Beethovens Ausbildung. Ein Meister, der nicht vom Himmel gefallen ist?


Hausarbeit, 2017
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einführung

II. Kurzbiografie

III. Unterricht in Bonn

IV. Studium in Wien
1. Unterricht bei Haydn
2. Unterricht bei Albrechtsberger
3. Unterricht bei Salieri

V. Fazit

VI. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Einführung

» Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen «, sagt der Volksmund und meint damit, dass Begabung und Talent zwar notwendige, aber keine hinreichenden Voraussetzungen sind, Großes in einem Fach oder einer Kunst zu leisten. Genies sind nicht einfach von Geburt an herausragende Kenner ihres Faches, sondern müssen sich erst auf langem Wege fortbilden und entwickeln.

Denn Begabung und Talent sind wie Rohdiamanten, die noch geschliffen und poliert werden müssen, damit sie glänzen und strahlen. Um jedoch zu Meisterschaft zu gelangen, müssen auch mit Talent gesegnete Menschen zunächst die Grundlagen für ihr Handwerk erlernen, sich das handwerkliche »Rüstzeug« aneignen. Dies ist mit harter Arbeit verbunden und erfordert großen Fleiß und Ausdauer.

Ludwig van Beethoven ist einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Viele seiner Werke gehören zu den großartigsten und beeindruckendsten ihrer Art. Es ist daher unumstritten, dass man Beethoven ein Genie nennen darf.

Wie aber wurde er dazu? Gilt für ihn auch das oben zitierte Sprichwort? Oder stellt er eine Ausnahme dar?

Im Vergleich zu anderen Komponisten ist Beethovens Lehrzeit besonders gut dokumentiert. Man kann fast seinen ganzen Lernweg nachvollziehen.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Beethovens Ausbildung und Entwicklung im Verlauf seines Lebens und der Frage, wie Beethoven zu einem der größten » Meister « der Musik geworden ist, ob er gleichsam als solcher » vom Himmel gefallen « ist oder einen steinigen und be- schwerlichen Weg zurücklegen musste, um zu der Bedeutung zu gelangen, die ihm heute zu- erkannt wird.

II. Kurzbiografie

Im Dezember 1770 wird Ludwig van Beethoven als zweites Kind des Tenorsängers Johann van Beethoven und dessen Frau Magdalena van Beethoven in Bonn geboren. Da der Tauf- schein am 17. Dezember ausgestellt wurde, liegt wohl nahe, dass das Geburtsdatum der 16. Dezember ist, da man früher die Kinder aufgrund der hohen Sterberate so früh wie mög- lich nach der Geburt getauft hatte. Der Vater erkennt früh die außergewöhnliche Begabung seines Sohnes und beginnt sie zu fördern. Er setzt alles daran, den jungen Beethoven zu ei- nem Wunderkind, wie Mozart es gewesen war, zu machen. So bekommt Beethoven schon mit fünf Jahren strengen Klavier- und Geigenunterricht bei seinem Vater. Später kommen Stunden auf der Orgel und in Komposition bei Musikerkollegen des Vaters hinzu. Seine Schulbildung wird dabei vernachlässigt. Angeblich besucht er nur 5 Jahre die Volksschule. 1778 findet sein erstes öffentliches Konzert als Pianist statt, woraufhin seine Ausbildung mit dem Hauptinstrument Klavier, u.a. bei Gilles van den Eeden, durch den Kurfürsten finanziell unterstützt wird. Ab 1782 erhält er geregelten Unterricht bei Christian Gottlob Neefe und wird schließlich Mitglied des kurfürstlichen Orchesters und mit 14 Jahren schon 2. Hofor- ganist in Bonn. Er freundet sich mit bekannten Adelsfamilien wie der Familie von Breuning, deren Kindern er Klavierunterricht gibt, und dem Grafen von Waldstein an.

Mit 17 Jahren tritt er mit finanzieller Unterstützung seiner Gönner seine erste Reise nach Wien an, um ein Studium bei Mozart zu beginnen. Angeblich spielt Beethoven diesem vor; Anton Ries behauptet in seiner Beethoven-Biografie sogar, er hätte bei ihm Unterricht ge- habt, was jedoch zu bezweifeln ist, da es keine überlieferten Beweise gibt und Beethoven schon nach sehr kurzer Zeit Wien wegen der Erkrankung seiner Mutter verlassen musste. Als die Mutter stirbt, versinkt der Vater in seiner Alkoholsucht und Beethoven übernimmt die Po- sition des eigentlichen Familienoberhaupts, da er sich um seine jüngeren Brüder kümmern muss.

Ab 1789 besucht er Vorlesungen über Philosophie und Literatur an der Bonner Universität. Er liest Werke von Goethe und Schiller und entwickelt sich zu einem überzeugten Demokra- ten. Er ist begeistert von den Ideen der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brü- derlichkeit), welche im selben Jahr begonnen hatte, tritt für diese Ideale ein und drückt sie später sogar in seiner Musik aus (3. Symphonie Eroica). Schillers Ode an die Freude wird sein Lieblingsgedicht, welches er schließlich, als von ihm lang ersehntes Vorhaben, in seiner letzten Symphonie vertont.

1792 zieht Beethoven endgültig nach Wien, wo er bei Haydn sein Studium beginnt, da Mozart bereits verstorben war. Zusätzlich nimmt er Unterricht bei Johann Schenk, Johann Georg Albrechtsberger und Antonio Salieri. Er wird in Wien als Klaviervirtuose bekannt und gibt vielen Adligen Klavierunterrricht, um Geld zu verdienen. 1798 zeigen sich bei ihm erste Anzeichen der Schwerhörigkeit, die er jedoch zu verbergen versucht, indem er sich aus der Gesellschaft zurückzieht. Da er das Zusammensein mit Freunden eigentlich liebte, litt er sehr darunter. Mit der Zeit galt er als schwieriger und jähzorniger »Geselle«. Orchesterproben zu dirigieren, wurde unmöglich für ihn. Im Heiligenst ä dter Testament, das er während eines Kuraufenthaltes im Wiener Vorort Heiligenstadt verfasst hat, erklärt er seinen Zustand, seine dadurch ausgelösten Gefühle (er habe sogar an Selbstmord gedacht) und somit auch sein Verhalten gegenüber Gesellschaften und setzt zugleich seine Brüder als seine Erben ein.

Ab 1819 ist er völlig taub und beginnt, Konversationshefte zu nutzen, um mit anderen kom- munizieren zu können. In diesem letzten Lebensabschnitt entwickelt er neue musikalische Ausdrucksmöglichkeiten, überschreitet Grenzen und Regeln der Klassik und setzt sich zum Ziel, jedes Werk besser zu machen als das letzte. Dabei stößt er auf Verständnisschwierigkei- ten der Hörer. Zahlreiche Zeitgenossen von Beethoven, darunter der Komponist Louis Spohr, betrachteten die letzten fünf Streichquartette sogar als » misslungene Altersschrullen eines tauben Tonsetzers « 1. Heute jedoch wird Beethoven als Wegbereiter der Romantik angesehen. 1826 erkrankt er und stirbt schließlich am 26. März 1827 in Wien an einem Leberleiden. Am Tag seiner Beisetzung folgen bei der Prozession 20000 Menschen seinem Sarg. Sein Grab befindet sich heute auf dem Wiener Zentralfriedhof. Er gilt als der meistgespielte Komponist der Welt.

Sein Gesamtwerk umfasst 722 Kompositionen, darunter 138 Werke und Werkgruppen mit Opus-Zahl (op.), 228 Werke ohne Opuszahl (WoO), 27 unvollendete Werke (Unv) und zahlreiche Opern, Oratorienpläne sowie Skizzen.

III. Unterricht in Bonn

Bereits im Alter von fünf Jahren erhielt Beethoven seine ersten Klavierstunden bei seinem Vater, dessen Unterricht über die Maßen streng und hart war, da dieser unter Alkoholproble- men litt und oft Gewalt anwandte, wenn ihm nicht gefiel, was er hörte. Zum Beispiel machte es ihn wütend, wenn sein Sohn nicht von Noten spielte, sondern improvisierte und seine eige- nen Melodien erfand. Mit sieben Jahren hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt, bei dem der Vater ihn als Wunderkind anpreisen wollte, indem er ihn bei der Konzertankündigung fast zwei Jahre jünger machte. Fortan bekam er Unterricht bei Kollegen des Vaters: ab 1778 Klavier beim Hoforganisten Gilles van den Eeden und ab 1779 bei Tobias Pfeiffer, Pianist und Oboist, der bei den Beethovens im Haus wohnte. Im Violinspiel unterrichtete ihn der Hofmusiker Franz Rovantini, mit dem er auch viel gemeinsam musizierte, und später Franz Anton Ries, ebenfalls Mitglied der Hofkapelle und Freund der Familie, bei dem er angeblich auch noch im Erwachsenenalter Stunden nahm. Die durch die nur kurze Schulbildung ent- standenen Bildungslücken wurden von Beethovens wohl bedeutendstem und ihn wohl am meisten beeinflussenden Lehrer in Bonn, Christian Gottlob Neefe, beseitigt. Dieser war da- mals als Musikdirektor am Bonner Hoftheater und als Gilles van den Eeden nachfolgender Hoforganist tätig. Er unterrichtete ihn ab 1782 nicht nur in Komposition, Klavier und Orgel, sondern vermittelte ihm auch allgemeine Bildung, von zeitgenössicher Literatur bis hin zur Wissenschaft. Weil Neefe die Musik Bachs verehrte und als Maßstab für musikalisches Können ansah, machte er den jungen Beethoven mit dem Wohltemperierten Klavier vertraut, einem Werk, das zur damaligen Zeit noch ziemlich unbekannt war und als fremd, geheimnisvoll und schwierig galt. Obwohl Bachs Musik Beethoven wohl Zugang zu Logik und Ausdruck von Musik verschafft haben muss, wird dessen Einfluss erst in seinem Spätwerk deutlich, in dem er begann, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Bei Neefe machte Beethoven große Fortschritte im Orgelspiel, sodass er seinen Lehrer manchmal an der Orgel vertreten durfte und 1784 mit 14 Jahren schließlich zum zweiten Hoforganisten, mit einem Jahresgehalt von 150 Gulden, ernannt wurde.

Neefe sorgte auch dafür, dass zur Motivation des jungen Komponisten ein paar seiner Werke, wie Neun Variationen ü ber einen Marsch von Ernst Dressler (WoO 63) oder die drei Kurf ü r- stensonaten (WoO 47), gedruckt wurden. So kam es, dass Beethoven schon mit zwölf Jahren acht gedruckte Werke aufweisen konnte. Zusätzlich veröffentlichte Neefe 1783 in Karl Fried- rich Cramers Magazin der Musik eine Meldung über Beethoven und sein exquisites Talent mit dem Aufruf an wohlhabende Gönner, eine Reise nach Wien zu unterstützen, wo er sich weiter fortbilden könne:

» Louis van Betthoven, Sohn des obenangef ü hrten Tenoristen, ein Knabe von 11 Jahren, und von vielversprechendem Talent. Er spielt sehr fertig und mit Kraft das Clavier, liesst sehr gut vom Blatt, und um alles in einem zu sagen: Er spielt gr ö sstentheils das wohl- temperierte Clavier von Sebastian Bach, welches ihm Herr Neefe unter die H ä nde gege- ben. Wer diese Sammlung von Pr ä ludien und Fugen durch alle T ö ne kennt, (welche man fast das non plus ultra nennen k ö nnte,) wird wissen, was das bedeute. Herr Neefe hat ihm auch, sofern es seine ü brigen Gesch ä fte erlaubten, einige Anleitung zum Generalbass ge- geben. Jetzt ü bt er ihn in der Composition, und zu seiner Ermunterung hat er 9 Variatio- nen von ihm f ü rs Clavier ü ber einen Marsch in Mannheim stechen lassen. Dieses junge Genie verdiente Unterst ü tzung, dass er reisen k ö nnte. Er w ü rde gewiss ein zweyter Wolf- gang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen « 2

Neefe lehrte Beethoven dieser Quelle zufolge also im Generalbass, worunter man damals so- wohl die Lehre der Bezifferung (Signaturen) des Basses, als auch die Harmonienlehre ver- stand. Sicher ist, dass Beethoven die Signaturen kannte und das Generalbassspiel beherrschte, da er ja ab 1884 die Stelle des zweiten Hoforganisten in Bonn innehatte und als Cembalist im Orchester des Bonner Hoftheaters tätig war. Jedoch ist nicht ganz klar, welches System Neefe nutzte, um Beethoven die Harmonienlehre nahe zu bringen, zu der auch Modulationen, d.h. Übergänge von einer Tonart zur anderen, die man meist vorbereiten muss, gehören. Gustav Nottebohm vermutet in seinem Buch über Beethovens Unterricht, » dass Beethoven sich [...] mit der Fundamental-Theorie [Jean-Philippe Rameaus] besch ä ftigte und damit bekannt war « 3, da Neefes ehemaliger Lehrer Johann Adam Hiller Anhänger dieser Theorie war und es nahe liegt, dass Neefe Hillers Meinungen teilte. Nottebohm behauptet außerdem, dass Beethoven und seinem Lehrer die Werke Kirnbergers, nämlich Die wahren Grunds ä tze zum Gebrauch der Harmonie und Die Kunst des reinen Satzes, vorlagen. Auch in der Komposition genoß Beethoven Unterricht bei Neefe. Zur damaligen Zeit verstand man nach Nottebohm » unter [...] 'Composition' als Lehregegenstand [...] im engeren Sinne den einfachen Contrapunkt, im weiteren Sinne die Setzkunst ü berhaupt. « 4

[...]


1. Wulf Konold: Beethovens späte Sreichquartette. Beiheft zu "Beethoven. Die späten Streichquartette. 'Grosse Fuge'. Quartetto Italiano." Philips, no. 416 638-2. Keine Jahresangabe.

2. Nottebohm, Gustav: Beethoven's Unterricht bei J. Haydn, Albrechtsberger und Salieri.

3. Nottebohm, Gustav: Beethoven's Unterricht bei J. Haydn, Albrechtsberger und Salieri. 1873, S.5 Z.36 f.

4. Nottebohm, Gustav: Beethoven's Unterricht bei J. Haydn, Albrechtsberger und Salieri. 1873, S.8 Z.2 ff.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Beethovens Ausbildung. Ein Meister, der nicht vom Himmel gefallen ist?
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V386880
ISBN (eBook)
9783668611047
ISBN (Buch)
9783668611054
Dateigröße
1062 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musik 4-stündig, Kursstufe, GFS Hausarbeit
Arbeit zitieren
Katharina Colbatzky (Autor), 2017, Beethovens Ausbildung. Ein Meister, der nicht vom Himmel gefallen ist?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386880

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