Darstellung ausgewählter Einzelphänomene in der Übersetzungswissenschaft zwischen dem Deutschen und dem Französischen


Seminararbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

0 Vorwort

1 Eher außersprachliche Einzelphänomene
1.1 Grafiken und Comics – Beispiel: Astérix
1.2 Realia
1.3 Eigenamen
1.4 Maße und Gewichte

2 Eher innersprachliche Einzelphänomene
2.1 Metaphern – Beispiel: Der Tod
2.2 Titel und Überschriften
2.3 Wortspiele

3 Fazit

4 Quellen

0 Vorwort

„Quoi! Vous voulez traduire « Goethe »?“ titelt Thierry Grass (2002) in seinem Buch zum Thema der Übersetzung von Eigennamen und wirft damit eine Frage auf, welche auf einen schmalen Grat verweist: Wann kann ich welche Wendung von der Ausgangssprache in meine Zielsprache übersetzen? Welchen kulturellen Wert hätte eine Übersetzung gegenüber einer Beibehaltung des Begriffs? Diese diffizilen Fragen zeigen sofort, welch profunde Kenntnisse ein Übersetzer von Ausgangs- und Zielkultur haben muss, um eine adäquate und ansprechende Übersetzung abzuliefern. An dieser Stelle soll lediglich gezeigt werden, wie schwierig dieser Abwägungsprozess ist und warum gute Übersetzungen einen unschätzbaren Wert besitzen, der oft nicht erkannt wird.

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in die Techniken vermitteln, welche angewandt werden, um ausgewählte Einzelphänomene in der Übersetzungswissenschaft zu behandeln. Sie soll die Möglichkeiten und Freiräume des Übersetzers aufzeigen, aber auch darstellen, an welche Grenzen er bei seiner Arbeit stoßen muss.

Die Arbeit ist im Hauptteil zweifach gegliedert. Diese Gliederung der behandelten Einzelphänomene ist sehr wage und selbst gewählt. Die Zugehörigkeit eines Phänomens zur anderen Gruppe findet oft nicht wenig Argumente, trotzdem ist die hier angewandete Gliederung vertretbar und schafft vor allem mehr Struktur.

Die Arbeit orientiert sich an einigen Erscheinungen zum Thema des Kulturellen Übersetzens sowie an selbst recherchierten Beispielen. Hauptsächlich bedienen die Beispiele und Darstellungen den Übersetzungsprozess vom Deutschen ins Französische oder vom Französischen ins Deutsche.

Merseburg, im August 2004

Robert Krahl

1 Eher außersprachliche Einzelphänomene

1.1 Grafiken und Comics – Beispiel: Asterix

« Ils sont fous ces Romains! » pflegt Obelix zu sagen. Sein deutsches Pendant heißt zwar auch Obelix, sagt aber: „Die spinnen doch, die Römer!“. Warum wurde nicht übersetzt mit „Die Römer sind verrückt!“? Als einzelstehende Wendung wäre diese Übersetzung durchaus zulässig, da „Ils [...] ces Romains“ grammatikalisch eine ségmenation darstellt, welche im schriftlichen Deutsch durchaus mit einer normalen Satzgliedstellung wiedergegeben werden kann. Im mündlichen Bereich würde die Prosodie verdeutlichen, dass Obelix die Betonung auf „die Römer“ legt. Aber das Comic besteht nicht nur aus Bildern, sondern auch der Text im Comic kann grafisch so dargestellt werden, dass Prosodie ausgedrückt werden könnte. Es bleibt also weiterhin die Frage: Warum auch im Deutschen eine ségmenation, was ja nicht sehr häufig vorkommt?

Auf der einen Seite lässt sich dies wiederum mit einem Verweis auf die deutsche ségmetation beantworten. Trotz oder gerade wegen ihrer Seltenheit ist sie einprägsam und setzt eine eindeutige Betonung. Auf der anderen Seite lässt sich vor allem ein wirtschaftliches Argument anführen. Comicübersetzungen sind nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich anspruchsvoll, da es gilt den Zieltext (ZT) in dem gleichen Raum unterzubringen wie den Ausgangstext (AT). Eine Änderung der Sprechblasengröße wäre aufwendig und finanziell an der Schmerzgrenze. Aber das Raumproblem tangiert nicht das oben genannte Beispiel. Hier kommt es vielmehr auf einen weiteren finanziellen Aspekt an: Hand- oder Maschinenlattering. Der AT ist meist in Handlattering geschrieben, es handelt sich also um eine „gemalte“ Schrift, die es erlaubt, durch die Form der Buchstaben Akzente zu setzten. Diese Möglichkeit bietet das Maschinenlattering nicht. Jedoch ist es die kostengünstigere Variante beim Erstellen des ZT. Kurz gesagt muss der Übersetzer inhaltlich das vollbringen, was der Autor des AT grafisch darstellen konnte.

Liest man einen Roman, so entwickelt man eigene Bilder im Kopf. Wird dieser AT übersetzt, so entwickelt der Leser des ZT ebenfalls eigene Bilder in seinem Kopf. Die Textsorte des Romans überlässt die imaginäre grafische Darstellung des Inhalts dem Leser. Durch Kulturunterschiede aber eben auch durch Übersetzungsprozesse ist die Rezeption durch die Leser zweier verschiedener (Sprach-)Kulturen unterschiedlich. Beim Comic jedoch ist das Bild bereits vorgegeben. Das stellt für den Übersetzer eine weitere Hürde dar. Rapatel (2002) untersucht in seinem Aufsatz die Übersetzung von „Astérix chez les Bretons“ ins Englische. Dabei untersucht er die Namensgebung der Figuren. Nicht bei allen, aber doch bei einigen Figuren findet der französische Name einen Bezug im Aussehen oder Handeln der Figur. So heißt der Anführer der Briten im AT Zebigbos, was ja auf den mittlerweile internationalen Begriff vom „Big Boss“ schließen lässt. Der ZT jedoch richtet sich mehr noch an seinem (britischen) Publikum aus. Im Gegensatz zu andern Kulturen braucht ein Engländer nicht zwingend ein höheres Maß an Bildung, um zu verstehen, wer mit Mykingdomforanos gemeint sein könnte. Die Übersetzer lösen sich vollkommen von der AT-Variante und spielen im ZT gleich auf mehrere kulturelle Eigenheiten der Leser als auch auf die Eigenschaften der Figur an. Rapatel (2002: 102) sagt „l’allusion à Richard III (“My Kingdom for a horse “) est patent“, aber ebenfalls erkennt er die Anspielung auf den Cokney-Dialekt, der das glottale [h] weitgehend unterdrückt: My kingdom for an os. Eine dritte Variante wäre auch die Lesart My kingdom for a nose, da die Figur des britischen Stammeschefs die einzige im gesamten Comic sei „à posséder un tout petit appendice nasal.“

Eine weitere Eigenschaft des Comics sind die Interjektionen, Geräuschdarstellungen und Onomatopoetika. Für Interjektione, wie etwa das deutsche „Aua!“ bzw. „Autsch!“ gibt es direkte Entsprechungen: „Aïe!“ bzw. „Ouille!“ (frz.) oder „Ow!“ bzw. „Ouch!“ (engl.). Geräuschedarstellung werden im ZT bloß durch das entsprechende orthografische System kodiert und Onomatopoetika finden auch in den ZT ihre bekannten Entsprechungen.

Aus Gründen des Umfangs soll die Betrachtung des Comics auf diese wenige Punkte beschränkt bleiben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Darstellung ausgewählter Einzelphänomene in der Übersetzungswissenschaft zwischen dem Deutschen und dem Französischen
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Kulturelles Übersetzen: Deutschland - Frankreich
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V40643
ISBN (eBook)
9783638391146
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellung, Einzelphänomene, Deutschen, Französischen, Kulturelles, Deutschland, Frankreich
Arbeit zitieren
Robert Krahl (Autor), 2004, Darstellung ausgewählter Einzelphänomene in der Übersetzungswissenschaft zwischen dem Deutschen und dem Französischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40643

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