Wer war Mathilde Franziska Anneke und was war ihr Beitrag zur Frauenemanzipation in Deutschland?

Frauenemanzipation im Deutschen Revolutionsvormärz


Hausarbeit, 2016
17 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DIE POLITISIERUNG DER FRAU IM REVOLUTIONSVORMÄRZ

3. ZUR PERSON DER MATHILDE FRANZISKA ANNEKE
3.1 Veröffentlichungen und Werke
3.2. Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen: Quellengattung, Motivation und Hintergrund
3.3.Die Lage der Frauen im Spiegelbild der Quelle
3.4 Ziele Mathilde Franziska Annekes mit ihrer Streitschrift

4. FAZIT

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS

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1. Einleitung

Die Zeit der Revolution 1848/49 war für viele Gesellschaftsschichten und Einzelpersonen eine Gelegenheit, ihr Anliegen an die Öffentlichkeit zu bringen. Es gab ihnen die Möglichkeit, auf ein von ihnen als gesellschaftliches Problem empfundenes Thema oder als ungerecht angesehene Angelegenheit, aufmerksam zu machen.

In diesen Jahren begannen auch Frauen in den Vordergrund zu treten. Es gab Frauen, die sich politisierten, oder welche, die mit in die Revolution zogen, aber auch jene, die sich und andere emanzipieren wollten. Eine der ersten Frauen mit Emanzipationsbemühungen war Mathilde Franziska Anneke. Auch wenn sie hier als eine der ersten Frauen mit Emanzipationsbemühungen bezeichnet wird, ist sie jedoch allgemein kaum oder wenig bekannt und wird im Zusammenhang mit der Frauenemanzipation nicht sofort genannt.

In dieser Arbeit soll besprochen werden, wer Mathilde Franziska Anneke war, was ihr Beitrag zur Frauenemanzipation in Deutschland gewesen ist und welchen Wert sie für die Emanzipationsgeschichte allgemein einnimmt.

Im Folgenden soll hier als Grundlage für das Verständnis gezeigt werden, wie die Rolle der Frau im Revolutionsvormärz aufgezeigt wird und wie es zu den Anfängen ihrer Politisierung kam. Hierbei sollen im ersten Teil die damaligen Probleme und Entwicklungen für ein besseres Verständnis der Zeit und der Frauenrolle veranschaulicht werden. Im zweiten Teil der Arbeit soll die Person der Mathilde Franziska Anneke, in Form einer Biografie und einem Kurzüberblick der von ihr verfassten Schriften und Bücher, vorgestellt werden. Ihre persönliche Entwicklung, Denkweise und Ziele sollen dabei besonders im Vordergrund stehen. Im dritten Teil der Arbeit sollen anhand einer der Schriften von Anneke (Das Weib im Konflikt mit den sozialen Verhältnissen) die gesellschaftlichen und sozialen Probleme und dem Lösungsansatz von Anneke für die Frauenfrage herausgearbeitet werden. Zum Schluss sollen alle Ergebnisse zusammengefasst werden und mit einem Gesamtergebnis, aus den Analyseergebnissen folgend, beendet werden.

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2. Die Politisierung der Frau im Revolutionsvormärz

Vor und während der Revolution 1848/49 traten verschiedene Bevölkerungsgruppen zum Vorschein, die rechtlich benachteiligt oder unterdrückt worden sind. Eine dieser Gruppen bildeten die Frauen. 1 Politisierte Frauen waren nicht willkommen in Deutschland. Frauen wurden allgemein von der Politik ausgeschlossen, besaßen keine Bürgerrechte und mussten ein von Männern abhängiges Leben führen.2 Ein Beispiel für die Unterdrückung der Frauen zu dieser Zeit wäre das Recht zur Vertretung der eigenen politischen Rechte. Es gab eine Rechtsregelung, die eben dies den Frauen untersagte. Diese Rechtsregelung heißt Geschlechtervormundschaft. Demnach mussten Frauen von ihrem Vater oder Ehemann bei Rechtshandlungen vertreten werden. Trotz der Abschaffung dieses Gesetzes im Königreich Sachsen zwischen 1828 und 1838 waren Frauen bis zur Änderung des Ehegesetzes 1953 abhängig von ihrem Ehemann und durften nicht ohne dessen Genehmigung und Zustimmung handeln.3

Ein wichtiger Aspekt, der zur Unterdrückung der Rechte der Frauen zu nennen ist, ist die Bildung. Nach dem 14. Lebensjahr endete mit der Konfirmation für die meisten Mädchen die Schulausbildung. Mädchen aus wohlhabenden Verhältnissen besuchten danach die Volksschule oder bekamen Privatunterricht, während Mädchen aus den unteren Schichten begannen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. 4 Aus dem letzten Beispiel resultiert ein Beispiel über die Arbeitsverhältnisse, welche die schlechte Lage der Frauen verdeutlicht. Die Arbeitsverhältnisse werden von Louise Otto Peters in einem Schreiben an den Wirtschaftsminister; Minister Oberländer, als elend beschrieben. Es würden den Frauen zu wenige Arbeitstätigkeiten angeboten werden und diese würden wiederum schlecht bezahlt werden. Sie sagt, dass diese Umstände verwitweten und ledigen Frauen Schwierigkeiten bereiten würden. Sie seien aufgrund dieser Gegebenheiten gezwungen unglückliche Ehen zu schließen und zu führen. Doch die schlimmste Folge, die diese Verhältnisse mit sich bringen, sei die Prostitution. 5

Die oben genannten Gründe und Beispiele könnten als Auslöser zum Erwachen der Frau gelten, wenn man so will. Sie führten unter anderem zur Politisierung der Frau. Die Politisierung kann man in verschiedene Dimensionen einteilen. Und zwar in die Dimension der Familie6, die Dimension der aktiven Teilnahme an der Politik7 und in die Dimension der individuellen Emanzipation8.

In der Dimension der Familie zeigte die Frau als Ehegattin und Mutter ihr Engagement in der Politik, indem sie ihren Alltag mit der Politik verband.9 Mit der Initiative „Sache des Einkaufskorbes“ wurde von Frauen dafür geworben, nur noch Produkte aus dem Inland zu kaufen und somit ausländische Produkte zu boykottieren. 10 Sie veranstalteten wohltätige Spendenaktionen und Lotterien für die sie Geld- und Sachspenden mit Näharbeiten sammelten und somit bekam auch die weibliche Handarbeit einen politischen Stellenwert. Im Herbst 1848 wurde zum Beispiel Geld für die Pflege der Verwundeten gesammelt.11 In Karlsruhe wurde ein „Frauenverein zur Unterstützung des deutschen Gewerbefleißes“ gegründet, in dem unter anderem Geld für den Bau einer deutschen Flotte gesammelt wurde. Somit bildeten sich die Frauen ihre eigenen politisch definierten Kommunikationskreise.

In der Dimension der aktiven Teilnahme an der Politik partizipierten die Frauen aktiv an Vereins- und Volksversammlungen. „In der Paulskirche waren 200 Sitzplätze für Frauen reserviert; der demokratische Volksverein in Heidelberg stellte eigene Tribünen für weibliche Besucher auf.“12 Ab dem Jahr 1848 wurden auch Frauen zu den Gerichtsverhandlungen zugelassen.13 Bei den Vereins- und Volksversammlungen waren die Frauen zwar zahlreich in Erscheinung, dennoch handelte sich es nur um Einzelfälle an Frauen, die mitredeten. Auch wenn die Partizipation an diesen Veranstaltungen passiv erscheint, bildete sie eine Voraussetzung für die Entwicklung von aktiven politischen Verhaltensformen. Denn nur durch das Interesse an allgemeinpolitischen Fragen und das Verständnis dafür sind die aktive Partizipation und die Schaffung dieser Möglichkeit machbar gewesen.14

„Die individuelle Emanzipation wird zur Voraussetzung des politischen Handelns.“15 Mit der individuellen Emanzipation, die hier als dritte Dimension der Politisierung aufgelistet wurde, sind die Frauen gemeint, die eine Veränderung in der traditionellen Fügsamkeit und der Frauenrolle setzen.16 Diese waren meistens in der Öffentlichkeit durch Schriften und Veröffentlichungen als Autoren von Büchern und Zeitungsartikeln oder auch durch für die damalige Gesellschaft als skandalös geltenden Verhaltensweisen bekannt. Die meisten von ihnen gehörten zur gebildeten Mittelschicht.17

Eine dieser Frauen war Mathilde Franziska Anneke. Was diese Frauen bewirken wollten und wie sie dafür handelten wird im Folgenden durch die Biographie und eine Schrift der Mathilde Franziska Anneke als ein Bespiel von vielen gezeigt.

3. Zur Person der Mathilde Franziska Anneke

Mathilde Franziska Anneke wurde am 03.04.1817 als ältestes von 12 Kindern auf dem Gut Ober-Levringhausen (Sprockhövel) geboren. Sie bekam eine gute schulische Ausbildung durch Privatunterricht und wurde dazu ermutigt, das zu lesen, was auch immer sie interessierte.18 Aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten wurde sie 1836 mit dem Weinhändler Alfred von Tabouillot verheiratet, mit dem sie eine Tochter bekam. 19 Die Ehe war unglücklich und ein Jahr nach der Heirat reichte sie die Scheidung, wegen schlechter Behandlung von ihrem Ehemann ein. Die Scheidung war für die Öffentlichkeit ein skandalöses Ereignis, da es eine Frau war, die die Scheidung einreichte.20 Das Gerichtsverfahren dauerte von 1838-1841 an. Anneke wurde für schuldig erklärt und bekam keinen Unterhalt.

Nach ihrer Scheidung von ihrem ersten Ehemann entwickelte sich ihr politischer Charakter. 21 Dadurch, dass sie aufgrund der Tatsache, dass sie als Frau die Scheidung einreichte, gesellschaftlich verbannt wurde, erkannte Anneke „die Absurde und entwürdigende Lage der Frau“. 22 Diese Erfahrungen politisierten Anneke. Sie wurden zum Grund für ihre Entwicklung eines feministischen Bewusstseins. „Fortan wollte sie publizistisch auf die geistige und sittliche Erhebung des Weibes hinwirken.“ 23

Nach der Scheidung verdiente sie ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter als Journalistin und durch Veröffentlichungen von Dichtungen, Feuilletons und eines Theaterstückes.24 Bei ihren Veröffentlichungen handelte es sich zunächst um religiöse Publizierungen. In den Jahren 1842-1846 ändert sich dies durch ihre Abwendung von der Religion, denn die Religion sah sie als „Grund für die Unterdrückung der Frau“ an.25

[...]


1 Müller, Frank Lorenz: Die Revolution von 1848/49, Darmstadt 2012, S. 84.

2 Mikus, Birgit: The Political Women in Print. German Women’s Writing 1845-1919, Bern 2014, S. 1.

3 Gerhard, Ute: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Hamburg 1990, S. 31f.

4 Schaser, Angelika: Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933, Darmstadt 2006, S. 23.

5 Otto-Peter, Louise: Die Adresse eines Mädchens, in: Renate Möhrmann (Hgg.), Frauenemanzipation im deutschen Revolutionsvormärz. Texte und Dokumente, Stuttgart 1989, S. 200f. Frauenemanzipation im Deutschen Revolutionsvormärz Seite 3 von 18

6 Kienitz, Sabine: Frauen, in: Christof Dipper und Ulrich Speck, 1848. Revolution in Deutschland, Leipzig 1998, S. 278.

7 Kienitz, S. 281.

8 Gerhard, S. 32.

9 Kienitz, S. 277f.

10 Kienitz,, S. 274.

11 Kienitz, S. 282.

12 Müller, S. 85.

13 Kienitz, S. 281.

14 Kienitz, S. 282.

15 Gerhard, S. 32.

16 Gerhard, S. 34.

17 Mikus, S. 1.

18 Mikus, S. 107.

19 Mikus, S. 107.

20 Möhrmann,Renate: Frauenemanzipation im deutschen Vormärz. Texte und Dokumente, Stuttgart 1989, S. 221.

21 Mikus, S. 108.

22 Möhrmann, S. 221.

23 Müller, S. 85.

24 Gerhard, S. 32.

25 Möhrmann, S. 223.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wer war Mathilde Franziska Anneke und was war ihr Beitrag zur Frauenemanzipation in Deutschland?
Untertitel
Frauenemanzipation im Deutschen Revolutionsvormärz
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V388287
ISBN (eBook)
9783668629073
ISBN (Buch)
9783668629080
Dateigröße
973 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauenemanzipation, Anneke, Revolution, Vormärz, Deutschland
Arbeit zitieren
Özlem Arslan (Autor), 2016, Wer war Mathilde Franziska Anneke und was war ihr Beitrag zur Frauenemanzipation in Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388287

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