Konrad Adenauer und die Außenpolitik der BRD 1949-1963


Hausarbeit, 2018

7 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kurzbiografie

III. Westintegration

IV. Zwischen West und Ost - Die Beziehungen zu den USA und zur SU

V. Historische Verantwortung - Die Beziehungen zu Israel und Frankreich

VI. Fazit

I. Einleitung

„ Unsere Politik mu ß , um in Ü bereinstimmung mit unseren realen M ö glichkeiten zu bleiben, Schritt f ü r Schritt den einmal eingeschlagenen Weg weitergehen. Wenn wir auch keine Gro ß macht mehr sind, so k ö nnen wir doch an der Gr öß e teilhaben, wie sie der Zusammenhalt und der Zusammenschlu ß der freien V ö lker zu gew ä hren vermag. Dazu geh ö rt vor allem, da ß wir unseren Freunden gegen ü ber so treu und so zuverl ä ssig bleiben wie bisher. Soweit die Zukunft in unsere eigene Hand gegeben ist, sehe ich keine andere und keine bessere Politik. “ 1

Konrad Adenauer gilt als einer der wichtigsten, wenn nicht sogar als der wichtigste Kanzler der Bun- desrepublik. Der erste Regierungschef Deutschlands bestimmte 1949-1963 die Richtlinien der neuen Politik und gestaltete aktiv die Errichtung des neuen demokratischen Staates, die Westintegration und die Einbindung in die NATO mit. Er trieb die Souveränität Deutschlands voran und setzte auf einen strikt antikommunistischen Kurs. Somit prägte er eine ganze Ära - die Ära Adenauer. Da ihm so viel Bedeutung zufällt, soll diese Arbeit gebündelt Aufschluss über die Person und Politik Adenauers insbe- sondere hinsichtlich seiner Außenpolitik und der damit verbundenen Westbindung geben.

II. Kurzbiografie

Konrad Adenauer wurde 1876 in bescheidenen Verhältnissen in Köln geboren, dessen Oberbürgermeister er 1917 wurde. Als Mitglied der katholischen Zentrumspartei förderte der Jurist viele Projekte, die die Stadt modernisierten und zeigte hier sein taktisch-politisches Geschick.2 Von 1921-1933 war er Präsident des Preußischen Staatsrates, was ihm überregionalen Einfluss bescherte.3 Oft war er auch als Kanzlerkandidat der Weimarer Republik in Aussicht, ein Amt, das ihm im Vergleich zur eigenen Position in Köln allerdings nicht als Gewinn erschien.4

1933 wurde er von den Nationalsozialisten seiner Ämter enthoben, da er diese ablehnte und Haken- kreuzflaggen in Köln verbot. Ausgeschlossen von der Politik war er oft auf der Flucht, z. B. 1933/34 im Kloster Abtei Maria Laach. 1944 wurde Adenauer nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler als ver- meintlicher Widerstandskämpfer mehrere Monate interniert und schwebte in Lebensgefahr, wurde Ende des Jahres jedoch wieder entlassen.5 Von den Amerikanern Anfang 1945 erneut zum Oberbürgermeister Kölns ernannt, musste er auf Geheiß der britischen Besatzungsmacht diesen Posten bereits Ende des Jahres wieder verlassen und konzentrierte sich auf die Parteiarbeit, indem er den Christdemokraten bei- trat. 1948 wurde Adenauer Präsident des Parlamentarischen Rats und so deutschlandweit bekannt.6 1949 wurde er zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. In diesem Amt formte er den neuen Staat nach seinen Vorstellungen. Er leitete außenpolitisch die Westintegration ein, innenpo- litisch setzte er sich für die soziale Marktwirtschaft ein. 1963 trat er im Alter von 87 Jahren als Kanzler zurück und starb 1967.

Im Vergleich zur Stellung des Kanzlers in der Weimarer Republik hatte Adenauer als deutscher Regie- rungschef mehr Macht, die er in patriarchalisch-autoritärem Stil nutzte, indem er sowohl Kabinett als auch Fraktion und Partei fest im Griff hatte.7 Auch wenn diese „Kanzlerdemokratie“ durchaus anfecht- bar ist, war sie doch im Hinblick auf die notwendige Konsolidierung und Sicherung der neuen Bundes- republik höchstwahrscheinlich sogar notwendig, um ähnliche Fehler der instabilen Vorgängerin zu ver- meiden. Sicherlich war es hilfreich, in solchen unruhigen Zeiten eine richtungsweisende Kraft zu haben.

III.Westintegration

Adenauer befürwortete ein in westliche Strukturen eingebundenes Deutschland, um so den Sowjets im Ost entgegenhalten zu können. Dabei hatte er zwei Faktoren im Blick: Die Westbindung als sicherheitspolitisch-militärisches Mittel und die Westintegration als Einigungsprozess der westeuropäischen Demokratien. So sagte er 1949 in seiner ersten Regierungserklärung:

„ Es besteht f ü r uns kein Zweifel, dass wir nach unserer Herkunft und nach unserer Gesinnung zur westeurop ä i schen Welt geh ö ren."8

Dies war zugleich eine Absage an die Forderungen anderer Parteien, die sofortige Wiedervereinigung mit allen Mitteln anzustreben, da Moskau kein westliches Gesamtdeutschland zugelassen hätte. Zudem wäre Adenauer nicht imstande gewesen ohne die Erlaubnis der alliierten Besatzungsmächte zu agieren. All diese Aspekte rückten eine baldige Wiedervereinigung in weite Ferne. Auch hatte der katholische Rheinländer Adenauer eine persönliche Abneigung gegenüber dem protestantischen, preußischen Os- ten.9 So war die prioritäre Devise des Kanzlers zuerst das Vertrauen des Westens zu gewinnen und ein souveränes Deutschland zu schaffen. Anschließend könnte die Einigung beider deutscher Staaten be- werkstelligt werden.10 Auch als Stalin 1952 mit der sogenannten „Stalin-Note“ die Wiedervereinigung mit der Bedingung eines neutralen Deutschlands in Aussicht stellte, lehnte der Bundeskanzler dies ve- hement als Hindernis für die Westintegration ab. Er befürchtete, dass eine neutralisierte Bundesrepublik graduell in die Einflusssphäre der Sowjetunion geraten würde. Daher war Stalins Offerte für ihn in je- dem Fall nicht anzunehmen.11 Trotz vieler Vorwürfe, er habe so die deutsche Wiedervereinigung sabo- tiert, ließ Adenauer sich nicht beirren und hielt energisch am prowestlichen Kurs fest, den er als alter- nativlosen Weg für sowohl die freiheitliche Souveränität als auch die zeitnahe Einigung Deutschlands sah.

Ein wichtiger Faktor diesbezüglich war die Wiederbewaffnung in Form der Bundeswehr, welche 1955 etabliert und im Rahmen der Pariser Verträge in die NATO, der Deutschland im selben Jahr beitrat, integriert wurde. Durch diese Abkommen erhielt die Bundesrepublik größtenteils ihre Souveränität wie- der und wurde endgültig „Teil des Westens“.12 Adenauer verteidigte seine Entscheidung zeitlebens und begründete sie als Realpolitik, um der kommunistischen Gefahr, die sich ab 1950 in Korea und in der brutalen Niederschlagung mehrerer Volksaufstände in Mittel- und Osteuropa gezeigt hatte, entgegenzuwirken. Die DDR erkannte er nie als Staat an und beanspruchte mit der Hallstein-Doktrin, die bis 1969 galt, die alleinige Vertretung für Staat und Volk.

IV. Zwischen West und Ost - Die Beziehungen zu den USA und zur SU

„ Durch die NATO binden wir die Vereinigten Staaten an uns; ohne die Vereinigten Staaten sind alle europ ä ischen L ä nder gegen ü ber der Sowjetunion verloren.“13

Insbesondere zu Washington wollte Adenauer gute Beziehungen pflegen, da er die USA als Basis für Erfolg versprechende deutsche Politik betrachtete. So erwies er sich als verlässlichen Partner im Kon- flikt mit dem kommunistischen Osten und bekam von der Großmacht Rückendeckung für seine Politik.14 Die Amerikaner wollten ein starkes Deutschland, um Moskaus Macht in Europa zu dämmen und unter- stützten Adenauers Wiederbewaffnung und Westbindung. Somit entwickelte sich eine amerikanisch- deutsche Symbiose, von der letztere Gruppe durch die NATO und den Marshall-Plan erheblich mehr profitierte. 1963 besuchte US-Präsident John F. Kennedy die Bundesrepublik, beide wurden bejubelt, was Adenauer als Bestätigung seiner durchaus als proamerikanisch zu wertenden Politik interpretierte.

Zur Sowjetunion waren die Beziehungen sehr angespannt. Adenauer charakterisierte die Kommunisten als größte Gefahr für die europäische Einigung und ein demokratisches Deutschland.15 Trotz seines Konfrontationskurses, besuchte er 1955 Moskau, um die Rückkehr in russischer Kriegsgefangenschaft verbliebener Deutscher und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu verhandeln. Die Gespräche waren von gegenseitigem Misstrauen geprägt, dennoch konnte die deutsche Delegation beide ihrer Ziele erreichen, was Adenauer immensen Popularitätszuwachs zuhause brachte.16 Allerdings bedeutete der Staatsbesuch in Moskau de facto die Anerkennung der Teilung Deutschlands und die Aufnahme in die NATO bewirkte die Integration der DDR in den sowjetisch dominierten Warschauer Pakt. Auch sorgten die Berlin-Krise 1958 und der Mauerbau 1961 für Argwohn und vertieften die deutsche Teilung.17

V. Historische Verantwortung - Die Beziehungen zu Israel und Frankreich

Adenauer sah sich nach dem Krieg verpflichtet, den Juden sowohl moralische als auch finanzielle Wie- dergutmachungen zu leisten, um eine Versöhnung beider Völker zu ermöglichen. Dazu wurde 1952 das Luxemburger Abkommen unterzeichnet, das Israel drei Milliarden DM zusicherte. Das Abkommen rief Kritik auf beiden Seiten hervor: So stimmten viele Unions- und FDP-Mitglieder mit Verweis auf die dadurch gefährdeten Beziehungen zu den arabischen Staaten dagegen und auch auf jüdischer Seite ver- schmähten viele den Vertrag als „Blutgeld“. 18 Um die Verhandlungen zu sabotieren, versuchten israe- lische Partisanen ein Attentat auf den Kanzler zu verüben, das sein Ziel allerdings verfehlte. Trotzdem hielt Adenauer am Abkommen fest, da er dessen Notwendigkeit erstens aus seiner christlichen Moral und zweitens aus politischer Nützlichkeit, die er durch die „Macht der Juden, auch in Amerika“, begrün- dete, ableitete.19

1958 wurde der ehemalige General Charles de Gaulle Präsident Frankreichs. Obwohl er einem souve- ränen Deutschland skeptisch gegenüberstand, erkannte er, dass nur ein starkes Westeuropa, in das auch die Bundesrepublik eingebunden ist, der kommunistischen Gefahr standhalten könne. Dies traf bei Kon- rad Adenauer auf Zustimmung. Trotz inhaltlicher Gegensätze entstand ein Vertrauensverhältnis zwi- schen beiden Politikern, das die Kooperation beider Staaten in den kommenden Jahren prägte. So wollte man die 1957 beschlossene wirtschaftliche Zusammenarbeit in Form der EWG auch auf die Felder von Politik, Militär und Kultur ausweiten, was allerdings scheiterte. Daraufhin pochte Adenauer auf eine bilaterale Übereinkunft, um die Errungenschaften und die Beziehungen beider Länder zu festigen. Dies wurde 1963 mit dem Elysée-Vertrag, der neben engerer Kooperation in der Außen- und Verteidigungs- politik und in Jugend- und Erziehungsfragen auch regelmäßige Treffen der Regierungschefs vorsah, gewährleistet.20 Adenauer legte viel Wert auf gute Beziehungen zum französischen Nachbarn, den er als essentielle Komponente für die europäische Einigung betrachtete. Auch sollte die deutsch-französische Aussöhnung der Überwindung der Erbfeindschaft dienen und so ein starkes und stabiles Europa schaf- fen. Auch wenn de Gaulle ein vereintes Europa unter französischer Führung und mit wenig US-Einfluss haben wollte, drängte der Kanzler auf Zusammenarbeit und versuchte das Mögliche zu erreichen.21

VI. Fazit

Konrad Adenauer gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Personen, die den neuen deutschen Staat ge- formt haben. Aber auch davor machte er sich als erfolgreicher Bürgermeister Kölns einen Namen und erlangt in der Weimarer Republik deutschlandweite Bekanntheit. Während des Nationalsozialismus ent- schiedener Regimegegner, sahen die Alliierten - insbesondere die Amerikaner - einen verlässlichen Partner in ihm. Als Bundeskanzler lenkte er die Bundesrepublik nach seinen Ansichten und setzte Ent- scheidungen durch, die oft kritisiert wurden, wie z. B. die Westintegration oder die Wiederbewaffnung. Mit starker Hand sorgte er für die Rehabilitierung des deutschen Volks in der internationalen Gemein- schaft, indem er die Zugehörigkeit zum Westen und zu den universalen Menschenrechten betonte. Des Weiteren geschah in seiner Regierungszeit die Aussöhnung mit dem historischen Erzfeind Frankreich und dem neu gegründeten Staat Israel, was ebenfalls zum Prestigegewinn Deutschlands führte. Innen- politisch kam es zum Wirtschaftswunder, den Menschen ging es wieder gut. Durch die Rückkehr der verbliebenen 10 000 Kriegsgefangenen aus Russland erntete der 79-Jährige Dank und Ansehen inner- halb der Bevölkerung. Doch über diesen Erfolgen weilte ein dunkler Schatten: Konrad Adenauer wird als einsamer, introvertierter Mensch beschrieben, der oft an Depression litt. Er musste viele Rückschläge erdulden, wie die Tode seiner Frauen Emma 1916 und Auguste 1948. Auch als viele nicht glaubten, dass er sich erholen könne, überwiegte sein Pflichtgefühl. Viel Kritik musste er wegen der Kontinuität von ehemaligen NS-Funktionären in der Bundesrepublik, wie Hans Globke als Kanzleramtschef, einstecken.22 Deren Integration hielt er - auch aus moralischer Perspektive, jeder habe eine zweite Chance verdient - für den Neuaufbau für unerlässlich.

Letztendlich lässt sich aber sagen, dass Konrad Adenauer außenpolitisch doch der richtige Mann für Deutschland gewesen ist. Apodiktisch setzte er die Westintegration durch und lehnte sich stark an die USA an, verfiel dabei jedoch nicht eine ideologische Starre, was sein Moskau-Besuch beweist. Zudem bewirkte er mutig die Aussöhnungen mit Israel und Frankreich, welche die deutsche Außenpolitik ziem- lich entlasteten. Er vertrat die Ansicht, dass nur ein freiheitliches Westdeutschland aus einer Position der Stärke heraus die Wiedervereinigung herstellen könne und handelte daher auch so, um dieses Deutschland zu schaffen.

[...]


1 Schallplatte „ Aus meinem Leben “ . Köln 1961.

2 https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/konrad_adenauer/index.html

3 https://www.konrad-adenauer.de/biographie/lebenslauf/uebersicht

4 https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer

5 https://www.planet-wissen.de/geschichte/persoenlichkeiten/konrad_adenauer/index.html

6 https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer

7 Dominik Geppert: Die Ä ra Adenauer. Darmstadt 2002. S. 22

8 https://www.konrad-adenauer.de/stichworte/aussenpolitik/westintegration

9 So befürwortete er ein autonomes Rheinland innerhalb der Weimarer Republik.

10 Film „ Konrad Adenauer-Der Patriarch “ . ZDF 1999.

11 Dominik Geppert: Die Ä ra Adenauer. Darmstadt 2002. S. 53.

12 Film „ Konrad Adenauer-Der Patriarch “ . ZDF 1999.

13 Vor dem Bundesparteivorstand der CDU am 23.11.1956, https://www.konrad-adenauer.de/biographie/zitate/vereinigte-staaten-von-amerika

14 Dominik Geppert: Die Ä ra Adenauer. Darmstadt 2002. S. 37.

15 https://www.konrad-adenauer.de/stichworte/aussenpolitik/kalter-krieg

16 Film „ Konrad Adenauer-Der Patriarch “ . ZDF 1999.

17 Dominik Geppert: Die Ä ra Adenauer. Darmstadt 2002. S. 104ff.

18 Ebd. S. 68f.

19 Film „Konrad Adenauer-Der Patriarch“. ZDF 1999.

20 https://www.konrad-adenauer.de/stichworte/aussenpolitik/deutsch-franzoesischer-freundschaftsvertrag

21 Dominik Geppert: Die Ä ra Adenauer. Darmstadt 2002. S. 116ff.

22 Ebd. S. 21.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Konrad Adenauer und die Außenpolitik der BRD 1949-1963
Autor
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V385872
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adenauer, BRD, Außenpolitik, USA, Sowjetunion, Israel, Frankreich
Arbeit zitieren
Salih Talha Güney (Autor), 2018, Konrad Adenauer und die Außenpolitik der BRD 1949-1963, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385872

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