Finanzcontrolling - Innenfinanzierung


Hausarbeit, 2005

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Innenfinanzierung

2. Selbstfinanzierung
2.1 Offene Selbstfinanzierung
2.1.1 Kapitalrücklagen
2.1.2 Gesetzliche Rücklagen
2.1.3 Rücklagen für eigene Anteile
2.1.4 Satzungsmäßige Rücklagen
2.1.5 Andere Gewinnrücklagen
2.2 Stille Selbstfinanzierung
2.3 Steuerliche Aspekte der Selbstfinanzierung
2.4 Beurteilung der Selbstfinanzierung

3. Abschreibungsfinanzierung
3.1 Kapitalfreisetzungseffekt
3.2 Kapazitätserweiterungseffekt
3.2.1 Beurteilung des Kapazitätserweiterungseffektes

4. Rückstellungsfinanzierung
4.1 Finanzierung aus Pensionsrückstellungen

5. Finanzierung durch Vermögensumschichtung
5.1 Reduzierung der Außenstände
5.2 Reduzierung der Vorräte
5.3 Reduzierung nicht betriebsnotwendigen Vermögens
5.4 Sale-and-Lease-Back-Geschäfte

Abkürzungsverzeichnis / Quellenverzeichnis

1 Die Innenfinanzierung

Definition: Innenfinanzierung ist ein Teil des Geldmittelzuflusses aus dem betrieblichen Umsatzprozess. Sie erfolgt im Wesentlichen aus Verwendung von Gewinngegenwerten, Abschreibungsgegenwerten und Rückstellungsgegenwerten.[1]

Im Gegensatz zur Außenfinanzierung, bei der die Finanzmittel auf den Finanzmärkten beschafft werden, erfolgt bei der Innenfinanzierung die Beschaffung der Finanzmittel aus dem Umsatzprozess des Unternehmens. Die entsprechenden Finanzmittel werden also von den Absatzmärkten, und nicht von den Finanzmärkten beschafft.

Grundsätzlich steht diese Alternative der Kapitalaufbringung jedem Unternehmen zur Verfügung, sofern das Unternehmen die entsprechende Ertragskraft besitzt um sich selbst zu finanzieren. Bei Unternehmen die Verluste erwirtschaften, oder bei Neugründung eines Unternehmens kommt diese Finanzierungsalternative kaum in Frage.

Hochrechnungen der Deutschen Bundesbank zeigen, wie die jährliche Neufinanzierung deutscher Unternehmen aussieht. Bemerkenswert ist das die Abschreibungsfinanzierung, wiederholt in jedem Jahr, die mit Abstand wichtigste Finanzierungsart darstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb: Mittelaufkommen deutscher Unternehmen 1999[2]

Innenfinanzierung ist nur möglich wenn folgende zwei Bedingungen erfüllt sind:[3]

1. Der Unternehmung fließen in einer Periode liquide Mittel aus dem normalen betrieblichen Umsatzprozess oder aus außergewöhnlichen Umsätzen zu.
2. Dem Zufluss an liquiden Mitteln steht in der gleichen Periode kein auszahlungswirksamer Aufwand in gleicher Höhe gegenüber.

Die für die Unternehmung verfügbare Differenz aus Einzahlungen minus Auszahlungen einer Periode wird als finanzwirtschaftlicher Überschuss oder auch als Umsatzüberschuss bezeichnet. Der finanzwirtschaftliche Überschuss gibt den Betrag der finanziellen Mittel wieder, die einer Unternehmung im Verlauf einer Periode zur Verfügung standen. Dieser Umsatzüberschuss kann am Ende einer Periode durch den finanzwirtschaftlichen Cash-Flow in direkter oder indirekter Form ermittelt werden.

Während die Bestimmung der Innenfinanzierung global über den Cash-Flow erfolgt, ist in Deutschland eine Aufgliederung der Finanzen aus dem Umsatzüberschuss in Selbstfinanzierung, Finanzierung aus Abschreibungen und Finanzierung aus Rückstellungen üblich.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb: Systematik der Innenfinanzierung

2 Selbstfinanzierung

Selbstfinanzierung bedeutet Finanzierung aus im Unternehmen verbleibenden bilanziellen Gewinnen. Wenn Gewinne nicht in Form von Ausschüttungen an die Gesellschafter oder von Steuern an die Finanzbehörden als Zahlungsströme abfließen, kann das Unternehmen sie für Finanzierungszwecke einsetzen. Diese Art der Innenfinanzierung hat in der Unternehmenspraxis große Bedeutung. Für nicht emissionsfähige Unternehmen ist sie häufig die einzige Möglichkeit zur Beschaffung neuen Eigenkapitals.

Unter dem Zeitaspekt ergeben sich wesentliche Merkmale der Selbstfinanzierung:[5]

1. Innerhalb einer Abrechnungsperiode fließen einem Unternehmen Finanzmittel sukzessive zu und werden innerhalb dieser Periode zu einem überwiegenden Teil wieder verausgabt.
2. Am Ende der Periode wird der finanzwirtschaftliche Überschuss ermittelt. Der eigentliche Finanzierungseffekt erfolgt daher zeitlich vor der bilanziellen Gewinnermittlung.

Die Selbstfinanzierung ist gleichzeitig Innen- und Eigenfinanzierung. Dabei kann man, nach Art des bilanziellen Ausweises, zwischen offener und stiller Selbstfinanzierung unterscheiden.

2.1 Offene Selbstfinanzierung

Offene Selbstfinanzierung liegt vor, wenn versteuerte Gewinne nicht oder nur teilweise an die Gesellschafter ausgeschüttet werden. Sie erfolgt also durch die Zurückbehaltung von Gewinnen im Unternehmen, was in der Bilanz auf der Passivseite dokumentiert wird. Das bedeutet, dass die Gewinneinbehaltung bilanziell nach außen hin erkennbar ist. Ihre Höhe wird durch die positive Differenz zwischen dem Gewinn nach Steuern und der Ausschüttung bestimmt. Grundsätzlich lassen sich zwei Ausweisvorschriften in Abhängigkeit der jeweiligen Rechtsform der Unternehmung feststellen:[6]

1. Personengesellschaften bilden keine separat ausgewiesenen Rücklagen in der Bilanz. Es erfolgt eine direkte Zuführung des erwirtschafteten und nicht ausgewiesenen Gewinns zu den Eigenkapitalkonten der Gesellschafter. Das Eigenkapital hat bei den Personengesellschaften also einen variablen Charakter, ganz im Gegensatz zu den Kapitalgesellschaften.
2. Bei Kapitalgesellschaften werden die vom Unternehmen einbehaltenen Gewinne in bestimmte vom Gesetzgeber vorgeschriebene Positionen der Passivseite überführt. Dort ergänzen Sie den konstanten Anteil des Eigenkapitals bei Kapitalgesellschaften. Da auch die Rücklagen über keinen Gegenposten auf der Aktivseite der Bilanz verfügen, können sich die im Verlauf des Geschäftsjahres zugeflossenen Gewinne in unterschiedlichen Vermögenswerten der Aktivseite befinden. Dies richtet sich je nach vorangegangener Verwendung der Gewinnkomponenten.

Das HGB sieht dabei für Kapitalgesellschaften folgende Rücklagen vor:[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb: Rücklagearten

2.1.1 Kapitalrücklagen

Unter Kapitalrücklagen sind Agio-Beträge aus der Ausgabe von Aktien, Wandel- und Optionsschuldverschreibungen zu verstehen. Des Weiteren können Kapitalrücklagen auch durch von außen zugeführte Eigenkapitalanteile gebildet werden. Diese Zuzahlungen werden von den Eignern der Kapitalgesellschaft neben dem Nominalkapital geleistet.

Die Einordnung von Kapitalrücklagen in die Selbstfinanzierung kommt zustande, weil die Ausschüttung erhöhter Gewinne aufgrund außerordentlicher oder sonstiger betrieblicher Erträge vermieden und Ertragssteuern wegen der verminderten Besteuerungsgrundlage begrenzt werden.[8]

2.1.2 Gesetzliche Rücklagen

Das Aktiengesetz schreibt die Bildung gesetzlicher Rücklagen für Aktiengesellschaften vor. Die gesetzliche Rücklage von 10 % des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft muss jährlich mit einem Anteil von 5 % am Jahresüberschuss aufgefüllt werden. Dies muss solange geschehen bis die in § 150 AktG vorgeschriebene Höhe von 10 % des Grundkapitals erreicht ist. Laut Aktiengesetz darf in der Satzung aber auch ein höherer Anteil bestimmt werden.

Allerdings stellt die gesetzliche Rücklage keine Liquiditätsreserve für das Unternehmen dar, auf die im Bedarfsfall jederzeit zurückgegriffen werden kann. Die Auflösung der gesetzlichen Rücklage ist zweckgebunden. Nach § 150 AktG Abs. 3, 4 darf sie nur zum Ausgleich des Jahresfehlbetrags oder eines Verlustvortrags aus dem Vorjahr verwendet werden, sofern diese nicht durch die Auflösung anderer Gewinnrücklagen ausgeglichen werden können. Sollte die gesetzliche Gewinnrücklage den Anteil von 10 % am Grundkapital übersteigen, darf sie auch zur Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln gebraucht werden.

2.1.3 Rücklagen für eigene Anteile

Rücklagen für eigene Anteile unterliegen einer Ausschüttungssperre und dienen somit dem Gläubigerschutz. Diese Form der Rücklage muss dem in der Bilanz auf der Aktivseite angesetzten Betrag für eigene Anteile entsprechen. Sie soll sicherstellen, dass der Erwerb eigener Anteile nicht durch Rückzahlung von Grund-oder Stammkapital oder Auflösung von Rücklagen mit satzungsmäßiger Bindung realisiert wird. Sie kann aus Anteilen aus dem Jahresüberschuss oder aus vorhandenen, frei verfügbaren, Gewinnrücklagen gebildet werden. Liegt jedoch kein Anschaffungspreis vor, weil Aktien unentgeltlich zurückgegeben werden, so darf auch keine Rücklage gebildet werden.

2.1.4 Satzungsmäßige Rücklagen

Die Bildung einer satzungsmäßigen bzw. statutarischen Rücklage ist bei allen Formen von Kapitalgesellschaften gesetzlich zulässig. In der Satzung oder im Gesellschaftsvertrag einer Kapitalgesellschaft kann die Bildung einer solchen Rücklage in ihrer Höhe frei bestimmt werden.

Dabei kann sie zweckgebunden, z. B. für die Erhaltung oder Erneuerung von Teilen des Anlagevermögens, oder zweckfrei gebildet werden. Ihre Verwendungen unterliegen keinerlei gesetzlicher Bestimmung.[9]

2.1.5 Andere Gewinnrücklagen

Unter anderen Gewinnrücklagen versteht man eine Sammelposition von Gewinnrücklagen, die aufgrund der geltenden gesetzlichen Bestimmungen nicht in einer der vorhergehenden Kategorie erfasst werden können. Die Höhe ihrer Bildung wird bei der Aktiengesellschaft durch § 58 AktG Abs. 1, 2 auf maximal 50 % des erwirtschafteten Jahresüberschusses begrenzt. Die Gesellschafter einer GmbH unterliegen bei der Höhe und der Auflösung der anderen Gewinnrücklagen keinerlei gesetzlicher Bestimmung.

2.2 Stille Selbstfinanzierung

Im Gegensatz zur offenen Selbstfinanzierung erfolgt die stille Selbstfinanzierung durch die Einbehaltung nicht ausgewiesenen Gewinns. Es werden stille Rücklagen gebildet, indem die erzielten Gewinne oder eventuelle Wertsteigerungen in der Bilanz nicht sichtbar werden bzw. in Passivkonten versteckt werden. Stille Reserven unterliegen erst bei ihrer Auflösung der Ertrags- bzw. Körperschaftssteuer, so dass ihre Bildung aus noch unversteuertem Gewinn realisiert wird. Es liegt also keine Steuerersparnis sondern eine Steuerstundung vor.

Ihre Bildung entsteht durch Bewertungsmaßnahmen die das Bilanzrecht einräumt:[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb: Einteilung der Bewertungsmaßnahmen

Es sei gleich darauf hinzuweisen, dass nach deutschem Bilanzierungsrecht das Vorsichtsprinzip, sowie das Niederstwertprinzip als Grundsätze ordnungsgemäßer Buchhaltung gemäß HGB vorgeschrieben sind. Vermögensgegenstände sollen also in keinem Fall überbewertet werden, sondern eher in Bezug auf den Gläubigerschutz zu ihrem niedrigeren Wert in der Bilanz angesetzt werden. Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten stellen die obere Grenze für die Bewertung von Vermögensteilen in der Bilanz dar. So ergeben sich fast schon automatisch stille Reserven durch Wertsteigerungen die eine Kapitalgesellschaft nicht beeinflussen kann.

[...]


[1] Däumler, Betriebliche Finanzwirtschaft, 8. Auflage 2002, S. 403

[2] Quelle: Deutsche Bundesbank, Monatbericht März 2001

[3] Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Auflage 2004, S. 464

[4] Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Auflage 2004, S. 465

[5] Schäfer, Henry, Unternehmensfinanzen, 2. Auflage 2002, S.460

[6] Schäfer, Henry, Unternehmensfinanzen, 2. Auflage 2002, S. 461

[7] Jahrmann, Finanzierung, 4. Auflage 1999, S. 372

[8] Schäfer, Henry, Unternehmensfinanzen, 2. Auflage 2002, S. 462

[9] Schäfer, Henry, Unternehmensfinanzen, 2. Auflage 2002, S. 464

[10] Wöhe / Bilstein, Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 9. Auflage 2002, S. 357

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Finanzcontrolling - Innenfinanzierung
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V40844
ISBN (eBook)
9783638392594
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Theoretische Abhandlung zu den einzelnen Methoden und Verfahren der Innenfinanzierung eines Unternehmens.
Schlagworte
Finanzcontrolling, Innenfinanzierung
Arbeit zitieren
Dennis Teichert (Autor), 2005, Finanzcontrolling - Innenfinanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/40844

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