Identitätsbildung bei Jugendlichen. Zwischen "Real-Life" und virtueller Realität


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

10 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Einleitung

Bist du ein ,,Digital Native“? 1­ Welche Geschichte erzählst du auf die Frage ,,Wer bin ich?“ im medialen Kontext (vgl., Karstädter 2013, S.2)? Im heutigen Zeitalter des Dauerkonsums, kann sich kaum noch jemand einen Alltag ohne die Nutzung von Internet, Tv und Smartphone vorstellen (ebd.). Doch welchen Einfluss üben die Medien speziell auf Jugendliche aus? Dies sind wesentliche Fragen, die heutzutage im Umgang von Jugendlichen mit digitalen Medien eine wichtige Rolle spielen. Es erscheint fast so, dass Jugendliche im heutigen ,,Dschungel der Reizüberflutung“ durch die vielen Bilder, Stile und Darstellungen der medialen Welt ,,verloren“ gehen (ebd.). Auf der anderen Seite ist es auch so, dass jene Medien ,,[…] die Welt für uns [gliedern], [..] sie in eine zeitliche Abfolge [bringen], [..] sie [vergrößern], [..] sie [verkleinern], [..] sie [einfärben] und [..] [damit] eine bestimmte Deutung der Beschaffenheit der Wirklichkeit [explizieren]“ (ebd., S.2 zit. nach Postman 1988, S.20)? So versuche auch ich hier eine Deutung über den Einfluss der Medien vorzunehmen. Meiner Meinung nach ist besonders der virtuelle Raum, wie er bei zum Beispiel (z.B.) bei Facebook 2­ vorgefunden werden kann, interessant und dies nicht zuletzt im Hinblick auf die mögliche Identitätsbildung bei Jugendlichen.

Die Social Media Plattform Facebook bietet Individuen eine große Vielfalt und Attraktivität: Profilanlegung und Kommunikation mit unzähligen Usern, ,,checken“ von Neuigkeiten, sogar unterwegs per Smartphone (vgl., Elsner 2013, S.10). Jugendliche sind ,,Digital Natives“ und Teil einer Welt, die durch Plattformen wie Facebook geprägt ist (vgl., Karstädter 2013, S.1).

Jugendliche sind mehr und mehr auch in der Sphäre der medialen Welt zu verstehen und einzuordnen und befinden sich ständig im Kontakt zu Social Media Plattformen, wie Facebook, Instagram. Co.. Heutzutage wird sogar die traditionelle Prägung durch Familie, Kirche und andere Institutionen wird vermehrt als rückläufig und teilweise sogar durch die Medienwelt ersetzbar betrachtet (ebd., S.2). Jene Medienwelt kann im positiven Sinne aber auch als Möglichkeit dienen, Orientierung zu erlangen oder sogar zur Identitätsstiftung führen (ebd., S.3). Meist wird Identitätsfindung nur im Zusammenhang mit den Medien TV, Zeitung oder Musik betrachtet, aber ist die jugendliche Identitätskonstruktion mittlerweile nicht auch auf der Plattform Facebook zu finden (vgl., Elsner 2013, S.10)?

Um diese Frage zu klären, befasse ich mich in dieser Hausarbeit zuerst mit der Begriffsdefinition Identität und den Identitätstheorien von Erik H. Erikson und Sherry Turkle, weiterführend mit dem Einfluss des Mediums Internet auf Jugendliche und dessen Auswirkungen wiederum auf Identitätsentwicklung. Konkrete Beispiele werden anhand der Plattform Facebook ausgeführt.

Identität

Laut Karstädter (2013) ist der Begriff Identität in unseren geläufigen Sprachgebrauch fest integriert und auch der Glaube daran, dass wir dessen Bedeutung kennen (S.3). Trotzdem stellt sich Karstaedter die Frage, ob dies wirklich der Realität entspricht. Ihm zufolge enden Erklärungsversuche meist mit der Feststellung, dass man den Begriff der Identität nicht genau definieren kann. ,,Am besten lässt sich Identität als Antwort auf die Frage ,,Wer bin ich?“

fassen“, stellt Karstädter fest (ebd., S.3). Misoch (2014) geht davon aus, dass für soziales Handeln und zwischenmenschliche Interaktion in modernen Gesellschaften Identität die Grundvoraussetzung ist (S.18). Misoch führt Ausführungen von Frey und Haußer (1987) an, welche grundlegende Kennzeichen der Identität benennen, nämlich die Selbstreflektion, die Bewusstseinserfassung und die Selbstdarstellung (ebd., S.18). Als feste Identitätsmerkmale kennzeichnet Misoch solche, die über eine andauernde Zeit konstant bleiben und kontinuierliche weitergeführt werden (vgl., S.19). Weiterführend zitiert sie eine Zusammenfassung von Mummendey (1995), welcher Identität mit den Begriffen ,,Selbst“ und ,,Selbstkonzept“ beschreibt und einem Menschen verschiedene Identitäten zuordnet, welche situationsabhängig, aber durchaus zu einer stabilen Gesamtidentität zusammenzufassen sind (ebd., S.20). Keupp (2000)³ schreibt der Identität einen Doppelcharakter zu, symbolisiert durch ein ,,subjektive[s] Innen“ und dem ,,gesellschaftlichen Außen“. Das Individuum versucht dabei, eine Syntheseleistung zwischen individuellen Ansprüchen und gesellschaftlicher Akzeptanz zu leisten. Misoch (2004) fasst zusammen:

,,Nähert man sich dem Bereich der Identität aus sozialwissenschaftlicher [..] Perspektive an, so zeigt sich, dass man es mit einem relativ komplexen und schwer zu definierenden Bedeutungsfeld zutun hat. Zum einen umfasst der Begriff der Identität verschiedene disparate Bereiche – kulturelle, soziale, religiöse, ethnische, sexuelle, nationale, personale Identitäten uvw. […] “ (S.17).

Identitätstheorien im wissenschaftlichen Diskurs

,,Identitätsideale [sind] immer gesellschaftlich bedingt [..] und [..] die Grundprinzipien einer Gesellschaft [spiegeln] [sich] in den Identitätsstrukturen ihrer Subjekte [..]wieder“ (Misoch 2004, S.35).

Dies bedeutet, dass der Prozess der Identitätssynthese immer an die Modernisierungsprozesse der Gesellschaften gebunden ist (vgl., Misoch 2004, S.35). Dies wird im Folgenden anhand von Identitätstheorien von E.H. Erikson und Sherry Turkle veranschaulicht (Moderne vs. Postmoderne), um anschließend an die Hypothese anzuknüpfen, dass die traditionelle Prägung als rückläufig betrachten werden kann und die mediale Beeinflussung bei der Identitätsbildung an Zuwachs gewinnt.

E. H. Erikson: Identität in der Moderne

Im Folgenden wird kurz auf die klassische Identitätstheorie von E.H. Erikson eingegangen, welche sich auf moderne Gesellschaften bezieht. Misoch (2004) erläutert, dass in der Moderne das Individuum selbst zum Kreateur seiner Identität wird, da die festen, hierarchischen und traditionellen Einbindungen an Kraft verlieren (S.36). Ihr zufolge ist das Identitätsmodell von Erikson ,,ein Klassiker unter den […] Identitätskonzepten […] und [ermöglicht] einen Einblick in die Struktur […] der Moderne“ (ebd., S.37). Erikson hat ein Stufenmodell erschaffen, in welchem die Identitätsbildungsphase immer an das Wachstum

des Organismus verknüpft ist (vgl., ebd., S.37). Genauer erläutert bedeutet dies, dass die Identität stufenweise im Lebensverlauf ausgebildet wird (vgl., ebd., S.37). Misoch erklärt, dass im Stufenmodell die Adoleszensphase die wichtigste Phase im Identitätsbildungsprozess ist (ebd., S.39). Die jungen Individuen entwerfen in dieser Phase erste experimentelle Rollenentwürfe und das Entwerfen dieser ist als eine Notwendigkeit anzusehen, um zu einem ,,Gefühl der eigenen Ich-Identität“4 zu gelangen (vgl., ebd., S.41). In der Jugend hat das Individuum die Aufgabe, sein soziales Rollenbild zu festigen, wobei der Jugendliche einer Konfliktsituation ausgesetzt ist, nämlich dem Identitätskonflikt vs. Konfusion (vgl., Noak 2005, S.147). Das Ziel, bzw. die Aufgabe des Individuums in dieser Konfliktsituation ist die Stabilisierung der Identität, wobei die Findung und Ausrichtung an Leitbildern essentiell ist, an denen sich im weiteren Lebensverlauf orientiert werden kann, um die Werte von Gleichheit und Kontinuität wieder herzustellen (vgl., ebd., S.147, Misoch 2004., 41 f., Wegener 2010, S.56). Erikson definiert damit einen linearen Entwicklungsverlauf, dessen Merkmale Kontinuität und Gleichheit sind (vgl., Keupp 2000, Noak 2005, S.42). Die Erreichung einer Einheit in sich selbst, nach jeder Phase, ist Garant für die Bildung einer stabilen und einheitlichen Identität (vgl., Misoch 2014, S.47 Noak 2005, S.42). ,, […] [E]ine Leistung also, die […] immer wieder [vom Individuum], ja beständig erbracht werden muß[…]“(Noak 2005, S.42). Sobald das Individuum die Gleichgewichtsherstellung nicht erbringen kann, gerät es in einen Identitätsdiffusionzustand: Dieser Zustand bedeutet den Verlust von Halt des Selbstbildes und der inneren Mitte (vgl., Noak 2005, S.41).

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Identitätsbildung bei Jugendlichen. Zwischen "Real-Life" und virtueller Realität
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V416046
ISBN (eBook)
9783668699656
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identitätstheorien, Social Media, Facebook, Soziologie, Jugendliche
Arbeit zitieren
Julia Warga (Autor), 2017, Identitätsbildung bei Jugendlichen. Zwischen "Real-Life" und virtueller Realität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416046

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