Koran, Islam, Islamismus. Ein Vergleich anhand der Stellung der Frau und der Theorie Bassam Tibis


Seminararbeit, 2005
41 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Quellen

2 Der Islam
2.1 Die Pflichtlehre des Islam
2.2 Das Islamische Recht
2.2.1 Der Koran
2.2.2 Hadith und Sunna
2.2.3 Der Konsensus der Rechtsgelehrten
2.2.4 Die Schlussfolgerung
2.3 Umma

3 Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus nach Bassam Tibi
3.1 Islamismus
3.1.1 Geschichte des Fundamentalismus
3.1.2 Islamischer Fundamentalismus (Islamismus)

4 Frauen im Koran
4.1 Die Gleichheit von Mann und Frau vor Gott
4.2 Kleidervorschriften im Koran
4.3 Der Koran und die Verschleierung der Frau
4.4 Der Koran und die Absonderung im Haus
4.5 Der Koran und das Ehe- und Familienrecht
4.5.1 Unterschiedliche gesellschaftliche Verpflichtung von Frau und Mann
4.5.2 Ehepflicht und Polygamie
4.5.3 Scheidungsrecht im Koran
4.5.4 Erbrecht
4.6 Hinweise zur Auslegung des Korans
4.7 Zusammenfassend
4.7.1 Eigenanalyse

5 Die Stellung der Frau im Islam
5.1 Wichtige Anmerkung
5.2 Die aktive Frau in der vor- und frühislamischen Zeit
5.3 Die Gleichheit von Mann und Frau vor Gott
5.4 Die Verschleierung der Frau
5.4.1 Erste Wandlungen
5.5 Die Absonderung der Frau
5.6 Ehe und Scheidung
5.6.1 Polygamie
5.6.2 Die Scheidung
5.7 Feminismus im Islam

6 Die Stellung der Frau im Islamismus
6.1 Anmerkungen
6.2 Allgemeines
6.3 Die Rolle der Verschleierung im Islamismus

7 Kurzer Einblick in die Situation der Frauen in diversen Ländern
7.1 Saudi-Arabien
7.2 Türkei
7.3 Afghanistan
7.4 Iran

8 Resümee

9 Glossar arabischer Begriffe

10 Literaturquellen

1 Einleitung

Die Stellung der Frau im Islam – ein Thema das heute nicht mehr aus der aktuellen politischen und auch religiösen Diskussion wegzudenken ist. Das Thema „Frauen im Islam“ ist sicher heftig umstritten. Auf der einen Seite ist die Auffassung verbreitet, dass dieser Glaube die Frauen unterdrückt, ja sogar verfolgt, auf der anderen Seite werden die Rechte der Frau betont, sich auf eine andere Art zu behaupten, die sie von den geläufigen Formen der weiblichen Selbstbehauptung in nichtmuslimischen Gesellschaften unterscheidet. Die Kontroverse zu diesem Thema wird durch das Zusammenwirken von Geschichte, Religion und Politik noch weiter verkompliziert.

Das Interesse an dieser Arbeit ist vor allem infolge einer Reise nach Marokko im Sommer 2004 entstanden. Aufgrund des Interesses an dem Land, der Kultur und der Menschen habe ich mich auch mit marokkanischer Literatur beschäftigt und dabei zwei Bücher von Fatima Mernissi gelesen. In ihrem Buch „Der Harem in uns. Die Furcht vor dem anderen und die Sehnsucht der Frauen“[1] erzählt Mernissi von ihrer Kindheit in einem der letzten Harems in Fes, aufgewachsen streng abgeschirmt von der Außenwelt. Trotz dieses Erwachsenwerdens in einer vollkommen anderen Kultur und Welt erschien mir die Kindheit als sehr glücklich. Ein weiteres Buch von Mernissi, welches mich zu dieser Arbeit bewegt hat war „Islam und Demokratie. Die Angst vor der Moderne“.[2] Fatima Mernissi wurde 1940 in Fes geboren und ist seit 1973 Beraterin der UNESCO zur Situation muslimischer Frauen. Sie lehrt derzeit als Soziologin an der Universität in Rabat. Auch in dieser Arbeit werden Bücher von Mernissi als Literaturquelle verwendet werden.

Jedenfalls liegt mein Interesse daran, die Stellung der Frau im Koran näher zu betrachten. Was besagt der Koran über die Stellung der Frau in der islamischen Gesellschaft? Bezieht

sich die islamische Gesellschaft wirklich auf die offenbarten Worte Gottes wenn es um die eingeschränkte Stellung der Frau geht? Gibt es einen Unterschied zwischen der Stellung der Frau im Islam und im Islamischen Fundamentalismus?

Um diese Arbeit mit einem theoretischen Grundgerüst zu versehen, wird dabei auf die Theorie von Bassam Tibi zurückgegriffen. Vor allem anhand Bassam Tibi soll der Unterschied zwischen dem Islam als Religion und dem Islamischen Fundamentalismus herausgearbeitet, welches von grundlegender Wichtigkeit für den weiteren Verlauf der Arbeit ist. Für mich ist es interessant der Frage nachzugehen, welche Stellung der Frau gemäß dem Koran zukommt, ob die Realität in der islamischen Gesellschaft anders aussieht und ob hier wiederum Unterschiede zum gesellschaftlichen System des Islamismus bestehen.

1.1 Aufbau der Arbeit

Da im Zuge der Arbeit einige arabische Begriffe auftauchen werden, findet sich am Ende dieser Seminararbeit ein kurzes Glossar. Es wird aber versucht, die meisten Begriffe schon im Text zu erklären.

Im ersten Kapitel werden einige relevante Grundlagen des Islams erklärt um einen Überblick zu bekommen. Insbesondere liegt dabei das Augenmerk auf dem Islamischen Recht.

Im zweiten Kapitel werden Begriffe wie Islam, Islamischer Fundamentalismus, Fundamentalismus und Islamismus definiert und versucht voneinander abzugrenzen. Als theoretische Basis wird dabei auf den Soziologen Bassam Tibi zurückgegriffen. Es soll möglichst objektiv und klar der Unterschied zwischen Islam und Islamismus herausgearbeitet werden.

Dann wird versucht die Stellung der Frau im Koran, im Islam als Weltreligion und im Islamismus zu analysieren, wobei zu gleich anzumerken ist, dass das Kapitel über die Stellung der Frau im Islamismus relativ kurz gehalten wird, da eine objektive Darstellung der Materie fast nicht möglich schien. Im darauf folgenden Resümee werden die wichtigsten Punkte dieser Seminararbeit noch einmal wiederholt und zusammengefasst.

1.2 Quellen

Für die Abfassung der Arbeit wurde vor allem auf Sekundärliteratur und Internetquellen zurückgegriffen. Wichtige Grundlage sind die Arbeiten von Bassam Tibi.

2 Der Islam

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die Stellung der Frauen im Islam näher zu untersuchen, ist es wichtig, einige Grundlagen über den Islam als Religion anzuführen. Diese Grundlagen sollen nur zum kurzen Überblick dargestellt werden, für weitere Informationen zu den jeweiligen Passagen kann auf die angeführten Literaturquellen zurückgegriffen werden.

Ebenso wie Christentum und Judentum ist der Islam eine monotheistische Religion, die nur einen Gott kennt. Sein Name ist im Islam „Allah“ (übersetzt: der Gott schlechthin). Da noch niemand Allah anschauen durfte und seine Existenz mit menschlicher Vorstellungskraft nicht beschrieben werden kann, darf es auf der Welt auch kein Bild von ihm geben. Der Islam entstand als jüngste Weltreligion im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel. Der Islam erkennt Judentum und Christentum als seine Vorläufer an, durch den Propheten Mohammed will der Islam jedoch Missinterpretation und Fehlentwicklungen, die im Laufe der Zeit diese Religion verfälscht hatten, korrigieren und der Menschheit zum letzten Mal das authentische Wort Gottes verkünden. (vgl. www.wissen.de , 14.1.2005)

Islam bedeutet „Ergebung, Hingabe, Unterwerfung, Gehorsam“ – aber auch „Frieden“. Als oberste Bedingung gilt im Islam der Gehorsam gegenüber Gott in Gedanken, Worten und Handlungen. Muslime sind Menschen, die den von Gott vorgezeichneten Weg beschreiten. Wichtig ist der Glaubenssatz „Ich bezeuge, dass es außer Allah keinen Gott gibt, und ich bezeuge, dass Mohammed sein Diener und sein Gesandter ist“. Dieser Glaubensatz muss nicht nur ausgesprochen werden, sondern auch innerlich bejaht werden um in die Gemeinde der Gläubigen aufgenommen zu werden. Im Arabischen nennt man diesen Glaubensatz Schahada, als das Zeugnis für die Existenz der Einheit Gottes. (vgl. Weiner (2002) 7-13) Die Einzigartigkeit des Gottes wird folgendermaßen im Koran zum Ausdruck gebracht „Und euer Gott ist ein einziger Gott, es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Erbarmer, dem Barmherzigen.“ (zit. Koran Sure 2,163)[3] Diese Aussage richtet sich sowohl gegen die Vielgötterei der Mekkaner und gegen die Inkarnations- und Trinitätslehre der Christen. (vgl Lemmen (2002) 195)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Islamische Welt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.nzz.ch/dossiers/islamismus/islam_karte.html; Juni 1998

Wichtig im Islam sind außerdem die Propheten. Im Laufe der Geschichte wählte Gott sich geistig hoch stehende Männer als „Sprachrohr“ aus. Ihr Auftrag bestand darin, den „einen“ Gott auszuweisen und die Offenbarungen an die anderen Menschen weiterzugeben. Unter allen Propheten, Adam als erster Mensch wird zum Beispiel als erster Prophet bezeichnet, nimmt Mohammed eine Sonderstellung ein. Mohammed wurde für die letzten Offenbarungen in dieser Welt von Gott ausgewählt und wurde somit zum letzten der Propheten. Vier diese Propheten haben uns schriftliche Offenbarungen hinterlassen:

I. Moses gilt mit seinen zehn Geboten als Gesetzgeber
II. David mit seinem Psalter als Lobpreisender
III. Jesus, dessen Leben und Offenbarungen im Neuen Testament zusammengefasst sind, gilt als Prophet der Nächstenliebe
IV. Mohammed schließlich war verantwortlich für den Koran, das heilige Buch, dass die abschließenden göttlichen Offenbarungen enthält.

Somit gehen Tora, Psalter und Neues Testament dem Koran voraus, sind jedoch in die Grundlagen des Islam einbezogen. Als einzig wichtiges Buch gilt jedoch der Koran, dem die Muslime vertrauen sollen . (vgl. Weiner (2002) 7-13)

2.1 Die Pflichtlehre des Islam

Die islamische Pflichtlehre beinhaltet fünf Grundpfeiler, die Gläubige befolgen müssen, um als Muslime zu gelten.

Das Bekenntnis zum Glauben (Schahada)

Das rituelle Gebet (Salat)

Das Fasten im Monat Ramadan (Saum)

Die Entrichtung der Armensteuer (Zakat)

Die Pilgerfahrt nach Mekka (Haddsch)

(vgl. Weiner (2002) 37ff)

Der Islam ist also nicht nur eine Religion, sondern beinhaltet auch eine gewisse Art der Lebensführung. Auf den genannten fünf Säulen des Islams, beruht das religiöse Leben der Muslime. (vgl Lemmen (2002) 216)

Im Islam gibt es keine Kirche im Sinne der christlichen Kirche. Nachdem der islamische Vielvölkerstaat gerade einmal 200 Jahre nach dem Tod Mohammeds zusammengebrochen ist, wurde die religiöse Autorität der ulma anvertraut (arabisch: Gelehrter), einer Klasse von Schriftgelehrten. Deren Rolle ist eigentlich weniger mit den christlichen Priestern als mit dem jüdischen Rabbinern vergleichbar. Diese Gelehrten legten das göttliche Gesetz aus und wandten es an. (vgl. Ruthven (2000) 21)

Wichtig zu bemerken ist, dass der Koran zwar die Existenz verschiedener Völker anerkennt (vgl. Sure 49, 13), doch die Offenbarung des Korans in arabischer Sprache leitet eine besondere Stellung für die Araber ab. So muss zB. ein türkischer, ein indonesischer oder ein anderer Muslim das religiöse Ritual in arabischer Sprache ausüben, auch wenn er kein arabisch spricht. Ein Nicht-Araber muss auch seinen Namen arabisieren wenn er zum Islam übertritt. (vgl. Tibi (1985) 30-31)

2.2 Das Islamische Recht

Für die vorliegende Arbeit sind einige Begriffe der islamischen Religion von großer Bedeutung und werden in den nächsten Kapiteln öfters vorkommen, deshalb sollen vorab die wichtigsten Elemente des Islam kurz erklärt werden.

Für die Umma, die islamische Gemeinschaft, hat Gott das Gesetz geoffenbart. Es wird Scharia genannt. Die Scharia ist jedoch nicht kodifiziert, d.h. sie wurde nie zu einem einheitlichen Gesetzbuch zusammengefasst, sondern über Jahrhunderte von Generation zu Generation weitergegeben. Das Islamische Recht gründet sich insgesamt auf vier Rechtsquellen, die nun näher beschrieben werden sollen:

1. der Koran
2. Die Sunna
3. Der Konsensus der Rechtsgelehrten
4. Die Schlussfolgerung

(vgl. Akashe-Böhme (1998) 26)

Unter Sharia versteht man die Pflichtlehre; das religiös begründete Recht des Islam. Die Sharia ist der Weg zur Verwirklichung der Einheit von Glaube und Handeln. Die Gleichsetzung der Sharia mit dem islamischen Gesetz ist missverständlich, wenn Begriffe wie Recht und Gesetz im säkularen Sinne verstanden werden. Im islamischen Verständnis sind diese Vorschriften Hilfen, sich richtig auf Gott auszurichten, den Islam also zu lesen. Die Sharia regelt alle Lebensbereiche: rituelle Handlungen, Familien-, Erb-, Handels-, Wirtschafts-, Zivil- und Strafrecht. Insgesamt umfasst sie mehr als 50 Sachgebiete. Im Islam heißt es „Gott hat nicht sich und sein Wesen geoffenbahrt, sondern vielmehr sein Gesetz“ (zit. Ruthven (2000) 103)

Das Islamische Recht sieht im Koran ihre Hauptquelle. Als jedoch nach dem Tod Mohammeds (632 n. Chr.) neue Fragen und Probleme auftraten, hielt sich die Gemeinde an die vielen mündlichen Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des Propheten: die Sunna. Wenn wiederum in Koran und Sunna keine eindeutige Regelung gefunden werden kann, wurde die dritte Rechtsquelle, die Idjma, herangezogen. Als vierte Quelle gilt die Qiyas (arabisch: Analogieschluss). Dabei führt man ein aktuelles Problem auf eine Regel zurück, die für einen gleichartigen Fall geschaffen wurde.[4] (vgl. Tworuschka (1999) 278-280)

[...]


[1] Mernissi, Fatima (1995) Der Harem in uns. Die Furcht vor dem anderen und die Sehnsucht der Frauen. Herder

[2] Mernissi, Fatima (2002). Islam und Demokratie. Die Angst vor der Moderne. Herder

[3] Alle Koranzitate dieser Arbeit beziehen sich auf die deutsche Übersetzung des Korans, herausgegeben von Ahmad v. Denffer (nähere Angaben in der Literaturliste)

[4] Problem ist, dass die Qiyas von den Schiiten nicht anerkannt wird.

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Details

Titel
Koran, Islam, Islamismus. Ein Vergleich anhand der Stellung der Frau und der Theorie Bassam Tibis
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
SE Politik, Religion und Gewalt. Theoretische Ansätze zu
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
41
Katalognummer
V38949
ISBN (eBook)
9783638378659
ISBN (Buch)
9783638654708
Dateigröße
746 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koran, Islam, Islamismus, Vergleich, Stellung, Frau, Theorie, Bassam, Tibis, Politik, Religion, Gewalt, Theoretische, Ansätze
Arbeit zitieren
Eva Stöckl (Autor), 2005, Koran, Islam, Islamismus. Ein Vergleich anhand der Stellung der Frau und der Theorie Bassam Tibis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38949

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