Das pflegerische Erstgespräch als Ausbildungsinhalt der theoretischen und praktischen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Vorstellung des Projektthemas
1.1 Vorstellung der Klinik
1.2 Vorstellung der Pflegeschule
1.3 Ziele des Projekts

2 Methodisches Vorgehen im Rahmen des Projekts
2.1 Forschungsergebnisse zum Thema „Pflegerisches Erstgespräch“...
2.2 Rahmenbedingungen und Inhalte des Erstgespräches im Pflegealltag
2.3 Assessmentinstrumente und Qualitätsanforderungen der Klinik
2.4 Die Checkliste als Hilfsmittel für das Aufnahmegespräch
2.5 Bedeutung des Erstgespräches für Patienten
2.6 Bedeutung des Erstgespräches für die Pflegekräfte und Verödung im Pflegeprozess
2.7 Die Dokumentation des Erstgespräches

3 Anforderungen an eine Lernsituation „Das pflegerische Erstgespräch“
3.1 Pflegedidaktische Konzepte und Inhalte zur Vorbereitung auf die Lernsituation

4 Praxistransfer
4.1 Lernmöglichkeiten und -Situationen des Erstgespräches im Klinikalltag
4.2 Kompetenzmessung in der praktischen Pflegeausbildung / Leistungsschein
4.3 Pflegewirklichkeit und Schlüsselprobleme

5 Zusammenfassung und Ausblick auf künftige Maßnahmen
5.1 Einbindung in das bestehende Lernverlaufssystem der Auszubildenden
5.2 Konsequenzen für die Ausbildung in Praxis und Theorie

Literaturverzeichnis

Anlagen

Einleitung

Das pflegerische Erstgespräch scheint für die Pflegenden auf den ersten Blick eine Aufnahme-Routine zu sein. Für den Patienten jedoch stellt es zumeist den ersten Kontakt mit dem Team auf Station dar und hat u.a. eine große soziale Bedeutung, es kann den Grundstein für eine vertrauensvolle Beziehung während des Krankenhausaufenthaltes legen. Für Pflegenden beinhaltet das Erstgespräch eine erste Ermittlung des individuellen Pflegebedarfs des Patienten. Wie in Kapitel zwei beschrieben wird, erfordert dies Fach-, Sozial-, Methoden- und personale Kompetenz. Das pflegerische Erstgespräch ist als Teil der Pflegeanamnese u.a. entscheidend für alle weiteren Schritte im Pflegeprozess.

In Kapitel drei wird dargestellt, dass das Führen eines pflegerischen Erstgespräches für die Auszubildenden in der Gesundheits- und Krankenpflege eine komplexe Lernanforderung darstellt. Die Vorbereitung darauf besteht im theoretischen Teil der Ausbildung aus verschiedenen Unterrichtseinheiten zu Kommunikation, Interaktion und Pflegeprozess, die sich über die drei Ausbildungsjahre verteilen. Im Klinikalltag werden Auszubildende früh mit dem Führen des pflegerischen Erstgesprächs betraut. Die Qualität des Erstgespräches hängt dann häufig von deren Lernstand und / oder der Art der Praxisanleitung ab, ein systematisches Feedback-Instrument fehlt an dieser stelle.

Um diese Lücke zu schließen, werden im vierten Kapitel zunächst die Anforderung an die Lernsituation und die dafür erforderlichen Kompetenzen beschrieben. Davon abgeleitet werden mögliche Lernsituationen in der Praxis. Als Instrument für die Überprüfung der erworbenen Kompetenzen, wird die Einführung eines sog. „Leistungsscheines“ vorgeschlagen und begründet. Als Vorbereitung darauf und als ein Ergebnis dieses Projektes wurde der Standard „Das pflegerische Erstgespräch“ und ein Leitfaden für die Praxisanleitung entwickelt. Er diente als Basis für die Entwicklung des Leistungsnachweises zur Kompetenzüberprüfung.

1 Vorstellung des Projektthemas

Ein Erstgespräch zu führen stellt eine hohe Lernanforderung in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege dar. Es stellt sich die Frage, wie das Lernziel: „Auszubildende der Gesundheits- und Krankenpflege führen ein Erstgespräch durch, dass sich an den Qualitätsansprüchen der Klinik und dem Selbstverständnis der Pflege orientiert“ erreicht und überprüft werden kann. Auszubildende in der Gesundheits- und Krankenpflege brauchen gezielte Unterstützung, Anleitung und Begleitung zum Erlernen der Kompetenzen, die für das pflegerische Erstgespräch von Bedeutung sind (vgl. Rüller 2009: 23 f). Da der Theorieunterricht zu diesem Lernziel eine bedeutsame Voraussetzung für die Umsetzung in die Praxis ist, wird er in Kapitel 3.1 beschrieben, er ist aber nicht der Schwerpunkt dieses Projektes. Vorrangig werden in diesem Projekt die Inhalte und die Rahmenbedingungen für das Erstgespräch in der Praxis umfassend beschrieben, um die Komplexität und die Vielschichtigkeit dieses Lernthemas darzustellen. Daraus wird abgeleitet, welche Kompetenzen Auszubildende für das Führen eines Erstgespräches benötigen (ร. Standard, Anlagel), welche Lernmöglichkeiten sie in der Praxis haben und auf welche Art und Weise sie begleitet werden sollten. Außerdem liefert die Darstellung die Begründung für die Konstruktion eines Leistungsscheines zum Thema Erstgespräch, was die Reflexion der Kompetenzdiagnostik beinhaltet.

1.1 Vorstellung der Klinik

Die imland GmbFI mit ihren ca. 800 Planbetten bildet eine der größten Kliniken in Schleswig-Flolstein mit mehr als 2.000 Beschäftigten. Jährlich werden ca. 45.000 Patienten* behandelt. Im Pflege- und Funktionsdienst der Klinikstandorte Rendsburg und Eckernförde werden Mitarbeiter mit der Ausbildung zur Kranken- und Gesundheitspflege, Stationsassistentinnen sowie Servicekräfte eingesetzt. In Rendsburg arbeiten im Pflege- und Funktionsdienst insgesamt 510 Mitarbeiterinnen auf insgesamt 33 Stationen und Fachbereichen. Diese sind in Großstationen mit 43 - 54 Betten und in kleinere Bereiche mit 21 - 30 Betten unterteilt. In einem hauseigenen Pflegeleitbild ist die Grundeinstellung, welche für die Zielsetzung und Durchführung der pflegerischen Versorgung der Patienten richtungsweisend ist, festgelegt. Neben der professionellen Arbeit ist es das Ziel, Patienten bestmöglich zu unterstützen, zu fördern und deren Wünsche weitestgehend zu erfüllen, (vgl. imland Klinik 2016)

[*Die männliche bzw. weibliche Form ist immer mitgemeint.]

1.2 Vorstellung der Pflegeschule

Die imland Pflegeschule gehört zur imland GmbH und hat 150 Ausbildungsplätze, pro Jahr werden 50 Ausbildungsplätze in zwei Kursen besetzt. Den rechtlichen Rahmen gibt das Krankenpflegegesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (KrPflAPrV) für die Berufe in der Krankenpflege von 2003 vor. Der theoretische Anteil der Ausbildung (2100 Theoriestunden) wird in der Pflegeschule mit unterschiedlichen Methoden (z.B. anhand von Pflegesituationen oder Fallbesrprechungen) unterrichtet. Die praktische Ausbildung (ca. 2500 Praxisstunden) erfolgt in den unterschiedlichen Fachbereichen. Es wird das Konzept der „Heimatstation“ durchgeführt, d.h. die Auszubildenden kehren nach Praktika in den Spezialgebieten immer wieder auf die Heimatstation zurück und absolvieren dort auch das staatliche Examen in der Gesundheits- und Krankenpflege. Es arbeiten dort pädagogisch ausgebildete Fachkräfte als Mentoren / Praxisanleiter, des Weiteren wird die praktische Ausbildung von den jeweiligen Kursleitungen und vier freigestellten Praxislehrern begleitet. Um Lernziele in der praktischen Ausbildung zu erreichen, werden regelmäßig Praxisbegleitungen und Praxisanleitungen durchgeführt. Am Ende des Einsatzes werden Entwicklungsbeurteilungen erstellt, wobei hier eine Selbsteinschätzung des Auszubildenden und eine Fremdeinschätzung der Praxisanleiter der Station durchgeführt werden, wodurch Entwicklungsmöglichkeiten und Lernvorschritte aufgezeigt werden. Um gezielt gelernte Pflegesituationen und Pflegetechniken zu evaluieren, werden zu bestimmten Themen „Leistungsscheine“ abgelegt (z.B. Dekubitusprophylaxe, Vitalzeichen etc.). (ร. Anlage 3) Das bedeutet, dass sie eine für das jeweilige Thema des Leistungsscheins geeignete Pflegesituation auswählen und die Pflegemaßnahmen unter Beobachtung einer Praxisanleiterin patientengerecht durchführen und anschließend evaluieren und mit bestanden oder nicht bestanden bewerten. Da dieses Verfahren an der Schule etabliert ist, wird es in dieser Arbeit nicht ausführlich beschrieben.

1.3 Ziele des Projekts

Zunächst soll die große Bedeutung des pflegerischen Erstgesprächs anhand einer detaillierten Betrachtung des Themas dargestellt. Diese Analyse stellt den Begründungsrahmen für das Lernziel „Das Führen eines Erstgespräches“ und die daraus abgeleitete Implementierung eines neuen Leistungsscheines dar. Die didaktische Einbindung des Themas in den Theorieunterricht wird in dieser Arbeit nur kurz beschrieben, da das Ziel dieses Projektes ist, die Umsetzung in der praktischen Ausbildung zu beschreiben und die Möglichkeit einer Kompetenzüberprüfung mittels Leistungsschein zu bewerten. Das System der Kompetenzmessung mittels Leistungsscheine wird bisher ausschließlich bezogen auf Pflegetechniken angewendet. Ein weiteres Ziel wäre also, erstmals einen Leistungsschein für ein pflegerisches „Gesprächsthema“ zu entwerfen. Hintergrund dieses Lernziels ist, dass Gespräche in der Pflege, trotz ihrer hohen Bedeutung, noch immer unterbewertet werden, wie Zegelin in ihrer Arbeit „Gespräche sind Pflegehandlungen“ beschreibt (vgl. Zegelin 2009).

2 Methodisches Vorgehen im Rahmen des Projekts

Zunächst wurde eine Literaturrecherche zum Thema durchgeführt, die auch Studienergebnisse berücksichtigt. Um eine wissenschaftliche Begründung für eine Lernzielformulierung und -Überprüfung zu gewährleisen, wurde das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht (Sachanalyse): die Praxisrelevanz wurde durch die Situationsanalyse (Patienten- und Pflegeperspektive) und der Auszubildendenperspektive aufgezeigt (Bedingungsanalyse). Daraus abgeleitet wurde der Standard „Das pflegerische Erstgespräch“ entwickelt, der die Basis für die Konstruktion eines neuen Leistungsscheines sein kann.

2.1 Forschungsergebnisse zum Thema „Pflegerisches Erstgespräch“

Die Literaturrecherche ergab drei wissenschaftliche Forschungsarbeiten, die im Folgenden zusammenfassend dargestellt werden.

Die Gesprächswirklichkeit Pflegender im stationären Krankenhausalltag wurde von Walther untersucht, indem Pflegegespräche miteinander verglichen wurden, um herauszufinden, ob bestimmte kommunikative Fähigkeiten von Erwachsenen in einem zeitlich stark begrenzten Rahmen erlernbar sind. Hierfür wurde exemplarisch die Aufnahmesituation gewählt und gefolgert, dass die Kommunikation des Pflegepersonals einen Einfluss auf die Patienten und deren Befinden (sowohl im positiven als auch im negativen Sinne) haben kann und Gespräche sich ebenso ungünstig auf den Fleilungsprozess auswirken können wie beispielsweise ein unsachgemäß durchgeführter Verbandswechsel. Das bedeutet, dass die Gesprächsführung genauso intensiv gelehrt werden muss wie Z.B. das Beurteilen und Pflegen von Wunden. Des Weiteren erforschte sie, wie Pflegepersonen ihre eigene Arbeit verstehen, wie sie sich selbst als Pflegende in der Institution Krankenhaus sehen und wie sie die ihnen anvertrauten kranken und hilfebedürftigen Menschen wahrnehmen (vgl. Walther 2005).

Als ein Indikator für das Qualitätsmanagement aus der Sicht der Pflegeleitung wird das pflegerische Erstgespräch in einer Forschungsarbeit von Becke beschrieben. Aufgrund der zentralen Stellung im Behandlungsprozess wird das Erstgespräch als idealer Qualitätsindikator vorstellt. Als Begrüßung stellt es den Rahmen des persönlichen Empfangs auf Station da und bestimmt maßgeblich jenen entscheidenden ersten Eindruck, den ein Patient gewinnt und schließlich auch nach außen trägt. Die Ergebnisse seiner Studie sollen dazu beitragen, den Spagat zwischen Patientenorientierung und Effizienz bei knappen Ressourcen besser zu gestalten. Anhand des Erstgesprächs wird gezeigt, dass zeitgemäße und verantwortungsvolle Pflege ohne professionelle, reflektierte Gespräche undenkbar ist. Es wird zum einen deutlich, wie wichtig den Patienten das pflegerische Erstgespräch ist und welche große soziale Komponente es aufweist. Das pflegerische Erstgespräch gehört bei stationären Aufnahmen zwar zur Aufnahmeroutine, hat jedoch eine große Bedeutung, da die Dauer des stationären Aufenthalts auch von der Qualität der Planung bestimmt wird. Diese wiederum hängt von einer rechtzeitigen und fundierten Informationssammlung ab (vgl. Becke 2005).

In der Studie der Rehabilitationsforschung „Optimierung pflegerischer Patientenkontakte" wurde untersucht, ob die Qualität der Kommunikation zwischen Pflegenden und Patienten einen Einfluss auf langfristige Behandlungsergebnisse hat. Ziel des Projektes war es daher, ein an die Erfordernisse der Reha angepasstes Trainingskonzept für die Kommunikation von Pflegenden mit Patienten zu entwickeln und zu prüfen, ob das Training die Qualität der Gespräche zwischen Pflegenden und Rehabilitanden verbessern kann. Dazu wurde die Qualität der Aufnahmegespräche zwischen Pflegenden und Patienten vor und nach dem Training erfasst und verglichen. Im Ergebnis scheint sich ein Einfluss der Gesprächsqualität des Aufnahmegespräches in der Pflege auf die Reha-Ergebnisse zu manifestieren (vgl. OPTIPPAR: 2015)

Diese Forschungsergebnisse zum Thema Erstgespräch zeigen, dass beruflich-kommunikative Kompetenz eine hohe Bedeutung auf verschiedenen Ebenen der Pflegequalität hat. Es ist eine unverzichtbare Fähigkeit von professionell Pflegenden und erfordert ein hohes Maß an Fachkompetenz, die in Aus- und Fortbildung vermittelt werden muss. Des Weiteren ist die Sprachentwicklung der Pflege Voraussetzung und Indiz für die Professionalisierung des Pflegeberufes (vgl. Abt-Zegelin 2009).

2.2 Rahmenbedingungen und Inhalte des Erstgespräches im Pflegealltag

Das Erstgespräch ist ein erster Schritt und Teil der Pflegeanamnese, wobei diese Begrifflichkeit im medizinischen Bereich ähnlich ist (Anamnese: griech. „Erinnerung“). Die medizinische Anamnese umfasst die Erhebung der Krankheitsvorgeschichte sowie der aktuellen Gesundheits-/ Krankheitssituation eines Patienten. In Abgrenzung und Ergänzung dazu geht es in der pflegerischen Anamnese darum, für die Pflege relevante Informationen über den Patienten und seine soziale Situation zu erfahren. Eine Besonderheit liegt darin, dass das Gespräch die eigentliche Pflegeaufgabe ist und nicht nebenbei während anderer Aufgaben erledigt wird (vgl. Bohrer, 2009: 31). Da Pflegende die Bezugspersonen sind, mit denen der Patient am häufigsten und längsten Kontakt im Krankenhaus hat und die als erste Ansprechpartner für evtl. Probleme, Beschwerden oder Sorgen und Nöte da sind, ist es von großer Bedeutung, bereits zu Beginn des Aufenthaltes einen guten Kontakt herzustellen. Dazu gehört die Beachtung allgemeiner Regeln guter Kommunikation, Z.B. Vorstellung, Nennung des Gesprächsanlasses, Wertschätzende Grundhaltung und Wahrung der Intimsphäre. Die Gesprächsdauer sollte 20 bis 30 Minuten nicht überschreiten, um den Patienten Zeit zum Eingewöhnen zu geben, da er sich in einer neuen Situation befindet (vgl. Becke 2005). Deshalb ist ein weiteres Merkmal des pflegerischen Erstgesprächs die Beschränkung auf die zunächst notwendigsten Inhalte, was eine Priorisierung und damit Fachkompetenz und Erfahrungswissen voraussetzt. Je nach individuellen Bedarf wird es Ergänzungen durch nachfolgende Gespräche anderer Berufsgruppen geben müssen (z.B. Ärzte, Stoma- oder Ernährungstherapeuten usw.) die eine stärkere fachliche Orientierung aufweisen.

Für das pflegerische Erstgespräch ist das Bezugspflegesystem die günstigste Organisationsform, weil dann die aufnehmende Pflegende die hauptsächlich zuständige, betreuende Pflegekraft ist. So kann das zu Beginn entstandene Vertrauensverhältnis weitergeführt werden und sich vorteilhaft auf den Verlauf der Behandlung auswirken (vgl. Menche 2015: 59).

2.3 Assessmentinstrumente und Qualitätsanforderungen der Klinik

Zur übersichtlichen Gestaltung einer pflegerischen Informationssammlung verwendet die Klinik vor dem Flintergrund der Pflegetheorie nach Roper eine Checkliste, den sog. Pflegeanamnese-Bogen. Es werden dort die Stammdaten des Patienten eingetragen, außerdem sieht die Liste das Ankreuzen und Ausfüllen von pflegerelevanten Lebensaktivitäten und die Identifizierung von Pflegeproblemen vor. Sie soll den Pflegeden das Sortieren und Dokumentieren der gewonnenen Informationen erleichtern. Die Pflegeanamnese sollte für jeden Patienten möglichst zeitnah nach der Aufnahme auf die Station begonnen werden und beinhaltet ein geplantes, zielgerichtetes Gespräch mit dem Patienten und ggf. dessen Angehörigen.

2.4 Die Checkliste als Hilfsmittel für das Aufnahmegespräch

Eine Checkliste als Hilfsmittel eignet sich gut für objektivierbare Daten, die beobachtbar und messbar sind, sie sollten aber mit offenen Formen der Anamnese kombiniert werden, um die Vorgeschichte zur Befindlichkeit, die subjektive Wahrnehmung und die Bedeutung für die betroffene Person zu erfassen und in der Planung der Maßnahmen berücksichtigen zu können, (vgl. Schrems, 2009: 9) Manche Pflegende benutzen dieses Formular im Erstgespräch mit dem Patienten. „Dies kann als Gedankenstütze sinnvoll sein, birgt aber die Gefahr eines „Abarbeitens“ in sich. Aus diesem Grund gilt es, sich vor einem Gespräch zu überlegen, ob die Checkliste bei dem jeweiligen Patienten angebracht ist und wenn ja, welche Fragen gestellt werden sollten.“ (Menche 2015: 297) Walter stellt in ihrer Forschungsarbeit anhand von Gesprächsbeispielen fest, dass bestimmte Formen sprachlichen Handelns (z.B. die spezifische Benutzung von Fachsprache oder die Art und Weise des Reagierens auf emotionale Äußerungen) eine patientenorientierte Gesprächsführung behindern. Dazu gehört auch das „Abfragen“ mittels einer Checkliste (vgl. Walter 2001)

2.5 Beschreibung der Bedeutung des Erstgespräches für Patienten

Die Aufnahmesituationen im Krankenhaus sind individuell unterschiedlich und hängen von der Krankheitssituation und der Pflegebedürftigkeit des Patienten ab. Beispielsweise benötigt ein chronisch kranker Mensch mit Krankenhauserfahrung kaum Orientierung zur Einrichtung, dafür hat er möglicherweise sehr klare Vorstellungen und Erwartungen an die Pflege, die im Gespräch offengelegt werden. Bereits die Begrüßung stellt den Rahmen des persönlichen Empfangs auf Station dar. Die Gesprächsbereitschaft der zu pflegenden Menschen erhöht sich, wenn sie wissen, was im Gespräch auf sie zukommt und aus welchem Grund das Gespräch für die Pflegenden von Bedeutung ist (vgl. Bohrer 2009: 31).

Das pflegerische Erstgespräch sollte jedoch unabhängig von der geplanten Aufenthaltsdauer sein, da sich sowohl ein tagesstationärer wie auch ein wiederkehrender Patient in einer neuen Situation befinden. Es ist somit der Grundstein für eine vertrauensvolle Beziehung und hat eine richtungsweisende Funktion für den gesamten nachfolgenden Behandlungs- und Beziehungsprozess zwischen Patient und Pflegekraft. Das pflegerische Erstgespräch kann und sollte durch Informationsvermittlung Unsicherheiten abbauen und die persönliche Zuwendung der Pflegkraft auch Ängste beseitigen.

Schrems schlägt die offene Form der Anamnese in Form einer Erzählung seitens des Patienten vor, die mit einer Initialfrage seitens der Pflegekraft angeregt wird. Stil und Detailliertheit bleiben dem erzählenden Patienten überlassen, so dass sich Prioritäten und Zusammenhänge aus seiner Perspektive erkennen lassen (Schrems 2009: 15). Durch die Priorisierung können aktuelle Befindlichkeiten oder Pflegeprobleme bereits zu Beginn des Krankenhausaufenthaltes benannt und erste Maßnahmen können bei Bedarf eingeleitet werden.

2.6 Beschreibungen der Bedeutung des Erstgespräches für die Pflegekräfte und Verortung im Pflegeprozess

Der Pflegeprozess ist für den klinischen Alltag von zentraler Bedeutung, er beschreibt den Ablauf zielgerichteten Flandelns in der Pflege. Das Erstgespräch stellt den Einstieg in den Pflegeprozess dar, ist ein Element der Pflegeanamnese und sollte möglichst zeitnah zur Aufnahme stattfinden. Eine korrekte Beschreibung der Pflegebedürftigkeit eines Menschen kann nur erfolgen, wenn ausreichend Informationen vorliegen, dabei ist die Qualität der Informationssammlung entscheidend für alle weiteren Schritte im Pflegeprozess. Das Erst- oder Aufnahmegespräch kann ggf., neben dem Gespräch oder der Befragung des Patienten auch eine körperliche Untersuchung beinhalten (direkte Informationen).

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Das pflegerische Erstgespräch als Ausbildungsinhalt der theoretischen und praktischen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Veranstaltung
Studiengang Health Care Studies
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
32
Katalognummer
V411907
ISBN (eBook)
9783668638457
ISBN (Buch)
9783668638464
Dateigröße
946 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflege - Erstgespräch - Aufnahmegespräch - Pflegeausbildung, Pflegeprozess - Pflegeanamnese
Arbeit zitieren
Brigitte Ninow (Autor), 2016, Das pflegerische Erstgespräch als Ausbildungsinhalt der theoretischen und praktischen Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/411907

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