Albert Banduras Sozial-Kognitive Lerntheorie. "Bobo-Doll" Experiment, Praxisbezug und Bedeutung für die aktuelle Persönlichkeitsforschung


Seminararbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Theoretische Grundlagen der Sozial-Kognitiven Lerntheorie
2.1. Kurzbiographie des Forschers Albert Bandura
2.2. Vier Teilprozesse des Modelllernens als kognitiver Prozess

3. „Bobo-Doll“-Experiment
3.1. Versuchsbeschreibung
3.2. Analayse des Experiments
3.3. Ergebniserwartungen und zentrale Rolle der Selbstwirksamkeit

4. Erklärungsansätze durch Albert Bandura
4.1. Reziproker Determinismus
4.2. Prosoziale und antisoziale Effekte

5. Bedeutung für die aktuelle Persönlichkeitsforschung und Ausblick anhand Medien und Beobachtungslernen

Literaturverzeichnis

Bandura, A. (1965): Influence of a model’s reinforcement contingencies on the acquisition of imitative responses, Journal of Personality and Social Psychology

Bandura, A. (1993): Perceived self-efficacy in cognitive development and functioning. Educational Psychologist

Bandura, A. (1997): Self-efficacy. The exercise of control. New York: Freeman Leffelsend, S. (2002): Kognitive und motivationale Aspekte des Einflusses von Modellpersonen auf die Generierung eines bereichsspezifischen Selbstkonzepts, Lengerich 2002

Myers, D. (2014): Psychologie, 3. Auflage, Berlin 2014

Rammsayer, T., Weber, H. (2010): Differentielle Psychologie – Persönlichkeitstheorien, Göttingen 2010

Schmitt, M., Altstötter-Gleich, C. (2010): Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie, Weinheim 2010

Internetquellen:

Boeree, G. (2006): Personality Theories. URL: http://www.social-psychology.de/do/PT_ bandura.pdf, Abruf am 20.05.2016

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Psychologe Albert Bandura 2005

Abb. 2 Teilprozesse der Sozial-Kognitiven Lerntheorie nach Bandura

Abb. 3 Szenen aus dem Film zum „Bobo-Doll“-Experiment

Abb. 4 Der Einfluss von Erwartungen auf die Verhaltensregulation

Abstract

Die folgende Seminararbeit befasst sich mit der Sozial-Kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura. Nach einer Kurzbiographie des Forschers und der Erklärung der theoretischen Grundlagen wird die bekannteste Studie Banduras, das „Bobo-Doll“-Experiment, beschrieben. Abschließend wird ein praktischer Bezug zu heutigen Anwendungsbereichen hergestellt und die Bedeutung für die aktuelle Persönlichkeitsforschung aufgezeigt.

1. Einführung in die Thematik

„Aus Fehlern lernt man.“ Diese Lebensweisheit kennt jeder nur zu gut. Aber muss man denn Fehler immer erst selbst machen, um das Resultat der Handlung zu kennen?

Einzelne Verhaltensweisen lediglich durch Versuch und Irrtum zu erlernen ist mühselig, zeitraubend und kann lebensbedrohliche Folgen für die Testperson haben. „Jeder Mensch und jede Generation [müsste] alles Wissen und alle Kompetenzen von Neuem erwerben“[1]. Neben der klassischen und operanten Konditionierung gibt es daher noch andere Formen des Lernens. Ein Kind, das sieht, wie sein Freund beim Inlinerfahren hinfällt und sich das Knie verletzt, wird das nächste Mal beim Inlinerfahren Knieschützer tragen, um der Verletzung vorzubeugen.

„Wir lernen unsere Muttersprache und viele andere Verhaltensweisen dadurch, dass wir andere beobachten und nachahmen“[2]. Mit dieser Art von Lernprozess setzt sich Albert Bandura erstmals 1965 im Journal of Personality and Social Psychology auseinander und bezeichnet sie als Lernen am Modell. Er untersucht hier die Konsequenzen stellvertretender Erfahrungen anhand eines seiner bekanntesten Versuche: dem „Bobo-Doll“-Experiment.[3] Dieser Versuch wird im Folgenden eine Schlüsselrolle spielen und ausführlich behandelt werden. Albert Bandura erkennt, dass neben der eigenen Persönlichkeit der Testpersonen, auch das soziale Umfeld und die individuelle Lernsituation eine Rolle spielen. Aufgrund seiner Erkenntnisse aus Versuch und Forschung entwickelt er die Sozial-Kognitive Lerntheorie nach Bandura. Diese Theorie lässt sich auch auf höher entwickelte Tiere anwenden und zeigt somit die angeborene Nachahmungsbereitschaft, die auch bei Säuglingen zu beobachten ist. Bandura erklärt nicht nur, dass man nicht jeden Fehler selbst begehen muss, um daraus zu lernen. Er zeigt auch für den Alltag wichtige Prozesse auf. Evolutionär erworbene Automatismen zum Erwerb von Empathie und daraus entstehende soziale Verständigung ist aus unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Wird sich dies auf lange Sicht bestätigen oder durch die Medien sogar verstärkt?

2. Theoretische Grundlagen der Sozial-Kognitiven Lerntheorie

In folgendem Kapitel wird zu Beginn der Unterschied zwischen Beobachtungslernen und Lernen am Modell beschrieben. Es folgt eine Kurzbiographie Albert Banduras und die Einführung in die vier Teilprozesse des Modelllernens.

2.1. Kurzbiographie des Forschers Albert Bandura

Es gibt zwei Arten sich neue Verhaltensmuster anzueignen. Menschen eignen sich beim Beobachtungslernen ein bestimmtes Verhalten ohne direkte Erfahrung an, indem sie andere Lebewesen beobachten und imitieren.[4] Hierzu zählt das bereits genannte Beispiel der Inliner fahrenden Kinder. Das eine Kind muss nicht erst selbst stürzen, um zu wissen, dass man sich dadurch eine Verletzung zuzieht. Es reicht dem Kind zu sehen, wie einer seiner Freunde sich verletzt, um in Zukunft Knieschützer zu tragen. Bei der zweiten Variante, dem Modellernen, beschränkt sich das Lernen nicht auf den Prozess des Beobachtens anderer. Hier lernt man neue Verhaltensweisen, indem man beobachtet und das bestimmte Verhalten nachahmt. Zu dieser Sorte gehört auch das Erlenen der Muttersprache. Insbesondere dem Prozess des Modelllernens widmet sich Albert Bandura, dessen Portrait in Abbildung 1 gezeigt wird. Er wurde am 04. Dezember 1925 in Mundare in Kanada geboren. Sein Geburtsort bot ihm nur eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten, sodass er selbst ein unabhängiges Lernverhalten entwickelte. 1949 erhielt er seinen Bachelor für Psychologie an der University of British Columbia, 1951 seinen Master und 1952 seinen Doktortitel in Psychologie.[5] Ein bedeutsamer Teil seines Lebenswerkes ist seine Sozial-Kognitive Lerntheorie. Nahezu jedes Erstsemester befasst sich mit diesem Thema und selbst Albert Bandura selbst sagt: „Die Bobo-Puppe folgt mir, wohin ich auch gehe.“[6] „Im Mittelpunkt der Theorie von Albert Bandura stehen kognitive und soziale Einflussfaktoren auf Prozesse des Lernens sowie auf die Produktion und Regulation von Verhalten.“[7]

2.2. Vier Teilprozesse des Modelllernens als kognitiver Prozess

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bandura untergliedert den komplexen kognitiven Prozess des Modelllernens in vier Teilprozesse.[8] Ausgangspunkt ist hier, wie in der im Folgenden aufgeführten Tabelle ersichtlich, die Darbietung des zur Nachahmung bestimmten Vorgangs. Dieser Darbietung folgen Aufmerksamkeitsprozesse. Hier fällt die Entscheidung, welche Informationen vom Beobachtenden ausgewählt und dadurch wahrgenommen werden. Zum Aufbau einer mentalen Struktur sind die Speicherung und ihre spätere Abrufbarkeit notwendig. Damit die Testperson das Verhalten auch tatsächlich ausführt, müssen zusätzlich motivationale Aspekte und Kompetenz-Aspekte berücksichtigt werden. Zur letztendlichen Performanz, also dem Ausüben der Handlung, kommt es nur, wenn die Testperson auch den Willen und die Fähigkeit dazu hat.

„Wie aus der Aufteilung der vier Teilprozesse hervorgeht, trennt Bandura klar zwischen Erlernen und Üben von Verhalten [(Aufmerksamkeit, Behalten und Kompetenz)] und der tatsächlichen Umsetzung gelernter Verhaltensmuster in einer bestimmten Situation“[9] (Motivation). Diese vier Prozesse sind notwendig, damit die Testperson das Verhalten des Modells zeigt. Jedoch ist auch das Vorhandensein aller Teilprozesse keine Garantie für die Nachahmung des modellierten Verhaltens. Wird das Verhalten von der Testperson nicht gezeigt, kann es dennoch durch die mentale Struktur gespeichert sein und in einer anderen Situation, die z.B. motivational günstiger für die Testperson erscheint, aktiviert werden.

3. „Bobo-Doll“-Experiment

In diesem Kapitel wird eine Versuchsbeschreibung des „Bobo-Doll“-Experimentes durchgeführt. Im Anschluss daran wird das Ergebnis analysiert und mittels der Rolle der Selbstwirksamkeit in einen Kontext mit der Ergebniserwartung gesetzt.

3.1. Versuchsbeschreibung

Den entscheidenden Stellenwert der Motivation untersuchte Bandura in seinem „Bobo-Doll“-Experiment, das ihn in seinem Fachgebiet berühmt machte. Drei Gruppen von Kindern beobachteten jeder für sich alleine eine Situation, in der ein erwachsenes Modell vor den Augen der Versuchspersonen eine lebensgroße Puppe („Bobo-Doll“) malträtierte.[10] Das erwachsene Modell schlug auf die mit Luft gefüllte und an den Füßen beschwerte Puppe ein, rief Sätze wie „Schlag ihm auf die Nase!“, „Schlag ihn zusammen!“ oder „Tritt ihn!“.[11] Im Anschluss konnten die Kinder die Konsequenzen für das Modell beobachten. Jede der drei Gruppen erlebte eine andere Reaktion der zweiten Person auf das Aggressive Verhalten. Die erste Gruppe sah, dass die Modellperson für ihr aggressives Verhalten bestraft wurde. Die zweite Gruppe konnte beobachten, dass die Modellperson für ihr Verhalten explizit belohnt wurde. Die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe, bei der das Verhalten der Modellperson von der zweiten Person ignoriert wurde. Nun wurde jedes Kind mit der Puppe allein gelassen. In der „nachfolgenden freien Spielsequenz wurde erfasst, wie häufig das aggressive Verhalten von den Kindern imitiert wurde.“[12] Übereinstimmend mit der Theorie des Modelllernens von Bandura war das gezeigte aggressive Verhalten der Kinder davon abhängig, ob die Modellperson von der zweiten Person für sein Verhalten bestraft oder belohnt wurde. Wenn das Modell für aggressives Verhalten belohnt wurde, zeigten die Kinder verstärkt aggressives Verhalten.[13] Wie in der Abbildung 3 auf der nächsten Seite zu sehen ist, ahmten die Kinder, die das aggressive Verhalten zeigten, einige Handlungen der erwachsenen Modellperson detailgetreu nach, indem sie sich auf die Puppe setzten und auf sie einschlugen oder die Puppe mit dem Bein traten. Auch die ausgerufenen Sätze der Modellperson wurden wiederholt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.personal.psu.edu/bfr3/blogs/asp/2013/06/bobo-doll.html

Abb. 3 Szenen aus dem Film zum „Bobo-Doll“-Experiment

Die Hinzunahme eines Hammers wurde von den Kindern ebenfalls nachgeahmt, wie in der dritten vertikalen Bildreihe sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Versuchspersonen erkennbar ist.

3.2. Analayse des Experiments

Die Schlussfolgerung, dass das aggressive Verhalten von allen drei Gruppen in unterschiedlicher Intensität durch das Beobachten der Testperson „gelernt“ wurde, musste jedoch verworfen werden. Wurde den Kindern ein Anreiz für die Reproduktion des gezeigten Verhaltens geboten, konnten sie das Verhalten unabhängig von der experimentellen Bedingung reproduzieren.[14] Auch auf die explizite Aufforderung hin zeigten die Kinder aus allen drei verschiedenen Gruppen vergleichbare Fähigkeiten, das vorher gezeigte Verhalten zu imitieren. Die Kinder hatten es unabhängig von den beobachteten Konsequenzen gelernt. Dadurch lässt sich erschließen, dass der Beobachter bereits eine kognitive Repräsentation ausgebildet haben kann, in der gespeichert wird, welche Verhaltensweisen möglich sind und wie bzw. wann oder in welcher Situation diese ggf. ausgeführt werden können.[15] Bestrafung und Verstärkung in Form von Belohnung sind für den Entschluss, das gezeigte Verhalten nachzuahmen entscheidend. Bandura sieht diesen Teil des Experiments als Schlüsselrolle für die Bereitschaft zur Nachahmung durch die Versuchsperson an.

[...]


[1] Schmitt, M., Altstötter-Gleich, C. (2010), S. 49.

[2] Myers, D. (2014), S. 318.

[3] Vgl. Bandura, A. (1965), S. 11

[4] Vgl. Myers, D. (2014), S. 318.

[5] Vgl. Boeree, C. (2006): Personality Theories. URL: http://www.social-psychology.de/do/PT_ bandura.pdf, Abruf am 20.05.2016

[6] Myers, D. (2014), S. 319.

[7] Rammsayer, T., Weber, H. (2010): S. 97.

[8] Vgl. Leffelsend, S. (2002), S. 30.

[9] Vgl. Rammsayer, T., Weber, H. (2010), S. 98.

[10] Bandura, A. (1965), S. 11.

[11] Vgl. Myers, D. (2014), S. 318.

[12] Leffelsend, S. (2002), S. 31.

[13] Vgl. Schmitt, M., Altstötter-Gleich, C. (2010), S. 51.

[14] Vgl. Rammsayer, T., Weber, H. (2010), S. 98 f.

[15] Vgl. Leffelsend, S. (2002), S. 31.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Albert Banduras Sozial-Kognitive Lerntheorie. "Bobo-Doll" Experiment, Praxisbezug und Bedeutung für die aktuelle Persönlichkeitsforschung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V386944
ISBN (eBook)
9783668608450
ISBN (Buch)
9783668608467
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sozialpsychologie, Seminararbeit, Hausarbeit, Bandura, Lerntheorie, Sozial-Kognitive Lerntheorie, FOM, Pscherrer
Arbeit zitieren
Stefanie Grünbeck (Autor), 2016, Albert Banduras Sozial-Kognitive Lerntheorie. "Bobo-Doll" Experiment, Praxisbezug und Bedeutung für die aktuelle Persönlichkeitsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386944

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