Warum ist die Verhandlung ein Thema deutsch-chinesischer Wirtschaftskontakte?


Hausarbeit, 2004
26 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Gliederung

I. Fragestellung

II. Verhandlung & Verhandlungsmodelle

III. Unterschiede des Kommunikations- und Verhandlungsverhaltens
III.1 Informationsstrukturierung
III.2 Umgang mit Konflikten

IV. Deutsch-chinesische Verhandlungen aus Sicht zweier Ratgeberbücher
IV.1 Das Fremdbild der Chinesen in Verhandlungen & das der westlichen Verhandlungspartner
IV.2 Empfehlungen für deutsch-chinesische Verhandlungen aus Sicht der Autoren

V. Fazit

VI. Literatur

I. Fragestellung

„Warum dann doch alles schiefgegangen war, konnte sich niemand erklären. Die Reise war gut verlaufen, der Empfang freundlich. Man hatte keine Sehenswürdigkeit ausgelassen in der „Nördlichen Hauptstadt“ Beijing; das Essen war ungewohnt, aber hervorragend. Um Geld zu sparen, war man auf das Angebot der Chinesen, einen Dolmetscher zu stellen, eingegangen. Er war nicht besonders gut, aber ausreichend. Als Techniker verstand man sich auch so, ein paar Zeichnungen sagten ohnehin mehr als viele Worte. Und jetzt das: seit Wochen keine Nachricht, nicht einmal ein Fax. Eigene Briefe wurden nicht beantwortet, ein wichtiger Termin für eine Messe war bereits gefährdet. Der deutsche Exportleiter war ratlos.“ (Vermeer 1997)

Diese kurze Einleitung stammt aus einem Text von Manuel Vermeer. Es dient v.a. Managern und Führungskräften dazu sich auf das Chinageschäft vorzubereiten. So soll der Textausschnitt auch hier verdeutlichen, dass bei einer Verhandlung, speziell mit chinesischen Geschäftspartnern, mehrere Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Denn erst wenn das Verhalten des ausländischen Verhandlungspartners verstehbar ist, können Schwierigkeiten, vermindert oder sogar vermieden werden und eine interkulturelle Wirtschaftsbeziehung Erfolg haben. In diesem Zusammenhang soll in der folgenden Hausarbeit die Frage „Warum ist die Verhandlung ein Thema deutsch-chinesischer Wirtschaftskontakte?“ geklärt werden.

Im ersten Abschnitt soll zunächst der Begriff Verhandlung näher erläutert und ausgewählte Verhandlungsmodelle beschrieben werden. Das anschließende Kapitel befasst sich mit zwei speziellen Unterschieden im Kommunikations- und Verhandlungsverhalten, und zwar der Informationsstrukturierung und der Konfliktbewältigung, da diese beiden Aspekte u.U. eine Verhandlung zum Stocken oder sogar zum Abbruch bringen können. Das vierte Kapitel schildert danach mithilfe zweier Managerbücher die Fremdbilder über Chinesen und westliche Ausländer in Verhandlungen. Mit dieser Darstellung soll verständlich gemacht werden, dass das unterschiedliche Verhalten der Verhandlungsteilnehmer im internationalen Geschäft zu Problemen führen kann. Zur Vermeidung dessen geben die Autoren beider Bücher Empfehlungen für deutsch-chinesische Verhandlungen, was im letzen Punkt zusammenfassend dargestellt und kurz verglichen werden sollen.

Zu der verwendeten Literatur möchte ich eingangs noch erwähnen, dass sie sehr pauschalisiert wirken, da ständig vom dem China und dem Chinesen die Rede ist, obwohl es auch zahlreiche individuelle, soziale, regionale,… Unterschiede in China gibt. Diesen Aspekt möchte ich jedoch folgendes Zitat von Lin-Huber entgegensetzen, um die Kritik zu mildern: Der „gemeinsame – über Jahrtausende gewachsene - kulturelle Hintergrund, welcher die Wertvorstellungen und somit auch das Kommunikationsverhalten beeinflusst, (ist) unverkennbar.“ (Lin-Huber 2001, S. 29). Es mag sein, „dass sie sich in bestimmten Gepflogenheiten unterscheiden, aber sie fühlen sich als „Vögel aus dem gleichen Schwarm“.“ (Ebd.)

II. Verhandlung & Verhandlungsmodelle

„Verhandeln ist Bestandteil unseres Lebens. Jeder verhandelt irgendetwas, jeden Tag. […] Wie der Monsieur Jordain bei Molière, der sich darüber freute, als er erfuhr, dass er sein ganzes Leben lang Prosa gesprochen hatte, verhandeln die Menschen auch dann, wenn sie gar nicht denken, dass sie es tun.“ (Fisher/Ury/Patton 2004, S. 19) In dieser Arbeit soll es speziell um internationale Geschäftsverhandlungen gehen, d.h. um Verhandlungen zwischen Interessengemeinschaften verschiedener Herkunft. Da diese aber „in Abhängigkeit von den beteiligten Personen von deren jeweiliger Einstellung, Zielvorgaben und Verhandlungsmethoden beeinflußt wird, kann man drei Kategorien unterscheiden.“ (Zhang 1997, S. 31)

Bei der sogenannten weichen Verhandlung steht ein freundschaftliches Verhältnis zum Geschäftspartner im Vordergrund der Verhandlung . Eine gute Atmosphäre ist somit von weitaus größerem Interesse als der Gewinn. Die Vermeidung von Konflikten, Vertrauen zum Partner und der eventuelle Einsatz von Kompromissen sind folglich wichtige Grundelemente. Das hat zur Folge, dass Positionen bereitwillig geändert werden und einseitige Zugeständnisse um der Übereinkunft willen in Kauf genommen werden. (Vgl. Fisher/Ury/Patton 2004, S. 37) Das Ziel ist ein für beide Seiten akzeptabler Vertragsabschluss. Können in einer Verhandlung all diese Faktoren erfüllt werden, wird der „Ablauf (…) beschleunigt, die Kosten sinken und die Verhandlungseffizienz steigt. Insgesamt kann dadurch ein befriedigendes Ergebnis erzielt werden, was den bilateralen Beziehungen zugute kommt.“ (Zhang 1997, S. 31)

Ganz im Gegensatz dazu steht die harte Verhandlung. Hierbei geht es um Sieg und Niederlage. Wichtig sind die eigenen Interessen und die gilt es, bei dieser Art der Verhandlung, durchzusetzen. Denn „größere Standfestigkeit und Härte führen vermeintlich zu größerem Gewinn. Vertreter dieser Methode konzentrieren sich auf die Stärkung der eigenen Position und bemühen sich, den Gegner zu unterdrücken“ (Zhang 1997, S. 32). Aufgrund der harten Einstellung zu den Menschen und Problemen und dem damit verbundenen Misstrauen gegenüber den anderen (Vgl. Fisher/Ury/Patton 2004, S. 36), kann hier kein gutes Verhältnis zum Geschäftspartner aufgebaut werden und somit auch kein angenehmes Verhandlungsklima geschaffen werden, was jedoch für einen beidseitig erfolgreichen Vertragsabschluss notwendig ist. Infolgedessen erwähnt Zhang „Nach außen hin sind die Verhandlungen noch im vollen Gange, in Wirklichkeit jedoch ist bereits eine langwierige Konfrontation eingetreten. Angespannte Beziehungen und gegenseitiges Ausüben von Druck sind die zwangsläufige Folge.“ (Ebd.) Dies macht verständlich, dass der Kosten- und Zeitaufwand erheblich steigen und es manchmal sogar zu einem Abbruch der Verhandlung kommen kann.

„Jede Verhandlungsweise sollte man am besten aufgrund von drei Kriterien bewerten: Sie sollte eine vernünftige Übereinkunft zustande bringen, […]. Sie sollte effizient sein. Und sie sollte das Verhältnis zwischen den Parteien verbessern oder zumindest nicht zerstören.“ (Fisher/Ury/Patton 2004, S. 26) Am erdenkbarsten erscheint die Erfüllung dieser Faktoren in der dritten und letzen Verhandlung. Hierbei handelt es sich um die Grundsatz- oder auch Harvard-Verhandlung. Der Name Harvard-Verhandlung ist damit zu begründen, dass man Ende der 70er Jahre an der Harvard-University weltweit erfolgreiche Verhandlungen beobachtete, deren gewonnenen Erkenntnisse man Anfang der 80er als Grundlage für dieses Verhandlungskonzept nutzte. Sie ist somit eine Mischung aus den ersten beiden Verhandlungstypen, d.h. im Mittelpunkt steht eine Kombination aus guter Geschäftsbeziehung und Gewinnerzielung. Zhang schreibt diesbezüglich: „Zweck ist es, Rücksicht auf des jeweils anderen zu nehmen, nach gemeinsamen Interessen zu suchen und sich umfassend für beidseitigen Profit einzusetzen.“ (Zhang 1997, S. 33) Das bedeutet zum Einen, dass in der Verhandlung eine win-win Situation angestrebt werden soll, sodass es weder Gewinner noch Verlierer gibt, sondern einen beidseitigen Erfolg. Zum Anderen müssen die Mitglieder die Fähigkeit besitzen, bei eventueller Ablehnung ein Ersatzkonzept aufstellen zu können. Das Harvard Konzept beinhaltet zudem vier Grundsätze, die für jede Verhandlung von Nutzen sein können. So lautet die erste Regel „Menschen und Probleme getrennt behandeln“ (Fisher/Ury/Patton 2004, S. 34) . Das heißt, „bildlich gesprochen sollten sich die Partner Seite an Seite sehen, wie sie gemeinsam das Problem angehen – und nicht, wie sie aufeinander losgehen.“ (Ebd.) Ein weiteres Prinzip ist es, die Interessen und nicht die Positionen in den Vordergrund zu stellen. Das bedeutet, dass man sich nicht auf seine Position konzentrieren soll, sondern dass man die gemeinsamen und unterschiedlichen Interessen erfasst und diese in Übereinstimmung bringt. Der dritte Grundsatz empfiehlt „nach Möglichkeiten für gegenseitigen Nutzen zu suchen“ (Ebd.), d.h. wie schon erwähnt, sollte man keine vorgefertigte Lösung haben, die man in der Verhandlung durchsetzen will, sondern mehrere alternative Konzepte bereithalten. Diesbezüglich heißt es: „Ziehen Sie sich eine bestimmte vereinbarte Zeit zurück und denken sie über die ganze Palette möglicher Lösungen nach, die alle gemeinsamen Interessen berücksichtigen und unterschiedliche Anliegen miteinander in Einklang bringen.“ (Ebd.) So kann durch Flexibilität ein Verhandlungsabbruch verhindert werden und relativ zügig eine Einigung zustande kommen. Der letzte Kerngedanke bezieht sich darauf, dass man sich objektive Kriterien heranziehen sollte. Wenn z.B. ein Verhandlungspartner stur auf ein Angebot beharrt und so die Verhandlung ins Stocken gerät, sollte man sachliche Argumente bieten, wie z.B. „den Marktwert oder eine Expertenmeinung, durch Sitten, Rechtsnormen, etc.“ (Fisher/Ury/Patton 2004, S. 36), um zu verdeutlichen, dass das Beharren auf die individuellen Wünsche der Parteien weder fair noch effizient ist.

Abschließend kann man sagen, dass „International anerkannt, (…) diese Harvard-Methode eine breite Anwendung (findet). Folgeverhandlungen laufen problemlos, Nichterfüllungen des Vertrages oder Schadenersatzansprüche sind selten.“ (Zhang 1997, S. 35)

Hierbei muss einem jedoch bewusst sein, dass das Wissen über die Harvard-Verhandlungsstrategien zwar eine gute Grundlage für internationale Geschäftsbeziehungen bilden, dass aber diese Fähigkeit allein noch keine Verhandlung zum Erfolg bringen kann, sondern dass dazu auch die Kenntnisse über kulturelle Bedingungen des Verhandlungspartners einen wichtigen Schwerpunkt darstellen. So auch Goh: „The succesful international or cross-cultural negotiator should, therefore, be a negotiator who has a keen sense of awareness of cultural differences.” (Goh 1996, S. 7) Um diesen Aspekt zu verdeutlichen, soll das nächste Kapitel einige deutsch-chinesische Unterschiede im Kommunikations- und Verhandlungsverhaltens vor dem Hintergrund der jeweiligen Kultur beschreiben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Warum ist die Verhandlung ein Thema deutsch-chinesischer Wirtschaftskontakte?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Veranstaltung
Fremdheit und Fremdverstehen
Note
gut
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V40133
ISBN (eBook)
9783638387231
ISBN (Buch)
9783638655323
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Warum, Verhandlung, Thema, Wirtschaftskontakte, Fremdheit, Fremdverstehen
Arbeit zitieren
M.A. Germanistik, Soziologie, Interkulturelle Kommunikation Nadja Becher (Autor), 2004, Warum ist die Verhandlung ein Thema deutsch-chinesischer Wirtschaftskontakte?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40133

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