Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie


Hausarbeit, 2017

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Von der Anstalts- zur Sozialpsychiatrie
2.1 Eine Begriffsdefinition
2.2 Reformen in der Psychiatrie
2.2.1 Neue Psychiatriekonzepte
2.2.2 Medizinische Fortschritte
2.2.3 Ökonomische Gründe
2.3 Umsetzung der Reform (Psychiatrie-Enquete)

3. Die Soziale Arbeit in der Psychiatrie
3.1 Soziale Arbeit- Eine Begriffsdefinition
3.2 Die Rolle der interdisziplinären Zusammenarbeit

4. Methoden und therapeutische Ansätze der Sozialen Arbeit
im Umgang mit seelischen Störungen

4.1 Die drei Säulen der Behandlung
4.1.1 Gruppenarbeit & Psychoedukation
4.1.2 Soziotherapie & Milieutherapie
4.2 Empowerment und Recovery

Literaturverzeichnis

Onlinequellenverzeichnis

Abstract

Die folgende Arbeit setzt sich mit der Rolle der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie auseinander. Zunächst wird der Begriff Psychiatrie geklärt. Anschließend widmet sich die Arbeit der Geschichte der Psychiatrie. Die Wichtigkeit der Interdisziplinarität in der Psychiatrie wird aufgezeigt und die Profession Soziale Arbeit näher beschrieben und definiert. Des Weiteren zeigt die Arbeit Methoden und Ansätze der Sozialen Arbeit im Umgang mit seelischen Störungen auf und schließt letztlich mit einem Fazit ab.

1. Einleitung

Der Kopf raucht, die Gedanken schweifen, das Leben häufig kurz vor einem Scherbenhaufen. Seelische Störungen sind in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Die Gründe hierfür sind oft Vielfältig und es bedarf ein hohes Maß an Professionalität diese zu entdecken. Doch unsere heutige Gesellschaft bietet nicht nur immer mehr an seelischen Störungen leidende Menschen, sondern auch Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten in den deutschen Psychiatrien. Doch dies war nicht immer der Fall, denn vor noch nicht allzu langer Zeit wurden Menschen mit einer seelischen Störung in Verwahranstalten fernab der vertrauten Heimat behandelt. Bis schließlich die Psychiatrie-Enquete den Weg zur heutigen Sozialpsychiatrie freimachte.

Die Soziale Arbeit, eine nicht unwichtige Profession im Zusammenspiel der Multiprofessionalität und der Interdisziplinarität der heutigen Sozialpsychiatrien, weist eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten psychisch erkrankter Menschen auf. Doch welche Hilfestellungen leistet die Soziale Arbeit psychisch erkrankten Menschen? Welche Methoden und Ansätze verfolgt das sozialpädagogische Handeln in der Psychiatrie?

Denn häufig liegt der Ursprung psychischer Erkrankungen weiter zurück als zunächst angenommen. Im Fokus dieser Studienarbeit liegt besonders die Behandlung mit sozialpädagogischen- und therapeutischen Therapien und Methoden der Sozialen Arbeit.

Somit befasst sich die Studienarbeit mit der Sozialen Arbeit und deren Möglichkeiten des Handelns in psychiatrischen Einrichtungen.

2. Von der Anstalts- zur Sozialpsychiatrie

2.1 Eine Begriffsdefinition

Das Wort „ Psychiatrie “ stammt vom griechischen Wort „ psyche“ zu Deutsch Seele, sowie „ iatreia“ zu Deutsch ärztliche Heilkunde ab. Als Psychiatrie wird die Lehre vom Erforschen, Diagnostizieren und Behandeln psychischer Störungen und Erkrankungen bezeichnet .

Das medizinische Fach Psychiatrie beschäftigt sich mit allen Störungen und Auffälligkeiten die die Psyche eines Menschen betreffen, ob seelischen oder körperlichen Ursprungs.

„Neben der psychischen und der somatischen Dimension muss zudem noch die soziale Dimension mit einbezogen werden, da der Mensch in seiner individuellen Gegebenheit im Kontext eines sozialen Umfeldes steht. Somit bestimmen die psychische, die somatische und die soziale Ebene das psychiatrische Verständnis seelischer Erkrankungen“

(Prof. Dr. med. Herpertz, o. J.).

2.2 Reformen in der Psychiatrie

Voraussetzung für Reformen in Psychiatrien war ihre Situation der Nachkriegszeit bis in die 60er- und 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Psychiatrische Behandlungen fanden meist in Großkrankenhäusern, getrennt von physischen Patienten, am Rande von Großstädten statt. Fern ab der Heimat der Patienten, gekoppelt mit der damaligen Isolierung in den Anstalten sowie fehlender psycho- und soziotherapeutischer Angebote in den Krankenhäusern, führte zum Hospitalismus der Patienten. Die Konsequenzen ließen nicht auf sich warten, denn Patienten erlitten in den Krankenhäusern mehr Schaden als Nutzen und verkümmerten an diesen „menschenunwürdigen“ Orten. Im modernen Sozialstaat entwickelten sich die maroden Anstalten immer mehr zu einem Problem. Die entsetzlichen Zustände endeten in gesundheitspolitischen Überlegungen die schließlich in den 1970er-Jahren zu Reformbewegungen in den Psychiatrien führten.

Folgende Voraussetzungen lagen für eine Reform der Psychiatrie vor:

2.2.1 Neue Psychiatriekonzepte

Die Anti-Psychiatrie beschreibt verschiedene Protestströmungen die unter anderem massive Kritik an der existierenden Lehrmeinung der Psychiatrie sowie deren Praxis übten (vgl. Fritz-Janssen, o. J.). Die uneinheitliche Anti-Psychiatrie Bewegung drängte nach einer Erweiterung der bislang praktizierten Psychiatrie. Durch die Anti-Psychiatrie Bewegung wurden essenzielle Betrachtungsweisen für die heutige Psychiatrie in den Vordergrund gestellt, wie z. B soziale Ursachen psychischer Störungen,

„die als Reaktion auf die von den Nationalsozialisten wieder entdeckte Degenerationslehre und Eugenik zu verstehen ist“ (Paulitsch & Karwautz, 2008, S. 22).

Die Stellung einer Diagnose, wie zum Beispiel einer Schizophrenie, war in den Augen vieler Anti-Psychiatrie Vertreter eine reine Stigmatisierung der Patienten und ein Prozess der Ausgrenzung von „nicht der Norm entsprechend“ gebrandmarkt. Die Anti-Psychiatrie Bewegung bewirkte viele personelle und strukturelle Aufwertungen und brachte einen grundsätzlichen Disput über den Umgang mit psychiatrischen Patienten in Gang.

2.2.2 Medizinische Fortschritte

Vertreter der Anti-Psychiatrie Bewegung missachteten Psychopharmaka, insbesondere die sogenannten „Antipsychotika“, dennoch war es gerade diese Medikamentengruppe, die maßgeblich an der Reformation der Psychiatrie beigetragen hat. Mit der Einführung der Neuroleptika in den 1950er-Jahren wurde es möglich, akute schizophrene Episoden zu behandeln und Patienten auch außerhalb einer stationären Behandlung in der Anstalt langfristig zu behandeln (vgl. ebd., S. 22).

2.2.3 Ökonomische Gründe

Die ehemals veralteten Anstalten mit ihren hospitalisierten Patienten bedeuteten für den Staat auch in finanzieller Hinsicht ein großes Problem. Ein radikaler Bettenabbau, kürzere Aufenthaltszeiten der Patienten sowie die Integration und Wiedereingliederung in das Berufsleben sollten sich positiv auf den Etat des Gesundheitswesens auswirken (vgl. ebd., S. 22). Folglich beschlossen die damaligen Politiker der Zustimmung einer Reform.

2.3 Umsetzung der Reform (Psychiatrie-Enquete)

1975 erarbeitete eine Kommission aus Experten des deutschen Bundestages Vorschläge „zu einer Umstrukturierung der psychiatrischen Versorgungssituation („Psychiatrie-Enquete“)“ (Paulitsch & Karwautz, 2008, S. 24 ).

Die Expertenkommission der Psychiatrie-Enquete empfahl:

- die Förderung von Beratungsdiensten und Selbsthilfegruppen, diese sollen im Wesentlichen dem Austausch von Betroffenen und Angehörigen sowie der gegenseitigen emotionalen Unterstützung dienen.
- eine Gemeindenahe Versorgung
- die Umstrukturierung der psychiatrischen Krankenhäuser
- eine getrennte Versorgung psychisch kranker und geistig behinderter Menschen
- die Gleichstellung somatisch Erkrankter und psychisch Erkrankter Menschen eine Förderung der Ausbildungen, Weiterbildungen sowie Fortbildungen ( vgl. Pflegewiki, 2016).

Durch die Schaffung teilstationärer und Ambulante Einrichtungen konnte die Zahl der belegten Betten in den psychiatrischen Anstalten drastisch reduziert werden.

3. Die Soziale Arbeit in der Psychiatrie

3.1 Soziale Arbeit- Eine Begriffsdefinition

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. definiert die Soziale Arbeit wie folgt:

„Soziale Arbeit fördert als praxisorientierte Profession und wissenschaftliche Disziplin gesellschaftliche Veränderungen, soziale Entwicklungen und den sozialen Zusammenhalt sowie die Stärkung der Autonomie und Selbstbestimmung von Menschen. Die Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, die Menschenrechte, die gemeinsame Verantwortung und die Achtung der Vielfalt bilden die Grundlage der Sozialen Arbeit. Dabei stützt sie sich auf Theorien der Sozialen Arbeit, der Human- und Sozialwissenschaften und auf indigenes Wissen. Soziale Arbeit befähigt und ermutigt Menschen so, dass sie die Herausforderungen des Lebens bewältigen und das Wohlergehen verbessern, dabei bindet sie Strukturen ein“ (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V., 2016).

Diese Definition fasst alle wichtigen Merkmale der Sozialen Arbeit als Profession und Wissenschaft zusammen und beschreibt die Aufgaben dieser Profession.

Eine weitere Definition unterstreicht die Aspekte der professionellen Identität und der nationalen Besonderheiten. Die Soziale Arbeit ist eine weltweit zu findende Profession die sich jedoch im gesellschaftlichen Kontext stark unterschiedlich äußert und agiert. Verständigungen durch Wissenschaftler und Praxisvertretern führen zu gemeinsamen Linien. Eine Verständigung auf internationalem Niveau lässt Unterschiede im kulturellen und gesellschaftlichem Kontext verblassen und einen globalen gemeinsamen „Roten-Faden“ der Profession entstehen (vgl. Deller & Brake, 2014, S. 13).

3.2 Die Rolle der interdisziplinären Zusammenarbeit

Die Soziale Arbeit und die Psychiatrie sind zwei Professionen unterschiedlicher Fachdisziplinen, sie unterscheiden sich in den Bereichen der Zielsetzung, der Aufgabenstellung, der Methodik sowie in ihrer Institution im Kontext des gesellschaftlichen Wandels. Der Umgang mit ihren Patienten und Klienten sowie deren Probleme, Belastungen und Nöte werden in Verbindung der Fachdisziplinen Soziale Arbeit und Psychiatrie unterschiedlich betrachtet und behandelt. Dabei untersucht und betrachtet die Psychiatrie im Allgemeinen Konstrukte wie die psychische Gesundheit und die psychische Krankheit, wobei die Soziale Arbeit psychosoziale Problemlagen, Alltag und Lebenswelt der Patienten und Klienten betrachtet .

Die Soziale Arbeit leistet ebenso wie andere Professionen einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft, so auch in der Psychiatrie. Psychisch erkrankte Menschen leiden nicht selten unter psychosozialen Problemen, diese Probleme versucht die Soziale Arbeit in der Psychiatrie präventiv entgegenzuwirken und bei bereits bestehenden psychosozialen Problemen methodisch gegen diese vorzugehen. Dabei betrachtet die Soziale Arbeit den Menschen immer als eigenständiges Individuum und untersucht methodisch die soziale Funktionsfähigkeit des Patienten, den Patienten in seiner jeweils gesellschaftlichen Rolle und den damit verbundenen Pflichten und Aufgaben. Ziel der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie ist es also eine Verbesserung der Austauschprozesse zwischen den erkrankten Individuen und der Gesellschaft herzustellen. Der Sozialarbeiter übernimmt hier also die Rolle eines Vermittlers zwischen den individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Wünschen des Klienten und den gesellschaftlichen Anforderungen und Bedingungen mit ein an den Klienten.

4. Methoden und therapeutische Ansätze der Sozialen Arbeit im Umgang mit seelischen Störungen

4.1 Die drei Säulen der Behandlung

Die Behandlung seelischer Störungen lässt sich in drei „Säulen“ einteilen. Als Basis dieser Behandlung werden Empathie, Fürsorge, Aktivierung und die Strukturierung gegenüber dem Klienten immer vorausgesetzt.

Die erste der drei Säulen ist die Psychotherapie. Unter der Psychotherapie versteht man im Allgemeinen den bewussten und geplanten interaktiven Prozess zur Beeinflussung von Verhaltensstörungen und/oder Leidenszuständen seelisch erkrankter Menschen
(vgl. Paulitsch & Karwautz, 2008, S. 51 ).

Dabei bietet die Psychotherapie mehrere Formen der Psychotherapie, wie zum Beispiel die Verhaltenstherapie, die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder die Gruppenarbeit und die Psychoedukation. Letztere werden durchaus auch von Sozialarbeitern durchgeführt. Als Ziel der Behandlung gilt die Symptombeseitigung und die Veränderung der Persönlichkeitsstrukturen des Klienten. Psychologische Mittel und Formen der Kommunikation helfen dem Therapeuten hierbei. Die persönliche Entwicklung und die Gesundheit stehen bei der Psychotherapie im Fokus des Therapeuten (vgl. ebd., S. 51).

Die zweite der drei Säulen der Behandlung ist die Biologische Therapie. An der biologischen Therapie haben Sozialarbeiter keinen Einfluss, hierfür sind Ärzte, Psychiater und Psychologen sowie das Pflegepersonal zuständig. Zu der biologischen Therapie gehört zum Beispiel die Elektrokrampftherapie.

„Die im Jahre 1938 eingeführte Elektrokrampftherapie basiert auf elektrischer Stimulation des Gehirns mit Auslösen eines generalisierten epileptischen Anfalls“
(Paulitsch & Karwautz, 2008, S. 47 ).

Die Behandlung wird bei nur wenigen und schweren seelischen Störungen angewendet wie zum Beispiel bei einer schwereren Depression mit einer psychotischen Symptomatik, bei akuter Suizidalität, bei therapieresistenten Depressionen sowie bei der perniziösen Katatonie, einer besonderen Form der Schizophrenie.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V388417
ISBN (eBook)
9783668628915
ISBN (Buch)
9783668628922
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Psychatrie, Disziplin, Störung, seelische Störung, psychisch krank, Pädagogik Methoden Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Jean Popovits (Autor), 2017, Die Rolle der Sozialen Arbeit in der Psychiatrie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388417

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