IWF und Weltbank


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
28 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Einleitung zum Thema
2. Theoretische Grundlage

II. Hauptteil
1. Bretton Woods
2. Der Internationale Währungsfonds
a) Aufbau, Zweck
b) Entwicklung, Gegenwart
3. Die Weltbank
a) Aufbau, Zweck
b) Entwicklung, Gegenwart
3. Kritik, Zukunft

III. Schluss, Aussichten

IV. Literaturverzeichnis

V. Abstract / Zusammenfassung

I. Einleitung

1. Einleitung zum Thema

Politisch wirkende Institutionen sehen sich stets der öffentlichen Kontrolle und Kritik konfrontiert, aber einige der Größten waren sehr lange Zeit eher nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Zu ihnen gehören die Institutionen Internationaler Währungsfonds und Weltbank. Erst im Zuge der allgemeinen Gewahrwerdung der Problematiken, die die Globalisierung mit sich bringen, und vor allem durch die Finanzkrisen der neunziger Jahre, änderte sich dies. Immer häufiger verknüpfen sich Kritik, Reformvorschläge und hohe Erwartungen bezüglich dieser Einrichtungen. Ein besseres Verständnis in historischer sowie struktureller Dimension ist daher mehr vonnöten denn je, um in der politischen Sphäre mit diesen recht abstrakt wirkenden Zwillingsinstitutionen der globalen Finanzarchitektur umgehen zu können. So sollen hiermit die Bedingungen beschrieben werden mit denen man sich konfrontiert sieht, wenn man in die Diskussion über globale Steuerungsmechanismen auf der finanz- und währungspolitischen Ebene treten möchte. Daran anschließend sollen mögliche Aussichten auf die zukünftige Entwicklungen und ihre Machbarkeiten aufgeführt werden; wobei die zentrale Fragestellung darin liegen soll, inwieweit die beiden fokussierten Institutionen eventuell auftretende wirtschaftliche Krisen besser als in der Vergangenheit vermeiden beziehungsweise ihr Ausbreiten eindämmen und ihre Auswirkungen abfedern könnten, worin also ihr konkreter Beitrag im Rahmen der ihr zugewiesenen Kompetenzen bestehen kann. Des Weiteren soll untersucht werden, inwieweit Internationaler Währungsfonds und Weltbank den in dieser Arbeit herausgearbeiteten Hauptkritikpunkten bezüglich der globalen sozialen und ökologischen Probleme begegnen könnten und welcher Wandel im Selbstverständnis dazu vonnöten wäre.

2. Theoretische Grundlage

Traditionell wird in der politischen Wissenschaft unterschieden in realistischen, institutionalistischen und funktionalistischen Ansatz bei der Beschreibung von Wirkung und Funktion internationaler Institutionen (Gorički 1999: 11). Ersterer Ansatz billigt ihnen keine eigenständige Bedeutung zu; er geht davon aus, dass die Akteure in den internationalen Beziehungen über sie lediglich ihre eigenen Interessen versuchen durchzusetzen. Der zweite Ansatz anerkennt diese Institutionen als Hilfsmittel der nationalstaatlichen Akteure an, um sich und andere Staaten im Verbund einer internationalen Kontrolle zu unterwerfen. Letzterer Ansatz hingegen versieht die internationalen Organisationen mit einer eigenständigen Akteursqualität (Rosecrance 2001: 253).

In ökonomischer Sichtweise wird die Problematik vor allem so dargestellt, dass man das so genannte prisoner’s dilemma der Spieltheorie durch entweder das Vorhandensein von Hegemoniemächten oder aber auch durch möglichst breite und adäquate Machtabgabe an übergeordnete Institutionen auflösen kann. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 wird teilweise auf das Fehlen der ersteren Möglichkeit zurückgeführt, da während der Zeiten zwischen den Weltkriegen das britische Empire nicht mehr und die Vereinigten Staaten von Amerika noch nicht hegemoniale Positionen einnahmen. In der zweiten Variante treten vor allem Probleme hinsichtlich der Durchsetzbarkeit von verbindlichen Restriktionen und Kontrollen auf, da die Mitgliedsländer nach innen ein äußerst heterogenes Interessenkonglomerat zu vertreten haben und die Institutionen ihrerseits häufig eigene Interessen haben, die nicht identisch sind mit denen der Mitgliedsländer; mitunter ist auch eine Kollision zwischen Zweck der Institution und Interesse der Institutionsexekutive im Rahmen eines Bürokratismusproblems anzunehmen. Ebenso ist es ein Problem, dass die Maßnahmen von internationalen Organisationen oftmals von vielen Betroffenen als für sie nachteilig empfunden werden und somit verschiedene Formen des Umgangs mit Zuständigkeiten von den Akteuren praktiziert werden (Rode 1991: 325). Verantwortliche in Mitgliedsländern möchten die Zuständigkeiten für unliebsame nationalstaatliche Entscheidungen auf Zwänge internationaler Verträge transferiert wissen, die internationalen Institutionen ihrerseits wollen ihren Einfluss ausweiten und sind daher an negativen Erscheinungsbildern nicht interessiert (Rode 2002: 123).

Eben diese Tendenzen sind es auch, die die Arbeit von Internationalem Währungsfonds und Weltbank erschweren, wenn Mitgliedsstaaten versuchen, die ihnen auferlegten Reformen als Grund für Krisen darzustellen. Allerdings muss man auch die mangelnde Möglichkeit des spieltheoretischen Fairness-Ausnutzens der internationalen Institutionen untereinander konstatieren, da hier kaum Nutzen gezogen werden kann, wenn eine Organisation ausschert; die Schuldvermutung läge zu sehr einseitig bei ihr.

Ein weiteres Problem ist, dass sich internationale Organisationen, und das trifft insbesondere auf die hier untersuchten zu, oftmals Aufgaben zu Eigen machen, die sich kaum monokausal betreiben lassen. Die wirklichen Ursprünge für Krisen und Missstände sind selten bekannt, je größer das zu bewältigende Problem ist, desto weniger weiß man über die wirklichen Ursachen und umso weniger greifen bekannte Maßnahmen. Hierbei tritt das Phänomen auf, dass die Organisationen, um ihre Machtpositionen zu sichern, dennoch Erfolge vermelden müssen und dabei schlichtweg die tatsächlichen humanitären, ökonomischen oder ökologischen Ziele austauschen mit ökonomischen Werten, wie den bereitgestellten Geldvolumen. Das eigene Image wird somit abhängig von eben jenen Faktoren, die am ungeeignetsten sind, um die Zielerreichung bewerten zu können; die Ziele ihrerseits würden also umso weniger direkt angestrebt, die Erfolgsindikatoren selber treten zurück, was die Erfolgsaussichten mindert, obwohl die Institutionen ihren Einfluss vergrößern konnten.

Ein relativ einfacher Weg, um diesem Problem zu begegnen besteht in der Konditionalisierung. Hierbei werden Kreditmittelvergaben an Auflagen geknüpft, die ihrerseits den Zielen der Kredit gewährenden Institution entsprechen. So kann theoretisch darauf hingewirkt werden, dass mit geringem Aufwand durch die Organisation ein zielgetreues Verhältnis zu ihren Mitgliedsländern bestehen kann. In der Praxis führt dies jedoch dazu, dass die internationalen Organisationen die Bedingungen einseitig festlegen, ohne die Mitgliedsstaaten einzubeziehen und ohne die für die Konditionen notwendigen Voraussetzungen zu kennen beziehungsweise diese an sich zu ermöglichen.

II. Hauptteil

1. Bretton Woods

Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank wurden noch während der Wirren des Zweiten Weltkriegs errichtet, auf Betreiben von vor allem zwei Ländern; Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Vorbereitungen liefen schon seit einigen Jahren vor dem Treffen im US-amerikanischen Ort Bretton Woods, an dem rund 800 Delegierte im Juli 1944 mit dem Ziel, eine weltweite Wirtschafts- und Finanzordnung zu errichten, die die Gefahr einer erneuten Weltwirtschaftskrise eindämmen helfen soll, teilnahmen (Volz 2000: 54). Auslöser dieser Bemühungen war eine Radiorede des deutschen Reichswirtschaftsministers Walther Funk, in der dieser die zukünftigen europäischen Wirtschaftsbeziehungen skizzierte, was daraufhin die britische Regierung dazu veranlasste, einen Gegenentwurf durch John Maynard Keynes entwerfen zu lassen. Die Vereinigten Staaten ihrerseits beauftragten wenig später Harry Dexter White, um einen Plan für die zukünftige Weltwirtschaftsordnung zu entwerfen Rode, 1999: 330).

Die jeweils von Großbritannien und USA vorgestellten Pläne unterschieden sich im Wesentlichen darin, dass Keynes die Weltbank lediglich als Schuldner sah, nicht als Gläubiger, und dass sie keinerlei Einfluss auf die nationalstaatlichen Politiken haben solle. Zudem schlug er eine globale Weltwährung, den „Bancor“, nebst supranationaler Zentralbank, der „International Clearing Union“, vor, damit der Einfluss des US-amerikanischen Dollar geschwächt würde. Diese Weltwährung wäre in Gold festgelegt worden und die einzelnen Länder würden Paritäten gegen diese Währung definieren. Bei der International Clearing Union hätten die Staaten Konten, bei der Zinsen be- beziehungsweise gezahlt würden; die Kreditquoten würden für jedes Land gesondert bestimmt werden. Whites Plan hingegen sah eine gläubigerorientierte Bank vor und hatte die Wechselkursstabilisierung statt Liquiditätshilfen im Fokus. Er wandte sich vehement gegen die Clearing Union Keynes. Kernstück war hier die Schaffung eines Stabilisierungsfonds innerhalb der Vereinten Nationen, bei dem jeder Mitgliedstaat in diesen Fonds nach einer bestimmten Quote einzahlt, teils in Gold teils in eigener Währung. Ein Defizit-Land sollte die Möglichkeit haben, seine Währung gegen die anderer Mitgliedstaaten beim Fonds zu verkaufen und so Ressourcen zu erhalten. Jeder Mitgliedstaat würde eine Parität seiner Währung festlegen, ausgedrückt in „unitas“, einer internationalen Buchungseinheit im Wert von zehn Gold-Dollars. Bei Übertreten der Kreditquoten durch einen Mitgliedstaat sollte der Fonds die Möglichkeit erhalten, Strafmaßnahmen zu ergreifen und nationale Politikempfehlungen zu geben (Rode 1991: 329).

Man entschied sich schlussendlich für einen Kompromiss aus beiden Entwürfen, leicht tendierend zur Bevorzugung des US-amerikanischen Plans von Harry Dexter White, was vielfach als „Geburtsfehler“ der Bretton-Woods-Institutionen bei Kritikern angesehen wird. Dies lag vor allem daran, dass die Vereinigten Staaten eine einflussreichere Position während der Verhandlungen innehatte, denn das Vereinigte Königreich sah sich beinahe vor einem Bankrott der eigenen Wirtschaft. Entsprechende Forderungen der Ausgestaltung der Internationalen Finanzinstitutionen stießen somit auf Widerstand seitens des größten Geldgebers, der USA. Den US-amerikanischen Vertretern waren vor allem stabile währungspolitische Bedingungen wichtig, wollten einer zu großen Nehmermentalität vorbeugen und einem Zahlungsautomatismus der Überschussländer auf jeden Fall entgegentreten, während Sonderbedingungen für das britische Commonwealth wegen Diskriminierungsbefürchtungen abgelehnt wurden. So stimmten sie zum Beispiel auch nicht dem Vorschlag zu, dass Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen ebenfalls Anpassungsmaßnahmen zu leisten hätten. Aber es ist auch den Bemühungen der Vereinigten Staaten zu verdanken, dass der Internationale Währungsfonds eine multilaterale Ausrichtung von Anfang an innehatte, und nicht eine einseitige Bevorzugung der angelsächsischen Länder nach britischen Vorstellungen sich durchsetzte (Volz 2000: 59).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
IWF und Weltbank
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V38508
ISBN (eBook)
9783638375399
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltbank
Arbeit zitieren
Robert Gabel (Autor), 2005, IWF und Weltbank, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38508

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: IWF und Weltbank


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden