Der Untergang des Motion Picture Production Code und die Ablösung durch das Ratings-System


Hausarbeit, 2017
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Motion Picture Production Code: Ursprung und Entstehung

3. Die Faktoren des Untergangs
3.1 Der kulturelle Wandel
3.2 Das Publikum
3.3 Der europäische Filmmarkt

4. Die Reaktion der Industrie
4.1 Die Umgehung des Codes
4.2 Der Wechsel in der Chefetage
4.3 Das Ratings System

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Geschichte der Zensur reicht bis in die vorchristliche Zeit der römischen Antike. Was sich damals auf politischer Ebene, so zum Beispiel das Verbot von Spottversen durch die Zwölftafelgesetze, abspielte, hat im Laufe der letzten zwei Jahrtausende besonders im Unterhaltungssektor Ausmaße verschiedenster Richtungen und Intensitäten angenommen.

Auch das Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Medium Film weist eine wechselhafte und regional unterschiedliche Geschichte von Zensur auf. Die US-amerikanische Filmindustrie Hollywood hat Film groß gemacht und gilt bis heute in der Öffentlichkeit als oberste Führungsriege des Filmemachens, und auch ihre Geschichte ist mit Kapiteln von Zensur bestückt. Von 1934 bis 1966 regierte dort die eiserne Hand des Hollywood Motion Picture Production Code. Während es in der Zeit davor wenig bis gar keine Zensur für Filme in den USA gab, vereinzelt in einigen Bundesstaaten, stellt der Production Code eine Phase der strengen Kontrolle der Filmproduktion Hollywoods dar. Aus den beiden Extremen der fehlenden Kontrolle und der strengen Selbstzensur der Industrie trat Ende der 1960er Jahre das Ratings-System als vielversprechender Mittelweg hervor, welches bis heute in den Vereinigten Staaten Bestand hat.

Die Ablösung des Hollywood Motion Picture Production Code durch das Ratings-System war eine Reaktion der US-amerikanischen Filmindustrie auf demographische und gesellschaftliche Transformation.

Für die Bearbeitung dieser These werde ich zunächst den Ursprung und die Entstehungsgeschichte des Production Codes kurz darstellen. Weiterhin gehe ich auf Faktoren, die den Untergang des Codes ausgelöst und beeinflusst haben,wie auf die Reaktion der US-amerikanischen Filmindustrie auf jene ein.

2. Der Motion Picture Production Code: Ursprung und Entstehung

Als Will Hays 1927 „The Don'ts and Be Carefuls" erstmals vorstellte, hätte er wohl kaum gedacht, dass diese Regelungen die Filmproduktion Hollywoods für annähernd vier Jahrzehnte dominieren würden. „The Don'ts and be Carefuls" ist die Vorlage des Motion Picture Production Code, ein Instrument zur Selbstzensur Hollywoods, das die Filmindustrie vor staatlicher Kontrolle und öffentlicher Kritik schützen sollte.[1]

Das Hollywood der 1920er Jahre war geplagt von äußeren,[2] wie inneren Skandalen. Sowohl Filminhalte als auch das Privatleben seiner Stars machten Hollywood in den Augen der Öffentlichkeit zum Sündenbabel. William H. Hays, Wahlkampfmanager des späteren Präsidenten Harding und Postminister unter diesem, schien daher die beste Wahl für den Stuhl des Präsidenten der 1922 neu gegründeten Organisation MPPDA (Motion Picture Producers and Distributors of America), allgemein unter dem Namen Hays Office bekannt.[3]

Hays erkannte, dass die Filmindustrie einer staatlichen Kontrolle nur entgehen, und somit vollständige Autonomie über ihre Produktion erlangen könnte,wenn sie sich freiwillig einer Selbstzensur unterwarf. Am 31. März 1930 gab Hays die formelle Version von „The Don'ts and Be Carefuls” heraus, die den Namen „Production Code” trug. Die Bestimmungen des Codes gaben einen Rahmen für Filminhalte her, der die Moral des Publikums anheben oder zumindest nicht mindern sollte, und verbannte vor allem Erotik und Gewalt von den Kinoleinwänden. Doch wurde schnell klar, dass der Production Code, oder auch Hays Code genannt, ohne entsprechende Maßnahmen zur Durchsetzung nur ein belangloses Stück Papier war.[4] [5]

Die 1933 gegründete katholische Organisation „Legion of Decency” sorgte mit Boykotten von Filmen für die künftige Einhaltung der Bestimmungen des Codes, ab 1934 sogar mit Unterstützung von protestantischen und jüdischen Organisationen. Die Zeitspanne von 1930 bis 1933 wird daher auch als Pre-Code-Ära bezeichnet. Mit dem Katholiken Joseph Breen an der Spitze wird das PCA (Production Code Administration) ins Leben gerufen, welches den Code ab 1934 für verbindlich erklärt und mit dem „Seal of Approval” für dessen Durchsetzung zuständig ist. Die Legion of Decency entwickelte dafür ein eigenes Klassifikationssystem. Filme mussten von da an sowohl vom PCA als auch von der Legion of Decency freigegeben werden. Auf drohende Sanktionen,[6] wie Geldstrafen, weiteren Boykotten und der ausfallenden Veröffentlichung der Filme ohne Siegel in den großen MPPDA-Kinos, reagierten die noch immer von vorherigen Boykotten und der Großen Depression angeschlagenen Hollywood-Studios endlich. Der Code hatte sich durchgesetzt.[7]

3. Die Faktoren des Untergangs

3.1 Der kulturelle Wandel

Das Amerika der 1960er Jahre war stark geprägt von gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen. Der seit Jahrzehnten tobende Rassenkampf in den Vereinigten Staaten erreichte seinen Höhepunkt in der Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King jr. 1968. Auch wenn vier Jahre zuvor die Segregation in den Staaten gesetzlich aufgehoben wurde, bestimmte sie dennoch weiterhin das Denken der Menschen. Die militärische Intervention der USA in den Vietnamkrieg teilte die Nation. Die Proteste, die daraus erwuchsen, stellten erstmals Fragen über die fundamentalen Werte des „American way of life”. Auch der außenpolitischen Linie der „Containment Politik”, der Eindämmung des Kommunismus, stand man in weiten Teilen des Landes mittlerweile skeptisch gegenüber.

Dennoch war das Jahrzehnt ebenfalls von einem positiven sozialen Wandel, wachsendem Wohlstand und generellem Wohlbefinden bestimmt. Die Präsidentschaft des ermordeten John F. Kennedy verknüpfte man auch darüber hinaus mit dessen Ideen und Zielen von Bürgerrechten und sozialer Gerechtigkeit.

Was die Gesellschaft jedoch noch mehr beeinflusste, war die Entscheidung der Federal Drug Administration im Jahr 1960. Die Einführung der Antibabypille markierte die Geburtsstunde der sexuellen Revolution, welche aus dem Wunsch nach mehr sexueller Freiheit heraus erwachsen war. Dies spiegelte dich auch in der 1965 aufkommenden Hippiebewegung wider. An diesem Punkt erlitt die amerikanische Gesellschaft den drastischsten Umbruch ihrer Sitten und Werte.[8]

Die 1960er Jahre waren weniger ein Jahrzehnt der politischen, dafür mehr der kulturelle und sozialen Neuerung. Was davon zurückblieb, und womit sich die Unterhaltungsbranche Hollywoods auseinandersetzen musste, war eine in vielen Lebensbereichen polarisierte Gesellschaft.

3.2 Das Publikum

In der zweiten Hälfte der 1940er Jahre erlebte das Kino einen wirtschaftlichen Höhepunkt seiner Laufbahn. Mit wöchentlich circa 90 Millionen Besuchern im Jahr 1946 kristallisierte sich das Kino als Spitzenunterhaltungsmedium der Nachkriegszeit in Amerika heraus. Doch schon ein Jahrzehnt später fiel diese Zahl um fast die Hälfte. Dieser Schwund lässt sich nicht allein mit dem Einzug des Fernsehapparats in die Haushalte erklären, denn dieser begann bereits vor der massenhaften Verbreitung des neuen Mediums Fernsehen, das kostenlose Unterhaltung in das US-amerikanische Wohnzimmer brachte. Erst in der Mitte der 1950er Jahre lässt sich vom Fernseher als neues Massenmedium sprechen: 1955 besaß die Hälfte aller amerikanischen Haushalte einen Fernsehapparat.[9]

[...]


[1] Vgl. Maltby, Richard (1995): The Production Code and the Hays Office. Berkeley and Los Angeles, S. 43.

[2] Vgl. Maltby 1995, S.38.

[3] Vgl. Bender, Theo (2012): Lexikon der Filmbegriffe – Hays-Code. URL: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=198, Zugriffsdatum: 28.03.2017.

[4] Vgl. Maltby 1995, S. 43.

[5] Vgl. Vieira, Mark A. (Hg.) (1999): The 1930 Production Code . New York, S. 214.

[6] Vgl. Bender, Theo (2012): Lexikon der Filmbegriffe – Hays-Code: Ende und Praxis. URL: http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=1967, Zugriffsdatum: 13.03.17.

[7] Vgl. Maltby 1995, S.45.

[8] Vgl. Monaco, Paul (2001): Introduction. Berkeley and Los Angeles, S. 5f..

[9] Vgl. Stephens, Mitchell (o. J.): History of Television. URL: http://www.nyu.edu/classes/stephens/History%20of%20Television%20page.htm, Zugriffsdatum: 20.03.2017.

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Details

Titel
Der Untergang des Motion Picture Production Code und die Ablösung durch das Ratings-System
Hochschule
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig  (Institut für Medienforschung)
Veranstaltung
Einführung in die Filmgeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V417151
ISBN (eBook)
9783668669970
ISBN (Buch)
9783668669987
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motion Picture Production Code, Hays Code, Hollywood, 60er, Ratings-System, The Don'ts and Be Carefuls, Zensur
Arbeit zitieren
Laura Schneider (Autor), 2017, Der Untergang des Motion Picture Production Code und die Ablösung durch das Ratings-System, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/417151

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