Der Lagerkommandant von Auschwitz Rudolf Höß. Ursprung seines Handelns


Facharbeit (Schule), 2018
16 Seiten, Note: 1.9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Rudolf Höß´ Leben

1. Kindheit und Jugend (1900 - 1916)

2. Kriegsfreiwilliger (1919 - 1923)

3. Der Weg zur SS

4. Konzentrationslager Dachau & Sachsenhausen

5. Lagerkommandant in Auschwitz

Analyse

Verweise

Anhang.

Vorwort

In dieser Projektarbeit über Rudolf Höß den Lagerkommandanten des Konzentrationslagers Auschwitz, werde ich nicht auf die Frage eingehen, ob Rudolf Höß sein Verhalten wirklich bereut hat oder er die von ihn angefertigte Autobiographie nutzen wollte, um seiner Strafe zu entkommen. Diese Frage kann nicht beantwortet werden, da dies nur reine Spekulation wäre. Was jedoch feststeht ist, dass er Millionen von Menschen auf dem Gewissen hat und er als Lagerkommandant die Organisation übernahm, um die Menschen möglichst effizient in den Tod zu schicken. Nun ob man ihm Glauben schenkt, ist eine Sache, die man mit sich selbst individuell klären muss.

„Mag die Öffentlichkeit ruhig weiter in mir die blutdürstige Bestie, den grausamen Sadisten, den Millionenmörder sehen – denn anders kann sich die breite Masse den Kommandanten von Auschwitz gar nicht vorstellen. Sie würde doch nie verstehen, dass der auch ein Herz hatte, dass er nicht schlecht war.“

Rudolf Höß

Einleitung

Rudolf Höß ehemaliger Auschwitz Lagerkommandant, ist das Paradebeispiel für die Vollstrecker der mörderischen Befehle des NS Regimes. Einer von vielen Werkzeugen, die das NS-Regime unter Kontrolle gebracht haben, um die Vernichtung von ca. 6 Millionen Juden zu ermöglichen. Während seiner Krakauer Untersuchungshaft (1947), fertigte er ein Autobiografisches Dokument, namens „Meine Psyche. Werden, Leben und Vorleben“ an und gibt uns Menschen einen einmaligen Einblick in die Psyche eines Massenmörders und zeigt allen Menschen, dass eine solche Person nicht zwingend ein sadistischer Psychopath sein muss. Rudolf Höß zerbricht in diesem Fall dieses Klischee in unseren Köpfen, denn er ist ganz im Gegenteil ein sehr pflichtbewusster Mensch gewesen, der ein netter Familienvater, sehr Tierlieb und ein Freund von Ordnung und Disziplin war. So beschäftigen sich viel Wissenschaftler und Psychologen heute noch mit der Frage, wie es in irgendeiner Weise möglich ist, so ein Doppelleben zu führen, wie Höß es tat. Auf der einen Seite ein netter, verantwortungsbewusster Familienvater von 5 Kindern und auf der anderen Seite ein effizienter Massenmörder und verantwortlich für den Tod von 1.1 Millionen Menschen. So gibt es viele plausible Ansätze die sein paradoxes Verhalten versuchen zu erklären und den Ursprung dieser geistigen Apathie und dem blinden Gehorsam herauszufinden. Die Antwort auf das Ganze, gibt uns Höß in seinem psychologischen Dokument selber. Denn der Mensch kann nur auf das zurückgreifen, was er im Laufe seines Lebens gelernt und erlebt hat, was die Wissenschaft der Psychologie belegt hat. Es ist also notwendig die gesamte Biografie zu lesen um sein Handeln in einer gewissen Weise zu verstehen, wenn dies überhaupt möglich ist. Somit werde ich im Folgenden das Leben von Rudolf Höß in kurzen Abschnitten zusammenfassen und die, für die Analyse des Ursprung seines Handelns, wichtigsten Stellen herausarbeiten, um die Möglichkeit zu geben, sich selber Gedanken zu machen, ob der Ursprung seines Verhaltens, eines einzigen Ereignisses in seinem Leben zu verschulden ist oder ob es sich vielleicht doch um ein Zusammenspiel von vielen Ereignissen handelt, die sein Verhalten verursacht haben.

Rudolf Höß´ Leben

1. Kindheit und Jugend (1900 - 1916)

Rudolf Franz Ferdinand Höß ist geboren am 25.November.1900 in Baden-Baden (Deutschland) und lebte dort bis zu seinem 6. Lebensjahr. Er wuchs in einer streng katholischen Familie auf, wobei er seinen Vater in seinen Aufzeichnungen als „fanatischen Katholik“ bezeichnet. In seiner Zeit in Baden-Baden entwickelte sich Höß zu einem Einzelgänger, da in der Nähe keine gleichaltrigen Freunde gewohnt haben. Denn Baden-Baden war zumindest damals, ein sehr ländlich geprägtes Gebiet, indem am Anfang des 20. Jahrhundert nur ca. 15.700 Menschen gelebt haben1. In seiner Kindheit verbrachte er seine Zeit am meisten in Bauernhöfen, denn gerade die Natur und die Tiere haben ihn sehr gefallen. Auch hingezogen fühlte er sich zu Wäldern in der Umgebung und hielt sich immer im Geheimen dort auf. Doch seine größte Neigung, die er auch im Erwachsenenalter beibehalten hat, ist die der Pferde. Schon immer hatten es ihm die Pferde am meisten angetan. Auch hatte er einen „unwiderstehlichen Hang zum Wasser“2. Als er sieben Jahre alt wurde zogen er und seine Familie nach Mannheim, jedoch außerhalb der Stadt. Zu seinem Geburtstag in diesem Jahr bekam er ein Pony geschenkt, den er liebevoll Hans nannte und oft Zeit mit ihm verbrachte. Auch wenn er in der Zwischenzeit zur Schule geht und Freunde gefunden hat, so beschäftigte er sich am liebsten mit seinem Hans. Er ritt oft mit ihm in die Natur und pflegte und kümmerte sich um ihn. In der Schule und auch im Elternhaus, wurde er von klein auf zu einem festen Pflichtbewusstsein erzogen. Er wurde von seinem Vater nach „strengen militärischen Grundsätzen“ erzogen, da er nach dem Gelübde seines Vaters Priester, also ein Geistlicher werden sollte. Weiter sagt Höß in seinen Aufzeichnungen: „Ganz besonders wurde ich immer darauf hingewiesen, daß In Wünsche oder Anordnungen der Eltern, der Lehrer, Pfarrer usw., ja aller Erwachsen […] unverzüglich durchzuführen bzw. zu befolgen hätte […].“3. Zudem herrschte in seiner Familie eine wie von ihn beschriebe „tiefreligiöse Atmosphäre“ und betete gerne fleißig in seinem kindlichen Ernst, den er damals hatte und besuchte mit seinem Vater, der u.a. auch ein Kaufmann war, viele Wallfahrtstätten und Gnadenorte4. Ein Wendepunkt ereignete sich jedoch an seinem 13. Lebensjahr, als er einen Klassenkammeraden unbeabsichtigt die Treppe hinuntergeschmissen hatte. Am gleichen Tag beichtete er dies seinem Beichtvater, der wiederum jedoch, erzählte es dem Vater von Rudolf, was ihm selbst, eine Strafe vom Vaters einbrachte. Jedoch hat ihn die Strafe nicht so zugetragen, wie der Vertrauensbruch seitens des Beichtvaters5. Sein „Vertrauen zum geheiligten Priesterstand war zerbrochen“6. Im darauffolgenden Jahr starb sein Vater was ihm jedoch nicht besonders Nahe ging7

2. Kriegsfreiwilliger (1919 - 1923)

Der Krieg brach aus und Rudolf Höß begann, sich das Kriegsgeschehen genauer anzusehen. Seien es die Kriegsformationen oder Verwundeten-Züge aus der Front. Er überredete seine Mutter mit 15 als Helfer beim Roten Deutschen Kreuz zu arbeiten. In seinem Dienst sah er viele Verletzte, Tote und im Sterben liegende Menschen. Höß hatte dort die Aufgabe, die Verletzten mit Erfrischungen und Rauchwaren zu Versorgen. In dieser Zeit, war er nur noch in Lazaretten unterwegs und versorgte und verteilte Liebesgaben. Auch hatte er erste Gespräche mit Soldaten, wobei es ihm in dieser Zeit nur noch ums „Soldat-werden“ ging. Durch seine Bekanntschaften schaffte, er es im Regiment zu arbeiten indem sein Vater und Opa ausgebildet worden sind. Er schaffte es an die Front zu kommen ohne das Wissen der Mutter welche 1917, also ca. 1 Jahr später, starb. Er kämpfte in einer türkischen/osmanischen Division gegen die Engländer und tötete dort seinen Ersten Menschen. „Der Bann war gebrochen“8. Die türkischen Soldaten flohen während des Gefechts und er war auf sich alleine gestellt. Immer mehr Kammeraden sind neben ihm nacheinander gestorben. „Mich packte das Grauen und eine unheimliche Angst […], wie ich es später nie wieder erlebt habe“9. Er wurde in der Front in Mesopotamien und Palästina ebenfalls eingesetzt und erhielt bis 1918 folgende Auszeichnungen: Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse, Eiserner Halbmond, Badische Verdienst Medaille10. Durch sein können hatte er auch mit 17 die Position eines Unteroffiziers, was ihm viele weiter Eindrücke einbrachte. „In der Zeit lernte ich, […] daß die eiskalte, durch nichts zu erschütternde Ruhe des Führenden in schwierigen Situationen entscheidend ist. Aber auch, wie schwer es ist, immer Vorbild zu sein und das Gesicht zu wahren, auch wenn es im Innern anders aussieht“11. Auch hatte er in der Palästina-Front, in der er verwundet wurde, dass erste Mal Liebeserfahrung gesammelt. Da er in seiner Kindheit jeglichen Zärtlichkeitsbeweis ablehnte war dies eine neue Erfahrung, die er bis dahin noch nicht kannte.12 In diesen Jahren wurde aus einem kleinen Jungen ein sehr starker aber auch ein sehr rauer Soldat. 1918 der Krieg ist vorbei und somit auch sein Dienst. Bei seiner Rückkehr drängten ihn seine Familienangehörigen in ein Priesterseminar zu gehen, wobei er jedoch wegen dem Vorfall mit dem Beichtvater, zweifelnd dem gegenüberstand. Sie unterstellten ihn den Willen der Eltern zu missachten und setzten Maßnahmen um, wie z.B. sein Onkel, der ihm drohte, dass er ihm für einen anderen Ausbildungsberuf kein Geld zur verfügen stellen würde. Auch unterteilten sie das Erbe der verstorbenen Eltern unter sich, da sie dachten, dass er als Geistlicher und seine Schwerstern, welche im Kloster leben, die weltlichen Güter nicht mehr bräuchten. „Voller Zorn über die Eigenmächtigkeit der Verwandten“13, verließ er ohne Nachricht das Verwandtschaftshaus und meldete sich bei einem Freiwilligen-Korps im Baltikum. Er wurde wieder ein Soldat und auch wenn er eigentlich ein Einzelgänger war, hat er sich hingezogen zu dieser Kameradschaft gefühlt, wo jeder dem anderen in der Not hilft. Die Kämpfe im Baltikum haben, laut Höß, in ihrer Wildheit und Brutalität den ersten Weltkrieg übertroffen. Er hat dort noch nie dagewesene Bilder gesehen wie z.B. Frauen und Kinder die beim lebendigen Leibe in ihren eigenen Häusern verbrannt wurden. Viele schreckliche Bilder haben sich in Höß´ Kopf manifestiert und so schnell sollte er sie nicht vergessen. Die allgemeine Problematik der Freikorps in denen er sich angeschlossen hat war, dass die Staaten, wenn sie in Schwierigkeiten waren, die Freikorps, bestehend aus Kriegsveteranen und Offizieren aus dem ersten Weltkrieg, nutzten um ihre Interessen durchzusetzen. Diese wurden aber vom jeweiligen Staat geleugnet und nicht anerkannt. Somit konnten Verbrechen, wie z.B. Waffendiebstähle und Verrat, innerhalb der Einheit nicht offiziell nachgegangen oder bestraft werden. Zumindest konnten nur wenige Fälle aufgeklärt und verurteilt werden. So herrschte eine gewisse Selbstjustiz, der sich auch Rudolf Höß bediente. Verräter beispielsweise, wurden unverzüglich mit dem Tode bestraft. So richteten sie über einem Kammeraden Namens Schlageter und töteten ihn. So wurde dieser Fall aufgedeckt und Höß wurde als Hauptbeteiligter im Parchimer Fememordprozess zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt14. Dennoch empfand er den Mord an Schlageter als richtig, da er in seinen Aufzeichnungen schrieb: „Ich brauche nicht zu betonen, dass ich mit dem Tod des Verräters einverstanden war. Da aller Wahrscheinlichkeit nach kein deutsches Gericht ihn verurteil haben würde, richteten wir ihn, nach einem ungeschriebenen Gesetzt […]“15.

[...]


1 https://www.baden-baden.de/stadtportrait/stadt/stadtportrait/zahlen-fakten/

2 (Amann, 2011) S.8

3 (Broszat, 1998) S.34f.

4 (Amann, 2011)S 9 f.

5 (Amann, 2011) Vgl. S.1ff.

6 (Amann, 2011) S.14

7 (Amann, 2011) Vgl. S. 39

8 (Amann, 2011) S.18

9 (Broszat, 1998) S.42

10 (Broszat, 1998) S.43

11 (Broszat, 1998) S.46f.

12 (Amann, 2011) Vgl. S7 ff.

13 (Broszat, 1998) S.48

14 (Broszat, 1998) S.56f.

15 (Amann, 2011) S. 26

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Lagerkommandant von Auschwitz Rudolf Höß. Ursprung seines Handelns
Note
1.9
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V416289
ISBN (eBook)
9783668661189
ISBN (Buch)
9783668661196
Dateigröße
1423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lagerkommandant, auschwitz, rudolf, ursprung, handelns
Arbeit zitieren
Sofian Boukhelf (Autor), 2018, Der Lagerkommandant von Auschwitz Rudolf Höß. Ursprung seines Handelns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416289

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