Die Rolle der katholischen Kirche in Québec - Ihre Geschichte und ihr Einfluss auf das öffentliches Leben


Seminararbeit, 2003
13 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1 Vom Beginn der Kolonisierung bis zur englischen Eroberung

2 Kirchliches Leben unter englischer Herrschaft
2.1 Die Jahre vor 1840
2.2 Die Jahre nach 1840

3 « L’Église triomphante » von 1867 bis 1940

4 Die Kirche in den 1940er und 50er Jahren
4.1 Soziale Frage und Arbeiterstreiks
4.2 Das folgenreiche Jahr 1950 als Bruch mit alten Dogmen
4.3 « Cité libre »

5 Die Kirche während der Stillen Revolution

Quellenverzeichnis

„L’histoire du Canada français,
c’est l’histoire de l’Église au Canada.“

Jean-Charles Falardeau

Vorwort

Der Katholizismus im heutigen Quebec hat eine lange Tradition, die untrennbar mit der Geschichte dieser einst französischen Kolonie verbunden ist. Es dürfte schwierig sein, ein Land zu finden, dessen jüngerer geschichtlicher Werdegang so eng an den permanenten Einfluss der römisch-katholischen Kirche geknüpft ist. Allein dieses Phänomen macht es interessant, sich dieses Thema näher zu betrachten.

Einige Fragen werden hierzu immer wieder gestellt: Wie vollzog sich Quebecs Entwicklung vom vielleicht „katholischsten“ Land der Erde zu einem weltoffenen und emanzipierten Staat? Was geschah in den Jahren der Stillen Revolution, und warum verfiel die einst mächtige Kirche in eine quasi Bedeutungslosigkeit?

Neben dieser Frage werde ich in der vorliegenden Arbeit natürlich auf weitere eingehen. Insbesondere wird die geschichtliche Chronologie der Kirche bis zur Stillen Revolution, aber auch die Verbindung von Nationalismus und Katholizismus im Mittelpunkt meiner Ausführungen stehen.

Ich hoffe, mit dieser Arbeit aufmerksam und neugierig zu machen auf eine Gesellschaft, die sich so radikal gewandelt hat. Auch hoffe ich, dass mehr Interesse entsteht und mehr Forschung betrieben wird in Bezug auf das heutige Verhältnis der Quebecer zu ihrer Vergangenheit. Die heroischen Taten der Befreiung von der anglophonen Vormacht und das Erwachen des frankophonen Quebecs wird stets gepriesen – doch auf welche Art und Weise ist mit der jahrhundertlangen Verbundenheit zur Institution Kirche gebrochen worden? Warum so radikal? Und weshalb spielt die Kirche dort heute so gut wie gar keine Rolle mehr?

Nicht nur eine Annäherung an diese Fragen von der Geschichte her, sondern eine Forschung aus soziologischer und gesellschaftspsychologischer Sicht brächte neue Erkenntnisse über das Selbstverständnis eines modernen frankokanadischen Volks.

Robert Krahl

Halle/Saale, im März 2003

1 Vom Beginn der Kolonisierung bis zur englischen Eroberung

Als Jacques Cartier im Jahre 1534 auf der Halbinsel Gaspé landete, stellte er ein Kreuz auf. Von dort an war vorgezeichnet, wer in der nun zu gründenden Kolonie Frankreichs großen Einfluss haben sollte.[1] Der Katholizismus als Staatsreligion im 16. Jahrhundert verfolgte auch das Ziel, die damaligen Einwohner des heutigen Kanada zu Christenmenschen zu machen.

1615 kamen vier Franziskaner, bekannt unter dem Namen „Récollets“, nach Quebec. Im Jahre 1625 kam eine Gruppe von Jesuiten, um die Bräuche und die Sprache der Ureinwohner zu erlernen. Das Ziel war deren Missionierung. Auch wenn diese nur sehr schleppend voranging, war mit dem Beschluss seitens Ludwigs XIII. von 1627, nur Katholiken seien autorisiert, sich in Kanada niederzulassen, gewährleistet, dass keine andere Religion eine Chance haben würde, auf dem Boden dieser französischen Kolonie Fuß zu fassen.

Mit dem Aufbau des „Collège d’Amérique“ (1635) begann die katholische Kirche langsam, eine eigene Infrastruktur auszubilden. Die Ausbildung eigener Priester war Voraussetzung für die Gründung neuer Gemeinden und für die Unabhängigkeit vom europäischen Mutterland. Als 1642 die „Société de Notre Dame“ die Stadt Ville-Marie, das heutige Montreal, gründete, und als es dort im Jahre 1657 bereits ein Krankenhaus und eine Schule gab, wurde die wachsende Macht der Kirche auf zwei weitere Säulen gestellt: Krankenhilfe und Bildung als Teile eines Konzept zum sozialen Engagements. Über lange Zeit sollte die Kirche in Quebec eine monopolartige Stellung innerhalb der Krankpflege und der Bildung einnehmen, was neben vielen zu kritisierenden Erscheinungen natürlich auch die Reputation des Klerus erhöhte.

Diese Grundbausteine kirchlicher Macht wurden mit der Gründung des „Séminaire de Québec“ und mit der Ernennung von Mgr Montmorency-Laval zum Bischof (1663) zu einer abgeschlossenen und effektiven komplettiert. Der schnelle Aufbau und die starke Stellung der Kirche in den ersten Jahren der Kolonisierung war kein Akt der Usurpation. Die enge Verstrickung des französischen Staats mit der katholischen Kirche war Ergebnis des Konkordats von Bologna (1516) und einer langjährigen gemeinsamen Geschichte gewesen. Die kirchliche Vormachtstellung in den Gemeinden sowie im schulischen und sozialen Sektor waren zu dieser Zeit normale, ja sogar fortschrittliche Umstände. Der kirchliche Einfluss auf Politik und Wirtschaft war ebenfalls traditionell groß, besonders unter Ludwig XIII. und dem Kardinal Richelieu war diese enge Verquickung sehr lebendig. Dass die rasche Katholisierung des Landes also keine Ausnahme war, beweist die Denk- und Regierungsweise dieser Zeit.

2 Kirchliches Leben unter englischer Herrschaft

2.1 Die Jahre vor 1840

Im Vertrag von Paris (1763) verliert Frankreich seine Kolonie in Folge kriegerischer Auseinandersetzungen an die englische Krone. Die Engländer als Anhänger der anglikanischen Kirche versuchten, das katholische Sozial- und Bildungssystem aufzuweichen. Man bemühte sich, die Verbindung zu Paris und – fast noch wichtiger – die Verbindung zu Rom zu kappen.

Trotz ihrer gewissen Eigenständigkeit entschloss sich die katholische Kirche Neu-Frankreichs, mit den englischen Machthabern zu kooperieren. Zwar wird die Kirche nicht mir Radikalität aus dem öffentlichen Leben gedrängt, doch man erwartet von englischer Seite her eine Gegenleistung: Bischof Mgr Briand rief also 1775 seine frankokanadischen Mitbürger dazu auf, den englischen König in seinem Krieg gegen die nach Selbstständigkeit strebenden amerikanischen Kolonien an der Ostküste zu unterstützen. Ein gewisser „Anitklerikalismus“ unter der streng katholischen und national gesinnten Bevölkerung war die logische Folge.

2.2 Die Jahre nach 1840

Mit der „Rébellion des Patriotes“ (1837/38) und dem „l’Acte d’Union des deux Canadas“ (1840) ändert sich das Stimmungsbild erneut. Der nationalistische Aufschwung verhalf der Kirche zu neuer Stärke. Sie wurde nun von Nationalisten und „ultramontains“ unterstützt. Frankokanadischer Nationalismus und katholischer Glauben wurden nun als Einheit betrachtet. Ihre starke gegenseitige Abhängigkeit kam darin zum Ausdruck, dass man sich aufeinander berief. Zum Nationalismus gehörte die französische Sprache als Abgrenzung zu den englischen Machthabern aus Wirtschaft und Politik und das Französische gehörte auch zum Konzept der katholischen Kirche Quebecs. Hinzu kam das Gefühl, seit der englischen Unterwerfung und seit der französischen Revolution vom Mutterland verlassen zu sein. Dieses Gefühl bestärkte eine fast trotzige Haltung der Quebecer. Die katholische Kirche machte sich diese Stimmung ebenfalls zu nutze – mit Erfolg.

[...]


[1] Tetu de Labsade, Françoise (1990): Le Québec – Un pays, une culture, 161ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der katholischen Kirche in Québec - Ihre Geschichte und ihr Einfluss auf das öffentliches Leben
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Le Québec face à la pluralité culturelle
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
13
Katalognummer
V40642
ISBN (eBook)
9783638391139
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Kirche, Québec, Ihre, Geschichte, Einfluss, Leben
Arbeit zitieren
Robert Krahl (Autor), 2003, Die Rolle der katholischen Kirche in Québec - Ihre Geschichte und ihr Einfluss auf das öffentliches Leben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40642

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