Training mit aggressiven Jugendlichen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Theoretische Vorüberlegung
1.1 Formen der Aggression
1.2 Aggressionstheorien
1.2.1 Aggression als angeborener Trieb
1.2.2 Aggression als evozierter Trieb
1.2.3 Aggression als erlerntes Verhalten

2 Zielverhalten beim Aggressionsabbau

3 Trainingsformen
3.1 Einzeltraining
3.2 Gruppentraining
3.3 Elterntraining

4 Effektkontrolle

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Baron und Richardson (1994) definieren Aggression als ein Verhalten, das darauf abzielt, ein anderes Lebewesen zu verletzen oder zu schädigen, wobei dieses Lebewesen motiviert ist, eine solche Behandlung zu vermeiden. Das heißt, es besteht die Absicht jemanden bewusst körperlich oder psychisch verletzen zu wollen.

Das Jugendalter stellt einen kritischen Lebensabschnitt dar in dem Jugendliche häufig zu abweichendem Verhalten neigen, weil in diesem Übergangsstadium neue Anforderungen und somit auch Konflikte und Krisen auftreten.

„Solche wären nach Olbricht & Todt (1984) etwa:

- von der eigenen Familie loslösen und einen eigenen Verantwortungsbereich wahrnehmen;
- Entscheidungen für Ausbildung, Schule und Beruf treffen;
- Die Geschlechtsrolle übernehmen;
- Soziale und emotionale Beziehungen außerhalb der Familie aufbauen;
- Das eigene Äußere – den eigenen Körper – akzeptieren;
- Werte und Normen aufbauen und festigen, an denen sich Verhalten ausrichten kann;
- Sozial verantwortliches Verhalten anstreben und einüben;
- Sich von der Gruppe der Gleichaltrigen lösen und stabile Partnerschaften aufbauen.“ (Petermann 1992, S. 11f)

Können Jugendliche die gestellten Anforderungen nicht bewältigen kann es zu unangemessenen Formen der Krisenbewältigung kommen, die Verhaltensstörungen mit sich führen. Aggression wiederum führt zu Verhaltenseinschränkung und verringert die Fähigkeit Probleme konfliktfrei zu lösen. Ziel des Trainings besteht also darin delinquente Jugendliche wieder in das „normale“ soziale Leben zu integrieren indem grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit derartigen Krisen- und Problemsituationen vermittelt werden sollen.

1 Theoretische Vorüberlegung

1.1 Formen der Aggression

Man kann unterschiedliche Aggressionsformen unterscheiden. Zum einen in offene und verdeckte Aggression. Offene Aggression beschreibt beobachtbare, gezeigte Aggression die auch für den Gegner erkennbar ist. Verdeckte Aggression soll für den Gegner nicht unmittelbar erkennbar sein und soll diesen in einer möglichst ungünstigen Situation unerwartet treffen, zum Beispiel in Form von Gerüchten. Eine weitere Unterscheidung wäre in körperliche und verbale Aggression vorzunehmen, wobei die körperliche Aggression eine Handlung beschreibt bei der ein Objekt oder eine Person attackiert wird (schlagen, boxen), während verbale Aggression symbolisch zu verstehen ist, zum Beispiel Beleidigungen, schimpfen, schreien. Des weiteren unterscheidet man aktiv-ausübende, die die Handlung des Aggressors beschreibt, sowie passiv-vermeidende (angegriffenes Opfer) Aggressionsformen. Bei der nach innen oder nach außen gerichteten Aggression unterscheidet man ob sich der Aggressor gegen sich selbst (Autoaggression) oder gegen eine andere Person, beziehungsweise einen Gegenstand, richtet. Außerdem kann man Aggression in direkte und indirekte unterscheiden. Die direkte beschreibt dabei Angriffe gezielt gegen eine Person, in Form von körperlichen Attacken oder verbalen Beschimpfungen. Die indirekte Aggression dagegen beschreibt Angriffe gegen Objekte die mit dieser Person die man schädigen will in Verbindung stehen, jedoch nicht gegen die Person an sich.

1.2 Aggressionstheorien

Eine körperliche oder verbale Handlung beim Menschen, die mit der Absicht zu verletzten oder zu zerstören ausgeführt wird, definiert man als Aggression. Aggressives Verhalten kann sich vielfach äußern.

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Theorien die versuchen das Auftreten aggressiver Verhaltensweisen, vor allem beim Menschen, zu erklären. Dabei lassen sich wiederum verschiedene Bereiche finden in welche die Theorien zugeordnet werden können.

1.2.1 Aggression als angeborener Trieb

William McDougall stellt in seiner Theorie das gesamte menschliche Verhalten unter Kontrolle von 18 verschiedenen Instinkten. Dabei soll feindseliges Verhalten einem feindseligem Trieb unterliegen.

Freuds Psychoanalytische Theorie stellt eine duale Instinkttheorie dar, in welcher zwei entgegengesetzte Triebe, der Lebens- und der Todestrieb, im Menschen existieren. Dabei bedingt der Todesinstinkt destruktive Energie die nach außen gerichtet werden muss; es erfolgt Spannungsreduktion durch Abfuhr destruktiver Energie (kathartische Prozesse) durch aggressive Handlungen.

„Nach Freud wird die Energie für den Todestrieb stetig im Körper generiert. Sie sammelt sich wie Wasser in einem Tank. Wird sie nicht in kleinen Mengen und auf sozial akzeptierte Weise abgegeben, so wird sie so lange anwachsen, bis sie auf extreme und sozial nicht akzeptable Weise‚ überläuft’.“ (Zimbardo 1995, S.426)

Jedoch ist auch Freuds Theorie bisher nicht nachweisbar und bringt nur nachträgliche Erklärungen aber keine Voraussagen.

Lorenz erklärt das auftreten von Aggression in seinem ethologischen Ansatz auf Grund von Selektion. Hierbei erhöht sich laut seiner Theorie die Überlebenschance für ein Individuum mit erhöhter Aggressivität. Er erklärt das Auftreten des aggressiven Verhaltens anhand seines Dampfkesselmodels, welches besagt, dass sich das Potential verhaltensspezifischer Energien auflädt und durch einen Schlüsselreiz zur Entladung gebracht wird da sonst durch Anstauen der Energie eine unabhängige spontane Entladung erfolgen würde. Aggression wäre danach also nicht vermeidbar, jedoch durch kontrollierte ständige Abfuhr wären unkontrollierte Ausbrüche zu verhindern.

„Auf Grundlage von Tierbeobachtungen stellte Lorenz die Behauptung auf, die Aggression sei eine spontane innere Bereitschaft zum Kampf, die für das Überleben eines Organismus entscheidend sei.“ (Zimbardo 1995, S.426)

Bisher konnte aber auch diese Theorie und das existieren der aggressiven Energie nicht nachgewiesen werden.

1.2.2 Aggression als evozierter Trieb

Bei der Frustrations-Aggressions-Hypothese wird aggressives Verhalten als ein erworbener (nicht angeborener) Trieb beschrieben, der als Reaktion auf eine Frustration entsteht und motiviert aggressiv zu handeln. Dabei war man der Überzeugung, dass Frustration immer zu Aggression führe, und Aggression immer eine Folge von Frustration sei. Später beschränkte man diese Aussage darauf, dass Frustration zwar die Bereitschaft für Aggression schafft, aber ob sich die Aggression äußert hängt von zusätzlichen Bedingungen ab.

Frustration (Situation, nicht emotionale Befindlichkeit) liegt vor, wenn ein zielgerichtetes Verhalten gestört wird. Eine Person bemüht sich, ein Ziel zu erreichen, jedoch wird sie am erreichen des Zieles gehindert. Beispiel: Einen spannenden Film ausschalten. Dies wird als Frustration im engeren Sinne verstanden. Zu der Frustration im weiteren Sinne kommen noch zwei Typen hinzu:

- Mangelzustände (unbefriedigte Triebe)
- Angriffe, Provokationen und Belästigungen (schädigende Reize)

Damit sind letztlich alle aversiven Reize gemeint.

„Frustration tritt auf, wenn die Ausführung einer Zielreaktion unterbrochen oder blockiert wird. Je größer die gegenwärtige und angesammelte Frustration, um so stärker die daraus resultierende aggressive Reaktion.“ (Zimbardo 1995, S.429)

Berkowitz lehnt in seiner Theorie der aggressiven Hinweisreize daran an und erklärt, dass Frustration durch emotionale Erregung die Bereitschaft zur Aggression schafft, dass jedoch offene Aggression abhängig ist von Hinweisreizen aus der Umwelt, die nicht Aggression assoziieren. Durch klassische Konditionierung können also beliebige Personen und Gegenstände zu aggressiven Hinweisreizen werden. Beispiele für aggressive Hinweisreize wären Hitze, Lärm, Enge und anderes sein.

„Ein Vorschlag zur Revision der Aggression-Frustration-Hypothese nimmt eine Interaktion zwischen emotionalen Zuständen und Hinweisen aus der Umwelt an. Leonard Berkowitz (1974) behauptet, Frustration schaffe, ähnlich wie die vorausgegangene Verstärkung aggressiver Handlungen. Ob diese Bereitschaft in offene Aggression umgesetzt werde, sei abhängig von der Gegebenheit eines zweiten Faktors: von Hinweisreizen aus der Umwelt, die mit Aggression assoziiert sind.“ (Zimbardo 1995, S.429)

1.2.3 Aggression als erlerntes Verhalten

Die Lerntheorie besagt, dass aggressives Verhalten erworben und aufrechterhalten wird. Jede aversive Erfahrung führt zu emotionaler Erregung.

„Die soziale Lerntheorie wird durch Untersuchungen bestätigt, die eine Zunahme der Aggression nach der Beobachtung aggressiver Modelle zeigen.“ (Zimbardo 1995, S.431)

Instrumentelle Konditionierung umschreibt Belohnung, Bestrafung und soziale Normen. Durch Belohnung aggressiven Verhaltens erfolgt eine Konditionierung, da bei positiver Verstärkung das Verhaltensauftreten verstärkt wird. Somit sind unterschiedliche Verhaltensweisen abhängig von der individuellen Lerngeschichte. Durch kognitives Lernen kommt es zum Interpretieren und Bewerten von Situationen sowie bewusstem Planen und Steuern des eigenen Handelns. Auch Ursachenzuschreibungen können aggressives Verhalten in großem Maße beeinflussen.

Das Soziale Modelling dagegen erklärt das Lernen von aggressiven Verhalten durch Beobachtung von neuen Verhaltensweisen einer Modellperson und anschließendes Kopieren dieses Verhaltens. Aggression kann so erworben werden, ob diese jedoch dann ausgeführt wird hängt oft von äußeren Umständen ab.

Es kann davon ausgegangen werden, dass Aggressionen von Kindern oder Jugendlichen gelerntes Verhalten darstellen und nicht angeboren sind, wenngleich es vielleicht genetische Dispositionen gibt, die aber nicht überbewertet werden sollten. Für das Erlernen gibt es vier Prinzipien:

Ein Kind oder Jugendlicher lernt, dass mit aggressivem Verhalten ein positives Ziel erreicht werden kann, z. B. Aufmerksamkeit durch andere Kinder, als stark angesehen zu werden, die Gruppenführung übernehmen zu können, Vorrechte zu genießen. Schon ein Kind lernt, dass mit aggressivem Verhalten ein bedrohlicher Zustand oder ein unangenehmes Ereignis verringert, beendet oder vermieden werden kann, z. B. Angriffe abwehren, Schmerz, Furcht oder Ärger gehen zurück. Die Duldung aggressiven Verhaltens durch Lehrer, Eltern und andere Erwachsene erleben Kinder als stillschweigende Zustimmung. Tatenloses Zuschauen oder sich heimlich über die Aggressionen des Kindes freuen („Mein Kind lässt sich nichts gefallen“), bestärkt das Kind in den aggressiven Handlungen. Aggressives Verhalten lernen Kinder auch durch die vorgelebte Aggressionen von Vorbildern: Lehrer, die bestrafen, Väter und Mütter, die schlagen, Gleichaltrige, die treten, Fernsehhelden, die prügeln usw.

Besondere Bedingungen begünstigen das Lernen und Ausführen von Aggressionen:

Frustrationen entstehen nach Niederlagen, nach Verlust von Anerkennung durch andere, nach schlechten Arbeiten, nach Bestrafungen. Anonymität in einer Gruppe führt dazu, dass das Kind nicht für seine Aggressionen so sehr verantwortlich gemacht werden kann. Befehle und Anordnungen einer autoritären Person, z. B. eines Banden- oder Gruppenführers. Das Vorhandensein von Waffen oder waffenähnlichen Gegenständen. Aggressive Vorbilder in den Medien.

2 Zielverhalten beim Aggressionsabbau

Delinquente und aggressive Jugendliche nutzen unangemessene Formen zur Bewältigung von Krisen des Jugendalters.

„Erlebte eigene Wirksamkeit ist die Vorbedingung für kompetentes, zielorientiertes Handeln. Darunter fallen Handlungsweisen, mit denen längerfristige Ziele, auch ohne unmittelbare Verstärkung, verfolgt werden. Diese sind durch selbstgesteuertes Verhalten geprägt, das den eigenen Fähigkeiten entspricht und auch Misserfolge bewältigen kann. [...] Gelingt es dem Jugendlichen auf dem beschriebenen Weg nicht, sich als wirksam zu erleben, werden die Aktivitäten auf andere Bereiche verlegt. Es entwickelt sich eine scheinbare Handlungskompetenz, die sich auf ganz unterschiedliche Bereiche beziehen kann.“ (Petermann 1992, S.12)

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Training mit aggressiven Jugendlichen
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V414062
ISBN (eBook)
9783668650138
ISBN (Buch)
9783668650145
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
training, jugendlichen
Arbeit zitieren
Katja Donath (Autor), 2003, Training mit aggressiven Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414062

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