"A theory of moral sentiments". Sympathie in Adam Smiths Ethik


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Individualistische Perspektive
2.1 Smiths Begriff der Sympathie
2.2 Abgrenzung: Empathie & Egoismus

3. Gesellschaftliche Perspektive
3.1 Smiths Begriff der Sympathie

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In erster Linie ist Adam Smith durch sein ökonomisches Werk bekannt, aber auch als Moralphilosoph trägt er mit „Theorie der ethischen Gefühle“ (1759) zu einer philosophischen Disziplin bei. Die Sympathie ist das „konzeptuelle Rückgrat“1 seiner Moralphilosophie und macht damit den Kern von Smiths moralphilosophischer Konzeption aus. Deswegen untersucht diese Arbeit die Sympathie genauer und stellt dar, dass sie mehr als ein Gefühl ist.

Zuordnen lässt sich Smith philosophiehistorisch der Strömung des Moral Sentimentalism, welche unseren Gefühlen und Neigungen eine wichtige Rolle in moralischen Fragen zuschreibt. Die Art und Weise wie Smith deskriptiv das Wirken der Sympathie in unserem Alltag beschreibt erinnert an ein Gefühl. Da die Sympathie durch Gewohnheit und Erziehung zu der Grundlage unseres sozialen Lebens und auch der Reflektion der eigenen Person geworden ist, handeln wir in gewisser Weise automatisch und intuitiv in ihrem Sinne. Die zahlreichen Beispiele, die Smith anführt, unterstützen diesen Eindruck. Im Folgenden wird die Sympathie in ihre einzelnen Komponenten zergliedert um zu untersuchen, ob die Sympathie als ein Gefühl zu verstehen ist. Diese Arbeit fokussiert sich darauf die Sympathie als einen mehrschichtigen Prozess zu interpretieren, der durch Einbildungskraft und Rationalität eine eigene Qualität entfaltet.

Smiths Begriff der Sympathie soll von zwei Perspektiven ausgehend und dadurch jeweils innerhalb eines klaren Bezugsrahmens erläutert werden. Einerseits kann deswegen die Fragestellung aus zwei Perspektiven untersucht werden und andererseits wird die Argumentation dadurch in klare Schritte eingeteilt.

Aus der individualistischen Ich-Perspektive wird zuerst der Prozess beschrieben, wie sich nach Smith Menschen unter Einfluss der Sympathie verhalten. Danach wird die Bedeutung der Einbildungskraft und der Rationalität in diesem Ablauf untersucht. Als nächstes wird Sympathie von Empathie und Egoismus abgegrenzt, die als Beispiele von Interpretationen, die auf der Ebene von Gefühlen argumentieren, angeführt werden. In dem zweiten Teil der gesellschaftlichen Perspektive wird der Übergang zu dem unparteiischen Beobachter dargestellt. Abschließend soll zusammengefasst werden, was die Sympathie gegenüber Gefühlen abgrenzt um dadurch ihre Qualitäten hervorzuheben.

Zur Orientierung werden im Text die Abschnitte mit kursiv geschriebenen Fragen oder Hinweisen überschrieben, die den Fokus des folgenden Textabschnittes einleiten. Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beide Geschlechter.

2. Individualistische Perspektive

Zuerst wird die Sympathie aus der Innenperspektive d. h. wie die Sympathie von dem Individuum erlebt wird dargestellt. Der Prozess der Sympathie wird in einzelnen allgemeingefassten Schritten skizziert. Im Folgenden werden die Komponenten der Rationalität und der Einbildungskraft sowie ihre Wichtigkeit näher erläutert. In einem zweiten Schritt wird die Sympathie negativ beschrieben durch eine Abgrenzung zu der Empathie und dem Egoismus.

2.1 Smiths Begriff der Sympathie

Wie läuft der Prozess der Sympathie ab? Smith beschreibt die Sympathie im ersten Abschnitt „Über die Schicklichkeit oder sittliche Richtigkeit der Handlungen“ im ersten Kapitel „Von der Sympathie“ einleitend:

Mag man den Menschen für noch so egoistisch halten, es liegen doch offenbar gewisse Prinzipien in seiner Natur, die ihn dazu bestimmen, an dem Schicksal anderer Anteil zu nehmen, und die ihm selbst die Glückseligkeit dieser anderen zum Bedürfnis machen2.

Mittels der Sympathie nimmt eine Person Anteil an den Emotionen anderer Person. Da die Welt allerdings nur aus der eigenen subjektiven Perspektive zugänglich ist, ist es notwendig sich in die andere Person einzufühlen, indem „wir uns vorzustellen suchen, was wir selbst wohl in der gleichen Lage fühlen würden“3. Dieser Prozess der Einfühlung mittels der Sympathie wird im Folgenden allgemein gefasst dargestellt:

Person A fühlt sich in Person B mittels der Sympathie ein. Person A kann allerdings nicht genau dieselben Emotionen wie Person B bilden, da sie lediglich über eine subjektive Wahrnehmung verfügt. Person A fühlt sich deswegen mittels der Einbildungskraft auf Grundlage der ihm vorliegenden Informationen (beispielsweise: Wie drückt Person B seine Gefühle körperlich und sprachlich aus?) in Person B ein. Dabei versucht er sich vorzustellen, wie seine eigene Empfindung wäre, wenn er an Person Bs Stelle wäre.

Smith beschreibt diese Einfühlung sehr anspruchsvoll. Beispielsweise durch die Formulierung, dass man gewissermaßen zu einer Person werden würde4 oder durch die Formulierung in dem einleitenden Zitat, dass man an der Glückseligkeit der Anderen Anteil nehme. Wie kann diese Anteilnahme geleistet werden?

Welche Rolle spielt bei der Einfühlung die Rationalität? Smith betont, dass man selbst andere Affekte als der Betroffene nachbildet. Affekte bezeichnen in diesem Sinn die Erregung von Gefühlen mit variabler Intensität und Dauer und sind damit als ein neutraler Begriff zu verstehen. Manche Affekte würden keinerlei Sympathie hervorrufen und manche sogar Widerwillen.5 Smith gibt das Beispiel eines Zornigen, mit dem wir nicht sympathisieren, sondern eher mit der Furcht derjenigen, die Opfer des Zorns sind. Der Grund dafür liegt in dem rationalen Anteil des Einfühlens, der sich besonders in dem Bestreben der Menschen äußert den Umständen der Affekte6 gerecht zu werden. Unsere Rationalität lässt uns nicht Affekte ungefiltert als unsere eigenen übernehmen. Sondern, wie Moller darstellt, argumentiert Smith „that our emotions are cognitive, that they involve evaluative thought, or, as he calls it, “sympathetic” reasoning”7. „Sympathie entspringt also nicht so sehr aus dem Anblick des Affektes, als vielmehr dem Anblick der Situation, die den Affekt auslöst“8 und deswegen dient die Sympathie nicht zur bloßen Übertragung der Affekte durch ihr evaluierendes, rationales Element.

Welche Rolle spielt bei der Einfühlung die Einbildungskraft? Mittels der Einbildungskraft können wir uns in den anderen hineinfühlen, denn „es sind nur die Eindrücke unserer eigenen Sinne, nicht die der seinigen, welche unsere Phantasie nachbildet“9. Da wir nicht unsere eigene Subjektivität überwinden können, ist die Einbildungskraft das Mittel um uns vorzustellen, wie unsere eigenen Affekte wären. Durch sie können wir auch mit „räumlich weit entfernten Menschen und historischen Persönlichkeiten“10 sympathisieren. Lohmann betont, dass diese Unterscheidung zwischen körperlichen Affekten und imaginierten Affekten zu Folge hat, „daß das Wohl jeweils als ein (selbst-) interpretiertes Wohl aufgefaßt werden kann.“11. Durch die subjektive Komponente, die die Einfühlung mittels Einbildungskraft mit sich bringt, wird das Wohl des anderen uns persönlich von Belang, aber sie ist stets auch die eigene Interpretation von dessen: „thinking of them thinking of us“12.

Zwischenfazit Smiths Konzeption der Sympathie ist vergleichbar mit der Metapher seines Zeitgenossen Hume, der die Sympathie als Mitschwingen einer Saite eines Musikinstruments bildlich umschreibt. Zwei wichtige Komponenten sind dabei die Rationalität und die Einbildungskraft, die den Menschen zu dem Anspruch, den Smith an die Sympathie stellt, befähigen. Die Konzeption entwickelt sich dadurch von einer ungefilterten Übernahme von Affekten zu einem Prozess dessen Bestandteil Wertungen anhand subjektiver Maßstäbe sind.

Problematisch ist, dass die gebildeten Emotionen nicht mit denen des Betroffenen oder mit unseren allgemein Erwartungen übereinstimmen müssen.13 Nicht nur in dem Affekt selbst, sondern Natur gegeben auch in der Intensität.14 Beispielsweise könnte ein Freund betrübt über den Tod seines Haustieres sein, aber da ich persönlich keinen emotionalen Bezug zu Tieren habe, werde ich seine Trauer nicht auf dieselbe Art und Weise nachempfinden können auch wenn er mir beispielsweise durch Beschreibungen seiner Gefühle einen tiefen Einblick gewährt. Letztendlich ist es mir nicht möglich die Gefühle voll und ganz nachzubilden. Aber andererseits „they are nonetheless close enough to signify agreement.“15 Diese Schwäche kann aber auch als Stärke ausgelegt werden: Wenn mein Freund um sein verstorbenes Haustier jahrelang in seiner Trauer versinkt, werde ich dies nicht nachvollziehen können auch wenn ich selbst ein Haustier habe. Durch diese Differenz unserer Gefühle wird es mir möglich wertend eine Billigung oder Missbilligung seine Gefühle zu begründen. Wenn ich seine Gefühle immer ununterscheidbar übernehme, bietet sich keine Grundlage einer Wertung.

Festzuhalten bleibt, dass die Sympathie als Prozess nicht ein spezifisches Gefühl darstellt, sondern es individuell ist, welche Gefühle nachgebildet werden. Einbildungskraft ermöglicht eine besondere Qualität der Einfühlung: „Smith stresses the approximate likeness of my feelings and others’—not their interchangeability but the “as if” quality of their similarity“16. Die Einbildungskraft dient zwar dazu Gefühle nachzubilden, dabei ist die Sympathie aber Mittel dem ein evaluatives Moment hinzukommt und das somit von Affekten und Gefühlen abstrahiert. Das Zusammenwirken der Komponenten macht die Sympathie zu mehr als einem Gefühl.

2.2 Abgrenzung: Empathie & Egoismus

Im Folgenden wird die Sympathie von der Empathie und dem Egoismus17 abgegrenzt, um einerseits nochmals den Kern der Sympathie heraus zuarbeiten und um auf der anderen Seite zu zeigen, dass Smiths Konzeption der Sympathie nicht mit einem dieser Gefühle gleichzusetzten ist.

Wie grenzt sich die Empathie von der Sympathie ab? Der Unterschied zeigt sich in der Hierarchie zwischen Affekten und Sympathie:

»Erbamen« und »Mitleid« sind Wörter, die dazu bestimmt sind, unser Mitgefühl mit dem Kummer anderer zu bezeichnen. Das Wort »Sympathie« kann dagegen […] dazu verwendet werden, um unser Mitgefühl mit jeder Art von Affekten zu bezeichnen.18

Wie Ballestrem aufzeigt19, spricht Smith im Plural von “Moral Sentiments“ um die verschiedenen Affekte, beispielsweise die Empathie, zu bezeichnen. Mittels der Sympathie kann er erklären, wie die einzelnen Affekte zustande kommen. In diesem Sinne ist die Sympathie übergeordnet. Greiner zeigt die Stärke auf, die diese Unterscheidung mit sich bringt: „One need not feel what others feel in order to sympathize with them: this had been smith’s insight into the nature of sympathetic imagining, which depended on form, not feeling, for its success.”20

[...]


1 Carola von Villiez, „Sympathische Unparteilichkeit: Adam Smiths moralischer Kontextualismus“, in: Christel Fricke und Hans-Peter Schütt, Adam Smith als Moralphilosoph, S.67; vgl. Georg Lohmann, „Sympathie ohne Unparteilichkeit ist willkürlich, Unparteilichkeit ohne Sympathie ist blind.“, in: Christel Fricke und Hans-Peter Schütt, Adam Smith als Moralphilosoph, S. 89: „Smith beginnt bekanntlich mit einer Analyse der Sympathie als der empirischen Grundlage sittlichen Verhalten.“

2 Adam Smith, „Theorie der ethischen Gefühle“, in: Horst D. Brandt, Adam Smith. Theorie der ethischen Gefühle, S.5. In der Folge zitiert als TMS mit Angabe der Seitenzahl.

3 TMS, I.1.i, 6.

4 TMS, I.1.i, 6.

5 TMS, I.1.i, 10.

6 TMS, I.1.iii, 22: Smith nennt zwei Gesichtspunkte: Ursache und Endzweck.

7 Mark K. Moller, „Sympathy, Community, and Promising: Adam Smith's Case for Reviving Moral Consideration”, in: The University of Chicago Law Review Vol. 66, No. 1, S. 216.

8 TMS, I.1.i, 10.

9 TMS, I.1.i, 6.

10 Villiez, ebd., S. 67.

11 Lohmann, ebd., S. 90.

12 D. Rae Greiner, „Thinking of Me Thinking of You: Sympathy versus Empathy in the Realist Novel”, in: Victorian Studies, Vol. 53, No. 3, Special Issue: Papers and Responses from the Eighth Annual Conference of the North American Victorian Studies Association. S. 420.

13 Vgl. Greiner, ebd., S. 419.

14 TMS, I.1.i, 6.

15 Jack Rusell Weinstein, „Adam Smith (1723—1790)“, in: The Internet Encyclopedia of Philosophy, Kapitel 2a Absatz 10.

16 Greiner, ebd., S. 419.

17 In dieser Arbeit wird „self-interest“ mit Egoismus übersetzt. Allerdings soll darauf hingewiesen werden, dass „self-interest“ weniger als übersteigerte Ich-Sucht verstanden werden kann, wie es der Egoismus assoziiert. „Self-interest“ kann weniger wertend verstanden werden, da es den Ursprung ausdrückt.

18 TMS, I.1.i, 8. „Mitgefühl“ meint hier nicht Empathie, sondern das Mitfühlen bzw. Einfühlen mittels der Sympathie.

19 Ballestrem, ebd., S. 61.

20 Greiner, ebd., S. 419.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
"A theory of moral sentiments". Sympathie in Adam Smiths Ethik
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Adam Smith: A theory of moral sentiments
Note
2,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V415468
ISBN (eBook)
9783668661745
ISBN (Buch)
9783668661752
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adam Smith, A theory of moral sentiments, Sentimentalism, Moral, Empathie, Sympathie, Individuum, Gesellschaft, Smith
Arbeit zitieren
Anna Wildhirt (Autor), 2017, "A theory of moral sentiments". Sympathie in Adam Smiths Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415468

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