Ein Vergleich zwischen dem algerischen und dem palästinensischen Heimatverständnis im Hinblick auf die Widerstandsdichtung von Mufdi Zakariah und Mahmud Darwisch


Bachelorarbeit, 2017
27 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

2
Inhalt
1. Einleitung ... 3
2. Politische Aspekte I: Das französische Algerien ... 5
2.1 Politische Aspekte II: Die nationale algerische Einheit und das Ziel der Dekolonisation der Front de
Libération Nationale (FLN) ... 7
3. Lyrische Aspekte: Vergleich der Widerstandsdichtung Mamd Darws und Mufdi Zakari yas zur
Wahrung der algerischen/palästinensischen Identität ... 9
3.1 Die wichtigsten biographischen Aspekte Mamd Darws und die palästinensische
Widerstandsdichtung ... 10
3.1.1 Mamd Darws und die Form der Märtyrerdichtung am Beispiel eines Gedichtsauschnitts aus
der Tod- und Trauerpoesie ... 11
3.1.2 Mamd Darws Gedichtsbeispiel ,Bitaqat huwi ya` zur Wahrung der
arabischen/palästinensischen Identität ... 13
3.2 Die biographischen Aspekte Mufdi Zakari yas und die algerische Widerstandsdichtung ... 16
3.2.1 Mufdi Zakari yas Gedichtsbeispiel ,ad- abi hu as-said` im Vergleich zu Mamd Darws
Dichtungsform ... 19
3.2.2 Mufdi Zakari yas ,Qasamn` im Vergleich zu Mamd Darws ,Bitaqat huwi ya` ... 22
4. Fazit ... 2
4
5. Literaturverzeichnis ... 26

3
1. Einleitung
Der Untersuchungsgegenstand meiner Analyse ist das Heimatverständnis Algeriens und
Palästinas im Hinblick auf die Widerstandsdichtung von
Mufd
i
Zakar
i
y
a und Mamd Darws.
Heimat ist vor allem in Algerien und Palästina aufgrund von historisch-politischen
Hintergründen ein recht komplexes Sujet, welches ich im Folgenden einführend skizziere:
Im Maghreb waren die Kolonien Marokko und Tunesien Protektorate. Das heißt sie waren der
Kolonialherrschaft zwar unterworfen, doch war ihre Eigenstaatlichkeit juristisch anerkannt.
1
Hingegen wurde Algerien von Frankreich annektiert und gehörte bis 1962 offiziell dem
französischen Mutterland an. Frankreich, welches im französischen Algerien zwar ein
entsprechendes Rechtssystem implementier, machte aus der algerischen Bevölkerung
französische Untertanen. Mit dem ,statut muslman` waren sie Franzosen untergeordnet,
dessen Konsequenz kollektive Diskriminierung für das algerische Volk war.
2
Parallel zu dieser
strukturellen Abwertung verfolgte Frankreich Algerier aus ihrer arabisch-islamischen Identität
herauszureißen und sie ,zivilisieren` und ,assimilieren`. Die kolonisierten Algerier strebten
jedoch nach einem unabhängigen, arabisch-islamischen Staat. Diesen wollten sie sich mit
einem bewaffneten Widerstand erkämpfen.
In Palästina wurden die Bevölkerung zu Fremden im eigenen Land, als in 1948/49 der Staat
Israel ausgerufen wurde. Viele flüchteten in umliegende arabische Länder und konnten nie
wiederkehren. Ob weiterhin in Israel oder als Geflüchtete, in beiden Fällen wurden sie auf
einmal Minderheiten und rechtlich degradiert. Als Konsequenz war ihnen jegliche politische
Flexibilität erschwert und es konnte sich keine einheitliche nationale Identität entwickeln.
3
Die
gewaltvolle Zerstreuung und erzwungene Umsiedlung des palästinensischen Volkes
erschwerte ihnen umso mehr die Bildung einer einheitlichen politischen und gesellschaftlichen
Agenda.
4
In beiden oben aufgeführten Fällen erfahren die jeweiligen Menschengruppen eine
Identitätsstörung bzw. einen Identitätsverlust aufgrund der Einnahme und Besetzung ihrer
Heimat. Durch ,Zivilisierung`, Assimilation, Unterdrückung, Benachteiligung oder gar
Auslöschung dieser Menschen wird ihnen ihre Identität abgesprochen. Doch hier entstand
auch Widerstand, um sich der eigenen Identität wieder zu bemächtigen. Um die
1
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 8.
2
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 22.
3
Vgl. Milich, Fremd meinem Namen und fremd meiner Zeit, 2005, S. 41.
4
Vgl. Milich, Fremd meinem Namen und fremd meiner Zeit, 2005, S. 41 f.

4
entsprechenden Kräfte zu mobilisieren und zu stärken gab es verschiedene Mittel und Wege.
5
Das Medium welches ich analysieren möchte ist die als Reaktion auf Fremdherrschaft
entstandene Dichtung in Algerien und Palästina. Die Widerstanddichtung war für die
entrechtete Leser- und Hörerschaft eine essentielle Ressource ihre (arabischen) Identität. Im
Folgenden stelle ich kurz zwei Schlüsselfiguren dieser Dichtung vor:
Der Palästinenser Mamd Darws gilt bis zur gegenwärtigen Zeit zu den bekanntesten Dichter
der modernen arabischen Literatur. Sowohl im arabischen Raum, als auch außerhalb
genießen seine dichterischen Künste hohes Ansehen. Der ,,Dichter-Prophet"
6
thematisiert die
Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern in Bezug auf überwiegend politischen und
kulturellen Aspekten. Als Ressource nimmt er die alltäglichen Erfahrungen der
palästinensischen Bevölkerung in und mit Israel, denen Darws auch selbst ausgesetzt war ­
wie bspw. Vertreibung, Exil, Besatzung. Vor allem in den Jahren der palästinensischen
Vertreibung war die nationale palästinensische Identität stark bedroht. In diesem Kontext
offenbart Darws in persönlichen Gesprächen zu seiner Dichtung sein Pflichtbewusstsein
gegenüber dem palästinensischen Volk. Seine politische Lyrik beeinflusste machtvoll das
Denken und Handeln der Palästinenser hinsichtlich der sie umgebenden Lebensumständen.
Mufd
i
Zakar
i
y
a ist als ,,Dichter der algerischen Revolution" der wichtigste Vertreter der
algerischen Literatur.
7
Er verfasste eine Reihe von Gedichten während des französischen
Kolonialismus in Algerien und ist auch der Textdichter der algerischen Nationalhymne
,
Qasamn`
. In westlichen Ländern ist er jedoch kaum bekannt, vielleicht weil er im Vergleich
zu anderen algerischen Dichtern nicht auf Französisch, sondern ausschließlich in arabischer
Sprache seine Text verfasste.
In meiner Analyse vergleiche ich also die beiden Klassiker der ,,poetischen Stimme
Palästinas"
8
Mamd Darws und dem ,,Dichter der algerischen Revolution"
9
Mufd
i
Zakar
i
y
a.
Ich untersuche, inwiefern in ihren Dichtungen Beispiele zu Widerstandsmethoden
veranschaulicht werden. Methoden sind zum Beispiel die Erinnerung an die Heimat zu
bewahren, das Mobilisieren von Menschenmassen zum Widerstand und die Stabilisation der
jeweiligen nationalen Identität. Um
Zakar
i
y
a
s
wenig ausgearbeitete literarische Dichtung näher
zu betrachten, muss zunächst auf zeitgeschichtlich politische Aspekte eingegangen werden.
Daher untersuche ich im ersten Teil der Arbeit insbesondere die Entwurzelung der algerisch-
arabisch-islamischen Identität durch die französische Kolonialherrschaft. Anschließend
5
Vgl. Neuwirth (Hrsg.), Arabische Literatur, postmodern, 2004, S. 140.
6
Vgl. Neuwirth (Hrsg.), Arabische Literatur, postmodern, 2004, S. 142.
7
Vgl. Sadi, a- Taura al- aziria fi as- sr al-Irqi, 1981, S. 155.
8
Vgl. Neuwirth (Hrsg.), Arabische Literatur, postmodern, 2004, S. 138 f.
9
Vgl. Sadi, a- Taura al- aziria fi as- sr al-Irqi, 1981, S. 155 f.

5
beschäftige ich mich mit der nationalen Einheit Algeriens, die für den Erfolg des algerischen
Widerstandes eine entscheidende Voraussetzung war. Die algerische Widerstandsdichtung
fing diese Aspekte natürlich auf und reflektiere sie, um hierdurch wiederum die algerischen
Massen zu stärken.
Aufgrund des umfangreichen Sujets kann im ersten Teil der Analyse ,Politische Aspekte` nicht
auf die sogenannte Palästinafrage eingegangen werden ­ wichtige zeitgeschichtliche Aspekte
werden in der Arbeit jedoch erwähnt. Des Weiteren analysiere ich mit Hilfe der Thesen des
postkolonialen Theoretikers Frantz Fanon Kolonialismus im vorliegenden Kontext.
Um ein umfassenderes Verständnis der Widerstandsdichtung
Mufd
i
Zakar
i
y
a
s
und Mamd
Darws zu ermöglichen, stütze ich mich in der Analyse auf ausgewählte Abschnitte ihrer
Dichtungen. Dabei arbeite ich heraus, welche Gemeinsamkeiten in Bezug zur Wahrung der
jeweiligen nationalen Identität trotz unterschiedlicher politischer Ausgangssituation auftreten.
2. Politische Aspekte I: Das französische Algerien
Algerien gehörte ab 1516 dem osmanischen Imperium an, bis das französische
Expeditionsheer 1830 von der Halbinsel Sidi Fredj in das Land eindrang. Es folgte zunächst
die Eroberung der nördlichen Küstenstädte Algier, Oran und Bône.
10
Unter der Führung des
Amir al- Mu
minin Abd al
-
Qdir
(reg
.
1832-1848) kam es 1932 zum
ersten algerischen Widerstand in organisierter Form, der auch als ,Heiliger Krieg` gegen die
französische Macht bezeichnet wurde.
11
Nachdem sich der
Amir
Abd al
-
Qdir
die
Herrschaftsmacht seines Feindes bewusst geworden war ließ er 1834 Friedensversträge mit
der französischen Kolonialmacht abschließen. Jedoch kam es immer wieder zu
Vertragsbrüchen durch die französischen Streitmächte. 1947 wurde der
Amir al-
Muminin
von
Frankreich endgültig umzingelt, sodass er sich gezwungen sah zu kapitulieren. Algerien wurde
nun zum Bestandteil des französischen Territoriums und unterlag infolgedessen einer
französischen Administration, die keine lokale Verwaltungsstrukturen kannte. Das Land wurde
in die drei Departements Algier, Constantine und Oran aufgeteilt. Und als Folge der
französischen Eroberung wanderte eine große Zahl europäischer Siedler in das Land ein. Von
1839 an waren 25000 Europäer in Algerien und bis zum Zeitpunkt des Ausbruchs des
bewaffneten algerischen Widerstandes 1954 waren 1 Millionen Europäer in Algerien
10
Vgl. Walter, Widerschein Afrikas, 1990, S. 12.
11
Vgl. Plum, Algerische Dichtung der Gegenwart, 1959, S. 21.

6
angesiedelt.
12
Obwohl Algerien juristisch Teil Frankreichs war, wurde den muslimischen
Einheimischen die französische Staatsbürgerschaft verweigert.
13
Hingegen wurde den in
Algerien geborenen Kinder europäischer Einwanderer direkt die französische
Staatangehörigkeit ausgehändigt.
Einerseits gab es also die europäischen Siedler als quantitative Minderheit, die bürgerliche
und politische Rechte genossen. Und auf der anderen Seite die einheimischen Algerier als
Mehrheit, denen die gleichen Rechte nicht zustanden und die als muslimische Untertanen
Frankreichs rechtlich degradiert worden waren.
14
Das notwendige Land für die Besiedlung
durch Europäer wurde von der algerischen Bevölkerung durch Vertreibung,
Kriegskontributionen und Beschlagnahmungen entrissen. Anfang der 1950er Jahre gehörten
über 2,7 Millionen Hektar Land 22.000 europäischen Siedlern, welches 40 % des bebauten
Bodens in Algerien entsprach.
15
Die Enteignung der lokalen Bevölkerung war eine zentrale
kolonialistische Methode, zusammen mit der kulturellen ,Französisierung` der algerischen
Gesellschaft.
16
Fanon beschreibt dies treffend: ,,Er machte alle Anstrengungen, um den
Kolonisierten dazu zu bringen, die Minderwertigkeit seiner instinktiven Verhaltensweisen
abgesunkenen Kultur einzugestehen, die Unwirklichkeit seiner Nation zuzugeben[...]"
17
Denn
im kolonialen Verständnis war die Mehrheit der Welt abseits Westeuropas schlicht
barbarisch.
18
Die französische Kolonialmacht verstand es daher als ihre ,aufrechte Aufgabe` die lokale
Bevölkerung zu ,zivilisieren`, welches vor allem an der französischen Kultur- und Sprachpolitik
deutlich wurde.
19
Ein prägnantes Beispiel hierfür sind Zweckentfremdungen von religiösen
Einrichtungen, wie die Umnutzung von Moscheen für Truppenunterkünfte oder den Umbau
von Moscheen in Kirchen. Was die Sprachpolitik anging wurde das Französische als offizielle
Amtssprache verabschiedet. Arabisch hingegen, obwohl von den Einheimischen als
Muttersprache gesprochen, wurde 1938 durch eine Verordnung als Fremdsprache deklariert.
20
Als Konsequenz wurden lokale Sprachen und Dialekte in Arabisch und Berberisch strukturell
ausgegrenzt. Die Mehrheit der Koranschulen in Algerien wurden geschlossen, und Arabisch
wurde als Unterrichtssprache an öffentlichen Schulen verboten. Das französische Schulwesen
12
Vgl. Walter, Widerschein Afrikas, 1990, S. 14.
13
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 22.
14
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 22.
15
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 25 f.
16
Vgl. Walter, Widerschein Afrikas, 1990, S. 14 f.
17
Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 200.
18
Vgl. Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 181.
19
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 23.
20
Vgl. Plum, Algerische Dichtung der Gegenwart, 1959, S. 52.

7
sollte vor allem der Assimilierung der einheimischen Bevölkerung an das Mutterland
Frankreich dienen, sodass die
civilisation française
aus ihnen gehorsame französische
Staatsbürger ohne entsprechende politische Rechte machen sollte.
21
An dieser Stelle muss
ich hervorheben, dass nur eine begrenzte da privilegierte Gruppe Algerier Zugang zum Schul-
und Bildungswesen hatte. Beispielsweise war die berufliche Qualifikationen im handwerklichen
und industriellen Bereich für die Mehrheit der Algerier kaum zugänglich.
Aus der oben beschriebenen Lebenssituation kann der Ursprung und gleichzeitig der politische
Gehalt des algerischen nationalistischen Slogans ,,Der Islam ist meine Religion, Arabisch
meine Sprache, Algerien mein Vaterland" erklärt werden.
22
Doch mit dieser sogenannten
Erziehungspolitik wurde das algerische Volk in eine verhängnisvolle Situation Zustand
gedrängt.
23
Die Algerier wurden von ihrer arabisch-islamischen Identität entwurzelt, aber
hatten parallel dazu keinen wirklichen offiziellen, bürgerlichen und rechtlichen politischen
Zugang in die europäische Kultur. Dies führte zur tiefen Identitätsstörung für algerische Volk.
24
Gleichzeitig trieb es die Algerier zum Widerstand ­ sie wollten sich von der Fremdherrschaft
befreien und organisierten sich. Die Kolonisierten erkannten, dass der algerische Widerstand
zu einer Notwendigkeit geworden war um sich vor der aufgezwungenen Assimilierung zu
schützen.
2.1 Politische Aspekte II: Die nationale algerische Einheit und das Ziel der
Dekolonisation der Front de
Libération Nationale (FLN)
Am ersten November 1954 erklärte die Nationale Befreiungsfront FLN der französischen
Kolonialherrschaft den bewaffneten Widerstand. Die Entkolonialisierung war bereits in vollen
Gange, dennoch weigerten sich die französischen Behörden mit den Algeriern in den Dialog
zu treten und setzten Gewalt ein um ihre Macht zu halten. Dies wiederum führte zu verstärkter
Gewaltanwendung seitens der Befreiungskämpfer. Denn die anti-koloniale Gewalt ist das
Ergebnis der kolonialen Gewalt, sie ist die logische Folge eines Prozesses.
25
Nach dem
Theoretiker Fanon kann sich das Subjekt nur durch die anti-koloniale Gewalt selbst befreien.
Es entsteht das Ziel der völligen Auslöschung des kolonialen Systems. Die algerischen
Aktivisten gingen auch gegen Harkis
26
gewaltsam vor, welches die einheimische Bevölkerung
21
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 23.
22
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 22.
23
Vgl. Ruf, Die algerische Tragödie, 1997, S. 23 f.
24
Vgl. Plum, Algerische Dichtung der Gegenwart, 1959, S. 53.
25
Vgl. Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 45-55.
26
Harki waren algerische (muslimische) Helfer, die der französischen Armee innerhalb des bewaffneten
Widerstandes 1954-1962 dienten.

8
sehr begrüßte.
27
Die FLN verstand sich jedoch nicht als Terror-Akteur. So ein
Selbstverständnis hatten die Muhidi
n
und
Mus
adi
n (
dt.: Widerstandskämpfer und Helfer),
die ihr Leiden unter dem Kolonialgesetz mit Gewalt rächten.
Die in Folge der kolonialen Ausbeutung erlebte ständige Hungersnot und das allgemeine
Elend konfrontierten die einheimische Bevölkerung über das ungerechte Kolonialsystem nach
zu denken. Das algerische Volk realisierte immer mehr, dass sie die eigentlichen Besitzer des
Bodens und der Bodenschätze ihres Landes sind.
28
Diese Erkenntnis wird mit der Zeit von der
großen Mehrheit der einheimischen Bevölkerung immer stärker getragen und ließ ein
gemeinsames ,nationales Bewusstsein` entstehen.
29
Vor allem die wirtschaftliche Dringlichkeit
spielte bei dem Kampf gegen das Kolonialsystem eine zentrale Rolle ­ denn der ganze
Großgrundbesitz befand sich ja in französischer Hand. Die Algerier verstanden sich durch
eben solche Aspekte als nationale Einheit gegen das Kolonialsystem und bekennend zum
algerischen Befreiungskampf.
30
: ,,Das algerische Volk hat beschlossen, daß bis zur
Unabhängigkeit der französische Kolonialismus für jede der Wunden verantwortlich zeichnet,
die Algeriens Körper und sein Bewußtsein überziehen."
31
Das algerische Volk wurde im Kontext des Befreiungskampfes als vereint erklärt.
32
Denn die
algerische Bevölkerung bestehend aus Bauern, Arbeitern und Intellektuellen hatte keine
Gruppe von ,Ausbeutern` in ihren Reihen. Zwar gab es die Harkis jedoch wurden diese eher
als Söldner durch Franzosen, und weniger als Kollaborateure definiert.
33
Im algerischen
Befreiungskampf gab es keine politische Gegenkraft, die mit der französischen Kolonialmacht
kollaborierte. Es habe daher in der gesamten Kolonialgeschichte Algeriens auch keine
bewussten Kämpfe innerhalb der algerischen Gesellschaft gegeben.
34
Nach Fanon ist der algerische Befreiungskampf primär ein Bauernaufstand. Und in der Tat
setzte sich die Truppe der L'
Armée de libération nationale
(ALN; zu dt.: Nationale
Befreiungsarmee) und der FLN überwiegend aus Bauern zusammen, die seit dem 19.
Jahrhundert den antikolonialen Widerstand repräsentieren.
35
27
Vgl. Kohser-Spohn/Renken, Trauma Algerienkrieg, 2006, S. 154.
28
Vgl. Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 164.
29
Vgl. Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 202.
30
Vgl. Fanon, Die Verdammten dieser Erde, 2015, S. 201.
31
Vgl. Fanon/Arnim/Scheil, Aspekte der Algerischen Revolution, 1969, S. 15.
32
Vgl. Kohser-Spohn/Renken, Trauma Algerienkrieg, 2006, S. 158.
33
Vgl. Kohser-Spohn/Renken, Trauma Algerienkrieg, 2006, S. 158 f.
34
Vgl. Kohser-Spohn/Renken, Trauma Algerienkrieg, 2006, S. 173.
35
Vgl. Kohser-Spohn/Renken, Trauma Algerienkrieg, 2006, S. 167.
Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich zwischen dem algerischen und dem palästinensischen Heimatverständnis im Hinblick auf die Widerstandsdichtung von Mufdi Zakariah und Mahmud Darwisch
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
27
Katalognummer
V388726
ISBN (eBook)
9783668627116
ISBN (Buch)
9783668627123
Dateigröße
902 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, heimatverständnis, hinblick, widerstandsdichtung, mufdī, zakarīyā, maḥmūd, darwīš
Arbeit zitieren
Aicha Belkahla (Autor), 2017, Ein Vergleich zwischen dem algerischen und dem palästinensischen Heimatverständnis im Hinblick auf die Widerstandsdichtung von Mufdi Zakariah und Mahmud Darwisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/388726

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