Die USA und Großbritannien und die Bewaffnung der BRD vor dem Hintergrund des Korea-Krieges


Hausarbeit, 2003
28 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der Ost-West-Konflikt bis zum Ausbruch des Korea-Krieges

III. Die Debatte über die Wiederbewaffnung bis zum Ausbruch des Korea-Krieges

IV. Der Ausbruch des Korea-Krieges und die unmittelbaren Auswirkungen auf die Debatte über die Bewaffnung der BRD

V. Die New Yorker Konferenzen im September 1950

VI. Die Entscheidung für die Bewaffnung der BRD

VII. Zusammenfassung

VIII. Literatur

I. Einleitung

Der NATO-Rat beschloß auf seiner Tagung am 18. Dezember 1950 einen deutschen Beitrag zur Verteidigung des Westens gegen die sowjetische Bedrohung. Nur fünf Jahre nach der totalen Niederlage des Deutschen Reichs im Zweiten Weltkrieg sollte Deutschland nun wiederbewaffnet werden.

Ohne den Ost-West-Konflikt und seine Verschärfung mit dem Ausbruch des Korea-Krieges 1950 wäre eine solche Entscheidung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen..

Die deutsche Wiederbewaffnung ist ausgezeichnet erforscht. Hervorzuheben sind besonders die Veröffentlichungen des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes "Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945-1956" Band 1 und 2[1], die Arbeit von David C. Large "Germans to the Front"[2] als auch der Band "The Quest for Stability", herausgegeben von R. Ahmann, A.M. Birke und M. Howard.[3]

Zum Verständnis der Politik der USA und der Großbritanniens tragen vor allem die beiden Quellensammlungen "Foreign Relations of the United States"[4] und "Documents of British Policy Overseas" bei.[5]

Im Vordergrund dieser Arbeit soll die Frage stehen, wann und unter welchen Bedingungen die Frage der deutschen Bewaffnung in den USA und Großbritannien aufgeworfen, wie sich die Entwicklung in Korea auf die Debatte und die Entscheidungsfindung ausgewirkt und wie schließlich im Herbst 1950 die grundsätzliche Entscheidung für die Bewaffnung auf den Weg gebracht wurde.

Die Arbeit ist gegliedert in einen Überblick der Entwicklung des Kalten Krieges bis zum Korea-Krieg in Teil II, die Darstellung der Debatte über die Wiederbewaffnung in den USA und Großbritannien in diesem Zeitraum in Teil III und den Auswirkungen des Kriegsausbruches in Korea auf die Debatte in den USA und Großbritannien in Teil IV. Teil V behandelt die Konferenzen der drei Westmächte und des NATO-Rates im September 1950 in New York, auf denen die Frage der deutschen Bewaffnung zum Kern der Verhandlungen wurde. Der vorletzte Teil behandelt den Zeitraum von den New Yorker Konferenzen bis zur Entscheidung für den deutschen Verteidigungsbeitrag im Dezember 1950, in der der Druck der USA den französischen Widerstand gegen erste Schritte zur deutschen Bewaffnung brach. In Teil VII folgen die Schlußfolgerungen.

Ein Eingehen auf die Politik Konrad Adenauers, oder auch auf die Versuche der Sowjetunion, den westdeutschen Verteidigungsbeitrag zu verhindern, war im Rahmen einer Hausarbeit nicht möglich. Ohnehin ist das Thema "Deutsche Wiederbewaffnung" ein äußerst komplexes Thema, das nur schwer einzugrenzen ist.

II. Der Ost-West-Konflikt bis zum Ausbruch des Korea-Krieges

Das Jahr 1947 markierte den Bruch der Anti-Hitler-Koalition. Der Antagonismus zwischen der westlichen Führungsmacht, der USA, und der Sowjetunion auf der anderen Seite trat offen zu Tage.

Die Formulierung der Truman-Doktrin und die Initiierung des European Recovery Program in diesem Jahr verdeutlichten die Bereitschaft der US-Administration unter Präsident Truman, der als zunehmend aggressiv empfundenen Politik der Sowjetunion politisch und ökonomisch entgegen zu treten.

Die Jahre 1947 bis 1950 sahen die Ausformung der beiden Blocksysteme und die Vertiefung ihrer Strukturen, welche zunächst asymmetrisch verlief.[6]

Der Stabilisierung und Vertiefung der sowjetischen Herrschaft in Ost- und Mitteleuropa stand ein ökonomisch geschwächtes Westeuropa gegenüber. Die Demokratien in Frankreich und Italien wankten unter dem Druck der kommunistischen Parteien.

Großbritannien in Malaya und Frankreich in Indochina sahen sich in ihrem Kolonialreich mit Befreiungsbewegungen konfrontiert, die an Stärke gewannen und einen kommunistischen Hintergrund besaßen.

Besonders zwei Ereignisse im Jahr 1949 erschütterten die westliche Welt; der Sieg Mao Tse-Tungs über Chiang Kai-sheks und der erfolgreiche Test einer sowjetischen Atombombe. Beides war für die westlichen Regierungen zwar abzusehen gewesen, jedoch waren der Sieg der Kommunisten in China und der Gewinn der Nuklearwaffe seitens der Sowjetunion deutlich später erwartet worden.[7]

Mit dem "Verlust" Chinas verlor der Westen endgültig die Vorherrschaft auf der eurasischen Landmasse. Damit einhergehend erhöhte sich der Druck auf den asiatischen Teil der Kolonialreiche Frankreichs und Großbritanniens.

Das Ende des Atomwaffenmonopols der USA veränderte die globalen strategischen Gewichte tiefgreifend. Bis zu diesem Zeitpunkt stand der gewaltigen konventionellen Übermacht der Sowjetunion die us-amerikanische Atomwaffe gegenüber, wodurch die konventionelle Unterlegenheit des Westens relativiert bzw. ausgeglichen wurde. Aufgrund der Erlangung der Nuklearkapazität seitens der Sowjetunion und eines nun für die Zukunft zu erwartenden nuklearen Patts befand sich der Westen militärisch in der Defensive.[8]

Die Erfolge des Westens im Wettstreit der Systeme in den Jahren von 1948 bis 1950 erscheinen eher gering. Hervorzuheben sind hierbei die Gründung der North Atlantic Treaty Organization (NATO) am 4.4.1949 und die Abwehr der Berlin-Blockade 1948/49.

Die Bedeutung der NATO-Gründung liegt zunächst im Politischen. In ihr manifestierte sich die Bereitschaft der USA, sich langfristig in Europa zu engagieren und sich nicht wie nach dem 1. Weltkrieg auf eine isolationistische Position zurückzuziehen. Militärische Stärke besaß die NATO bei ihrer Gründung jedoch nicht. Weder wurde eine gemeinsame Verteidigungsstreitmacht geschaffen, noch begannen die Mitglieder mit der Aufrüstung.[9]

Die Berlin-Blockade, von der Sowjetunion als Reaktion auf die Vorbereitung der westdeutschen Staatsgründung begonnen mit dem Ziel, neue Verhandlungen über den Status Deutschlands zu erzwingen, scheiterte an der Entschlossenheit des Westens, vor allem der USA, sich diesem Aggressionsakt zu beugen. Die sowjetische Führung unter Stalin war mit der Blockade ein hohes politisches Risiko eingegangen. Anstatt die Einbindung Westdeutschlands in den Westen zu verhindern, war das Gegenteil erreicht worden. Die Formierung der Blöcke vertiefte sich. Im Herbst des Jahres 1949 wurden die beiden deutschen Staaten gegründet.[10]

In der Wahrnehmung der westlichen Regierungen und der westlichen Öffentlichkeit befand man sich dennoch in den Jahren bis 1950 in der Defensive. Die Politik der Sowjetunion wurde zunehmend als aggressiv und expansionistisch empfunden. Eine offene militärische Konfrontation mit der Sowjetunion, nach dem diese ihre Herrschaft in Ost- und Mitteleuropa konsolidiert, die Kriegsfolgen überwunden und das nukleare Gleichgewicht erlangt hatte, wurde von den westlichen Führungsmächten USA, Großbritannien und Frankreich als nicht unwahrscheinlich eingeschätzt.[11]

III. Die Debatte über die Wiederbewaffnung bis zum Ausbruch des Korea-Krieges

Die Frage nach einer Bewaffnung Westdeutschlands wurde zunächst in militärischen Kreisen der USA und Großbritannien aufgeworfen. Der 1947 offen ausgebrochene Ost-West-Konflikt lenkte den Blick auf die erheblichen Ungleichgewichte zwischen Ost und West auf dem Sektor der konventionellen Rüstung. Schätzungen der USA gingen 1948 von 175 präsenten sowjetischen Divisionen aus, von denen 84 in Ost- und Mitteleuropa stationiert waren. Ihre Zusammensetzung und Dislozierung wurde als offensiv gegen Westeuropa gerichtet eingeschätzt.[12]

Demgegenüber standen nur 16 Divisionen in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands und Österreichs, Frankreichs und den Benelux-Staaten. Bei den taktischen Luftwaffenverbänden wurde eine sowjetische Überlegenheit von 5:1 angenommen. Im Kriegsfall ging man davon aus, daß die Sowjetunion in 5 Tagen den Rhein, nach 14 Tagen die Kanalküste, innerhalb eines Monats den Atlantik und nach 2 Monaten die Pyrenäen erreicht hätte.[13]

Von einem Angriff hielt die Sowjetunion nur das us-amerikanische Atomwaffenmonopol und die langfristig größere ökonomische Potenz der USA ab.

Eine konventionelle Aufrüstung und die Schaffung von atlantischen Verteidigungsinstitutionen wurden angesichts der sowjetischen Übermacht und der aggressiven Politik Moskaus als alternativlos erachtet.[14]

Vor dem Hintergrund der ökonomischen Schwäche der westeuropäischen Staaten und der Verwicklung der Kolonialmächte in Befreiungskriege, Großbritannien in Malaya, Frankreich in Indochina und der Niederlande in Indonesien (bis 1949), die auch den Fokus der jeweiligen Regierungen von Europa weg lenkten, war aber eine konventionelle Aufrüstung kaum zu realisieren.[15]

Diese Gefahren- und Kräfteanalyse initiierte die Frage nach einem westdeutschen Beitrag zur Abwehr der sowjetischen Bedrohung.

In den USA begannen erste Überlegungen zur Bewaffnung Westdeutschlands bereits 1947.

Sowohl die Planungsabteilung G 3 im Pentagon als auch in Deutschland stationierte Offiziere der US-Armee kalkulierten die Nützlichkeit westdeutscher Verbände mit in ihren Planungen ein.[16]

Eine Wende in der offiziellen Demilitarisierungspolitik gegenüber Deutschland lösten diese Planspiele nicht aus, sie bewegten sich noch auf einer zu niedrigen Ebene der militärischen Bürokratie.[17]

[...]


[1] Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik. Bd. 1. Von der Kapitulation bis zum Pleven-Plan. München/ Wien 1982. Bd. 2. Die EVG-Phase. München 1990.

[2] Large, David Clay: Germans to the Front. West German rearmament in the Adenauer era. Chapel Hill/ London. 1996.

[3] The Quest for Stability. Problems of West European Security 1918-1957. Hrsg.: Ahmann, R./ Birke, A.M./ Howard, M.. Oxford 1993.

[4] Foreign Relations of the United States (FRUS), 1945-1950. Hrsg.: Department of State. Washington D.C. 1967-1980.

[5] Documents on British Policy Overseas. Series II., Volume III.. Hrsg.: Bullen, Roger/ Pelly, M.E.. London 1989.

[6] Loth, Wilfried: Die Formierung der Blöcke. Strukturen des Ost-West-Konflikts. In: Die westliche Sicherheitsgemeinschaft 1948-1950. Hrsg.: Wiggershaus, Norbert/ Foerster, Roland G.. Boppard am Rhein 1988. S.7f.

[7] Loth: S.16.

[8] Wiggershaus, Norbert: Von Potsdam zum Pleven-Plan. Deutschland in der internationalen Konfrontation 1945-1950. In: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945-1956. Bd.1. Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt. Oldenbourg/ München/ Wien. 1982. S.82.

[9] ebd.: S.86.

[10] Loth: S.14.

[11] Greiner, Christian: Militärstrategische Konzeptionen für die Verteidigung Westeuropas 1948-1950. In: Die westliche Sicherheitsgemeinschaft 1948-1950. Hrsg.: Wiggershaus, Norbert/ Foerster, Roland G.. Boppard am Rhein 1988. S. 262.

[12] Greiner, Christian: Die alliierten militärstrategischen Planungen zur Verteidigung Westeuropas 1947-1950. In: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945-1956. Bd.1. Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt. Oldenbourg/ München/ Wien. 1982. S.198.

[13] ebd.: S. 199.

[14] ebd.: S.200.

[15] Zeeman, Bert: Der Brüsseler Pakt und die Diskussion um einen westdeutschen Militärbeitrag. In: Vom Marshallplan zur EWG. Die Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland in die westliche Welt. Hrsg.: Herbst, Ludolf/ Bührer, Werner/ Sowade, Hanno. München 1990. S.398.

[16] Wiggershaus, Norbert: Die Entscheidung für einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag 1950. In: Anfänge westdeutscher Sicherheitspolitik 1945-1956. Bd.1. Hrsg.: Militärgeschichtliches Forschungsamt. Oldenbourg/ München/ Wien. 1982. S.327.

[17] Large, David Clay: Germans to the Front. West German rearmament in the Adenauer era. Chapel Hill/ London. 1996. S. 35.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Die USA und Großbritannien und die Bewaffnung der BRD vor dem Hintergrund des Korea-Krieges
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V40417
ISBN (eBook)
9783638389334
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Großbritannien, Bewaffnung, Hintergrund, Korea-Krieges
Arbeit zitieren
Alexander Lurz (Autor), 2003, Die USA und Großbritannien und die Bewaffnung der BRD vor dem Hintergrund des Korea-Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40417

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