Der Kriterienkatalog PAPAR zur Selbstevaluation demenzsensibler Krankenhäuser

Bildet PAPAR die Demenzsensibilität des Krankenhauses realistisch ab?


Masterarbeit, 2017

134 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

II
Abstract Deutsch
Der Anteil älterer Menschen nimmt nicht nur in der Bevölkerung zu, sondern auch das Kran-
kenhaus ,,altert". So sind heute bereits fast 40 % der Patienten im Krankenhaus über 60 Jahre.
Dies stellt Krankenhäuser vor neue Herausforderungen, zumal bei geriatrischen, multimorbi-
den Patienten mit zunehmenden Alter die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung steigt.
Um den besonderen Bedürfnissen des Menschen mit Demenz nach Vertrautheit und Orientie-
rung zu begegnen, haben sich einige Krankenhäuser in Deutschland konzeptionell auf den
Weg zum ,,demenzsensiblen Krankenhaus" begeben. Doch welche Kriterien zeichnen ein de-
menzsensibles Krankenhaus aus? Dieser Frage wird in dieser Arbeit mit dem Ziel nachgegan-
gen, zentrale Merkmale eines demenzsensiblen Krankenhauses herauszuarbeiten und litera-
turbasiert ein Instrument zu entwickeln, mit welchem die Demenzsensibilität eines Kranken-
hauses evidenzbasiert evaluiert werden kann. Im Ergebnis wird in Anlehnung an das vom Ro-
yal College of Nursing, UK, entwickelte SPACE Assessment Spidergram ein zur Anwendung
in deutschen Krankenhäusern modifiziertes Selbstevaluationsinstrument entwickelt. Um die
Anwendbarkeit auf dessen Nutzen in der Praxis zu bewerten, wird dieses Instrument in 14
Kliniken aus 7 Bundesländern, welche seitens der Robert Bosch Stiftung im Förderprojekt:
,,
Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus"
berücksichtigt sind, auf dessen realistische Ein-
schätzung der Demenzsensibilität im Krankenhaus evaluiert. Als ein wesentliches Ergebnis
zeigt sich, dass durch das deutsche Selbstevaluationsinstrument bis zu einer Klinikgröße von
300 Betten eine realistische Einschätzung zur Demenzsensibilität gegeben werden kann. Zu
berücksichtigen ist dabei, dass die Selbstevaluation von Demenzexperten durchzuführen ist.
Im Ergebnis steht Krankenhäusern damit, auch zur Anwendung in Fachabteilungen oder auf
Stationsebene, ein evidenzbasiertes Selbstevaluationsinstrument zur Bewertung der Demenz-
sensibilität zur Verfügung.
Schlüsselwörter: Demenz, Demenzsensibilität im Krankenhaus, Kriterien, Evaluationsinstru-
ment

III
Abstract Englisch
The proportion of older people is increasing not only in the population, but also the hospital is
"aging". So today almost 40% of patients in the hospital are over 60 years old. This presents
hospitals with new challenges, especially in geriatric, multimorbid patients, as the likelihood of
dementia is increasing with age. In order to meet the special needs of people with dementia
for familiarity and orientation, some hospitals in Germany have conceptually set out for the
"dementia-sensitive hospital". But which criteria characterize a dementia-sensitive hospital?
This question is addressed in this thesis with the aim of developing central features of a de-
mentia sensitive hospital and developing an evidenced based tool considering literature re-
sults, which can be used to evaluate the dementia sensitivity of a hospital.
As a result, the SPACE Assessment Spidergram, developed by the Royal College of Nursing,
UK, has been modified in this work to be used as a self-evaluation instrument modified for use
in German hospitals.
In order to assess the applicability to practical use, this tool is used in 14 clinics from 7 federal
states, which are considered by the Robert Bosch Stiftung in the funding project "People with
dementia in the acute care hospital", to evaluate its realistic assessment of dementia sensitivity
in the hospital.
An important finding is that the German self-assessment instrument can be used to give a
realistic assessment of dementia sensitivity by evaluating criteria up to a hospital size of 300
beds.
It should be taken into account that the self-evaluation has been carried out by dementia ex-
perts.
As a result, an evidence-based self-evaluation tool for assessing dementia sensitivity is avail-
able to hospitals, specialist departments or wards.
Keywords: dementia, dementia sensitive hospital, criteria, evaluation tool

IV
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis ... VI
Tabellenverzeichnis ... VII
Abkürzungsverzeichnis ... VIII
1
Einleitung ... 1
1.1
Problemstellung ... 1
1.2
Ziel der Arbeit und Erkenntnisinteresse ... 3
1.3
Vorgehensweise ... 3
2
Ausgangslage ... 5
2.1
Strukturen und Behandlungsprozesse im Krankenhaus ... 8
2.2
Der geriatrische Patient mit Demenz im Krankenhaus... 12
2.2.1
Definition, Formen und Symptome einer Demenz ... 14
2.2.2
Prävalenzen von Menschen mit Demenz im Krankenhaus ... 17
2.2.3
Herausforderungen in der Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus ... 19
2.3
Zusammenfassung ... 24
3
Analytischer Bezugsrahmen ... 26
3.1
Erkenntnisse aus nationalen und internationalen Studien und Projekten ... 26
3.1.1
Erkenntnisse aus nationalen Studien und Projekten ... 26
3.1.2
Erkenntnisse aus internationalen Studien und Projekten ... 33
3.2
Kriterien und zentrale Merkmale eines demenzsensiblen Krankenhauses ... 38
3.3
Zusammenfassung ... 41
4
Methodisches Vorgehen ... 42
4.1
Design: Quantitative, deskriptive Querschnittsstudie ... 42
4.2
Vorstellung der beteiligten Kliniken ... 43
4.3
Entwicklung eines Instruments zur Durchführung einer Selbstevaluation ... 45
4.4
Instrument zur Bewertung der Durchdringung ... 53
4.5
Fragebogen zur Bewertung des Selbstevaluationsinstruments ... 55
4.6
Formular: Daten zur Klinik und den Durchführenden ... 57
4.7
Formular: Einverständniserklärung/Datenschutzerklärung ... 58
4.8
Vorgehen zur Durchführung der Studie ... 58
4.9
Auswertungsstrategie ... 59

V
4.9.1
Deskription der Stichprobe ... 59
4.9.2
Vorgehen: Auswertung der Selbstevaluationsdaten: SPACE-Spidergram ... 60
4.9.3
Vorgehen: Auswertung: Bewertung der Evaluationsmethode ... 62
5
Ergebnisse ... 64
5.1
Merkmale der Stichprobe ... 64
5.2
Selbstevaluation: SPACE-Spidergram ... 66
5.2.1
Selbstevaluation: Personal ... 66
5.2.2
Selbstevaluation: Vernetzung/Angehörige ... 68
5.2.3
Selbstevaluation: Assessments/Screening ... 69
5.2.4
Selbstevaluation: Behandlungsverlauf/Pflegeplan ... 71
5.2.5
Selbstevaluation: Räumliche Umgebung ... 72
5.2.6
Selbstevaluation SPACE-Spidergram (Gesamtauswertung) ... 74
5.2.7
Selbsteinschätzung der Durchdringung ... 76
5.3
Bewertung der Selbstevaluation ... 78
5.3.1
Bewertung der Selbstevaluation (quantitativ) ... 78
5.3.2
Bewertung der Selbstevaluation (qualitativ) ... 80
5.4
Auswertung zur Segregation ... 81
5.5
Ergebnisse zu Durchführenden, zum Vorgehen und Zeitumfang ... 83
6
Interpretation und Diskussion ... 85
6.1
Ergebnisinterpretation und -diskussion der Selbstevaluation ... 85
6.1.1
Ergebnisinterpretation: Rücklauf der SPACE-Spidergram-Instrumente ... 85
6.1.2
Ergebnisinterpretation: SPACE-Spidergram-Selbstevaluation Ergebnisinterpretation
nach Förderrunde ... 86
6.1.3
Ergebnisinterpretation: Selbsteinschätzung: Durchdringung ... 90
6.1.4
Ergebnisinterpretation zur Bewertung des SPACE-Spidergram-Instruments ... 92
6.1.5
Ergebnisinterpretation nach Segregation ... 93
6.2
Reflektion der Erhebungsinstrumente und des methodischen Vorgehens ... 94
7
Zusammenfassung, Schlussfolgerungen und Ausblick ... 101
8
Literatur ... 105
9
Anhang ... 112
10 Danksagung ... 126

VI
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Prozesse im Krankenhaus ... 9
Abbildung 2: Kern- und Subprozesse im Krankenhaus ... 11
Abbildung 3: Prozesslandschaft ... 12
Abbildung 4: Personen mit Krankenhausaufenthalt bei Pflegebedürftigen und nicht Pflegebedürftigen
... 18
Abbildung 5: Spidergram am Beispiel: Staff (Personal) ... 35
Abbildung 6: Auszeichnung durch die Dementia Action Alliance ... 37
Abbildung 7: Zentrale Merkmale eines demenzsensiblen Krankenhauses ... 40
Abbildung 8: Exemplarische Fragen zum Erwerb des DGGPP-Qualitätssiegels ... 46
Abbildung 9: Katalog des Dementia Design Audit Tool (DSDC) ... 47
Abbildung 10: Exemplarische Spidergram-Ergebnisdarstellung, Staff (Personal) ... 48
Abbildung 11: Deutsche, modifizierte Version des SPACE Spidergram, Personal ... 52
Abbildung 12: Formular zu schriftlichen Ergänzungen, SPACE-Assessment-Spidergram ... 53
Abbildung 13: Spidergram zur Einschätzung der Durchdringung ... 55
Abbildung 14: Ausschnitt des Fragebogens zur Evaluation des SPACE Assessment Spidergram ... 56
Abbildung 15: Angaben zu Projektgruppenmitglieder und Durchführung ... 57
Abbildung 16: Selbstevaluation: Personal ... 67
Abbildung 17: Selbstevaluation: Vernetzung/Angehörige ... 68
Abbildung 18: Selbstevaluation: Assessment/Screening ... 70
Abbildung 19: Selbstevaluation: Behandlungsverlauf/Pflegeplan ... 71
Abbildung 20: Selbstevaluation: Räumliche Umgebung ... 73
Abbildung 21: Gesamtergebnis: Selbstevaluation SPACE-Spidergram pro Klinik nach Förderrunde .. 74
Abbildung 22: Gesamtergebnis Selbstevaluation SPACE-Spidergram pro Klinik nach Bettenanzahl . 75
Abbildung 23: Selbsteinschätzung: Durchdringung nach Förderrunde ... 77
Abbildung 24: Bewertung des SPACE-Spidergram-Selbstevaluationsinstrument nach Förderrunde .. 79
Abbildung 25: Bewertung des SPACE-Spidergram-Selbstevaluationsinstrument nach Bettenanzahl . 80
Abbildung 26: SPACE-Spidergram-Selbstevaluation nach Segregation und Bettenanzahl ... 82
Abbildung 27: Vorgehen bei der Selbstevaluation ... 84
Abbildung 28: Spidergram mit Mehrfachnennungen ... 95
Abbildung 29: Spidergram: Entscheidungsfindung ... 96
Abbildung 30: Exemplarische Darstellung: Spidergram Durchdringung ... 97

VII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Syndromdefinition Demenz (S3-Leitlinie) ... 15
Tabelle 2: Bedürfnisorientiertes Verhaltensmodell (NDB-Modell) ... 23
Tabelle 3: Maßnahmenkatalog zur Umsetzungsempfehlung (Bayerisches Staatsministerium) ... 29
Tabelle 4: Kernkriterien im Umgang mit Menschen mit Demenz im Krankenhaus (DSDC) ... 36
Tabelle 5: Übersicht: Kriterien, Mindestanforderungen und Umsetzungsschwierigkeiten ... 39
Tabelle 6: Übersicht der geförderten Kliniken aller Förderrunden ... 44
Tabelle 7: Übersicht der Projekt-Themenschwerpunkte der geförderten Kliniken ... 44
Tabelle 8: Matrix zur Entscheidungsfindung des Evaluationsinstruments zur Studie ... 49
Tabelle 9: Beispielhafte Darstellung des SPACE-Assessment: Staff/Personal (engl./deutsche Version)
... 51
Tabelle 10: Bewertungskriterien (Level) des Spidergram: engl./deutsche Version ... 51
Tabelle 11: Bewertungskriterien (Level) des Spidergram: Durchdringung ... 54
Tabelle 12: Exemplarische Darstellung der Stichproben-Daten mit Legenden ... 60
Tabelle 13: Exemplarische Datenaufbereitung: SPACE-Spidergram am Beispiel: Personal ... 61
Tabelle 14: Kodierung der Bewertungskriterien des Bewertungsinstruments ... 62
Tabelle 15: Rücklauf durch beteiligte Kliniken ... 64
Tabelle 16: Klinikmerkmale: Bettenanzahl und Mitarbeiter ... 64
Tabelle 17: Kliniken mit oder ohne segregativen Bereich ... 65
Tabelle 18: Übersicht: Haupt- und Subkategorien der SPACE-Spidergrams ... 66
Tabelle 19: Selbstevaluation Personal sortiert nach Bettenanzahl ... 67
Tabelle 20: Selbstevaluation: Vernetzung/ Angehörige sortiert nach Bettenanzahl ... 69
Tabelle 21: Selbstevaluation: Assessment/Screening sortiert nach Bettenanzahl ... 70
Tabelle 22: Selbstevaluation: Behandlungsverlauf/Pflegeplan sortiert nach Bettenanzahl ... 72
Tabelle 23: Selbstevaluation: Räumliche Umgebung sortiert nach Bettenanzahl ... 73
Tabelle 24: Gesamtergebnis Selbstevaluation: SPACE Spidergram sortiert nach Bettenanzahl ... 76
Tabelle 25: Selbsteinschätzung: Durchdringung nach Bettenanzahl ... 78
Tabelle 26: Durchführung der Selbstevaluation (Zeitaufwand, beteiligte Berufsgruppen, Vorgehen) .. 83
Tabelle 27: Übersicht des durchschnittlichen Erreichungsgrads der Kliniken nach Förderrunde ... 86
Tabelle 28: Differenzwerte der Kliniken innerhalb der Förderrunde... 87
Tabelle 29: Übersicht des durchschnittlichen Erreichungsgrad der Kliniken nach Bettenanzahl ... 88
Tabelle 30: Übersicht der durchschnittlichen Differenz unter den Kliniken nach Bettenanzahl ... 90
Tabelle 31: Selbsteinschätzung zur Durchdringung nach Förderrunde und Bettenanzahl ... 91
Tabelle 32: Übersicht zur Bewertung des SPACE-Spidergram-Instruments
(Förderrunde/Bettenanzahl) ... 92
Tabelle 33: Übersicht: Bewertung des SPACE-Spidergram nach Segregation ... 93
Tabelle 34: Übersicht: Bewertung des SPACE-Spidergram nach Segregation und Bettenanzahl ... 94

VIII
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
Abbildung
ADL
Aktivitäten des täglichen Lebens
BSE
Bovine Spongiform Encephalopathie (sog. Rinderwahn)
bzw.
beziehungsweise
DAVID
Diagnostik, Akuttherapie, Validation auf einer internistischen Station für Menschen
mit Demenz
DeGEval
Deutsche Gesellschaft für Evaluation
DRG
Diagnosis Related Groups (Abrechnungssystem)
DSDC
Dementia Services Development Centre
DZNE
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen
ggf.
gegebenenfalls
GHoSt
General Hospital Study
GPS
Global Positioning System
HELP
Hospital Elder Life Program
i.d.R.
in der Regel
inkl.
inklusive
Kap.
Kapitel
KTQ©
Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen
MmD
Menschen mit Demenz
NDB
Need Driven Behaviour
NHMRC
National Health and Medical Research Council
o.g.
oben genanntes
Tab.
Tabelle
s.o.
siehe oben
u.a.
unter anderem
UEMS
Union Européenne des Médecins Spécialistes
u.v.m.
und vieles mehr
WHO
World Health Organisation
z.B.
zum Beispiel

Einleitung - 1
1 Einleitung
,,[...] so erinnern demenzkranke Menschen,
die die Vergangenheit vergessen haben
und die nicht in die Zukunft planen,
uns alle daran,
dass das Leben ausschließlich in der Gegenwart stattfindet."
Dieses Zitat von Manfred Lütz
1
leitet für die vorliegende Arbeit die Betrachtung der Gegenwart
von Menschen mit Demenz im Krankenhaus
2
ein, denn ein Krankenhausaufenthalt stellt so-
wohl für den Menschen mit Demenz mit seinem Bedürfnis nach Vertrautheit und Orientierung
3
als auch für die dort tätigen Berufsgruppen eine besondere Herausforderung dar.
4
Doch nicht
für alle Krankenhäuser. In einem ,,demenzsensiblen" Krankenhaus, welches sich inhaltlich und
konzeptionell auf die Behandlung von Menschen mit Demenz ausgerichtet hat, sind der Um-
gang, die Umgebung und Abläufe auf den Menschen mit Demenz abgestimmt und unterstüt-
zen somit eine ,,
angenehmere Gegenwart
" des Menschen mit Demenz während des Kranken-
hausaufenthaltes. Doch wann ist ein Krankenhaus ,,demenzsensibel"? Welche zentralen Merk-
male bedarf es zur Demenzsensibilität im Krankenhaus? Und mit welchem wissenschaftlich
fundierten Instrument kann die Demenzsensibilität eines Krankenhauses erfasst werden? Auf
diese Fragen evidenzbasierte Antworten zu generieren ist ein Schwerpunkt dieser Arbeit.
In den folgenden Abschnitten wird neben dem Aufzeigen der
Problemstellung
zur Thematik
(Kap.1.1)
auch das
Ziel der Arbeit
und das damit verbundene
Erkenntnisinteresse
(Kap.1.2)
mit-
tels Fragestellungen konkretisiert. Im daran anschließenden Abschnitt
(Kap.1.3)
wird eine je-
weils kurze Beschreibung zu den inhaltlichen Schwerpunkten der weiteren Kapitel dieser Ar-
beit skizziert.
1.1
Problemstellung
Der ,,
ideale Patient
"
5
im Krankenhaus ist jung, kooperativ, kommunikativ, orientiert und auf nur
eine Hauptdiagnose festzulegen. Zudem kann sich dieser problemlos auf die betriebswirt-
1
Vgl. Lütz, M. (2011)
2
Die Bezeichnung: Krankenhaus und Klinik werden in dieser Arbeit synonym verwendet.
3
Vgl. Pinkert, C., Holle, B. (2012), S. 728-734
4
Vgl. Teschauer, W. (2013), S. 9
5
Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird im Text auf die weibliche Sprachform verzichtet. Selbstverständlich sind aber trotz
Vereinfachung beide Geschlechter ausdrücklich gemeint.

Einleitung - 2
schaftlich organisierten, medizinisch strukturierten und spezialisierten Abläufe im Akutkran-
kenhaus einstellen. So beschreibt Teschauer (2010) einen heute in Krankenhäusern eher sel-
tener anzutreffenden Patienten.
6
Und der ,,
reale Patient
" im Krankenhaus? Dieser zeichnet sich bereits heute eher durch ein
höheres Alter und damit oftmals einhergehender Multimorbidität aus.
7
8
Je nach Alterskatego-
rie wird dieser nach Schäufele und Bickel (2016)
9
zudem eine höhere Wahrscheinlichkeit einer
kognitiven Einschränkung aufweisen.
Insbesondere Patienten mit kognitiven Einschränkungen aber stellen an das pflegerische und
medizinische Personal im Krankenhaus besondere Anforderungen, zumal nahezu 80% der
beispielsweise in der GHoSt-Studie untersuchten Patienten neben ihren kognitiven Beein-
trächtigungen auch nicht-kognitive Symptome und so genanntes herausforderndes Verhalten
zeigten wie nächtliche Unruhe, Umtriebigkeit und Aggressivität aber vereinzelt auch Halluzi-
nationen und Wahnvorstellungen, welches als besonders belastend empfunden worden ist.
10
Um sich den Herausforderungen, welche die Versorgung eines Menschen mit Demenz im
Krankenhaus mit sich bringen kann, zu stellen, gibt es neben vielen Kliniken, welche sich kon-
zeptionell noch nicht auf diese Patientengruppe eingestellt haben
11
, inzwischen einige, insbe-
sondere auch durch die Robert Bosch Stiftung geförderte Kliniken, welche sich durch Projekte
zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus auf den
Weg zu einem ,,demenzsensiblen Krankenhaus" begeben haben.
12
Durch Erkenntnisse aus
diesen Projekten sowie insbesondere nationalen und internationalen Studien können sowohl
Handlungsempfehlungen und Darreichungen
13
als auch konkrete Kriterien, welche ein de-
menzsensibles Krankenhaus auszeichnen, generiert werden.
14
Doch auch wenn die Entwicklungen zum demenzsensiblen
15
Krankenhaus nach Auffassung
der Autorin dieser Arbeit grundsätzlich positiv zu bewerten sind, so bürgen diese auch Risiken,
insbesondere wenn die Bezeichnung: ,,demenzsensibles Krankenhaus" nicht an einheitlichen
Kriterien und zentralen Merkmalen orientiert ist und sich nach diesen evaluieren lässt. Nach
Gronemeyer, R. (2013)
16
geht es bereits jetzt um einen Verteilungskampf um die Patienten mit
6
Vgl. http://www.alzheimer-bayern.de/pdf_antraege/DemenzimKrankenhausMUC2010_11_12.pdf
7
Vgl. GHost-Studie (2016), Pflegethermometer (2014), Kirchen-Peters (2013)
8
Multimorbidität ist in diesem Kontext mehr als die Summe einzelner Erkrankungen, siehe Kapitel 2.2 dieser Arbeit.
9
Vgl. GHost Studie (2016), S. 5
10
Ebd.
11
Vgl. Isfort, M. (2014), Pflegethermometer, S.6
12
Vgl. http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/62538.asp
13
Vgl.Isfort, M. (2014), Pflegethermometer, S. 7
14
Vgl. Kirchen-Peters (2013), Dementia Service Development Centre (2009), S3-Leitlinie (2016), Alzheimer Gesellschaft
(2013)
15
Der Begriff: demenzsensibel (lat.: sensibilis: der Empfindung fähig) wird präferiert, da dieser nach Ansicht der Autorin dieser
Arbeit die erforderliche Feinfühligkeit, Sorgfalt und Umsicht im Umgang mit Menschen mit Demenz treffender umschreibt als
beispielsweise: demenzfreundlich.
16
Vgl. Gronemeyer, R. (2013)

Einleitung - 3
Demenz, denn nach seiner Auffassung steigt mit der Zahl der Menschen mit Demenz auch die
Zahl der Profiteure.
1.2
Ziel der Arbeit und Erkenntnisinteresse
Die in der Problemstellung benannten Risiken, dass bisher in Deutschland noch keine allge-
meingültigen Kriterien und zentralen Merkmale eines demenzsensiblen Krankenhauses vor-
liegen, um die Bezeichnung: ,,demenzsensibles Krankenhaus" gewissermaßen zu schützen,
zeigen einen Handlungsbedarf auf. Nicht zuletzt gilt es, die Versorgung von Menschen mit
Demenz im Krankenhaus, orientiert an den individuellen Bedarfen dieser wachsenden, vul-
nerablen
17
Patientengruppe, zum Schutz dieser sicher zu stellen.
18
Aus der beschriebenen
Problemstellung lassen sich folgende Fragestellungen generieren:
Welche Kriterien und zentralen Merkmale zeichnen ein demenzsensibles Kranken-
haus aus?
Welches Instrument eignet sich zur Selbstevaluation der Demenzsensibilität für deut-
sche Krankenhäuser?
Bildet das Selbstevaluationsinstrument die Ist-Situation von Kliniken auf dem Weg zu
einem demenzsensiblen Krankenhaus realistisch ab?
Die Beantwortung dieser Fragestellungen ist von besonderem Erkenntnisinteresse der Autorin
dieser Arbeit, da die Ergebnisse zur Entwicklung eines in Deutschland anwendbaren, standar-
disierten Evaluationsinstruments beitragen können und Kliniken in der Anwendung dieses In-
struments auf dem Weg zum ,,demenzsensiblen Krankenhaus" unterstützt werden.
1.3
Vorgehensweise
Nachdem im
Kapitel eins
neben der Problemstellung, das Ziel und Erkenntnisinteresse dieser
Arbeit benannt worden ist, liegt der Fokus des
zweiten Kapitels
auf der Beschreibung der
Ausgangslage. Für ein besseres Verständnis, warum die Behandlung von Menschen mit De-
menz im Krankenhaus zu Herausforderungen führen kann, soll diese im Kontext der Struktu-
ren und Behandlungsprozesse deutscher Krankenhäuser erläutert werden. Durch das Aufzei-
gen sowohl der Symptome als auch der Prävalenzen von Menschen mit Demenz werden die
damit verbundenen Herausforderungen im Behandlungsverlauf nachvollziehbar dargestellt.
17
Vulnerabilität wird in dieser Arbeit nach der Definition der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP, 2016) ver-
standen:
,,Als vulnerabel sind Personen zu bezeichnen, deren Selbstbestimmtheit durch besondere Lebensumstände, ihre
gesundheitliche Situation, ihr Alter, ihre kognitiven Möglichkeiten leicht eingeschränkt werden könnte oder bereits einge-
schränkt ist."
Vgl. http://dg-pflegewissenschaft.de/wp-content/uploads/2017/05/Ethikkodex-Pflegeforschung-FINAL1.pdf
18
Vgl. Lautenschläger et.al (2016), S. 1104

Einleitung - 4
Der analytische Bezugsrahmen im
dritten Kapitel
basiert auf Erkenntnissen der nationalen
und internationalen Literatur. International werden insbesondere Studien aus England/Schott-
land und Australien berücksichtigt. Die daraus generierten Kriterien und zentralen Merkmale
eines demenzsensiblen Krankenhauses bilden die inhaltliche Grundlage des Selbstevalua-
tionsinstruments zur Demenzsensibilität eines Krankenhauses, welches im
Kapitel vier
als
ein Teil des methodischen Vorgehens näher beschrieben wird. Darüber hinaus wird in diesem
Kapitel das zugrundeliegende Design der deskriptiv, quantitativen Querschnittsstudie begrün-
det sowie die im Rahmen dieser wissenschaftlichen Arbeit erarbeiteten Instrumente vorge-
stellt. Die präzise Erläuterung der Auswertungsstrategie bildet den Abschluss dieses Kapitels.
Nachdem im vierten Kapitel das methodische Vorgehen detailliert dargestellt wird, befasst sich
das
Kapitel fünf
mit der Ergebnisdarstellung. Die Durchführung der Selbstevaluation wird hier
im Klinikvergleich ausgewertet. Von besonderem Interesse sind dabei sowohl Ergebnisse im
Vergleich der Klinken der unterschiedlichen Förderrunden der durch die Robert Bosch Stiftung
geförderten Projektkrankenhäuser als auch ein Vergleich in Bezug auf die Größe (Bettenanz-
ahl) der jeweiligen Kliniken. Darüber hinaus stellt die durch einen Fragebogen quantitative und
qualitative Bewertung des Selbstevaluationsinstruments zur Demenzsensibilität eines Kran-
kenhauses durch die Evaluierenden der beteiligten Kliniken einen weiteren Fokus der Ergeb-
nisdarstellung dar.
In der sich anschließenden Diskussion im
Kapitel sechs
werden die Ergebnisse im Hinblick
auf die Beantwortung der Forschungsfragen kritisch reflektiert und analysiert. Mit einer Bewer-
tung aus mehreren Perspektiven wird eine Aussage zur Anwendbarkeit des Selbstevaluations-
instruments dieses Kapitel abschließen.
Das
Kapitel sieben
beschließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Aus-
blick zum weiteren Vorgehen sowie Forschungsbedarf diese Arbeit.

Ausgangslage -
5
2 Ausgangslage
Nach den Worten von Püllen, R. (2015) kommt ein ,,
demographischer Tsunami
" auf uns zu.
19
Und dessen Auswirkungen insbesondere auf die Patientensituation im Krankenhaus ist bereits
heute schon spürbar.
20
So zeigen Statistiken, dass im Jahr 2015 in insgesamt 1.956 Kranken-
häusern in Deutschland die behandelten Patienten im Durchschnitt 55 Jahre alt waren, bei
einer durchschnittlichen Verweildauer von 7,4 Tagen.
21
Im Jahre 2010 zeigte sich, dass doppelt so viele Patienten über 65 Jahre im Krankenhaus
behandelt wurden als in der Altersgruppe der 45- bis unter 65-Jährigen.
Die mit zunehmenden Alter deutlich höhere Wahrscheinlichkeit von Multimorbidität
(Kap. 2.2)
oder einer Pflegebedürftigkeit hat zudem Auswirkungen auf die Verweildauer je Krankenhaus-
aufenthalt, welche mit durchschnittlich 9 Tagen mit ca. 2,4 Tagen über dem Durchschnitt der
unter 65-Jährigen liegt.
22
Eine zunehmende Herausforderung in den Krankenhäusern stellt darüber hinaus, dass mit
zunehmenden Alter steigende Risiko einer Demenzerkrankung dar. Einem Bericht der Deut-
schen Alzheimer Gesellschaft zufolge leben heute fast 1,6 Millionen Menschen mit Demenzer-
krankungen in Deutschland, davon ungefähr 60% an einer Demenz des Typ Alzheimer
(Kap.
2.2.1)
. Sofern kein Durchbruch in der Therapie zu erwarten ist, würde die Zahl bis 2050 auf bis
zu 3 Millionen steigen.
23
Schon heute weisen 40% aller über 65-Jährigen Patienten in Allge-
meinkrankenhäusern kognitive Beeinträchtigungen auf, knapp 20% davon leiden an einer De-
menz.
24
Und auch wenn Menschen mit Demenz nur selten wegen ihrer Demenz in einem Krankenhaus
behandelt werden ­ der Anteil der kodierten Hauptdiagnose Demenz liegt bei 0,2 bis 6,0 Pro-
zent ­ steht diese häufig im Zusammenhang einer Krankenhauseinweisung bei höherem
Sturz- und Erkrankungsrisiko bedingt durch Ernährungsmängel, Gebrechlichkeit oder Kräfte-
verfall.
25
Auch Schäufele und Bickel (2016) konnten in der GHost-Studie
26
u.a. Verletzungen
und Frakturen, Lungenentzündungen und Infektionen der Harnwege, Dehydration sowie all-
gemeine Symptome wie Fieber oder körperlicher Abbau als vermehrte Behandlungsanlässe
herausarbeiten.
19
Vgl. http://www.dggeriatrie.de/images/Kongresse/2015_Frankfurt/151007_Frankfurt2015_Eroeffnungsrede_Puellen.pdf
20
Vgl. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Krankenhaeuser/GrunddatenKrankenhaeu
ser2120611157004.pdf?__blob=publicationFile
21
Vgl. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Krankenhaeuser/GrunddatenKrankenhaeu
ser2120611157004.pdf?__blob=publicationFile
22
Vgl. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/DemografischerWandel/Krankenhausbehan-
dlungPflegebeduerftige5871102109004.pdf?__blob=publicationFile
23
Vgl. https://www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/alz/pdf/factsheets/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg.pdf
24
Vgl. General Hospital Study (GHoSt), 2016, http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Studie_Demenz_
im_Akutkrankenhaus.pdf
25
Vgl. Wolke et.al. (2015), S.11
26
Vgl. General Hospital Study (GHoSt), (2016)

Ausgangslage -
6
Diese Entwicklung bildet sich auch in höheren Kosten einer Behandlung von Menschen mit
Demenz im Krankenhaus im Vergleich zu nicht kognitiv beeinträchtigten Patienten ab, wie
dieses in mehreren Studien belegt werden konnte.
27
Auch das statistische Bundesamt ver-
zeichnete im Jahre 2008 insgesamt Kosten für die Versorgung von Demenzkranken in Höhe
von 10, 487 Mrd. Euro.
28
Insbesondere durch das bis zu 50% höhere Risiko älterer Patienten
über 65 Jahre
29
, im Krankenhaus ein Delir
30
zu entwickeln, führte dieses beispielsweise in den
USA zu Mehrkosten von164 Billionen Dollar pro Jahr.
31
Doch die Entwicklung eines Delirs verursacht nicht nur höhere Kosten, sondern hat schwer-
wiegende Konsequenzen auf die Morbidität und Mortalität des Patienten. Durch überwiegend
fehlende systematische Strategien zur Vermeidung von Delirien bleiben zudem 30 ­ 60 % der
Delire im Akutkrankenhaus unerkannt mit Schwerpunkt auf hypoaktive Formen des Delirs.
32
Und obwohl Studien zeigen, dass sich z.B. nicht-pharmakologische Behandlungen von Deli-
rien effektiv auf die Prävention von Delirien auswirken können,
33
fehlt es oftmals sowohl an
Kenntnissen des Personals als auch an einer adäquaten Personalausstattung.
Durch Patienten mit kognitiven Einschränkungen werden an das pflegerische und medizini-
sche Personal im Krankenhaus besondere Anforderungen gestellt, zumal nahezu 80% der in
der GHoSt-Studie untersuchten Patienten neben ihren kognitiven Beeinträchtigungen auch
nicht- kognitive Symptome und so genanntes herausforderndes Verhalten zeigten.
34
Das Personal in deutschen Kliniken ist bisher oftmals noch unzureichend auf die Behandlung
und Betreuung von Menschen mit Demenz vorbereitet. Und auch wenn in einer Studie von
Isfort et.al. (2014)
35
herausgearbeitet werden konnte, dass die Thematik insbesondere bei
Pflegekräften eine hohe Bedeutung hat, fühlen sich diese durch die Sorge, dass die Patienten
mit Demenz z.B. unbemerkt die Station verlassen könnten, unbemerkt aufstehen und stürzen
könnten, sehr belastet. Führungskräfte identifizierten zudem folgenden Bedarf an Fortbildun-
gen:
27
Vgl. Bartholomeyczik, S., Albers, B. (2012), S. 63
28
Vgl. Leicht,H., König, H.-H. (2012), S. 677 - 684
29
Vgl. Inouye, S. et. al. (2014), S. 911
30
Delir ist als ICD-Code als ein ,,
ätiologisch unspezifisches hirnorganisches Syndrom, das charakterisiert ist durch gleichzeitig
bestehende Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses,
der Psychomotorik, der Emotionalität und des Schlaf-Wach-Rhythmus (...)
" definiert mit unterschiedlicher Dauer und
Schweregrad. vgl. http://www.icd-code.de/icd/code/F05.1.html
31
Vgl. Inouye, S. et. al. (2014), S. 911
32
Vgl. Höwler,e. (2013), S. 156
33
Vgl. Inouye, S. et.al.(2014), S.911
34
Vgl. GHoSt Sudy, 2016, S.5
35
Vgl. Isfort, M. (2014), Pflegethermometer, S. 43

Ausgangslage -
7
Verbesserung des Fachwissens zur Thematik Demenz
(z.B. Demenzformen, Diagnostik,
Medikation)
rechtliche Aspekten
(z.B. Fixierung, Patientenverfügung)
Themen der Beziehungsgestaltung
(z.B. Kommunikation)
Therapiemöglichkeiten
(z.B. Schmerztherapie, Ernährungsunterstützung)
Themen aus dem Bereich der Ethik.
36
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Personalsituation in der Pflege in deutschen Kran-
kenhäusern, auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, mit einem durchschnittli-
chen Personalschlüssel von 10:1 (berücksichtigt sind hier die Besetzung im Frühdienst, Spät-
dienst und Nachtdienst) eher auf den ,,unteren Rängen" zu finden ist.
37
Eine Betreuung von 30
Patienten insbesondere im Nachtdienst wurde von den Befragten am häufigsten genannt.
In einer repräsentativen Studie von Aiken et. al. (2014) konnte zudem eine Korrelation von
Anzahl und Qualifikation der Pflegekräfte auf zu betreuende Patienten herausgearbeitet wer-
den. So wiesen Krankenhäuser mit einer Patient­Pflegekraft Zuordnung von 6:1 und 60% der
Pflegekräfte mit einem Bachelor Abschluss eine um 30% geringere Mortalitätsrate auf als Kli-
niken mit nur 30% der Pflegekräfte mit einem Bachelorabschluss und durchschnittlich 8 zu
betreuenden Patienten.
38
In Deutschland zeigte insbesondere die Veränderung der Finanzierung der laufenden Be-
triebs- und Behandlungskosten durch Einführung des DRG-Systems
39
Auswirkungen auf die
Personalsituation in der Pflege, wurden doch zwischen 1996 und 2008 insgesamt 14,2 % des
Pflegepersonals abgebaut, das entspricht jeder siebten Stelle.
40
Zudem reduzierten sich die
Pflegetage im ähnlichen Zeitraum um ca. 22% welches zu einer deutlichen Arbeitsverdichtung
sowie Zunahme der Arbeitsbelastung im Pflegedienst führte.
41
Doch neben den Auswirkungen auf die Personalsituation in der Pflege wurden mit Einführung
des DRG-Systems auch Anreize zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung für Kranken-
häuser gesetzt.
42
Wie sich dieses auf die Strukturen und Behandlungsprozesse im Kranken-
haus ausgewirkt hat, ist Schwerpunkt des folgenden Abschnitts.
37
Vgl. Isfort (2014), Pflegethermometer, S. 39
38
Vgl. Aiken et.al. (2014), S.1824
39
Diagnosis Related Groups fassen eine Vielzahl unterschiedlicher Diagnosen- und Prozedurenkombinationen zu Gruppen
mit vergleichbarem ökonomischem Aufwand in möglichst auch medizinisch-klinisch homogenen Gruppen zusammen. Seit
2006 vorherrschendes Abrechnungssystem für deutsche Krankenhäuser. Vgl. https://www.gkv-spitzenverband.de/kranken-
versicherung/krankenhaeuser/drg_system/fragen_und_antworten_drg/fragen_und_antworten_drg.jsp
40
Vgl. Isfort, M. (2009), Pflege-Thermometer
41
Vgl. DKI (2008), S. 5
42
Vgl. http://www.swiss-anp.ch/fileadmin/3_ANP-Berufsrolle/DBFK_ANP_Pflegerische-Expertise-201302.pdf , Pflege im Wan-
del

Ausgangslage -
8
2.1
Strukturen und Behandlungsprozesse im Krankenhaus
Grundsätzlich dürfen Krankenkassen Krankenhausbehandlungen nur durch zugelassene
Krankenhäuser erbringen lassen, z.B. Hochschulkliniken, das Krankenhaus ist im Kranken-
hausplan eines Landes aufgenommen und ein abgeschlossener Versorgungsvertrag mit Lan-
desverbänden der Krankenkassen/Ersatzkassen liegt vor.
43
Wie die jeweiligen Strukturen und Prozesse im Krankenhaus gestaltet werden, um dem Be-
handlungsauftrag gerecht zu werden, obliegt den Kliniken selbst. Lediglich im Wirtschaftlich-
keitsgebot
44
wird festgeschrieben:
,,(...) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen
das Maß des Notwendigen nicht überschreiten (...)."
45
Die Wirtschaftlichkeit verfolgend, gaben 70% der in einer Studie von Roland Berger (2016)
befragten Vorstände und Geschäftsführer der 400 größten deutschen Kliniken an, sich in einer
Restrukturierungsphase zu befinden.
46
Im Vordergrund stehen dabei Maßnahmen zur Ergeb-
nisverbesserung im Bereich der stationären Erlöse sowie der medizinischen Sachkosten. Dar-
über hinaus sind auch die Themen der ambulanten Erlöse, Personalkosten und eine zuneh-
mende Digitalisierung der stationären Versorgung im Vordergrund.
Auch eine Umfrage von Porsche Consulting (2016)
47
, in welcher 60 Ärzte, Verwaltungs- und
Pflegedirektoren an deutschen Krankenhäusern befragt worden sind, hat ergeben, dass sich
acht von zehn Kliniken zum Ziel gesetzt haben, ihre Abläufe im Klinikalltag zu optimieren.
Schwerpunkthemen sind beispielsweise:
Reduktion unnötiger Wartezeiten in der Notaufnahme
Aushändigung von wesentlichen Informationen, relevanten Aktivitäten und Ansprech-
partnern für den Patienten am Aufnahmetag
Koordination geplanter Behandlungen
Einführung einheitlicher Standards und Abläufe
Informationsaustausch der Mitarbeiter untereinander / Schnittstellenmanagement
Klare Zuständigkeiten / Casemanagement
Nicht zuletzt die Zunahme von chronisch kranken, multimorbiden, alten und pflegebedürftigen
Patienten macht die Anpassung der Strukturen und Prozesse im Krankenhaus notwendig. Ziel
43
Vgl. SGB 5, §108
44
Vgl. SGB 5, §12
45
Vgl. http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/12.html
46
Vgl. Roland Berger-Studie (2016)
47
Vgl. http//www.presseportal.de/pm/115681/3312322

Ausgangslage -
9
ist es primär, Pflegebedürftigkeit zu vermeiden sowie auch der Palliativversorgung einen ge-
bührenden Stellenwert einzuräumen. Die Integration psychosozialer Hilfen ist dabei ebenso
von großer Bedeutung wie die Sicherstellung einer sektorenübergreifenden Versorgung.
48
Nachdem sich die Bundesärztekammer für eine Optimierung der Aufgabenverteilung zwischen
den Berufsgruppen ausspricht, empfehlen Dahlgaard und Stratmeyer (2005)
49
zur Optimierung
des Patientenversorgungsprozesses eine Abkehr vom berufsständischen Denken.
Letztlich ist die Prozessorganisation eine Managementaufgabe und sollte am Patientenversor-
gungsprozess ausgerichtet sein. Bei der Komplexität der Klinikprozesse, wie die folgenden
Darstellungen verdeutlichen sollen, stellt dieses für Kliniken eine große Herausforderung dar.
Abbildung 1: Prozesse im Krankenhaus (eig. Darstellung in Anlehnung an Bundesärztekammer Berlin
50
)
Da mit dem Altern der Bevölkerung auch zunehmend ältere, multimorbide Menschen in die
Kliniken kommen, ist es von besonderem Interesse, wie diese einen Krankenhausaufenthalt
48
Vgl. Bundesärztekammer
49
Vgl. Dahlgaard, K., Stratmeyer, P. (2005), S. 142-150
50
Vgl. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/FachberufeProzessverbesserung.pdf ,S. 15 - 16

Ausgangslage -
10
erfahren. In einer qualitativen Studie von Deck und Böhmer (2001)
51
wurden dazu 123 Patien-
ten im Alter von 59 bis 90 Jahren in vier Krankenhäusern interviewt. Patienten mit einer akuten
Krankheitsgefährdung oder einer Demenz wurden ausgeschlossen. 76% der befragten Pati-
enten wurden als Notfall in ein Krankenhaus aufgenommen. Insgesamt zeigten die Ergebnisse
überwiegend positive Erfahrungen mit dem Klinikaufenthalt, Einschränkungen wurden hin-
sichtlich organisatorischer und zeitlicher Aspekte wie z.B. Unterbringung, Wartezeiten sowie
zeitliche und struktureller Zwänge benannt. Da sich insbesondere im kommunikativen Bereich
(z.B. mangelnde Information und Aufklärung, unzureichende persönliche Zuwendung) ein
deutliches Defizit ergab, lieferte dieses Ergebnis Erkenntnis darüber, auf welche Bedürfnisse
der Patienten verstärkt eingegangen werden sollte.
Andere Studien fokussierten insbesondere die Behandlung älterer Menschen in der Notauf-
nahme mit dem Ergebnis, dass ältere Menschen, öfter als jüngere Menschen, in die Notauf-
nahme kommen, dort länger verweilen und mit einer höheren Wahrscheinlichkeit stationär auf-
genommen werden. Ein umfängliches geriatrisches Screening sowie eine koordinierte Ent-
lassplanung werden für ein besseres klinisches Ergebnis empfohlen.
52
Diese Ergebnisse de-
cken sich im Wesentlichen auch mit Erkenntnissen einer repräsentativen Studie aus dem Jahr
1984 durch Baum, S. et.al.
53
Hier wurden 1620 Patienten, welche die Notfallambulanz frequen-
tierten, mit dem Ziel erfasst, einen möglichen Behandlungsunterschied zwischen jüngeren und
älteren Patienten zu erkennen. Das Ergebnis zeigte ebenso, dass ältere Patienten i.d.R. länger
in der Notaufnahme behandelt wurden sowie mehr diagnostische Untersuchungen durchge-
führt wurden als bei jüngeren Patienten, bei welchen die Diagnosestellung insgesamt präziser
war.
Die Schlussfolgerung einer Studie aus der Schweiz
54
ergab, dass gebrechliche ältere Men-
schen oftmals mit der Diagnose, dass die häusliche Versorgung nicht gewährleistet ist, in die
Notaufnahme gebracht werden (253 Patienten), von welchen nur ca. 51% (129 Patienten) ein
akutes medizinisches Problem aufwiesen und deswegen weniger genau bezüglich der Dring-
lichkeit ihrer Behandlungsnotwendigkeit eingestuft worden sind. Beispielsweise fehlte es an
Vitalzeichenerhebungen sowie einer geringeren Überprüfung neurologischer Symptome.
Rutschmann et.al. (2005) schlussfolgern daraus, dass ein spezifisches geriatrisches Assess-
ment frühzeitig in den Dringlichkeitsprüfungsprozess in der Notaufnahme integriert werden
sollte.
51
Vgl. Deck,R., Böhmer,S. (2001), S.522-529
52
Vgl. Aminzadeh,F. Dalziel, W.(2002), S. 238-247
53
Vgl. Baum, S. et.al. (1987), S. 398-404
54
Vgl. Rutschmann,O. et.al. (2005), S.145-150

Ausgangslage -
11
Auch Singler et. al. (2011) unterstützen mit Ergebnissen aus ihrer Studie, dass Kenntnisse der
Altersphysiologie sowie geriatrische Grundkenntnisse für eine bessere Behandlung des älte-
ren Patienten Bestandteil der Intensiv- und Notfallmedizin sein sollten.
55
Zusammenfassend wird eine hohe Belastung von älteren Patienten insbesondere bei einer
ungeplanten Aufnahme ins Krankenhaus deutlich. Die komplexen Versorgungsabläufe sowohl
eines ungeplanten als auch geplanten stationären Aufenthalts, sind primär an somatischen
Erkrankungen ausgerichtet.
56
Für den älteren Patienten mit kognitiven Einschränkungen stel-
len diese hohe Belastungsfaktoren dar. Die Komplexität der Prozesse wird nachfolgend an-
hand des Beispiels einer Blutentnahme im Krankenhaus grafisch verdeutlicht
(Abb.2).
Abbildung 2: Kern- und Subprozesse im Krankenhaus (eig. Darstellung in Anlehnung an Bohnet &
Joschko, 2007
57
)
Ergänzend zu den patientennahen Prozessen laufen während eines Klinikaufenthaltes noch
diverse patientenferne Prozesse ab, um einen erfolgreichen stationären Behandlungsprozess
im Krankenhaus sicher zu stellen. Eine große Bedeutung kommt dabei auch den sektoren-
übergreifenden Prozessen zu, um eine adäquate Weiterversorgung des Patienten durch nach-
sorgende Behandler sicher zu stellen und kurzfristige Wiederaufnahmen zu vermeiden. Eine
55
Vgl. Singler,K. et al. (2011)
56
Vgl. Holle, B. (2013)
57
Vgl. Bohnet-Joschko, S. (2007)

Ausgangslage -
12
Studie an der Charité Berlin empfiehlt, dass bei älteren Patienten (> 80 Jahre) insbesondere
eine Entlassung zum Wochenende vermieden werden sollte.
58
Abbildung 3: Prozesslandschaft (eig. Darstellung in Anlehnung an Rausch & Kurlemann
59
)
Nachdem die Strukturen und Prozesse im Krankenhaus insbesondere mit Auswirkungen auf
die Behandlung des älteren Menschen erläutert worden sind, wird in den folgenden Abschnit-
ten den Fragen nachgegangen, was den älteren, geriatrischen Menschen konkret auszeichnet
und welche Herausforderungen insbesondere der geriatrische Patient mit Demenz an einen
Krankenhausaufenthalt stellt.
2.2
Der geriatrische Patient mit Demenz im Krankenhaus
Da allein das Alter per se der Definition des älteren Patienten nicht gerecht wird,
60
wird für ein
einheitliches Verständnis, was einen geriatrischen Patienten auszeichnet, auf die Definition
der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie
und Geriatrie (DGGG) sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Geriatrischer Einrichtungen
(BAG) zurückgegriffen. Demnach ist der geriatrische Patient definiert durch (
Zitat
)
61
:
58
Vgl. Langelotz,C. et.al. (2015), S. 435-439
59
Vgl. Rausch, a., Kurleman, U. (2008)
60
Vgl. Sieber,C. (2007), S.1190-1194
61
Vgl. Lüttje,D. (2007), S. 394-397

Ausgangslage -
13
,,
Geriatrietypische Multimorbidität und
Höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter),
die geriatrietypische Multimorbidität ist hierbei vorrangig vor dem kalendarischen Alter
zu sehen;
oder durch
Alter 80+ auf Grund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z.B. wegen des Auftre-
tens von Komplikationen und Folgeerkrankungen, der Gefahr der Chronifizierung so-
wie des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des
Selbsthilfestatus."
Dabei ist die Multimorbidität mehr als die Summe einzelner Erkrankungen und oftmals beglei-
tet durch:
Inkontinenz
kognitive Einschränkungen
Depression und Angst
Immobilität
Sturzneigung
Schmerzen
Unverträglichkeit von Medikamenten
Herabgesetzte Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit
sowie anderen Faktoren, welche zu Funktionseinschränkungen führen und sich negativ auf
die Bewältigung des Alltags auswirken können.
62
63
Für Schuler & Oster (2008)
64
definiert sich die Übernahme eines Patienten in die geriatrische
Behandlung, wenn dieser neben dem Alter (80 Jahre oder älter) eine der folgenden Kriterien
aufweist:
Gebrechlichkeit (frailty) oder
Pflegestufe (jetzt: Pflegegrad) vorhanden oder
Pflegeheimbewohner oder
Einschränkungen basaler Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL)
62
Vgl. Sachverständigenrat, Sondergutachten (2009)
63
Vgl. Kuhlmey, A., Tesch-Römer, C. (2013), S.14
64
Vgl. Schuler, M., Oster,P. (2008), S. 104

Ausgangslage -
14
Darüber hinaus können weitere Hinweise, auch bei Patienten ab 65 Jahre, eine geriatrische
Behandlung notwendig machen, z.B. ungeplante Krankenhausaufenthalte in den letzten drei
Monaten, Mangelernährung, Demenz, Delir oder progrediente Mobilitätseinschränkungen.
Die UEMS (Union Européenne des Médecins Spécialistes) ergänzt die Definitionen des geri-
atrischen Patienten folgendermaßen:
,,
Krankheiten im Alter können sich different präsentieren und sind deshalb oft besonders
schwierig zu diagnostizieren. Das Ansprechen auf Behandlung ist verzögert und häufig besteht
ein Bedarf nach (gleichzeitiger) sozialer Unterstützung. Geriatrische Medizin geht daher über
einen organzentrierten Zugang hinaus und bietet zusätzliche Behandlung in einem interdiszip-
linären Team an. Hauptziel dieser Behandlung ist Optimierung des funktionellen Status des
älteren Patienten mit Verbesserung der Lebensqualität und Autonomie."
65
Das formulierte Behandlungsziel lässt sich gleichermaßen auf den geriatrischen Patienten mit
Demenz übertragen gilt es doch ebenso, die ­ wenn auch möglicherweise eingeschränkte -
Selbstbestimmung des Menschen mit Demenz zu respektieren.
66
Zum besseren Verständnis notwendiger Maßnahmen im Umgang mit Menschen mit Demenz
wird im nachfolgenden Abschnitt das Krankheitsbild näher erläutert.
2.2.1
Definition, Formen und Symptome einer Demenz
Ursprünglich bedeutet der Begriff Demenz: ohne Verstand (
mens
, lat. für Denkvermögen,
de-
mens
= ohne Verstand). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich die Begrifflichkeit als
Bezeichnung nachlassender intellektueller Kräfte und des logischen Denkvermögens durch.
Bis dato wurde diese für jegliche Form der geistigen Störung verwendet.
67
Heute bezeichnet der Begriff der Demenz ein klinisches Syndrom und ist nach ICD-10
68
auch
als Grundlage der S3-Leitlinie ,,Demenzen"
69
wie folgt definiert:
65
Vgl. Weißbuch Geriatrie, Band I, (2016), S.13
66
Vgl. Deutscher Ethikrat (2012), S.56
67
Vgl. Grundsatzstellungnahme (2009) Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V., S.32
68
ICD-10 entspricht der Internationalen statistischen Klassifikationen der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme.
68
Vgl. https://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/
69
Vgl. https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/ade50e44afc7eb8024e7f65ed3f44e995583c3a0/S3-LL-Demenzen-
240116.pdf

Ausgangslage -
15
Tabelle 1: Syndromdefinition Demenz (S3-Leitlinie, 2016)
,,Demenz (ICD-10-Code: F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder
fortgeschrittenen Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen,
einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit,
Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung. Das Be-
wusstsein ist nicht getrübt. Für die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome nach
ICD über mindestens 6 Monate bestanden haben. Die Sinne (Sinnesorgane, Wahrneh-
mung) funktionieren im für die Person üblichen Rahmen. Gewöhnlich begleiten Verände-
rungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation die kognitiven
Beeinträchtigungen; gelegentlich treten diese Syndrome auch eher auf. Sie kommen bei
Alzheimer-Krankheit, Gefäßerkrankungen des Gehirns und anderen Zustandsbilder vor, die
primär oder sekundär das Gehirn und die Neuronen betreffen."
Zur Diagnose einer Demenz ist die Entstehungsgeschichte der Symptomatik im Zusammen-
hang mit vorbestehenden somatischen und psychischen Erkrankungen wesentlich. In Ergän-
zung sind der bisherige Verlauf, die Erstsymptome (z.B. Merkfähigkeitsstörung, Wortfindungs-
störungen) und der psychopathologische Befund (z.B. Verhaltensauffälligkeiten) zur ätiologi-
schen Zuordnung der Demenz von großer Bedeutung. Darüber hinaus kann die Medikamen-
tenanamnese auf bestehende Krankheiten hinweisen aber auch Medikamente selbst können
zu kognitiven Beeinträchtigungen führen.
70
Demenzen werden ferner in primäre (neurodegenerative) und sekundäre Demenzen unter-
schieden.
71
72
Zu den
primären Demenzen
(Hirnschädigungen) gehören:
Alzheimer Demenz: häufigste Demenzform (ca. 60%). Als neurodegenerative Er-
krankung kommt es bei diesem Krankheitsbild zu pathologischen Ablagerungen von
Proteinen.
Lewy-Körper-Demenz: zweithäufigste neurodegenerative Demenz. Typische Merk-
male sind eine fluktuierende Vigilanz und das Auftreten von optischen Halluzinatio-
nen.
Frontotemporale degenerative Demenz: ähnlich häufig wie Alzheimer Demenz
aber vermehrt bei jüngeren Menschen. Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Enthemmung)
stehen eher im Vordergrund als kognitive Beeinträchtigungen, welche erst im späte-
ren Krankheitsverlauf auftreten.
70
Ebd.
71
Vgl. Grundsatzstellungnahme (2009) Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V., S.33ff
72
Vgl. Höwler,E. (2016), S. 96ff

Ausgangslage -
16
Korsakow-Demenz: Ursache ist eine langjährige Alkoholabhängigkeit. Kennzeichen
sind Gangataxie, Konfabulation und teilweise gut erhaltene intellektuelle Leistungen.
Zu den
sekundären Demenzen
(Extrazerebrale Ursachen) zählen:
Vaskuläre Demenz: nach der Alzheimer Demenz in Deutschland die zweithäufigste
Demenzform. Im Wesentlichen verursacht durch Schlaganfälle oder (kleine) Hirnin-
farkte
Creutzfeld-Jacob-Erkrankung: ist im Zusammenhang mit BSE
73
bekannt geworden
und ist gekennzeichnet durch einen schnell fortschreitenden Verlauf. 4 bis 10% der
Fälle sind erblich.
Demenz bei Morbus Parkinson: neben den Hauptsymptomen der Morbus Parkin-
son Erkrankung (z.B. Akinese, Rigor, Ruhetremor, Haltungsinstabilität) zeigt sich bei
ca. 40% der Parkinsonpatienten im Verlauf ein progredienter kognitiver Leistungsab-
bau mit Entwicklung einer Demenz (mit großen Schwankungen der Prävalenzzahlen).
Die Verläufe einer Demenz variieren je nach Ursache des Krankheitsbildes und führen durch-
schnittlich nach ca. acht Jahren vom Beginn der ersten Symptome - in Abhängigkeit vom Alter
der Patienten und dem gleichzeitigen Vorhandensein anderer Erkrankungen - zum Tode.
74
Vereinfacht wird nach Forstl & Calabrese (2001) zwischen einer leichten, mittelschweren und
schweren Demenz unterschieden
75
.
Leichte Demenz
: trotz kognitiver Störungen und Einschränkungen bei der Bewältigung schwie-
riger Anforderungen sind die Betroffenen im Alltag noch nicht von anderen Personen abhän-
gig. Komplizierte tägliche Aufgaben oder Freizeitbeschäftigungen können aber nicht mehr aus-
geführt werden.
Bei einer
mittelgradigen Demenz
kommen die Betroffenen nicht mehr ohne fremde Hilfe zu-
recht und bedürfen trotz möglicher eigener Fähigkeiten (z.B. einfache häusliche Tätigkeiten)
der ständigen Beaufsichtigung und Anleitung. Selbständiges Einkaufen oder Umgang mit Geld
sind nicht mehr möglich
Bei
schwerer Demenz
sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, die einfachsten alltäglichen
Anforderungen zu bewältigen und bedürfen permanenter pflegerischer Versorgung. Enge Ver-
wandte werden nicht mehr erkannt und auch nachvollziehbare Gedankengänge gelingen nicht
mehr.
73
BSE: Bovine spongiforme Enzephalopatie = ,,Rinderwahn", vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, S.246
74
Vgl. Vierter Altenbericht (2002), BMfSFJ, S. 165f
75
Vgl. Grundsatzstellungnahme, (2009) Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V., S.38f

Ausgangslage -
17
Neben den kognitiven Symptomen können aber insbesondere die nichtkognitiven Symptome
bei der Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz als belastend empfunden werden.
Diese sind in Anlehnung an Alzheimer Europe (1999)
76
im Wesentlichen:
Unruhezustände
Rastlosigkeit (,,Wandering"
77
, Nachlaufen)
Schlafstörungen (gestörter Tag-/Nachtrhythmus)
Aggressives Verhalten
Angstzustände
Verstecken und Verlieren von Gegenständen sowie falsche Anschuldigungen
Wahnphänomene / Halluzinationen
Stimmungslabilität / depressive Verstimmungen
Sundowning (zunehmende Verwirrtheit am Abend/in der Nacht)
Werden die möglichen Symptome des an Demenz erkrankten Menschen während eines Kran-
kenhausaufenthaltes in Relation der stringenten und komplexen Strukturen und Prozesse ei-
nes Behandlungsverlaufs im Krankenhaus gesetzt
(Kap. 2.1)
, wird ersichtlich, dass dieses so-
wohl für das Personal als auch für Mitpatienten eine Herausforderung darstellen kann. Bevor
die möglichen Herausforderungen in der Versorgung von Menschen mit Demenz im Klinikall-
tag im Abschnitt 2.2.3 näher betrachtet werden, befasst sich der nächste Abschnitt mit den
Prävalenzen von Menschen mit Demenz im Krankenhaus.
2.2.2
Prävalenzen von Menschen mit Demenz im Krankenhaus
Zur Entwicklung von Versorgungskonzepten für Menschen mit Demenz im Krankenhaus ist es
von großer Bedeutung, deren Anteil an der Anzahl von Krankenhauspatienten zu erfassen,
zumal jährlich von bis zu 244.000 Neuerkrankungen in der deutschen Bevölkerung ausgegan-
gen werden kann.
78
Und trotz der Entwicklung geriatrischer Fachabteilungen oder Kliniken,
findet der größte Teil der stationären Versorgung Hochaltriger nach wie vor auf nichtgeriatri-
schen Stationen im Akutkrankenhaus statt.
79
Die folgende Abbildung gibt eine insgesamte Übersicht über die Entwicklung der stationären
Behandlungen von Menschen im Krankenhaus.
76
Vgl. http://www.alzheimer-europe.org/Dementia/Alzheimer-s-disease/Main-characteristics-of-Alzheimer-s-disease#frag-
ment1
77
,,
Wandering
" ist für Betroffene eine Therapie, die inneren Spannungszustände abzubauen. Vgl. Höwler,E. (2016), S. 110
78
Vgl. Peters,E. et.al.(2010), S. 417-426
79
Vgl. Vierter Altenbericht (2002), BMfSFJ, S. 242

Ausgangslage -
18
Abbildung 4: Personen mit Krankenhausaufenthalt bei Pflegebedürftigen
80
und nicht Pflegebedürftigen
(WIdO, 2014)
81
Pinkert & Holle (2012) konnten auf Grund einer Literaturanalyse Prävalenzraten von Men-
schen mit Demenz in einer Spanne von 3,4% bis 43,3% eruieren.
82
Dabei zeigten die Ergeb-
nisse auch, dass die Wahrscheinlichkeit einer Krankenhausaufnahme für Menschen mit De-
menz zwischen 1,4 bis 3,6- mal größer war als für nicht demenziell erkrankte Menschen. In
einer Klinik für Geriatrie wurde dagegen bei jedem zweiten der 1019 Patienten ein Verdacht
auf Demenz ausgesprochen, welcher sich zu 28,2% aller Fälle klinisch bestätigt hat.
83
Ähnliche
Ergebnisse ergaben eine Literaturrecherche von Löhr et.al. (2014)
84
mit Prävalenzraten einer
Demenz bei Patienten über 85 Jahre von 31,2%. Erschwert wird die Datenlage allerdings
durch eine Heterogenität der Diagnosekriterien älterer und neuerer Studien, welches zu Ver-
zerrungen der Ergebnisse führen kann. Auch fehle es an einer verlässlichen Datenbasis zu
Menschen mit Demenz im Krankenhaus welches darin begründet ist, dass bei der Kranken-
hausaufnahme oftmals keine exakte Diagnose vorliegt und eine genaue diagnostische Abklä-
rung auch im Verlauf des Krankenhausaufenthaltes unterbleibt.
85
80
Pflegebedürftigkeit definiert sich nach SGBXI auf Grundlage eines seit 1.01.17 neuen Begutachtungsinstruments, welches
Personen mit kognitiv oder somatischen Einschränkungen mit Hilfe von sechs Modulen im Hinblick auf den Grad ihrer Selb-
ständigkeit erfasst. Daraus ergibt sich das Ausmaß der eingeschränkten Alltagskompetenz. Vgl. Jacobs et.al. (2016).
Pflege-Report 2016, S.276
81
Vgl. https://www.wido.de/fileadmin/wido/downloads/pdf_pflege/pflege-report/wido_pfl_pr2016_kap17_0616.pdf
82
Vgl. Pinkert, C., Holle,B., (2012), S. 728-734
83
Vgl. Trauschke,T. et.al.(2009), S.385-390
84
Vgl. Löhr, M. et.al. (2014), S. 189-195
85
Ebd.

Ausgangslage -
19
In der von Bickel et.al. (2016) durchgeführten, repräsentativen GHoSt-Studie (General Hospi-
tal Study), in welcher 1.469 Patienten aus 33 Allgemeinkrankenhäusern in Bayern und Baden-
Württemberg untersucht wurden, zeigt das Ergebnis, dass 40% der über 65-jährigen Patienten
an einer kognitiven Störung und Demenz leiden. Dabei wiesen ungefähr die Hälfte der Patien-
ten eine leichte und zur Hälfte schwere kognitive Störungen auf. An einer Demenz litten knapp
20% der Patienten. Fachbereiche der Inneren Medizin und der Unfallchirurgie zeigten die
höchsten Anteile von Patienten mit Demenz, in den anderen Fachbereichen waren die Anteile
geringer.
86
Da bei stationärer Krankenhausaufnahme gut zwei Drittel der Demenzerkrankungen unbe-
kannt waren, empfehlen Bickel et.al. (2016) einen kurzen kognitiven Screeningtest um die für
diese Patientengruppe notwendigen Versorgungsschwerpunkte gezielt zu steuern.
Die zunehmende Anzahl von Patienten mit kognitiven Einschränkungen und Demenz stellen
an das medizinische Personal besondere Anforderungen, welche sich aber oft mit den Bedürf-
nissen und Bedarfen dieser Patientengruppe überfordert zeigt.
87
Welche Herausforderungen sich in der Versorgung von Menschen mit Demenz im Kranken-
haus sowohl für den Patienten als auch das medizinische Personal ergeben können, wird im
nächsten Abschnitt behandelt.
2.2.3
Herausforderungen in der Versorgung von Menschen mit Demenz im
Krankenhaus
Noch immer sind viele Krankenhäuser sowohl strukturell, baulich als auch personell nicht auf
Patienten mit Demenz ausgerichtet. Geprägt von schnellen Abläufen sowie durch das DRG-
System angestrebte schnelle Entlassungen findet sich der Mensch mit Demenz im Kranken-
haus nicht zurecht.
88
Starre, ökonomische, an den Krankenhausroutinen ausgerichtete Hand-
lungsabläufe sowie unzureichend geschultes, unter ständigem Zeitdruck agierendes Personal
führen zu einer eher zweckrational und sachbezogenen Versorgung des Menschen mit De-
menz im Krankenhaus. Bereits der Aufnahmeprozess ins Krankenhaus kann zu akuten Ver-
wirrtheitsphasen führen.
89
Dieses wird durch Aufzeigen möglicher Verluste im Alltagsleben, welche sich für einen alten
Menschen durch Aufnahme ins Krankenhaus darstellen können, deutlich.
Hoefert (2010)
90
beschreibt das Alltagsleben des alten Menschen als geprägt durch relativ
festgefügte Zeit- und Ortsstrukturen. Das Wiedererkennen des Gleichen und die wiederholte
86
Vgl. http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/downloads/Studie_Demenz_im_Akutkrankenhaus.pdf
87
Vgl. Wolke et.al.(2015), S.12
88
Vgl. Wolke et.al.(2015), S.12
89
Vgl. Quack, E. (2015)
90
Vgl. Hoefert, H. et.al. (2010), S.162

Ausgangslage -
20
Ausführung gleicher Handlungen an bestimmten Orten und Zeiten (z.B. Schlaf-Wachrhyth-
mus, Essenszeiten, Alltagsgewohnheiten), fördern, unterstützt durch bedeutungshaltige Ge-
genstände und ihnen bekannte Personen, ein vertrautes Umfeld.
Nach Hoefert (2010) ist der Krankenhausaufenthalt dagegen geprägt von:
Soll-Vorgaben von Schlafen, Essen oder Aktivierung
einer unvertrauten und oftmals nicht deutbaren Umgebung (Patientenzimmer, Station,
Diagnostikbereich) mit einer an Funktionalität orientierten Ausstattung
häufig wechselnden Bezugspersonen durch den Schichtdienst
unbekannten, auch ablehnenden Mitpatienten
einem Gefühl der Abhängigkeit verstärkt durch Fokussierung der körperlichen Defizite
und weniger der Ressourcen
Verwehrung von Eigeninitiativen auf Grund Gefährdungs- und Schonungsgründen so-
wie
möglichen Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls des Patienten durch Desinte-
resse der Berufsgruppen an seinen Lebenshintergründen sowie Konzentration auf Ge-
sundung und Funktionalität bzw. Anpassungsbereitschaft an die Krankenhausabläufe.
Der Mensch mit Demenz im Krankenhaus zeigt sich dabei nur selten in der Lage, sich an die
Krankenhausabläufe im geforderten Maße anzupassen. Erschwerend kommt hinzu, dass der
Zustand des Menschen mit Demenz nicht gleichbleibend ist, sondern sich kognitive Fehl- und
Höchstleistungen abwechseln.
91
Nicht selten führt ein Krankenhausaufenthalt zu einer Krisen-
situation für den Menschen mit Demenz, mit einer Reduzierung von Restkompetenzen zur
Alltags- und Lebensgestaltung, verbunden mit einem weiteren Verlust von Selbständigkeit,
einer Verschlechterung des kognitiven Status und das Auftreten oder die Verstärkung von
nicht kognitiven Symptomen.
92
Insbesondere stellen aber die nicht kognitiven Symptome, wie beispielsweise fehlende Orien-
tierung, Aggressivität, Wandering (Umherwandern) sowie Probleme bei der Medikamenten-
verabreichung für Pflegekräfte im Stationsalltag schwierige und belastende Situationen dar.
93
Oft wird dabei vom Personal nicht verstanden, dass eine ablehnende Reaktion des Menschen
mit Demenz als eine Art Coping-Muster auf das für den Menschen mit Demenz unverständli-
che Verhalten seiner Umwelt, also einer Überforderung, interpretiert werden kann. Auch das
91
Vgl. Wißmann, P. (2015)
92
Vgl. Kirchen-Peters, S. (2013), S.9
93
Vgl. Wolke, R. et.al.(2015), S.23
Ende der Leseprobe aus 134 Seiten

Details

Titel
Der Kriterienkatalog PAPAR zur Selbstevaluation demenzsensibler Krankenhäuser
Untertitel
Bildet PAPAR die Demenzsensibilität des Krankenhauses realistisch ab?
Hochschule
Universität Witten/Herdecke  (Fakultät für Gesundheit / Department Pflegewissenschaft)
Veranstaltung
Multiprofessioneller Masterstudiengang: Versorgung von Menschen mit Demenz
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
134
Katalognummer
V387202
ISBN (eBook)
9783668614048
ISBN (Buch)
9783668614055
Dateigröße
3913 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das mittels dieser Arbeit entwickelte Instrument zur Evaluation der Demenzsensibilität von Krankenhäusern (PAPAR) ist als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt geschützt.
Schlagworte
Demenz, Demenzsensibles Krankenhaus, Kriterien Demenzsensibilität, Evaluationsinstrument, PAPAR
Arbeit zitieren
Marita Schmidt (Autor), 2017, Der Kriterienkatalog PAPAR zur Selbstevaluation demenzsensibler Krankenhäuser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387202

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