich mit Ideologie und Bildungszielen der Jugendmusikbewegung (1917-1933), denn diese können als Wegbereiter für ein gesellschaftlich umfassendes praktisches Musizieren betrachtet werden und stellen den Ausgangs- und Bezugspunkt für alle weiteren Überlegungen dar.
- Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der „Gemeinschafts-musikkultur“ während des Nationalsozialismus (1933-1945).
- Das dritte Kapitel behandelt die durch Musikerziehung angestrebten Bildungsziele in der DDR (1949–1989).
- Das vierte Kapitel bezieht sich auf Konsequenzen aus Adornos „Kritik des Musikanten“ für das Musizieren und die Musikerziehung in der Bundesrepublik Deutschland (1945–1989).
- Das fünfte und letzte Kapitel stellt ein aktuelles Musikförderprogramm dar und hinterfragt die wissenschaftliche Fundierung heutiger Bildungspolitik (1989–2008).

Die angegebenen Zeiträume sollen keine Vollständigkeit suggerieren, sondern lediglich einen zusammenhängenden Entwicklungsverlauf darstellen. Innerhalb jedes der vorgestellten fünf Kapitel werde ich folgende drei Bereiche bearbeiten:

1. gilt es, den gesellschaftlichen Hintergrund des jeweiligen Zeitraumes zu beleuchten und zu fragen, welche Gegebenheiten zu einer Veränderung der Musikförderung führten.
2. gilt es zu untersuchen, welche Ideologie das Musizieren und die Musikförderung beeinflusste. Auf die Annahme, die Begründung aktueller Musikförderung geschehe heute auf wissenschaftlicher Basis, möchte ich entgegnen, dass sich die Art der jeweils gegenwärtigen ideologischen Perspektive in der Regel erst im Nachhinein oder von einer Außensicht her erkennen lässt.
3. gilt es zu untersuchen, welche übergeordneten Bildungsziele mit dem Musizieren verfolgt und welche Wege der Umsetzung angewandt werden.

Abschließend untersuche ich auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse, inwiefern sich das Ziel der Jugendmusikbewegung („Musik für alle“) heute erfüllt hat, welche Einschränkungen gemacht werden müssen und inwiefern sich die politischen Implikationen, bezogen auf das praktische Musizieren, im Laufe der Zeit verändert haben.

Definition von „Ideologie“ und „Wissenschaft“

Der Soziologe Richard Sorg beschreibt in seinen Anmerkungen zu Erich Hahns „Zur ‚dialektischen Verfassung’ von Ideologie“ den Unterschied zwischen Ideologie und Wissenschaft. Nach Sorg sind Ideologie und Wissenschaft zwei Arten von Denken oder auch von Denkformen. Ideologie ist gegenüber der Wissenschaft eher auf praktisches Handeln ausgerichtet und will eine Orientierung im Handeln in gesellschaftlichen Konstellationen geben, in denen sich Interessen gegenüber stehen. Wissenschaft ist, anders als die Ideologie, zunächst nur auf die Erkenntnis dessen „was ist“ gerichtet, ohne direkt nach dem praktischen Nutzen zu suchen. Es geht ihr primär um Wahrheitsermittlung, wobei sie dabei abhängig vom Stand der Möglichkeiten des Wissensgewinns ist und ihre Erkenntnisse durch neue wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt werden können. Sorg weist außerdem darauf hin, dass Wissenschaft in ihrem historischen Kontext immer auch mit Elementen von Ideologie verknüpft ist.[3]

Ich lege in dieser Arbeit den Schwerpunkt auf den Begriff der Ideologie, weil ich den Hinweis Richard Sorgs, dass Wissenschaft immer auch mit Elementen von Ideologie verknüpft ist, bei meinem Thema für besonders relevant halte. Der russische Philosoph Wladimir Katasonov nimmt in „Gefahren einer Ideologisierung der Wissenschaft“ eine vergleichbare Definition des Begriffes Ideologie vor wie Richard Sorg. Er konkretisiert die Verknüpfung von Ideologie und Wissenschaft, indem er darauf verweist, dass der wissenschaftliche Erkenntnis- und Methodenstand stets untrennbar mit dem „kulturellen Horizont“ verbunden ist, aus dem er hervorgegangen ist. Daher sei er auch nicht von den „jeweils spezifischen Wertmaßstäben“ trennbar.[4] Daran anknüpfend gehe ich davon aus, dass Wissenschaft zu jeder Zeit in der Tradition der herrschenden Gesellschaftswerte existiert und somit in ihrer Fragestellung immer auch Spiegel der jeweiligen Zeit ist. Dies möchte ich an einem Beispiel verdeutlichen:

Lässt sich im Hinblick auf die Jugendmusikbewegung - wie später gezeigt wird - recht einfach eine wissenschaftsferne, stark ideologische Argumentation erkennen, so scheint heute, vordergründig betrachtet, wissenschaftlich fundiert argumentiert zu werden. Jedoch stellt sich die Frage, welche Rolle die heutige Ideologie für die Wissenschaft spielt.

An der publizistischen Aufbereitung der Ergebnisse der Berliner Langzeitstudie des Musikpädagogen Hans-Günther Bastian in „Kinder optimal fördern – mit Musik“ ist sichtbar, dass wünschenswerte Ergebnisse besonders herausgestellt werden.[5] Scheinbare Intelligenzsteigerung, Verbesserung der schulischen Leistungen und Verbesserung des Sozial-verhaltens werden betont, ohne jedoch auf die nur marginalen, weil kaum ausschlaggebenden Unterschiede zwischen Geförderten und Nicht-Geförderten hinzuweisen. Diese Form der Ergebnispräsentation folgt, wie ich behaupten möchte, ganz der öffentlichen Bildungsdiskussion und steht in Zusammenhang mit dem Problem der Fachlegitimation des Musikunterrichts, das sich nach PISA noch verstärkt hat. Der öffentliche Druck auf das deutsche Bildungssystem fordert von allen Fächern eine stärkere Orientierung an Leistung und „Markttauglichkeit“. Diese „Markttauglichkeit“ enthält die Wesensmerkmale unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft. Es ist meines Erachtens also auch hier nicht abwegig, sondern nahe liegend, von einer Ideologie, einer kapitalistisch geprägten Ideologie zu sprechen. An die Stelle einer auf ein schwammiges Menschenbild fokussierten Ideologie der Jugendmusikbewegung ist eine auf Output-Maximierung fokussierte Ideologie getreten. Aufgrund der vorausgegangenen Darstellung des Zusammenhangs zwischen Ideologie und Wissenschaft habe ich mich entschieden, auch den Aspekt der Wissenschaftlichkeit unter die Überschrift Ideologie zu stellen.

Die von mir verwendeten Quellen werde ich der Übersichtlichkeit halber zu Beginn jedes Kapitels vorstellen.

1. Die Jugendmusikbewegung

Die Jugendmusikbewegung ist eine Teilströmung der Jugendbewegung und ging aus dieser hervor. Die Beweggründe, die zu ihrer Entstehung führten, sind daher von der Jugendbewegung beeinflusst und können nicht unabhängig von ihr betrachtet werden. Beide Bewegungen entstanden vor dem gleichen gesellschaftlichen Hintergrund. Über die Jugendmusik-bewegung gibt es bereits zahlreiche Veröffentlichungen. Dabei wurden die Schwerpunkte auf unterschiedliche Aspekte gelegt. Für das folgende Kapitel waren vor allem die Veröffentlichungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von Dorothee Kolland, Karl-Heinz Reinfandt und Günter Trautner sowie einige Veröffentlichungen Fritz Jödes (1887-1970) interessant. Diese habe ich bei der Klärung der ideologischen Grundlage und der übergeordneten Bildungsziele der Jugendmusikbewegung herangezogen.

Kolland hat sich in „Die Jugendmusikbewegung“[6] ausführlich mit der „Gemeinschaftsideologie“ sowie den musikpädagogischen Vorstellungen und deren Umsetzung befasst. Damit hat sie eine umfassende Schrift zu dieser Bewegung vorgelegt, die vor allem bezüglich der ideologischen Prägung wesentliche Einsichten liefert. Das von Reinfandt herausgegebene Buch „Die Jugendmusikbewegung – Impulse und Wirkungen“ gibt in zahlreichen Aufsätzen einen Überblick über die sowohl musikalischen als auch musikpädagogischen Impulse.[7] Trautner widmete sich mit „Die Musikerziehung bei Fritz Jöde“ speziell einem Vertreter der Jugendmusik-bewegung und untersuchte dessen Verständnis von Musikerziehung.[8] Im Rahmen des folgenden Kapitels sollen auf Grundlage dieser und weiterer Texte die ideologische Grundlage, im Speziellen Jödes Menschen- und Musikverständnis sowie die daraus abgeleiteten Bildungsziele der Jugend-musikbewegung analysiert werden.

1.1 Gesellschaftlicher Hintergrund

Der gesellschaftliche Hintergrund, vor dem es zur Entstehung der Jugend- und Jugendmusikbewegung kam, hat seine Wurzeln in der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert.

Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) hatte Deutschland zu einem der stärksten Staaten Europas gemacht, doch seine konservative, den gehobenen Mittelstand fördernde Politik sowie der wirtschaftliche Aufschwung führten zu einem Auseinanderdriften des Bürgertums durch eine Feudalisierung des gehobenen Mittelstands.[9] In den Zentren der Industrialisierung organisierten sich die Arbeiter als Gegenbewegung zur Entstehung des Wirtschaftsbürgertums in Gewerkschaften und Arbeiter-parteien.[10] Zwischen dem gehobenen Mittelstand beziehungsweise dem Bildungsbürgertum und der Arbeiterschaft blieb der untere Mittelstand, das Kleinbürgertum zurück.

Der Übergang zum Monokapitalismus[11] hatte zu wirtschaftlichen Konzentrations- und Zentralisationsprozessen geführt und die Produktions-mittel in den Händen Einzelner gebündelt. Durch diesen Prozess wurden kleine und mittelständische Betriebe, die traditionell die Existenzgrundlage des Mittelstands gebildet hatten, vernichtet. Die gesamte Arbeitsorganisation unterlag starken Veränderungen.[12] Bedingt durch den Ausbau der Monopolstrukturen sowie den technischen Fortschritt wichen komplexere Produktionsschritte monotoneren Arbeitsabläufen. Die Tatsache, dass nicht alle Gesellschaftsschichten am umfassenden technischen und wirtschaft-lichen Aufschwung partizipierten, führte zu erheblichen gesellschaftlichen Spannungen. Die Angestellten aus dem Kleinbürgertum verloren im Zuge dieser Entwicklungen ihre exponierte Stellung, die sie bis dahin gegenüber den einfachen Arbeitern inne gehabt hatten. Im Kleinbürgertum entwickelte sich eine antikapitalistische Stimmung, die aus der Nichtzugehörigkeit zur Bourgeoisie und zur Arbeiterklasse herrührte.[13] Laut Jürgen Kuczynski (Historiker, 1904-1997) fühlte sich das Kleinbürgertum zwar subjektiv dem gehobenen Bürgertum zugehörig, litt aber objektiv unter den gleichen wirtschaftlichen Ausbeutungsmechanismen wie die Arbeiterklasse. Vom Bürgertum sah man sich ausgeschlossen, obwohl man sich ihm zugehörig fühlte.[14] Parolen wie „Gemeinschaft“ und „Volksgemeinschaft“ wurden auf-gegriffen, schienen dem Kleinbürgertum eine Überwindung der Klassenunter-schiede zu versprechen und boten so scheinbar einen Ausweg aus der Perspektiv- und Orientierungslosigkeit.[15] In diesem Klima entstand zunächst die Jugendbewegung und später aus ihr die Jugendmusikbewegung.

1.2 Ideologie

Die Ideologie der Jugendmusikbewegung basiert auch auf der Ideologie der Jugendbewegung, die es zuerst zu betrachten gilt. Hinzu kommen potentiell ideologiehaltige Begriffe („Gemeinschaft“ und „Volksgemeinschaft“), die für beide Bewegungen wichtig wurden und das Menschenverständnis Fritz Jödes, das aufgrund seiner führenden Position in der Jugendmusikbewegung prägend war. Dabei sei darauf hingewiesen, dass hier eine bewusste, weil für die spätere Entwicklung Ausschlag gebende Beschränkung auf die Strömung der von Jöde gegründeten Musikantengilde vorgenommen wird. Während die Arbeit der Vertreter der Musikantengilde später durch Leo Kestenberg (1882-1962), Ministerialrat im Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, in die Reformen des Schulmusik- und Musikausbildungswesens einmündete, hatte die Arbeit der zweiten großen Strömung der Jugendmusikbewegung, des Finkensteiner Bundes um den Volksliedforscher und Musikwissenschaftler Walther Hensel (1887-1956), nicht diese weit reichenden Auswirkungen.

1.2.1 Jugendbewegung

Die Anfänge der Jugendbewegung liegen im Jahr 1896 und sind verbunden mit der Gründung der ersten Wanderbewegung am Gymnasium in Berlin-Steglitz durch den dortigen Schüler und späteren Lehrer Karl Fischer (1881-1941). 1901 wurde der „Wandervogel-Ausschuss für Schülerfahrten e.V.“ gegründet und die Bewegung danach Wandervogel genannt.[16] Die Jugendlichen, die an dieser Bewegung teilnahmen, entstammten dem städtischen Kleinbürgertum, dem es aufgrund der schon erwähnten Ausdifferenzierung des Mittelstands an Perspektiven fehlte. Im gemeinsamen Naturerlebnis beim Wandern begab man sich in eine Art 'Gegenwelt' zu der von Deklassierung bedrohten Realität. Das Wandern in der Natur, abseits des städtischen Lebens, war „Ausdruck der Ablehnung und Flucht vor der bürgerlichen Gesellschaft“.[17] Darüber hinaus ging es der damaligen Jugend darum, eine ihr entsprechende Lebensform zu finden. Es „äußert sich erstmals das Bewusstsein einer eigenen Jugendkultur zwischen Kindheit und Erwachsensein.“[18]

Eine passende Beschreibung dieser Form des Protestes der Jugend kleinbürgerlicher Herkunft gegen die eigene Lebenssituation lieferte Jahre später Alfred Kurella (1895-1975), Kulturfunktionär in der Deutschen Demokratischen Republik, mit folgenden Worten:

„Man kann in dem Ganzen den naiven und wirklich kindlichen Versuch sehen, in primitiver Weise die Trennung von Stadt und Land, von körperlicher und geistiger Betätigung, von Beruf und Bildung, kurz die Wirklichkeit der kapitalistischen Arbeitsteilung individuell zu überwinden und das Ideal des Menschen zu verwirklichen, das die Ideologen des bürgerlichen Humanismus zu Beginn des bürgerlichen Zeitalters ausgestellt haben.“[19]

Mit dieser rückblickenden Charakterisierung stellte Kurella als Irrglauben der Jugendbewegung heraus, durch das eigene Handeln Einfluss auf gesamtgesellschaftliche Zustände auszuüben, beziehungsweise diese verändern zu können. Diesen Irrglauben attestierte der Philosoph Theodor W. Adorno (1903-1969) später auch der Jugendmusikbewegung bezüglich ihrer Versuche, durch Musizieren technisch-zivilisatorische Entwicklungen aufhalten oder rückgängig machen zu können.[20]

Bei genauerer Betrachtung lassen sich die Jahre der Jugendbewegung in mehrere Phasen untergliedern. So war die erste Phase von der Idee der 'Flucht in die Natur' geprägt. Mit zunehmendem Reifungsprozess, so Kolland, und der Prägung durch Pädagogen wie etwa Gustav Wyneken (1875-1964) rückte in der zweiten Phase das Ideal der „Selbsterziehungsgemeinschaft“ in den Mittelpunkt. Dieses Ideal basierte auf der Ansicht, dass die Jugend einen selbständigen Wert habe und nicht nur als Vorstufe zum Erwachsensein zu betrachten sei, somit aber auch die Erziehung nicht mehr den Erwachsenen zu überlassen sei.[21] Mit Ende des Ersten Weltkriegs, in dem die Jugendbewegten der Kriegsbegeisterung gefolgt waren, begann die dritte Phase, in der aufgrund sich weiter zuspitzender Klassenunterschiede der Gedanke der „Volksgemeinschaft“ in den Mittelpunkt rückte.[22] Im Ersten Weltkrieg hatten sich viele Jugendbünde auch politisch betätigt, was zu einer Spaltung in rechte und linke Lager geführte hatte.[23] Diese Spaltung setzte sich auch in unterschiedlichen Zielvorstellungen in der oben genannten dritten Phase fort. Zwar bestand die Jugendbewegung aus einer Vielzahl verschiedenster Gruppierungen, doch werden diese in der gängigen Literatur zur Jugendbewegung, zumindest was die Zeit nach 1918 betrifft, in zwei große Strömungen mit teilweise unterschiedlicher Zielvorstellung unterteilt: Zum einen gab es diejenigen, die als Ziel eine „sozialistische Volksgemeinschaft“ sahen. Die anderen beabsichtigten auf der Grundlage ihres nationalistischen Gedankenguts, die Klassen des Ständestaats in einer „Volksgemeinschaft“ aufzulösen.[24] Diese Zweiteilung ist in sofern interessant, als sie sich auch in der dann entstehenden Jugendmusikbewegung wieder fand.[25]

Schon in der Entstehungsphase der Jugendbewegung hatte die Musik eine besondere Rolle inne. Sie hatte, laut Trautner, für alle Jugendbünde konstitutiven Charakter und ihre Pflege wurde in der Zeit bis zum Ersten Weltkrieg stetig intensiviert.[26] Man sang, begleitet von der Laute, was man damals unter dem alten deutschen Volkslied verstand und griff auf das Liedgut vergangener Zeiten zurück.[27] In dieser Rückbesinnung auf alte Lieder spiegelte sich in gewisser Weise auch der Versuch, vergangene gesellschaftliche Zustände zu konservieren beziehungsweise deren Verfall aufzuhalten. Auf Grundlage der großen Bedeutung des Singens und Musizierens in der Jugendbewegung kam es dann auch zur Entstehung der Jugendmusikbewegung.

1.2.2 Jugendmusikbewegung

Die Jugendmusikbewegung, beziehungsweise deren verschiedenen Strömungen, entstanden ab 1917 durch die Übernahme der Zeitschrift Die Laute[28] durch Fritz Jöde. Mit der Umbenennung dieser Zeitschrift in Die Musikantengilde entstand der Name für eine der zwei großen Strömungen der Jugendmusikbewegung.[29] Die Jugendmusikbewegung wandte sich gegen die bestehenden Verhältnisse des bürgerlichen Musiklebens.[30] Laut Trautner fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Musikleben eine Entwicklung statt, in deren Verlauf man versuchte, mit opulenten Orchesterbesetzungen die Monumentalität des 19.Jahrhunderts noch zu übertreffen. Die romantische, hoch differenzierte Musik war technisch anspruchsvoll und für Laien nicht mehr spielbar, was dazu führte, dass das Durchschnittspublikum nicht mehr aktiv Musik auf dem Niveau von zeitgenössischen Konzerterfahrungen ausüben konnte; dies blieb dem wohlhabenden Bildungsbürgertum und höheren Ständen vorbehalten.[31]

Gegen diesen beschränkten Zugang zum Musikleben wandte sich die Jugendmusikbewegung. Sie stellte diesem bürgerlichen Musikleben das Ideal einer „Gemeinschaftsmusikkultur“ entgegen.[32] Der in der Jugendbewegung zentrale Begriff der „Gemeinschaft“, beziehungsweise „Volksgemeinschaft“[33] wurde von den Begründern der Jugendmusik-bewegung aufgegriffen und auf den Bereich der Musik mit dem Ziel angewandt, eine neue Musikkultur zu schaffen.[34] Dabei nahmen sie eine kunstfeindliche, der romantischen Musik gegenüber ablehnende Haltung ein, die sich gegen die exklusive Musizierpraxis des Bürgertums wandte. Sie griffen auf alte Volkslieder zurück mit dem Ziel, auf diesem Wege eine tatsächliche Demokratisierung des Musiklebens im Sinne der Musikantengilde zu erreichen.[35] Die romantische Musik repräsentierte für sie die exklusive Musikkultur des Bildungsbürgertums, während das Volkslied als eine von allen singbare Musik für eine Öffnung des Musiklebens stand. Laut Kolland waren die Ansätze der Jugendmusikbewegung durchaus geeignet, das Musikleben zu demokratisieren und für alle zu öffnen, doch waren sie immer mit einem rückwärtsgewandten, idealisierten Gesellschaftskonzept verbunden, sodass sich die an sich zukunftsweisenden Impulse „bis in ihr Gegenteil“ verkehren konnten.[36]

1.2.2.1 „Gemeinschaft“ und „Volksgemeinschaft“ in Musikantengilde und Finkensteiner Bund

Die beiden in Kapitel 1.2.1 schon erwähnten Hauptströmungen der Jugendbewegung fanden auch in der Jugendmusikbewegung ihre Entsprechung, einerseits in der Musikantengilde um Fritz Jöde und andererseits im Finkensteiner Bund um Walther Hensel.[37] In ihren Schriften verwenden diese so verschiedenen Vertreter der Jugendmusikbewegung die Begriffe „Gemeinschaft“ und „Volksgemeinschaft“. Es stellt sich also die Frage, ob beide Begriffe inhaltlich gleich gefüllt waren. In ihrer Arbeit „Die Jugendmusikbewegung“ ordnet Kolland den Begriff der „Gemeinschaft“ sowohl der Musikantengilde als auch dem Finkensteiner Bund, den der „Volksgemeinschaft“ jedoch schwerpunktmäßig dem Finkensteiner Bund zu.[38] Der unterschiedliche Umgang mit dem Begriff „Gemeinschaft“ erklärt sich aus der Herkunft dieser zwei Strömungen. Laut dem Musikwissen-schaftler Johannes Hodek hatte der Finkensteiner Bund seine Ursprünge in der Böhmerlandbewegung, einer nationalistischen Gruppe Auslands-deutscher innerhalb der Bündischen Jugend. Der Finkensteiner Bund verfolgte das Ziel, das „Deutschtum“ zu erneuern.[39] Die Musik sollte zum einen die „Volkskräfte“ des „ursprünglich deutschen Volkstums“ erwecken, weshalb man sich, laut Kolland, hauptsächlich der deutschen Musik zuwandte. Zum anderen sollte sie mit derselben Intention durch ihre „gemeinschaftsbildenden Kräfte“ Klassenunterschiede beseitigen.[40] Aus dem übergeordneten nationalen Ziel leitete sich die Nutzbarmachung der volksliedgeprägten Musik zur „Volksgemeinschaftsbildung“ ab.

Dem zentralen und auch problematischen Stellenwert des Nationalen in der Zielsetzung des Finkensteiner Bundes, wie ihn Kolland und auch Hodek sehen, widerspricht der Philosoph Helmut Seiffert in „Singbewegung und Volksbildung“:

„Die völkische Idee wurde für selbstverständlich und sittlich verpflichtend angesehen, und nicht etwa als konkrete politische Entscheidung unter gleichfalls möglichen anderen bewußt gemacht. Im Alltag war man durchaus tolerant, herzlich und menschen-freundlich, lebte und ließ leben, und bewahrte auch politisch durchaus die saubere Haltung, die man vom unmittelbar Menschlichen her gewohnt war“.[41]

Gegenüber dem Finkensteiner Bund berief sich die Musikantengilde auf die ästhetischen Vorstellungen des Musikwissenschaftlers August Halm (1869-1929), der in der Musik eine „über den Menschen stehende geistige Macht“ sah, welcher der Mensch dienen sollte.[42] Für diesen Dienst an der Musik war ein in alle Gesellschaftsschichten hinein reichendes Musikleben notwendig. Die Grundlage dafür war die „Gemeinschaft“, auf der ein noch zu schaffendes „Gemeinschaftsmusikleben“ aufgebaut werden sollte.[43]

Beide Strömungen verfolgten das Ziel, die individualisierte und rationalisierte Industriegesellschaft zu überwinden. Während der Finkensteiner Bund dies durch Gründung von „Gemeinschaftszellen“ erreichen wollte, strebte die Musikantengilde dies durch einen pädagogischen Prozess an, der den „neuen Menschen“ hervorbringen sollte.[44]

Um ein besseres Verständnis der Ideologie dieser beiden Strömungen der Jugendmusikbewegung zu bekommen, sollen die unterschiedlichen Bedeutungen der Begriffe „Gemeinschaft“ und „Volksgemeinschaft“ im Folgenden umrissen werden.

„Gemeinschaft“

Zunächst ist zu untersuchen, warum der Begriff der „Gemeinschaft“ eine so wesentliche Rolle sowohl in der Jugend- als später auch in der Jugendmusikbewegung spielte. In einer Analyse von 1887 stellte der Soziologe Ferdinand Tönnies (1855-1936) eine Antithese von „Gemeinschaft und Gesellschaft“ auf und analysierte anhand dieser die damalige Zeit:[45]

„Gemeinschaft ist das dauernde und echte Zusammenleben, Gesellschaft nur ein vorübergehendes und scheinbares. Und dem ist es gemäß, dass Gemeinschaft selber als ein lebendiger Organismus, Gesellschaft als ein mechanisches Aggregat und Artefact verstanden werden soll.“[46]

In den Folgejahren wurde aus seiner Gemeinschaftsdefinition das Konstrukt einer Zukunftsperspektive, der die Jugendbewegung kleinbürgerlicher Herkunft in der Annahme folgte, hier den Aufruf zur Rückkehr zur „Gemeinschaft“ vernommen zu haben.[47] In der „Gemeinschaft als lebendigem Organismus“ hoffte sie, sich selbst neu zu finden und die ihr entsprechende Lebensform zu entdecken und zu entwickeln.

Die „Gemeinschaft“ als Form menschlichen Beisammenseins, wie von der Jugendbewegung angestrebt, bildete auch die Grundlage der Aktivitäten der Jugendmusikbewegung. So wie die Bündische Jugend versuchte, in der „Gemeinschaft“ die „Ich-Bezogenheit“ des Einzelnen zu überwinden und so einen „zugleich entlastenden und erhöhenden Sinn“ der eigenen Existenz zu finden, so suchte die Jugendmusikbewegung dies in der Musik.[48] Für sie bedeutete „Gemeinschaft“ vor allem Klassenüberwindung im gemeinsamen Singen und Musizieren. Sie sahen in der „Gemeinschaft“ zum einen die notwendige Voraussetzung für die Entstehung der von ihnen angestrebten klassenunabhängigen Musikkultur. Zum anderen schrieben sie der Musik „gemeinschaftsbildende Kräfte“ zu, durch die eine solche „Gemeinschaft“ erst ermöglicht würde. Sie sahen diese Kräfte vor allem beim Singen wirken. Der durch die Jugendmusikbewegung geprägte Theologe Erich Vogelsang (1904-1944) beschrieb dies in „Jugendmusik und Kirche“ mit folgenden Worten:

„Das Singen hat deshalb gemeinschaftsbildende Kraft, weil es Ringen um die Erfüllung einer objektiven, überpersönlichen geistigen Gestalt ist, und zwar realisiert durch Menschen, die sich 'unter das Lied' stellen, (…) die darum eine Singgemeinde werden.“[49]

Kolland interpretiert diese Verbindung von „Gemeinschaft“ und Singen dahingehend, dass es um eine ausschließlich emotionale Hingabe an den Rausch der Töne und die Bereitschaft des Einzelnen ging, seine Individualität für den „Gemeinschaftswillen“ aufzugeben. Sie spricht in diesem Zusammenhang von „einem grundsätzlich irrationalen Verhältnis zur Musik“, was die Voraussetzung für die Verherrlichung des gemeinsamen Musikerlebnisses sei.[50]

Aus Sicht des Finkensteiner Bundes um Hensel hatte das gemeinsame Musizieren die Funktion, „Gemeinschaft“ entstehen und erlebbar werden zu lassen. Die Vertreter der Musikantengilde hingegen sahen die „Gemeinschaft“ als notwendige Grundlage, auf der der Mensch im Musizieren der „Musik als höherer geistiger Macht“ dienen könne.[51] Darüber hinaus sahen sie jedoch auch die beim Finkensteiner Bund im Zentrum stehenden „gemeinschaftsbildenden Kräfte“. Musizieren war beim Finkensteiner Bund das Mittel zur „Gemeinschaftsbildung“, während bei der Musikantengilde die „Gemeinschaft“ das Mittel zum Musizieren war.

„Volksgemeinschaft“

Beim Begriff der „Volksgemeinschaft“ gibt es eine Diskrepanz zwischen seinem Stellenwert in der Literatur der Jugendmusikbewegung und seiner Bedeutung in der Realität.

Nach Kolland gab es das unmittelbare Bedürfnis nach einem Leben in der Gemeinschaft, während das Ziel der „Volksgemeinschaft“ „verschwommen in der Ferne schwebte.“ Das abstrakte Ziel einer „Volksgemeinschaft“ wurde von dem Bedürfnis nach intensiven menschlichen Beziehungen überdeckt. Dies geschah zum Leidwesen der Führer des Finkensteiner Bundes, die in persönlichen Freundschaften ein Hindernis für die „überpersönliche Idee“ der „Volksgemeinschaft“ sahen.[52] Die indifferente Verwendung des Begriffs „Volksgemeinschaft“ wird noch zusätzlich durch eine mangelhafte Definition des Begriffs „Volk“ deutlich, wie Walter Hensel offen zugab:

„Diesen Begriff (gemeint ist „Volksgemeinschaft“, M.J.) in Worte zu fassen, ja auch nur den Begriff 'Volk' einwandfrei darzustellen, wird schwer fallen; aber darauf kommt es gar nicht an. Volk als etwas Lebendiges muß gelebt werden, kann nicht gemacht oder gar auf dem Verordnungswege anbefohlen werden, (…).“[53]

Kollands Zuordnung der Begriffe zu den beiden Strömungen ist insofern hilfreich, als der Begriff „Volksgemeinschaft“ mit „Volk“ eine Betonung auf die ethnische Herkunft legt und somit die politischen Ziele des Finkensteiner Bundes unterstreicht, während der Begriff der „Gemeinschaft“ den Bezugsrahmen des gemeinschaftlichen Musizierens meint.

1.2.2.2 Jödes Menschen- und Musikverständnis

Der Begriff des „Neuen Menschen“, der von Jöde in seinen Schriften aufgegriffen wurde, hat eine lange Tradition und wurde durch das Christentum verbreitet.[54] In Zeiten des Umbruchs wurde dieser Topos immer wieder verwendet; so auch nach 1900. Er war also ein gängiger Begriff damaliger Zeit. Dies ist insofern relevant, als aus heutiger Sicht und mit den Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus diese Begrifflichkeit mit rassenideologischen Ansichten in Verbindung gebracht werden könnte.

Jöde leitete sein Verständnis vom „Neuen Menschen“ aus der Zeit der Griechen und des Mittelalters ab, in der er die „Einheit des Menschen“ in dem Sinne erfüllt sah, dass der Mensch sich all seiner Fähigkeiten und Anlagen bewusst war. Jöde war der Überzeugung, dass im Kind das Gefühl dieser „Einheit“ mit sich selbst existiere, und dass dieses Gefühl von der Schule zerstört werde.[55] Dieses „Neuen Menschen“ bedürfe es, um bestehende Verhältnisse zu ändern. Diese würden sich nicht von allein, sondern nur durch die Veränderung des Menschen selbst ändern.[56] Der „Neue Mensch“ müsse jedoch nicht neu geschaffen werden. Es sei nur neu „zu erwecken“, was in ihm schlummere und in Vergessenheit geraten sei. Jöde sprach in diesem Zusammenhang vom „neu erwachten Menschen“.[57] Mit seinem auf Ganzheitlichkeit ausgerichteten Verständnis vom „Neuen Menschen“ richteten sich Jöde und neben ihm weite Teile der Jugend- und Jugendmusikbewegung gegen eine Überbetonung des Verstandes und Denkens. Der Intellektualismus galt der Jugendbewegung als Feindbild und stand dem Ziel im Wege, im „Neuen Menschen“ Verstand, Gefühl und Wille wieder in Einklang zu bringen.[58] Gegen die Vorstellung, dass das geistige Leben „eine Summe von Einzeldingen sei“, wehrte sich Jöde.[59] Diese „Einheit“ oder auch „Ganzheit“ - eine begriffliche Festlegung gab es bei Jöde nicht - wurde auf die größeren Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur übertragen. Daraus ergaben sich die bei Jöde zentralen Begriffe der „menschlichen Gemeinschaft“ und „Gemeinschaft mit der Natur“.[60] Die Ganzheit, nach Jödes Überzeugung nur in der Verbindung aller Fähigkeiten und Möglichkeiten des Menschen gewährleistet, sah er in der durch Arbeitsteilung einseitigen Betonung einzelner, und der Vernachlässigung anderer Fähigkeiten gefährdet.[61] Diese „Entfremdungserscheinungen“ sowie den „Riß zwischen Musik und Volk“ meinte er überwinden zu können: Durch die „Erziehung zur Gemeinschaft“ und die Möglichkeit, durch „Gemeinschaft“ den „Neuen Menschen“ zu schaffen beziehungsweise zu erwecken.[62]

Der „Neue Mensch“ war nach Jöde einerseits das Ergebnis einer bereits existenten „Gemeinschaft“.[63] Andererseits sollte das „Menschliche“ so in der „Gemeinschaft“ vertieft werden, dass schließlich das Kunsterlebnis aus dem Erlebnis der „menschlichen Gemeinschaft“ ungezwungen erwachsen konnte.[64] Die „Gemeinschaft“ stellte für Jöde also die notwendige Grundlage dar, auf der die Musik als „geistige Macht“ sich entfalten und ein neues Musikleben entstehen könnte.[65]

Die Prozesshaftigkeit der Entwicklung des „Neuen Menschen“ war für Jöde dabei von besonderer Bedeutung. So durchlebe der Mensch einen unbegrenzten geistigen Entwicklungsprozess. Relevant war, nach Jöde auch gerade für den erziehenden Menschen, dass der Mensch selbst „aus innerster Natur“ zu wachsen gezwungen sei und niemals den Zustand des Fertigen erreiche, denn „nur am Werdenden“ könne sich das Werdende gestalten.[66]

Jöde benutzte im Zusammenhang mit seiner Beschreibung des „Neuen Menschen“ nicht den Ganzheitsbegriff, welcher zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Jugendbewegung verwendet wurde, sondern er sprach von der „Einheit“ im Menschen.[67] Dieser feine Unterschied ist relevant, da es ihm nicht um die gleichmäßige Entwicklung der Anlagen im Menschen ging, sondern um die zu einem individuellen Charakter zusammengeführten, unterschiedlich stark entwickelten Anlagen. Zwar stellte der Begriff „Einheit“ im Gegensatz zu dem der „Ganzheit“ das Individuelle stärker heraus, doch ging es Jöde, laut Trautner, auch um die „Totalität der Harmonie“ im Menschen.[68]

Der überwiegende Teil der zur Jugendmusik und Jöde verfassten Literatur weist auf die mangelnde Trennschärfe und fehlende Wissenschaftlichkeit von Jödes Schriften hin und damit auf begriffliche Ungenauigkeiten, die manche Gedankengänge Jödes schwer nachvollziehbar machen.[69]

Wissenschaft

Eine wissenschaftliche Fundierung der Arbeit der Jugendmusikbewegung sucht man vergeblich. So macht Kolland darauf aufmerksam, dass die Vertreter der Jugendmusikbewegung in der Regel direkt auf die Neugestaltung des Musiklebens durch die „Gemeinschaft“ verweisen, ohne sich um eine wissenschaftlichen Analyse der gesellschaftlichen Bedingungen der Musikkultur zu bemühen.[70]

1.3 Bildungsziele

Bezüglich der Bildungsziele erscheint eine Unterscheidung zwischen den Zielen und den Mitteln der Umsetzung sinnvoll, die hier eingeleitet und dann auch in den Folgekapiteln so angewandt wird.

1.3.1 Ziele der Jugendmusikbewegung

Die Jugendmusikbewegung strebte nach einer grundlegenden Erneuerung der Musikkultur mit dem Ziel, diese in Form einer „Gemeinschaftsmusikkultur“ zu erreichen. Mit neuen – gemeinschaftlichen - Musizierformen, in Opposition zur elitären Musizierkultur des Bildungsbürgertums beziehungsweise des gehobenen Mittelstandes, sollten die vorhandenen Klassenunterschiede überwunden werden.[71] In der „Gemeinschaftsmusik“ sah man die Klassenunterschiede verschwinden. Sie bekam so die politische Aufgabe der Klassenintegration.[72]

Die Veranstaltungsformen des bürgerlichen Musiklebens, wie etwa das Konzert, wurden von der Jugendmusikbewegung abgelehnt, da sie ihrer Auffassung nach durch die Eintrittspreise den „Warencharakter“ der Musik unterstrichen und durch diesen geldabhängigen Zugang den „Verfall der Gesellschaft“ verdeutlichten und beförderten. Zudem war der Erwerb der instrumentalen Fähigkeiten nur durch teuren Privatmusikunterricht möglich. Die Wendung von Vertretern der Jugendmusikbewegung gegen das Bürgertum vernachlässigt den Gesichtspunkt, dass die gemeinte Musik zunächst ein höfisches Ereignis war und erst durch Eintrittsgelder dem Bürgertum zugänglich wurde.[73] Im Zentrum der Kritik stand jedoch die „Spaltung“ zwischen denjenigen, die Musik produzierten, und denen, die sie nur rezipierten. Das Konzertwesen stand für diese „Spaltung“.[74] Die Konsequenz war die Hinwendung der Jugendmusikbewegung zu anderen, das gemeinschaftliche Musizieren fördernden Musizierformen, wie etwa dem gemeinsamen Singen und die Aufnahme volkmusikalischer Traditionen.

Mit Hilfe der von Jöde initiierten Offenen Singstunden, seiner Gründung von Musikschulen für Jugend und Volk sowie mit den später folgenden Kestenberg-Reformen, die aus dem Fach „Singen“ das vollwertige Unterrichtsfach Musik machten, sah man die Idee verwirklicht, Musik klassenunabhängig für alle zugänglich zu machen. Theoretisch stand dabei für die Musikantengilde der „Dienst an der Musik“ im Zentrum. Damit hatte die Musik einen Eigenwert.[75]

1.3.2 Wege der Umsetzung

1.3.2.1 Außerschulische Musikerziehung

Volkslied und Offene Singstunden

Dem Volkslied und der polyphonen Musik vor Bach wurde in der Jugendmusikbewegung eine besondere, aus heutiger Sicht romantisierende Bedeutung beigemessen. So habe das Volkslied die „seelischen Regungen der Gemeinschaft“ gespeichert und könne diese nun wiedergeben.[76] Neben vorklassischer Musik wurden bei den Offenen Singstunden vor allem Volkslieder gesungen. Diese wurden nach Auffassung der Vertreter der Musikantengilde den „Anforderungen“ des gemeinschaftlichen Musizierens in besonderer Weise gerecht. Man ermöglichte einer „interessierten Öffentlichkeit“ das gemeinschaftliche Musizieren und begleitete und unterstützte diese dabei mit einem „Ansingechor“.[77] Als alters-, standes- und religionsunabhängige Möglichkeit des gemeinsamen Musizierens erhielt diese Praxis begeisterte Zustimmung.[78] Auch meinte man, mit dieser Form die Grenze zwischen Künstler und Publikum aufheben zu können.[79] Das Chorsingen nahm eine tragende Rolle in der Musizierpraxis der Jugendmusikbewegung ein. Es verkörperte den Zusammenschluss vieler Individuen zu einer „Gemeinschaft“.

Volksmusik

Unter „Volk“ verstand Jöde nicht die Grundschicht eines Kulturvolkes oder das Staatsvolk, sondern eher die „geistgebundene Einheit, die durch Abstammung, Geschichte, Kultur und Sprache sich verbunden weiß, die Gemeinschaft aller Volkskreise ohne Unterschied.“[80] Demnach verstand er unter Volksmusik auch nicht ausschließlich eine populärmusikalische Musikausübung gegenüber einer artifiziellen Kunstmusikpraxis. Auch die Kunstmusik war nach seinem Musikverständnis aus dem Geist des Volkes heraus entstanden und dadurch auch Volksmusik.

Laut Trautner war alle Musik und Musikausübung, die als Ziel und Ausgangspunkt Gemeinschaft anstrebte, Volksmusik.[81] Diese Darstellung Trautners widerspricht allerdings der bereits erwähnten Darstellung Gustav Reidocks, der das Ziel der Musikantengilde und damit auch Jödes Ziel eben nicht in der „Gemeinschaft“, sondern in dem abstrakten „Dienst an der Musik“ sah.[82] Diese unterschiedlichen Sichtweisen müssen nebeneinander bestehen bleiben, verweisen aber auf Abweichungen zwischen den theoretischen Grundlagen und der Praxis. Denn in den Offenen Singstunden stand Gemeinschaftserlebnis beim Musizieren im Vordergrund.

Volksmusik war nach Jöde die Musik, der es gelang, das „Volk“ zu gemeinsamem Handeln und Fühlen zu bringen.[83] Vor allem der Aspekt des gemeinsamen Handelns beinhaltet aus heutiger Sicht eine erhebliche Problematik und weist in seiner Diffusität und politischen Unreflektiertheit auf die teilweise wegbereitende Funktion der Jugendmusikbewegung für die 'Bewegung' des Nationalsozialismus hin.

Volks- und Jugendmusikschulen

Grundgedanke der ab 1927 gegründeten Musikschulen für Jugend und Volk war es, jedem Menschen unabhängig von gesellschaftlicher Herkunft, Stand und Alter ein selbstständiges Musizieren zu ermöglichen, eine „tätige Anteilnahme an der Musik in allen Schichten des Volkes.“[84] Was zunächst nur Jugendmusikschule war, wurde später um die Volksmusikschule erweitert. Während die Jugendmusikschulen sich um die elementare Musikerziehung bemühten, wandte man sich in den Volksmusikschulen der Pflege der Kunstmusik zu. Die bis 1933 aufgebauten Musikschulen für Jugend und Volk wurden in der Zeit des Nationalsozialismus ideologisch „umgeprägt“.[85] Mit einem Abstand von etwa fünf Jahren begann man nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder weitere Jugend- und Volksmusikschulen zu planen und zu gründen.[86]

1.3.2.2 Schulische Musikerziehung

Kestenberg-Reformen

Leo Kestenberg verfasste 1923 die „Denkschrift über die gesamte Musikpflege in Schule und Volk“, in die er bereits Vorstellungen der Jugendmusikbewegung integrierte. Diese Denkschrift gab die Ansichten Kestenbergs wieder, die später in die Reformen mündeten.[87] Dabei stand Kestenberg nicht in der jugendmusikbewegten Tradition, sondern in der Tradition der Sozialdemokraten, deren Mitglied er auch war. Jedoch gab es zwischen seinen Vorstellungen einer sozialdemokratischen Kulturpolitik und den Zielen Jödes durchaus viele Überschneidungen. Kestenberg ging ebenso wie Jöde von der Überzeugung aus, „dass in jedem Menschen schöpferische Kräfte enthalten sind, die sich wecken und pflegen lassen“.[88] Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten berief er 1923 Fritz Jöde an die Berliner Akademie für Kirchen- und Schulmusik und ermöglichte damit den musikpädagogischen Zielen der Jugendmusikbewegung, die in weiten Teilen mit seinen eigenen übereinstimmten, eine weitere Verbreitung. Kolland weist darauf hin, dass die Ziele der Jugendmusikbewegung nur durch das Aufgreifen von staatlicher Seite und die Integration in staatliche Reformen eine so starke Verbreitung fanden und damit auch erst ihre aus heutiger Sicht relevante Bedeutung bekamen.[89]

Die Kestenberg-Reformen, die zwischen 1924 und 1927 verwirklicht wurden, stellen aus heutiger Sicht den entscheidenden Schritt dar, Musik in der Schule zu einem vollwertigen Unterrichtsfach zu machen.[90] Neben den Musikschulen für Jugend und Volk erweiterten sie das musikpädagogische Angebot und erreichten im Unterschied zur Jugendmusikbewegung wirklich jeden Schüler. Doch gab es bezüglich der Bedeutung der Schule für die Musikpädagogik zwischen Kestenberg und Jöde durchaus Meinungs-verschiedenheiten. Während Kestenberg sein Ziel am ehesten durch eine auf Kinder und Jugendliche zugeschnittene Schulmusikerziehung umgesetzt sah, hatte Jöde der Schule gegenüber diesbezüglich starke Zweifel. Er hielt gerade der höheren Schule vor, das Stoffprinzip, also die Vermittlung möglichst umfangreichen Wissens, zu sehr in den Fokus zu rücken. Holtmeyer schreibt, dass Jöde das Ziel, Kinder auf das spätere Leben vorzubereiten, ausdrücklich in Frage stellte und die Position vertrat, Schule habe zum „Selbstzweck“ zu werden.[91]

[...]


[1] Vgl. Weber, Max: Politik als Beruf; Stuttgart 1992, S. 5.

[2] Schubert, Klaus / Klein, Martina: Politiklexikon; Bonn 2006, S. 230.

[3] Vgl. Sorg, Richard: Anmerkungen zum Beitrag von Erich Hahn: „Zur ‚dialektischen Verfassung’ von Ideologie“, in: Hahn, Erich / Holz-Markun, Silvia (Hrsg.): Die Lust am Widerspruch. Theorie und Dialektik – Dialektik der Theorie. Symposium aus Anlass des 80. Geburtstages von Hans Heinz Holz; Berlin 2008 (= Abhandlung der Leibnitz-Sozietät, Bd. 8), S. 287-290.

[4] Vgl. Katasonov, Wladimir: Gefahren einer Ideologisierung der Wissenschaft; in: Salamun, Kurt (Hrsg.): Ideologie und Ideologiekritik. Ideologietheoretische Reflexionen; Darmstadt 1992, S. 176.

[5] Vgl. Kap. 5.2.1.

[6] Stuttgart 1979.

[7] Wolfenbüttel 1987.

[8] Wolfenbüttel 1968.

[9] Vgl. Craig, Gordon A. : Geschichte Europas 1815-1980; München 1983, S. 291 ff.

[10] Vgl. Geiss, Imanuel: Geschichte griffbereit, Bd. 6; Hamburg 1979, S. 405.

[11] Monokapitalismus = Kapitalismus, der sich durch starke Konzentration wirtschaftlicher, auf Monopolen beruhender Macht kennzeichnet.

[12] Vgl. Kolland, Dorothea: Die Jugendmusikbewegung. „Gemeinschaftsmusik“ – Theorie und Praxis; Stuttgart 1979, S. 18 f. (im Folgenden zitiert als: Kolland 1979).

[13] Vgl. Kolland 1979, S. 18 f.

[14] Vgl. Kuzcynski, Jürgen: Klassen und Klassenkämpfe; Berlin 1972, S. 139.

[15] Vgl. Kolland 1979, S. 19 f.

[16] Vgl. Schaal, Richard: Art. „Jugendmusik“; in: MGG Bd. 7, hg. von Friedrich Blume; Kassel u. a. 1949, S. 286 f. (im Folgenden zitiert als: Schaal 1949).

[17] Vgl. Kolland 1979, S. 26.

[18] Reinfandt, Karl-Heinz (Hrsg.): Die Jugendmusikbewegung. Impulse und Wirkungen; Wolfenbüttel 1987, S. 9.

[19] Kurella, Alfred: Zwischendurch. Verstreute Essays 1934-1940; Berlin 1961, S. 227.

[20] Vgl. Kap. 4.2, S. 51.

[21] Vgl. Kolland 1979, S. 26 f.

[22] Vgl. ebenda, S. 29 f.

[23] Vgl. Trautner, Günther: Die Musikerziehung bei Fritz Jöde; Wolfenbüttel 1968), S. 8 ff. (im Folgenden zitiert als: Trautner 1968).

[24] Vgl. Kolland 1979, S. 27.

[25] Vgl. ebenda, S. 29.

[26] Vgl. Trautner 1968, S. 9.

[27] Definiton von „Volkslied“: „Der Einfachheit halber bezeichne ich als Volkslied jenes Lied- und Singgut, welches in seinem breitestgefächerten Spektrum das populäre Melodie- und Textgut einer jeweiligen Generation umschließt. Der Akzent liegt hier auf Generation, da eigentlich keine Zeit ein ihr typisches Volkslied hervorgebracht hat. Vielmehr wurde von den verschiedenen Volksschichten dasjenige, was gefiel und wichtig erschein, gesungen, wobei der Prozess von emanzipierender Tradition und eigentlichem Neuschaffen ein stets fließender und schwer einzugrenzender war und ist.“ Aus: Perterer Alexander: Musik, die die Massen bewegte. Zum Liedgut der NS-Zeit. Betrachtungen zu Kampf-, Soldaten- und Arbeiterlied; in: Musikerziehung 4, 1989/90, S. 155.

[28] Die Laute war zunächst eine reine Fachzeitschrift für die Laute und erinnert, laut Johannes Hodek, an die musikalische Praxis des Wandervogels. Jöde übernahm die Herausgabe ab dem zweiten Jahrgang und konzentrierte den Inhalt zunehmend auf die Pflege des Volksliedes und der Hausmusik.

Vgl. Hodek, Johannes: Musikalisch-pädagogische Bewegung zwischen Demokratie und Faschismus. Zur Konkretisierung der Faschismus-Kritik Th. W. Adornos; Weinheim 1977, S. 28 (im Folgenden zitiert als: Hodek 1977).

[29] Vgl. Schaal 1949, S. 288.

[30] Vgl. Kolland 1979, S. 13.

[31] Vgl. Trautner 1968, S. 24.

[32] Vgl. Kolland 1979, S. 13.

[33] Vgl. Kap. 1.2.2.1.

[34] Vgl. Kolland 1979, S. 31.

[35] Vgl. ebenda, S. 13.

[36] Vgl. ebenda, S. 13.

[37] Vgl. ebenda, S. 30.

[38] Vgl. Kolland 1979, S. 38 und 44 f.

[39] Vgl. Hodek 1977, S. 31 ff.

[40] Vgl. Kolland 1979, S. 38 f.

[41] Zit. nach Schaal 1949, S. 290.

[42] Vgl. Kap. 1.2.2.2.

[43] Vgl. Kolland 1979, S. 38.

[44] Ebenda, S. 37.

[45] Vgl. Tönnies, Ferdinand: Gemeinschaft und Gesellschaft; Darmstadt 1887, S. 5 (im Folgenden zitiert als: Tönnies 1887).

[46] Ebenda, S. 5.

[47] Vgl. Kolland 1979, S. 17 f.

[48] Vgl. Kolland 1979, S. 29.

[49] Zit. nach Kolland 1979, S. 32.

[50] Vgl. Kolland 1979, S. 34.

[51] Vgl. Reidock, Gustav: Jugendmusikbewegung und Schulmusik; in: Die Singgemeinde 7, 1929, S. 74.

[52] Der vorausgehende Absatz folgt: Kolland 1979, S. 44 f.

[53] Ebenda, S. 38 f.

[54] Vgl. Trautner 1968, S. 15.

[55] Vgl. Jöde, Fritz: Musik und Erziehung; Wolfenbüttel 1924, S. 10 ff. (im Folgenden zitiert als: Jöde 1924).

[56] Vgl. Jöde, Fritz: Pädagogik Deines Wesens. Gedanken der Erneuerung aus dem Wendekreis; Hamburg 1920, S. 21 (im Folgenden zitiert als: Jöde 1920).

[57] Vgl. Jöde 1924, S. 10.

[58] Vgl. Schütte, Rika Tjakea: Das Menschenbild Fritz Jödes und seine Bestrebungen zur außerschulischen Musikvermittlung im Zusammenhang mit der Jugendmusikbewegung; Lüneburg 2004, S. 35 (im Folgenden zitiert als: Schütte 2004).

[59] Vgl. Jöde 1924, S. 10.

[60] Vgl. Schütte 2004, S. 35.

[61] Vgl. Kolland 1979, S. 67.

[62] Zit. nach Kolland 1979, S. 46.

[63] Zit. nach Kolland 1979, S. 46.

[64] Vgl. Jöde 1924, S. 12.

[65] Vgl. Kolland 1979, S. 47.

[66] Vgl. Jöde 1920, S. 19.

[67] Vgl. S. 20.

[68] Vgl. Trautner 1968, S. 17.

[69] Vgl. Schneider, Reinhard: Jödes musikphilosophische Anschauung; in: Krützfeldt-Junker, Hildegard (Hrsg.): Fritz Jöde – ein Beitrag zur Geschichte der Musikpädagogik des 20. Jahrhunderts; Regensburg 1988 (= Musik im Diskurs, Bd. 5), S. 168.

[70] Vgl. Kolland 1979, S. 188-193.

[71] Vgl. ebenda, S. 33.

[72] Vgl. ebenda, S. 44.

[73] Vgl. Kolland 1979, S. 56 f.

[74] Vgl. ebenda, S. 56 f.

[75] Vgl. ebenda, S. 58.

[76] Vgl. Kobelt, Martin: Vom Wesen der Musik; in: Die Singgemeinde 1, 1924, S. 9.

[77] Vgl. Kolland 1979, S. 62 f.

[78] Vgl. ebenda, S. 63.

[79] Vgl. ebenda, S. 63.

[80] Zit. nach Trautner 1968, S. 88.

[81] Vgl. Trautner 1968, S. 88.

[82] Vgl. Reidock, Gustav: Jugendmusikbewegung und Schulmusik; in: SGG VI, 7, S. 74.

[83] Vgl. Trautner 1968, S. 88.

[84] Jöde, Fritz: Musikschulen für Jugend und Volk. Ein Gebot der Stunde; Wolfenbüttel 1924, S. 30.

[85] Vgl. Trautner 1968, S. 90.

[86] Vgl. ebenda, S. 90.

[87] Vgl. Kolland 1979, S. 124.

[88] Zit. nach Kolland 1979, S. 125.

[89] Vgl. Kolland 1979, S. 129.

[90] Die entsprechenden Richtlinien und Bestimmungen der Kestenberg-Reformen sind veröffentlicht in: Nolte, Eckhard: Lehrpläne und Richtlinien für den schulischen Musikunterricht in Deutschland vom Beginn des 19.Jahrhunderts bis in die Gegenwart; Mainz 1975 (= Musikpädagogik. Forschung und Lehre, Bd. 3), S. 106-151 (im Folgenden zitiert als: Nolte 1975).

[91] Vgl. Holtmeyer, Gerd: Fritz Jödes musikpädagogische Intentionen und die Kestenberg-Reform; in: Krützfeldt-Junker, Hildegard: Fritz Jöde - ein Beitrag zur Geschichte der Musikpädagogik des 20. Jahrhunderts; Regensburg 1988, S. 89 f.

Ende der Leseprobe aus 85 Seiten

Details

Titel
Musik für alle? Politische Implikationen von der Jugendmusikbewegung bis heute
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater Hamburg  (Musikwissenschaften)
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2008
Seiten
85
Katalognummer
V383602
ISBN (eBook)
9783668592391
ISBN (Buch)
9783668592407
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikunterricht, Jugendmusikbewegung, Musikpädagogik, Nationalsozialismus, Fritz Jöde, Adorno, Schulmusik, Musikerziehung
Arbeit zitieren
Michael Jöde (Autor), 2008, Musik für alle? Politische Implikationen von der Jugendmusikbewegung bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383602

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