Musikgeschmack. Bedingungsvariablen und Präferenzspektren


Hausarbeit, 2017

10 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Bedingungsvariablen und Präferenzkonfiguration
1.1 Geschlecht
1.2 Soziale Schichtung und Schulbildung
1.3 Massenkommunikationsmedien
1.4 Umwelt

2 Präferenzspektren

3 Kritik

Vorwort

"Geschmack (musikalischer), musikalische Präferenzen.im Begriff des m. G. als metaphorischer Umschreibung individueller Musikpräferenzen schwingt zweierlei mit: 1. m. G. sei das ausschließliche Ergebnis von Sinneserfahrungen und 2. m. G. könne sich (wie das Schmecken von etwas Salzigem) nicht irren und sei deshalb unveränderlich. Man weiß heute, dass beide unausgesprochenen Annahmen falsch sind, und dass die Entwicklung des m. G. als ein lebenslanger, äußerst komplexer Lernprozeß zu begreifen ist, der sowohl von kognitiven Bewertungsprozessen als auch von tiefenpsyschologischer Dynamik geprägt ist. Auf weitere Bedeutungsnuancen (m. G. als elitär, sozial kontrolliert und determiniert, als Zusammengehörigkeit stiftend) verweist Karbusicky (1975). Zur Vermeidung einer solchen semantischen Vieldeutigkeit wird im wissenschaftlichen Schrifttum der Begriff der m. Pr. bevorzugt. Entgegen landläufiger Vorstellungen scheint der m. G. jedoch kein Spiegelbild der individuellen Persönlichkeit zu sein: viele Ansätze, m. Pr. aus der Persönlichkeitsstruktur empirisch abzuleiten (Meißner 1979) waren nur mäßig erfolgreich. Dem gegenüber erwiesen sich Alter, Sozialschicht [...] als wirksamste Variablen für die Entstehung von musikal. Einstellungen (Behne, 1975, Behne 1976)." (Lexikon der Musikpädagogik, 1968, S. 97f)

Es ist einfach, festzustellen, dass musikalische Präferenzen abhängig sind von Alter, Geschlecht, Persönlichkeit, sozioökonomischen Status. Außerdem wirkt auch das Musikangebot der Massenmedien mit hinein, was zudem kulturspezifisch verschieden ausfällt.

1 Bedingungsvariablen und Präferenzkonfiguration

1.1 Geschlecht

Das Geschlecht stellt eine Zwischenvariable mit geringerem Einfluß dar, es ist also nur ein Teil eines ganzen Bündels von Faktoren, die auf die musikalische Präferenz einwirken. Wie auch in anderen Bereichen der Verhaltensforschung, so zeigten sich bei Untersuchungen der musikalischen Präferenz auch geschlechtsspezifische Sozialisationsprozesse. Das Geschlecht und die damit verbundenen musikalischen Vorlieben sind abhängig von der gesellschaftlich vermittelten Geschlechtsrolle.

R. Dollase, M. Rüsenberg und H.J. Stollenwerk führten 1974 Untersuchungen mit Jugendlichen über das Rockpublikum und 1978 über das Jazzpublikum durch. Es bestätigte sich die im Voraus vertretene Annahme, dass männliche Jugendliche aggressivere Musik bevorzugten, während die Mädchen sich mit dieser Musik weniger identifizierten, ja sogar den gefühlsbetonteren, weicheren Stil (Schlager, Soft-Rock, Klassik) favorisierten. So wurde beispielsweise von der "Frankfurter Rundschau" im Oktober 1997 in einem Artikel die These aufgeworfen, dass "Mädchen für Pop-Idole anfälliger" sein. "Mädchen sein empfänglicher für Personenkult, 'weil ihre Bereitschaft, sich gefühlsmäßig hinweg tragen zu lassen, viel größer ist als die der Jungen'. Jungen hätten in der Pubertät ganz andere Sorgen." D. Wiechell stellte des weiteren in Untersuchungen bei verschiedengeschlechtlichen Geschwistern eine Benachteiligung der Mädchen in verschiedenerlei Hinsicht fest, woraus sich eine Flucht aus ungerechter Realität in eine Traumwelt der Mädchen zu ergeben schien.

Im Jahr 1980 wurden im Institut für Demoskopie Allensbach Untersuchungen musikalischer Vorlieben bei Erwachsenen durchgeführt. Daraus ergab sich, dass die Frauen klassische Konzertmusik, Opern, Operetten, Musicals, Chormusik, Chansons oder Schlager bevorzugten, während Männer lieber Blas- und Marschmusik, Beat, Rock der 70'er, Modern Jazz oder sogar Punk hörten.

In einer graphische Darstellung wurde verdeutlicht, dass ein durchaus geringerer Anteil weiblichen Jazzpublikums (29,8%) bestand, im Gegensatz zu den 70,2% des männlichen Publikums. Darüber hinaus wurde bildlich ein höherer Grad der Identifikation der Männer mit dem Jazz verdeutlicht und vergleicht die Bedeutung der Funktion des Jazz zwischen Männern und Frauen. Des weiteren lässt sich entnehmen, dass sich in den Jahren zwischen 1976 und 1990 ein Angleich der Bedeutung des Jazz für die Frauen im Vergleich zu den Männern vollzogen hat. So bildet Jazz in seiner Funktion einen wesentlicheren Teil des Lebens für Frauen. Es wurde deutlich, dass die Differenz in der Zustimmung von 1976 (-34% ausgehend von den Frauen) bis 1990 (-20,7%) sich um 13,3% verringerte. Das heißt, es erfolgte eine Geschlechterangleichung des Grades der Identifikation im Bezug auf die Bedeutung des Jazz.

Auch ließ sich Bezug auf die favorisierten Arten von Musik entnehmen. Durch diese werden im Großen und Ganzen die Ergebnisse der Untersuchungen des Instituts für Demoskopie Allensbach über die geschlechtsspezifischen unterschiedlichen Vorlieben bestätigt. Beispielsweise erhielten Chanson, populäre Klassik und Deutsche Schlager von Frauen eine höhere Durchschnittsnote als von Männern. Während diese Heavy Metal weitaus höher bewerteten als Frauen.

1.2 Soziale Schichtung und Schulbildung

Die soziale Schichtung und Schulbildung stellt eine der wichtigsten Variablen dar. Die musikalischen Vorlieben spiegeln oft ästhetische Erfahrungen und Kenntnisse wider, hängen also stark vom sozialen Status und Bildung ab. In der Allensbach'schen Studie von 1980 über "Präferenzen für klassische Konzertmusik" ergab sich das je höher der ökonomische Status ist, um so eher erfreute sich klassisch Konzertmusik höheren Ansehens. In den Untersuchungen wurde in drei Kategorien unterschieden: Zum ersten wurden Unterschiede spezifisch des Schulabschlusses untersucht. Dabei ergab sich, dass gerade 11% der Befragten mit Hauptschulabschluss und 34% der Absolventen höhere Schulen klassische Konzertmusik bevorzugten. In der zweiten Kategorie, der sozialen Schicht, erbrachten die Untersuchungen das Ergebnis, dass Mitglieder der Ober- sowie Mittelschicht zu 31% Interesse für klassische Konzertmusik hegen, wogegen jene der "einfachen Schicht" mit nur 8,6% eine positive Einstellung für diesen Musiktyp besitzen.

1.3 Massenkommunikationsmedien

Bisher ist umstritten, welchen Einfluß die Massenkommunikationsmedien eigentlich auf die Formung musikalischen Geschmack hat oder ob sie nur zu deren Stabilisierung beiträgt. Ob eine Stabilisierung möglich ist, ist davon abhängig, ob dem Zuhörer überhaupt die Möglichkeit zur Selektion gegeben ist, und in welchem Maße diese erreicht werden kann, das heißt, dass Repertoire muß entsprechend hoch sein, damit dem Zuhörer genügend zur Auswahl zur Verfügung steht. Es ist Fakt, dass Einfluß von Gruppennormen für die Selektion von Medieninhalten verantwortlich ist, das heißt es wird eine Auswahl von bereits bestehenden Präferenzen getroffen. Der Hörer wählt, was er bevorzugt. J. Johnstone und E. Katz führten 1972 Untersuchungen über die Musikpräferenz weiblicher Jugendlicher durch. Dadurch wurde herausgefunden, dass Auswahl und Bevorzugung von Musikstücken stark durch Cliquenzugehörigkeit bestimmt wird.

Bei Untersuchungen über die Musikpräferenz schwarzer und weißer Teenager durch J. R. Robinson und P. M. Hirsch 1972 wurde festgestellt, dass die Auswahl und Bevorzugung abhängig ist von ethnischer Zugehörigkeit. Je nachdem, was gerade in der lokalen Rundfunkstation einer bestimmten Stadt übertragen wurde, überhörten die Jugendlichen einer bestimmten ethnischen Zugehörigkeit das eine oder das andere. Wurden zum Beispiel Reporte oder Musikstücke übertragen, welche besonders von Farbigen favorisiert werden, so kam es im allgemeinen bei den weißen Teenagern zu einer minderen Beachtung oder gänzlichem Desinteresse jener Übertragungen. Gleiches konnte man ebenfalls in umgekehrter Weise feststellen.

1.4 Umwelt

Die an schichtanalytischen Modellen orientiert Sozialisationsforschung, wurde durch den "ökologischen" Ansatz ersetzt. Verstärkt wurden räumlich-materielle Faktoren der Umwelt in die Analyse mit einbezogen, das heißt, natürliche Lebenssituationen und alltagsgemäßes Verhalten und Erlernen sollten berücksichtigt werden. Außerdem sollte eine Abkehr von Untersuchungen in Laborsituationen stattfinden. Als Umweltfaktoren bezeichnet man den Medienbesitz und -gebrauch, den Wohnsitz, das kulturelle Angebot und die Existenz und Funktion von Peer-groups" (Gleichaltrige).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Musikgeschmack. Bedingungsvariablen und Präferenzspektren
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V414116
ISBN (eBook)
9783668649729
ISBN (Buch)
9783668649736
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
musikgeschmack, bedingungsvariablen, präferenzspektren
Arbeit zitieren
Katja Donath (Autor:in), 2017, Musikgeschmack. Bedingungsvariablen und Präferenzspektren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/414116

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Musikgeschmack. Bedingungsvariablen und Präferenzspektren



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden