Lässt sich der kollaborative Konsum mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinen?

Wie ökologisch nachhaltig ist zentrales bzw. dezentrales Sharing?


Seminararbeit, 2017
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

II
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. EINFÜHRUNG ... 1
2. STAND DER AKTUELLEN FORSCHUNG ... 2
2.1. Sharing Economy ... 2
2.2. Nachhaltigkeit ... 3
3. ZUSAMMENHANG VON SHARING ECONOMY UND NACHHALTIGKEIT ... 4
4. ANALYSE DER SHARING UNTERNEHMEN ... 5
4.1. Zentral organisiert (Car2go) ... 5
4.2. Dezentral organisiert mit Eigentumsübertragung (Kleiderkreisel) ... 7
4.3. Dezentral organisiert ohne Eigentumsübertragung (Airbnb) ... 9
5. MOTIVATION DER KONSUMENTEN ... 11
6. FAZIT UND AUSBLICK ... 13

1
1. EINFÜHRUNG
,,Teilen statt Besitzen" ­ im Zuge der Digitalisierung und den damit einhergehenden
technischen Möglichkeiten erweist sich die ,,Sharing Economy" als immer populärer werdende,
neue Form des Konsums. Vor allem tragen diverse Internetplattformen dazu bei die Suchkosten
zwischen Anbietern und Nachfrager erheblich zu minimieren (Haucap 2015). Kollaborativer
Konsum, als Kern einer Ökonomie des Teilens, umfasst dabei neben dem Teilen von Musik-
oder Filmdateien über das Internet auch zum Beispiel das Teilen von Autos, Kleidung und
privatem Wohnraum (Heinrichs/Grunenberg 2012). Die Airbnb-Studie ,,Deutschland teilt" aus
dem Jahr 2012 zeigt, dass bereits jeder zweite Deutsche Teil dieser Konsumbewegung ist. Über
50% der Bevölkerung haben schon Dinge auf dem Flohmarkt und im Internet an Privatperson
verkauft bzw. von Privatpersonen gekauft, 29% haben Autos oder Fahrräder gemietet, 28%
Privatunterkünfte ge- oder vermietet und 25% haben sich schon einmal selten genutzte
Gegenstände geliehen (Sikorska/Grizelj 2015). Diese Studie zeigt auch, dass kollaborativer
Konsum kein Nischenthema mehr ist und lässt auf eine Weiterentwicklung der Ökonomie des
Teilens schließen, da vor allem junge Menschen zwischen 14-34 Jahren die neue Konsumform
in Anspruch nehmen. Die Ökonomie des Teilens ist eng verbunden mit dem Grundsatz des
nachhaltigen Konsums (Heinrichs/Grunenberg 2012).
Diese Arbeit soll den Fokus auf die kritische Betrachtung des Aspekts der Nachhaltigkeit von
Sharing Angeboten legen und dabei auch dementsprechende Motive von Konsumenten zur
Partizipation in Sharing Netzwerken beleuchten. Insbesondere soll dabei die Frage geklärt
werden, ,,wie ökologisch nachhaltig ist zentrales bzw. dezentrales Sharing?". Zunächst werden
dafür Grundlagen unter dem Abschnitt ,,Stand der aktuellen Forschung" geschaffen bzw. kurze
Definitionen zum besseren Verständnis erläutert, um eine Einführung in das Thema zu geben.
Außerdem wird der Zusammenhang zwischen der Sharing Economy und dem
Nachhaltigkeitsaspekt deutlich gemacht. Danach wird im nächsten Gliederungspunkt anhand
von Beispielen zwischen zentral und dezentral (Peer-to-Peer) organisierten Sharing Angeboten
unterschieden und versucht die Beispiele in Bezug auf die Nachhaltigkeit zu analysieren. Im
darauffolgenden Abschnitt werden dann die Motive der Konsumenten zur Partizipation in den
vorher vorgestellten Organisationsformen beleuchtet. Abschließend rundet ein Fazit und ein
Ausblick für weitere Forschungsbereiche die Arbeit ab.

2
2. STAND DER AKTUELLEN FORSCHUNG
2.1. Sharing Economy
Als erster Einstieg in das Thema soll eine Definition der Begriffe ,,Sharing Economy" und
,,Kollaborativer Konsum" dienen. Der englische Begriff ,,Sharing" bedeutet Teilen und meint
damit das Teilen von Ressourcen (z.B. von Gütern) mit Dritten zu deren Nutzung
beziehungsweise die eigene Nutzung von Ressourcen Dritter, es steht also der geteilte Konsum
im Mittelpunkt der Diskussion (Belk 2007). Teilen stellt die grundlegendste Form des
menschlichen Wirtschaftens dar (Price 1975). Seit geraumer Zeit gerät nun eben diese Form
des Wirtschaftens wieder in den Fokus des Marketings und löst damit ­ zumindest teilweise ­
marktförmige Austauschbeziehungen ab (Belk 2010). Während früher hauptsächlich mit
vertrauten Personen im Familien- und Bekanntenkreis geteilt wurde, so wird heutzutage auch
vermehrt zwischen fremden Personen so verfahren (Belk 2014). Grund für diesen Wandel ist
zum einen die Verbreitung des Internets und der damit immer leichter werdende Zugang zu
sogenannten Netzwerk-Plattformen, die die gemeinsame Nutzung von materiellen Ressourcen,
wie Unterkünfte, Fahrzeuge, Werkzeuge, Kleider etc. zu geringen Transaktionskosten erst
möglich machen. Hauptmerkmale der Sharing Economy ist dabei ein nur temporärer Zugang
zu materiellen oder immateriellen Ressourcen ohne diese selbst zu besitzen (Botsman/ Rogers
2011). Ein weiterer Grund ist in dem Wertewandel der Gesellschaft zu sehen, wonach nicht-
materielle Werte, wie zum Beispiel soziale Beziehungen oder eine gesunde Umwelt, im
Gegensatz zu materiellen Werten, wie beispielsweise hohe Gehaltsvorstellungen oder
vermögender Privatbesitz, wieder einen höheren Stellenwert einnehmen (Prinzler 2011).
Im Zusammenhang mit der Sharing Ökonomie wird oft auch vom kollaborativen Konsum oder
kollaborativer Ökonomie gesprochen. Botsman (2013) definiert sie als eine neue Form des
Wirtschaftens, die eher dezentral organisiert ist und ein Netzwerk von Individuen und
Gemeinschaft darstellt. Der kollaborative Konsum ist ein Teilbereich dieser kollaborativen
Ökonomie. Es geht um die effiziente Verwendung von Ressourcen im Sinne des Mietens,
Tauschens, Teilen oder auch dem Handeln mit (gebrauchten) Gütern (Botsman 2013). Belk
(2014) stellt dagegen die Koordination der Ressourcenteilung und die bestehenden
Tauschbeziehungen in den Vordergrund seiner Definition.

3
2.2. Nachhaltigkeit
Der Begriff der Nachhaltigkeit ist heutzutage in aller Munde. Wie eine Studie jedoch gezeigt
hat kennt eine Vielzahl der Bevölkerung dessen Bedeutung nicht. Die Gesellschaft für
Konsumforschung stellte fest, dass nur 43 Prozent der Bevölkerung schon einmal von dem
Begriff der Nachhaltigkeit gehört haben, jeder fünfte hingegen kannte ihn nicht. 18 Prozent der
angeblichen Kenner kennen dessen Bedeutung nicht und die anderen 82 Prozent bringen
Nachhaltigkeit hauptsächlich mit Natur- und Umweltschutz in Verbindung. Nur 4 Prozent der
Befragten bezogen Nachhaltigkeit auf die Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation
(Dürk 2013). Deshalb soll im Folgenden das Konzept der Nachhaltigkeit zum besseren
Verständnis noch einmal kurz dargestellt werden.
Die Enquete-Kommission ,,Schutz des Menschen und der Umwelt" des Deutschen Bundestages
hat im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussion das sogenannte Dreisäulenmodell entwickelt. In
diesem Modell werden unter gleichrangiger Berücksichtigung die drei Problemdimensionen
,,ökonomisch", ,,ökologisch" und ,,sozial" unterschieden und zum Dreisäulenmodell
zusammengefasst (Hauf 1987). Die Nachhaltisichgkeit wird so zu einem gesellschaftlichen
Leitbild (Schaltegger 2002). Ziel der nachhaltigen Entwicklung ist es, den Ressourcenvorrat zu
schonen um der nächsten Generation dieselbe Lebensqualität garantieren zu können (Jörissen
1999). Deshalb kommt auch der ökologischen Dimension in der Nachhaltigkeitsdiskussion die
größte Bedeutung zu. Es gilt die Ökosysteme zu erhalten und die menschliche Gesundheit
sowie sein Überleben zu schützen. Da die gänzliche Vermeidung von Umweltverschmutzung
heutzutage nicht mehr möglich ist, ist es umso wichtiger eine Reduzierung der
Umweltbelastung auf ein mögliches Minimum zu erreichen. Die zweite, die ökonomische
Dimension der Nachhaltigkeit beschreibt die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung mit
Gütern und Dienstleistungen durch verfügbare Ressourcen (Ludwikowski 2010). Der dritte
Aspekt des Sozialen bezieht sich nicht nur auf die Einkommensverteilung, sondern auch auf
die Vorstellung eines menschenwürdigen Lebens wie zum Beispiel durch Chancengleichheit
oder die gerechte Verteilung von Arbeit. Wie bereits erwähnt, wird in der Praxis der
Nachhaltigkeitsdiskussion der ökologische Aspekt als der Wichtigste angesehen. Darunter
fallen u.a. Nachhaltigkeitsgrenzen bezüglich des Schadstoffausstoßes oder des
Ressourcenverbrauchs (Littig/ Grießler 2004). Deshalb wird auch in dieser Arbeit vor allem die
Umweltdimension zur Bewertung der Nachhaltigkeit herangezogen. Besondere
Berücksichtigung finden dabei sog. Rebound- oder Bumerangeffekte, welche das

4
Einsparungspotenzial der Energieeffizienz verringern, wenn nicht sogar ganz aufheben können
(Santarius 2012).
3. DER ZUSAMMENHANG VON SHARING ECONOMY
UND NACHHALTIGKEIT
Wie schon gezeigt, steht der kollaborative Konsum im Sinne der gemeinschaftlichen
Güternutzung bei der Ökonomie des Teilens im Vordergrund. Der Nachhaltigkeitsgedanke
spielt zunächst eher eine sekundäre Rolle. Harald Heinrichs und Heiko Grunenberg
veranschaulichen in ihrer Publikation ,,Sharing Economy ­ auf dem Weg in eine neue
Konsumkultur?" aus dem Jahr 2012 den Zusammenhang von Sharing Economy und
Nachhaltigkeit. Die Autoren zeigen auf, das im Laufe der internationalen sowie europäischen
politischen Entwicklung kapitalismuskritische Perspektiven an Bedeutung gewonnen haben.
Darunter fallen auch Gegenentwürfe zum eigentumsbasierten Wirtschaften. Ein alternatives
Konzept ist nach Heinrichs die Share Economy. Der Professor weist auf eine enge Verknüpfung
der Ökonomie des Teilens mit einer nachhaltigen Entwicklung, mit nachhaltigem Wirtschaften
und nachhaltigem Konsum hin. Der ökologische Fußabdruck, den die Menschen durch ihr
Handeln in der Natur zurücklassen, zeigt die akute Wichtigkeit für nachhaltiges Wirtschaften.
Die Weltbevölkerung verbraucht jetzt bereits 60% mehr Ressourcen, als die Erde bereithält.
Steigt dieser Verbrauch weiter an, würden 2030 zwei komplette Planeten benötig um den
Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Weitere Faktoren wie zum Beispiel die
Wasserknappheit, Artensterben, Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit tragen zu einer
nicht nachhaltigen Entwicklung bei. Danach ist auch der Konsum aktuell auf einem nicht
nachhaltigen Niveau (WWF 2016). Für die Frage welches Potenzial eine Ökonomie des Teilens
mit Bezug zur Nachhaltigkeit hat, spielen die Ergebnisse der Glücksforschung zudem eine
bedeutende Rolle. Demnach ist die Befriedigung immaterieller Bedürfnisse wesentlich für ein
glückliches oder zumindest zufriedenes Leben (Jackson 2011). Ebenso bedeutsam sind
neuropsychologische und verhaltensökonomische Erkenntnisse, die zeigen, dass das
Menschenbild des Eigennutzen maximierenden Homo Oeconomicus hinterfragt wird. Die
Sozialität des Menschen rückt wieder in den Vordergrund und es wird auf seine prinzipielle
Empathie- und Kooperationsfähigkeit verwiesen (Rifkin 2012).

5
Vor dem Hintergrund der immer weiter an Bedeutung gewinnenden Ökonomie des Teilens,
dem aufgezeigten Nachhaltigkeitsaspekt und dem Wertewandel der Gesellschaft, kommt die
Frage auf, ob sich eine nachhaltige Entwicklung mit der Sharing Economy vereinen lässt?
Dazu sollen im nächsten Abschnitt ausgewählte, in der Sharing Economy partizipierende
Unternehmen betrachtet und in Bezug auf Nachhaltigkeit analysiert werden.
4. ANALYSE DER SHARING UNTERNEHMEN
Die Organisation von Sharing Netzwerken kann zentral oder dezentral erfolgen. Bei einer
zentralen Organisation findet Sharing entweder zwischen Unternehmen und Privatpersonen
(B2C), zwischen zwei Unternehmen (B2B) oder zwischen staatlichem Anbieter und
Privatpersonen (G2C) statt. Dezentrales Sharing findet nur zwischen Privatpersonen (C2C) statt
und wird auch als sogenanntes ,,Peer-to-Peer Sharing" bezeichnet (Scholl 2015). Bei dezentral
organisierten Geschäftsmodellen treten die Sharing Plattformen als Vermittler (Intermediäre)
zwischen Anbieter und Nachfrager, bzw. zwischen den Privatpersonen auf. Der
Aufgabenbereich der Intermediäre kann dabei sehr verschieden sein. Beim Peer-to-Peer
Sharing kann das Teilen entweder mit Eigentumsübertragung im Sinne einer
Nutzungsdauerverlängerung (z.B. Verschenken, Tauschen, Weiterverkaufen) oder ohne
Eigentumsübertragung zum Zweck der Nutzenintensivierung (z.B. Vermieten, Verleihen, Co-
Using) erfolgen (Scholl et al. 2015). Der online Marktplatz Kleiderkreisel ist eine Secondhand-
Plattform, welche alle drei Attribute der Nutzungsdauerverlängerung in sich vereint. Hier kann
Kleidung nach Belieben verschenkt, getauscht, gekauft oder weiterverkauft werden. Eines der
bekanntesten Beispiele für die Eigentumsübertragung zum Zweck der Nutzenintensivierung im
Sinne der Vermietung ist Airbnb ­ eine Sharing Plattform für Buchung und Vermietung von
privaten Unterkünften gegen Entgelt.
4.1. Zentral organisiert (car2go)
In der Literatur wird Carsharing vor allem in Bezug auf nachhaltige Mobilität betrachtet. Eines
der bekanntesten Geschäftsmodelle im Bereich der zentral organisierten Sharing Modelle sind
Free-Floating Carsharing Modelle wie DriveNow des Automobilherstellers BMW oder car2Go
von Daimler. Beide Unternehmen sind mit diesem Geschäftsmodell vor allem in Großstädten
vertreten und stellen ihren Nutzern eine Vielzahl von Autos innerhalb des Geschäftsgebiets zur
Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lässt sich der kollaborative Konsum mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinen?
Untertitel
Wie ökologisch nachhaltig ist zentrales bzw. dezentrales Sharing?
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V387717
ISBN (eBook)
9783668621565
ISBN (Buch)
9783668621572
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsum, Entwicklung, Unternehmen, Nachhaltigkeit, Sharing, Konsumenten
Arbeit zitieren
Laura Kreis (Autor), 2017, Lässt sich der kollaborative Konsum mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/387717

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lässt sich der kollaborative Konsum mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinen?


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden