Große Geschwister. Betrachtung einer besonderen Rolle


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. EINFÜHRUNG IN DIE ROLLE VON GROßEN GESCHWISTERN

II. MERKMALE DER ROLLE VON GROßEN GESCHWISTERN
1. DAUER UND STABILITÄT
2. GESCHWISTERLIEBE
3. NATÜRLICHKEIT
4. KOMMUNIKATION
5. VERTRAUEN UND HILFE
6. GEMEINSAME STÄRKE
7. VORBILD, ABGRENZUNG UND IDENTITÄTSFINDUNG
8. SCHULE FÜR DAS LEBEN
9. ENTWICKLUNG DER ROLLE UND ALTER
10. PROBLEME

III. FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

I. Einführung in die Rolle von großen Geschwistern

Jeder Mensch nimmt im Alltag eine Vielzahl an Rollen ein, die je nach Person, die einem gegenübersteht variiert. So ist das Verhalten eines Mannes im Beruf z.B. als Geschäftsführer gegenüber seiner Sekretärin anders, als sein Verhalten zu Hause gegenüber seiner Ehefrau. Um die Grundidee der Rolle zu erfassen, könnte man es folgendermaßen versuchen: Rolle „hat mit der Struktur sozialer Begegnungen zu tun - mit der Struktur der Einheiten im sozialen Leben, die entstehen, wann immer Personen anderen Personen unmittelbar physisch gegenwärtig werden. Der Schlüsselfaktor in dieser Struktur ist die Erhaltung einer einzigen Bestimmung der Situation, und diese Definition muss ausgedrückt, und dieser Ausdruck muss auch im Angesicht zahlreicher potentieller Störungen durchgehalten werden“ (Goffman, 2009, S.233). Man hat also ein gewisses Selbstbild authentisch in ein Fremdbild zu überführen, welches dann den Rahmen der eigenen Handlung bewusst oder unbewusst bestimmt. Ziel ist es, in seiner Rolle möglichst natürlich zu wirken.

Wenn wir uns dem klassischen Begriff der Rolle annähern, wird schnell klar, dass die von großen Geschwistern in dieser typischen Form bei weitem nicht vollständig widergespiegelt wird. Geschwister sind „die Einheit biologischer, seelischer und sozialer Zusammengehörigkeit, die sich von jeder anderen sozialen Beziehung unterscheidet.“ (Horst, 2012, S. 50). Und so unterscheidet sich ihre von den anderen Rollen, die wir in unserem sozialen Umfeld einnehmen. Bei Geschwistern besteht diese nicht aus einer selbstgewählten Form der Eigendarstellung, sondern aus natürlichem Verhalten, das auf das soziale Umfeld ausstrahlt und sich so zu einer Rolle, beispielsweise als Vorbild verdichtet.

Wie die Geschwisterrolle von einer Person angenommen wird und wie sie geprägt ist, unterliegt dem Einfluss multipler Faktoren, beispielsweise Geschlecht, Temperament und Altersabstand (vgl. Dr., 2010, S.3). Eines gilt aber generell: Man kann die Rolle als großes Geschwister weder selbst wählen noch sich ihrer entziehen. Diese Konstellation schafft ein großes Lernpotential, man muss sich arrangieren und sich verschiedensten Aufgaben stellen (vgl. Elfmann Peggy Weichs Barbara, 2016).

Geschwisterrollen sind meist natürlicher als andere Rollen. In einem „gesunden Geschwisterverhältnis“ kann man die Fassade bröckeln lassen, muss kein künstliches Bild aufrechterhalten und wird in seiner Rolle voll akzeptiert.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich auf diese und weitere Besonderheiten, sowie die verschiedenen Ausprägungen, Beschaffenheit, Einflüsse und den Wandel der Rolle von großen Geschwistern in Laufe eines Lebens eingehen. Ich werde die Rolle der großen Geschwister in „gesunden Geschwisterbeziehungen“, in denen die Kinder gemeinsam in einer Familie aufgezogen werden und sich ihre Beziehung ohne weitreichendere Probleme entwickeln kann, näher untersuchen. Faktoren, die ein solches Verhältnis womöglich stören und somit auch Einfluss auf die Rollen nehmen, werde ich nennen, aber nicht weiter ausführen, da es den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde.

II. Merkmale der Rolle von großen Geschwistern

1. Dauer und Stabilität

In einer Zeit, in der es scheint, als sei nichts mehr auf Dauer festgelegt und weniger Stabilität im Leben des Einzelnen herrscht, stellt die Rolle von großen Geschwistern eine seltene Konstante dar. „Eltern sterben, Freunde verschwinden, Intimbeziehungen lösen sich auf, Geschwister bleiben“ (Frick, 2010, S. 2). Sie verbindet ein „unauflösbares Band“ (Frick, 2010, S. 2). Dieses Band wird durch die gemeinsame Herkunft, das Aufwachsen in einer Familie und die gemeinsame Entwicklung geknüpft und verbindet sie ein Leben lang.

Geschwister sind ein untrennbarer Teil der eigenen Geschichte, die man gemeinsam schreibt. Unzählige Erlebnisse, Gefühle, Verhaltens- und Reaktionsmuster und charakterprägende Erfahrungen verbinden Geschwister miteinander; Tatsachen, die nicht einfach vergessen oder verleugnet werden können.

2. Geschwisterliebe

Die Geschwisterliebe als dritte Dimension der Liebe - neben Liebhaberliebe und Elternliebe - ist „ […] frei von sexuellem Begehren“ (Horst, 2012, S.8 ). Sie entsteht aus dem „einzigartigen[m] Zusammenfluss von biologischer, körperlicher, geistiger, seelischer und sozialer Verbindung […]“ (Horst, 2012, S. 49 f.). Auf ihr basiert eine gesunde Geschwisterbeziehung, auf der die Rolle von großen Geschwistern begründet ist. Die Geschwisterliebe lässt über Unzulänglichkeiten hinwegsehen und den anderen so akzeptieren, wie er ist, was der Rolle von Geschwistern, eine einzigartige Natürlichkeit verleiht.

3. Natürlichkeit

Fremde nehmen in vielen Situationen die Rolle des Betrachters ein, der nur nach der aktuell sichtbaren Situation wertet, ohne einen weiteren Kontext zu kennen. „[..] [D]a die Realität mit der es der Einzelne zu tun hat, im Augenblick nicht offensichtlich ist, muss er sich stattdessen auf den Anschein verlassen“ (Goffman, 2009, S.228). Dies führt dazu, dass sich Menschen in ihren verschiedenen Alltagsrollen verstellen. Zwischen Geschwistern ist ein solches Schauspiel nicht nötig, denn sie verfügen über einen viel besseren Überblick über die Situation, in die das Handeln eingebettet ist; somit werten sie nicht nur isoliert aus der einzelnen Situation heraus, wie es Außenstehende häufig tun, sondern aus dem Gesamtzusammenhang.

Geschwister akzeptieren einander so wie man ist, auch wenn man einen Fehler begangen hat. Bei ihnen kann man ehrliche Rückmeldung aus der Sicht eines ähnlich Gesinnten und Geprägten erwarten und muss keine erzieherischen Konsequenzen fürchten, wie man es eventuell bei den Eltern tun würde. Man kann offener über Einstellungen und Gefühle sprechen, da beide ein niedrigeres Peinlichkeitsempfinden haben, weil jeder auch die Unzulänglichkeiten des anderen kennt und so nicht zwanghaft die eigene perfekte Fassade aufrechterhalten muss.

4. Kommunikation

Der ständige Kontakt zwischen Geschwistern, besonders in ihrer Kindheit beim gemeinsamen Heranwachsen, ermöglicht es mit Situationen ganz natürlich umzugehen. Aus Erfahrungen, die man durch das intensive, lange Kennen des anderen gesammelt hat, kann man die Reaktionen und Handlungen des Geschwisters besser abschätzen und so auch auf einer sehr vertrauten Ebene kommunizieren.

„Die Kommunikation zwischen den Geschwistern ist […] lebendiger, fröhlicher und wegen des Wegfalls erwachsener Autorität auch weniger abgesetzt. Die präverbale und averbale Verständigung der Geschwister geht fließend in eine gemeinsame Sprachfindung über, die den Erwachsenen unzugänglich ist“ (Horst, 2012, S. 27). Manchmal reichen nur Blicke und man weiß, was der andere denkt oder sagen möchte. Dieses besondere Kommunikationsvermögen basiert auf den vielfältigen gemeinsamen Erfahrungen, die ihnen die Möglichkeit bieten, einen Erfahrungsschatz über das Denken und Verhalten des anderen anzulegen.

5. Vertrauen und Hilfe

Geschwister bilden ein Ensemble. „Innerhalb eines Ensembles herrscht Vertraulichkeit, entwickelt sich zumeist Solidarität, und Geheimnisse, die das Schauspiel verraten könnten, werden gemeinsam gehütet“ (Goffman, 2009. S.217).

[...]

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Details

Titel
Große Geschwister. Betrachtung einer besonderen Rolle
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
1,00
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V415934
ISBN (eBook)
9783668656611
ISBN (Buch)
9783668656628
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
große Geschister, Geschiwsterbeziehung, Familie, Kinder, Erziehung, Vorbild, Rolle, Geschwisterliebe, Geschwisterhass, Bruder, Schwester, Identität, Kindheit, Wir spielen alle nur Theater, Verhalten, Vertrauen, Akzeptanz, Goffmann, Beschützer, kleine Geschwister
Arbeit zitieren
Aline Schmittmann (Autor), 2018, Große Geschwister. Betrachtung einer besonderen Rolle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/415934

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