Analyse von "Lernen und Lernberatung: Alphabetisierung als Herausforderung für die Erwachsenendidaktik" von Joachim Ludwig


Rezension / Literaturbericht, 2017
11 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Lernen und Lernberatung

Rezension/Review (2017) zu: Ludwig, Joachim (2012): Lernen und Lernberatung: Alphabetisierung als Herausforderung für die

Erwachsenendidaktik

Bielefeld: Bertelsmann, 1. Auflage

Alphabetisierung ist ein präsente und häufig diskutierte Herausforderung im Bereich der Erwachsenenbildung. Das Werk „Lernen und Lernberatung: Alphabetisierung als Herausforderung für die Erwachsenendidaktik“ (Ludwig, 2012) beschäftigt sich mit diesem Thema. Die Schwerpunkte sind dabei die Erwachsenenbildung und -didaktik im institutionalisierten Bereich sowie Alphabetisierungsprozesse von Erwachsenen.

Dabei geht es zunächst um bildungstheoretische Zugänge zu Lernprozessen und zur Lernberatung. Ferner wird der Forschungsstand zur Alphabetisierung und Grundbildung in seinen unterschiedlichen Facetten betrachtet. Dabei bilden die Lernforschung inklusive der Untersuchung der Lernbegründungstypen und die Betrachtung der verschiedenen Arten des Lernens einen Schwerpunkt. Auch die Lernberatung sowie die rekonstruktive Lernberatung werden behandelt.

Das fünf Jahre alte Werk ist auch heute noch aktuell: Seit 2015 steht Deutschland in einer großen Verantwortung gegenüber hunderttausenden Flüchtlingen: Hier ist die Alphabetisierung von Erwachsenen in hohem Maße relevant.

Analphabetismus sowie ein anderes Buchstabensystem in vielen Herkunftsländern der Asylsuchenden können bei den betroffenen Menschen eine (Neu)Alphabetisierung erforderlich machen. Neben anderen Faktoren ist eine erfolgreiche Alphabetisierung ein starker Integrationsmotor für das Leben und den Arbeitsmarkt in Deutschland.

Auch die Alphabetisierung von Inländern ist ein dauerpräsentes Thema. Hierbei geht es besonders um die Alphabetisierung von funktionalen Analphabeten. Diese Personengruppe hat 2011 in Deutschland etwa 7,5 Millionen Menschen umfasst (vgl. Grotlüsch/Riekmann 2011). Diese Zahl unterstreicht die Relevanz dieser Thematik, vor allem, wenn man bedenkt, welche gesellschaftlichen Nachteile im Privat- und Erwerbsleben Analphabetismus für die Betroffenen bedeuten kann.

Zusammenfassende Darstellung der Arbeit Im Folgenden wird das behandelte Werk in seinen zentralen Aussagen zusammengefasst, wobei dabei eine Orientierung an der inhaltlichen Gliederung des Autors stattfindet. Alle zitierten Fremdquellen sind im Literaturverzeichnis dieses Reviews und des reviewten Werkes zu finden und dienen der Wiedergabe des Inhalts.

Bildungstheoretische Zugänge zu Lernen und Lernberatung

Zunächst einmal muss das Lernen als Handlung in drei unterschiedliche bildungstheoretische Dimensionen gegliedert werden, um anschließend differenziert beleuchten werden zu können (vgl. Ludwig 2012, S. 18-42):

1. Lernen als soziales Handeln: Zunächst ist festzustellen, dass sich Lehrhandlungen im Grundsatz von Lernhandlungen unterscheiden und das Lernen als Aneignungslogik betrachtet werden muss (ebd. S. 19). Das Fundament des „Lernens als soziales Handeln“ bildet die Betrachtung als bildungstheoretische Kategorie mit der Erkenntnis, dass der Lernprozess unmittelbar mit dem Bildungsprozess verbunden ist und auf das Welt- und Selbstverständnis des Lernteilnehmers einwirkt (ebd. S. 22).

Im Nachfolgenden wird die Lernhandlung aus einer kontingenten Handlungsperspektive sowie als reflexives und begründetes Handeln beachtet. Ersteres, nämlich das Lernen als Kontingenz, wird als „Möglichkeitsraum gesellschaftlicher Bedeutungen“ angesehen, dem der Lernteilnehmer als Außenstehender gegenübertritt. Welche (Lern-)Subjekte der Lernende dabei auswählt ist interessensabhängig und kontingent (vgl. Holzkamp 1993, S. 21).

Lernhandlungen reflexiver Art entstehen in Verbindung mit der Biografie des Lernenden. Beispielsweise kann ein Analphabet im Alltag oft Problemen begegnen, für die seine durch den Analphabetismus eingeschränkte Handlungsfähigkeit nicht ausreicht. So können sich defensive oder expansive Lernbegründungen entwickeln, die den Betroffenen dazu bringen, einen Alphabetisierungskurs zu besuchen um die eigene Handlungskompetenz zu erweitern. Defensive Handlungsbegründungen sind dabei durch die Notwendigkeit, drohende Sanktionen oder Schwierigkeiten (z.B. Jobverlust) zu vermeiden, gekennzeichnet. Expansive Lernbegründungen stehen dagegen im Zeichen der Erweiterung des eigenen Horizonts und der

Verständnisgewinnung (vgl. Ludwig 2012, S. 29).

Lernen als begründetes Handeln wird in sog. Begründungsdiskursen betrachtet und dabei in Zusammenhang mit Lernbegründungen bzw. Lernwiderständen verstanden (ebd. S.31).

2. Lernberatung als Rekonstruktion von Lernbegründungen: Ziel ist es dabei die

Lernmotivationen von Teilnehmern an Alphabetisierungskursen zu entschlüsseln und auf diesem Fundament eine erfolgreiche Lernberatung zu gestalten. Daher ist es essentiell, die Biografie, den Lerngegenstand und die Situation als ausschlaggebende Faktoren in die Lernberatung von Analphabeten einfließen zu lassen.

3. Kontext rekonstruktiver Lernberatung: Hier wird die Lernberatung aus verschiedenen Perspektiven mit je unterschiedlichen Konsequenzen betrachtet:

Dabei geht es um das „Lernen als Informationsverarbeitungsprozess“, das „Lernen als Konsequenz von Selbstwirklichkeitserwartungen“, das „Lernen als kognitive Operation“ und schließlich das „Lernen als soziales Handeln“ (ebd. S. 39).

Forschungsstand zu Alphabetisierung und Grundbildung Bei der Betrachtung des Forschungsstands zur Grundbildungsforschung lassen sich sechs Forschungszweige unterteilen (vgl. ebd. S.43-66):

1. Adressaten- und Zielgruppenforschung: Vorrangig wird hier die Frage betrachtet, wie die Zielgruppe definiert und erreicht werden kann. Analphabetismus betrifft zwar mehr als 4% der erwerbstätigen Bevölkerung, die Adressatenforschung wurde im Bereich dieser Personengruppe jedoch vernachlässigt. Dennoch ist eine AdressatenIdentifizierung möglich, essentiell ist hierfür die „leo. - Level-One Studie“ (Grotlüsch/Riekmann, 2011), welche anhand verschiedener Kompetenz-Levels (funktionalen) Analphabetismus identifiziert.

2. Teilnehmendenforschung: In diesen Bereich kann man Untersuchungen zur Teilnehmendenstruktur und Untersuchungen zu Motiven etc. im Kontext von Biografie usw. anstellen. Zentral ist der Untersuchungsgegenstand, wer und warum an Angeboten der Erwachsenenbildung teilnimmt.

3. Lehr- und Interaktionsforschung: Im Bereich der Alphabetisierung steht die Forschung zu Lernorten und didaktischen Konzepten (sowie deren Wirkung).

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Analyse von "Lernen und Lernberatung: Alphabetisierung als Herausforderung für die Erwachsenendidaktik" von Joachim Ludwig
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,7
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V416913
ISBN (eBook)
9783668667297
ISBN (Buch)
9783668667303
Dateigröße
871 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Joachim Ludwig, Ludwig, Lernen, Lernberatung, Lernen und Lernberatung, Weiterbildung, Erwachsenenbildung, Review, Rezension, 2017, Bildungswissenschaft, BWS, EBWB
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Analyse von "Lernen und Lernberatung: Alphabetisierung als Herausforderung für die Erwachsenendidaktik" von Joachim Ludwig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/416913

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