Interpretieren anhand der Hermeneutik. Kognitiv-hermeneutische Deutung Jacob Burckhardts "Die Kultur"


Hausarbeit, 2016

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Interpretationsvorgehen.. 1

2. Basis-Analyse.. 2

2.1 Burckhardts Kulturbegriff.. 2

2.2 Geschichtliche Kulturbetrachtung.. 3

2.3 Entwicklung der „aktuellen" Verhältnisse.. 4

3. Basis-Interpretation.. 6

3.1 Textkonzept.. 6

3.1.1 Kultur und geistiges 1deal.. 6

3.1.2 Bedeutung der Kulturhistorik.. 6

3.1.3 Zeitkritik.. 7

3.2 Bereichsspezifisches Programm.. 9

3.3 Überzeugungssystem.. 10

4. Aufbauarbeit.. 12

5. Fazit.. 13

6. Literaturverzeichnis.. 14

1. Interpretationsvorgehen

Die vorliegende Seminararbeit ist der Versuch der praktischen Anwendung von Peter Tepes Interpretationstheorie einer kognitiven Hermeneutik [1] auf einen kulturwissenschaftlichen Sachtext. Jacob Burckhardts Schrift Die Kultur [2] soll hierzu entsprechend Tepes methodologischen Vorgaben analysiert und interpretiert werden.

Burckhardt (1818-1897) war ein Schweizer Kulturhistoriker und Universitätsprofessor, [3] dessen Text, ein Abriss über das Wesen und Wirken von Kultur, als Vorlesungsmanuskript während seiner Lehrtätigkeit an der Universität Basel verfasst worden ist.

Die Vorgehensweise der kognitiven Hermeneutik beruht auf der Grundannahme, dass jedem Text ein objektiver Sinn innewohnt, der gemäß Tepes Prägungstheorem mittels erfahrungswissenschaftlicher Methoden auf sogenannte textprägende Instanzen zurückzuführen und eindeutig zu bestimmen ist. Entsprechend den von ihm angesetzten Sinnebenen eines Textwelt-, Prägungs- und Kontext-Sinns wird in drei, klar voneinander abgetrennte Arbeitsstadien unterschieden:

1. Die Basis-Analyse: Die allein beschreibend-feststellende Erfassung des Textbestands.

2. Die Basis-Interpretation: Die Erklärung der Textbeschaffenheit, der Ursachen seiner spezifischen Konstitution, was in Tepes Terminologie die Erschließung der textprägenden Instanzen bedeutet. Auf der Grundlage der Basis-Analyse wird zunächst das Textkonzept, weiter das diesem zugrundeliegende bereichsspezifische Programm und schließlich das wiederum für letzteres konstitutive Überzeugungssystem des Autors erschlossen. Der Argumentationsvorgang im Einzelnen gliedert sich in die Bildung einer Hypothese aufgrund der Textbasis, der logischen Konsequenz hieraus und ihrer empirischen Überprüfung am Text.

3. Die Aufbauarbeit: Die bisherigen, ausschließlich der Arbeit am Text entsprungenen Ergebnisse sollen durch das Hinzuziehen von Sekundärliteratur überprüft, bestätigt oder gegebenenfalls korrigiert werden.

Im Folgenden wird, diesem Interpretationsschema folgend, versucht, eine solche kognitiv-hermeneutische Deutung von Burckhardts Text zu erarbeiten.

2. Basis-Analyse

2.1 Burckhardts Kulturbegriff

Burckhardt definiert Kultur als „Summe derjenigen Entwicklungen des Geistes, welche spontan geschehen und keine universelle oder Zwangsgeltung in Anspruch nehmen" (98-1). [4] Sie befindet sich in einem stetigen Wandel. Einzelne Elemente entstehen, erreichen ihre Höchstform, verschwinden, werden beibehalten oder von späteren Generationen wieder aufgenommen (98-6). Es besteht ein inneres reziprokes Bedingungsgefüge zwischen den einzelnen Bereichen, welches aufgrund der unterschiedlichen Fähigkeiten und Präferenzen der verschiedenen Zeiten und Völker zustande kommt und die Herausbildung gewisser Tendenzen zur Folge hat (103-1,2,3). Kultur bedeutet einen „millionengestaltige[n] Prozeß" (98-4), ein vielschichtiges, komplexes Zusammenwirken seiner einzelnen Teile (103-5; 104-3), welche als „verschieden, vielartig, symbolisch, bunt, zufällig" beschrieben werden (105-1).

Die Grundlage aller Kultur stellt die Sprache dar, [5] die den Ausdruck von Gedanken ermöglicht (98-7) und so den „unmittelbarsten" Zugang zum Geistigen eröffnet (99-1). Ihr Ursprung liegt in der Seele (98-7; 101-4; 102-6,7; 104-3; 105-1) und im Geist des Menschen (98-1,4; 98-7; 99-1; 100-1,2,5; 102-6,7; 103-4,5; 104-2,3; 105-1; 107-4; 108-2); sie entspringt einem inneren Trieb (108-3). Auch wenn stets ein unmittelbar- materieller Anlass mit der Produktion von Kulturerzeugnissen verbunden ist, ist ihr eigentlicher Grund und Sinn ein geistig-ideeller (100-1, 2, 5; 100-8, 101-1; 101-7; 102- 1,2,3,5). Dies wird am Beispiel der Kunst verdeutlicht, welche vor allem „um ihrer selbst willen" betrieben wird (101-1). Die Bereiche des Geistigen und Materiellen werden miteinander kontrastiert und ersterer letzterem übergeordnet (104-3). Es wird generell zwischen guten, wahren, höheren und schlechten, falschen, niederen Kulturelementen unterschieden (98-6; 104-3,4; 108-3), sowie zwischen deren Entwicklungsstatus (103-5; 104-2); Burckhardt spricht von „höheren Kulturen" (106-6). Kultur steht in einem engen, ebenbürtigen (102-4) Verhältnis zu „den beiden stabilen Lebenseinrichtungen" (98-2): Staat und Religion (98-5,6; 107-1), als modifizierende und kritisierende Kraft (98-2,3), die ihrerseits wiederum von jenen beiden Bereichen häufig bedingt und eingeschränkt worden ist (107-6). Die „äußerliche Gesamtform [von Kultur][.] ist die Gesellschaft im weitesten Sinne" (98-5).

Zu ihren Teilgebieten gehören Kunst und Wissenschaft (100-6). Speziell auf Poesie und Philosophie hin werden der künstlerisch-schaffende Bereich (101-3,6; 102-6,7) zum wissenschaftlich-beschreibenden (98-4; 101-2) als sowohl „höchste[r] Gegensatz" wie zugleich „höchste Ergänzung" charakterisiert (102-6).

Die Voraussetzungen für ein sich entwickelndes Kulturleben sind: Spontaneität, Liberalität, Toleranz (98-1), „selbstständiger Eifer" (100-1), Mut und Freiheit (105-1), Naivität (108-3), Offenheit, Entfaltungsfreiheit und gesellschaftlicher Austausch (104- 2,3). Letzterer führt durch zu einem Anreiz-Nacheiferungs-Effekt und zu der Herausbildung bedeutender Kulturzentren (103-5,6; 104-1).

Kultur vermag, uns tief zu bewegen (102-7). Sie wirkt als kritisches Korrektiv auf Staat und Religion ein (98-3). Sie kann ihre Inhalte verewigen, „irdisch-unsterblich" und unvergänglich machen (99-1; 101-4,5,6,7,8). Sie führt „das naive und rassenmäßige Tun in reflektiertes Können" über (98-4), bewirkt die Bewusstwerdung des Geistes, die Ausbildung geistiger Fähigkeiten und damit nun veränderte Bedürfnisse und Ansichten (100-2,5; 107-4); sie aktiviert die „höchsten Kräfte" (104-1). Bildung befähigt den Menschen, die Welt „tiefer" und sein eigenes „Glück [.] bewußter" wahrzunehmen (107-5). Kultur macht den einzelnen „edel" (107-5) und „bedeutend" (104-1), befreit, begeistert, vereint im Geiste (101-7), schafft „Allgültige[s], Allverständliche[s]" (101- 6), ist „Schöne[s] [.][sowie] Erziehung zum Wahren" (100-8, 101-1), betrifft „ein höheres Leben" (101-3), ein „ideale[s] Bild" (99-1), eine „ideale Schöpfung" (101-6).

2.2 Geschichtliche Kulturbetrachtung

Diejenigen Kulturelemente, die für gut und wertvoll erachtet werden, werden tradiert. Eventuell erfolgt die Übernahme auch auf unbewusste Art und Weise (98-6). Ein wichtiges Moment der Kulturbetrachtung ist „unsere restaurierende Fähigkeit", mittels Analogieschluss Verlorenes zu rekonstruieren (101-8).

Burckhardt befindet frühere Epochen in vielen Punkten als ausdrücklich positiv. Die seelischen und geistigen Fähigkeiten des Menschen waren schon seit jeher voll entwickelt; die „freie Kraft des idealen Willens" führte trotz schwieriger Umstände zu großen Leistungen, „das damalige [Leben] war ein Dasein; [.] das Volkstümliche [.] blühte" (105-1). Sowohl in Bezug auf sprachlich-grammatische Vielfalt (99-3,4), als auf die von ihm geforderte ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen (100-3,4) stand es ehemals besser als zu seinen Zeiten. Schiller nennt er einen der „großen Alten" (101-5) und verwendet den Ausdruck „Klassiker" (107-5). Besonders die griechische Antike wird als herausragendes Zeitalter beschrieben:

[…]


[1] Tepe (2007).

[2] Burckhardt (2008).

[3] Brockhaus (1967).

[4] Stellenverweise zu Burckhardts Text sind wie folgt zu lesen: (98-1) verweist auf Seite 98, Absatz 1.

[5] Zur Basis-Analyse zu rechnende elementare Interpretation: Schlussfolgernde Interpretation, die sich allein auf den Text-Sinn bezieht

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Details

Titel
Interpretieren anhand der Hermeneutik. Kognitiv-hermeneutische Deutung Jacob Burckhardts "Die Kultur"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autoren
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V384261
ISBN (eBook)
9783668593381
ISBN (Buch)
9783668593398
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interpretieren, hermeneutik, kognitiv-hermeneutische, deutung, jacob, burckhardts, kultur
Arbeit zitieren
Dariya Smirnova (Autor:in)Dominik Petrak (Autor:in), 2016, Interpretieren anhand der Hermeneutik. Kognitiv-hermeneutische Deutung Jacob Burckhardts "Die Kultur", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384261

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