Das Ende der Printära. Wie Online-Zeitungen das Printmedium verdrängen


Hausarbeit, 2017
5 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Einleitung
a. Informationen in Echtzeit
b. Die Internetnutzung
c. Gratis Zugang zu Onlineartikeln
d. Ein Vorteil für „Rosinenpicker“

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Hausarbeit behandelt die Frage ob Online-Zeitungen die Printmedien verdrängen. Primär Chefredakteure, Herausgeber und Verleger bestreiten dies vehement und rechtfertigen sich mit dem im Jahr 1913 von Wolfgang Riepl formulierten „Rieplschen Gesetz“. Dieses besagt, dass noch „kein Medium […] je ein anderes verdrängt [habe], was man schließlich am fröhlichen Nebeneinander von Radio, Fernsehen und Zeitungen sehen könne.“ (Sixtus, 2013, „Der Selbstbetrug namens Riepl“, Absatz 1) Diese Rechtfertigung sei nach Sixtus (2013) Selbstbetrug, denn man müsse sich nur fragen, wann einen „das letzte Mal ein Telegrammbote aus dem Bett geklingelt hat.“ (Sixtus, 2013, „Der Selbstbetrug namens Riepl“, Absatz 2) Daraus folgt, dass in der Vergangenheit bereits ein Medium, in diesem Fall das Telegramm, von einem anderen verdrängt wurde. Wissenschaftlern zufolge findet ein ähnlicher Prozess in der Gegenwart mit den Printmedien statt. Auf Grund dessen werde ich auf den folgenden Seiten Argumente für diese Prognose darlegen und damit zeigen, dass das Ende der Printära bereits begonnen hat.

a. Informationen in Echtzeit

Printmedien sind nicht mehr zeitgemäß, da sie mit der Schnelligkeit digitaler Medien nicht mehr mithalten können. (Kühte, 2017) Dies ist bedingt durch ihren Produktionsprozess. Der Aufwand, welcher für eine Zeitung betrieben werden muss, ist im Vergleich zu Onlinemedien erheblich größer. Im Print müssen Papierrollen und Druckmaschinen eingekauft, die Zeitungen geschnitten, gefaltet und im ganzen Land per LKW verteilt werden. Zudem entsteht kein Papierberg, der letzten Endes im Altpapier landet und somit auch Auswirkungen auf die Umwelt hat. (Sixtus, 2013) Durch diesen Produktionsprozess können „wir das Weltgeschehen nicht als fließende, dynamische Dauerbewegung wahrnehmen, sondern als täglichen, eingefrorenen Schnappschuss.“ (Sixtus, 2013, „Die Schnappschuss-Problematik“, Absatz 1) Das bedeutet, dass eine Tageszeitung einmal pro Tag, mit oft schon überholten Informationen, erscheint, während Online-Zeitungen die neusten Nachrichten nur unmittelbar nach dem Geschehnis auf ihrer Plattform hochladen können. (Sixtus 2013) Aktuelle Meldungen werden uns also erst morgen in der Zeitung präsentiert, online allerdings in Echtzeit. (Kühte, 2017) „Und so gehen sie, die Leser. Ins Internet. Warum sollten sie an einem Morgen im digitalen Zeitalter auch Texte konsumieren, die mindestens sieben Stunden alt sind?“ (Knüwer, 2013, Absatz 7)

Durch diese Abwanderung der Leser geht die Anzahl der Printauflagen stetig zurück. „Die Gesamtverkaufslage der Zeitungen hat sich in den Jahren von 2005-2016 von 27,40 Mio. auf 19,09 Mio. Exemplare pro Entscheidungstag bzw. -intervall reduziert, was einem Minus von 30,3% entspricht.“ (Kühte, 2017, S. 47) Folglich haben im Jahr 2015 nur noch ein Drittel der gesamten Bevölkerung eine Tageszeitung an einem gewöhnlichen Tag gelesen. (Kühte, 2017) Während die Printzeitungen mit einem sehr hohen Minus zu kämpfen haben, entwickelt sich die Reichweite der Zeitungswebsites in die entgegengesetzte Richtung. So können „printbasierte News-Websites“ bis zu 20 Millionen Besucher täglich verbuchen. (Kühte, 2017, S. 165)

b. Die Internetnutzung

Diesem hohen Wert liegt die Digitalisierung zu Grunde: „Im Jahr 2017 sind 62,4 Millionen der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren Internetnutzer. Das entspricht einem Anteil von 89,8 Prozent.“ (Wolfgang Koche und Beate Frees, 2017, S. 435/436) Ein wichtiger Teil dieser hohen Zahl ist die mobile Internetnutzung. „Durch die zunehmende Verbreitung mobiler Geräte, allen voran des Smartphones als persönlicher Tagesbegleiter, […] ist die Unterwegsnutzung des Internets in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen.“ (Wolfgang Koche und Beate Frees, 2017, S. 436). Dies ist auch an der Zeit zu erkennen, die besonders die jüngere Generation täglich im Internet verbringt. Laut Wolfgang Koche und Beate Frees (2017) halten sie sich derzeit viereinhalb Stunden pro Tag im Internet auf, was sogar die Nutzung der Massenmedien Fernsehen und Radio übertrifft. Die hohe Internetnutzung der allgemeinen Bevölkerung verteilt sich über den Tag konstant, so dass sie zwischen 9:00 Uhr und 23:00 Uhr fast durchgehend 15 Prozent beträgt. Während die Nutzung der Tageszeitung in den ersten Stunden des Tages bei circa 16 Prozent liegt, fällt sie danach in einen niedrigen einstelligen Prozentbereich. (Frank Giersberg, 2016, S. 9) Daraus lässt sich schließen, dass es zwar noch viele Zeitungsleser gibt, sie dem Printmedium aber erkennbar weniger Zeit und Interesse schenken als dem Onlinemedium.

c. Gratis Zugang zu Onlineartikeln

Der Erfolg von Online-Zeitungen kann auf einen Fehler der Verleger zurückgeführt werden. Diese wollten ihre Zeitungen zu Beginn der Digitalisierung sofort ins Netz bringen und stellten „ihre mit viel Geld und Mühe erarbeiteten journalistischen Inhalte“ (Petz, 2015, S. 18) kostenlos ins Netz. Dies war kein kluger Schachzug, aber von Vorteil für die Leser. Bis heute bleibt dieser Vorteil bestehen, denn kaum ein Verlag nutzt das Modell der „harten“ Bezahlschranke, bei der man die Artikel nicht gratis lesen kann. (Petz, 2015) Meist wird auf Metered- oder Freemium-Modelle zurückgegriffen. Beim Metered-Modell „sind 15 bis 20 Artikel pro Monat frei. Hat man sein Kontingent erschöpft, muss man zahlen oder auf den nächsten Monatsanfang warten." (Petz, 2015, S. 22) Beim Freemium-Modell wiederum „gibt es kostenlose Angebote und kostenpflichtige Premiuminhalte […]. Diese zahlt man entweder mit einem Tagespass […] oder mit einem Monatsabonnement." (Petz, 2015, S. 21) Obwohl auch online ab einem bestimmten Zeitpunkt Geld gefordert wird, haben Leser gegenüber der Printzeitung den Vorteil, dass sie ein gewisses Gratiskontingent haben.

d. Ein Vorteil für „Rosinenpicker“

Sixtus äußerte sich im Jahr 2013 wie folgt: „Eine Zeitung ist ein Bündel aus verschiedensten Informationen und Dienstleistungen. […] Die Digitalisierung hat Medienkonsumenten jedoch in wählerische Wesen verwandelt, in Rosinenpicker, die geschnürte Bündel keines Blickes mehr würdigen.“ („Das Gemischtwaren-Paket“, Absatz 1)

Diese Aussage zeigt das Problem auf, dass sich kaum ein Leser für jede Kategorie in einer Zeitung interessiert. So lesen manche am liebsten nur den Sportteil, während andere sich mit der Politik beschäftigen. Beim Kauf einer Zeitung erhält der Leser jedoch ein Komplettpaket und zahlt so auch für die Seiten, an denen er kein Interesse hat. Dies ist online wiederum anders. Man kann sich die Titel, die einen interessieren, heraussuchen und muss die anderen nicht mitbezahlen. Dieser Vorteil ist den Online-Zeitungen zuzusprechen. (Sixtus 2013)

Fazit

Schon in der Vergangenheit hieß es bei vielen Neuerungen, wie zum Beispiel der Verbreitungen von Radiosendern oder dem privaten Fernsehen: „Das ist das Ende der Zeitung!" (Petz, 2015, S. 39) Tatsächlich gibt es viele Argumente, die diese These unterstützen. Vor allem die Schnelligkeit des Internets bietet den Nutzern einen großen Vorteil. Heutzutage möchte jeder die aktuellsten Nachrichten und Sensationen noch in der Sekunde ihres Geschehens erfahren. Onlinemedien können diesem Anspruch weitestgehend gerecht werden, denn dort erhalten wir die neusten Meldungen kurze Zeit später. Zeitungen hingegen erscheinen nur einmal täglich und bieten somit keine Nachrichten in Echtzeit, da sie nicht schneller produziert werden können. Daher greift die ohnehin hohe Anzahl an Internetnutzern immer mehr auf Online-Zeitungen zurück, statt auf die Printausgaben. Wer sich sowieso im Internet aufhält, kann dort auch parallel die Nachrichten lesen. Des Weiteren möchten Leser so viel Geld wie möglich sparen, besonders, wenn sie an manchen Rubriken nicht interessiert sind. Dies ist mit den Online-Modellen möglich, da meist ein gewisses Kontingent an Gratisartikeln zur Verfügung steht. Man ist nicht mehr an ein Abonnement und die Gesamtheit der Zeitung gebunden. Im Wesentlichen zeigt sich daher, dass Onlinemedien immer mehr die Oberhand gewinnen. Bisher konnte der Printkanal zwar noch nicht verdrängt werden, aber die Auflagenanzahlen werden voraussichtlich weiterhin konstant abnehmen und die Leserschaft wird folglich an das Internet abwandern. Daher kann ich sagen, dass die Printära zu Ende geht und dem Onlinemedium dafür die größte Schuldigkeit zusprechen.

Literaturverzeichnis

Monografien:

- Kühte, Alexandra (2017): Printmedien und digitaler Wandel (1. Auflage), wvb Wissenschaftlicher Verlag, Berlin

- Petz, Hermann (2015): Die Zeitung ist tot? Es lebe die Zeitung! - Eine Denkschrift zur Zukunft der Printmedien (1. Auflage), Haymon-Verlag, Innsbruck

Zeitschriftenartikel:

- Röper, Horst (2016): Zeitungsmarkt 2016: Pressekonzentration erneut leicht gestiegen. In: Media Perspektiven (Ausgabe 5), S. 254–269

- Koche, Wolfgang, Frees, Beate (2017): ARD/ZDF-Onlinestudie 2017: Neun von zehn Deutschen online - Ergebnisse aus der Studienreihe "Medien und ihr Publikum" (MiP). In: Media Perspektiven (Ausgabe 9), S. 434–446

Internetartikel:

- http://www.spiegel.de/netzwelt/web/mario-sixtus-zur-zeitungsdebatte-revolutionen-sind-unangenehm-a-915281.html, aufgerufen am 22.11.2017, 14:00 Uhr

- http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/thomas-knuewer-zur-zeitungsdebatte-a-915253.html, aufgerufen am 22.11.2017, 14:29 Uhr

- http://www.vprt.de/sites/default/files/documents/VPRT-Mediennutzungsanalyse-2015.pdf, aufgerufen am 20.11.2017, 15:12 Uhr

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Das Ende der Printära. Wie Online-Zeitungen das Printmedium verdrängen
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
5
Katalognummer
V387200
ISBN (eBook)
9783668629424
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ende, printära, online-zeitungen, printmedium
Arbeit zitieren
Chelsea Walpert (Autor), 2017, Das Ende der Printära. Wie Online-Zeitungen das Printmedium verdrängen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387200

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