Joint Implementation - Projektsimulation und Organisation - Operationalisierung eines neuen Instruments der internationalen Klimapolitik


Studienarbeit, 2005
56 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsübersicht

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Hinweise zur Literatur

2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Begriff und Ziele der Klimapolitik
2.2 Ursprünge und Definitionen von Joint Implementation
2.3 Was ist ein Klimaschutzprojekt?
2.4 Die ökonomische Idee von JI im projektbezogenen Ansatz
2.5Ziele des Forschungsprojektes

3. Eignung von Maßnahmen zum Klimaschutz für Joint Implementation
3.1 Zusammenfassung klimawirksamer Maßnahmen zu Projekttypen
3.2 Kriterien für die Bestimmung der JI-Eignung von Projekttypen
3.2.1 Die Kriterien der ersten Vertragsstaatenkonferenz
3.2.2 Kriterien aus der wissenschaftlichen und politischen Diskussion
3.3 Diskussion der JI-Eignung von Projekttypen
3.3.1 Energiebedingte Emissionen
3.3.2 Nicht energiebedingte Emissionen

4. Die Umsetzung von JI in der Zementindustrie am Beispiel des Ersatzes eines Zementwerkes in der Tschechischen Republik
4.1 Identifizierung und Darstellung der Prozesse mit zusätzlichem Minderungspotential
4.2 Referenzfallbestimmung
4.3 Bestimmung der vermiedenen Emissionen
4.4 Simulationsbeschreibung
4.4.1 Tschechische Zementindustrie
4.4.2 Tschechischer Zementmarkt
4.4.2 Die Joint Ventures
4.4.3 Bestimmung der vermiedenen Emissionen
4.5 JI-Eignung und –Übertragbarkeit der Ergebnisse
4.5.1 Übertragbarkeit auf die Zementindustrie im allgemeinen
4.5.2 Übertragbarkeit auf andere Produktionsprozesse der Grundstoffindustrie

5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Anhang

Das Arbeitsprogramm des Wuppertaler Instituts im Überblick (Vgl. Kapitel 2.5)

Übersicht der Projekttypen (Vgl. Kapitel 3.3)

Berechnungsgleichungen der Emissionen (Vgl. Kapitel 4.3)

Glossar

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Projektzyklus im Klimaschutz

Abbildung 2: Minimierung der Vermeidungskosten mit zwei Partnern

Abbildung 3: Projekttypen nach Jepma

Abbildung 4: Projekttypen nach IPCC

Abbildung 5: JI-Projekttypen, abgeleitet und hoch aggregiert

Abbildung 6: Eignung von Projekttypen für JI: Auswahlkriterien

Abbildung 7: Klassifizierung von JI-Projekten in der Zementindustrie und Zuordnung

Abbildung 8: Zementverbrauch Tschechische Republik von 1960 bis 1995

Abbildung 9: Zementwerke in der Tschechischen Republik

Abbildung 10: Aufteilung der Produktionskapazitäten auf die einzelnen Werke in der tschechischen Republik

Abbildung 11: Bisherige Optimierungsergebnisse (KDC)

Abbildung 12: CO2-Emissionen im Fall KDC (t CO2/t Zement)

Abbildung 13: Umweltschutzausgaben

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

„Unsere Atmosphäre ist ein kleines Wunderwerk der Natur.

Sie enthält die sogenannten Treibhausgase, die wie ein Schutzschild den Erdball umgeben und verhindern, dass die von der Erde kommende Wärme ins All entweicht.

Ohne die Treibhausgase wäre es auf der Erde bitterkalt.“[1]

So, oder so ähnlich, ist wohl auch der Kenntnisstand der Bevölkerung, wenn man sie auf den Nutzen der Erdatmosphäre anspricht. Vielen scheint die damit verbundene Problematik, dass die Menge der Treibhausgase, allen voran Kohlendioxid (CO2), zu stark angestiegen ist bekannt zu sein. Ursache dafür, dass sich die Atmosphäre unnatürlich stark aufheizt sind vor allem Industrie, Haushalte und der Verkehr. Diese Gefahr ist bereits Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ersichtlich, weshalb 1992 in Rio de Janeiro die sog. Klimarahmenkonvention (UNFCCC) der Vereinten Nationen gegründet wird und die Grundlage für die weltweiten Anstrengungen zu Bekämpfung der globalen Erwärmung[2] bildet. Ziel der Klimarahmenkonvention ist es, die „Stabilisierung der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre zu erreichen, auf dem eine gefährliche [...] Störung des Klimasystems verhindert wird.“[3] Klimaänderungen, die unmittelbar oder mittelbar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind und welche die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändern gilt es, bestmöglich zu minimieren.

Die Begeisterung zur Bekämpfung des Klimawandels ist in den meisten Staaten sehr verhalten. Ein Grund hierfür sind die vermuteten hohen Kosten für klimawirksame Maßnahmen, die durch eine wirksame Klimaschutzpolitik die wirtschaftliche Entwicklung behindern würde. Ein durchführbares Instrument, das zur Erhöhung der Effizienz des Klimaschutzes beitragen soll, ist unter dem Begriff der ’Gemeinsamen Umsetzung’ bzw. ’Joint Implementation’ (JI) bekannt geworden.

1.2 Ziel der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, das Forschungsprojekt zu Joint Implementation, welches 1996 vom Umweltbundesamt (UBA) an die ’Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie GmbH’ in Auftrag gegeben wurde, in seiner Komplexität und seiner praktischen Anwendung verständlich und zusammengefasst aufzuzeigen.

Als Grundlage für diese Betrachtung beschäftigt sich Kapitel 2 zunächst mit der Klimapolitik im Allgemeinen. Das dritte Kapitel widmet sich den Erkenntnissen des Forschungsprojektes bzgl. der Eignung von Maßnahmen bei der Anwendung von Joint Implementation. Kapitel 4 beschreibt die Umsetzung von Joint Implementation anhand eines real simulierten Beispiels und versucht die induktive Anwendung von Joint Implementation zu unterstreichen.

Eine Zusammenfassung und abschließende Betrachtung der Thematik, sowie des daraus erzielten, heute merklichen Nutzens erfolgt in Kapitel 5.

1.3 Hinweise zur Literatur

Da diese Arbeit ein konkretes Forschungsprojekt und deren Ergebnisse behandelt, stützt sie sich im Wesentlichen auf den Forschungsbericht 104 01 101 im Register UBA-FB- 97-040 des Umweltbundesamtes. Daher werden als ergänzende Literatur Pressemitteilungen und Zeitschriftenartikel bzw. –aufsätze herangezogen, die sich mit dem Thema Joint Implementation und Klimapolitik beschäftigen.

Für die makroökonomischen theoretischen Grundlagen wird Mankiw herangezogen. Aktuelle Zahlen und Statistiken zum Thema Umweltschutzmaßnahmen finden sich in Online-Quellen des Statistischen Bundesamtes.

2. Allgemeine Grundlagen

2.1 Begriff und Ziele der Klimapolitik

Wegen der weltweiten Verursachung der Klimaerwärmung ist ein wirksamer Klimaschutz nur möglich, wenn möglichst alle Staaten - und insbesondere die hauptverantwortlichen Industriestaaten - ihre nationale Verantwortung wahrnehmen. Das setzt im internationalen Wettbewerb der Volkswirtschaften jedoch unbedingt eine langfristige Kooperation und faire Verantwortungsteilung voraus. In diesem Sinne wurde auf dem "Umwelt-Gipfel" in Rio 1992 eine globale Klimarahmenkonvention mit dem Ziel die Konzentration der Treibhausgase auf einem Niveau zu stabilisieren, das eine Störung des Klimasystems verhindert, verabschiedet. Dieses Niveau soll zudem in einem Zeitraum erreicht werden, der gewährleistet, dass die Ökosysteme sich auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können und dass die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird und eine nachhaltige Entwicklung möglich bleibt. Die Maßnahmen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen müssen alle relevanten Verursachungsbereiche erfassen, wobei besonders auf die Bereiche Industrie und Energiewirtschaft, private Haushalte, Verkehr, Land- und Forst- sowie Abfallwirtschaft als Hauptquellen der CO2-Emissionen einzuwirken ist.[4] Dies sollte durch allgemeine sektorübergreifende und zugleich durch sektorspezifische Maßnahmen geschehen.

2.2 Ursprünge und Definitionen von Joint Implementation

Der Grundgedanke der „Gemeinsamen Nutzung“ (Joint Implementation, JI) von Klimaschutzmaßnahmen beruht auf einer einfachen Tatsache:

Die Minderung von Treibhausgasemissionen ist in verschiedenen Staaten unterschiedlich schwierig und kostenträchtig und ist „von der Verfügbarkeit von Kapital, Technologie sowie von den derzeitigen sozio-ökonomischen Situation abhängig“[5]. Da es für die Klimawirksamkeit keine Rolle spielt, wo Treibhausgase entlassen werden, liegt es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nahe, Emissionen von CO2 dort zu vermeiden, wo dies am kostengünstigsten erreicht werden kann. Dadurch kann „grundsätzlich ein höherer Klimaschutzeffekt erzielt werden, als wenn Staaten mit unterschiedlichen Vermeidungs-kosten gleiche proportionale Minderungsziele auf ihrem jeweiligen Territorium realisieren.“[6]

Somit können beispielsweise zwei Staaten mit gleich hohen Emissionen und dem gemeinsamen Ziel, diese um 10% zu verringern, miteinander kooperieren, um die gesamten Minderungspflichten im Staat mit den geringeren Vermeidungskosten zu erfüllen. Die Summe der Vermeidungskosten wäre um ein Drittel weniger[7]. Die angeführten Kooperationen zweier Staaten können dahin führen, „zu gegebenen Kosten [...] maximale Emissionsminderung zu realisieren - oder gesetzte Ziele zu minimalen Kosten zu erreichen“[8].

Um ein Maximum an Flexibilität bei der Anwendung von JI zu erreichen, ist es jedoch notwendig, zusätzlich zu den Industriestaaten, auch Entwicklungsländer, die keine Emissionsbegrenzungen einzuhalten haben, in JI-Projekte einzubinden, um eine weltweite Anwendbarkeit des Instrumentes zu erzielen. Daher bindet Joint Implementation aus rein ökonomischer Sicht solche Staatengruppen mit ein, die wirtschaftlich fortgeschritten sind, hohe Minderungspotentiale und Vermeidungskosten, aber eine effiziente Technologie haben. Aber auch Entwicklungsländer, welche durch kostengünstige Minderungspotentiale und eine mangelnde Verfügbarkeit von Kapital und Technologie charakterisiert sind.

Aus dieser Sichtweise heraus ist JI nicht als ein „System der Kompensation klimapolitischer Verpflichtungen zwischen Staaten mit festen Emissionsbegrenzungen“[9] zu verstehen (staatenbezogener Ansatz), sondern als „ein Instrument zur grenzüberschreitenden gemeinsamen Umsetzung von spezifischen „Projekten“ mit berechenbaren Minderungen (projektbezogener Ansatz).[10] Ein weiteres Ziel von Joint Implementation ist es, auf internationaler Ebene zusätzliches Know-How und zusätzliche finanzielle Mittel aus dem privatwirtschaftlichen Bereich zu aktivieren.

Das Forschungsprojekt des Wuppertaler Instituts und somit diese Arbeit folgen im weiteren Verlauf dieser ursprünglichen Definition. Joint Implementation ist „allein als Kompensation im projektbezogenen Ansatz zwischen einem verpflichteten und einem nicht verpflichteten Staat“[11] zu verstehen. JI-Maßnahmen können somit im Großen und Ganzen als „Transfer einer Kombination von Kapital, Know-How und Technologie von einem Land, dem investierenden Staat, in ein anderes Land, den gastgebenden Staat verstanden“[12] werden. Mit der damit festgesetzten gemeinsamen Obergrenze der erlaubten Emissionen könnten durch „die Übererfüllung des einen wie die Untererfüllung des anderen Staates [...] handelbare Emissionszertifikate verrechnet werden.“[13]

2.3 Was ist ein Klimaschutzprojekt?

Ein Klimaschutzprojekt besteht jeweils aus mehreren Komponenten, unter denen zweifellos die Klimaschutzprojektaktivität am wichtigsten ist. Denn die Klimaschutzprojektaktivität ist eine tatsächlich durchgeführte Investition in eine klimafreundlichere Wirtschaftsweise.[14] Alle anderen Teile des Klimaschutzprojekts dienen nur der Abrechnung, Dokumentation und Überwachung der Treibhausgasbilanz. Beispiele für emissionsmindernde Klimaschutz-projektaktivitäten sind der Bau eines Windparks, die Verbesserung der Effizienz eines Fernwärmenetzes oder die Installation eines Biomassekraftwerks. Beispiele für so genannte „Senkenprojektaktivitäten“, d.h. Projektaktivitäten, die zu mehr gebundenem Kohlenstoff pro Flächeneinheit führen, sind Aufforstungen oder Wiederaufforstungen.

Für die Realisierung eines Klimaschutzprojekts sind besondere Durchführungsvorschriften zu beachten. Abbildung 1 illustriert den Projektzyklus, der grob in sieben Arbeitsschritte eingeteilt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Projektzyklus im Klimaschutz; Quelle: BMU-Broschüre 2005 „Umweltpolitik - die projektbasierten Mechanismen CDM & JI“

2.4 Die ökonomische Idee von JI im projektbezogenen Ansatz

Staaten sind üblicherweise aus rein ökonomischen Aspekten motiviert. Somit ist ihr oberstes Ziel ihrer Kooperation die Minimierung der Vermeidungskosten, was der Reduzierung der Grenzkosten entspricht. Hierzu ist eine Definition des Begriffes „Grenzkosten“ und der Transfer zu Joint Implementation notwendig. Mankiw beschreibt Grenzkosten, als eine „Zunahme der Gesamtkosten für die Herstellung einer zusätzlichen Produkteinheit“[15]. Auf den Einsatz von Joint Implementation bezogen kann man also sagen, dass die zusätzliche Produkteinheit das darstellt, was zwei Länder durch eine Kompensation eines Emissionsminderungsprojektes an Kosten vermeiden können. Wenn also Staat A in Staat B, welches günstigere Voraussetzungen für JI-Projekte hat, investiert, sind die Gesamtkosten durch die Kooperation geringer, als wenn Staat A das Projekt im eigenen Land durchgeführt hätte. Höhere Kosten werden somit durch Kooperation vermieden. Die Summe der Vermeidungskosten entspricht dabei der Differenz zwischen den Gesamtkosten mit Kooperation und den Gesamtkosen ohne Kooperation. Ziel hierbei ist ein Maximum der Vermeidungskosten zu erreichen.

Der ökonomische Grundgedanke von Joint Implementation kann mit Hilfe der Abb. 2 aufgezeigt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Minimierung der Vermeidungskosten mit zwei Partnern; Quelle: Cansier/Krumm 1996

Da die Kosten als Flächen sichtbar sind, besteht das Ziel darin, die schraffierten Flächen möglichst klein werden zu lassen. Möchte der Staat i das gegebene Minderungsziel q alleine, d.h. ohne Kooperation, erreichen, müsste er die Kosten in Höhe des gesamten Integrals unter seiner Grenzkostenkurve C’i tragen. Staat a, der die Kosten in Höhe des gesamten Integrals unter der Grenzkostenkurve C’a zu tragen hätte, würde alleine die Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen durchführen. Da die Grenzkostenkurven beider Staaten in einem Diagramm aufgeführt sind, sind sie gegenläufig zu lesen: die Grenzkosten des Staates i steigen mit wachsender Menge von rechts nach links; die des Staates a von links nach rechts.

2.5Ziele des Forschungsprojektes

Für das Forschungsvorhaben zu operationellen Aspekten des Konzepts von Joint Implementation stehen drei Themen im Mittelpunkt:

Zuerst soll untersucht werden, welche Typen von Projekten bzw. Maßnahmen zur „Gemeinsamen Nutzung“ unter der Klimarahmenkonvention als besonders geeignet gelten. Im zweiten Schritt sollen Verfahren zur Bestimmung der verschiedenen Emissionen sowie Verfahren der Berichterstattung entwickelt werden. Die Entwicklung der institutionellen und organisatorischen Ausgestaltung eines JI-Mechanismus auf nationaler und internationaler Ebene stellt den dritten Schritt dar. Anhand vier Projekten mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft, eines davon beispielhaft in dieser Arbeit behandelt, wird die praktische Durchführung von Joint Implementation „simuliert“. Dadurch gewinnt man frühzeitig Zugang zu den vielfältigen Problemen dieses speziellen Kompensationskonzeptes und die gefundenen Problemlösungen können als Konsequenz soweit wie möglich verallgemeinert werden.

Eine allumfassende Analyse und die endgültige Lösung aller Probleme soll nicht erwartet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen jedoch dazu dienen, das in der Öffentlichkeit vorhandene große Ausmaß an Hoffnung und auch Kritik in eine realistische Perspektive zu rücken. Zusätzlich sollen die erzielten Erkenntnisse den internationalen Verhandlungsprozess fördern und die weitere Entwicklung des deutschen Programms zu gemeinsam umgesetzten Aktivitäten unterstützen. Das komplette Arbeitsprogramm des Wuppertaler Instituts findet sich im Anhang wieder.

Die vorliegende Arbeit möchte die zwei wesentlichsten Themen aus der gesamten Studie abhandeln. Einerseits die Eignung von Projekttypen und Maßnahmen im Rahmen von Joint Implementation und andererseits die Bestimmung der verschiedenen Emissionen in einem JI-Projekt..

3. Eignung von Maßnahmen zum Klimaschutz für Joint Implementation

3.1 Zusammenfassung klimawirksamer Maßnahmen zu Projekttypen

Um die Grundlage zur praktischen Anwendung von Joint Implementation zu schaffen, bedarf es zuerst der Zusammenfassung von Projekten zu sachgerechten Typen, um somit die angestrebte Beurteilung von Projekttypen nach ihrer Eignung im projektbezogenen Ansatz bereitzustellen. Hierbei sieht es das Forschungsprojekt vor, die große Vielfalt möglicher JI-Projekte zu aggregieren, um verallgemeinernde „Aussagen darüber zu machen, welche Arten mehr oder minder JI-geeignet sind.“[16] Die Gliederung von Projekttypen hat, neben der technischen Ähnlichkeit der zusammengefassten Projekte, noch weitere Kriterien zu erfüllen[17]:

1. Es sollten alle unter das Mandat der UNFCCC fallenden Projektarten aufgenommen werden können. Unter der FCCC wird wird zum einen nach Treibhausgasen kategorisiert. Andererseits gliedert man die Kategorien, ausgehend vom Kern der Energiebilanz, sektoral (energiebedingten und nichtenergiebedingten Emissionen).
2. Die Projekttypen dürfen nicht zu hoch aggregiert sein, weil dann das Problem einer zugroßen Abstraktheit auftritt. Sie dürfen aber auch nicht zu detailliert sein, weil dann der arbeitsökonomische Nutzen der Zusammenfassung von Projekten zu Projekttypen gemindert wird.
3. Der Schwerpunkt sollte bei den energiebedingten Emissionen liegen, deshalb muss dort die relativ tiefste Untergliederung erfolgen.
4. DIE JI-Eignung von Projekttypen wird nicht nur von technischen Eigenschaften, sondern auch durch bestimmte soziale Rahmenbedingungen und Anforderungen bestimmt.
5. Die Schwerpunkte der Gliederung sollen sich nicht zu sehr an den typischen ökonomischen

Strukturen der Industrieländer orientieren.

In der laufenden JI-Diskussion zur Untergliederung von JI-geeigneten Projekten wurden unterschiedliche Kataloge erstellt. Ein repräsentativer Ausschnitt solcher Kataloge ist in Abb. 3 und Abb. 4 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Projekttypen nach Jepma (1995) Abbildung 4: Projekttypen nach IPCC

Für die Untersuchung des Forschungsprojekts können diese Kataloge nicht heran gezogen werden, da „die sozialen Komponenten nur unzureichend berücksichtig“[18] sind. Aufgrund dieser Tatsache wird versucht, eine mehr anwendungsbezogenere und anforderungsgerechtere Gliederung herzuleiten[19]. Hierzu wird die Technologieliste des deutschen IKARUS-Projektes und der deutschen Energiebilanz „gekreuzt“, anschließend nach Energiebereitstellung und im späteren Verlauf nach Energieverbrauch feiner untergliedert. Im letzten Schritt wird in ökonomische Aspekte, Projektgröße (Implikationen für Transaktionskosten), nach Projektträgern (Bündelungsfunktion) und Marktstruktur (ebenfalls Bündelungsfunktion) unterteilt.[20] Das Ergebnis ist die in Abb. 5 dargestellte Gliederung nach Projekttypen, welche Grundlage für die weiteren Untersuchungen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: JI-Projekttypen, abgeleitet und hoch aggregiert; Quelle: Joint Implementation 1997

Diese Unterscheidung macht es möglich, jeweils diejenigen technischen Prozesse zusammenzufassen, die als JI-Projekte entweder als Einzelprojekte oder aber durch eine Vielzahl kleiner Einzelprozesse möglich sind.

3.2 Kriterien für die Bestimmung der JI-Eignung von Projekttypen

In diesem Kapitel sollen solche Kriterien identifiziert werden, mit deren Hilfe eine pauschale Bewertung der JI-Eignung von Projekttypen möglich ist. Diese Kriterien müssen allgemein und abstrakt gehalten sein, da sie nicht auf konkrete Projekte Anwendung finden sollen.

Hierbei bezieht man die vereinbarten Kriterien der Ersten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 1), welche von zentraler Bedeutung sind, und weitere aus Wissenschaft und Politik diskutierte Kriterien mit ein und prüft sie auf ihre Maßgeblichkeit zur Anwendung von Joint Implementation.

3.2.1 Die Kriterien der ersten Vertragsstaatenkonferenz

Die auf der ersten Konferenz der Vertragsstaaten im März/April 1995 in Berlin vereinbarten Kriterien für die Pilotphase von „Gemeinsam umgesetzten Aktivitäten“(Activities Implemented Jointly, AIJ) sind als Minimalkonsens bis zum Jahr 2000 zu sehen. Man kann jedoh davon ausgehen, dass die verabschiedeten Kriterien auch für die endgültige JI-Regelung im wesentlichen Gültigkeit behalten wird. Es sind die folgenden[21]:

- 1(a): Die Pilotphase für gemeinsam umgesetzte Aktivitäten ist gleichermaßen offen für Annex-I- und Nicht-Annex-I-Staaten (also auch für Entwicklungsländer).
- 1(b): Gemeinsam umgesetzte Aktivitäten sollen mit den nationalen Umwelt- und Entwicklungsstrategien kompatibel sein bzw. diese unterstützen. Die Aktivitäten sollten zur Kosteneffizienz bei der Verfolgung globalen Nutzens beitragen und alle relevanten Quellen, Senken und Reservoire von Treibhausgasen umfassen.
- 1(c): Alle gemeinsam umgesetzten Aktivitäten erfordern die vorherige Zustimmung, Genehmigung oder Billigung der jeweiligen Regierungen.
- 1(d): Gemeinsam umgesetzte Aktivitäten müssen zu tatsächlichen, messbaren und langfristigen Umweltvorteilen in Bezug auf die Abschwächung von Klimaveränderungen führen. Sie müssen also einen Nutzen erbringen, der ohne diese Aktivität nicht eingetreten wäre.
- 1(e): Die Finanzierung gemeinsam umgesetzter Aktivitäten muss zusätzlich den finanziellen Verpflichtungen der Annex-II-Staaten (OECD und EU) aus Art. 4.3 FCCC im Rahmen des finanziellen Mechanismus entsprechen.
- 1(f): Während der Pilotphase gemeinsam umgesetzter Aktivitäten erwachsen den Vertragsparteien keine Kredite als Ergebnis reduzierter oder absorbierter Treibhausgasemissionen.

Die vorgegebenen Kriterien der COP 1 wurden von der Forschungsgruppe auf Anwendbarkeit überprüft und derart beurteilt, dass die Kriterien 1(a), 1(c) und 1(f) nicht für die Bewertung der JI-Eignung von Projekttypen verwendet werden können. Kriterium 1(c) spiegelt die staatenorientierte Grundkonzeption von JI unter der Klimarahmenkonvention wider. Kriterium 1(a) ist bereits Grundlage der Untersuchung und 1(f) ist konstitutiv für die AIJ-Pilotphase, während Joint Implementation definitionsgemäß Anreize in Form von Emissionskrediten für die beteiligten Vertragsparteien bereitstellen soll.

Sowohl Kriterium 1(e) als auch Kriterium 1(b) finden ebenfalls keine Anwendbarkeit in der Studie, weil sie nur auf einzelne Projekte und nicht auf abstrakte Projekttypen angewendet werden können und nicht operationalisierbar sind.

Dahingegen enthält Kriterium 1(d) konkrete Anknüpfungspunkte auch für die Beurteilung der JI-Eignung von Projekttypen und ist deshalb von zentraler Bedeutung für den zu entwickelnden Kriterienkatalog. JI-Projekte sollen „zu tatsächlichen (real), messbaren (measureable) und langfristigen (longterm) Umweltvorteilen in Bezug auf die Abschwächung von Klimaveränderungen führen“[22]. Hiermit ist eine Emissionsdifferenz, welche zwei grundlegende Bedingungen erfüllen muss, gemeint.

- die Möglichkeit der glaubwürdigen und quantifizierbaren Referenzfallbildung

und

- die Möglichkeit der exakten Quantifizierung der Emissionen des JI-Projekts

Diese Kriterien muss Joint Implementation, auch wenn eine verlässliche Bestimmung von stark differierenden regionalen und nationalen Vorbedingungen abhängt, in jedem Fall erfüllen. Sie stellen somit die essentielle Grundlage der weiteren Untersuchung dar.

[...]


[1] BMU – Kurzinfo Klimaschutz

[2] Vgl. Netinform - Glossar

[3] Netinform - Glossar

[4] Vgl. BMU, 2004 – Klimaschutz

[5] Joint Implementation S.6

[6] Joint Implementation S.6

[7] Vgl. Joint Implementation S.6

[8] Joint Implementation S.7

[9] Joint Implementation S. 8

[10] Vgl. Joint Implementation S. 8

[11] Joint Implementation S. 8

[12] Joint Implementation S. 14

[13] Joint Implementation S. 7

[14] Vgl. BMU (2005), Umweltpolitik

[15] Mankiw „Grundzüge der Volkswirtschaft“ 2001, S. 301

[16] Joint Implementation S. 29

[17] Vgl. Joint Implementation S. 28/29

[18] Joint Implementation S. 33

[19] Vgl. Joint Implementation S. 33

[20] Vgl. Joint Implementation S. 33

[21] Vgl. Joint Implementation S. 40

[22] Joint Implementation S. 42

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Joint Implementation - Projektsimulation und Organisation - Operationalisierung eines neuen Instruments der internationalen Klimapolitik
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,6
Autor
Jahr
2005
Seiten
56
Katalognummer
V38586
ISBN (eBook)
9783638375986
ISBN (Buch)
9783638895231
Dateigröße
7217 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joint, Implementation, Projektsimulation, Organisation, Operationalisierung, Instruments, Klimapolitik
Arbeit zitieren
Kevin Knecht (Autor), 2005, Joint Implementation - Projektsimulation und Organisation - Operationalisierung eines neuen Instruments der internationalen Klimapolitik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38586

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