Pädagogik im Nationalsozialismus


Hausarbeit, 1999
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Erziehungsdiktatorische Grundgedanken und ideologische Leitideen des Nationalsozialismus
1.1 Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie
1.1.1 Sozialdarwinismus & Rassismus
1.1.2 Antisemitismus
1.1.3 Nationalismus & Volksgemeinschaft
1.1.4 Führerprinzip
1.2 Allgemeine Grundgedanken und Ziele des totalitären Erziehungsgefüges im NS-Staat
1.3 Nationalsozialistische Ansichten von Erziehung
1.3.1 Das Heranzüchten kerngesunder Körper
1.3.2 Die Charakterschulung
1.3.3 Ausbildung der geistigen Fähigkeiten

2 Der Transfer ideologischer Prinzipien auf gesellschaftliche Strukturen des Alltags
2.1 Die Erfassung der Jugend und die neue Rolle der Frau
2.2 Die Auswirkung der politisch-ideologischen Veränderungen auf die deutsche Lehranstalt
2.2.1. Aufgaben des Lehrers

3 Schlusswort

Literaturverzeichnis

Vorwort

„Pädagogik ist die praktische und theoretische Lehre von der Erziehung, auch die Erziehung selbst. Sie beschäftigt sich mit den Zielen und Inhalten, den Interaktions- und Vermittlungsformen und den sozialen und institutionellen Rahmenbedingungen des Erziehungsprozeßes.“ (Bertelsmann Universallexikon, 1993, S.661)

„Nationalpolitische Erziehung ist Erziehung zu politischer Haltung im Sinne des Nationalsozialismus. Haltung umschließt die aus einer bestimmten Weltanschauung fließende Gesinnung und zugleich ihre Bestätigung“ (Kanz, H., 1990, S.152, nach Benze), welche sich zum Ziel gesetzt hat, die Volksgenossen zu Gemeinschaftsgesinnung und Gemeinschaftstat für den eigenen Volksstaat zu erziehen und geistig Gleichzuschalten.

1 Erziehungsdiktatorische Grundgedanken und ideologische Leitideen des Nationalsozialismus

1.1 Grundpfeiler der nationalsozialistischen Ideologie

„Ziel und Inhalt der Erziehung ergeben sich aus der nationalsozialistischen Weltanschauung, die in Volksgemeinschaft, Wehrhaftigkeit, Rassebewußtsein und Führertum die erhaltenden und bewegenden Kräfte der Nation erkennt“ (Dithmar, R., 1989, S. 184)

1.1.1 Sozialdarwinismus & Rassismus

Das nationalsozialistische Weltbild war geprägt von der sozialdarwinistischen Vorstellung, daß das Leben ein Existenzkampf zwischen höherwertigen Rassen (den sogenannten Ariern) und minderwertigen Rassen (insbesondere Juden) sei, wodurch eine ewige Auslese um Leben und Recht stattfindet, bei welcher der Schwächere durch den Stärkeren verdrängt wird.

"Was nicht gute Rasse ist auf dieser Welt, ist Spreu ...Den gewaltigsten Gegensatz zum Arier bildet der Jude...Der Staat hat die Verpflichtung, mit äußerster Sorgfalt und Genauigkeit aus der Gesamtzahl der Volksgenossen das von Natur aus ersichtlich befähigte Menschenmaterial herauszusieben und im Dienste der Allgemeinheit zu verwenden." (Berger, M., 1986, S.21, nach Hitler)“

"Darwin hatte mit seinen beiden großen Werken 'Entstehung der Arten' (1859) und 'Die Abstammung des Menschen' (1871) den Schritt von einer naturbeschreibenden, in verschiedener Hinsicht noch spekulativen Biologie zu einer kausal-analytischen Erklärung der Natur getan, die nicht mehr auf übernatürliche Wirkfaktoren angewiesen war, sondern von materiellen Entwicklungsabläufen ausging.

Insbesondere bei der Bedeutung des Menschen gingen seine Anhänger daran, die aufklärerisch-rationale Funktion der Wissenschaft gegen religiöse Anschauungen ebenso wie gegen gesellschaftliche Vorurteile ein- und durchzusetzen".(Dithmar, R., 1993, S. 232)

Eine Entwicklung hielt in der Wissenschaft Einzug, wobei selbige mehr und mehr vom Sozialdarwinismus und Rassismus durchsetzt wurde, was folglich auch bald schon auf das Alltagsdenken und nicht minder auf den Schulunterricht übergriff. Inhalt der sich nun ausbreitenden Evolutionstheorie war die Anwendung und praktische Umsetzung des Selektionsprinzips auf die menschliche Gesellschaft. Auf der Basis von Inhalten der darwinistischen Lehre, wurde die Konkurrenz, sozialer oder wirtschaftlicher Art, zwischen Menschen und Nationen in einem völlig neuen Licht gesehen. Man hatte eine scheinbar naturwissenschaftliche Begründung gefunden, welche Ungleichheit, Ausbeute, ja sogar koloniale Eroberungskriege auf einem biologischen und damit gerechtfertigtem Prinzip (natürliche Selektion) basieren lies.

Diese Denkform, erst später mit dem Titel "Sozialdarwinismus" bezeichnet, hatte ihren Ursprung in England und entsprang nicht, wie vielleicht anzunehmen, Darwins Geist.

Ihre Verbreitung in Deutschland beschleunigten besonders deutsche Übersetzungen von Darwins Werken, woran nicht zuletzt Ernst Haekkel einen bedeutenden Anteil hatte, welcher besonders sozialdarwinistische Ansichten in seine Lehre mit einfließen lies.

Eine Ergänzung des Sozialdarwinismus bildete die sich ebenfalls in England zu erst etablierende Lehre der Eugenik, welche die Meinung der Notwendigkeit der Pflege und Reinhaltung des Erbguts einer Nation bzw. Rasse vertrat.

Im deutschen Raum bildete sich um die Jahrhundertwende der Begriff der sogenannten Rassenhygiene aus, welcher verstärkt nach der Niederlage des Ersten Weltkrieges durch nationalsozialistischen Strömungen an Beachtung zunahm. Es breiteten sich zunehmend Ansichten aus, welche den Kampf zwischen Völkern und Rassen als natürliches Konkurrenzerscheinen ansahen und den Krieg aus sozialbiologischen Gründen als positiv und unerläßlich ansahen.

"Gegen die Kriege wird der Rassenhygieniger weniger etwas haben, da sie eines der Mittel im Kampf ums Dasein der Völker bilden. Nur wird er darauf dringen, daß entweder mit Söldnerheeren gekämpft wird, oder daß die Aushebung beim System der allgemeinen Wehrpflicht so umfassend wie nur möglich ist, um recht viele auch der schlechteren Individuen ins Heer zu bekommen, so daß der Nachteil für die guten Konvarianten nicht zu stark wird. Während des Feldzuges wäre es dann gut, die besonders zusammengereihten, schlechten Varianten an die Stellen zu bringen, wo man hauptsächlich Kanonenfutter braucht und wo es auf die individuelle Tüchtigkeit nicht so ankommt." (Dithmar, R., 1993, S.234)

1.1.2 Antisemitismus

„Der Auf- und Ausbau des Dritten Reiches beruhte der NS-Propaganda zufolge auf der Verwirklichung einer in sich geschlossenen Weltsicht.[...] Eine bestimmte Achse dieser obskuren Welterklärungsmuster war der seit dem Mittelalter existierende Antisemitismus, der aber in einer Zeit zunehmender Sakularisation des Geisteslebens sein christlich-religiöses Gewand verließ, sich in eine naturwissenschaftliche Toga hüllte und als Angriffspunkt nicht die mosaische Religion, sondern die jüdische Rasse fand.

Bereits im wilhelminischen Reich hingen auch Persönlichkeiten in Kultur und Wissenschaft solchen Theorien an und boten ein Bewertungsraster an, in dem das deutsche Volk als eine seit der Germanenzeit konsistente Rassengemeinschaft gefeiert wurde, ausgezeichnet durch seine Zugehörigkeit zu einer hochwertigen ‘arischen’ oder ‘deutschen’ Rasse. Am untersten Ende dieses Bewertungsrasters stand nach der völkischen Ideologie die schlechthin böse jüdische Rasse, die sich in den gesunden deutschen Volkskörper eingenistet habe und ihn zu verderben drohe. In Anlehnung an das marxistische Erklärungsmuster ‘Klassenkampf’ wurde vom ‘Rassenkampf’ gesprochen. (Friedrichs, H.J., 1991, S.244)

Das jüdische Volk wurde als Gegenpol des Ariers und als Erzfeind jeden freien Volkes deklassiert. Juden wurden zum Ursprung aller Probleme erklärt. Die Bevölkerung sollte nicht nur von den eigentlichen Ursachen der Probleme abgelenkt und am Nachdenken gehindert werden, sondern auch die Solidarität und das Gemeinschaftsgefühl des Volkes sollte gestärkt werden. Nicht zuletzt lieferte der Antisemitismus die Begründung für Terror und Mord - und letztendlich für den Krieg.

„Für das Scheitern des deutschen Weltmachtstrebens und die Leiden in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren präsentierte die völkische Bewegung als Sündenbock die Juden, die angeblich durch eine internationale Verschwörung nach der Weltherrschaft strebten, wobei ihnen die ‘hochwertige’ deutsche Rasse besonders hinderlich sei.“ (Friedrichs, H.J., 1991, S.244)

1.1.3 Nationalismus & Volksgemeinschaft

"Es ist nicht nötig, daß wir leben, aber daß Deutschland lebt." Daraus zu schließen zählte nicht mehr die einzelne Person, sondern die Volksgemeinschaft, deren Interessen - und damit denen des Staates - den individuellen Bedürfnissen übergeordnet wurden. "Gemeinnutz geht vor Eigennutz." (Ottensmeier, H., 1992, S. 37)

In der als Ideal angestrebten Volksgemeinschaft sollte „die partielle, dynastische, konfessionelle und klassenspezifische Zersplitterung des deutschen Volkes“ (Dithmar, R.,1989, S.44) als Erfüllung des "Staates Hitlers" (Dithmar, R.,1989, S.44) überwunden worden sein. Wichtigste politische Aufgabe der Volksgemeinschaft war die Schaffung eines bedingungslos zusammenhaltenden Volkes, in dem das denkende Individuum zur besseren Ausrichtung der breiten Volksmasse auf eindeutige Ziele auszuschalten war. Es begann eine Entwicklung welche eine Art Antiindividualisierung zum Ziel hatte, wobei gleichsam durch Kollektivierung soziale Gegensätze aufgehoben werden sollten.

Durch den Nationalsozialismus wurden Tendenzen radikalisiert, welche schon lange vorhanden waren und das Deutschtum favorisierten, sowie jegliche demokratische Prinzipien ablehnten.

Die wichtigste politische Aufgabe der Volksgemeinschaft war es, soziale Missstände zu verschleiern und bedingungslosen Zusammenhalt des Volkes zu schaffen.

„Weder Einzelmensch noch Menschheit können danach den Maßstab für die Erziehung abgeben, sondern nur die rassen-biologisch gesehene Volksgemeinschaft. Ihr hat alle Erziehungsarbeit zu dienen. Alle Erziehung muß daher über die Ausbildung des Einzelnen hinaus stets den Blick auf die Volksgemeinschaft richten. Wer dieser dient formt auch den Einzelnen.“ (Dithmar, R., 1989, S.15)

1.1.4 Führerprinzip

Hitler war der Überzeugung, daß der einfache Mensch und die Masse des Volkes nicht zur Mit- und Selbstbestimmung fähig seien. Das gesamte Volk sollte sich einer, in Rasse und Deutschtum wurzelnden, Elite unterordnen und deren Führungsanspruch anerkennen, an deren Spitze er selbst als Führer stand. Somit wird dem Volk die Mündigkeit und damit dessen politische Urteilsfähigkeit abgesprochen, um daraus die Notwendigkeit der Erziehung des deutschen Volkes im nationalsozialistischen Sinne zu begründen.

Das Endziel dieser Auffassung war es, Staat und Volk zu einem bedingungslosen Werkzeug zu formen, welches sofort und ohne zu fragen den Befehl des Führers nachzukommen willig war.

1.2 Allgemeine Grundgedanken und Ziele des totalitären Erziehungsgefüges im NS-Staat

Die Erziehung im faschistischen Staat unterscheidet sich von derer in einer Demokratie nicht dadurch, daß sie von politischen Inhalten durchsetzt ist (politische Wertungen lassen sich im Unterricht aller politischen Systeme finden). Der Unterschied liegt vielmehr in den Zielen, welche solch eine politisch geprägte Pädagogik verfolgt.

Hierbei bildet die faschistische Partei (NSDAP) die einzige zentrale normsetzende Instanz, welche ein, der vorherrschenden Ideologie entsprechendes, Wertungssystem erschafft, daß den Erziehungsobjekten (Mitglieder der Gesellschaft) als unverrückbare, innerliche Norm vermittelt wird. Damit soll die "Zementierung bestehender Herrschafts- und Ordnungsverhältnisse" (Ottensmeier, H., 1992, S.32) sichergestellt werden.

Eine konkrete Realisierung wird jedoch erst durch die Auswirkungen der tagespolitischen Aspekte im Erziehungsprozeß deutlich, wobei der instrumentale Charakter der Erziehung weit vor pädagogischen Bemühungen im Vordergrund rückte. Gleichfalls verlieren Ansprüche von Lehrern, Schülern und Eltern in den erzieherischen Vorstellungen der Partei an Bedeutung: "Das Recht der Nation geht vor das Recht des Vaters" (Ottensmeier, H., 1992, S.32).

Es drängt sich der Gedanke auf, daß die faschistische Erziehung als eine Realisierungsform des Terrors zur ideologischen Manifestieren gesehen werden kann, da es viele Parallelen zwischen dem allgemeinen Unterdrückungssystem und den Unterrichtsmethoden des Faschismus gibt. Zum Beispiel hat die faschistische Pädagogik, parallel zum staatlichen Terror, genauso das Ziel, alle Menschen im Staate zu erfassen und gleichzuschalten!

Ziel hierbei ist es, einen "Neuen Menschen" (Ottensmeier, H., 1992, S.35) zu erschaffen, welcher sich, gekennzeichnet von vollkommen ausgeprägten Tugenden, durch seine prinzipielle Unfehlbarkeit auszeichnet. Jener Mensch wird durch seine Gesundheit an Leib, Seele und Geist, sowie Einsatzfreude und Opferbereitschaft für das Kollektiv definiert. Dabei stehen Disziplin und Gehorsam gegenüber Staat und Partei an oberster Stelle. Ideologiegeprägt begegnet dieser Mensch allen, von seinem Glauben ausgegrenzten Personen und Entwicklungen kritisch bis hin zu feindlich. Im gesellschaftlichen System wird der "Neue Mensch" (Ottensmeier, H., 1992, S.35) nicht als Individuum, sondern als Einzelelement seiner Klasse, bzw. des Kollektivs, angesehen. Primäres Ziel ist die Unterwerfung jeden gesellschaftlichen Elements unter die Parteiführung. Hierbei werden tradierte, sittliche Grundsätze, d.h. sogenannte Individualrechte relativiert, umgedeutet oder gänzlich ausgeschlossen. Das führt soweit, daß der Mensch als eigenständig denkende Person aufhören soll zu existieren : "Du bist nichts, Dein Volk ist alles" (Ottensmeier, H., 1992, S.37), "Gut ist, was meinem Volk nützt" (Ottensmeier, H., 1992, S.39).

Das Ziel dessen waren nicht devote "Kriecher und Speichellecker" (Ottensmeier, H., 1992, S.39), sondern forderte kontrolliertes Denken und Handeln des Menschen - der "neuen Moral folgend" (Ottensmeier, H., 1992, S.40).

Als Mittel zur Verbreitung dieser Moral wurde die maximale emotionale Aufladung, schon des Eleven in der Schulzeit, als wichtiges Mittel favorisiert, z.B. Aufhetzung gegen Minderheiten, Heroisierung germanischer Legenden.

Folgende, daraus entstehende, ideale Endgesellschaft sollte sich selbst zum idealen Endzustand der Geschichte befördern, wobei wirklich jedes Opfer den Zweck heiligen sollte!

[...]

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Details

Titel
Pädagogik im Nationalsozialismus
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
2,0
Autor
Jahr
1999
Seiten
23
Katalognummer
V414056
ISBN (eBook)
9783668646902
ISBN (Buch)
9783668646919
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik im Nationalsozialismus, Soziale Arbeit, Nationalsozialismus, Pädagogik, Sozialpädagogik, Geschichte
Arbeit zitieren
Katja Donath (Autor), 1999, Pädagogik im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414056

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