Der Säkularisierungsprozess in Deutschland. Bedeutungsverlust der christlichen Religion


Projektarbeit, 2014

11 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Theoretischer Hintergrund

3. Hypothese

4. Daten und Methode

5. Auswertung

Literaturliste

Syntax

1. Einleitung

Kaum ein Thema öffentlichen Interesses wird in den Medien so widersprüchlich behandelt, wie die Religion. Einerseits ist die Rede von sinkenden Zahlen der Mitgliedschaften und Besucher der Kirchen, der Abkehr von zentralen Glaubenswahrheiten des Christentums. Anderseits scheint sich in allen anderen Teilen des, abgesehen von Europa, die Religion genau in die gegenteilige Richtung zu entwickeln.

Es kommt zu einer zunehmenden Zahl öffentlicher Konflikte um die Religion, wie den Kruzifixstreit oder Auseinandersetzungen um repräsentative Moscheegebäude. Im Gegensatz dazu steht der von Johannes Paul II. ins Leben gerufene Weltjugendtag und sein Erfolg, der zu einer bisher unbekannten Art jugendlicher Event- und Massenreligiösität geführt haben, für die ausgerechnet charismatisch agierende Päpste als Katalysatoren dienen. (Vgl. Forschungskonsortium WJT/Winfried Gebhardt u. a. (Hrsg.), 2007)

Die Säkularisierungsthese, die ich nun im Folgenden untersuchen möchte, bezieht sich auf einen zentralen theoretischen Ansatz der Religionssoziologie. Kurz gesagt, kann als Ausgangspunkt die Annahme genommen werden, dass es zwischen der Moderne und der Religion ein gewisses Spannungsverhältnis gibt, das über einen längeren Zeitraum zu einem sozialen Bedeutungsverlust von Religion führt. Verantwortlich seien dafür die mit der Modernisierung verbundenen Prozesse der Rationalisierung, Individualisierung und Ausdifferenzierung von Gesellschaften.

Indikatoren für die Bestätigung ihrer These sehen die Anhänger in den rückgängigen Mitgliedschaftsraten der christlichen Kirchen, der sinkenden Beteiligung am kirchlichen Leben und an der geringen Zahl an Personen die religiöse Traditionen übernehmen. Weiterhin wird die sinkende Bindekraft religiöse Normen, welche in höheren Scheidungsraten münden, als Bekräftigung der These angesehen.

In dieser Arbeit will ich mich nun vorwiegend auf die Bereitschaft zur Religiosität in Deutschland beschäftigen. Das will ich an den oben genannten Indikatoren, also unter anderem Mitgliedschaftsraten in Kirchen, Beteiligung am kirchlichen Leben und Scheidungsraten festmachen. Dabei möchte ich mich allerdings nur auf die christliche Religion beziehen. Ich möchte somit untersuchen ob es tatsächlich zu einer Abkehr von der Religion gekommen ist, oder ob sogar Hinweise für eine Wiederkehr zur Religion zu finden sind, die dieser auch in die Alltagserfahrung hinein eine gewisse Plausibilität verleihen.

2. Theoretischer Hintergrund

Der Begriff „Säkularisierung“ stammt aus den Zeiten der Verhandlungen für den Westfälischen Frieden, vor etwa 300 Jahren. Damals beschrieb er die Umwandlung kirchlichen Eigentums in Laienbesitz oder zumindest Laienpacht. In der nach-hegelianischen Ära begann für ihn ein rapider Prozess semantischer Veränderung. Der Begriff umfasste nun auch, dass „moderne Kultur einerseits und ihre christliche Herkunft und Vergangenheit andererseits als gegenwärtig sich ausschließende, miteinander kämpfende Gegensätze erfahren werden“ (Lübbe, 1965). Es kam also zu einem ziemlich abstrakten Verständnis des Wortes als eine populäre Bezeichnung für ideologischen Wandel. Auch heute hat der Begriff für viele Menschen unterschiedliche Bedeutungen. (vgl. Luckmann, 1980, S. 161)

Das Positive, das dieser Begriff impliziert ist die Befreiung des Menschen aus der religiösen Vormundschaft, währenddessen der negative Aspekt die „Entchristlichung“ des Menschen bedeutet.

Objektiv betrachtet, kann Säkularisierung als Prozess, der Teile der Gesellschaft und Abschnitte der Kultur aus der Herrschaft religiöser Institutionen und Symbolen entlässt, definiert werden.

Bereits im Alten Testament gibt es drei Motive die auf Säkularisierungstendenzen hindeuten. Das wären zu einem, die radikale Transzendierung Gottes, weiterhin die vorhandene Historizität und die ethische Rationalisierung. Durch diese drei Motive würde Säkularisierung gerechtfertigt werden.

Auch im Protestantismus kann man von Säkularisierungstendenzen sprechen. Das betrifft zum Beispiel die „Entzauberung der Welt“, die Max Weber im Laufe der Moderne kommen sah. Der Protestantismus ebnete den Weg für den Siegeszug der modernen, auf Weltbeherrschung zielenden Rationalität über die Religion. (vgl. Weber, 1989)

Des Weiteren weist die Institution Kirche einige sozialstrukturelle Besonderheiten auf. Sie stellt zum Beispiel eine Institution außerhalb des Gesamtgefüges dar. Man kann also von einer Trennung von Kirche und „Welt“ sprechen. Das hat zur Folge, dass die Desintegration der Welt die Säkularisierung beschleunigt und die Plausibilität von religiösen Legitimationen verloren geht.

Der Begriff Säkularisierung verursacht einiges an Problematik. Er wird häufig unreflektiert verwendet. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass mythologische Komponenten von den relevanten Elementen des Begriffs getrennt werden müssen.

Es kommt zu einer Säkularisierung der Sozialstruktur. Früher war die Logik des religiösen Kosmos auf die gesamte Sozialstruktur übertragbar. Heute ist die Sozialstruktur allerdings in 4 autonome Segmente aufgeteilt. Es kommt zur falschen Annahme dass kulturelle Homogenität

von Religion und institutionelle Spezialisierung religiöser Bereiche auf Dauer eine einheitliche Verbindung ergeben, da Religion selbst eine integrative Sozialstruktur besitzt. Religion bewirkt eine homogene Sozialisation des Individuums. Sie ist nur als spezialisierte Institution in Gesellschaften mit hohen Grad an struktureller Komplexität vorstellbar. Religion ist also eines von vielen Subsystemen geworden. Deswegen hat sie ihren Einfluss auf andere Subsysteme verloren.

In modernen Industriegesellschaften sind die Interpretationen der Welt auf komplexe Weise sozial verteilt. Die subjektiven Orientierungsschemata werden nicht von der sozialen Ordnung unterstützt.

Zusammenfassend kann behauptet werden, dass zwar die Sozialstruktur als säkularisiert gelten kann, allerdings nicht das Individuum an sich. (vgl. Luckmann, 1980)

3. Hypothese

In dieser Arbeit soll von der Hypothese ausgegangen werden, dass es in der Bundesrepublik Deutschland zu einem erheblichen Bedeutungsverlust der Religion gekommen ist. Gemeint sind aber damit nur die christliche Religion und ihre Traditionen, Normen und Werte. Dieser Bedeutungsverlust steht im Zusammenhang mit dem bereits oben beschriebenen Säkularisierungsprozess.

Es wird davon ausgegangen, dass mit der Ausbreitung moderner Lebensformen, wie Urbanisierung, Industrialisierung, Rationalisierung, funktionale Differenzierung und kulturelle Pluralisierung die soziale Relevanz von Religion und Kirche abnehmen und die religiöse Weltsicht mehr und mehr durch eine wissenschaftlich fundierte, säkularisierte Weltdeutung ersetzt würde. (vgl. Pollack/Müller)

Da Religion in den letzten Jahren an Aufmerksamkeit seitens der öffentlichen Medien gewonnen hat, als ein Faktor, der das Denken und Handeln der Menschen nach wie vor stark zu beeinflussen mag, möchte ich mich mit ihrer Bedeutung für die Einwohner der Bundesrepublik beschäftigen.

Diese Hypothese soll mit Hilfe des ALLBUS-Datensatzes und der Berechnung von Variablen, die mit Religiosität in Verbindung gebracht werden, geklärt werden. Dabei soll mit der Einschätzung der eigenen Religiosität begonnen werden und diese durch Faktoren, die diese bestätigen würden, fortgefahren werden.

Die Hypothese, geht also davon aus, dass für den Einzelnen die eigene Religiosität als geringer eingeschätzt wird und somit für ihn an Bedeutung verliert.

Eine weitere Hypothese soll lauten, dass es zu einem Aufschwung außerkirchlicher, hochindividualisierter Religiosität trotz des Bedeutungsrückgangs der christlichen Kirchen gekommen sei. Es fand also eine Deinstitutionalisierung von Religion statt, der nun gleichzeitig eine weiterwirkende und zunehmende Präsenz im Privaten zukommt. Diese Hypothese soll im ALLBUS überprüft werden, in dem man beispielsweise nach der Verbindung, die Gott an sich zu Kirchen hat, fragt.

Zusammenfassend will ich also von zwei Hypothesen ausgehen. Die erste lautet: Es ist in der Bundesrepublik Deutschland zu einem Bedeutungsverlust der christlichen Religion gekommen. Die zweite lautet: Die religiösen Institutionen haben an Bedeutung verloren, daher wird Religion vorwiegend im Privaten praktiziert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der Säkularisierungsprozess in Deutschland. Bedeutungsverlust der christlichen Religion
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Angewandte Statistik für Sozialwissenschaftler
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V383951
ISBN (eBook)
9783668591042
ISBN (Buch)
9783668591059
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Statistik, Religion, Säkularisierung, Bedeutungsverlust
Arbeit zitieren
Nicole Janzen (Autor), 2014, Der Säkularisierungsprozess in Deutschland. Bedeutungsverlust der christlichen Religion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/383951

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