Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Zeiten des demografischen Wandels


Facharbeit (Schule), 2018

26 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

2
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ... 3
2
Dimensionen des demographischen Wandels ... 4
3
Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge in Zeiten des demographischen Wandels ... 6
4
Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge ... 8
4.1
Staatlich geförderte private Altersvorsorge ... 9
4.1.1
Die Riester-Rente ... 9
4.1.2
Die Rürup-Rente ... 11
4.2
Staatlich nicht geförderte private Altersvorsorge ... 13
4.2.1
Private Rentenversicherung ... 13
4.2.2
Private Anleihen/ Aktien ... 15
4.2.3
Immobilienbesitz ... 17
5
Problemszenarien ... 18
5.1
Aktiencrash ... 19
5.2
Immobilienkrise ... 19
5.3
Niedrigzinspolitik ... 20
6
Fazit: Private Altersvorsorge als Antwort auf den demographischen Wandel ... 20
7
Literaturverzeichnis ... 23

3
1 Einleitung
"Der demographische Wandel bedeutet neben den Fragen der Globalisierung wahrscheinlich
die größte Veränderung unseres gesellschaftlichen Lebens, aber auch des persönlichen Lebens
jedes Einzelnen in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts."
1
Mit diesen Worten wies
Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede zum Demographie Gipfel 2012 auf die
Herausforderungen hin, die der Bundesrepublik Deutschland durch die fortschreitenden
Veränderungen der Altersstruktur ihrer Bevölkerung entstehen. Die Debatte nicht neu: Schon
seit den 1980er Jahren wird der demographische Wandel thematisiert und der Deutsche
Bundestag war 1992 das erste Parlament Europas, dass zum Thema eine Enquete-
Kommission einrichtete.
2
Wie der politische, gesellschaftliche und mediale Diskurs seit
einigen Jahren erkennen lässt, ist das Problembewusstsein seither weiter gestiegen. Es wird
inzwischen kaum mehr bestritten, dass der demographische Prozess ,,einer der ,Megatrends`
des 21. Jahrhunderts [ist], der die politische, soziale und ökonomische Situation unseres
Landes entscheidend verändern wird."
3
Dies gilt in besonderem Maße für das System der Alterssicherung, das durch den
demographischen Wandel vor wachsenden Problemen steht, da sich das Verhältnis zwischen
Beitragszahlern und Leistungsempfängern immer weiter verschiebt.
4
Durch niedrige
Geburtenrate, steigende Lebenserwartung und Migrationsbewegungen ergeben sich vor allem
Veränderungen bezüglich:
- der aktuell bestehenden Altersstruktur der Bevölkerung,
- der Zuzüge und Fortzüge, die prognostiziert werden müssen, sowie
- der Anteile von Inländern, Ausländern und eingebürgerten Personen.
5
Vor diesem Hintergrund setzt der Gesetzgeber verstärkt auf betriebliche und private
Altersversorgung, da die gesetzliche Rentenversicherung zur die Alterssicherung allein nicht
1
Merkel, Angela: Rede anlässlich des Demographiegipfels am 4. Oktober 2012 in Berlin, Internet:
https://www.bundesregierung.de/ContentArchiv/DE/Archiv17/Reden/2012/10/2012-10-04-bkin-
demografiegipfel.html
(Abgerufen: 05.11.2017).
2
Vgl. Reinhard, Hans-Joachim: Demographischer Wandel und Alterssicherung in Deutschland, in: Ders.
(Hrsg.): Demographischer Wandel und Alterssicherung. Rentenpolitik in neun europäischen Ländern und den
USA im Vergleich, Baden-Baden, Nomos, 2001, S. 28-29.
3
Börsch-Supan: Ökonomische Auswirkungen des demografischen Wandels, in: Aus Politik und Zeitgeschichte
10/11 (2011), S. 19.
4
Vgl. Fasshauer, Stephan: Die Folgen des demographischen Wandels für die gesetzliche Rentenversicherung, in:
Kerschbaumer, Judith/ Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Sozialstaat und demographischer Wandel.
Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung, Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften,
2005, S. 67-68.
5
Vgl. Klie, Thomas: Rechtskunde. Das Recht der Pflege alter Menschen, 8. Aufl., Hannover, Vincentz, 2007,
S.12.

4
mehr ausreicht. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen verschiedene Möglichkeiten privater
Absicherung, deren Chancen und Risiken beleuchtet werden sollen. Dazu werden zunächst
die Trends skizziert, die den demographischen Wandel ausmachen (Kap.2), bevor daraus die
Notwendigkeit der privaten Altersversorgung hergeleitet wird (Kap. 3). Anschließend werden
vier Modelle der privaten Altersvorsorge vorgestellt (Kap. 4) und Risikoszenarien aufgezeigt
(Kap. 5). Abschließend fasst ein Fazit die Ergebnisse zusammen und wägt Vor- und Nachteile
der Modelle privater Altersvorsorge ab (Kap. 6).
2 Dimensionen des demographischen Wandels
Der demographische Wandel in Deutschland besteht aus mehreren Trends.
Hauptverantwortlich für die Alterung der Gesellschaft ist die niedrige Geburtenrate.
6
Seit den
1970er Jahren beträgt die Anzahl der Geburten mit leichten Schwankungen etwa 1,3 Kinder
pro Frau.
7
Damit wird jede Kindergeneration im Vergleich zur Elterngeneration seit 40 Jahren
um etwa ein Drittel kleiner, denn für eine Bestandserhaltung wäre eine Geburtenrate von ca.
2,1 Kindern pro Frau erforderlich.
8
Die sich dadurch ergebende Alterung der Gesellschaft
durch mangelnden Nachwuchs wird durch eine gleichzeitig stattfindende kontinuierliche
Steigerung der Lebenserwartung verstärkt,
9
die ähnlich verläuft wie in vielen anderen
(westlichen) wohlhabenden Ländern. Für Männer liegt die Lebenserwartung inzwischen bei
77, für Frauen bei 82 Jahren. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahlen bis 2030 bis auf 80
(Männer) bzw. 85 Jahre (Frauen) weiter ansteigen werden.
10
Beide Trends verbinden sich zu einer dritten Tendenz: Der Anteil der jungen Menschen an
der Gesamtbevölkerung hat sich deutlich verringert, während sich der Anteil älterer
Menschen erhöht. Wie sich Abb. 1 entnehmen lässt, entfielen in der deutschen
Bevölkerungsstruktur im Jahr 1970 56,3% auf Menschen zwischen 20 und 64, und 13,8% auf
Menschen ab 65. Damit kamen auf jeden Menschen im Rentenalter vier Menschen im
erwerbsfähigen Alter. Gleichzeitig ließ der aufgrund des Babybooms hohe Anteil von
Kindern und Jugendlichen von knapp 30% darauf schließen, dass die Arbeitsbevölkerung
auch künftig stabil bleiben würde. Seither nimmt die Zahl der Bevölkerungsgruppen bis 20
6
Vgl. Grohmann, Heinz: Alterssicherung im Wechsel der Generationen, in: Birg, Herwig (Hrsg.):
Auswirkungen der demographischen Alterung und der Bevölkerungsschrumpfung auf Wirtschaft, Staat und
Gesellschaft, Münster, Lit Verlag, 2005, S. 5-6.
7
Vgl. Klie: Rechtskunde,S. 18.
8
Vgl. Börsch-Supan: Ökonomische Auswirkungen, S. 21.
9
Vgl. Statistisches Bundesamt: Bevölkerung Deutschlands bis 2050, Wiesbaden, Statistisches Bundesamt, 2003,
S. 23-34.
10
Vgl.Fasshauer: Folgen des demographischen Wandels, S.71.

5
und bis 64 stetig ab, während die der älteren ab 65 und die der Hochbetagten über 80
kontinuierlich ansteigt. Als Folge entwickelt sich der Altersquotient, der den Anteil der über
64-Jährigen pro 100 Personen zwischen 20 und 64 misst, stetig nach oben und betrug schon
2001 28. Bis 2020 wird von einer Steigerung auf 36 und bis 2050 auf 55 ausgegangen.
11
Wie
Abb. 1 zeigt, wird 2050 jeder Dritte Deutsche im Rentenalter sein; jedem Rentner werden
dann weniger als zwei Erwerbstätige gegenüber stehen.
Abb. 1: Der Bevölkerungsaufbau in Deutschland 1970 und 2050 (Prognose), Quelle: Private Altersvorsorge ­ zu
spät?, Internet:
http://www.geldidee.de/magazin/vorsorge/private-altersvorsorge-zu-spaet
(Abgerufen
07.10.2017).
Parallel zum Alterungs- wird ein Schrumpfungsprozess prognostiziert, da die geburtenstarken
Jahrgänge des letzten Jahrhunderts in den kommenden Dekaden ein Alter mit hoher
Sterblichkeit erreichen werden. Es wird deshalb davon ausgegangen, dass die deutsche
Gesamtbevölkerung von derzeit etwa 82 Mio. Menschen bis 2060 auf 64 bis 74 Mio.
Einwohner zurückgehen wird.
12
Allerdings existiert mit den Migrationsprozessen auch ein
gegenläufiger Trend, der Schrumpfung und Alterung in Teilen kompensieren kann. Wie ein
Blick in die Vergangenheit zeigt, wäre der demographische Wandel ohne die Zuwanderung
etwa der Vertriebenen, der Gastarbeiter oder der Balkanflüchtlinge wesentlich dynamischer
verlaufen.
13
Auch die durch die gegenwärtige Flüchtlingskrise bedingte Zuwanderung sorgt
11
Vgl. Micheel, Frank: Die demographische Entwicklung in Deutschland und ihre Implikationen für Wirtschaft
und Soziales, in: Kerschbaumer, Judith/ Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Sozialstaat und demographischer Wandel.
Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung, Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften,
2005, S. 54.
12
Vgl. Swyter, Florian: Die Zukunft der Alterssicherung, Berlin, Friedrich-Naumann-Stiftung, 2013, S. 2.
13
Vgl. Micheel:Die demographische Entwicklung, S. 50-51.

6
für eine Abschwächung sowohl des Schrumpfungs- als auch des Alterungsprozesses der
deutschen Gesellschaft.
14
3 Notwendigkeit
der
privaten
Altersvorsorge
in
Zeiten
des
demographischen Wandels
Jedes Alterssicherungssystem hat vor allem das Ziel, Erwerbseinkommen, das aufgrund von
Alter oder Invalidität wegfällt, zu ersetzen und dem Empfänger ein auskömmliches Leben zu
ermöglichen.
15
Dies gilt insbesondere für die gesetzliche Rentenversicherung, die für
Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschrieben ist. Sie ist Teil des sozialen Sicherungssystems und
basiert auf dem Umlageverfahren. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen ins System ein,
woraus dem Versicherten Anwartschaften entstehen. Der Rentenbetrag richtet sich nach Höhe
und Dauer der Beitragszahlungen. Als Bezugswert gilt ein Rentner, der nach 45 Berufsjahren
in den Ruhestand geht und stets das deutsche Durchschnittseinkommen bezogen hat
(Eckrentner). Seine Rentenanwartschaft betrug 2015 etwa 1.200 monatlich.
16
Da viele
Erwerbsbiographien jedoch nicht jenen des Eckrentners entsprechen, liegt die tatsächliche
Durchschnittsrente erheblich darunter; sie betrug 2015 im Schnitt lediglich 842 .
17
Allein aus
diesen Zahlen wird ersichtlich, dass für viele Menschen die gesetzliche Versicherung allein
nicht ausreicht, Sicherheit im Alter zu schaffen.
Doch die ohnehin schon unzureichenden Renten aus der gesetzlichen Versorgung stehen
angesichts der Herausforderungen durch den demographischen Wandel unter zusätzlichem
Druck, und zwar von beiden Seiten: Ausgabenseitig entstehen durch die alternde Gesellschaft
immer mehr Anwartschaften, mit denen die Beitragszahlungen auf der Einnahmeseite nicht
Schritt halten.
18
Die Finanzgleichung der Rentenversicherung wird von einer Reihe von
Einflussgrößen bestimmt, von deren Anpassung die Politik bereits mehrfach Gebrauch
gemacht hat, um die Rente zu stabilisieren:
- Absenkungen des Rentenniveaus, wie sie der Gesetzgeber wiederholt beschlossen hat,
verringern die Ausgaben. 1990 betrug die Rente 55,0% des durchschnittlichen
14
Vgl. Deschermeier, Philipp: Einfluss der Zuwanderung auf die demographische Entwicklung in Deutschland,
in: IW-Trends. Vierteljahresschrift zur empirischen Wirtschaftsforschung 43/2 (2016), S. 21-38.
15
Vgl. Swyter: Die Zukunft der Alterssicherung, S. 1.
16
Vgl. Einfach Rente: Wie hoch ist die Durchschnittsrente in Deutschland?, Internet:
https://einfach-
rente.de/durchschnittsrente-deutschland
(Abgerufen: 05.11.2017).
17
Vgl. Deutsche Rentenversicherung: Rentenversicherung in Zeitreihen, DRV-Schriften Bd. 22, Oktober 2016,
S.123.
18
Vgl. Fasshauer: Demographische Entwicklung und Rentenversicherung, S. 77-78.

7
Jahreseinkommens, 2015 nur noch 47,7%. Bis 2030 wird dieser Wert auf 44,5% weiter
absinken.
19
- Anhebungen des Renteneintrittsalters reduzieren die Zahl der Empfänger. Ausgehend vom
einheitlichen Eintrittsalter von 65 begann 1992 ,,eine Geschichte der Anhebung der
Altersgrenzen".
20
Inzwischen ist die Rente mit 67 beschlossen; führende Politiker
schließen eine Anhebung auf 70 nicht mehr aus.
21
- Erhöhungen des Beitragssatzes schaffen Einnahmen. Der Beitrag stieg von 14% (1957)
kontinuierlich auf 20,3% (1997). Bis 2015 sank er aufgrund politischer Reformen im
Rahmen des RV-Nachhaltigkeitsgesetzes leicht auf 18,7%.
22
Dennoch wird ­ in der
günstigsten Prognose ­ ein Anstieg auf mindestens 22,0% bis 2030 angenommen.
23
- Steuerzuschüsse in die Rentenkasse kompensieren fehlende Einnahmen. Sie wachsen stetig
und betragen 2017 etwa 91 Mrd. , was 66% des Sozialetats und 28% des gesamten
Haushaltes ausmacht. Für 2020 wird erstmals mit über 100 Mrd. gerechnet.
24
Ob die skizzierten Maßnahmen vor dem Hintergrund des fortschreitenden demographischen
Wandels zur dauerhaften Stabilisierung der gesetzlichen Rente führen können, ist umstritten.
Fest steht allerdings, dass die Rentenansprüche immer weiter sinken werden, obwohl immer
höhere Einzahlungen vorgenommen werden müssen ­ egal ob durch Beiträge oder Steuern.
Die gesetzliche Rentenversicherung wird daher für eine immer größere Anzahl an Personen
nicht ausreichen, den Einkommensausfall im Alter auszugleichen.
25
Die Hauptforderung, wie auch in Zukunft eine stabile Altersversorgung erhalten werden kann,
zielt auf die teilweise Rückkehr zur Kapitalfinanzierung, die 1957 zugunsten der reinen
Umlagefinanzierung aufgegeben worden war.
26
Kapitaldeckung hat den Vorteil, dass dadurch
19
Vgl. Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen: Entwicklung des Nett-Rentenniveaus
vor Steuern 1990-2010, Internet:
www.sozialpolitik-aktuell.de/tl_files/sozialpolitik-aktuell/Politikfelder/Alter-
Rente/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVIII37.pdf
(Abgerufen: 05.11.2017).
20
Bäcker, Gerhart/ Kistler, Ernst: Dossier Rentenpolitik. Die Entwicklung der Regelaltersgrenze und der
vorgezogenen Altersgrenzen, Bundeszentrale für Politische Bildung vom 16.11.2016, Internet:
www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/223218/die-entwicklung-der-altersgrenze
(Abgerufen:05.11.2017).
21
Vgl. Creuzburg, Dietrich: Rente mit 70? Schäuble widersetzt sich Merkels Renten-Postulat, in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung Online, Internet:
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schaeuble-warnt-bei-Rente-mit-70-vor-
tabus-15189491.html
(Abgerufen: 05.11.2017).
22
Vgl. Bundesversicherungsamt: Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung, Internet:
www.bundesversicherungsamt.de/fileadmin/redaktion/Rentenversicherung/Beitraege/Beitragssaetze_ab_1957.pd
f
(Abgerufen: 05.11.2017).
23
Vgl. Fasshauer: Demographische Entwicklung und Rentenversicherung, S. 79, Abb. 4.
24
Vgl. Creutzburg, Dietrich: Bald 100 Milliarden Euro Steuerzuschuss für die Rente, in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung Online, Internet:
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/steuerzahler-traegt-ein-drittel-der-
gesetzlichen-rente-15060061.html
(Abgerufen: 05.11.2017).
25
Swyter: Die Zukunft der Alterssicherung, S. 2.
26
Vgl. Reinhard: Demographischer Wandel und Alterssicherung in Deutschland, S. 28-29.

8
ein Kapitalstock akkumuliert werden kann, und damit ,,die finanziellen Mittel zur Erfüllung
der Rentenanwartschaften [...] tatsächlich vorhanden sind",
27
während die Umlage-
finanzierung die Lasten gegenwärtiger Rentenzahlungen stets der nachfolgenden Generation
auferlegt und damit für demographische Verschiebungen wesentlich anfälliger ist.
28
Der Gesetzgeber folgte diesem Argument, indem er 2001 einen Paradigmenwechsel einleitete.
Das klassische Drei-Säulen-Modell der Alterssicherung hatte das Hauptaugenmerk auf die
staatliche Rentenversicherung gelegt und Betriebsrenten und privater Vorsorge lediglich
ergänzende Funktionen zugedacht. In einem Gesetzespaket aus Altersvermögensgesetz und
Altersvermögensergänzungsgesetz senkte die rot-grüne Bundesregierung das Rentenniveau
der staatlichen Versicherung, stärkte die kapitalgedeckte Rente und setzte Anreize zur
privaten Altersvorsorge. Seit 2005 wurden die Abzugsmöglichkeiten für Aufwendungen zur
Alterssicherung verbessert, ab 2025 sollen sie gänzlich steuerfrei sein.
29
Gleichzeitig bleibt
die staatliche Rentenversicherung wichtigste Säule des Systems.
30
Die Politik wagte damit
den schwierigen Spagat zwischen den Interessenlagen der verschiedenen Generationen: Den
Älteren, die bereits umfangreiche Anwartschaften erworben haben und denen an einer
Fortführung des bestehenden Systems gelegen ist, und den Jüngeren, denen hohe Belastungen
drohen und für die eher eine individualisierte und private Rentenversicherung lohnt.
31
Über
die Möglichkeiten privater Vorsorge wird im Folgenden ein Überblick gegeben.
4 Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge
Da ­ wie gesehen ­ die gesetzliche Rentenversicherung zur Altersvorsorge allein nicht mehr
ausreicht, kommt den beiden anderen Säulen eine steigende Bedeutung zu. Dies gilt zunächst
für die Betriebsrenten, auf die 2013 immerhin 20,1 Mio. Beschäftigte Anwartschaften
erworben hatten,
32
die aber mit Blick auf die Fragestellung hier nicht weiter thematisiert
werden sollen. Für eine Entscheidung im Bereich der dritten Säule, der privaten
Rentenversicherung sind individuelle Vorüberlegungen und Kalkulationen erforderlich, die
die bisherigen und zu erwartenden Lebenshaltungskosten, sowie die finanzielle
27
Swyter: Die Zukunft der Alterssicherung, S. 3.
28
Vgl. Bösch-Supan: Ökonomische Auswirkungen des demographischen Wandels, S.24; Grohmann:
Alterssicherung im Wechsel der Generationen, S. 21.
29
Vgl. Wirtschaft und Schule: Wirtschaftslexikon, Stichwort: Private Altersvorsorge, Internet:
www.wirtschaftundschule.de/lehrerservice/wirtschaftslexikon/p/private-altersvorsorge
(Abgerufen:05.11.2017).
30
Vgl. Swyter:Die Zukunft der Alterssicherung, S. 5.
31
Vgl. Grohmann: Alterssicherung im Wechsel der Generationen, S.21-22.
32
Vgl. Bäcker, Gerhard/ Kistler, Ernst: Dossier Rentenpolitik. Empirische Befunde. Die betriebliche
Altersversorgung
in
der
Privatwirtschaft,
Bundeszentrale
für
Politische
Bildung,
Internet:
www.bpb.de/politik/innenpolitik/rentenpolitik/223145/empirische-befunde
(Abgerufen: 05.11.2017).
Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Zeiten des demografischen Wandels
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
26
Katalognummer
V388636
ISBN (eBook)
9783668626126
ISBN (Buch)
9783668626133
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
möglichkeiten, altersvorsorge, zeiten, wandels
Arbeit zitieren
Roland Vad (Autor), 2018, Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge in Zeiten des demografischen Wandels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388636

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