Das Ende des Bankgeheimnisses. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische Entwicklungen im Überblick

3. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung
3.1 Informationsaustausch
3.2 Quellenbesteuerung

4. Methodik
4.1 Datensatz
4.2 Empirische Vorgehensweise

5. Ergebnisse
5.1 Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
5.2 Diskussion der Ergebnisse

6. Schluss

Literaturverzeichnis

Webseitenverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Regressionsergebnisse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die globale Bekämpfung von Steuerhinterziehung in Steueroasen steht bei Politikern erst seit der Finanzkrise im Jahr 2008 ganz oben auf der Agenda. Die G20 bzw. OECD-Staa- ten haben seither mit Steueroasen zahlreiche Steuerabkommen mit Verpflichtung zum Informationsaustausch abgeschlossen.1 Während die Politiker der G20 bereits vom Ende des Bankgeheimnisses sprechen,2 sind die Pressestimmen hingegen deutlich kritischer. Ein wichtiger Kritikpunkt besteht darin, dass ein Fünftel der Steuerabkommen mit wirt- schaftlich vernachlässigbaren Ländern wie Grönland, Island und den Färöer-Inseln abge- schlossen worden sind. Des Weiteren sind zahlreiche gegenseitige Abkommen zwischen den Steueroasen entstanden.3 Aus einer aktuellen Studie von Alstadsæter u.a. (2017) geht hervor, dass das Offshore-Vermögen von Privatpersonen noch immer schätzungsweise 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts beträgt.4

In Anlehnung an Johannesen und Zucman (2014) beschäftigt sich diese Arbeit deshalb mit der Frage der Effektivität von Steuerabkommen mit Informationsaustausch. Gleich- zeitig nimmt die Studie unter die Lupe, ob der Informationsaustausch zwischen den Län- dern tatsächlich alternativlos ist, oder ob eine Quellensteuererhebung, wie sie beispiels- weise in der EU-Zinsrichtlinie optional anwendbar ist, eine gleichwertige Maßnahme zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung darstellen kann. Hierbei wird mit Hilfe eines Pa- neldatensatzes für den Zeitraum von Ende 2003 bis Mitte 2011 versucht, den Einfluss von politischen Maßnahmen im Kampf gegen Steuerhinterziehung auf die Höhe der Offshore- Bankeinlangen von Privatpersonen zu messen.

Diese Arbeit ist thematisch mit drei steuerlichen Literatursträngen verknüpft. Der erste Strang beschäftigt sich ebenfalls mit der Effektivität von Maßnahmen zur Bekämpfung von Offshore-Steuerhinterziehung. Ein Teil dieser Studien befasst sich mit der Wirkungs- kraft der bilateralen Steuerabkommen mit Informationsaustausch (z.B. Bilicka und Fuest (2014) sowie Braun und Weichenrieder (2015)).5 6 Der andere Teil fokussiert sich hinge- gen auf die Effektivität der EU-Zinsrichtlinie (z.B. Johannesen (2014) sowie Rixen und Schwarz (2012)).7 8

Der zweite Strang befasst sich mit den (steuerlichen) Einflussfaktoren auf internationale Investitionen (z.B. Desai und Dharmapala (2011)) und insbesondere auf die Entwicklung von Bankeinlagen im Ausland (z.B. Huizinga und Nicodème (2004)).9 10 Die wirtschaftlichen Aktivitäten in Steueroasen werden vom letzten Literaturstrang abgedeckt. Während sich etliche Studien mit der Steuerhinterziehung und -vermeidung von Unternehmen befassen (z.B. Desai u.a. (2006), Hines Jr. und Rice (1994)), konzentriert sich diese Studie auf Privatpersonen.11 12

Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich wie folgt. Im zweiten Kapitel wird die politische Entwicklung im Kampf gegen Offshore-Steuerhinterziehung chronologisch erläutert. Die verfügbaren Maßnahmen zu dessen Bekämpfung werden im dritten Kapitel genauer betrachtet. Daraufhin wird die angewandte Methodik zur Operationalisierung der möglichen Zusammenhänge vorgestellt. Im fünften Kapitel folgt die Präsentation und Diskussion der Regressionsergebnisse. Zum Schluss werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick für weitere Untersuchungen gegeben.

2. Politische Entwicklungen im Überblick

Die vier wichtigsten politischen Akteure im Kampf gegen Steuerhinterziehung sind die G20, die OECD, die EU sowie die USA. Die OECD-Staaten haben Steueroasen bereits Ende der 1990er-Jahre dazu aufgefordert, mit ihnen bilaterale Steuerabkommen mit Verpflichtung zum Informationsaustausch abzuschließen. Die meisten Steueroasen haben dies allerdings zunächst abgelehnt.13

Zur effektiven Besteuerung der ausländischen Zinseinkünfte von EU-Bürgern hat die EU im Jahr 2003 die Zinsrichtlinie verabschiedet. Zwei Jahre später ist diese in allen EU- Staaten sowie in 15 Steueroasen (z. B. Cayman Islands und Schweiz) in Kraft getreten. Die Richtlinie sieht den automatischen Informationsaustausch (AEOI) oder alternativ die Erhebung einer Quellensteuer als koexistierende Kooperationsform zwischen den teil- nehmenden Ländern vor. Die Europäische Kommission weist jedoch darauf hin, dass es für EU-Bürger zahlreiche Möglichkeiten zur Umgehung der Quellenbesteuerung gibt (siehe 3.2).14

Die G20 und die OECD haben die aktive Bekämpfung der Steuerhinterziehung erst im Laufe der Finanzkrise vorangetrieben. Auf dem G20-Gipfel in London im April 2009 ist unter Androhung ökonomischer Sanktionen beschlossen worden, dass jede Steueroase mindestens 12 bilaterale Steuerabkommen mit der Verpflichtung zum Informationsaustausch abschließen muss. Noch im gleichen Kalenderjahr haben zahlreiche Steueroasen insgesamt über 300 Abkommen unterschrieben.15

Die USA forcieren den Kampf gegen Steuerhinterziehung seitdem der U.S-Steuerskandal der Schweizer Bank UBS mitten in der Finanzkrise Publik geworden ist. Daraufhin haben die Amerikaner unilaterale Maßnahmen gegen Schweizer Banken ergriffen. Zur effekti- veren Steuerbekämpfung haben die USA im Jahr 2010 schließlich das Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) in Kraft gesetzt, welches dem U.S. Staat den Informati- onsaustausch mit zahlreichen Steueroasen gewährleistet.16 17 Diese U.S.-Maßnahmen ha- ben schließlich den Weg für eine gemeinsame internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Steuerhinterziehung geebnet.18 Eine effektive internationale Kooperation kann nur mit der Partizipation des Schweizer Staates funktionieren, wenn man bedenkt, dass im Jahr 2008 fast 30 Prozent des Offshore-Vermögens in der Schweiz geparkt wurde.19

Im Jahr 2014 hat die OECD zusammen mit den G20 schließlich einen globalen AEOIStandard angekündigt, welcher spätestens bis Ende des Jahres 2018 von insgesamt 89 Staaten verpflichtend eingeführt wird. Lediglich fünf Steueroasen (Bahrain, Cook Islands, Nauru, Panama, Vanuatu) verweigern, das globale Abkommen zu unterzeichnen.20 Im Folgenden werden die Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung genauer beleuchtet und deren Vorteile sowie Schwachstellen dargelegt.

3. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung

3.1 Informationsaustausch

Das Kernproblem beim Steuervollzug der wohlhabenden Länder besteht im fehlenden Zugang zu Bankdaten in zahlreichen Steueroasen. Folglich bleibt den inländischen Steu- erbehörden die Höhe der dort erzielten Kapitalerträge ihrer unbeschränkt Steuerpflichti- gen vorenthalten െ sofern diese ihre Einkünfte nicht freiwillig in der Einkommensteuer- erklärung angeben. Der Austausch steuerlicher Daten zwischen Steueroasen und den ent- wickelten Ländern führt offensichtlich zur Lösung dieses Problems.21 Dies setzt jedoch voraus, dass die inländischen Steuerbehörden Zugang zu den relevanten steuerlichen In- formationen haben. Innerhalb der OECD-Länder stellt dies ein nachrangiges Problem dar.22 In Panama hingegen, sind beispielsweise Unternehmensdaten zu Eigentümerstruk- turen sowie Rechnungslegungsinformationen streng vertraulich, so dass die panamaische Regierung keine rechtliche Gewalt besitzt, um diese Daten an ausländische Regierungen zu übermitteln (Stand: 2005).23 Darüber hinaus kann der Informationsaustausch nur seine vollständige Wirkung entfalten, sofern alle globalen Steueroasen daran teilnehmen.24

Eine zusätzliche Hürde bei der Bekämpfung der Steuerhinterziehung stellt die Nutzung von Briefkastenfirmen durch Steuerpflichtige dar. Sofern ein Steuerpflichtiger eine Brief- kastenfirma als rechtlichen Eigentümer seines Offshore-Bankkontos zwischenschaltet, verdeckt diese die Identität des wirtschaftlichen Eigentümers. Die Nutzung von Briefkas- tenfirmen erhöht demnach den Informationsbedarf der inländischen Steuerbehörden. Es gibt zahlreiche Belege, dass viele Individuen Offshore-Bankkonten (z.B. in der Schweiz) über Briefkastenfirmen in Panama und den Virgin Islands halten. In den beiden letztge- nannten Steueroasen können Briefkastenfirmen ohne Probleme und innerhalb kürzester Zeit gegründet werden. Statistiken der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) aus dem Jahr 2011 belegen diese Problematik. Denn knapp jeder vierte Inhaber eines Offshore-Bankkontos stammt formal wiederrum aus einer Steueroase. Briefkastenfirmen begünstigen somit offensichtlich die Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung. Zur Be- kämpfung von Steuerhinterziehung mittels Briefkastenfirmen ist die Quellensteuererhe- bung im Sinne der EU-Zinsrichtlinie im Gegensatz zu Steuerabkommen mit Informati- onsaustausch wirkungslos (siehe 3.2). Jede Bank muss seit Inkrafttreten des Geldwäsche- gesetzes über die Identitäten der wirtschaftlichen Eigentümer ihrer Bankkonten Bescheid wissen. Wenn beispielweise ein Abkommen mit Informationsaustausch zwischen der Schweiz und Frankreich besteht und ein Franzose sein Schweizer Bankkonto über eine Briefkastenfirma in Panama hält, muss die Schweizer Bank den wirtschaftlichen Eigen- tümer dieser Briefkastenfirma kennen. Aufgrund des Steuerabkommens erhält folglich auch der französische Staat Zugang zu diesen Informationen.25 26

Generell kann der Informationsaustausch zwischen zwei Staaten auf Anfrage oder auto- matisch erfolgen.27 Zwischen den inländischen Steuerbehörden und den dort sitzenden Banken ist der AEOI in zahlreichen OECD-Ländern längst gängige Praxis.28 Zwischen den OECD-Staaten und Steueroasen findet der Informationsaustausch hingegen bis dato überwiegend auf Anfrage statt. Diese Kooperationsform weist jedoch erhebliche Schwachstellen auf, da inländische Steuerbehörden im anderen Staat grundsätzlich nur Informationen zu spezifischen Steuerpflichtigen anfragen können. Pauschalauskünfte über die dort erzielten Kapitalerträge aller Steuerpflichtigen sind nicht gestattet. Die an- geforderten Informationen müssen außerdem von absehbarer Relevanz sein. Demzufolge muss die inländische Steuerbehörde dem anderen Staat einen gut dokumentierten Ver- dacht der Steuerhinterziehung vorlegen, damit sie die angefragten Informationen erhält. Es stellt für inländische Steuerbehörden jedoch ein schwieriges Unterfangen dar, an sol- che Indizien zu gelangen.29 30

Der AEOI ist die effizientere Kooperationsform, da die ausländischen Steuerbehörden in regelmäßigen Abständen umfassende steuerrelevante Daten an den Wohnsitzstaat über- mitteln.31 Die Einführung des globalen AEOI-Standards der OECD bis spätestens Ende des Jahres 2018 erscheint folglich die logische Konsequenz.32 Die inländische Steuerbe- hörde erhält dann mindestens einmal jährlich Informationen zu den existierenden Konten ihrer steuerpflichtigen Einwohner bei Banken, Treuhändern, Investmentgesellschaften sowie bei bestimmten Versicherungen im anderen Land. In diesem Zuge werden die dar- über erzielten Einnahmen aus Zinsen, Dividenden, Veräußerungen von finanziellen Ver- mögenswerten sowie Einnahmen aus sonstigen Vermögenswerten mit übermittelt. Der Informationsaustausch betrifft allerdings nicht nur unbeschränkt steuerpflichte natürliche Personen, sondern auch Unternehmen und Vereinigungen (einschließlich Trusts und Stif- tungen), bei denen die betroffenen Individuen wirtschaftliche Eigentümer sind (Beteili- gung > 25 Prozent). Dadurch soll die Möglichkeit zur Steuerhinterziehung mittels Brief- kastenfirmen zukünftig vermieden werden.33

[...]


1 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 2.

2 Vgl. G20/OECD (2011), S. 2.

3 Vgl. www.ft.com.

4 Vgl. Alstadsæter u.a. (2017), S. 2.

5 Vgl. Bilicka und Fuest (2014), S. 193-195.

6 Vgl. Braun und Weichenrieder (2015), S. 27.

7 Vgl. Johannesen (2014), S. 46.

8 Vgl. Rixen und Schwarz (2012), S. 151.

9 Vgl. Desai und Dharmapala (2011), S. 266.

10 Vgl. Huizinga und Nicodème (2004), S. 1115-1116.

11 Vgl. Desai u.a. (2006), S. 513.

12 Vgl. Hines Jr. und Rice (1994), S. 174-175.

13 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 1-2.

14 Vgl. Johannesen (2014), S. 48.

15 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 2.

16 Vgl. Emmenegger (2017), S. 24, 26, 34-35.

17 Vgl. Gerard und Granelli (2013), S. 5.

18 Vgl. Emmenegger (2017), S. 26.

19 Vgl. Boston Consulting Group (2009), S. 31.

20 Vgl. OECD (2014b), S. 2, 7.

21 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 4-5.

22 Vgl. Huizinga und Nicodème (2004), S. 1103-1104.

23 Vgl. Johannesen (2014), S. 58.

24 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 27-28.

25 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 23.

26 Vgl. Zucman (2013), S. 1333-1334.

27 Vgl. Keen und Lighthart (2006), S. 83.

28 Vgl. Huizinga und Nicodème (2004), S. 1104.

29 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 5.

30 Vgl. OECD (2008), S.38.

31 Vgl. Johannesen und Zucman (2014), S. 5.

32 Vgl. OECD (2014b), S. 2.

33 Vgl. OECD (2014a), S. 12, 15, 24-25, 100, 198.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Ende des Bankgeheimnisses. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V384218
ISBN (eBook)
9783668592834
ISBN (Buch)
9783668592841
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ende, bankgeheimnisses, maßnahmen, bekämpfung, steuerhinterziehung, Steuervermeidung, Privatpersonen, Steuern
Arbeit zitieren
Bachelor of Science in Betriebswirtschaftslehre Raphael Stratz (Autor), 2017, Das Ende des Bankgeheimnisses. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384218

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Ende des Bankgeheimnisses. Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden