Suizid im Jugendalter: Ursachen und theoretische Erklärungsansätze


Hausarbeit, 2005
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung, Definitionen

3 Epidemiologie des Suizids

4 Methoden

5 Theoretische Erklärungsansätze
5.1 Die soziologische Suizidtheorie
5.2 Elemente klassischer psychoanalytischer Suizidtheorien
5.2.1 Die psychoanalytische Suizidtheorie
5.2.2 Narzisstische Krisen
5.3 Die medizinische Theorie des präsuizidalen Syndroms
5.3.1 Einengung
5.3.2 Gehemmte und gegen die eigene Person gerichtete Aggression
5.4 Die Stresstheoretischen Erklärungsansätze
5.5 Die lerntheoretischen Ansätze
5.6 Der Einfluss der Familie (Broken-Home)

6 Ursachen, Hintergründe und Motive von suizidalen Handlungen Jugendlicher

7 Fallbeispiele

8 Präventive Maßnahmen und Hilfen

9 Schluss

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Suizide sind nicht selten, sie geschehen täglich. Jedes Jahr bringen sich in Deutschland mehr Menschen um, als zusammengerechnet im Straßenverkehr und an Aids sterben. Alle 45 min tötet sich in Deutschland ein Mensch und alle 5 Minuten versucht einer sein Leben zu beenden. Täglich nehmen sich in der Bundesrepublik zwei Kinder bzw. Jugendliche das Leben. (vgl. Otzelberger 2002, S. 15)

Gerade der Suizid eines Kindes bzw. Jugendlichen erregt starke Emotionen. Allerdings ist der Suizid im Jugendalter ein Thema, das häufiger totgeschwiegen und vertuscht, als öffentlich diskutiert und wissenschaftlich erforscht wird. Über diesem Thema liegt in unserer Gesellschaft ein Tabu, wie es kaum für eine andere menschliche Handlung größer ist.

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Problematik des Suizides bei Jugendlichen.

Die Fragestellung dieser Arbeit ist: Durch welche Motive, welche Hintergründe und unter welchen Umständen kommen Jugendliche zu der Entscheidung ihrem Leben ein Ende zu bereiten? Einem Leben, das für jungen Menschen noch nie so lebenswert sein könnte wie heute, in dem fast jeder Berufswunsch erfüllbar ist, in dem jeder die Freiheit hat sich zu entscheiden zum selbst bestimmten Tun oder Lassen, ein Leben wo Grenzen keine Hindernisse mehr sind, aber jeder die Freiheit hat sich zu begrenzen. Welche Grenzen haben diese Jugendlichen scheinbar erreicht oder halten sie für so unüberwindbar, dass sie davor resignieren und keinen anderen Weg mehr sehen, als sich von dieser Welt zu verabschieden?

Nach einer vorausgehenden Begriffsklärung sowie einer sprachlichen Definition des Begriffs Suizid und einem Blick auf die Statistiken, werde ich verschiedene Erklärungsansätze aus den Bereichen der Psychologie, der Soziologie und aktuelle Ansätze näher erläutern. Als nächstes werde ich mich mit den Ursachen und Hintergründen und Motiven beschäftigen. Nachdem ich dann einige Fallbeispiele aufgezeigt habe, werde ich zum Schluss näher ich auf präventive Maßnahmen und mögliche Hilfen eingehen.

Wenn hier von Jugendlichen die Rede ist, ist die Altersgruppe von etwa 15 bis Anfang 20 Jahren gemeint.

2 Begriffsklärung, Definitionen

Selbstmord, Suizid, sich das Leben nehmen, Selbsttötung, Selbstvernichtung, Freitod, sich umbringen; es gibt viele bedeutungsgleiche Wörter für den Selbstmord. In der medizinischen Fachwelt und auch unter anderen Fachleuten wird immer wieder darüber diskutiert, welcher Begriff der richtige sei. Alle Versuche den Begriff Selbstmord durch einen anderen zu ersetzen sind letztendlich fehlgeschlagen. Es ist im alltäglichen Sprachgebrauch bei Selbstmord geblieben und im medizinisch-psychologischen Sprachgebrauch bei Suizid.

(vgl. Dickhaut 19955, S. 15)

Selbstmord ist eine Verhaltensweise, welche den verzweifelten Versuch einer starren Konfliktbewältigung darstellt. Durch die suizidale Handlung beendet die Menschen eine für sie unerträgliche Situation, ohne jedoch auf sie selbst Einfluss zu nehmen. Vielmehr entziehen sie sich ihr und gehen den Problemen damit aus dem Wege, in dem sie ihrem Leben ein Ende setzen. Sie bewältigen ihre Probleme nicht durch Aktivität und konstruktive sowie flexible Problembewältigung, sondern durch Rückzug und Vermeidungsverhalten. Man kann Suizid somit als eine misslungene Bewältigung von Belastungen und als Resultat einer Eskalation am Ende einer lang andauernden Problemgeschichte sehen. (vgl. Bründel 1993, S.9f)

Suizidalität meint die Summe aller Denk- und Verhaltensweisen von Menschen, die in Gedanken, durch aktives Handeln oder passives Unterlassen den eigenen Tod anstreben oder ihn als mögliches Ereignis einer Handlung in Kauf nehmen. Suizidalität ist grundsätzlich bei allen Menschen möglich, tritt jedoch häufig in psychosozialen Krisen und bei psychischer Erkrankung auf. Suizidalität ist meist kein Ausdruck von Freiheit und Wahlmöglichkeit, sondern von Einengung durch objektiv und/oder subjektiv erlebte Not, durch psychische und/oder körperliche Befindlichkeit und deren Folgen.

(vgl. Wolfersdorf 1996, S.92)

3 Epidemiologie des Suizids

Im internationalen Vergleich ist auffällig, dass in katholischen Ländern die Suizidraten sehr niedrig sind. In Europa zum Beispiel läuft das Hauptgefälle der Suizidraten vom protestantischen Norden zum stärker katholischen Süden. Von Nord nach Süd nimmt auch die Verstädterung ab, was am deutlichsten an den Mittelmeerländern zu sehen ist, aber auch in Norwegen und Island, wo ebenfalls eine vorwiegend ländliche Struktur herrscht. Das Nord-Südgefälle schließt automatisch auch ein Klimagefälle mit ein, das heißt, in den sonnenärmeren Ländern finden sich höhere Suizidraten als in den sonnenreicheren.

Man kann also sagen, dass die Klimazone, Religionszugehörigkeit und Stadt-Landverteilung einen Einfluss auf die Suizidraten haben. Allerdings ist der Stellenwert der einzelnen der Einflussgrößen und deren einzelne Gewichtung schwer zu bestimmen ist.

(vgl. Bründel 1995, S. 67)

Speziell die Suizide von Jugendlichen wurden in Deutschland erst ab Anfang des 20. Jahrhunderts systematisch erfasst und registriert. Jedoch kann man davon ausgehen, dass sich Jugendliche schon zu allen Zeiten das Leben genommen haben.

Allerdings ist jede Statistik mit Vorsicht zu betrachten, denn es kann davon ausgegangen werden, dass eine Reihe von Suiziden nicht als solche erkannt und erfasst werden.

So sind z.B. viele der Drogentoten, die jährlich an einer Überdosis sterben, Menschen, die sich das Leben nehmen wollten. Ebenso verbergen sich hinter vielen tödlichen Verkehrsunfällen Suizide. (vgl. Otzelberger 2002, S. 38ff)

Die Konfession kann nicht nur einen Einfluss auf die Suizidrate haben, sondern es werden z.B. gerade in katholischen Gebieten, besonders die Selbstmorde junger Menschen, gern als Unfälle hingestellt und kaschiert. (vgl. Dickhaut 1995, S. 20)

Über Suizidversuche existieren fast nirgends offizielle Registrierungen. Eine Erfassung dieser ist zudem auch schwierig, weil nur ein Teil der suizidalen Handlungen z.B. in Krankenhäusern behandelt werden. Viele Suizidversuche werden nur Beratungsstellen und Hausärzten bekannt oder bleiben völlig unbehandelt und bleiben daher unerkannt.

Sterbefälle durch Suizid und Selbstbeschädigung

Deutschland (Angaben Statistisches Bundesamt)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den letzten 30 Jahren lies sich eine Tendenz zum Rückgang von Suiziden feststellen, was aber leider nicht bei den Suiziden von Jugendlichen zu verzeichnen ist.

Es ist festzustellen, dass die Suizide bei Betrachtung langer Zeiträume um ein konstantes Mittel schwanken, jedoch im Vergleich zu 1992 etwas angestiegen sind. Die Suizidziffer ist bei männlichen Jugendlichen höher als bei weiblichen.

Suizid ist bei Jugendlich die dritthäufigste Todesursache. (vgl. Dickhaut 1995, S. 21)

4 Methoden

In den Suizidstatistiken lässt sich eine Konstante klar erkennen: männliche Jugendliche bevorzugen die harten Methoden, wie Erschießen, Erhängen, Schienentod. Weibliche Jugendliche greifen eher zu Gift und Medikamenten oder öffnen sich die Schlagadern.

(vgl. Otzelberger 2002, S. 45f)

Weitere Methoden sind Sprünge aus großer Höhe, erstechen, ertrinken, provozierte Verkehrsunfälle, das Öffnen der Pulsadern oder verbrennen.

(vgl. Freeman, Reinecke 1995, S. 129)

5 Theoretische Erklärungsansätze

Das Phänomen Suizid findet besonders in zwei Forschungsrichtungen besondere Beachtung: in der Soziologie und in der Psychologie.

Die soziologische Forschung, welche auf Emile Durkheim zurückgeht, macht im Wesentlichen gesellschaftliche Faktoren für den Suizid verantwortlich. Sie untersucht die Zusammenhänge zwischen Suizid und äußeren Bedingungen, also überindividuellen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht, Beruf, Lebensumstände, soziale Situation usw.

Die psychoanalytische Forschungsrichtung, begründet von Sigmund Freud, beschäftigt sich dagegen mit den psychischen Determinanten des Suizids. Hier sind individuelle Faktoren wie psychische Entwicklung, Persönlichkeit, Konflikte, Krisen und Motive Gegenstand der Forschung.

In der neueren Literatur wird der Suizid als multifaktorielles Geschehen, als Zusammenspiel von individuellen und überindividuellen gesehen.

Die nachfolgenden Suizidtheorien betonen jede für sich alle wesentlichen Aspekte des insgesamt sehr komplexen Suizidgeschehens.

5.1 Die soziologische Suizidtheorie

Durkheim sammelte als erster systematisch die Todesursachen-Statistiken in verschieden Ländern Europas des 19. Jahrhunderts und entwickelte aufgrund der unterschiedlichen Verteilung in den verschiedenen Ländern soziologische Theorien zur Erklärung für suizidales Verhalten. Nach Durkheim liegt der Suizid vor allem einer Störung in der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zugrunde. Des Weiteren interpretiert er den Suizid im Rahmen seiner Integration- und Anomietheorie, welche besagt, dass der Grad der Integration eines Individuums in die Gesellschaft und die Akzeptanz ihrer Normen und Regeln als ein Maß für das Suizidrisiko anzusehen ist.

Durkheim unterscheidet nach drei Grundtypen, welche er auf unterschiedliche soziale Ursachen zurückführt und unter zwei Dimensionen betrachtet – der sozialen Integration und der sozialen Regulation. (vgl. Bründel 1993, S. 45)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Suizid im Jugendalter: Ursachen und theoretische Erklärungsansätze
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
Medizinische Ethik
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V39072
ISBN (eBook)
9783638379571
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Suizid, Jugendalter, Ursachen, Erklärungsansätze, Medizinische, Ethik
Arbeit zitieren
Katja Macheleidt (Autor), 2005, Suizid im Jugendalter: Ursachen und theoretische Erklärungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/39072

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